Donnerstag, 14. Februar 2019

Keine Kunst

Während ich mich über Leinwände ergieße,
kleckere ich über die Ränder, beflecke die
hungrige Erde mit Punkten der Abwesenheit.
Sie nennen mich Platzhalter
und
ich bin keine Kunst.


Jeden Abend schließe ich die Tür,
schließe auch meine Augen, disassembliere mich,
langsam verflüssige ich mich.
Flüchte ich und flottiere.
Wenn meine Füße den Boden nicht berühren können,
kann ich auch nicht zur Last fallen.
Ich schwinde, ich zerfließe -
ohne Motiv für die Glorie des Todes.
Hier gibt es keinen Platz für
Spuren der Dramatik.


Ein Mann im Zug letzten Montag:
Er rempelte mich an, entschuldigte sich
und lief weiter.
Seine Titanweiß-blankes Nuscheln waren die
letzten Worte der Anerkennung,
die ich seitdem gehört habe.


Angsteinflößend agiert die Ehrlichkeit,
die wie Wahnsinn die nächste Pille
zu meinem Munde trägt;
und die nächste, und die nächste.
Repeat.
Mir ist schwindelig
und
ich kann nicht beschreiben,
wie sehr ich Liebe vermisse.
Still starre ich auf den Bildschirm,
zähle endlos grenzenlose Zukunftsfantasien,
die schon längst hinter meinen
Zähnen erstickt hätten sein sollen.

Selbst auferlegt
sterbe ich zwischen den Mauern
einer unbewachten Besserungsanstalt.
(In meiner Hosentasche steckt der Schlüssel.)

 
Zeit lässt Narben schmelzen,
doch den Schmerz der Stunde
ist ein Brandmark,
gefestigt für eine Ewigkeit:
Ein Mahnmal des Moments,
der sie gebar
und den Fremden,
denen sie gehören.

Nein, ich bin ganz sicher keine Kunst.

Freitag, 25. Januar 2019

Waffen

Bewaffnet mit nicht mehr und nicht weniger als einem halben Magazin Emotionen, zwei Drittel eines gebrochenen Herzens und einem zerschlagenen Spiegel als Augen bat sich mir kein Schutz für meine Seele. Damals wollte ich oft darüber sprechen. Doch Worte verheddern sich leicht in einem niedrigen Selbstwert. Sie wollten meine Lippen einfach nicht verlassen. So wurden sensationelle Ideen zu irrelevantem Unsinn. Ein Hilfeschrei verklang in einem Gespräch über das Wetter.
Möglicherweise ist so auch schlichtweg der Lauf der Dinge für mich vorgeschrieben gewesen: Anstatt zu lernen wie ein brillantes Ego in Liebe blüht, lernte ich Geräteschuppen und Betten zu fürchten, hasste weiße Badezimmerfliesen, die nicht getränkt mit Blut waren und dass Männer mit Augen wie Messer diese auch gegen Menschen einsetzten, die sie lieben sollten. Zu Mindest respektieren müssten.

Bewaffnet mit Glasscherben-Stärke, einen deplatzierten Sinn von Abhängigkeit oder gar Bestimmung und dem Überlebensmut eines Totgeweihtem kreiste unbeschreibliche Sehnsucht durch meine dunklen Gedanken. Selbst für die Buchstaben meines eigenen Namens suchte ich Bestätigung; aus diesem Verschwinden wuchs die Angst etwas zu verlieren, was man nie erleben konnte. Sich selbst, Liebe, Zuneigung...
Wo liegen die Grenzen? Was sind die Konsequenzen etwas nicht zu finden, was man Nicht-Kennt oder etwas zu finden, wovon man glaubt, es nicht verdient zu haben?
Dabei möchte ich doch nur, dass Menschen wahrnehmen, dass ich bin; dass ich nicht nur existiere, um Seelenschmerz gerecht zu werden. Hier drin ist noch Geist, noch Kampf, noch Licht - wenn auch in Trümmern, wenn auch nur schimmernd. Niedergedrückt von dem Gewicht bestiefelter Füße; es ist nie zu spät zu realisieren, dass es wenig Gerechtigkeit im Zorn von gebrochenen Menschenherzen gibt. 

