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Samstag, 31. März 2012

Eisherz

Ich vermisse sie. Seit Mittwoch habe ich keinen Ton mehr von ihr gehört.
Ob wohl etwas passiert ist?

Meine Sorge um sie kennt keine Grenzen.
Eisherz, wo bist du? Was ist geschehen?

Ihr Blog steht nur geladenen Gäste zur Verfügung und ich weiß nicht, ob sie zurückverlinkt werden möchte. Jeder, der sie kennt: Hat jemand ein Lebenszeichen von ihr?

Ich habe solche Angst, dass etwas passiert ist....

Freitag, 30. März 2012

Ein und Aus

 Als die Nummer meines Vaters auf dem Display erscheint, stellt sich mein gesamtes System auf Alarmbereitschaft. "Geh nicht ran, geh nicht ran", ermant mich die innere Stimme, das Fünkchen Selbstschutz versteckt im Gehirn.
"Geh nicht ran, geh nicht ran", sagt es immer wieder und doch drücke ich den Knopf. Immerhin gibt es keinen Grund für Vorwürufe, immerhin haben wir schon lange nicht miteinander geredet. Nur einmal 'Hallo, wie geht's`" und schon ist es vorbei.

Ein tiefer Atemzug
ein...
                   .... und aus

 "Deine Cousine T. hat sich versucht umzubringen. Du weißt schon, die von Onkel A. Der Aussage ihrer Freundin nach hat ihre Freund sie verlassen und geht jetzt mit ihrer besten Freundin aus. Was ganz genau passiert ist, weiß ich nicht. Anscheinend hat sie die verschriebenen Tabletten ihres Vaters geschluckt und mit Alkohol nachgespült."

Seine Stimme war sehr ruhig. Doch Angespanntheit und womöglich unnötig aufsteigende Aggression waren ihm anzumerken. Man konnte regelrecht spüren, dass er Folgendes vor dem Auflegen noch loswerden musste:

"Hast du etwa zu viel mit der Kleinen geredet? Der ganze Herrgang der Geschichte kommt mir sehr verdächtig vor. Sie hat sich dein Psycho-Gehabe wahrscheinlich abgeguckt! Du hast ihr das eingeredet."

Tödliche Stille. Die Ruhe vor dem Sturm. Der Moment, an dem die Kehle beginnt in Flammen aufzugehen und die Tränen in den Augen brennen.
Ein tiefer Atemzug
ein...
                   .... und aus
und es beginnt.

Erst ein Test
   Klinge prüfen
   Die Tiefe
   Das Blut
Keine Ernsthaftigkeit
   Ein wenig mehr Druck
   Klare Linien
   Rot getränkt

Ein tiefer Atemzug
ein...
                   .... und aus
weil es wieder meine Schuld ist,
weil es immer meine Schuld ist.

Tropfen um Tropfen,
Fall und Explosion
   ein roter Teich, schimmernd auf kalten Fließen
   Die Klinge in verkrampften Händen
   Stich und Schmerz
   Perfekt

Ich kann nicht aufhören. Das Verlangen steigt stetig. Es gibt keinen Halt, nur ein Loch, in das ich stürze. Ins Dunkel, ins Unbenannte. In Blut bin ich geboren, im Blut gehe ich nun unter. Beängstigend, dieser Zirkel des Aberglaubens.
Ich bin schuld. Er macht mich wieder schuld. Und das ist in Ordnung. Denn im Nichts kann ich diese Worte vergessen.



Ein tiefer Atemzug
ein...
                   .... und aus

In der Reflexion der Flüssigkeit
   Tränen auf weißen Wangen
   Augen, die mit jedem versteckten Gefühl glühen:
   Schmerz und Trauer, Verzweiflung und Herzschmerz

Ist jedes Pfund Hoffnung auch verloren, spüre ich Erleichterung. Zwischen drückenden Erinnerungen und aufkeimenden Selbsthass.

Wieder bin ich Schuld. Immer bin ich Schuld. Ich bin ein Monster, ein abstoßendes, blutverschmiertes Monster.
Und ich töte die Haut ein bisschen mehr, blute meine Seele aus: Wie ein Schwein, das geschlachtet wird. Die Klinge in der eigenen Klaue.


Dieses Mal
   kein Mitleid
   kein Warten
   Tiefer
   bis Narben wieder sterben



Ein tiefer Atemzug
ein...
                   .... und aus



Hier ist ein Bild von meiner kleinen Cousine T., welches sie auf ihr Facebook-Profil veröffentlicht hat. Bitte schließt sie für eine Minute in eure Gedanken ein, wünscht ihr gute Besserung für die Genesung und  ein Leben voller Freude und Seligkeit.

Donnerstag, 29. März 2012

Wiederholungstäter

Ich weiß nicht, wie ich es immer wieder schaffe am selben Ende zu landen. Von einer Scheiße in die Nächste. Kaum halten die Stimmen für einige Zeit die Fresse, ramm' ich mir wieder die Klinge ins Bein.

Mittwoch, 28. März 2012

Spritzen

Und doch saß ich nur auf dem Fensterbrett und sah aus dem Fenster. Obwohl die Sonne schien, wollte ich mein Krankenzimmer nicht verlassen. Nicht, dass mir dies ohne Begleitung erlaubt gewesen wäre.
Im Stillen habe ich mich gefragt, wie sich wohl der Wind auf meiner Haut anfühlen würde, doch befürchtete, ich könnte ihn überhaupt nicht spüren. Denn in diesem Moment schien mir alles fremd. Sogar das Denken im allgemeinen Prozess war undefinierbar anstrengend.

