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Sonntag, 30. Oktober 2011

Wenn es nicht so lächerlich wäre, würde ich jetzt heulen...

(Oder: Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich jetzt lachen...)

Hab's mal wieder geschafft.
Fressanfall. Mit allem drum und dran.
Fressen, Fressen, Fressen, Stopfen bis zu Grenze.
Mir ist so schlecht. Total wirr und übel. Nein, den Finger brauchte ich nicht, um den Scheiß los zu werden. Allerdings einen Wischmopp.
Geil. Ich bin mal wieder unendlich stolz auf mich.

Ein Wochenende alleine und ich dreh' durch. Man hätte es sich ja denken können.
Vor der Wand: Stillgestanden! Rechtsum!
Zum Abschuss freigegeben!

Das fastende Herz der Anorexia Nervosa

Wonach dein Herz sich sehnt, kann dir kein Spiegel der Welt jemals zeigen. Das weißt du genau, jedoch stehst du wieder an gleicher Stelle. Fast nackt, naturgeschaffene Monstrosität; langsam gleiten deine Augen über deinen Körper.
Eine Sekunde steht still - nur für dich und deine Sinne. Ekel kitzelt am Ende deiner Kehle, du spürst wie sich furchtbare Abscheu deine Sensivität überspannt. Zu oft schon, jedes mal wieder: Dein Ziel ist noch nicht erreicht.

Im Badezimmer, dieser sterilen Folterkammer, wiegst du deinen Selbstwert ab.
Mit Tränen in den Augen verfluchst du diese Zahlen. In Gesamheit bist du verschmutzt, überall Fett, gemästet wie ein preisgekröntes Schwein.
Hättest du gestern nicht so viel gegessen! Hättest du lieber deine Kalorienbilanz erneut berechnet! Hättest du lieber noch eine Runde durchgehalten nachdem du beim Joggen zusammengebrochen bist!

Ernüchtert und hoffnungslos ziehst du dir die gefütterten Stiefel über die Füße und kleidest dich in deinen Wintermantel, beginnst deinen Tag und schmeißt auf dem Weg zur Arbeit deinen Apfel auf die Wiese.
Frühstück sparst du aus, je weniger Kalorien, desto besser. Zum Mittag kannst du notgedrungen auch reduzieren.

Und es quält dich. Diese Schmerzen, diese Schwäche, die Kälte. Dieser Hunger, der dich nährt. Das selbsterwählte Sterben, das dich am Leben hält.
'Nur so lange bis ich meinen Weg gefunden habe', sprichst du dir zu und machst weiter Sit-Ups und Crunches bis der Schwindel wieder deine Vision verwischt.

Der Abendtisch ist reichlich gefüllt: Ein Omlette mit einer Tomate. Natürlich nur das Eiweiß, entrahmte Magermilch und kein Salz. Es sind nicht mehr als 100 kcal, das Rezept hast du im Internet gefunden. In deinem Buch schreibst du alles auf, was dir erlaubt ist zu essen.
Kontrolle ist jetzt dein, mehr brauchst du nicht. Doch die Portion wird vor deinen Augen größer.

Am Besten stellst du den Teller in den Kühlschrank. Bevor du essen darfst, solltest du noch mehr Sport machen.

Der Magen schreit, jault wie ein Wolf in einer Vollmondnacht.
Du hast keinen Hunger.
Du hast keinen Hunger.

Oh, kann es sein, dass du dir selber nicht glaubst?

Oft war er noch mild... leider

Heimliches Leiden. Der Schmerz in meiner Brust greift auf meinen Kopf über.
Die Welt dreht sich in verachtender Grässlichkeit, verschlingt die letzten Reserven Vertrauen mit ruhiger Gewissenheit.

Wer nicht kämpft, kann nicht verlieren.
Ich habe noch nie gewonnen.

Plötzlich sehe ich die Szenen von Früher. Er steht hinter mir und schreit so laut, dass mein Schädel vom Echo vibriert. Die Worte stoßen wie Messer auf mich ein, nur Fetzen, die ich kaum verstehe. Ordnung, Disziplin und Struktur, darum geht es - immerhin war Papa einmal Soldat.
Stechender Schnapsgeruch haucht sich mir entgegen als eine Hand meinen Oberarm umgreift, schmerzhaft zudrückt, fester als sie sollte. Die Hand zerrt mich in das nächste Zimmer, schmeißt mich gegen den Schrank. Ein dumpfer Knall, schon ist es vorrüber.

"Zur Strafe bleibst du bis morgen in deinem Zimmer. Und ich möchte nicht einen Ton hören!", schimpft er noch einmal, dreht sich um und verlässt nörgelnd den Raum.
Die Dunkelheit macht mir Angst. Die Einsamkeit noch mehr. Lieber hätte ich Schläge bekommen als weinend in diesem Kämmerchen zu hocken, betend, dass der Alptraum bald vorrüber ist. Lieber hätte er wieder mit einem Bilderrahmen auf mich eindreschen soll. Lieber hätte er wieder gebrüllt und mit Worten verletzt. Lieber hätte ich den Schmerz als diese dunkle Panik, die schlaflose Vorahnung, die mich nicht ruhen lässt; die übermächtige Angst, die wie Nägel in meinem Kopf gefestigt sind.
Das Schlimmste ist noch nicht vorbei, in der Küche höre ich Glas zerbrechen. Ein Streit. Schon wieder ein Streit. Ordnung, Disziplin und Struktur - das alles wünscht er sich in erhobenen Maße, immerhin leben wir mit einem Soldaten in diesem Haus.

Ich kann nichts sagen. Bin stumm.
Bitte schalte einfach diese Erinnerungen ab. Und ich versuche auch gar nicht, zu gewinnen.

Samstag, 29. Oktober 2011

4. Blogaward

Mit voller Freude möchte ich verkünden, dass ich bereits meinen Vierten Blogaward bekommen habe. Lena hat ihn mir verliehen. Vielen herzlichen Dank!

