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Dienstag, 29. November 2011

Panik

Gerade geht es mir wirklich, wirklich schlecht. Meine beste - in Wahrheit einzige 'reale' Freundin - hat mir gerade mitgeteilt, dass sie ihre Hoffnung in mich verloren hat. Sie vertraut mir nicht.

Scheiße. Meine Hände zittern, mir laufen Tränen über das Gesicht.
Hab Promethazin-Tropfen genommen, hab' aber nicht nachgezählt wieviel. Zu viel.

Hab Panik. So 'ne scheiß Angst. Mir fehlt die Luft. Diese Angst.... Angst... Angst....

Zittert. Wackelt. Tut weh.

Der Boden verschwindet. Die Welt ist nicht real.


Bitte keine Flashbacks!
Bitte, bitte nicht!!

Mehr Tränen.

Gerade noch ein paar Tavors geschluckt. Wahrscheinlich zu viel. Keine Ahnung.

Aufhören!
Diese Angst macht mich kaputt... Hilfe!

Sie darf nicht gehen! Bitte! Ich brauche sie doch!

Angst verwandelt sich in Panik. Farblos.
Wirbel. Spirale.

Bitte keine Flashbacks! Bitte keine Flashbacks! Bitte! Bitte!!
Angst.

Montag, 28. November 2011

7. Blogaward

Gerade eben hat mir die liebe Sophie einen Blogaward verliehen.
Zwar habe ich erst vor ein paar Tagen einen Eintrag verfasst, aber gegen die Regeln möchte ich auch nicht spielen:

  1. Ich nehme das Medikament gegen meine Schlafstörung nicht, weil bei den häufigen Nebenwirkungen "Gewichtszunahme" aufgelistet ist.
  2. Seit letzter Woche Mittwoch habe ich mit Niemanden geredet außer mit meinem Psychiater und der Apothekerin. 
  3. Ich ertrage Veränderungen nicht, reagiere meist mit Panikattacken oder Depressionen. Daher weiß ich nicht, was passieren wird, wenn ich meine Arbeitsstelle wirklich verlieren sollte. 
  4. Weihnachten werde ich voraussichtlich allein verbringen. 
  5. Wenn jemand zu mir sagt, er macht sich Sorgen um mich, frage ich mich selbst: "Warum? Wegen was genau eigentlich?"
  6. In vielen Dingen bin ich richtig "Girly": Wenn etwas funkelt und glitzert, ist es gut. 
  7. Wenn ich zeichne/male, veranstalte ich meistens Chaos. Beschmiere die Tische, male auf meine Hände, tropfe meine Kleidung voll, lasse Blätter fallen,... 

 Die Selben wie das letzte Mal werde ich nicht wählen. Diesmal wähle ich:
Lena, Niriell und Juno

Eiswürfel und Kaugummi

Andere verstehen einfach nicht, wieviel Disziplin notwendig ist, um sich selber auf die Knochen zu hungern.
Und ich verstehe einfach nicht, dass gerade Disziplin das Einzige ist, was ich noch habe. Naja, und Knochen. Nur die lösen sich langsam auf.

Eiszeit in der Hungersnot.
Mein Herz schlägt arrhythmisch.

Komatöse Urkraft

Kommerziell wie die Hochhaltung der Erwartungen an vorgeschriebendem Verstand - zwangsentbunden in eine analytisch-inkorrekte Welt.
Wenn es nicht mehr der Instinkt, sondern lediglich Pflichtbewusstsein ist, das strömende Liter Blut durch die Venen pumpt, wird auch der Sinn von Überleben vergeuded.

Die Zeit ist reif: Streife die Hülle deines Körpers ab und entblöße deine Seele in Dunkelheit, erneut in das unbekannte Schwarz im Schoß einer Mutter. Weder Trieb noch Impuls machen menschlich, sondern der Versuch jemand anderes zu sein - oder wieder das zu sein, was man einmal war.



Die ganze Nacht durchgepinselt. Meine Augen brennen fürchterlich, die Gelenke meiner Finger knacken auffällig. Eine große Wahl habe ich ja letztendlich doch nicht: Glücksspiel mit dem Schlaf.
Einen schönen Tag, ich gehe jetzt ins Bett.

Sonntag, 27. November 2011

Kristallines Opiat

Meine Augen schließe ich und bilde mir ein, das Flackern der Kerze zu hören, die unter meiner Aufsicht ihrem Ende entgegen verglüht. Diese scheinende Ruhe, besser beschrieben als zermarternde Stille, legt sich wie ein Mantel der Nacht um mich. Unerträglich fest umklammert es mich, schnürt mir den Sauerstoff ab.
Dieser Druck macht jegliche Humanität in mir kaputt, zerstört den logischen Verstand und entreißt den Emotionen ihre Stabilität.

Manchmal versucht man einfach zu sehr, stark zu sein. Und an anderen Tagen versucht man es gar nicht.
Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich werde heute abend dagegen ankämpfen. Ja, es wäre gelogen.
Denn ich weiß genau, ich werde mit dem Feuer spielen, die Klinge in die Flammen halten und die Hände, die sie führt, verfluchen. Heimlich noch mehr verachten.