Einmal in jeder Stunde schaute eine Krankenschwester herein, grüßte mich freundlich und versuchte ein Gespräch zu beginnen, welches ich mit einem gequälten Lächeln, einem stumpfen Nicken und einem leisen "Hm" beendete. Ich wollte nicht unfreundlich sein, oder gar verwertend bzw. undankbar, aber die Worte waren in meinem Kopf verhangen.
Da hängen sie vielleicht nicht immer: Im verworrenen Netz aus Medikamenten und Wirkstoffen, die klaren Menschenverstand einwickeln, wie die Spinne es mit der Fliege macht. Spinn-herum-friss-mich-auf.

Leise war es. Leise und ruhig. Kein Mäuschen hat noch gepiept, kein Schwein hat noch gegrunzt.
Der Inhalt der Spritze versüßte mir wohl die letzten Tage. Und ich konnte mich selbst  nicht davon abhalten, ein Spiel daraus zu machen.
Pünktlich wie die Eieruhr, immer wenn die Stimmen wieder in mein Ohr krochen, kam der Stationsarzt und gab mir eine Flüssigkeit, setzte es unter meine Haut und alles war wieder stumm. So verging die Zeit, mit Drogen in meinen Venen, mit Entsetzen in meinen Augen.

Irgendwann dachte ich mir: "Langeweile ist keine Form der Folter"
Ob ich Recht behielt, kann ich nicht genau sagen. Zu Mindest vertrieb ich mir die Zeit mit Schnüffeln und Rumsitzen. Sofern man dies als Zeitvertreib bezeichnen konnte.

Bin in einem Stück wieder da. Nur die Stimmen haben sich im Inhalt der Spritze ertränkt.
Ist das gut oder schlecht?
Keine Ahnung. Ich denke halt, dass niemand weiß, warum Stimmen nicht schwimmen können.

Montag, 26. März 2012

Feuersturm und Kaktusstacheln

Ich fühle mich beschissen. Nein, ich bin nicht suizidal.
Mein Arzt denkt, er kann mit Diagnosen um sich werfen. Jetzt soll ich Medikamenten umstellen. Ja, toll, weil ich sowieso alles so gut vertrage.
Morgen und Übermorgen muss ich ins Krankenhaus, um überwacht zu werden. Ob eine Übernachtung notwendig ist, oder ob ich nach Hause darf, wird sich herausstellen.


Bitte macht euch keine Sorgen!





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Wie der arme Verliebte, der niemals Glück hatte und niemals aufgibt. Er hat niemals genug von diesen Schmerzen in der Brust, hat niemals genug von "aber wir können doch Freunde bleiben".
Und ich bin mir sicher, dass keine dieser Frauen ihn jemals kannten; dass keiner dieser Weiber jemals über seine Augenringe und den leeren Gedlbeutel hinweg gesehen haben...

Genau wie diese Frauen fehlt mir das Herz genau hier.
In Moment eins fühle ich zu wenig, im Moment zwei viel zu viel vom Falschen: Und steigt der Wunsch zu springen und zu fallen, verwurzeln sich die Füße in steiningender Angst.
Da verschwende ich meine Zeit doch lieber mit Medikamenten und Stimmen im Kopf, zähle die Tage, in denen ich nicht so einsam bin wie er.
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Gut, wenn du der Joker bist, nenn mich einfach Harley Quinn. Dann lachen wir auch bis zum Ende, denn Schädelknochen sind für ein ewiges Grinen geschaffen. Regelrecht dafür geboren, oder auch gestorben - die Grenzen spiegeln sich am Zeiger der Uhr. Die tickende Zeitbombe, die allein bestimmt.

Also füllen sich unsere Herzen mit Ironie und Rauch, denn der Rest ist so lächerlich real, so töricht echt.
Wir atmen die Luft ein und wollen uns gegenseitig auf die Füße kotzen. Denn warum sollten wir einen Teil dieser Welt in uns haben wollen?

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(An meine Facebook-Freunde: Solltet ihr mich online sehen, braucht ihr mich erstmal  nicht anschreiben. Da ich bei Facebook Online-Spiele spiele, wird sich mein Bruder in meiner Abwesenheit des Öfteren einloggen und diese für mich fortsetzen.
Private Nachrichten liest er aber nicht. Das versichere ich!!)

Sonntag, 25. März 2012

Lachhaft - Nummer 2

Zugegeben - mein gestriger Eintrag lässt im Nachhinein auf nichts weiter als auf ein Hinweis schlechter Erziehung oder einseitger Frustration schließen.
Ich war wirklich enttäuscht, wirklich verletzt von Jemanden, auf dem ich viel Wert lege - legte, kommt auf die Auslegung an.

Wahrscheinlich hat jeder von uns - wenn auch nur einmal in seinen Leben - diesen Punkt schon einmal erlebt. Dieses Abwägen von "wenn es so wäre, wieso sehe ich es dann nicht?" 
Es wird ein Spiel zwischen höflicher Zurückhaltung und sarkastischer Großmauligkeit. Und obwohl man es meist belächelt und weiter seine Maske trägt, weiß man ganz genau, das Worte wie "Ich kenne dich ganz genau" nichts weiter als zwei Sandkörner in der Wüste sind.

Wie oft habe ich Menschen schon sagen hören "Ich verstehe, wie es dir geht", "Ich kann nachvollziehen, wie du empfindest", "Zwar war ich noch nie in deiner Lage, aber ich kann es mir vorstellen wie es ist"...
Und wie oft wollte ich sagen: "Du kannst dir also vorstellen, wie es ist mit einem Schwein zu sprechen, welches dir ständig sagt, was für ein abartiges Stück Scheiße du bist? Dass dir sagt, du solltest dich lieber von einem Dach stürzen als weiter zu machen? Du weißt also wie es ist, wenn man beim wöchentlich Einkauf keine Luft mehr bekommt, weil jeder Blicke einen in Angst und Schrecken versetzt? Wenn es zu viel ist, nur daran zu denken, alleine zum Arzt gehen zu müssen? Aha... Du weißt also, warum man Alpträume von seiner Kindheit hat? Warum man gar nicht mehr schlafen möchte, weil man "damals" wieder erleben könnte?
Und du weißt auch wie es ist, wenn du absolut keine Liebe mehr empfinden kannst? Wenn du immer kalt und leer, immer grausam und traurig ist? Wenn du keinem Menschen vertrauen schenkst, weil andere dieses immer durch den Dreck gezogen hat? Wenn du Angst davor hast von Jemanden angefasst zu werden, weil jede Berührung Erinnerungen an Schläge, Tritte, Schmerzen im Unterleib und Blut triggern könnten?"

