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Freitag, 30. September 2011

Bilanz September: "Reiß' dich wieder zusammen!"

Morgen beginnt der Oktober. Der Monat September verlief schnell, doch irgendwie unreal. Als hätte ich ihn aus einer anderen Sichtweise betrachtet.Viel Scheiße ist passiert, aber auch einiges Gutes, mit dem ich gut leben kann.

Höchstgewicht im August:
46,5 kg
Tiefgewicht im August:
43,3 kg
Fressanfälle:
Am 12., 13., 15., und 24.
Ausprobierte Diäten:
nur ein paar Fastentage, die ich jedoch nicht als Diät empfehle

Erfolge:
  • 44 Kilogramm unterschritten
  • 3 aufeinanderfolgende Tage Fasten
  • die ersten Termine beim Therapeuten zum Vorstellen
  • mit einer Freundin über meine Depressionen gesprochen
Misserfolge:
  • 4 Fressanfälle
  • trotz Fressanfälle keine Diät
  • fast gar kein Sport
  • misslungener Geburtstag
  • SVV
Ziele für Oktober:
  • Schokodiät ausprobieren, ggf. Knast- oder Modeldiät
  • beim Therapeuten nicht so angespannt und verklemmt sein
  • SVV eindämmen
  • weniger Fressanfälle
  • den Geburtstag meines Bruders organisieren und feiern
  • Fleißiger sein! In Haushalt und Beruf

Donnerstag, 29. September 2011

Unkraut

'Unkraut vergeht nicht'. Selbst mein Großvater sagte das immer.
Ich kann mir vorstellen wie es sich fühlen muss: Umgeben von Blumen, die zierlich ihre farbige Pracht zum Licht der Sonne halten. Das Unkraut beschattet, von allen Blicken geächtet - doch ungesehen. Gezwungen zu verweilen auf der Wiese des Lebens, auf der eigentlich alles schöner ist als es selbst.

Montag, 26. September 2011

Final Countdown

Das Mädchen mit den vierundzwanzig Lügen, welche unter ihrer Brust befestigt sanft hervorstechen. Die Konturen bestaunenswert wie Musiknoten; doch gleichzeitig so schrill wie vernarbte Hautfetzen, die sie zum Schreien bringen.

[Verfickte Schlampe. Fehlkontruktion. Nicht perfekt]

Gefangen im Spiegelkabinett ihrer Sinne. Mit wilden Augen und verformten Zügen versteckt sie sich hinter verschlossenen Vorhängen. Nur einige Schritte entfernt von schweißtreibenden Flutlichtern und jubelnden Publikum.
Horrorszenario, selbsterschaffen und doch reale Fantasie. Der Clown mit aufgemalten Lächeln, übermalt, doch die Augen der Kinder leuchten. Dafür nimmt sie den Schmerz in Kauf.

[Häßlich. Fett. Unzureichend. Nicht perfekt]

Plötzlich verwandelt sich alles, was sie vor ihren Augen sieht, zu Nummern. Der Wert ihrer gerechten Richtbarkeit. Countdown zum Finale. Ein Atemzug. Drei Herzschläge. 5,7 Strafen werden folgen. Mit geraden Blick in Richtung ihres Hänkers.

[Hure. Widerlich. Verwerfliche Kreatur. Nicht perfekt]

Das Mädchen, welches der 0 nacheifert - oder der 00 -, sich selbst dieser Grausamkeiten zugeschworen hat. Auf dem Grund des Kriegsfeldes bleibt sie stehen, schaut zurück auf ihre Machenschaften und wünscht sich aus ganzem Herzen vom Wind davon getragen zu werden.

[Nicht perfekt.]

Vierundzwanzig Lügen und zwei emporbrechende Gedenktafeln, die aus der Hüfte herauswachsen.
Drei Wimpernschläge. Zwei Tage weniger essen. Ein weiterer Atemzug.
Schweigend wartet sie auf dem Tag, an dem sie das wiegt, was sie ist:
Nichts. Zero and Over.

Samstag, 24. September 2011

Rotkäppchen

Bitte habe keine Angst vor dem bösen Wolf, auch wenn du weißt, dass er gerne in die Hand beißt, die ihn füttert.
Jedoch fürchte um den Schutzwall deines Herzens, denn der böse Wolf wird nicht davor zurückschrecken, es zu brechen; es in Fetzen zu zerreißen, genüsslich zwischen seinen Fängen zu zermalmen und noch blutverschmiert herunter zu schlucken.

Freitag, 23. September 2011

Gegensätze

Habe heute einen Refeed-Day gemacht, ist auch alles gut gelaufen. Ich sollte stolz sein, aber eigentlich habe ich Angst, dass ich morgen wieder über 45 Kilogramm wiege. Auch wenn es Mageninhalt wäre.
Am Liebsten würde ich den Rest meines Abendessens wieder auskotzen, aber eigentlich möchte ich auch weiter essen - kalorienhaltiges, fettes. Einfach nur noch Reinstopfen.

Außerdem war ich heute Einkaufen und habe mir ein paar neue Sachen gekauft. Zuerst habe ich mich riesig gefreut, dass ich etwas gefunden habe und dann hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich so viel Geld ausgegeben habe. Scheiße.

Ich habe Angst vor dem Schlafengehen. Aber eigentlich möchte ich nur schlafen und nicht mehr aufwachen.


Warum muss alles in meiner Welt so gegensätzlich sein?

Vogelsterben

Federreste fallen die Flügeln herab wie Tränen;
sie kann nicht davon fliegen, kann nicht über sie hinaus wachsen:
Der Körper wächst auch gar nicht mehr.
Genau wie der Geist.
Vorallem aber auch die Hoffnung.

Die Erdanziehungskraft gewinnt,
vergräbt sie unter der Schwere der Luft.
Am Boden liegen Federn.
Sie lebt in einem Traum,
lebt den Traum davon zu fliegen.
Mit nacktem Körper, federlos.

Vielleicht versteht ja jemand, was ich meine.