  1. Keines meines Familienmitglieder weiß von meinen SvV
  2. Manchmal bin ich lieber am Bloggen im Internet als unter 'realen' Menschen.
  3. Ich hätte gern ein neues Handy, aber die Auswahl ist so groß und ich so unerfahren, dass ich mich einfach nicht entscheiden kann.
  4. Oft passe ich meinen Schmuck oder auch mein Make-Up an meine Stimmung an.
  5. Wenn es um asiatisches Essen geht, kann ich nie Nein sagen. Egal, ob es Thai, Chinesisch, Japanisch,.... ist
  6. Beim Sprechen verdrehe ich oft Buchstaben oder Wortlaute.
  7. Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich meiner besten Freundin den Link zu meinem Blog gegeben habe, weil ich befürchte, dass sie sich zu viele Sorgen macht.
Den Blogaward gebe ich weiter an:
Fina, Shelley, Laura und (last but not least) ησтнιηg

Freitag, 28. Oktober 2011

Skinny Girl Diet vs. Ana Boot Camp

Im November werde ich mich wieder an eine Diät wagen. Da das ständige 'Dann faste ich mal hier, dann esse ich da mal nichts' bei mir meist in einer FA endet.
Nur kann ich mich leider nicht entscheiden, an welche ich mich wagen soll.

1. Skinny Girl Diet

Tag 1 - 400 kcal [ ]  Tag 8 - 500 kcal  [ ]   Tag 15 - 400 kcal [ ]  Tag 22 - 400 kcal [ ]    
Tag 2 - 300 kcal [ ]  Tag 9 - 300 kcal  [ ]   Tag 16 - 300 kcal [ ]  Tag 23 - 300 kcal [ ]    
Tag 3 - 400 kcal [ ]  Tag 10 - 400 kcal [ ]   Tag 17 - 400 kcal [ ]  Tag 24 - 450 kcal [ ]
Tag 4 - 500 kcal [ ]  Tag 11 - 500 kcal [ ]   Tag 18 - 450 kcal [ ]  Tag 25 - 500 kcal [ ]
Tag 5 - 450 kcal [ ]  Tag 12 - 450 kcal [ ]   Tag 19 - 500 kcal [ ]  Tag 26 - 450 kcal [ ]
Tag 6 - 650 kcal [ ]  Tag 13 - 650 kcal [ ]   Tag 20 - 650 kcal [ ]  Tag 27 - 650 kcal [ ]
Tag 7 - 650 kcal [ ]  Tag 14 - 700 kcal [ ]   Tag 21 - 700 kcal [ ]  Tag 28 - 700 kcal []

Tag 29 - 400 kcal [ ]           Tag 30 – Fasten   [ ]

   
Regeln:
1) Obst & Gemüse kann man so viel essen, wie man will. Es zählt nicht zu den Kalorien.
2) Ganz viel Wasser trinken.
3) 5x in der Woche mind. 30 Minuten Sport machen.

2. Ana Boot Camp
Diese Diät dauert 50 Tage und wenn man sich an die Angaben hält, soll man bis zu 12 Kilogramm abnehmen. Hier gibt es keine Ausnahmen, Obst und Gemüse wird genauso zu den Kalorien gezählt wie alles andere auch. Dafür ist Sport zwar immer unterstützend, aber kein Pflichtprogramm.
Wasser trinken sollte man sowieso immer so viel wie möglich.

1.Woche
1: 500 Kalorien ( )
2: 400 Kalorien ( ) 
3: 300 Kalorien ( )
4: 200 Kalorien ( )
5: 100 Kalorien ( )
6: 250 Kalorien ( )
7: 300 Kalorien ( )
 
2. Woche
8: 400 Kalorien ( )
9: 500 Kalorien ( )
10: Fasten ( )
11: 150 Kalorien ( )
12: 200 Kalorien ( )
13: 400 Kalorien ( )
14: 350 Kalorien ( )
 
3. Woche
15: 250 Kalorien ( )
16: 200 Kalorien ( )
17: Fasten ( )
18: 200 Kalorien ( )
19: 100 Kalorien ( )
20: Fasten ( )
21: 300 Kalorien ( )
 
4. Woche
22: 250 Kalorien ( )
23: 200 Kalorien ( )
24: 150 Kalorien ( )
25: 100 Kalorien ( )
26: 50 Kalorien ( )
27: 100 Kalorien ( )
28: 200 Kalorien ( )
 
5. Woche
29: 200 Kalorien ( )
30: 300 Kalorien ( )
31: 800 Kalorien ( )
32: Fasten ( )
33: 250 Kalorien ( )
34: 350 Kalorien ( )
35: 450 Kalorien ( )
 
6. Woche
36: Fasten ( )
37: 500 Kalorien ( )
38: 450 Kalorien ( )
39: 400 Kalorien ( )
40: 350 Kalorien ( )
41: 300 Kalorien ( )
42: 250 Kalorien ( )
 
7. Woche
43: 200 Kalorien ( )
44: 200 Kalorien ( )
45: 250 Kalorien ( )
46: 200 Kalorien ( )
47: 300 Kalorien ( )
48: 200 Kalorien ( )
49: 150 Kalorien ( )
50: Fasten ( ) 


Was meint ihr, ist es überhaupt möglich dieses Bootcamp durchzuhalten? 
Habt ihr Erfahrung mit der Skinny Girl Diet?
Bitte helft mir bei meiner Entscheidung! 

Vielen Dank im Vorraus!

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Offene Sprechstunde

Nennt mich Versager! Der Druck wurde wieder zu viel für mich.
Flashbacks haben mich gepackt. Diese Angst. Zittern, Herzklopfen... alles zu viel. Der Atem wurde hastig, konnte kaum Luft holen.
Und die Klinge... ich wurde schwach.