Natürlich wissen sie was nicht. Natürlich sage ich es nicht. Natürlich bedanke ich mich für belanglos daher geschwätzte Worte. Aber eigentlich... sind Worte doch nur Worte. Und was bringen sie mir als ein Stückchen mehr Nichts?
Wenn ihr mich verstehen könntet,... müsste ich nicht jeden Tag Tabletten schlucken, um nicht so zu sein wie ihr mich kennt.

Denn mich könnt ihr eigentlich gar nicht kennen. Nur das maskierte Mädchen, welches chemisch beruhigt in ein schmerzendes Lächeln gleitet, um zu überstehen.
Nein, ich mache keinen Vorwurf, bin auch nicht mehr enttäuscht wegen der Unstimmigkeit gestern. Ich finde einfach,.... redet doch bitte nicht von Verständnis, wenn der Verstand überhaupt nicht verstehen kann.
Hört auf mir und vorallem euch etwas vorzumachen, denn ihr seid nicht ich. Und das wollt ihr auch nicht sein. Das sollt ihr auch nicht sein - das wünsche ich Keinem.

Und wie fern liegen mir die Worte "Lauf eine Meile in meinen Schuhen", denn meistens lauf ich barfuß durch Scherben.

Das wollte ich sagen.
Ich bin enttäuscht. Noch immer.

Samstag, 24. März 2012

Lachhaft

Wenn ich etwas wirklich nicht mag, sind es Leute, die behaupten, Menschen wie mich zu verstehen...
Ha-Ha-Ha...
Als würden sie auch nur das Geringste nachvollziehen können...

Mir gehen die Gründe aus, mich nicht mit den Stimmen im Kopf unterhalten zu wollen.

Freitag, 23. März 2012

Sie halten einfach nicht den Mund

Ohne Titel

Angst kaut an meinen Zähnen,
denn ich kann sie nicht zu Tode beißen.
Intestinale Drähte zerbrechen wie Glas,
werden Scherben, die Eingeweide zerreißen.

Mit zugenähten Lidern sieht man nur,
wie die Welt sich in die eigenen Hände drängt.
Plötzlich beben diese Schatten
es scheint, als ob der Ozean am Himmel hängt.

Doch diese Überflutung des Herzens
schreibt meinen Terminplan um.
Gerade habe ich halt keine Zeit zu sterben,
Leben passiert nicht drumherum.

Die Theorie braucht weniger Begriffe,
denn weiß ich nie wie es beginnt,
nur wie es endet
und nach Bennenung sinnt.

Das Kissen flüstert Geheimnisse,
fremde Sprachen aus fremder Welt,
und die Angst bleibt treu an meiner Seite,
scheint das, was mich am Leben hält.

~ --- ~ --- ~ ---- ~

Niemals gut in Matthe

Es sind nur noch Nummern und Grafiken,
etwas weniger als Verstand,
so viel mehr als Logik und Begebenheit.
Und ich träume nicht einmal davon,
die chronologische Reihenfolge zu ändern,
doch ich verstehe nicht, begreife nicht,
warum rotes Blut plötzlich zu blauen Nebel wird,
warum ich nach Fakten und Erklärung suche
während ein grünes Monster gelbe Schreie auf mich wirft.

Ich war niemals gut in Mathe,
deshalb bekomme ich Panik.

~ --- ~ --- ~ ---- ~

Ich kann nicht schlafen

 Im rhythmischen Pochen durch meine Aorta habe ich Frieden gefunden,
denn es scheint wie ein elektrischer Strom, der durch mich hindurch fließt,
es donnert gleichmäßig, regelmäßig - doch nie im gegenseitigen Einvernehmen,

Jupiter hat sich gerade schlafen gelegt.
Doch alles dreht sich einfach weiter,
immer weiter, immer tiefer, immer mehr.
Keine Zeit, der Horizont kriecht immer näher,
kein Tag bleibt übrig, bevor der Tag beginnt.
Wie könnte ich jetzt nicht in Panik verfallen?

Inzwischen wird es für eine kurze Zeit doch recht ruhig;
man spürt förmlich wie die Menschheit zu müde zum Verstehen ist
und in der Nacht das Universum auch einmal herunterfährt.
Das gilt auch für Götter,
und Geister.
Also lasse ich Venus träumen und Mars schnarcht zu laut,
und ich kann es hören,
weil ich
verdammt nochmal
nicht schlafe.

Wer hat Zeit zum leben, wenn man stetig atmen, schlafen und sterben muss?
Eigentlich, das weiß ich genau, erwarte ich etwas Größeres, etwas Erhabeneres; mehr als das.
Also bestehe ich auf Beharrlichkeit; Gedanken eingefroren während der Körper zittert,
von Schauern werde ich hinfortgetragen, hier kann ich meine Seele behalten.
Sagt auch das Schwein.

Meine Augen sind offen,
innständig ist Hoffnung,
stetig die Gebete,
dass Freiheit nicht an mir vorrüberzieht - und Geisteskrankheit bei mir zu halten,
schauen wir mal, was der Morgen bringt.