Mittwoch, 21. September 2011

Mondlicht und Seelen haben eins gemein: Wiederkehrende Vergänglichkeit

Weglaufen möchte sie eigentlich nicht. Dort liegt nicht der Grundgedanke. Sie wünscht sie nur, sich besser zu fühlen - nein, eher noch besser zu sein. An einem Ort, der nicht 'hier' ist. Wo immer auch 'hier' ist, es ist ja überall der falsche Ort.

Der Himmel macht ihr Angst. Und wenn eine Person sie fragt, warum sie vor dem Himmel Angst hat, sagte sie: "Er sieht einfach so schwer aus. Er könnte auf mich herab stürzen und mich zerdrücken!"
Alle schütteln den Kopf, verbergen ihre verhöhnenden Gedanken hinter einem Schulterzucken.

Wenn sie ihre knochigen Ellenbogen auf die Fensterbank stützt und einfach stundenlang nach draußen schaut, weiß niemanden, worauf sie eigentlich starrt. Ihre ganze Umgebung erscheint ihr plötzlich wie ein falsch belichtetes Foto. Dies ist ihre eigene Welt, selbsterschaffen und unreal.
Vielleicht wird irgendwann einmal jemand feststellen, dass sie gar nicht ihren gefürchteten Himmel entgegen blickt, oder dem Boden, welcher ihr sowieso viel zu räumlich und robust ist. Auch blickt sie nicht auf die sanft im Wind gebogenen Bäume oder auf die kleine Gartenlaube, die am Ende des Gartens errichtet wurde.
"Ich schaue in die perfekte Leere", flüstert sie manchmal, für mache erscheint es wahnsinnig. Für sie ist es das Einzige, was sie real macht, weil es für sie Sinn ergibt. Wie schwer es ihr auch fällt, eigentlich schaut sie nur in die geisterhafte Reflektion ihrer hohl-wirkenden Gestalt.

Ist ihr Körper auch tastbar nah, scheinen ihre haselnussbraunen Augen immer weit entfernt. Etwa wie Sterne am Nachthimmel oder Wellen des Ozeans, die am Horizont verschwinden. Distant im stereotypischem Sinne, nur irgendwie hübscher.
Wie ihre Gefühle, wahrscheinlich, jedoch nicht ihre Gedanken. Definitiv nicht ihre Worte. Der Umgang mit Worten fiel ihr leicht, weil Worte ihr zu Füßen liegen. Immerhin ist es so erschreckend einfach Menschen damit in Wut ausbrechen zu lassen oder in Wonne zu versetzen. Worte sind eine höhere Macht, ein Instrument der willkürlichen Lenkung.

Einmale sagte ein Junge zu ihr, dass er ihre Handgelenke lieben würde. Die Handgelenke deshalb, weil sie so zart und zerbrechlich wirkten, wie Stränge ihrer Seele. Dabei waren ihre Handgelenke, ihre Hände im Gesamten, so weit entfernt von perfekt wie es nur möglich ist, so weit entfernt von gesund wie es nur möglich ist.
Menschen realisieren nicht, dass sie genauso ist wie du und ich - nur gestörter. Ohne einen Hauch schonender Lächerlichkeit. Sie fühlt sich kraftlos, weil sie kraftlos ist. Es gibt keine Art der Kontrolle, wenn es um Staub geht. Was immer das auch bedeutet, für sie macht es Sinn.
Würde nicht überall diese Angst lauern, könnte sie vielleicht ein lebendiges Leben führen. Währenddessen starrt sie weiter aus dem Fenster wie ein Künstler, der sein Gemälde bestaunt oder ein Kind, das gefangen seinen ersten Albtraum erlebt.

Ihr Hals ist sehnig. Ihre Beine gleichen Zahnstochern. Ihre zarten Arme sind eigentlich kaum da. Es ist so schön, dass ihr Anblick krank macht. Man wird sie nicht finden, weil sie versucht unsichtbar zu sein, weil sie versucht unerreichbar zu sein. Wie Wasser, das durch Hände fließt und wie auf einem Lotusblatt abperlt.

"Luft", presst sie zwsichen ihren blassen Lippen hervor.
Die Schönheit, die sie in den Wahnsinn treibt. Der letzte Wahnsinn, der sie am Leben hält. Vergänglich wie ihre sterbende Seele, die im Mondlicht erlischt.
Für sie macht es Sinn.

Trigger Warnungen?

Eine wichtige Frage an alle, die meinen Blog lesen:
Wäre es euch lieber, wenn ich Trigger-Warnungen in den Titel schreibe? Die Rede ist vorallem von Selbstverletzung und einem gestörten Essverhalten.

Dienstag, 20. September 2011

Deshalb liebe/hasse ich sie

Was kann so viel Gewicht haben, so unbegrenzt wichtig sein, dass es einen Atheisten dazu zwingt, zu beten?
Das wunderschöne Mädchen mit der Porzellanhaut steht neben mir, ihr Gesicht zu einer abwertenden Miene verzogen. Ihre perfekt gezupften Augenbrauen sind nach oben gezogen, ihre perfekt geschminkten Lippen verheißen Unmut. Wenn sie mir erlaubt, ihr meine entwürdigenden Blicke zu schenken, kann ich nicht anders, als sie von Kopf bis Fuß zu verehren, sie anzuhimmeln, sie um ihre absolute Perfektion zu beneiden, deshalb liebe ich sie.
Kurz nickt sie und zeigt mit zierlichen Fingern auf die Waage vor meinen Füßen. Ich bleibe bewegungslos. Zu groß ist die Angst vor den Zahlen, die meinen Wert bemessen. Nervös kaue ich an meinen Fingernägel, frage mich noch, wieviel Kalorien die haben, und steige auf das gläsernde Folterinstrument.

Hoch, höher. Ein Nilpferd auf der Waage. Fett, fetter, ich.
Ihre finstere Miene spiegelt nichts weiter als Abscheu wider; Ekel, bei dem sie sich keine Mühe gibt, ihn zu verbergen.
Panik umschließt mein Herz, ich fürchte den Blick nach unten. Zu viel, es wird zu viel sein, egal, welche Nummer die Waage anzeigt. Und zeigt es mehr als gestern an, wird sie mich heut nicht essen lassen, deshalb hasse ich sie.