Hab mich geschnitten, vielleicht zu tief, vielleicht ist es nicht so schlimm. Mir wurde schwindelig, schwarz vor den Augen. Es tut nicht weh, aber mir war so übel. Meine Hand lief blau an. Scheiße.

Inzwischen ist es wieder besser. Der Druck ist weg. Die Angst verwandelte sich in Nervosität.
In einer halben Stunde gehe ich zum Psychotherapeuten. Zwar möchte ich nicht zu viel Aufsehen erregen, aber es ist besser, wenn er wenigstens über die Wunden schaut.

Ich habe Schiss davor, dass der Warteraum wieder voll ist, weil er nur zwei mal in der Woche offene Sprechstunde hat. (Bei ihm ist es aber meist egal, ob man einen Termin hat oder nicht. Eine Stunde Wartezeit ist Pflichtprogramm.)

Mein Kopf dreht sich. Ich hasse mich.
Ich bin ein Versager.

Zwei Tage habe ich nichts gegessen und trotzdem komme ich mir so fett und widerwärtig vor.
Hab mich geschnitten ohne ersichtlichen Grund und bin auch noch so schäbig und gehe zum Arzt. Eigentlich habe ich es verdient. Ich bin einfach ein Stück Scheiße.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Müde

Jede Nacht ist es das Selbe, jeder Tag nur Routine. Ich bin so müde von alle dem.
Kann denn Niemand sehen, dass ich zu schwach bin für eure Welt? Dass ich zu schwach bin nach Hilfe zu rufen?
Dieses Leben blutet mich aus, Tropfen um Tropfen. Habe keine Ruhe und keinen Ort der Zuflucht.

Habe ich ein Leben verdient, welches ich vehemmend verneine? Habe ich ein Leben verdient, dessen ich Leid bin auszukosten? Habe ich ein Leben verdient, dass ich nie gelebt habe?

Stumme Schreie und verheimlichte Tränen, chronische Einsamkeit und ungesehene Ängste: Die Vergangenheit hört nie auf mich zu jagen.
Es macht mich so müde.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Streik

Momentan bin ich es so leid, dass Leute mir ständig kalorienreiches Fressen unter die Nase reiben und mir versuchen ein zu reden, dass ich mehr essen soll.
Esst eure 500kcal-"Snacks" doch alleine.

Sonst interessiert es ja auch kaum jemanden, was aus mir wird, was in meinem scheiß Leben passiert. Wer gibt ihnen das Recht mich füttern zu wollen wie ein Tier im Zoo? Scheinheiligkeit ohne Grenzen. Ihr könnt mich gern haben, wirklich!

Das Gemüse von heute ist der vorerst letzte Happen, den ich zu mir nehmen werde. Werde jetzt so lange fasten bis mir schwindelig wird und ich umfalle.

Neben mir

Die Hölle wohnt in mir. Alles steht in lodernden Flammen, die in beänstigende Höhen sprießen.
Was ist nur mit mir los? Woher kommen diese Gedanken? Woher kommt dieser untragbare Schmerz in meiner Brust?
Es strengt an zu laufen, strengt an zu atmen. Mein Körper ist da, doch mein Ich nicht mehr in dieser Welt. Es gehört einfach nicht mehr zusammen.

Im Laufe des Tages musste ich alle 15 Minuten überprüfen, ob meine Hände noch da sind, weil ich sie nicht mehr spüre. Das sind nicht meine Hände. Sie arbeiten nur. Genau wie der Rest. Diese Person lebt ein Leben ohne mich, aber ich kann einfach nicht enfliehen.
Funktioniere. Funktioniere. Lächle! Streng' dich gefälligst an!

Ich möchte schlafen. Einfach schlafen.
Oder sterben, aber nicht tot sein. Obwohl es keinen Sinn macht.

Es tut weh.
Schlafen.
Es tut so weh.

Ob ich denn noch Blut in meinen Venen trage?

Sonntag, 23. Oktober 2011

Unter meinen Füßen

Meine eiskalten Finger umklammern das Brückengeländer nur zaghaft. Unter mir sehe ich Bahngleise, doch von hier oben sehen sie unreal aus - wie Bilder aus einem Film. Entfernt und doch so greifbar nah.
Zweifel vermischen sich mit Angst, schießen wie Blitze aus meinen Kopf. Vorbei an vernichtenden Wahnvorstellungen und einem großen Schild auf dem "Achtung Lebensgefahr! Starkstromleitung" steht.

Das ist die Grenze der Welt, einen Schritt zur abgepassten Sekunde würde genügen. Vielleicht.
Zu viele Antworten auf ungestellte Fragen. Zu viele Fragen ohne Antworten.

Die Hände halten mich noch immer, nun fester als zuvor.
Dies wird nicht mein Ende sein.

Finsternis frisst mich auf. Es tut mir leid, dass ich diese Gedanken nicht in den Griff bekommen.
Wie gerne würde ich fliegen.
Mit offenen Armen in die Welt.
Loslassen.

Freitag, 21. Oktober 2011

Rippen der Bulimia Nervosa

Eins, zwei, drei... Rauhe Finger gleiten die Täler hinauf und hinab.
Zählen sie langsam alle durch, eins nach dem Anderen! An jeder Seite Zwölf.
Du friest, du zitterst - dir ist kalt. Du schaffst es nie diese krankhafte Gestalt zu verbergen. Was gibt es auch noch für Ausreden? Schau' dir diesen Anblick doch im Spiegel an!
Haut so weiß wie der Kleber, mit dem du als Kind Papierdrachen gebastelt hast. Unter den Augen dunkle Ringe, fast so dunkelblau wie das Kleid deiner Puppe, die früher ein guter Freund für dich war.
Regungslos das Gesicht, der Glanz der Augen schon längst verloren. Nichts ist übrig von dem, an was sich die Erinnerungen mit letzter Kraft halten.