Die Planet erwachen, nach und nach, jeder einzeln,
auch die Planeten, die nur Zwerge sind.
Die Zeit allein bedeutet Massensterben.
Zu leben bedeutet Panik,
Panik bedeutet sterben,
Sterben bedeutet schlafen
und wach zu sein während man eigentlich schläft, bedeutet Abhängikeit.
Von den Schreien, von übermächtiger Gnade, die zu selten erscheint.

Im Vergleich zu meinen Träumen
ist die Welt nichtig, vollkommen bedeutungslos.
Doch ich schlafe nicht,
wie sollt ich dann auch träumen?







Fuck! Sie lassen mich nicht los! Ich sagen ihnen, sie sollen sich benehmen. Aber ich bin doch kein Zoowärter.
Die Sonne geht schon wieder unter.

Der Drache fliegt in Dunkelheit. 

Donnerstag, 22. März 2012

Kluft

I.
(So schließt er die Augen; der Körper erschüttert.)

Der Druck steigt, dieses beachtlich verachtende Gefühl, wenn er spürt wie die Luft aus seinen Lunge getrieben wird. Wie die Brust sich engt, das Herz in unsichtbare Fäuste klemmt.
Das Schlagen hörte er viel zu laut in seinen Ohren hallen:

Ba-dump. Ba-dump. Ba-dump.

Lautlos flattert eine Motte über sein Gesicht. Der Wind von ungefiederten Flügeln weht durch sein Haar. Nur ein Moment vergeht. Nur ein Moment, den er niemals wartet.
Finger mit zerkauten Nägeln reißen an den Schwingen, und er steckte sie sich in den Mund. Warm und feucht spiegelt sich Gewichtslosigkeit auf seiner Zunge. Ein Spiel zwischen Nichts und dem Einzigen, was zum Leben fehlt.

(Er sieht den Körper der Motte zu Boden fallen, kann den Aufprall wie Kriegstrommeln tosen hören.)

II.
Ein geöffnetes Buch mit blanken Seiten. Doch mehr als Leere, Zeilen aus Herzensfetzen und Über-Unsinn.


An alten Zeitungen hängt der Geruch von Blut. Irgendjemand stirbt immer. Irgendjemand mordet immer, vergewaltigt immer, verletzt immer... Die Zeilen formen sich wie Kopfschmerzen in seiner Seele.  Ein Knirschen, ein Hämmern.

Ba-dump. Ba-dump. Ba-dump. 

Nur Aufmerksamkeit ist verlangt, große Schlagzeilen - im Mittelpunkt nichts als aussätzige Gedanken geistig verwirrter Medien. Dabei denkt er die meiste Zeit nur an Romeo und Julia.

(Im Herzen trägt er Wut und Verachtung. Da gibt es kein Vertrauen mehr. Er geht die Treppe hinunter und hinterlässt mit jedem Schritt Fetzen seiner Haut. Sein Darlehen für diese Welt.)

III.
Alles erfodert zu viel Anstrengung. Alles erfordert zu viel Lärm. Und Geräusche braucht er nicht, sehnt er sich doch nur nach Ruhe. Nach Stille im Rummel jeglicher Inneneinsichten.

Nur die Kerzen in seiner Hand ist noch jungfräulich. Und mit Feuer wird er es verbrennen bis der Tanz seines Schattens wieder von der Wand verschwindet.
Es war einmal. So grausam und stetig permanent wie "Auf Wiedersehen".

(Musik spielt in seinem Kopf. Sein Atem wird langsam, keuchend.)

Ba-dump. Ba-dump. Ba-dump.

IV.
Auch ihm war der Tod gegeben.
Der Boden ist eisig kalt als seine Knie hinüberschrubbten.

Ba-dump. Ba-dump. Ba-dump. 


(Blut fällt von seinen blauen Lippen.)

In seinem Kopf öffnet sich die Kluft. Aus der Grube steigt Rauch.
Die Sonne ist nun dunkel. Sein Körper leuchtet nun so hell.



"Nun ist es still", flüstert er und küsst den Körper der Motte, der neben ihm liegt.

Dienstag, 20. März 2012

Bäumchen, Bäumchen - wechsel dich!

"Es tut uns wirklich leid, aber es scheint Verständigungsprobleme mit ihrer Versicherung zu geben. Natürlich bleiben Sie auf unserer Warteliste, den vereinbarten Termin müssen wir jedoch derweil anderweitig vergeben. Wir bitten um Ihr Verständnis!"


"Uns liegen bisher keine Auszahlungsbelege vor. Bitte reichen Sie diese Ihrer Versicherung nach."

Montag, 19. März 2012

Helft mir bitte beim Packen!!

Die Klinik aus Gauting rief heute an.
Anfang April werde ich aufgenommen, für 4-12 Wochen. Nicht einmal ein Vorgespräch muss geführt werden. Woran liegt das? Ich werde einfach so aufgenommen.

Noch hält sich meine Aufregung und Angst in Grenzen. Aber ich würde mir schon gerne eine Liste machen, was ich für so einen langen Aufenthalt brauchen werde. Da es mir nicht möglich ist, dass mir jemand Vergessenes nachträgt, muss ich im Vorraus an Alles denken.

Ehrlich gesagt... hab ich noch nie einen Koffer für mehr als eine Woche gepackt. Wenn überhaupt.
Kann mir jemand helfen?

Das ist das, was ich schon habe: 
- Kleidung inkl. was zum Schlafen, was für Sport
- Shampoo
- Duschgel/Seife
- Handtücher
- Zahnpasta/Zahnbürste
- Haarbürste/Klammern/Zopfgummies
- Block/Stifte
- Hausschuhe
- Handyladegerät/ Nintedo DS Ladegerät
- Binden
- Bücher
- Wecker = Handy
- Mehrfachstecker
- eine extra Tüte für dreckige Wäsche
- Waschpulver
- Rasierer
- Badelatschen
...