Eine Träne läuft meine Wangen herab. Zwei. Drei. Ein kleiner salziger Fluss, den ich nur aus Scham und Selbsthass vergieße. Weniger als gestern, trotzdem sterbe ich vor Schuldgefühlen.
Beruhigend legt sie ihre dürren Arme um meinen fetten Körper, flüstert mir mit lieblicher Stimme süße Worte ins Ohr: "Ist schon ok, kleines Schweinchen. Noch hast du ja mich, ich bin an deiner Seite. Dafür isst du heut ein bisschen 'Nichts'."
Sie urteilt über mich und lässt mich doch nicht allein. Sie ist die Perfektion, die ich nicht benennen kann; sie ist grausam, um nett zu sein, ehrlich ohne Skrupel, deshalb liebe ich sie.

So lange es mich dünner macht, muss ich einfach nur leben. So lange es mich schmaler macht, muss ich einfach nicht aufgeben. Wenn dieser langsame Selbstmord das Einzige ist, worin ich gut bin, werde ich nicht versagen. Diesmal nicht.
Sie ist bei mir. Ich bin nicht einsam, deshalb liebe ich sie.
Ich bin zu schwach, um mich ihre Wünsche anzumaßen, deshalb hasse ich sie, obwohl ich eigentlich mich selber hassen sollte. Noch ein wenig mehr.

"Für diese Gedanken solltest du heute fasten. Es ist nicht meine Schuld, dass du dem Kuchen gestern nicht widerstehen konntest, Fetti!"

Sonntag, 18. September 2011

Als ich die Kontrolle über die Kontrolle verlor....

Im Leben gibt es immer einen Zeitpunkt, an dem man "Es tut mir leid" sagen muss.
Es gibt immer einen Zeipunkt, an dem man "Ich habe Fehler gemacht" sagen muss.
Es gibt immer einen Zeitpunkt, an dem man "Es ist genug" sagen muss.
Es gibt immer einen Zeitpunkt, an dem man "Auf Wiedersehen" sagen muss.

Zwischen meinem Körper und meiner Seele besteht keine Verbindung mehr, und auch mein Herz verliert allmählich an Kraft. Oder auch an Willen. Es macht ja doch keinen Sinn sich an einen Haufen Asche fest zu klammern.
Die Monster laufen frei umher, kontrollieren mein Tun und Denken. Die verlorene Kontrolle entfaltet sich mit voller Pracht in einem mittelmäßigen Standardleben.

"Andere sind schlechter dran als du", höre ich eine kleine Stimme in meinem Kopf sagen während mir Tränen die Wanger herunter fließen. Niemand anders als ich selbst habe daran Schuld, dass ich so verletztlich bin. Ich bin ein Versager. Over and Out.
Die Fragestellungen werden zu Schreien, die mein Gehirn zerfetzen. Immer lauter. Immer lauter. Tonloses Getöse, die Anklage an mich selbst.
Warum?

Nichts kann mich zufriedenstellen, weil ES in mir drin ist. Um mich zu jagen. Um mich zu foltern. Um sich über mich lustig zu machen, wenn ich am Boden bin. Nie ist es genug. Nie kann ich der Kontrolle ins Gesicht spucken ohne danach um Gnade zu winseln. (Wie ein Tier - auf allen Vieren. Die Nase in den Dreck. Tiefer! Leck' die Scheiße von den Sohlen!)
Bitte gib mich auf bevor ich mich selber aufgebe!

Die Kontrolle kontrolliert mich. Kettet meinen Verstand an einen eisigen Pfahl gespickt mit Dornen. Lässt mich bluten, Tropfen um Tropfen.

Der Selbstzerstörungsmodus ist aktiviert.
Das System zerstört sich selbst in...
... 5
... 4
... 3
... 2
... 1

... und erneut hat ein Stück Metall mehr Kontrolle über mein Ich als ich selbst.
Im Leben gibt es immer einen Zeitpunkt, an dem man "Ich habe verloren" sagen muss.

Samstag, 17. September 2011

... unter meinem Bett

Es gibt keine Monster unter dem Lattenrost meines Bettes. Sie verstecken sich in meinem Kopf, auf meiner Seele. Oft sprechen sie mit mir, flüstern mir dunkle Gedanken ins Ohr. Manchmal schreien sie auch so laut, dass es das Klopfen meines Herzschlages übertönt.
Die Monster beherrschen mein Sein, sie lenken mich, überschatten mich. Egal, was ich versuche, sie bleiben stetig bei mir - in mir.

Die Klinge schneidet Löcher in bereits vernarbte Haut: Öffnet einen Ausgang, der von ihnen unbenutzt bleibt. Wenn sie doch nur mit dem fließenden Blut verschmelzen könnten,...
Noch ein Schnitt zur Sicherheit. Noch eine Wunde, um den Schmerz seine Grenzen zu setzen.

Bitte verschwindet, ihr Untertümer!

Sonst muss ich zerstören, was in mir brennt.
Den Käfig zerstören, der diese Macht beherbergt.
Das Leben zerstören, der diese Qual in sich trägt.

Angst breitet sich aus, frisst sich durch jede Pore. Bizarre Bilder erscheinen vor meinen Augen. Laufen kann ich nicht, denn die Nacht umfesselt meine Beine mit Klauen aus Finsternis.
Mit süßen Stimmen flüstern die Monster: "Schlaf', Kindlein, Schlaf'. Ohne uns wärst du allein!"

Blut läuft den Arm hinunter. Die Klinge schläft neben mir.
Der Weg ist frei, bitte geht!

Freitag, 16. September 2011

Diäten, die ihr durchgehalten habt!?

Kann mir jemand eine Diät empfehlen, die ihr selber durchgeführt und als erfolgreich bewertet habt? Was habt ihr gut durchgehalten ohne Fressattacken? Bitte schreibt mir Ideen!