Diesen Geruch, der sich ätzend durch deine Nase zieht, kennst du sehr genau. Fast schon als wäre dieser dein zu Hause, dein Assoziation des Familienlebens.
Und doch... erinnert er dich nur daran, dass du alleine bist. Denn wärst du nicht einsam, würdest du dir die Finger nicht in den Hals stecken. Jedes Mal, immer wieder. Bis die Nägel die Speiseröhre zerkratzen, bis all der Ballast schubweise und - oh, so schmerzhaft - wieder das Licht der Welt erblickt.
Traurig, prinzipiell, dass nichts anderes in deiner Welt dem Lebendigsein in diesem Moment auch nur annährend gleicht.


Kurz funkelte das Bedürfnis nach Tränen in dir auf, doch sind sie wohl in Säure ertränkt worden. Was jetzt bleibt, ist Nichts. Bist nun entleert von Nahrung und Selbstachtung, stumpf gegenüber Liebe und Geborgenheit. Was jetzt bleibt, ist zährender Hunger und das Limit über Müdigkeit hinaus.

Eins, zwei, drei... Noch immer gleiten rauhe Finger den selbsterschaffenden, strukturell-festgelegten Bogen hinauf und hinab.
Was siehst du nun im Scherbenhaufen deiner Unwürde? Was fühlst du nun inmitten von Erbrochenen und Ängsten?

"Zwölf. Sie sollten deutlicher zu erkennen sein", flüsterst du in die Dunkelheit des Zimmers und verfluchst deinen Körper im selben Atemzug.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Dienstag, 18. Oktober 2011

Es tut weh

Das Leben nährt mich mit Grausamkeiten.
So leer und doch so voll.

Ich würde gerne nach Hilfe rufen, doch meine Lippen sind zugenäht.

Montag, 17. Oktober 2011

Liebe verhungert

Sie schmeißt das Essen in den Müll,
stets übt sie Verzicht.
"Alles oder nichts", sagt sie,
und was dazwischen gibt es nicht.

Hilflos schreist du Worte hervor,
weinst und flehst, dass sie aufhören muss.
Von außen klopfst du auf festes Glas,
wartest auf den Todeskuss.

Ein Knochen schiebt den Teller fort,
es bleibt kaum etwas von ihr, was hier verweilt.
Ihr Kopf und Körper verschwinden ins Dunkel,
es bleiben Wunden, die Niemand heilt.

Du schaust zu wie sie nach Liebe hungert,
hörst den längst verstummten Schrei,
Tränen weinst du einsam und heimlich,
hoffst, irgendwann ist ihre Seele schwebend frei.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Jahr und Tag ohne Auszeit

Keine 23 Jahre und meine Zunge habe ich verschluckt, Lippen mit Wachs der Stille versiegelt. Wenn es keinen mehr zum Reden gab, wozu meine Stimme gebrauchen?
Irgendwann hab ich sie dann verloren, irgenwo inmitten einer einsamen Kindheit und Trauma der Jugend.

Keine 23 Tage vergingen und der Ruf der Klinge ertönte wieder zu laut, legte meine Schwäche auf die jämmerlichste Art und Weise dar. Der Druck zerschnitt jeglichen Gedanken in kleinste Schnipsel, ließ mich Kälte und Wärme spüren, nahm mir den Grund denken zu müssen.  

Keine 23 Stunden verstrichen und Alpträume suchten mich wieder heim. Schalfen musste ich dazu nicht. An jeder Ecke lauerte Gefahr, wenn auch nur ein böses Wort. Und zu Hause wohnten Monster - und doch musste ich stets zurück dort hin. 

Keine 23 Minuten und all meine Beherrschung war verloren. Es gab kein Maß und auch kein Halten. Niemand, der mir sagte: "Bitte tu' das nicht! Bitte höre auf zu hungen! Bitte höre auf zu fressen!"
Dazwischen kannte ich nichts. Nur Nichts. Immer Nichts. Nichts machte Sinn, irgendwie - manchmal auch all zu viel.

Keine 23 Sekunde brauchte es und mein Herz brach erneut entzwei.
Die Frage nach 'Wie lange denn noch?' bohrte sich zwischen Rippenbögen und getrockneter Farbe. Die Zeit tickte, hörte nie auf.

Bauchweh

Schmerzhaft wie geschluckte Rasierklingen protestiert mein Magen gegen die Mitternachts-Fressorgie, die ich vor vier Stunden durchlebt habe.
Es tut so höllisch weh. Mein Bauch droht zu explodieren. Ich kann kaum atmen.

Freitag, 14. Oktober 2011

Blutdurst

In Finsternis getränkt, umgeben von Stille.
Die Leere überfüllt mich,
der Druck erhöht sich:
Vakuum im Totenbett der verkümmerten Seele.

Der Wunsch nach Schmerz steigt in mir auf,
fesselt jeden Gedankengang an einem Pfahl.
'Du musst', hallt es im Kopf,
bedrängt mich, bedroht mich.

Einsamkeit und Angst:
zwei Feinde, denen ich
willenlos, körperlos, schutzlos
ausgeliefert bin.

Die Macht zu vernichten,
endlich Kontrolle über diesen Hohlraum zu haben.
Ein Schnitt - ein Fluss aus Blut.
Tief atme ich ein
und fühle mich nicht mehr
tot.