Bitte seid so gut und helft meinem Hirn auf die Sprünge!

Samstag, 17. März 2012

Shit happens

Als ich gestern ins Bett kletterte, fühlte ich mich befremdlich. Überweltlich distanziert. Umgeben von weißen Wänden, ohne Tür und ohne Widerhall.
In meinem Schädel fing es an zu Kichern. Mit letzter Fähigkeit des klaren Denkens wünschte ich mir einen Schmelzfilm Risperidon, doch war mein Körper so schwer, dass meine Beine wie Blei am Boden klebten. Oder gar so federleicht, dass ich sanft in überdimensionalen Spähren umher flog.
Nur Momente danach fühlte ich die Nadel injizieren, mein Körper heißt die Flut willkommen. So nah schwirren Sterne in Paranoia. Bunte Objekte, fliegende Kreaturen, ein großes Loch im Spiegel.

Und ich habe das Recht, diese Momente zu verachten, und gleichzeitig zu lieben. Denn jedes Mal färbt sich mein Atem blau und mein Blut friert wie Eis in meinen Venen.
Der Unterschied liegt in diesen Welten. Niemand kann mich dort erreichen. Das ist meine Galaxy, das gehört zu mir.

Als ich erwachte, waren meine Haare feucht. Nach Luft zu schnappen fiel mir schwer. Der Gehalt des Sauerstoffs veränderte sich wie jeden Morgen. Es braucht Zeit sich daran zu gewöhnen.
Auch die Gravitation ist anders. Viel schwerer als in meiner Galaxy.
Ein Schritt,... ein zweiter... der Körper bewegt sich aus schierer Gewohnheit.


Wieder sind die Stimmen da. Enttäuscht schüttel ich die Packung Risperidon, doch kein Inhalt erscheint. Leer. Viel zu leer. Viel zu voll von Leere.
Diese ganze Erde ist viel zu leer. Was ist mit all den Gefühlen? Was ist mit Worten, Geschenissen und Vielfalt?
"Unglaublich, dass Menschen mit diesem Unterangebot an Stimulation überleben können", flüstert eine Stimme. Wie habe ich es vermisst, traute Einsamkeit in gehirn-zerfetztender Gemeinsamkeit. Schön, dass sie da sind, aber ich hoffe, sie gehen bald wieder.

Ich hasse die Stimmen, die mit mir reden. Doch mit ihnen traue ich mir Dinge, die ich alleine nie durchstehen würde.
Und was hatte ich auf einmal für ein Bedürfnis nach draußen zu gehen. Wundervoll. Sonst schaffe ich es nicht einmal ohne Begleitung einkaufen zu gehen, doch heute früh bin ich Spazieren gegangen.
Da sind wir nun entlang maschiert. Autos und Radfahrer fuhren vorbei, die rötlich-orange Morgensonne glänzte durch Häuser und Baumwipfeln hervor.

Neben mir spazierte mein Schwein, es folgt mir schon seit der Kindheit. Es ist mein Freund, obwohl es immer kommt und geht wie es ihm passt.
Nach ein paar hundert Metern erreichten wir die Brücke, an der ich schon oft auf ein Ende geflehte hatte. Auf ihr fühlt man sich erhoben, nein, erhaben. Ja, das Wort ist besser. Unter meinen Füßen flitzen Autos und Lastwagen entlang, sogar Traktoren und Busse. Da unten sehen sie klein und unscheinbar aus - wie Spielzeug auf einem Straßenteppich.

Ich hab gestarrt. Nach unten. Übter das Gelänger, zwischen den Fußspitzen, die ich durch die freien Flächen streckte. So viele Autos. 1, 2, 34, 77, 159,... Schwarz, Silber, Blau, Schwarz, Schwarz, weiß, rot, silber, silber, rot, blau,... 289...
Hupen. Blau, silber, grün, silber, grau, weiß. Hupen. Hupen. Woher kommt das Hupen? 361, 362, 363,...

"Entschuldigung, kann ich Ihnen helfen?", hörte ich. Das war nicht von mir. Die Stimme kenne ich nicht. Was ist passiert? 378, 379, 380,... Wie? Was? Wo?
Hinter mir erscheint eine Frau. Ihren Blick kann ich nicht deuten. Und ihre Absichten sind mir gerade vollkommen gleichgültig. 381, 382, 383,...
"Warum stehen Sie hier so allein? Kann ich Sie nach Hause bringen? Ich muss sowieso zur Stadt fahren, um noch etwas einzukaufen, ich nehme Sie gerne mit."

"Das geht jetzt nicht", sage ich, bestimmt, in bester Hoffnung, dass sie Nachsicht zeigt.
"Warum nicht?", hakte sie aber nach. Und für einen Moment sagten die Stimmen, ich solle sie zurück ins Auto tragen und mir vorstellen wie sie gegen einen Baum fährt. Knall, Blut, Feuer, Asche... Ja, das mögen diese Stimmen so sehr. Qualen.
384, 385, 386, 387,... Die Dame stellt sich neben mich und legt ihre Ellenbogen auf die Brüstung. Aus dem Augenwinkel erkenne ich, dass sie nach unten schaut. Schwarz, rot, schwarz, silber, silber, silber, weiß,...
"Worauf schauen sie?", fragte sie, hartnäckig wie ein Klette.
"Da unten ist ein Schwein entlang gelaufen", und das war ihre Schuld, dass mein Schwein weggerannt ist. Es mag nur mir, andere Menschen nicht. Es ist scheu, und schreckhaft.
Blau, rot, blau, silber, schwarz, gelb, weiß, grau,....