Mit Ehrfurcht und letzter Willenskraft schnüffel ich an Opium. Kann den Schmerz nicht mehr fühlen, aber auch nie vergessen.
Vielleicht - das sage ich jedoch nicht zum ersten Mal - werde ich die richtige Menge Blut vergießen, werde die passende Nuance von Rot treffen, in der geschrieben steht: "Diesmal tut es weh. Du fühlst diesen Schmerz wirklich. Es ist vorbei."


Noch einmal Riechen. Bin abhängig von der Formation der Erleichterung.
Auf meinem Schreibtisch liegen Farbe, Pinsel, Tabletten und Rasierklingen.
Zur Interpretation muss man kein Künstler sein.

Alles andere wäre gelogen.

Die Stunde der Nacht

Alpträume reißen mich aus meinem Schlaf. Schweißgebadet schrecke ich hoch, schreie dem Teddybär neben meinem Kopfkissen meine Angst entgegen.

In meinem Kopf herrscht Krieg. Jedes Bild kann ich erneut sehen. Marschierende Soldaten, Kampfeinheiten bewaffnet mit Sprengstoff und Monition. Sinnlos ist der Tot der jungen Männer, qualvoll der Gedanke an letzter Todespein.
Inmitten stählender Gewalt und Fremdenhass ein unausgebildeter Söldner, der im Gefecht seine Beine verloren hat. Jetzt bleibt ihm nur das erlösende Ende. Kann ja nicht mehr fliehen, nicht mehr wegrennen vor der verpflichteten Angst.
Fremdaussehende Männer kommen auf ihm zu, seine Vision von Leidensnot bereits vernebelt. Schweiß und Blut fließen aus jeglichen Stellen seines Körpers. Doch sie bringen ihn nicht um. Noch soll er es sehen! Noch muss er zusehen, wie die Männer genüsslich seine Beine verspeisen. Mit tierischen Gelüsten beißen sie in die abgerissene Gliedmaße, Stück für Stück - ein Glimmer triebhafter Bedrohung.

Ein Spiel aus Angst. Mit Angst. Sie nehmen ihm alles, seine Instikte, seine Würde, seinen Verstand, sein Leben.

Ja, davon träume ich oft. Manchmal nenne ich sie schon liebevoll "meine Killersoldaten". Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ein paar Soldaten ab und zu auch bekannte Gesichter bekommen.
Mein Vater an der Front. Mein Bruder mit dem Gewehr in der Hand, ein Messer an der Kehle.

Auch ich bin schon beinlos auf dem Schlachtfeld liegen geblieben.


Ich werde nicht mehr schlafen gehen. Kann die bebenden Schritte ihrer Stiefel nicht erneut ertragen.
Wie jämmerlich ich schon wieder weine. Ein verängstigtes, verlassenes Kleinkind, das erfolglos nach den Händen einer Schutzperson greift.

Und der Wunsch nach dem Ende wird ach so groß. Die Einsamkeit und die Angst einfach unerträglich.

Samstag, 26. November 2011

"Du verfickter Scheiß-Kuchen, schau' mich nicht so an!..."

"... Oder willst du etwa, dass ich dich bei lebendigem Leib auffresse?"

Genau das sagte ich zu ihm.
Auf einmal stand er nicht mehr dort.
Genauso wenig wie Dreiviertel des Gesamtinhaltes meines Kühlschranks.

Große Leistung! Da kann man mir nur noch auf die Schulter klopfen.
So eine riesige Fressattacke pusht die Selbstachtung ungemein.

Fuck.

Wartezimmer der Gedanken

 ... oder: Manche Menschen unterschätzen das Chaos.

Die Welt dreht sich ein wenig langsamer. Mein Körper befindet sich im überfüllten Wartezimmer meines Arztes, doch wo sich meine Gedanken befinden, kann ich selbst nicht hundert prozentig wiedergeben. Ab und zu vernehme ich ein genervtes Seufzen oder das widerliche Hochziehen der Rotze in geröteten Nasen.
Es macht mir selbst ein wenig Sorge, wenn ich daran denke, wie egal mir die meisten Menschen sind. Oft schon bin ich daran hängen geblieben, doch in weiteren Gehirnströmen einfach hängen geblieben. Wie eine Fliege im Spinnennetz.

Die Substanz der Unschuld: Etwas, woran wir uns verzweifelt klammern und gleichzeitig alles daran tun, sie vehemmend ab zu stoßen.
Es ist der Wunsch nach Glück, das Verneinen jeglicher anderer Gefühle so lange wir selbst es errsichen. Dabei haben wir Angst davor, glücklich zu sein. Sofern sich ein Hauch Freude in uns formt, blasen wir den Docht der Kerze aus. Ohne Reue, ohne Nachgedanken. Nicht einmal ein bisschen Mitleid. Denn wir kennen uns am Besten: Ziehen uns lieber in unsere einsame, dunkle Hülle zurück, weil wir nur dort sicher sind, nicht aus unserer Leere brechen zu können.
Wir wollen kein Risiko, geben uns mit Stagnation zufrieden. Denn es gibt keine Chance auf Herzschmerz in einem komplett zynischem, analytischem Leben. 


Die ersten Leute verschwinen nach und nach ins Behandlungszimmer.
Ich frage mich, wieviele von ihnen schon einmal eine Person dafür gehasst haben, weil sie - wenn auch nur nach außen hin scheinend - glücklich war?