Verzeih' meine Dummheit,
verzeih' meine Schwäche.
Ich bin der Vampir,
der sein eigenes Blut saugt.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Der Wolf und die sieben Lügen

  1. "Magst du denn gar nichts frühstücken?" - "Ich habe bereits zu Hause gefrühstückt. Da gab es Obst und Müsli!"
  2. "Machen wir nachher zusammen Mittagspause?" - "Nee, du, lass' mal. Ich hab so viel Arbeit stehen lassen, ich esse nachher, wenn ich Zeit habe."
  3. "Nach der Arbeit wollen wir noch zum Chinese gehen. Magst du mit?" - "Ich war erst gestern einkaufen und habe das Billigangebot mitgenommen. Leider läuft es heute ab. Ab ein anderes Mal gerne!"
  4. "Gehst du schnell etwas frisches Obst und Gemüse einkaufen? Geh dir dann was vom Italiener holen!" - "Ja, mache ich."
  5. "Was hast du dir denn geholt?" - "Pasta mit Tomatensoße. War wirklich richtig lecker. Hab es gleich da gegessen."
  6. "Wollen wir am Samstag gemeinsam was besonderes kochen?" - "Am Samstag habe ich keine Zeit, da bin ich schon mit einer Freundin verabretet."
  7. "Was nascht du denn am Liebsten?" - "Mach' dir da mal keinen Kopf. Ich esse alles."

Dienstag, 11. Oktober 2011

Schlecht

Mir ist schwindelig. Ständig wurde mir heute schwarz vor den Augen.
Aber ich konnte nicht essen. Kann noch immer nicht. Keinen einzigen Bissen.
Gerade war ich nochmal auf der Waage: 43,5 kg.
BMI: 17.21
Essen. Essen. Essen. Essen. FETT!!! Hunger. Hunger. Hunger. FETT!! 
Ich kann mich nicht wehren gegen die Macht, die dieser Zwang über mich hat.

Werde jetzt nur noch ins Bett fallen.

Montag, 10. Oktober 2011

(Keinerlei) Störungen der (Un)Ordnung

Routine entmutigt das Gemüt direkt nach dem Aufwachen. Der Kopf so schwer wie Stein. Es macht keinen Sinn auf zu stehen. (Bis auf die Tatsache, dass du mindestens 8 Stunden arbeiten musst.) Ich erwache auf der schwarzen Traumwelt, langsam, nur Stück um Stück. (Eigentlich wünschst du dir, du wärst im Dunkel geblieben. Mit Leib und Seele über die Ewigkeit hinaus.)
Alles tut weh. (Aber du fühlst eigentlich gar nichts.)


Der Blick in den Spiegel bestätigt: Kein Futter für mich fettes Schwein. (Du bist noch immer nicht von der Bildfläche verschwunden.) Noch immer habe ich nicht den Körper, den ich mir wünsche. Überall Fett, alles schwabbelt. Alles ist zu viel.  (Den Schmerz kannst du weghungern. Befreie dich vom Überdruss deiner Selbst.)
Meine Fantasien und Vorstellungen kreisen rund ums Wunderland inmitten vom Niemandsland. (Alice, träumst du wieder von der Anstalt?)


Die Gedanken halten mich von der Arbeit ab. Wie kann ich mich auch konzentrieren, wenn Stimmen in meinem Kopf mein Tun bestimmen? (Fühlst du dich wieder wie ein kleines Kind, das weinend in der Ecke seines Zimmers weint?)
Alte Bilder, bekannte Situationen. Zu real spielen sich vergessen-geglaubte Erinnerungen vor meinen Augen. Kann die entwürdigenden, hasserfüllten Blicke wieder erkennen; kann wütende Schreie und zerspringendes Porzellan hören; kann brennenden Schmerz auf meinem Körper spüren. Weine die selben erniedriegenden Tränen, die ich schon damals allein in meinem Zimmer vergossen habe. ("Papa, Papa. Du hast zu viel getrunken.", "Mama, Mama. Ist es meine Schuld, dass du so traurig bist und jetzt im Garten wohnst?")
Natürlich bin ich Schuld. Ich hätte einfach ein besserer Menschen sein müssen, etwas Liebenswürdiges.


Als würde es die Wunden heilen, schlucke ich artig meine verordneten Pillen. Macht mich glücklich oder wenigstens kalt. Reißt die tiefsitzende Angst aus mir heraus, splittert die Vergangeheit und macht mich zu einem neuen Menschen. (Werde jetzt nicht gierig. Wir sind hier nicht bei 'Wünsch dir was!', sondern in der Apotheke.)


Für mich gibt es kein Daheim. Zu Hause bedeutet für mich die Wohnungstür zu finden, in der mein Schlüssel passt. Hier ist es ruhig, nur die Kühlung meines PCs tönt durch die Luft.
Blut gleitet über meine Beine. (Du hast es schon wieder getan, du Versager!) Die Flashbacks sind wieder im Dunkel meiner wirren Gehirnströme verschwunden. Ja, es ist ruhig. Endlich ruhig.

Schleichend nähere ich mich dem Bett. Alpträume werden auf mich warten. Schlaflosigkeit wird mich begleiten.
Und morgens beginnt die selbe Routine. (Hast du Angst, dass es ewig so weitergeht?) Bis das der Tod uns scheidet.

Sonntag, 9. Oktober 2011

'Nichts' schmeckt furchtbar süß

Der Magen protestiert seit Stunden. Immer wieder höre ich sein Schreien und Flehen, er gröhlt wie Donner im Sturm. Was ihn besänftigen könnte, die schmerzhaft-zerstörenden Wellen beruhigen könnte, weiß ich ganz genau, doch macht der Gedanke allein mir Angst.
Jeder Bissen macht mich schwerer, drückt mich nieder bis mein Gesicht im Dreck von Gestern badet.

Ich sage, ich tue es für mich, nicht für euch. Doch eigentlich frage ich mich gleichzeitig, wieviel davon der Wahrheit entspricht. Es sehnt mich nach euren Blicken, die neidisch auf meinen Körper schauen. Möchte eure Wärme spüren, wenn ihr mich in eure Arme nehmt und nicht mehr wie einen Außenseiter behandelt. Würde so gern von euch geliebt werden, um den Schmerz der vorrübergezogenen Jahre zu vergessen.