Wenn jemand was gemeinsam machen möchte, hätte ich auch ein offenes Ohr!

Vielen Dank!

edit:
Die liebe Niënor und ich fangen am Montag eine Schokodiät an, und versuchen sie bis einschließlich Donnerstag durchzuhalten.
Persönlich bin ich nicht der größte Schokonarr, aber ich freue mich sie unterstützen zu können und eine Diät zu machen, die nicht zwingend in Fressattacken endet.

Freue mich auf jeden Fall darauf und werde morgen einkaufen gehen!

Donnerstag, 15. September 2011

Das Verschwinden fällt mir so schwer

Einfach alles wird zu viel. Sogar atmen strengt mich an.
Könnte ich doch wieder den Wind in meinen Haaren spüren oder die sanften Strahlen der Spätsommersonne auf meinen Wangen vernehmen...

Ein Fehler folgt dem Nächsten. Kann ich absolut gar nicht richtig machen?
Der Schmerz beginnt sich wie ein zu Hause anzufühlen, schließt mich ein wie eine zweite Haut.
Wenn ich nur einfach verschwinden könnte.

Wie Tinte auf einem Brief verwischt...
Wie die Liebe langsam verjährt...
Wie ein Echo, das im Widerhall verschallt...

Warum bin ich eigentlich noch hier?
Unter Qualen schleppe ich mich durch die Zeit, sehne mich nach einer Stütze, die ich nicht bekomme. Doch am Ende das Tages, naja, ist es noch immer das Ende des Tages. Und ich bin immer noch da. Oder hier.

Mittwoch, 14. September 2011

Des einen Freud ist des Anderen Leid

Die Wände, die mich umgeben, müssen dünn wie Papier sein, denn ich kann ihr Gelächter in meinen Ohren schallen hören. Während ich mich gestern noch mit Schokolade und Müsliriegeln vollstopfte - vergebens versuchte den Hohlraum in mir drin zu füllen -, wussten sie wahrscheinlich nicht einmal um meine Abwesenheit. Heute habe ich mich von Dunkelheit ernährt, es macht mich wahnsinnig.
Keiner sieht die Tränen hinter einem fiktionalen, aufgesetzten Lächeln; keiner bemerkt die verschlüsselten Sorgen hinter einer gekünstelten Fassade von Etikette. Dieses Versteckspiele beherrsche ich, übe schon seit Jahren.

Ich bin eine disziplinloses Stück Scheiße.

Es macht mir Angst. Das Essen hat die Kontrolle übernommen, hat so viel Macht über diesen verfluchten Körper. Es geht nicht um Apettit, der ist mir bei meinem Anblick schon längst vergangen. Hunger habe ich auch keinen mehr.
Der Schmerz lässt mich weiter stopfen. Ich möchte die Stimmen in meinem Kopf unter Massen vergraben, möchte das Loch füllen, das mich von innen her auffrisst. Auch wenn es nur Lügen sind, die ich mir zur kurzfristigen Befriedigung den Rachen runterwürge, zwinge ich mir den letzten Tropfen rein.
"Irgendwann platze ich", denke ich; Worte, die mehr in Hoffnung getränkt sind als sie sollten.

Ich bin eine fette Schlampe, die zu dumm zum leben ist.

Wenn ich bloß erfassen könnte, was tief in mir verborgen liegt. Wenn ich bloß sagen könnte, warum mich immer wieder Dämonen heimsuchen. Wenn es bloß nicht so ernierigend wäre, jemanden zu gestehen, dass alltägliche Handlungen für mich große Anstrengungen darstellen; dass Leben - allem voran jedoch Überleben - für mich eine riesige Hürde ist, an der ich oft versage.
Auf der anderen Seite: Was kann denn erniedrigender sein als Toilettenwasser ins Gesicht gespritzt zu bekommen während Tränen und Kotze das Kinn hinabfallen?
Leute sagten einmal zu mir, dass Suizid der lauteste Schrei nach Hilfe ist, den es auf der Welt gibt. Ist dies wirklich zutreffend, ist mein Verhalten nichts weiter als ein degradierendes Schluchzen. Ein Jammern mit viel "Bitte, Bitte". Prinzipiell spiele ich nur Klingelstreiche an der Tür vom Tod.

Ich bin ein wertloses Monster, das es nicht verdient zu atmen.

Zu krank zum leben; nicht krank genug zum sterben, weil ich meine Gefühle zerkaue und runterschlucke, meine Schuld auskotze, meine Hoffnung runterspüle und meinen Wert abwiege.
Das Konzept der Perfektion ist für mich unerreichbar. In der Nacht liege ich wach, weil all dieses widerliche Fett meine dünne Seele erdrückt, überschüttet mit schlechten Angewohnheiten und Erinnerungen. Mit meinen Fingern kneife ich mir in den Bauch, Oberschenkel und Arme, wünsche nur, ich könnte jeden Überschuss wegschneiden.
Wie soll es ein Ende geben, wenn sich die Ziellinie immer wieder verrückt? 55 Kilogramm, 50 Kilogramm, 45 Kilogramm, 40 Kilogramm,... Wann wird es jemals genug sein?
Wann kann ich die Trauer der Vergangenheit überwinden und mir vergeben? Wann kann ich die Hölle der Kindheit verarbeiten und euch vergeben?

Ich bin nutzloser Dreck.

Noch immer lachen sie im Nebenzimmer. Mein Magen verkrampft sich, mir ist übel. Aber ich kann kein Essen mehr sehen. Eine Stimme schreit in meinem Kopf:
"Verhunger doch, du elenedes Stück Fleisch!"

Montag, 12. September 2011

Ein Jahr älter und noch immer nicht dazu gelernt

Heute hatte ich Geburtstag. Meine Eltern haben mir nicht gratuliert, wahrscheinlich haben sie es vergessen. Meine Arbeitskollegen haben mir bei Facebook auf die Pinnwand geschrieben, aber auch nur, weil sie eine Erinnerungsmail erhalten haben. Von Geschenken möchte ich gar nicht erst reden, prinzipiell wären die mir aber auch egal.
Meine beste Freundin, ihr Mann und meine Brüder haben als Einzige daran gedacht. Sie sind die Besten! Danke!