Auch ich habe furchtbare Angst vor dem, was auf mich zukommen wird. Viel mehr noch vor dem, was war. Nur das 'Jetzt' läuft planlos und unbemerkt an mir vorrüber, weil jedes positive Erlebnis in Sorge und Verdächtigung ertränkt wird.
Vielleicht bin ich zu menschlich um meine Ansichten zu ändern. Und zu unmenschlich um mein Versagen still und leise zu ertragen.

Der Herr Doktor ruft meinen Namen und für einen kurzen Moment musste ich überlegen, wieso ich überhaupt hier her gekommen war.
"Wie geht es Ihnen denn? Wie sehen die Schnittwunden am Handgelenk aus?", - ah ja, jetzt weiß ich's wieder. Zurückhaltend und unbeholfen streife ich den Ärmel meines Pullovers hoch und strecke ihm wortlos den Arm hin.
"Ah, die Nähte heilen schön ab. Im Laufe der nächsten Woche können wir die Fäden ziehen.", oft erinnert er mich an eine Ärztecharikatur, die ich aus der Zeitung kenne, die mein Vater zu seiner Morgenzigartte gelesen hatte. Immer freundlich, immer darauf bedacht, nicht zu unbefremdlich zu wirken.
"Und sonst? Können Sie schlafen? Essen sie regelmäßig und in ausreichenden Mengen?", ich nicke zaghaft, doch weiß genau, dass ich mir das Lügen sparen kann.

Wir reden. (Und wenn ich sage, wir reden, heißt es eigentlich, der Doktor versucht so viele Informationen aus mir heraus zu holen bis ich von all den Worten und Silben überfordert bin.)

Mein Gehirn schafft es die wichtigsten Informationen heraus zu filtern.
Medikamentierung bleibt bestehen.
Waage: 42,9 Kilogramm. Mehr Essen. Nicht kotzen!
Schlafen wäre nicht schlecht.
Keine Macht den Drogen.
Mit Menschen darüber reden, dass es mir nicht gut geht.
Nicht arbeiten gehen.

Moment! Nicht arbeiten gehen?
Scheiße. Schon wieder eine Krankschreibung.

Im Januar läuft mein 2-Jahres-Arbeitsvertrag aus. Ich denke nicht, dass ich bleiben darf - zu lange war ich krank geschrieben, zu viele Fehler habe ich gemacht. Wenn ich keinen Job habe, habe ich eigentlich auch keinen Grund zum Leben mehr.
Das meine ich ernst.
Habe in den letzten Tagen viele Bewerbungen geschrieben und abgeschickt. Das Problem darin besteht, bei einem Anruf oder sogar einer Vorladung für ein Einstellungsgespräch keine Panikattacke zu bekommen. Ob ich in der Lage bin, ein Gespräch zu führen,... ich weiß es wirklich nicht. Schon beim Gedanken daran bekomme ich Panik. Richtig Panik.

Ich will hier weg. Will nicht mehr Denken müssen, nicht mehr reden müssen, nicht mehr leben müssen.
Wenn ich meinen Job verliere, wird es so einfach werden zu verschwinden.

Freitag, 25. November 2011

Glut

Wartend auf tosende Wellen aus Rauch, welcher brütend heiß meine Kehle verbrüht. Der rußige Geschmack von Asche legt sich auf meine Seele. Letzte Flammen sprießen in Höhen, die das Auge nicht mehr erblicken kann. Es brennt ein Feuer, das Niemand löschen kann.

Blutige Lungen, expoldierte Lebern - in meinem Kopf venebelt der Geruch der Vergänglichkeit meine Sinne. Fleisch auf Fleisch, offene Wunden auf blutigen Körpern - woher kommen diese alptraumgleichen Fantasien?

Grausam ist die Isolation, wenn der Geist noch zu gesund zum Akt des V.e.r.s.t.e.h.e.n.s. ist. Geschaffen dafür, zu leiden: Zerstörerische Glut, die mir das Leben in die Hölle verwandelt.
Könnte ich dadurch aufhören denken zu müssen, würde ich dem Teufel meine profanen Atemzüge opfern. Sauerstoff rein, Kohlenstoffdioxid raus - irdischer Zirkel, den ich willig bin zu beenden.

Vernachlässigung

Immernoch nichts gesagt, nicht gesprochen, nicht geredet - wie auch immer man es bezeichnen will. Es interessiert absolut K.E.I.N.E.N.
Das traurige daran: Es ist keine Überraschung für mich.

Sitze alleine in meiner Bude rum, vegetiere vor mich hin, weil ich ja krank geschrieben bin. Niemand kommt vorbei, um zu schauen, wie es mir geht. Kein Anruf in Abwesenheit. Keine SMS. Keine Mails. Nicht mal eine Nachricht via Facebook.

Und in Einsamkeit geschaffen, formen sich solch finstere Gedanken. Fetzen unverdauter Erinnerung und intesinver Angst. Die Hoffnungslosigkeit baut sich wie von selbst ein Nest im Wirrwarr der Gehirnströme.

Donnerstag, 24. November 2011

Wortleer

Seit gestern kein Wort mehr gesagt - außer zu meinem Arzt ("Guten Tag", "Nein", "Ok", "Danke", "Auf Wiedersehen!")
Es interessiert Keinen. Wie lange es wohl dauern wird bis der Erste hinterfragt?