Irgendwann werde ich mich besser fühlen, irgendwann kann ich wieder freudig in den Spiegel blicken. Bis dahin darf ich meine Regeln jedoch nicht brechen. Einfach nur weniger essen. Mehr Disziplin in dieses Chaos bringen.
So schwer kann es nicht sein, die Kontrolle zu beherrschen.

Hellwach

2.45 Uhr.
Der Gedanke an das Schlafen macht mir Angst. Es ist jeder Nacht das Selbe: Ich traue mich nicht einzuschlafen, weil Alpträume permanent mein Bewusstsein schädigen.
Schlaf. Schlaf. Schlaf. Ich brauche Schlaf. Ich sollte schlafen. Ich möchte nicht schlafen träumen.

Das Bett verlangt nach mir. Die Monster sind wieder da. Nicht unter meinem Bett, sondern in meinem Kopf. Stetig bei mir, nur in der einsamen Nacht am lautesten.

Samstag, 8. Oktober 2011

4. Bericht: Fasten

Leere. In mir ist es nur leer.
In dieser Woche habe ich insgesamt 4 Tage nichts gegessen. Fühle ich mich jetzt stark? Fühle ich mich jetzt erhaben? Fühle ich mich wenigstens.... besser? Nein. Da ist gar Nichts. Es freut mich schon auf eine abstrakte Art und Weise, dass ich diese Selbstdisziplin aufbringen konnte. Aber wahrscheinlich bin ich davon selber mehr überrascht als jeder Andere.
Mein Gewicht liegt wieder unter 44 Kg. Die Waage zeigte 43,8 kg an. Es ist toll, nur bleibt die Euphorie aus, die Freude, das Glückgefühl.

Mein Bruder möchte heut mit mir Sushi essen gehen. Zwar ist es nicht das Richtige zum Fastenbrechen, aber bevor ich heute Abend einsam in meiner Wohnung hocke und über Alles herfalle, dass nach Nahrung riecht, ist das die bessere Variante.

Vielen Dank nochmal an alle meine Leser. Ihr seid so aufbauend und unterstützend für mich! Eure Kommentare bauen mich immer wieder auf und es macht mir so viel Spaß zu Schreiben und eure Texte zu lesen.
Danke noch einmal!

Freitag, 7. Oktober 2011

Verlassen

Bitte... geht nicht...

Die Monster unter meinem Bett sind in mein Hirn gekrabbelt. Ich bin nicht in der Lage zu denken, zu sprechen. Grundlegend würde ich auch gerne einfach nicht mehr atmen.
Meine Arme habe ich um meine Knie gewickelt, ein fruchtloser Versuch mir selbst ein wenig Komfort zu spenden. Der Körper wippt von hinten nach vor und wieder zurück, genau wie die Gedanken.
Das Verhallen von Schritten klingt noch immer in meinen Ohren.

Nein... bitte...

Im Traum war ich in einem Loch gefangen, vergraben in einem hohlen Raum in der Erde. Ich sah hinauf und konnte jene Menschen sehen, die mir noch etwas bedeuten.
Dort standen sie über mir, an ihrem Platz an der Sonne, starrten auf mich mit kalten, verachtenen Blicken.
Die Tränen, die ich zurückhielt, gaben mir die Kraft meine zitternde Hand auszustrecken.

Bitte... helft mir... lasst mich nicht allein!

Ihre Rücken waren das Letzte, was ich sah. Jeder nach dem Anderen. Kein Flehen hielt sie auf. Kein Bitten und Beträngen. Ohne ein letztes Wort.
Das Echo meiner eigenen Schreie verschluckte die dreckige Erde. Egal, welche Form und Lebendigkeit mein Herz noch hatte, sie zerbrach in tausend kleine Scherben. 
Warum? Warum passiert das?

Lasst mich bitte nicht allein... 

Die Haut der Fingerkuppen pellte sich vom Fleisch. Immer und immer wieder versuchte ich die Wände hoch zu klettern und ihnen doch noch nach zu laufen.
Und jedes Mal fiel ich wieder zu Boden. Auf diesen kalten, harten, schwarzen, endlosen Boden. Diesen nicht-vergebenden Boden.
Für Stunden kämpfte ich vergebens. Letztendlich fehlte mir die Kraft die Hand nach euch zu strecken.

Nein... Nein.... Nein...

Erinnerungen an gemeinsame Zeiten steigen in mir auf. Leute sagen, dass das Leben im Zeitraffer vor dem inneren Augen vorrüberzieht, wenn man stirbt.
Ich glaube daran. Denn diese Alpträume bringen mich um. Noch atme ich, doch sterbe so oft. Wenn jemand jetzt hier wäre, würde ich weinen. Jämmerlich in seinen Armen um Gnade winseln, wie ein geschlagener Hund mit eingezogenen Schwanz um ein wenig Wärme und Zuneigung betteln.

Ich schaue mich um....
und bin alleine.

Vielleicht haben sie mich wirklich verlassen.
Ich habe Angst vor der Einsamkeit. So große Angst davor, verlassen zu werden.
Bitte dreht mir nie wieder den Rücken zu!

Es fühlt sich wie Sterben an.  

Mittwoch, 5. Oktober 2011

3. Bericht: Fasten

Schwäche und Konzentrationslosigkeit überschatten mein Tun und Denken. Aber ich habe einfach nicht den Willen auf zu geben. Eine Arbeitskollegin hat mir heute einen Apfel aus ihrem Garten mitgebracht. Und alle Ausreden konnten sie nicht davon überzeugen, das madige Ding von mir fern zu halten.
Ich habe eine Hälfte gegessen und den Rest im Ärmel verschwinden lassen.