Trotzdem fühle ich mich beschissen. Wertlos, überflüssig.
Bin disziplinlos, fett und häßlich. Eine absolute Versagerin. Müll, den man vergessen hat zu entsorgen und folglich in irgendeiner Ecke rumgammelt.
Habe heute gegessen wie ein Tier, so viel und nur Dreck. Nur Süßigkeiten, wahre Kalorienbomben in Massen.
Scheiße. Scheiße. Scheiße. Ich platze - vor Überfüllung, aber auch vor Scham. Scheiße!

Ich will sterben.

P.S.: Ich habe Angst vor Monster

In mir drin stecken Monster, gleichend einem Schwarm krankheitsübertragender Insekten. In einem Nest sitzen sie fest und bebrüten ihren Nachwuchs, nagen zeitgleich an meinen Eingeweiden. Ich unternehme nichts um sie daran zu hindern. Sollen sie nur meinen Kern aushöhlen; mit reißenden Zähnen mein Fleisch zerfetzen, Pfund um Pfund. Alles soll ihnen gehören, alles bis auf die Knochen. Der Rest ist es eh nicht wert auf dieser Erde zu verweilen.
Und wahrscheinlich haben die kleinen Monster schon mein Gehirn zermalmt. Denn ich verstehe das Flehen nicht, kann das Gewinsel des Körpers nicht deuten.

Mit grausamen Stimmen murmeln sie konstante Worte des Hasses; monoton abwertend, steigernd niederschmetternd.
"Nicht gut genug. Nicht perfekt genug. Nicht dünn genug. Nicht schön genug. Nicht intelligent genug."
Niemals ist es genug. Ich darf nicht essen, vom Fleisch sollen die Monster sich nähren. Vom Fett, das seuchenhaft an mir klebt.
Wenn ich esse, bestrafe ich diesen schwachen, disziplinlosen Körper: Krieche doch auf allen Vieren und schiebe dir die Finger in die Kehle: Krächze und spucke, drücke so tief bis frisches Blut zwischen meinem Erbrochenen liegt. 'Eigentlich würde ich lieber meine Erinnerungen auskotzen', denke ich noch und spüle den ganzen Scheiß herunter.

Gezielt drückt Stahl auf nackte Haut: Ich schneide und blute, schneide und blute; Narbe nach Narbe entsteht.
Das Messer schläft neben dir im Bett. Und überall im Haus sind seine Freunde verteilt.
"Es schmerzt nicht genug. Ich hungere nicht genug. Ich blute nicht genug. Ich kotze nicht genug. Ich schneide nicht tief genug"
Niemals ist es genug. Desto beschissener ich mich fühle, desto fröhlicher klingen die Stimmen der Monster. Wenn ich so tief unten bin, dass ich sterben möchte, jubeln und singen sie sogar; erfreuen sich an meiner Zerstörung. 


Die Monster lachen so laut, dass meine Ohren zu zerbersten drohen.

Sonntag, 11. September 2011

Das Skellet lügt mich an

Vor mir steht ein Mädchen, in meinen Augen burschikos und nicht sonderlich attraktiv. Mit einer Hand kneift sie in ihren Bauch, die andere hält sie sich vor Entsetzen vor ihrem Mund.

"Schau' dir das an!", befiehlt sie mir. "Ich bin abartig fett!"

Das ist sie nicht und das sage ich ihr auch. Wiederhole so lange das Wort "Nein" bis sie zu weinen anfängt. Der Anblick ist bitterlich.

Knochen, Knochen, Knochen - sie wünscht sich so spitze Knochen, dass sich ihre Erinnerungen an ihnen aufspießen und daran feststecken bleiben.

Ihr Magen knurrt so laut, dass die Wände zu vibrieren scheinen.
"Ich habe keinen Hunger", murmelt sie. Ich glaube ihr kein Wort und schließe die Augen vor dem Spiegel.

Wieviele Kalorien hat eine Seele?

Samstag, 10. September 2011

Einsam

Keiner ist geblieben - nur die Leere ist noch bei mir.
Ich will sterben.
Oder endlich einmal leben.

Donnerstag, 8. September 2011

Hungerstreik

Die Farbe von 'Hunger': Eine dreckige Nuance, rauchig auf eine unangenehme Art und Weise. Ähnlich wie Schlamm oder altes Blut. In zwilichtigen Momenten verwandelt sie sich in ein wunderschönes Gesicht: Doch wenn du ihr einmal in die Falle getreten bist, verlierst du dich in einem endlosen Loch. Den ganzen Tag ist sie bei dir, befiehlt dir, was du zu tun hast. Schreibt dir vor, wie du zu Leben hast. Sie redet mit dir, wenn du eigentlich schlafen möchtest. Erinnert dich an deine 'Ziele', deine Ambitionen.
Gefangen im Netz der Lügen wirst du erkennen müssen, dass du ein Teil von ihr wirst. Ein Stück des Kunstwerks, eine nicht zu ersetzendes Partie dieses Mediums.

Du bist der Kreis. Sie ist die Form. Zusammen ein Ganzes, doch nie erfüllt.
Diese schmutzige Farbe wird übermächtig. Breitet sich auf deinem Teller aus, befleckt das Essen auf diesem. Niemals könntest du es in dir ertragen, kannst nichts essen. Du darfst nur Leere in dir tragen.

Leere bedeutet Reinheit. Nichts Schlechtes, nichts Gutes. Es bedeutet Leben und Leben lassen, anfangen in Sinnlosigkeit zu schweben.

Du fastest für einen Tag. Und es ist vollkommen egal, dass daraus letztendlich drei Tage werden. Doch dieser Körper scheint es nicht zu verstehen; nicht zu begreifen, dass nur durch 'Aushalten' das Reinheitsgebot der Leere erfüllt werden kann.