Bewaffnet mit halb-verbrauchten Erfahrungen, regelrechten Episoden von Gebrechlichkeit und Kummer und mentale Imbalance, die selbst mein Therapeut stetig hinterfragt. Die Bürden der Vergangenheit gehalten von zittrig-schwachen Knien: Sie sagten, meine Augen würden besser zu einer alten, bitteren Dame passen. Wer bin ich schon, zu berichtigen? Wer war ich schon, noch jung, um einen Platz zu suchen, in dem Vertrauen kein ephemer Zugzwang ist? Zwischen Tränen und Bedeutungslosigkeit liebte ich zu heftig, zu intensiv, zu allgegenwärtig. Diese Art Liebe, die mit Venen verbunden wurde, uns nur einen kurzen Zeitraum gewährt wird und immer von dem Empfänger wieder zurück verlangt wird.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen "Nach den Sternen greifen" und "Geerdet sein": Gegensätzlich meiner Natur machte ich zur Gewohnheit, was niemals hätte mein Geist und mein Zentrum erreichen dürfen. Ich machte Schwermütigkeit und seelen-zerfetzendes Leid zur Gewohnheit. Ich machte zur Gewohnheit, von anderen benutzt, missbraucht, verletzt, beschimpft und gedemütigt zu werden. Ich machte zur Gewohnheit, jegliche Last und jedes noch so geringfügiges Schuldgefühl auf meine Schultern zu lasten. Ich machte zur Gewohnheit, gebrochen zu leben, gebrochen zu fühlen - gebrochene Versprechungen zu machen, die nicht nur mein Herz ruinierten.
Ich machte sie zur Gewohnheit. Ihre unbeschreibliche Erbärmlichkeit, die mich wie ein schwarzes Loch in sich hinein zog. Ihre Wut, ihr Hass, ihre Brutalität, ihre Krankheit. Sie haben mich in grundlegende Einzelteile zerrissen und ich konnte mich nicht befreien. Trug die Gewohnheit wie ein Laster, wie Schmutz auf meiner Haut - für jeden sichtbar, für niemanden greifbar. Omnipräsent schluckte ich sie wie Glasscherben, jeden Tag aufs Neue. Übrig geblieben ist wohl nichts als ein durchbohrter Magen und Blut in meinem Mund.

Mehr als meine Kindheit, meine Unschuld, meine Freude werden sie nicht bekommen.
Bewaffnet mit klaren Augen, einem zu lieben bereiten Herzen und einer mir unbekannten Hoffnung wähle ich Freiheit über Gewohnheit.

Montag, 21. Januar 2019

Der Mühe wert

Daraus könnte ich eine Geschichte schreiben: Das Blackout, dass mich wie eine Offenbarung erleuchtet. Der Sinn der Rationalität blendet mich in kompletter Eklipse. Einfacher als tote Winkel aus den Augen menschlicher Massenware zu stehlen, um sie zu Schwachpunkte zu machen.
Gäbe es nicht den Jungen, in den sich mein Herz gerne verlieben möchte und die tausend unablässigen Fragen meines unaufdringlichen Therapeuten; warum ist gerade einer anders als der andere? Warum sind Blickwinkel so verschieden? Warum sind Ansichten, so ruhig und hintergehend, immer gefiltert? Ist dies genug oder Selbstfolter? Ist dies ein Versuch wert oder ein wertvoller Versuch?
Gefangen in einer einschränkenden Sucht alles und jeden permanent zu beschädigen. Natürlich ist dies weniger glamourös als uns Hollywood jemals weiß machen könne. Träume, die man nicht verinnerlichen kann, sind Wahnvorstellungen - egal, in welcher Form und Farbe sie auf uns zu kommen. Hier stehe ich unter toten Sternen, die benannt nach noch toteren Herzen über mir scheinen. Mir ist bewusst, dass es keine Steigerung von tot gibt; immerhin in dies ein drohender Zustand bereits vergangener Vergänglichkeit. Allerdings bezweifle ich auch Sinn und Realität, weiß gar nicht, warum ich einen Fuß vor den anderen setze. Ich möchte nur nicht stehen bleiben. Nur um irgendwann einmal irgendwo, in bester Hoffnung bei irgendwem, zu landen. Denn erst gestern weinte ich aus dem alleinigen Grund, dass Menschen im Allgemeinen immer einen Grund zum Weinen haben. Darüber könnte ich auch unzählige Zeilen schreiben. Nicht, dass es eine Menschenseele gibt, die jemals danach gefragt hätte.