Seit diesem Zeitpunkt haben sich zweierlei Arten von einem schlechten Gewissen in meinem Kopf manifestiert. Zum Ersten hat sich meine Kollegin bemüht, mir eine Freude zu machen und sicher auch viel Liebe beim Gärtnern investiert und ich schmeiße alles ohne weiteren Gedanken in den Müll. Und desweiteren habe ich mich selbst betrogen und mein Fasten aus falsch-aufgesetzter Freundlichkeit unterbrochen. Es wäre kein Beinbruch gewesen, ihr zu sagen: "Danke für's Mitbringen. Ich esse ihn später.", und hätte ihm den Kaninchen des Nachbarn zum Fressen gegeben.
Es war unüberlegt. Zwiespältig schon fast.

Sonst lief es gut. Jedoch denke ich, dass ich nur noch den morgigen Tag fasten werde. Der Wille ist noch da, aber bevor es in einem Fressanfall endet, der alles ungeschehen macht, lege ich Freitag einen Gemüsetag zum Fastenbrechen ein.
Das Wochenende wird sich noch zeigen.

Nackt

Von jeglicher Zierde befreit stehe ich vor dem Spiegel: Wie ein Neugeborenes, blutverschmiert mit schreiender Stimme; nach Schutz und Geborgenheit krächzend.
Das Mädchen im Spiegel widert mich an.

Warum kann ich nicht sehen, was andere sehen?

Dienstag, 4. Oktober 2011

2. Bericht: Fasten

Es hat alles gut geklappt. Ab und zu hat der Magen geknurrt, aber einem Fressanfall war ich nicht im Geringstem nahe.
Nur ist gerade jetzt meine Waage kaputt gegangen. Als ich mich heut in der Früh raufstellte, hat sie mir 130 Kilogramm angezeigt und als ich es ein zweites Mal ging sie nicht mehr an. Auch nach dem Austausch der Batterien reagierte nichts.
Werde warten müssen bis mein Bruder sich das Gerät anschauen kann. Sonst muss ich mir eine Neue kaufen. =(

Montag, 3. Oktober 2011

1. Bericht: Fasten

Da ich letzten Monat ziemlich Diätfaul war, habe ich mich kurzerhand entschlossen zu fasten. Zur Zeit läuft es in meinem Leben einfach drunter und drüber und ich möchte mit dem Verzicht beweisen, dass ich Durchhaltevermögen besitze.
Eine Grenze oder eine Ziel steht nicht fest. Es sei denn 'so lange wie es geht' zählt.

Mir ist bewusst, dass Fasten keine Diät ist. Und auch nicht gut für die Figur wegen dem JoJo-Effekt. Aber es geht mir um das Durchhalten. Es ist Zeit wieder zu zeigen, dass ich noch Disziplin habe!

Gewicht:   46,1 kg

Der erste Tag:
Den ersten Tag habe ich noch nicht voll und ganz gefastet. Da mein Blutzucker zu schnell in den Keller fällt und mein Körper mit Fressattacken antwortet, habe ich den ersten Tag mit Gemüse und Obst verbracht. Es gab zum Frühstück eine Paprika und eine Karotte.
Gerade habe ich noch eine halbe Mango und eine Kiwi püriert und getrunken. Ab morgen früh werde ich ganz verzichten.

Zur Motivation werde ich euch natürlich weiterhin Berich erstatten. Meine persönliche Unterstützung ist Fina, mein Twin. Sie wird auch fasten und hoffentlich mindestens genauso gut durchhalten wie ich.
Bitte besucht auch Soleils Blog und unterstützt sie bei ihrem ersten Fasten!

Danke an all meine Leser!

Geisterstunde der Sinne

Das Erzittern ihres Körpers läutet wie ein zartes Glockenspiel, mit jedem Windhauch ertönt es erneut. Geisterhaft leuchtet ihre blasse Haut. Ihre Lebenskraft sinkt - wie eine Feder zu Boden - wenn der Herbstwind zu kalt durch die Straßen und Äste zieht.
Aus dem Friedhof ihrer Erinnerung erwacht ein Alptraum, sucht sich Nacht um Nacht wieder heim. Finger so dünn wie Stacheldraht legen sich um ihre Kehle, drücken zu  - stark genug, um ihr die Luft abzuschneiden, doch zu sanft um sie zu töten. Jedoch innerlich - inmitten eines eisernen Panzer - spürt sie den Verwesungsprozess ihrer Seele.

Gezwungen am Tage eine Maske auf zu setzen, verlebt sie ihre Zeit mit unerkennlichen Schmerzen. Es ist kein Leben, nur verweilen. Mit einer Platzkarte in der letzten Reihe.
Fremde Sinne weben ein Kostüm um ihren Körper, um die Show weitergehen zu lassen. An das Niveau angepasst und die eigene Intelligenz am Beispiel der Gesellschaft herabgesetzt, die eigene Wertschätzung im Strudel verloren.

Sie ist ein Geist. Knapp nur am Leben.
Unwillig zu Atmen, weil nur Pein ihre Lunge füllt.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Immer und immer wieder

Nicht Hunger, sondern Appetit hat mich in die Küche getrieben. Diese unbändige Macht, die über mich hinaus wächst; noch größer und kräftiger über mich wacht, mich mit Faden aus Stahlsträngen zum Fressen drängt. Ohne Luft zum Atmen stopfe ich das letzte Stück Kuchen in meinen Mund, würge Schokolade den Rachen hinunter; verbrenne mich am Käse der frischgebackenen Pizza und löffel Nutella mit den Fingern aus dem Glas. Gierig nach 'Mehr!' stecke ich den ganzen Fraß in mich hinein, versuche verzweifelt die Leere zu füllen, die mich in Bitterkeit erstickt.  