Im Spiegel starren dich zwei Augen an, begutachten und beurteilen. Wie so unzählige Augen zuvor. Und der letzte Fetzen Verstand formt ein Versprechen: "Ich werde diese widerliche Person weghungern!"
Du isst so lange nichts bis dir der Kiefer weh tut. Somit gibst du den Platz frei, den du glaubst zu verschwenden. Kein Überfluss der menschlichen Seite. Wenn dort nichts mehr existiert, kannst du auch nichts mehr daran hassen.

Das Zittern deiner Glieder macht es dir schwer zu atmen. Dunkle Gedanken kreisen in deinem Schädel umher; Erinnerungen und Alträume. Böse Worte von bösartigen Menschen, woher kommen auf einmal all diese Namen und Gesichter? Schreie, die sich in Schläge verwandeln. Am Horizont ein Teddybär, der zu Asche verbrennt.

Der Magen schreit seit Stunden. Die Müdigkeit und der Schwindel lastet auf geschundenen Knochen. Es fühlt sich wie Sterben an. Doch ist der Schmerz ist zu real um zu töten: Mehr als nur eine geschwungene Linie zwischen Höllenqualen und Ohnmacht.

Herzlichen Dank für Alles!

Vom ganzen Herzen möchte ich allen danken, die mir immer so liebe Kommentare zur Motivation hier hinterlassen. Möchte mich bedanken für 30 erreichte regelmäßige Leser, ihr wisst gar nicht, wie sehr ich mich darüber freue. Ich fühle mich regelrecht geehrt!

Zwar dauert es bei mir manchmal ein bisschen länger bis ich antworte, aber ich lese immer alles, was ihr mir schreibt und verfolge viele Blogs regelmäßig.
Ihr seid die Besten! Zusammen werden wir das Alles schon meistern, egal, was uns das Leben zum Fraß vorwirft.

Einen besonderen Dank möchte ich Lena, Niënor und Lilly aussprechen. Von ihnen habe ich jeweils einen Blogaward bekommen, über die ich mich jedes mal wirklich freue.
Hier ein paar Fakten:
  1. Mein Twin ist Fina. Ich liebe es mit ihr zu mailen und natürlich auch ihren Blog zu lesen!
  2. Der 12.September ist mein Geburtstag.
  3. Habe eine Ausbildung als Tiermedizinische Fachangestellte absolviert, arbeite allerdings im Laborbereich.
  4. Meine Lieblingstiere sind Pandabären, Orkas, Erdmännchen und Kaninchen.
  5. Habe die letzten zwei Tage nichts gegessen.
  6. Wenn ich richtig traurig bin, halten mich nur Medikamente davon ab, mir etwas anzutun.
  7. Seit 2003 schreibe ich fast täglich Tagebuch.
Hoffentlich war es interessant genug für euch. Da ich den oben genannten Person erst vor Kurzem einen Blogaward geschenkt habe, überreiche ich ihn diesmal an:
Noch einmal Danke!

Dienstag, 6. September 2011

Sentimentaler Unsinn der Nacht

Träume in der Nacht schmecken bitter, schlimmer noch, wenn ich sie mir nicht ins Gedächtnis zurückrufen kann. Unter meiner Haut pulsieren die Venen. Manchmal quellen sie so weit hervor, dass es so ausschaut als würden sie zerbersten wollen.
Und vielleicht sind es gar nicht die Venen, sondern die vergessenen Albträume, die sich unbewusst durch jede Faser meines Körpers bohren.

"Hast du Angst?", fragt eine Stimme in meinem Kopf. Meine Gedanken drehen sich, ein Karussel von Buchstaben. Zu lange schon kann ich diesen Zustand beobachten; nur beobachten, nicht verstehen oder analysieren.
Langsam verlieren sie ihre Standhaftigkeit, die einzelnen Teile dieses Kartenhauses. Von oben herab fallen sie - dupp, dupp, dupp. Der dumpfe Aufprall, der im Nichts verhallt.

Füllende Leere, übermannend, niederringend. Kein schmerz, denn Schmerz ist zum Heilen da. Ein Traum endet, doch selten enden die Fragen zu den Träumen.

Denken viele Menschen so wie ich? (Was meine ich eigentlich mit "wie ich"? Kann man mehrfach versetzt denken? Eine Karte fällt zu Boden. Der Teppich redet von Monstern.)
Es sind eure Gesichter, die wie Göttlichkeiten wirken. Weit entfernt neben mir. Beinahe unendlich.

In meinen Ohren höre ich das Pochen. Es könnte mein Herzschlag sein oder der weitere Verlust von Karten. Jedoch möchte ich nich von Verlust reden, sondern von Träumen. Realitätsfremde Unschuld, die ich nicht besitze. Das Zwischenbild der Naivität.

Meine Beine schleppen sich trotz Krämpfe zum Bett. Der Sand der Zeit sickerte für den heutigen Tag schon zu lange durch die Sanduhr. Tausend Gedanken, die sich nur um ein Subjekt drehen. Was für ein Trauerspiel!
Zu verängstigt gewesen um auch nur einen Bissen zu essen. Scheiße. Ich hätte sollen, hätte sollen. Wenigstens ein Bisschen, nur einen Bissen.
Stillschweigen nach dem Verlust. Nein, Verdruss. Vielleicht auch Überschuss.

"Es ist Zeit", sage ich - zu meinem Körper, weniger zu mir selbst. Zu den blauen Lebenslinien auf meinen Armen, die analysiert werden möchten - oder gerettet. Oder vernichtet. Oder einfach nur in Ruhe gelassen werden wollen.

Gute Nacht.

Sonntag, 4. September 2011

Sie schluckt Einsamkeit anstelle von Kalorien

Die Sonne scheint, doch ist ihr kalt. Keine Überraschung.
Sie sieht den lachenden Kindern beim Spielen zu; fragt sich, warum sie keinen Spielplatz haben, sondern nur betonierte Straßen. Die Ärmel ihrer Jacke verdecken die blauen Fingernägel. Aber was kann sie schon machen? Gegen ein frierendes Herz? Ob es unter diesem Gestell aus Knochen auch blau anlaufen kann? Ob es vielleicht sogar kleine Eiszapfen aus Blut bilden kann?