Das ist die weniger verschwommene Seite des Spiegels. Ob Freund, ob Feind - alles liest sich wie ein offenes Buch. Salzige Lungen, beschmiert mit beklemmender Poesie, und einer Mundhöhle, die mehr Magensäure geschmeckt hat als sie sollte.
Sagt der Welt, dass ich die Menschen zu Mindest genau so liebe wie sie mich. Auch wenn ich nicht existieren sollte, oder sie; aus jeder mir bekannten Sekunde werde ich etwas schaffen, was all dem Aufwand und Schmerz gerecht werden wird. All die vergeudeten morgendlichen Sonnenstrahlen-Katastrophen behalte ich in meinem Brustkorb, damit ich lauter schreien kann.
Ich habe noch nicht aufgegeben. (Doch bin ich dabei.)

Donnerstag, 3. Januar 2019

Während der Schnee fällt...

Ich schniefe und seufze,
kiecher' und weine;
wünsche, ich wäre das,
was am Besten für dich wäre.
Deine verärgerten Worte verbrühen meine Ohren.
Sie prallen auf mich ein, nicht ab -
deine emotionslosen Beleidigungen,
eine Tirade Landminen.
Du fragst, warum ich nicht rede
und ich
schaue an die Zimmerdecke,
zähle die Punkte darin.
Du schreist: "Gott verdammte Scheiße",
während ich auf meine Lippen beiße.
"Ich verstehe nicht, warum du nicht mit mir
reden 
kannst."
In meinem Kopf schwirren viele Widerstände,
die ich sagen könnte,
obwohl ich weiß, dass du sie nicht hören willst.

Wenn meine Stille und ich
hier
nicht willkommen sind,
wo soll ich hin?
Aus diesem Grund schließe ich die Augen,
erfinde mich neu,
in dem ich mich auf Spannung gefasst mache.
So entschuldige ich mich - nicht besonders überzeugend,
und verspreche, verspreche,
verspreche hoch und heilige,
dass ich mich ändern werde.
Die Sonne kommt hinter einer Wolkenwand hervor
und du küsst meine Stirn.
Wir wissen, dass ich lüge.
Wir wissen, dass Wandel ein ungewolltes Geschenk ist,
welches ich nicht zu öffnen vermag.

Leise weine ich an deiner Schulter.
Und ich wünsche mir so sehr,
dass du hören könntest,
was ich nicht sage;
dass du verstehen könntest,
wofür ich keine Worte finde.