Wieder beherrscht mich diese Stimme, die nicht aufhören will mir zu befehlen, was ich tun soll. Sie schreit so laut, dass es wie Donnern in meinen Ohren klingt.
"Versager!", wiederholt sie verhemmend, immer und immer wieder. Schon wieder sitze ich zwischen Essensreste und bunt-bedruckten Plastikfoilien. Wie konnte ich das schon wieder zulassen? Warum kann ist meiner Disziplinlosigkeit keine Grenzen gesetzt? Ich bin so ein widerlicher Nichtsnutz; Abschaum, ein jämmerlicher Schwächling.
Abartig wie ich nun einmal bin lecke ich mir den Rest der Backwaren von den Fingern, fress weiter über den Punkt von 'Übervoll' hinaus.

Mit Angst im Herzen rechne ich die Summe der Kilokalorien meiner Fresserei durch: 2720 Kilokalorien. Verdammte Scheiße!
Der Moment des Entgleitens, nur die Spitze vom Eisberg, überschattet einen Traum, der mir mehr bedeutet als Glücklichsein. Auch wenn ich dafür sterben leiden muss.

3. Blogaward

Ich bin überglücklich, weil die liebe Lena mir einen Blogaward verliehen hat. Zwischenzeitlich ist es der Dritte und ich freue mich sehr über jeden einzelnen!

  1. Gestern hatte ich eine Panikattacke im Kaufhaus.
  2. Manchmal kann ich nicht glauben, dass Leute meine Texte lese und auch noch interessant finden.
  3. Zur Zeit habe ich 41 Leser. Das macht mich so stolz. 
  4. Mein Therapeut war der erste Mensch, mit dem ich über das Ritzen ohne Aufforderung geredet habe.
  5. Fast alles macht mir Angst. 
  6. In letzter Zeit denke ich wieder sehr oft an Suizid. 
  7. Ich liebe Weihnachten und auch die Vorweihnachtszeit.
Mein Award geht an:
und

Samstag, 1. Oktober 2011

Tiefer als zuvor

Angespannt sitze ich auf dem Stuhl im Behandlungszimmer. Meine Gedanken kreisen in meinem Kopf, doch keinen einzigen kann ich fassen und zu einer Antwort formen. Das Reden ist ein allgemeines Problem von mir, eins von vielen, jedoch macht diese unruhige Situation es sicher nicht besser.
Manchmal versteht mein Doktor mich nicht, weil meine Stimme viel zu leise im Raum verhallt.

"Ich habe mich geritzt", stottere ich hinaus. Seine Augen und seine Aufmerksamkeit sind hundert-prozentig auf mich gerichtet. Wenigstens schaut er keineswegs erschrocken oder vorwurfsvoll, das könnte ich nicht verkraften.
"Darf ich fragen wie tief Sie sich ritzen? Nur oberflächlich oder kam auch Blut? Haben Sie es verbunden?", der Klang seiner Stimme beruhigt mich irgendwie, sie ist sanft und wohlklingend ohne monoton zu wirken. Nur was ist das im Unterklang, ganz versteckt unter gelerntem Zwangshandlungen? Wissbegierde? Etwa Sorge?

Meine Worte kommen nur abgehackt, serviert in kleinen Häppchen. Nicht einmal einen zusammenhängenden Satz bin ich in der Lage zu formen: "Nein... nicht verbunden... hat geblutet... ein bisschen."
Natürlich meinte ich mit dem Anhang 'ein bisschen', dass die Tiefe der Schnitte ausreicht, um meine Ärmel nach 4 Stunden noch immer zu durchtränken.

"Darf ich das mal sehen?", möchte er wissen, nichtsahnend der Tatsache gegenüber, dass mich diese Frage vollkommen aus der Bahn wirft. Niemand zuvor hat jemals meine frisch zugefügten Wunden gesehen. Niemand durfte einen Blick auf noch blutende Stelle werfen. Nur Narben, bisher. Eine Person. Sonst Niemand. Der Gedanke macht mich nervös. Druck steigt erneut in mir auf, diese schwere Hand, die sich wie eine Rüstung aus Metall um mein Herz schließt; quetscht, einschnürt, zwängt, klemmt - mit immer mehr Kraft, Stück um Stück mehr Schmerzen zufügt.

Gehemmt schiebe ich den Ärmel meines Pullovers hoch. Die Zeit fliegt vorrüber wie im Zeitraffer. Die Situation gleicht einen alten Schwarz-Weiß Streifen aus Hollywood. Die Besetzung ist perfekt, nur das Drehbuch der letzte Schrott.
Wer möchte schon einen Film sehen, in dem die Hauptdarstellerin flehend nach Hilfe ruft und den Helfendem zeitgleich vehemmend verneint? Wahrscheinlich ist das eine komische Tragödie, ein Drama mit verhöhnendem Witz. Nicht, dass ich mich mit Literatur oder Theateristik auskennen würde.

Seine Hand greift nach meinen Fingern. Das macht mich noch nervöser, wenn das denn noch möglich ist. Mit geschulten Augen untersucht er die kleine Hügellandschaft auf meinen Arm, 'unsicheres Territorium', ruft eine Stimme in meinem Hinterkopf.
Der Doktor lässt mich wissen, dass er die tiefen Schnitte gerne nähen möchte und den Rest auch mitversorgt. Ich nicke zustimmend meinen Kopf, doch bleibe stumm. Meine Lippen sind versiegelt. Mir fehlt die Kraft nur noch ein Wort zu sagen.
Immer wieder verhallt die gleiche Frage in mir wieder: "Warum bin ich eigentlich hier?"

Ich war die Person, die Hilfe wollte. Ich war die Person, die beim Psychologen um einen Termin gebeten hat. Ich war die Person, die ihre Schwäche gleich nach drei Gesprächen gestanden hat. Ich war die Person, die sich mit letzter Energie an einen seidenen Faden klammerte.
Und nun?

Unbezwingbar das Gefühl der Leere. Diese furchtbaren Zweifel werden einfach nur größer und angsteinflößender.
Das, wonach ich suche, habe ich wahrscheinlich nicht einmal verdient.