Ich habe aufgehört zu reden. Möchte gar nichts mehr sagen, nichts mehr erklären oder umschreiben müssen. Bin es vollkommen leid.

Mittwoch, 23. November 2011

6. Blogaward

Vielen lieben Dank an Scar:FacE für die Vergabe meines 6. Blogawards.

  1. Zur Zeit male und zeichne ich furchtbar gerne. Zeige die Bilder aber nur auf meinem Blog, weil die Bilder zu viel über mich aussagen und ich mich nicht traue, sie einer "realen" Person zu zeigen.
  2. Ich wünsche mir von gamzen Herzen, dass ich offener mit Menschen reden könnte. Bisher wissen nur die Leser meines Blogs und teilweise mein Psychiater wie es wirklich in mir aussieht. 
  3. Wenn ich "geplant" shoppen gehe, finde ich nie etwas. Wenn ich spontan shoppen gehe, reicht mein mitgebrachtes Geld meist nicht aus. 
  4. Mir graut der Gedanke an die Weihnachtszeit, weil es dann so viel Gebäck gibt und ich Angst habe, wieder einsam zu sein. 
  5. Ich hasse es, wenn Leute mir über die Schultern gucken oder mich wortlos von der Seite bemustern. Dabei drehe ich durch.
  6. Ich möchte kein Haustier mehr, weil ich den Tot meiner vorherrigen nie richtig verkraftet habe.
  7. Während meiner Schulzeit habe ich mich  zum Sprotunterricht nicht im Umkleideraum umgezogen und deshalb zwei Verweise bekommen. Alle dachten, ich wäre zu fein dafür mich zu den anderen Mädchen zu stellen, dabei wollte ich nur blaue Flecken, Schnitte und Narben verbergen.
Weiter geht der Award an FinaUtopia, Seelenkrank und Shelley

Des Weiteren möchte ich euch den Blog von Joy ans Herz legen. Der Blog ist zwar noch ganz frisch und neu, aber hört sich schon richtig gut an.

Danke an 80 Leser! Ihr seid die Besten! Durch euch fühle ich mich erheblich besser und freue mich über jeden Kommentar und auch jeden Klick!

Dienstag, 22. November 2011

Totgeschwiegen

Wie sagt man einer Person - egal in welchem Verhältnis man zu ihr steht-, dass man sterben will?
Leider ist die Frage ernst gemeint. Mir fehlt es nicht an Vertrauen oder Offenherzigkeit, mir fehlen nur voll und ganz die Worte.

Kann mir jemand helfen?

Diagnoseschlüssel

Krank geschrieben. Schon wieder.
Und damit die Krankenkasse auch genügend Arbeit hat, eine ganze Palette voll Diagnoseschlüsseln.

    •  F43.1   - Posttraumatische Belastungsstörung
    •  F50.9   - Essstörung, nicht näher bezeichnet
    •  F51.0   - Nichtorganische Insomnie
    •  F60.31 - Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typus
    •  F60.6   - Ängstlich vermeidene Persönlichkeitsstörung
    •  I50.9    - Nicht näher bezeichnete Herzinsuffizienz
    •  T01.9   - Multiple offene Wunden, nicht näher bezeichnet
Gerade im Moment würde ich gerne einfach aufhören zu denken. 

Montag, 21. November 2011

Seelenklempner

"Was soll ich dann mit Ihnen machen?", fragte der Herr Doktor mich.
Stillschweigend schüttelte ich den Kopf und sah zu Boden. Wunderte mich wie kaputt ich eigentlich wirklich bin, wenn selbst ein Psychologe nichts mit mir anfangen kann.
"Haben Sie denn eine bestimmte Vorstellung, was ich für Sie tun könnte?", hackte er nach. Die Worte verließen mich vollkommen. Ich weiß es nicht. Weiß es wirklich nicht. Heimlich wünsche ich mir Hilfe, kann aber nicht sagen, wie man mir bei Etwas helfen kann, an dem ich nach und nach sterbe.

"Aber Sie sehen deutlich besser aus!", mit diesen Worten leitete er das kommende Ende des Gespräches ein.
Von mir selbst angewidert nicke ich ihm zu und zwinge mir noch ein Lächeln auf's Gesicht.
Ich sagte "Danke!", meinte allerdings nicht seine beruhigenden Worte, sondern die wunderbare Macht des Make-Ups.

Tja, hab' meine Giftpillen wieder verschrieben bekommen. Zwar hellen sie meine Stimmung nicht auf, aber helfen mir beim Einschlafen. Immerhin.
Sollte ich mich jetzt schlecht fühlen? Überrascht sein?


Gerade bin ich mir nicht mehr so ganz sicher mit welchen Erwartungen ich zu ihm ging.
Es macht mich fertig.

Sonntag, 20. November 2011

Elefantengewicht

Fleisch umgibt die Knochen
zu viel,
zu schwer,
das Gewicht so niederdrückend,
dass die Erde sie kaum tragen kann.

Ein Wasserfall,
der in meiner Kehle brennt,
schabt Massen aus,
kratzt das Leben
Stück für Stück
von meinem Körper.

Elefantenfüße in Stöckelschuhen:
Absatz abgebrochen.

Der Druck wird zu stark,
der Versuch die Sorgen herunter zu schlucken,
die Ängste in Säure zu ertränken:
Fressen ohne Sinn
Stopfen ohne auf das schmerzbenezte Winseln zu hören.