Mit den Worten "Ich sehe dort unten kein Schwein" entfernte sie sich und ich schaute weiter. Stierte, hielt jede Bewegung, jede Anzahl und Farbe in meinem Schädel fest. So viel zu tun. Ob ich viele verpasst hatte als ich mich auf die Frau konzentriert hatte?
Die Stimmen sagen nur, ich soll es nachholen. Fleißig zählen, auflisten, was nicht schon gelistet ist.

Sie war nicht gegangen. Jedoch ohne ein weiteres Wort stellte sie sich neben mich.
Minuten vergingen, vielleicht waren es auch Stunden. Und ein paar Sekunden. 502, 503, 504, 505,...
Auch hinter mir fahren Autos. Aber weitaus nicht so viele wie unter der Brücke hindurch. Wo die wohl alle hin wollen? Feste, Familien, Arbeitsstätten, Kränkenhäuser, Einkaufszentren, Werktstätten, Pizzabuden, Tiergeschäfte,...

"Entschuldigen Sie, dürfte ich eben mit Ihnen reden?", hörte ich erneut. Aber moment, das war keine Frauenstimme, keine Stimme, die ich kannte. Nicht von mir, nicht von ihr.
Alles wird drucheinander gebracht, sie halten mich ab. Wollen nicht, dass ich zähle und sortiere. Wollen keine Strukturierung. Schwarz, weiß, grau, silber, silber, rot, rot,...
"Entschuldigung? Junge Frau?" 524, 525, 526,...

Plötzlich waren die Stimmen ruhig. Mit im Nirgendwo haben sie mich allein gelassen, nur weil diese Menschen dort sind. Können die nicht sehen, dass ich beschäftigt bin?
Verängstigt drehe ich mich um, nun auf mich allein gestellt. Die Frau steht noch da, lächelt sanft, doch in ihren Augen liegt Verborgenheit. Lüge, verstecktes Wissen. Neben ihr zwei Männer in Uniform. Zwei Männer in Uniform. Zwei Männer mit Sonnenmützen. Zwei Männer mit Schlagstöcken. Auf einmal füllt sich alles blau.
"Es tut mir leid, ich hätte die Autos nicht zählen dürfen. Oder ist es wegen dem Schwein?"

Ich habe mich wieder in mene Galaxy entflohen. Diesmal hält mich die Angst und Panik nicht hier.
Und es ging sehr schnell.
Nur an überforderte, jedoch sehr einfühlsame und vorsichtige Polizisten und Autotüren kann ich mich erinnern. An endlose Flure und grelles Licht. Sehr grell.

Das machte mich müde. Also schlief ich.

Aufgewacht bin ich im Krankenhaus. Musste mit dem Psychodoktor sprechen, musste ihn überzeugen, dass ich nicht von dieser Brücke springen wollte und in Behandlung bin.
Er war nett, wenn auch sichtlich gestresst und in Eile.

Wenn mich jemand abholen würde, darf ich nach Hause, sonst würde es mich bis Montag da behalten wollen.

Einmal musste ich Clozapin zu mit nehmen.
Ich habe eine ganze Packung Risperidon zum Mitnehmen bekommen.

Mein Bruder ist mit dem Auto gekommen.

Die Stimmen sind weg.

Donnerstag, 15. März 2012

"Wir hätten morgen einen Platz frei"

Die ganze Zeit sagen alle, es wäre eine gute Idee, wenn ich in eine Klinik gehe. Heute ruft die Klinik an, dass sie für morgen einen Platz frei hätten und ich nehme all meinen Mut zusammen und sage zu.
In der eigentlichen Annahme eine richtige Entscheidung getroffen zu haben, erzähle ich meinem Bruder die Nachricht - und klar, es regnet Vorwürfe.
"Das ist zu kurzfristig von heute auf morgen", "nächste Woche ist noch das", "soll ich das alles alleine machen?", "das Auto hat zur Zeit keinen TÜV. Da musst du schon alleine mit der S-Bahn fahren", ... etc...


Gut, jetzt hab ich wieder angerufen und abgesagt.
Obwohl ich eigentlich zufrieden war, dass ich so schnell in eine Klinik aufgenommen wurde.
Bin jetzt wieder auf der Warteliste.
Dem schlechten Gewissen sei Dank.

Nachtgeflüster

Zwischen der Überdosis und mir liegt nur ein Flur.
Zwischen der Bahn und mir liegt nur eine Straße.
Zwischen der Brücke und mir liegt nur eine Nachbarschaft.
Zwischen Stricken und mir liegt nur ein Gang zum Baumarkt.
Zwischen Chemikalien und mir liegt nur ein belangloser Diebstahl.

Nur finde ich den Weg zum Ende anscheinend nicht. So kurz ist die Entfernung, aber wer will schon so vor die Hunde gehen? Abgehen mit 'nem großen Knall, nur nicht lautlos im kleinen Zimmer verrecken.

"Wenn Sie mir auch nicht unbedingt zustimmen, ich schätze ihre Situation als unzumutbar und gefährlich ein."
Aber Herr Doktor, mute ich dem Leben zu viel zu oder anders herum? 
Ich möchte sterben

Diese Gedanken sind wieder da. Umzäunt von Plänen, die ich geborgen halte.
Hilfe...
Nur Angst bändigt meinen Wunsch.

Mittwoch, 14. März 2012

Tränen in der Leere

6:49 Uhr - Nebel hängt in in lichten Schwaden über meinem Gesicht. In nicht-all-zu-weit entfernter Distanz erhascht mich der Anblick der Berge. In Momenten wie diesen zieht es mich in die Ferne. Ob nun See oder Alm, hauptsache weit weg von hier. Was immer hier auch bedeuten mag. Nicht Heimat, nicht Zwangsaufwahrung. Denn ich bin hier, wie kann dieser Ort zu einem zu Hause werden?