Die Frage, was sie heute essen wird, zerreißt sie. 'Nichts' sollte eigentlich kein Kompromiss sein.
Enttäuschend, dass sie vor der Alltäglichkeit Angst hat. (Viel mehr aber vor den noch enttäuschteren Blicken, die sie sich selbst zuwerfen wird, wenn sie doch etwas isst. Einen Apfel. Oder lieber eine Kiwi. Die haben weniger Fett und weniger Kalorien. Ananas mag sie eigentlich lieber, die haben weniger Fett, aber mehr Zucker.)
Die Waage zeigte heute 800 Gramm mehr als gestern an. Sie ist ein fettes Schwein, ein kompletter Versager. 

Jetzt raucht sie erstmal ihre Zigarette zu Ende. Ungesund, doch appetithemmend. Noch so eine Heißhungerattacke wie letzte Nacht kann sie weiß Gott nicht mehr ertragen: Schokolade, Eis, Käse, Joghurt, Gummibärchen, Brot mit Aufstrich - hat sie denn wirklich vollkommen den Verstand verloren?

Eine ältere Dame läuft mit ihrer Einkaufstüte an ihr vorbei. Höflich lächelt sie ihr entgegen; fragt sich, für wem sie heute wohl kochen wird, weil ihre Tasche bis zum Rand gefüllt ist.
Es macht sie traurig darüber nach zu denken, die Situationen zu vergleichen: Eine Familie an einem gedeckten Tisch mit selbstgekochtem Essen und sie - vor dem Computer mit einem Becher Fertignudeln.
Es ist nicht einmal Eifersucht. Sehnsucht, mehr noch Einsamkeit kontrolliert ihr Denken.

Das Leben könnte so einfach sein. Wären da nicht diese Ansprüche. Selbstauferlegte Lasten von Kommerz und Gesellschaft gelenkt, beeinflusst durch Meinungen ihres Umfeldes - sogenannte Mitmenschen. Lange ist es her als sie solche Dinge noch kalt ließen.
Und ja, kalt ist es wirklich. Die Spitzen ihrer Finger kribbeln schon nicht mehr.

Ihre Wohnung ist leblos. Die Küche weder einladend noch ausgestattet.
Sie schneidet eine Gurke in essbare Scheiben und legt sie auf einen Teller. Aber da liegen sie in ein paar Stunden immer noch. Wenn die Ränder vertrocknet sind, hat sie nicht mehr so ein schlechtes Gewissen, wenn sie die Scheiben in die Mülltonne wirft.
Ein heißer Tee erwärmt ihre Kehle: Ohne Zucker, ohne Honig, ohne Süßstoff, ohne Milch.
"Morgen", flüstert sie leise, vehemmend umklammern ihre Finger die Tasse. "Morgen esse ich eine ganze Mahlzeit."

Draußen verschallt das Lachen der Kinder. Die Sonne geht ja auch schon unter.
Hier drinnen in ihrer finsteren Wohnung dröhnt nur das Ticken der Uhr und das Grummeln eines protestierenden Magens.

"Morgen", sagt sie erneut und beginnt sich selber auszulachen. So lange zu lachen bis sie weinend zusammebricht.

Selbsthass formt sich wie blaue Flecken auf der Seele

Der Punkt ist, dass es keinen Punkt gibt. Ich trinke aus einem leeren Glas, und wundere mich, warum ich noch immer durstig bin. Ich schreibe mit tintenlosen Stiften und ärgere mich über belanglose Worte.

Die Wahrheit ist, dass ich die Wahrheit nicht kenne. Meine Zunge ist getränkt in Stille, in ihr gefangen wie der Kerzendocht in Wachs. Meine Gedanken sind schwarz und weiß, doch meistens grau. Strukturell vernetzen sich Prinzipien in meinem Kopf, die gar nicht zu mir gehören. Hauptsache praktisch, wenn auch herzlos und unbedeutend.

Das Schöne daran ist, dass die Welt Schönheit verachtet. Sie ist verwerflich, manipulierbar und vergänglich.
Einmal sagte ich zu mir, ich kann schön sein. Doch kurz nachdem ich diese Worte ausgesprochen hatte, erbrach ich Blut, Tinte und Knochensplitter. (Nur das Fett ist noch da, wo es vorher war.)
Heute versuche ich mir einzureden, dass Schönheit doch nur eine Lüge sei. Oder die Lüge zu schön, um nicht vergänglich zu sein.

Das Lustige daran ist, dass es nichts zu Lachen gibt. Ich lache nur, weil ich unter drei Pullovern vor Kälte zittere. Ich lache, weil mein Herz einen Sinn für Humor zeigt und ironischerweise noch immer schlägt, obwohl es sich tot stellt. Ich lache, weil es sich meist besser anhört als das endlose Schluchzen in der Dunkelheit. Ich lache, weil meine Augen im Spiegel vor Albträumen und Schlaflosigkeit ganz glasig und rot erscheinen. Ich lache, weil es manchmal der einzige Beweis ist, dass ich noch atme.

Der Punkt ist, dass das Leben grausam sein kann.
Die Wahrheit ist, dass ich Lügen ersticke.
Das Schöne ist, dass Niemand daran glaubt.
Das Lustige ist, dass ich es tue.

Vogelfrei und federleicht

Befriedigendes Hungergefühl: Um endlich so gewichtslos zu werden, dass man wie ein Spatz in die Lüfte fliehen kann. Irgendwohin. 
Wir schwinden dahin. Ändern wollen wir nichts. Rein gar nichts. Prinzipiell gibt es auch nicht mehr zu sagen. Vielleicht ist es hoffnungslos. Doch wenigstens gehen wir in Ästhetik unter, umringt von einem federleichten Traumbild, welches lediglich als Sicherheitsnetz dient.