Sonntag, 30. Dezember 2018

Freiheitskäfig

Etwas für sich entdecken, ist unvergleichlich. Erst neulich habe ich für mich Freiheitskäfig entdeckt. Prinzipiell ist es ein wenig so wie Hassliebe, nur eben auch nicht. An sich kann man es eher mit der Entdeckung Amerikas beschreiben; es existierte schon bevor es einen Namen trug, war mit Sicherheit vorher auch besser dran, und letztendlich basiert alles auf Krankheiten, Mord und Grußkarten.
Mein Freiheitskäfig ist ein Mann, der beharrlich meiner Unsicherheiten standhält, auch wenn er es nicht ausspricht. Ich weiß einfach nicht, ob seine Apathie in Desinteresse versinkt oder sich in etwas Bedeutsames übersetzen lässt. Zu Mindest ist er konsequent geschickt darin, mich im Unwissenheit schwimmen zu lassen.
Allerdings räume ich hier vereinfachte Entschuldigungen ein: Abgesehen von meiner Instabilität und den Alpträumen, über die ich nicht mit ihm reden kann, bin ich in allem eher durchschnittlich. Milde ausgedrückt bin ich selten bis niemals mehr als das, was auf der Oberfläche schimmert. Das gemischt mit einer gehörigen Portion Angst summiert sich zu hunderten Seiten aneinander gereihten Buchstaben.
Und das - falls man es immer noch nicht versteht - bedeutet unzählbaren emotionalen Scheißdreck.
(Gut, die Hälfte davon fällt unter die Kategorie "Melodramatisch", kleinlich und pedantisch, doch für mich Enden Schmerzen stets mit einem Semikolon. Wirklich vorbei ist es nie.)

Es ist so: Ich möchte ihm vertrauen. Dann aber rede ich von tausend kleinen Belanglosigkeiten, nur um nicht auf den Punkt kommen zu müssen. (Was ist eigentlich der Punkt?) Manchmal frage ich mich, ob dies nicht in flache Lügen ausartet. Immerhin ist niemals etwas SO schlimm - auch wenn es das ist. Substanzlos presse ich berührte Zeilen hervor und warte auf den Widerhall, der Eis zum Schmelzen bringt. Wir sind expressiv nicht auf einer Ebene.
Genau hier liegt mein Käfig. Ich möchte, dass wir einander spüren, uns antasten und berühren. Irgendwie aber auch nicht. Mir ist bewusst, dass ich auch zukünftig nicht mehr sein werde als ich bin. Obgleich meine Unzulänglichkeiten meist imaginär sind, weiß ich nicht, ob sein Zugwrack einfach in eine andere Richtung fährt als meines.
(Definition Freiheitskäfig: Ich möchte gerne ein Teil seines Ganzen sein. Ich möchte keinesfalls jemandes etwas sein.)

Aus einer Anzahl von Nummern werden Tage. Dieses überwältigende Gefühl, ihm in die Augen zu schauen, lässt mich in Flammen stehen. Doch dann sitzen wir allein im Park, Bein an Bein, und er möchte mich nicht küssen. Nachdem aus Tagen Monate wurden, fühle ich mich mehr zu ihm hingezogen. Auch nachdem wir Sex hatten, möchte er meine Hand nicht in der Öffentlichkeit halten.
Ein schwarzes Loch für jedes Herz: Rationalismus über Enttäuschung. "Besser sprechen" über "Du bist es einfach nicht wert".
Natürlich muss man den etwaigen Fakten ins Auge sehen. Möglicherweise bin ich es auch nicht wert. (Glaub mir, in diesem Satz steckt weniger Selbstmitleid als du denkst.) Auf meine Frage, ob meine Arbeitslosigkeit ein Problem für ihn darstellt, antwortete er "schön ist das nicht. So schlimm aber auch nicht". Sicherlich fügte er den letzten Abschnitt aus Rücksicht hinzu - aber was bedeutet 'schön' in diesem Sinne? Und wenn diverse pathologische Abschweifungen mentaler und psychischer Art nicht 'schlimm' sind, was ist es dann?
Er wusste und weiß davon; und ist trotzdem noch da. Heißt das, es liegt jetzt in meiner Position etwas zu ändern oder basiert die Gesamtsituation auf Ignoranz und Beschönigungen? Nennt man diese Stellung den "Lückenfüller"?