Ich laufe weiter, renne um meinen Verstand zu behalten. Schweiß rennt über meine Wangen, vielleicht auch ein paar Tränen. Doch dem Schmerz kann ich vergeben, wenn das Ziel die Qual rechtfertigt.
Meine Gedanken kreisen jedoch weiterhin um die Ferne, um irgendwas weiter hinten - oder vorn. Stelle mir vor, ich wäre die Spitze der Alpen, die unbewegt versteinert ruhen. Stelle mir vor, ich wäre der einzige Punkt, der Menschen Hoffnung und Befreiung geben kann.

7:33 Uhr - Nach morgendliche Laufroutine komme ich zurück zum Briefkasten, an dem mein Name steht. Da bin ich wieder: Daheim bei leeren Kaffeebechern und zusammengefalteten Zeitungen. Inzwischen öffne ich sie nicht mehr, da sie mich meist in Verzweiflung und Angst stürzen. Ohne menschliche Justiz und gewaltvolle Alltäglichkeit kann ich mir noch immer eine heile Welt schaffen.
Vielleicht mit ein paar Rissen, die im Unterbewusstsein geschehen, doch rosig genug, um mein Gewissen aufrecht zu erhalten.

9:07 Uhr - Natürlich habe ich mich dafür entschieden zu Fuß zu gehen, wobei mich die S-Bahn innerhalb 5 Minuten an den Ort des Geschehens befördern hätte können. Lieber welze ich meine Schuhe in Dreck und Morgentau als all zu nah bei Fremden zu sein.
Einzelne Regenwolken ziehen auf und ich kann mir nicht genug einreden, dass sie wegen mir gekommen sind. Sind sie auch die Einzigen, die mich auf diesem Weg zur Seite stehen.
Kein Tropfen fiel. Und wieder hatte ich das Bedürfis zu weinen. Ja, das habe ich viel zu oft.

9:30 Uhr - die Krankenschwester ruft mich in das Behandlungszimmer. Auch wenn ich glaube, meine Beine bewegen sich nur aus Pflichtbewusstsein, kämpfe ich gegen den zwinglichen Drang wieder zu verschwinden. Zwar bin ich jetzt dort, oder eben hier, aber nicht dort, wo ich sein möchte.
Wo möchte ich überhaupt sein?
Mein Arzt erscheint pünktlich, was nicht unbedingt immer die tatsächliche Begebenheit ist. Meine Gedanken schweifen wieder ab. Denn der kahle Kopf des Doktors erinnert mich an nordamerikanische Prärien mit begrenzer Vegetation. Wie es dort wohl ist?
Nein, nicht auf seinem Kopf, sondern in der Steppe. Im Kargen, in trockener Wunderlandschaft.

11:55 Uhr - zurück zur bekannten Dimensionen, die leeren Teller und gefüllten Weinflaschen warten auf meine Ankunft.
Es wäre ein guter Zeitpunkt, ein paar Stunden Schlaf nach zu holen - immerhin habe ich sonst keine Tätigkeit, die mich zum Wachsein zwingt. Nur die Erinnerung der letzten Alpträume sitzen zu tief in meinen Knochen, lösen Angst aus, die Schlaf mit jeglichen Mitteln verhindert. Ich bin müde. Aber Schlafen macht es nicht besser.

13:28 Uhr - das Telefon klingt. Aufgeregt hoffe ich, dass jemand um die Ecke springt, um das Gespräch entgegen zu nehmen, doch - wie ein Wunder - passiert gar nichts. Also klingelt das Telefon und ich lausche dem Geräusch während ich verklemmt die Luft anhalte.
Immerhin habe ich heute schon mit zwei verschiedenen Menschen geredet, wieviel mehr kann man erwarten?
Das Läuten verstummt und die Stimme des Anrufsbeantworters fordert den Anrufer auf, eine Nachricht zu hinterlassen.
Dann hat die Person aufgelegt und ich mich auf das Sofa zurückgelehnt.

14:01 Uhr - mir fehlen Worte, ich weine. Ohne Grund. Hier, nicht dort .

17:50 Uhr - Der Dampf des Wassers flutet das Badezimmer. Plötzlich kann man die Leere doch erkennen. Die Substanz der Nicht-Existenz, wie ein unendlicher Ozean oder Sand so weit das Auge reicht. Luft zum Greifen nah; Wunschdenken, welches man nicht fassen kann.
Die Umgebung ist beschlagen. Also male ich ein Gesicht auf den Spiegel. Es sollte mein Gesicht sein, doch wirkte es viel zu voll, viel zu weit entfernt.
Mit einem Handtuch wische ich das Grinsen weg und schaue in verschwommene Unvollkommenheit.

18:25 Uhr - Hier weine ich, schon wieder. Dort existiere ich eigentlich nicht. Oder nur ein Teil von mir. Mein Kopf ist verrückt. Jedoch nur hier. Woanders wäre es eine andere Welt.
Und hier sind Tabletten und Alkohol. Wer weiß schon, was der Morgen bringt?

Dienstag, 13. März 2012

Alte Muster

Fleisch ist schwer. Ich möchte dünner sein. Dieses Fett hängt an meinem Körper wie Blei. Es soll weg von mir.
Ich muss wieder abnehmen, ich muss einfach. Ich bin zu viel, viel zu viel. Ich möchte nicht, dass dieses Fett an mir klebt wie Schuldgefühle.
Knochen sind Lebensgefühl, Macht - etwas, was viel mehr bedeutet als die Last, die einen Menschen zu Boden zieht.

Ich kann einfach nicht essen. Beim Gedanken wird mir schlecht.
Nein, kein Happen berührt heute meine Lippen. Bin zu widerlich. Habe keine Nahrung verdient.