Elefant im Marmeladenglas
der Druck schließt mich ein,
kein Sauerstoff.




Fressen. Heulen. Fressen. Heulen. Fressen. Heulen. Fressen. Heulen. Seit Freitag acht neun Fressanfälle - unterschiedlicher Intensität. Es tut so weh. Ich vermag mir nicht vorzustellen, wieviel ich zugenommen habe. Weiter heulen. 

2 Tage

48 Stunden.
48 Stunden ist es her, dass mich ein Alptraum aus dem Schlaf geholt hat. Seit dem bin ich nicht mehr ins Bett zurück gekehrt.

Die Soldaten fordern Disziplin. Wieder einmal.
Stillgestanden!
Rechts um!
Vorwärts Marsch!

Jeder Muskel in meinem Körper schmerzt. Meine Augen brennen beim Zwinkern.
Ich bin so müde. So furchtbar müde.
Will aber nicht schlafen. Mag aber auch nicht mehr wach sein.
Ins Bett.

Links - Zwo, Drei, Vier!
Links - Zwo, Drei, Vier!

Samstag, 19. November 2011

[Trigger!] Tropf, Tropf

Trop, Tropf...
Geheimnisse bluten aus meiner Haut heraus.
Tränen fallen zu Boden, doch kein Wasser kann diese Schande von mir abwaschen.
Tropf, Tropf...
Die Schnitte sind nicht tief, nur unzählig. Es tut nicht einmal weh. Kann nicht annähernd die zerschneidenen Schmerzen im Kopf erreichen.
"Es ist zu spät, um so abgefucked dahin zu vegetieren", sage ich mir. Doch dafür ist es immer zu spät, oder zu früh - es kommt auf die Sichtweise an.
Tropf, Tropf...
Die Strafe in Stein gemeißelt: Ich werde niemals Seelenheil finden.



Freitag, 18. November 2011

Lache einfach lauter

Um zu verstecken, wie verrückt mich meine Gedanken machen, lache ich einfach lauter als die Anderen. Hinter einem Lächeln kann man verstecken, was wirklich Innen herrscht. 
Es gibt einfach zu viel, es überflutet mich, überrennt mich - aus diesem Grund sage ich einfach gar nichts. 
Für euch bleibt der wahre Schmerz unerkannt. Unsichtbarkeit in allen Perspektiven.

Einstudiert und monoton laufe ich der Realität davon, schlucke brav die Pillen, die mein Arzt mir verschrieben hat. Der krank-machende bittere Nachgeschmack lässt mich schaudern, doch fällt es mir nicht schwer, mich selbst davon zu überzeugen, dass eine Tablette zum Frühstück reicht.

Und zum Mittag.
Und ein paar Tropfen zum Abendbrot.

Fragt mich ruhig, wie es mir geht. Auch wenn ich aus Hunger Schwarz sehe, werde ich laut drauf los lachen. (Innerlich ein bisschen lauter schreien.)

Mittwoch, 16. November 2011

Neuster Stand

Bei einer Freundin konnte ich mich heute wiegen. Erst am Samstag werde ich in die Stadt fahren können, um mir eine neue Waage zu kaufen. Ist es eigentlich egal, was für eine man nimmt?

43,0 Kilogramm.
Bedeutet: BMI 17

Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich ungerade Zahlen nicht sonderlich mag?

Dienstag, 15. November 2011

Feige

Ich bin ein Feigling. Es ist nicht notwendig, es erneut aus euren Mündern zu erfahren. Hinter verlogenden Zeilen verstecke ich mich und gebe vor, keine Notiz zu nehmen, wenn ihr meiner Wertlosigkeit mehr Beachtung schenkt als der Person dahinter.
Verhöhnend schallendes Gelächter bespaßen sich an meiner Unwürde, überdecken aber nur den wahren Schmerz. Die tiefe Schlucht, die meinen Verstand und meine Seele in zwei Teile spaltet.

Mein Zimmer ist leer. Genau wie mein Herz.
Nutzlos und verschwendet ist die Energie, die ich aufgebracht habe, um zu versuchen die Tränen zurück zu halten. Fallen sie doch immer wieder, fallen um des Gesterns Willen, fallen um die Feigheit meines Schweigens in Wasser zu ertränken.

Kein Ehrgefühl für einen herrenlosen Straßenköter wie mich. Werft mir einen Knochen zu und ich hechle euch ein Danke und flehe euch um einen weiteren Tritt mit euren Stiefeln an.
Ich bin ein Feigling, weil ich noch immer diese Qualen lebe und einfach nicht los lassen kann.

Zu feige.
Zu verflucht feige.

Montag, 14. November 2011

Suizidales Wiegenlied

Als würde das Blut an meinen Armen direkt auf meiner Haut einfrieren: Mir ist so kalt. Mein ganzer Körper bebt. Apokalyptisches Martyrium, mache es mir doch nicht schwerer als es ist.
Diese Gedanken sind mein Geheimnis. Und sie fressen sich durch mich hindurch, verschlingen jegliche Freude und Hoffnung.