Jetzt lächelt er - und die Falten um seinen Mund sind wie Amphetamin. Ich über-analysiere nur. Das hier ist großartig, nur etwas ausbaufähig. Wir brauchen Zeit und Verständnis. Das irgendwann der Zeitpunkt kommen wird, an dem er realisiert, dass es da draußen durchaus hübschere, fähigere, arbeitende Frauen unterwegs sind, muss dem Ganzen jetzt ja keinen Keil dazwischen treiben. Besser geht immer. In meinem Fall ist besser nun auch kein Berg.
(Definition Freiheitskäfig: Liebe ist wie Leere; Leere ist schwer herunter zu schlucken. Einmal zwinkern und alles tut weh. Zweimal zwinkern und alles fühlt sich richtig und unsagbar wundervoll an. Ein drittes Mal Zwinkern und absolut gar nichts passiert.)

Dienstag, 25. Dezember 2018

Mach' dir eine eine schöne, selbstzerstöererische Weihnacht

So leicht vergisst man die Schritte zur Selbstzerstörung nicht: Es ist das selbe Lied, der gleiche Tanz.
Ich falle in Parallellinien meiner Selbst und tue so, als hätte ich niemals ein Hungergefühl. Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass der mit fettigem Essen gedeckte Tisch eine Art abweisenden Ekel in mir hervor ruft.
Mariah Carey und Wham! laufen im Radio. Vorsichtig, jedoch nicht sachte, beiße ich auf die Innenseite meiner Wangen: 'Nur drei Tage. Nur drei Tage.'

In meinem Kopf markiere ich Satzfetzen und Phrasen, die längst zur Vergangenheit gehören sollten. Doch wie soll ein Paragraf Verletzungen heilen, der nie aufgearbeitet wurde? Vielleicht bin ich zu nachtragend und Feliz Navidad erinnert mich ausgerechnet daran.
So wälze ich mich in den Gefühlen, die ich nicht bereit bin zu fühlen und weiß einfach nicht, was ich sonst dazu sagen soll. Nicht, dass mir Worte fehlen würden; nur Bezug und Investment.


Meine Mutter sagt, ich wäre zu spät geboren und ich sei dreißig Jahre zu alt für mein Alter. Allerdings kann ich nur behaupten, ich wüsste genau, was sie meint. Entweder möchte sie mir sagen, dass Reife nicht immer ein Segen sei oder manche Menschen sich schneller dem Verfall nähern als andere. Möglicherweise stimmt auch Beides und sie meint nichts von dem. Mit 14 war ich mutiger als ich es jetzt jemals sein könnte. Weniger einsam, aber auch weniger angepasst. Damals gab es viel mehr Leute, die mich bluten sahen und nichts sagten.
Mein Vater beschwert sich lautstark über meine Körperhaltung. Ironie berührt mich, doch ich richte mich trotzdem auf. Meine Muskulatur und meine Haut fühlte sich stets zu schwer für diese Knochen an. Meine Wirbelsäule ist müde, genau wie ich. "Man darf halt nicht zu anders sein, um von anderen gemocht zu werden", säuselt er mit einer leichten Alkoholfahne, die nicht nur sein Gehirn umnebelt.
Wenn er wüsste, wie sehr ich mich im Versuch 'Nicht anders sein' verbiege.

Als ich meinem Bruder gestand, Herzschmerzen zu haben (physisch, nicht im dramatisierendem Sinne), äußerte er keine Sorge. In einem überraschend abwertenden Tonfall sagte er, ich hätte doch noch gar keinen Roman darüber geschrieben.
Technisch gesehen, liegt er mit der Grundaussage nicht falsch, aber ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich mir ein kleines bisschen... Mitgefühl gewünscht hätte. Ein Stückchen mehr Entsetzen, oder Fürsorge...
Plötzlich reißt ein Seil, welches mein geplättetes, instabiles Ich von Damals trennt und ich liege in einem bekannten Bett, welches nicht meins ist, strecke meine Hände nach Rasierklingen und bereue. Ich bin nicht ausschließlich das, was das Geschriebene zu Tage trägt. Darauf möchte ich bestehen. Auf Staub schreibe ich Gedichte und sehe einem Weberknecht zu, wie er von einer Seite der Wand zur anderen kriecht. Es ist nicht Zuwendung oder Zuneigung, die ich mit diesen Zeilen ersuche, nur etwas Augenmerk. Immerhin ist es Weihnachten, richtig? Wenn ich jetzt nicht das verzweifelte, kleine Kind, welches an Hosenbeinen zieht, sein darf, wann dann? Ich möchte ja auch nicht, der Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit sein oder der störenden Faktor in einer sonst einwandfrei laufenden Fabrik; nur wenn ich über meine eigenen Füße stolper' und mein Herz erst zu schnell klopft und dann aussetzt, wäre ich lieber etwas weniger mangelhaft. (Immerhin kennt ihr nur meine Unzulänglichkeit, aber nicht das warum.)

