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Dienstag, 25. April 2017

Versagen

I
Steh' einfach nicht wieder auf.

II
Es wird Kreaturen, schreckliche Kreaturen,
in den dunklen Höhlen hier unten geben.
Ihre Finger werden sich nachts um deine
Kehle legen.
Freunde dich lieber schnellstmöglich mit ihnen an.

III
Erinnere dich stets detailgenau an deine Fehler,
jeden Makel, jede Hässlichkeit.
Dann können die Flammen auf deinen Wangen
dich jederzeit warm halten.

IV
Grab. Grab immer weiter,
denn dies ist dein Grab.
Niemand kann es dir nehmen.
Dein Herz ist ein Friedhof.

Lass' bloß niemals jemanden
Blumen vorbei bringen.

V
Immer schön lächeln
und den Kopf hoch halten.
Niemand muss sehen wie
leer, zerfallend und verfaulend
es in dir ist.

VI
Du wirst niemals jemanden finden,
der dich wieder zum Leben erwecken kann.
Komme niemals auf die Idee,
das Gegenteil glauben zu wollen.
Du bist eine Leiche.

Montag, 24. April 2017

Prüfstein

"Besser als" heißt nicht "gut".
Es bedeutet lediglich, dass Maßstäbe verschwimmen.

Donnerstag, 20. April 2017

Älter werden

I
Coupons und Schnipsel mit Sonderangeboten wurden plötzlich bedeutsamer als Altpapier. Auch die Löcher in den Hosen sind heute ein eher ein Statement als Flickarbeit.
Und manchmal, ja, manchmal frage ich mich wieviel mein unechter Schmuck einbringen würde, wenn ich dem Käufer berichten würde, ich hätte Jesus' Gesicht im Schimmer einer Perle glänzen sehen.

II
Langsam beginne ich die ruhigen, kleinen Waldgebiete, bei denen ich aufgewachsen bin, zu vermissen. Nur das Rascheln der Blätter und der zarte Duft der Blüten einmal erwähnt, und ich fühle mich hier - in der sogenannten neuen Heimat - gefangen.
Ich habe Angst, dass ich niemals die Welt sehen werde bevor ich von ihr zurückgetreten bin.

III
Der Glaube sagt, dass das Leben voller Fragen ist. Dabei hätte ich doch nur gerne ein paar Antworten. Aber auch ich habe viele Ersuchungen und zu viel und zu wenig Zeit.

IV
Meine Tante wäre heute 65. Als sie im Krankenhaus ein paar Fotos aus den 80ern in den Händen hielt, leuchteten ihre Augen. Mir wurde bewusst, dass meine Zeit auf Erden, wie lang sie auch sein mag, sehr kurz ist.

Freitag, 14. April 2017

Mit der Nacht reden

Wenn jemand sie nach ihrem größten Wunsch gefragt hätte, hätte sie geantwortet: "Ich möchte nur jemanden, der bedeutungslose Konstellationen auf meine Schulterblätter zeichnet, Van Goghs sternenbesetzte Kringel auf meine Hüften malt und so mit einem simplen Atemzug liebevoll Wellen aus Vergessenheit in mein Herz führt."
Denn ihren Augen sind müde und ihre Lider mit Asche bedeckt. Einsamkeit lässt sie rotten. Mit anderen Menschen geht sie immer nur durch dünn, niemals durch dick.

Selbst die Ärztin in der psychiatrischen Klinik meinte, sie würde ihr Herz doch am richtigen Fleck tragen. Sie sagte ihr, dass es nur daran liegen würde, dass sie es gar nicht tragen würde. Auch sie, die Göttin in Weiß, dachte an kalte Kanten aus weißer Keramik, poliert doch leer-gelebt.
Doch fühlte sie immer nur so tiefgreifend, schmerzte immer so dunkel, dass sie sich oft fragte, ob ein Mensch so etwas eigentlich tolerieren muss. Ihr Herz ist eben nicht groß; und mehr geht immer. Der Kopf ist schwer und überall.

Donnerstag, 13. April 2017

Ich schlucke Stücken aus Verzweiflung und toter Luft

I.
Er schaute immer nach oben, wenn er versuchte, die Tränen zurück zu halten.
Es braucht mehr als Willensstärke, um diese unbekannten Mächte auf zu halten.

II.
Ich lackiere stets meine Fingernägel und leuchtenden Farben oder Blutrotschwarz. Dann ziehe ich mich gezwungenermaßen hübsch an, um nicht zu sehr auf zu fallen. Ehrlich gesagt habe ich Angst, dass jemand meine eigentliche Traurigkeit erkennen zu können.

III.
Ihre Finger zittern. Denn in einem Herz, in dem Angst zu Hause, wächst auch Unsicherheit. Ja, hier könnte eine Menge Unsicherheit liegen.

IV.
Er möchte sich die Haare gerne braun-blau gestreift färben, mit türkis, gelb und grün in den Ansätzen. Der Kopf eines Pfauenhahns; Lippen so blass, dass sie an Zuckerwatte und spaßigen Riesenrad-Fahrten erinnern.
Oft fliegt er hoch. Hoch genug, um niemals wieder herunter zu kommen.

V.
Mein Kopf ist kugelsicher.
Aber was bringt mir das, wenn es mein Herz nicht ist?