Im Stillen singen sich die Zeilen und Noten wie von selbst. Mit der Melodie der Trauer und dem Bass der Verzweiflung ummantelt, spielt mein Kopf ein Wiegenlied. Der ewige Schlaf. Das Ende des Seins. Vielleicht keine Erlösung, aber bisher prallten alle Schreie an euch ab.

Es tut so weh. Und doch ist es so leer.
Ohne Reue verschenke ich dieses Leben, doch die Narben nehme ich mit.

Die Fingerspitzen fühle ich nicht mehr. Blau-lila schimmern sie meinen Augen entgegen. Das sind nicht meine Hände. Das ist nicht mein Körper.
Ich finde, diese kranke Gestalt hat den Aufenthalt auf dieser Erde nicht verdient.

Ich kenne die Durchfahrtzeiten der Züge auswendig.
Weiß wie ich auf das Dach des Hochhause nebenan klettern kann.
Notfalls kenne ich genügend Chemikalien, die mir ein Ende bereiten könnten.
Medikamentencocktail. Schluck' alle herunter.
Ich will sterben.


Am Donnerstag habe ich wieder einen Termin beim meinem Psychiater. Ehrlich gesagt - all zu gern würde ich ihm von meinen Suizidplänen erzählen. Denn ich habe Angst vor mir selber. Habe wahrhaftig Angst davor, mir etwas an zu tun.
Aber meine Lippen sind verschlossen. Und vor einer Klinik habe ich genauso Angst.
Ich will nicht mehr. Will diese Sorgen nicht, diese Erinnerungen nicht. Kann mich selber nicht ertragen. Wer sollte mir helfen? Wie soll man mir helfen, wenn keiner davon weiß?

Was soll ich tun?

Ich friere so sehr.
Ich sollte sterben.

Sonntag, 13. November 2011

Versprechen

Schmerz durchzuckt seine Glieder. Mit letzter Kraft und letztem Willen drückt er seine Hände gegen seine Augen. Er kann die Bilder nicht mehr ertragen, will nicht mehr erblicken müssen, was ihm Zeit um Zeit quält.
Erinnerungen bringen ihn um, überschütten ihn mit niemals-aufhörenden Worte der Schande. Versprechen wie "Für immer" und "Niemals".
Welchen Versprechen kann man Glaube schenken?

Er zittert. Kämpft gegen jede einzelne Träne, die versucht aus ihm heraus zu kriechen. Diese Schmach wird er sich nicht geben. Niemals. Für immer.

In der Luft

Im meinen Gedanken fliegen Vögel, die so schwerelos und frei durch die Lüfte fliegen. Schweben in lichten Höhen, die einen simplen Wesen der Rasse Mensch vor Ehrfurcht erblassen lassen.
Denn wir sind an Zement gebunden, für immer so gewichtig wie der Boden unter unseren Füßen.


Der Hunger arbeitet für mich. Fliegen werde ich nie können, jedoch hat jeder Traum seine eigenen Flügel. Mir sollte nichts gegeben werde, weil ich nichts verdiene. Niemals verdiene ich.
Es gleitet der letzte Wille der Sonnen empor, dem 'Nichts' den Rücken gekehrt.

Nur zurück zu der Leere; die Reflektion einer Leiche. In der Luft, in der keine Sorge auf mir lastet.


Hab vergessen wie man von Herzen lacht, aber das macht jetzt keinen Unterschied, weil auch jedes Gefühl, jeder Traum und jede Hoffnung dort oben mit den Vögeln ihre Kreise ziehen.

Freitag, 11. November 2011

Blickwinkel

"Schau' mal, ich habe ein neues Shirt an!"
"Das Shirt ist nicht das Auffällige. Das Einzige, was wirklich heraussticht, sind deine hervorstehenden Hüftknochen."

Diese Worte erschrecken mich.

Und 30 Minuten später versucht man mich zu überreden noch ein Stück Kuchen zu essen.

Ich habe ein schlechtes Gewissen. Will nicht mehr fett sein. Nicht mehr ÜBERflüssig sein.

Möchte keinen Kuchen, kein Brot, keine Süßgikeiten und kein Gemüse. Möchte nicht essen. Nicht mehr weinen.
Ich möchte nur ein wenig weniger Wenigkeit.

Donnerstag, 10. November 2011

Stimmen

Der Druck baut sich weiter auf. Ich beiße auf meine Zunge und schmecke Eisen und Bestrafung. So viele Stimmen summen in meinem Kopf. Ein gehechelter Laut hier, ein abgestumpftes Gröhlen dort.
Der schlimmste Part jedoch ist die Erinnerung, die Flashbacks, die weniger wie ein Blitz und eher wie Donner auf mich nieder schmettern.

Mit zitternden Händen greifen sich meine Finger meinen Kopf. Sonst wird er zerplatzen, auslaufen; da bin ich sicher. All die unausgesprochenen Worte stechen mit messerscharfen Klingen auf mich ein - von Innen, von Außen.

Sie denken, sie kennen mich. Doch sind sie nur Begutachter einer Marionette. Einfache Zuschauer, die das Pech besitzen in der ersten Reihe zu sitzen.
Ich trage eine Maske. Von alleine kann ich sie nicht mehr von meinem Gesicht nehmen. Als wäre sie mit Kleber an meine Haut gepresst, vielleicht auch schmerzvoll angetackert. Nichts kann sie von ihrem Platz rühren. Sie haftet - in wahrhaftiger Einzelhaft.