Lasst uns froh und munter sein und uns an die Zeiten erinnern, an denen wir gemeinsam miteinander gelacht haben, nicht übereinander. Lustig, lustig, tralalalala.... und ich weine, denn jeden beschissenen Dezember ist es das Selbe.

Freitag, 14. Dezember 2018

Fragmente

Lass' mich sie 'Fragmente' nennen; die Teile von mir, die zu erschöpft waren, um zu bleiben.
Einmal nannte sie jemand 'Flecken, weil du eine Flocke bist'. Es war ein seltsam vertrauter Satz, den ich zuvor noch nie gehört habe. Ich wünschte, er hätte Recht gehabt, denn ich bestünde lieber aus Flecken als aus Fragmenten. Flocken sind schlichtweg hübscher, zarter - auch vergänglicher in ihrer Zierlichkeit. Sie fallen sanft und lautlos hinab, um zu schmelzen.
Fragmente sind gefundene Bruchstücke einer Vergangenheit, die hätte unberührt bleiben sollen.

Aus diesem Grund bin ich ein Fragment: Diese Narben dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

+~+

Man nennt dich 'verrückt', wenn du versuchst deine Beine mit Blut zu bemalen.
Obwohl es durchaus entleerend und belehrend wirkt, tausche ich nun Blut mit Nichts. Male mit der Fingerspitze sanft Bildnisse verzierender Schmerzen.
Manchmal ist es eine ungewollte Berührung, oder ein herablassender Blick; manchmal ist es ein drei-beiniges Pferd und manchmal die letzte Beherrschung, die an der Seele nagt.

Das Zeichnen konnte ich bisher nicht aufgeben.

+~+

In der Nacht, wenn Regen missmutig gegen die Fensterscheiben klopft, sitze ich wortlos vor meiner Tastatur und gebe vor, heroische Geschichten zu schreiben.
"Was soll ich nur schreiben?", frage ich mich und lasse die Gedanken über den Balkon des Nachbarns fliegen. Nicht all zu weit, dass man sie notfalls einsammeln könnte - weit genug, um sie bestenfalls los zu lassen. Irgendwann werde ich einmal lustige Geschichten schreiben, etwas zum Schmunzeln und Lachen. Etwas, welches man mit diesem blassem Gejaule, welches entzündeter Haut ähnelt, nicht gleich setzen kann.
Dann werde ich auch besser schlafen, vor Allem besser träumen können. Nicht vergleichbar mit dem Schweiß auf der Stirn und der angespannten Rückenmuskulatur. Kurz fahre ich mir mit den Händen über das Gesicht; Mondlicht im Schlaf.

+~+

Im Magazin Spektrum steht: "Der durchschnittliche Mensch verliert 18 Kilogramm Haut im Laufe seines Lebens".
Somit verteilen sich humane Fragmente in jeder ausdenkbaren Situation. Beim Abwasch, im Zug, beim Hände schütteln, beim Schreiben von zusammenhangslosen Schriftstücken: Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Es beschleicht mich das Gefühl, dass meine Fragmente an Orte reisen können, die ich niemals sehen werde.

Und wenn ich frage: "Wirst du nächstes Jahr Urlaub in Dänemark machen?", bin ich überzeugt, dass irgendwas von dir bereits dort ist/war.

+~+

Meine Fragmente und ich sind nicht unkomfortabel. Wir können uns nur nicht anpassen. Es ist nichts als die Haut, in der ich stecke.