Die Haut ist blass. Das Gesamtkonzept nicht zufriedenstellend. Knochen stechen hervor, es ist kaum noch Fleisch zu finden. Unser Puls ist bedeutend zu langsam. Muskeln ziehen bei jeder Bewegung.
Überleben wäre schön. Doch wissen wir gar nicht, was das bedeutet. Der Schaden ist vollbracht und unumgänglich. Das Leben wie es war: Verschwendung.
Stück für Stück aus dieser Dimension abflauen. Auch wenn wir langsam verrotten. Es ist egal, ob es weh tut. Das ist es wirklich.

Wärst du dankbar für Abfall?
Es tut mir leid. Irgendwie. Ein bisschen. Ab und zu.
Glücklich macht es mich nicht. Schöner sicherlich auch nicht. Nur leichter und verrückter.
Es ist einfach nie genug.


Die liebe I want to be perfect hat mir einen Blogaward geschenkt! Habe mich furchtbar darüber gefreut! Da ich aber erst vor Kurzem ein paar Fakten über mich geschrieben habe, und mein Leben wirklich nicht so interessant ist, werde ich ihn nur dankend weiterreichen.
Den Blogaward reiche ich an:
Absolut lesenswerte Blogs! Bitte besucht ihre Blogs und schenkt ihnen eure Motivation! 

Freitag, 2. September 2011

Bilanz August: "Ran an den Speck, Schweinchen!"

Zur Feier des begonnenen Monats möchte ich ein zusammenfassendes Resumé des Vormonats August ziehen.

Höchstgewicht im August:
48,1 kg
Tiefgewicht im August:
44,7 kg
Fressanfälle:
Am 12., 16. und 24.
Ausprobierte Diäten:
Almased Vitalkost (mit Erfolg)

Erfolge:
Mindestens 1x wöchentlich joggen, nicht mit Bus/Bahn zur Arbeit, nicht jedes mal gekotzt nachdem ich "zu viel" gegessen habe, auf Arbeit gelobt worden, Entspannungsübungen vor dem Schlafen
Misserfolge:
Zu viele Fressanfälle, noch nicht genug abgenommen, zu viele Süßigkeiten, einmal McDonalds, SVV, alles zu negativ gesehen


Ziele für September:
  • 44,0 Kg
  • 3 aufeinanderfolgende Tage Fasten
  • nur noch zwei Fressanfälle in diesem Monat 
  • mehr Sport, 
  • den ersten Termin beim Therapeuten hinter mich bringen 
  • einen schönen Geburtstag feiern
  • ohne schlechtes Gewissen zum Geburtstag beschenkt werden
  • mehr lernen
  • fleißiger arbeiten

Achterbahn

War heute mit Kollegen beim Volksfest und kam soeben heim. Es war wunderbar und schrecklich zugleich. Ehrlich zugegeben, mehr schrecklich als wunderbar.
Da war dieser Typ, der nach einer Zigarette gefragt hat: Höflich habe ich ihm eine abgegeben und ihm noch ein Feuerzeug gereicht. Leider bin ich kein Typ für Small-Talk, habe jegliche Fragen nur notgedrungen mit einem Lächeln beantwortet. Er hat es nach ein paar Minuten von alleine verstanden: Absolut kein Interesse. Am liebsten hätte ich ihm hinterhergerufen, dass er das gleich jeglichen Männern dieser Erde ausrichten solle.

Ich habe mich beim Süßigkeitenstand zurückhalten können und zum Abend habe ich nur einen Kartoffelsalat gegessen, keine dramatisch große Portion. Aber im Bierzelt gab es nur Bier und Spezi. Nicht einmal ein Wasser. Trinken kann ich mir einfach nicht verkneifen, Durst habe ich absolut immer.
2,5 Liter Zuckerwasser habe ich mir in die Kehle geschüttet, das sind mehr Kilokalorien als in einer großen Mahlzeit. Es war ein merkwürdig befremdliches Gefühl den anderen Menschen zuzuschauen. Jeder hat Braten oder Ähnliches mit Beilage gegessen, gehaltvolle Getränke getrunken, sogar noch Süßigkeiten nachgeschoben und keiner hat sich einen Dreck darum gekümmert. Alle haben gefeiert und gelacht, nur ich kämpfte mit jedem Schluck dieser Brühe.
"Woher kommt dieses Verlangen nach Verzicht?", habe ich mich gefragt und wollte nur noch verschwinden. In der Masse untergehen, im Widerhall der mich umgebenen Fröhlichkeit unsichtbar werden.

Karussels bekommen mir nicht gut, deswegen kann ich in keine "wilden" Fahrgeschäfte. Trotzdem bin ich so lange gefahren bis sich alles in meinem Kopf gedreht hat. Die beste Ablenkung, die ich finden konnte. Farben verschwammen, Bilder verwandelten sich in überdimensionale Lichteffekte. Wären meine Gedanken in diesem Rausch geblieben, hätte ich mir auch keine Sorgen machen müssen.

In dieser gekünstelten Welt voller Freude und Heiterkeit stürzte ich wieder in diese Leere. Lachende Gesichter und strahlende Augen schauen mich an, drücken mich tiefer: Zu uns gehörst du einfach nicht. Gerichtet, hingerichtet; warst du jemals ein Teil von uns? 

Ich drückte dem Kassierer erneut Geld in die Hand und stieg ein in den nächsten Trip. Schwindel und Übelkeit übermannte mich, eine andere Art von Folter, jedoch erträglicher. Menschlicher, beinahe realitätsnah.
Achterbahn in meinem Schädel, emotionslose Gefühlsdusselei. Ich möchte, dass ihr fröhlich seid, doch hasse euer Lachen. So viel geht mir durch den Kopf. Die Lippen von dem jungen Mann mit der Zigarette, Stofftiere, die halb verstaubt als Losgewinn warten, Bierkrüge und das Knallen eines Schießstand, kann das denn Niemand stoppen?


Es tut mir leid. Mir ist noch immer schlecht. Jetzt hoffe ich einfach, dass diese Wellen der Verzweiflung mich davon tragen.