Wenn es keine Zeugen gibt, gibt es keinen Grund sich daran zu erinnern. Also lebe ich ein bisschen weniger, weine ein bisschen mehr und warte ein bisschen länger.
Mit den Stimmen allein. Die Schreie.
Narben so unzählig auf der Haut.

Mittwoch, 9. November 2011

Tränen inmitten von Erbrochenen

Könnte ich doch diese Ängste und Schuldgefühle nur genauso runterschlingen wie die Unmengen an Nahrung, die ich ohne Verstand in mich hineinschiebe. Könnte ich doch die Einsamkeit und dieses Gefühl von 'Niemals-gut-genug' einfach mit den Zähnen zermartern wie das letzte Stück Schokolade, dass sich schmerzhaft meine Speiseröhre hinabzwängt.
Mein Hirn badet in Problemen und Selbstmitleid, meist gleichzeitig; zweitweise nur weniger intensiv. Scham setzt ein, dieses Gefühl kenne ich gut.

Und während das Herz noch standhaft behauptet einen Funken Selbstkontrolle übrig zu haben, rebelliert der Magen in unwohligen Tönen. Als würde mein Innerstes zerplatzen, als würden meine Organe unter all den Druck zerquetscht werden.
Übelkeit. Schwindel. Kloschüssel, wenn ich schnell genug bin.

Irgendwie wird man alles los. Manche Dinge verlassen mich einfacher als sie sollten.
Weinend auf den kalten Fließen des Bades liegend, wünsche ich mir ein anderes Leben, ein anderes Ich, eine andere Seele. Und ich verfluche den Tag, an dem ich geboren wurde; verfluche den Tag, an dem meine Mutter mich aufgehört hat zu lieben (wenn sie das denn jemals hatte); verfluche den Tag, an dem mein Vater zum ersten Mal zugeschlagen hat; verfluche den Tag, an dem ich zum ersten Mal der Außenseiter einer gesamten Klasse war. Und verfluche jeden einzelnen Tag, an dem ich mein Leben in der Toilette versenke.

"Du hast es ja nicht anders verdient", höre ich die Stimme in meinem Kopf sagen.
Ich bin hoffnungslos verzweifelt. Habe Angst. Weiß gar nicht, vor was genau.

Suizidgedanken kreisen wieder.

Sonntag, 6. November 2011

Im Sommer noch...

... konnte ich lächeln. Ich schaue mir Bilder an und denke nur: "Wer ist das?"

Bilder entfernt

"Da war mal eine Person im Spiegel, die ich von irgendwoher kannte. So befremdlich diese Erinnerung."

Bilanz Oktober:

Leider muss ich voller Trauer und Selbstmitleid mitteilen, dass meine Waage Ende Oktober das zeitliche gesegnet hat. Inständig hoffe ich, dass sie nun im Waagenhimmel ohne stinkende Füße ihren Frieden finden kann.


Höchstgewicht im Oktober:
46,1 kg
Tiefstgewicht im Oktober: 
43,8 kg
Fressanfälle:
2., 15., und 19.
Ausprobierte Diäten:
nur ein paar Fastentage, die ich als Diät nicht empfehle

Der Monat Oktober war für mich schrecklich. In jeglichem Sinne. Keine Erfolge, aber irgendwie auch keine wirklichen Misserfolge - abgesehen davon, dass ich drei Fressanfälle hatte.
Die einzige gute Nachricht: Das hier ist mein 100. Post. Und ich habe sage und schreibe 69 regelmäßige Leser. Das ist wirklich ein tolles Gefühl! Ich danke euch vom ganzen Herzen!

Langsam habe ich Lust auf ein neues Design.

Samstag, 5. November 2011

Unsicherheit

Ich wäre gerne mehr.
Lieber wäre ich aber weniger.
Natürlich kann man die Zeichen sehen; die Unruhe, den Stress, den es für meinen Körper bedeutet. So offensichtlich, denke ich, doch wer schaut schon genauer hin?

"Du bist schön", sagtest du mit deiner zuckersüßen Stimme, doch letztendlich antwortete ich nur mit einem Seufzen. So hast du wohl gesehen, dass deine Augen diese Lüge verraten. Ich würde lieber hören, was du an mir nicht ausstehen kannst, sag' mir, was du hasst. Bitte beleidige mich, schütte Benzin in mein Feuer.
Denn dann habe ich einen Grund, eine sprudelnde Quelle, die meine Gier auf Verzicht füttern wird. Sage mir einfach, ich wäre hässlich, wäre fett: Dann könnte ich diese Schmerzen justifizieren. Dann könnte ich die überschüssigen Pfunde los werden, das widerliche Fett von meinen Körper stoßen.

Wäre so gerne perfekt für dich. Nicht weniger. Auch nicht mehr.

Freitag, 4. November 2011

5. Blogaward

Gerade gehen viele Blogwards um. Ich danke euch allen von ganzem Herzen! Zuerst dachte ich, ich würde mir die Kommentare nur einbilden. Aber ich habe wirklich von Juno, NienorAletta und Laura bekommen. Das ist so furchtbar lieb von euch!

  1. Ich kleide mich fast ausschließlich schwarz oder dunkelblau.
  2. Ohne meinen PC wüsste ich oft nicht, was ich mit meinem Nachmittag anfangen sollte. 
  3. Nur mein Psychologe darf meine Schnittwunden verarzten. 
  4. Wenn ich Zeit für ein Haustier hätte, hätte ich gerne einen Hund. 
  5. Jeder lobt meine Back- und Kochkünste, selber esse ich selten davon. 
  6. Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Hände nicht zu mir gehören, deswegen starre ich sie viel zu oft an.
  7. Ich habe schreckliche Angst davor meinen Job zu verlieren / aufgeben zu müssen.
 Da ich keine Awards zurückgeben möchte und auch die vom letzen Post nicht wiederholen möchte, geht der Award an:
Rosa, disgusting girl und heartfoul

Niemals mehr zurück

Das ganze Leben schon habe ich in Erinnerungen gelebt. Zwischenweltlich in fiktiven Kindsheitsträumen und rational echten Sonnenstrahlen, die ich noch immer auf meiner Haut spüren kann. (Riecht es hier gerade nach angebrannter Hoffnung?)

Keiner kann mir dieses Gefühl nehmen, dieses zuckersüße Entschwinden aus Realität. Der Gedanke an die Konsequenz hält mich zu sehr auf abstand. Wäre ich noch in der Lage zu fühlen, wenn ich meine Identität austausche? Wäre ich dann eigentlich noch ich?
Auch wenn ich mir einen festen Platz in dieser Welt wünsche, verdränge ich doch die Tränen und Grausamkeiten, die ich zu opfern gezwungen war.

Kannst du dir vorstellen, wie es ist, wenn dein "Zu Hause" nicht der Ort ist, zu dem zu kehren kannst, wenn dein Tag stressig und hart war? Kannst du dir vorstellen mit Angst im Leib dem Gebäude entgegen zu laufen, der für dich wie eine Dimension der Hölle erscheint?
Bedacht stecke ich den Schlüssel ins Loch - leise, leise; will ja keine Aufmerksamkeit. Auch keine Schreie. Doch die Wände sind von meiner Mutter gemacht, der Boden, auf dem ich stehe, von meinem Vater. Dieses Haus ist so solide wie menschlich, so gefüllt mit überspieletem Hass und so überfüllt mit Lieblosigkeit.
So kalt und falsch, und doch kehre ich zurück und spiele mit. Was bleibt mir denn auch sonst übrig?

Der Tag war vernetzt mit Angst, Schreien, Sorgen und Vorwürfen. Doch nun kommt die Nacht.
Glaube mir, Fremder, wenn man Alkohol und Frust miteinander in eine Tüte packt, kommt nur ein kalter Hauch unbändiger Wut und ungezügelter Schmerz wieder heraus.
Und manchmal, eigentlich öfter als man annehmen sollte, trifft es nicht nur eine Person.

Gerade träume ich mich wieder weit entfernt von diesen Szenarien, so weit weg, dass ich nicht erkennen kann, welche Rolle ich in meiner eigenen Erinnerung eigentlich verlebte. Über mir schweben weiße Schäfchenwolken, das Raschelns des Grases verheißt Liebe und Geborgenheit.
In meiner Interpretation.


"Man kann nicht auf ewig verdrängen, was einen innerlich kaputt macht.", sagte mein Psychologe zu mir. Ein Teil in mir brach zusammen. Ein Sturm fegt über meinen Frieden. Der Wind heult verhasste Fragen, der Regen bringt den Schmerz von damals zurück. Jeder Tropfen peitscht auf meine Haut.
Ich glaube, mir fehlt der Wille zum Atmen. Eigentlich werde ich ja auch ertränkt. Du musst es nicht verstehen, mich um Gottes Willen auch nicht bemitleiden, aber kannst du mir sagen, wie man diese Zerstörung wieder richten soll? Alles ist kaputt.

Nebel zieht durch mein Herz. Ich bin traurig. Müde und erschöpft. Irgendwie hoffnungslos.
Ich möchte doch nur vergessen.

Mittwoch, 2. November 2011

Morgentief

Neuer Tag. Herzlich Willkommen in Nebelschwaden und dunkelblauen Augenringen.
Ehrlich gesagt... kann ich jetzt schon nicht mehr.

Dienstag, 1. November 2011

An der Leine fängt der Hund keinen Hasen

Schweres Gewicht lastet mir auf den Schultern, zieht mich herunter und zwingt mich zur Kapitulation. Dieses absolute Versagen - ehrlich gesagt ähnelt er eher einem Spießrutenlauf - wiederholt sich ständig, zieht sich chronologisch wiederkehrend durch mein Leben.
Immer wenn ich dachte, jetzt wäre es vorbei - das ein oder andere Mal habe ich es sogar als "in Ordnung" bezeichnet -, kam es mit verfielfachter Last zurück. Diesmal scheint es anders. Nichts kann Erleichterung schaffen, nichts kann mein Gesicht zur Sonne drehen. "In Ordnung" ist überhaupt gar nichts. Dieser Druck lastet nicht auf mir, sondern hat sich tief unter meine Haut eingegraben.

Zu gerne würde ich "Aufhören" sagen, doch schweige ich still. All die Zeit schon.
Meist streichel ich mir unbewusst über die Kehle, wenn der Wunsch nach Reden zu groß würde.
Irgendwo habe ich meine Stimme verloren.
Der Druck bringt mich um und hält mich am Leben.