Montag, 12. März 2012

Keine Missverständnisse

Nein, nicht mein Vater. So weit wäre nicht einmal er gegangen.
Nur damit ihr es wisst.

Noch immer hängt so viel Dreck an mir. So dreckig, eklig.

Ich will sterben. Gerade so am Boden zerstört...
Verschwinden. So zugedröhnt...

Und im eigenen Erbrochenen...

Als würden ihm dutzende Finger auf einmal wachsen, dutzende Finger, die erkunden, die berühren, die Schmerzen zufügen. Überall kann ich sie spüren. Diese Hände, die riesigen, verfluchten Hände...

Wieso wache ich in finsterer Nacht? Wieso weine ich in bitterer Dunkelheit?
Das sind nur Gedanken, sage ich mir. Das sind nur Alpträume, nur der folternde Fetzen des restlichen Alkohols in meinem Körper.
Woher kommt der Schweiß auf meiner Stirn? Warum zittere ich am gesamten Körper?

Das ist es, was Erwachsene tun, versichert er mir. Und ich bin ja ein großes Mädchen... nur fühle ich mich klein. Fühle mich verloren, ausgeliefert, schutzlos. 
Das Grunzen wird lauter, animalistische Rufe, die in jeden meiner Knochen Entsetzen und Todeängste hervorlocken. Eigentlich möchte ich gar nicht erwachsen sein...

Und wie ein Kleinkind rufe ich nach Hilfe. Kann mich niemand hören? Wird mein Schreien von seinem Stöhnen noch immer übertönt?
Was rede ich da? Es gibt kein Stönen, das ist mein eigenes Schluchzen. Ich bin allein in diesem Zimmer. Das ist Einbildung, nicht real.

Das Leiden im Unterleib wächst stetig heran. Ein Beben folgt ein jeden Stoß. Die Schmerzen unerträglich, schwarze Punkte bedecken meine Blicke. Zum ersten Mal in diesem Leben bete ich zu Gott, verspreche, dass ich ein artiges Kind sein werde, immer alles machen werde, was meine Eltern sagen, solange er diese Folter beendet.

Ich war wirklich nie ein gutes Kind. So viel Ärger habe ich bereitet, so viel Nutzlosigkeit in dieses Leben gesteckt. Weder ein guter Schüler, noch eine gute Tochter.
Mit piepsiger Stimme bitte ich um Verzeihung. Es tut mir doch wirklich, wirklich leid.

Eine Macht hat man Flehen erhört. Ein letzter Stich in die Eingeweide und die Schmerzen lassen nach. Blut schwimmt auf dem Laken. Das macht mir Angst und ich weine einfach lauter. Diese Farbe macht mir Angst, dieses pulsierende Rot. 
Leim klebt an meinem Bauch. Ich weiß nicht woher er kommt. Ich weiß nicht, was er bedeuten soll. Irgendwie... riecht er auch komisch...

Gestank stichelt in meiner Nase.
Ätzende Überreste meiner letzten Mahlzeit vernebeln mit beißenden Gerüchen meine grausamen nächtlichen Gedanken. So widerlich krepiere ich in meiner Existenz, Ekel und Selbsthass brüstet meine Seele. Nicht nur mich selbst, sondern auch das Bett habe ich angekotzt.
Ich hasse mich. Ich hasse mich so sehr. Ich will diese Gedanken ausrotten. Will diesen Körper vernichten, der es gar nicht wert ist auf dieser Welt zu verweilen.
Nein, nein, nein - das ist alles nie passiert. Das sind die Medikamente, die aus mir sprechen. Alles Einbildung.

"Sagst du auch nur ein Wort, werde ich dich töten", nein, niemals - ich sage kein Wort. Zu keinem Menschen dieser Erde. 

 Nur den Schmutz ich beseitigen. Das Laken und die Bettwäsche schleudern in der Waschmaschine - dreht euch in dieser Schmach. Die Matratze wird ordentlich mit Reiniger geschrubt - und ich mach das so lange bis mir die Muskeln in den Armen brennen. Strafe muss sein. Mach sauber, mach sauber. Alles muss wieder rein sein. So sein wie vorher.

"Das ist unser Geheimnis.", flüsterst du uns küsst mit überdimensionalen Lippen meine Wange.

Auch ich muss gewaschen werden. Dreh den Hahn so heiß es geht. All diese Verwerflichkeit brenne ich nieder, pellt sich die Haut von meinem Körper schmerzt es gerade gut genug.
Dreckiges Monster, dreckig, dreckig, dreckig... ich muss sauber werden.

Nein, das ist nicht real. Wenn der Körper gereinigt ist, reinige ich den Kopf. Das werde ich. Wo habe ich die Tabletten und den restlichen Vodka?
Ich werde diese Gedanken umbringen. Töten. Jeden Einzelnen. Alles, was übrig sein wird, ist alsbolute Reinheit der Seele.

Ich töte sie.

Samstag, 10. März 2012

Wie es ist in meinem Kopf

Neulich fragte ich mich: Was ist eigentlich wirklich wichtig für mich? Wenn es nicht das Leben ist, was ist es dann?
Was für Niemanden eine Überraschung ist: Noch suche ich eine Antwort

Ich dachte, es könnte wieder besser werden. Dachte, wenn ich ihnen nur lange genug Zeit gebe, dass Gras über die Sache wachsen kann. Aber im Winter wächst kein Gras.
Weitere Erklärungen sind nicht notwendig. 

Als ich Mina wiedersah, fiel mir ein Stein vom Herzen und ein Gebirge auf meinen Rücken. Ich habe erwartet, dass man mir Vorwürfe wegen den Vorkommnissen im Dezember machen würde. Nicht erwartet hätte ich, dass ich im Zuspruch aller Beteiligten und Nicht-Beteiligten - außer natürlich mir - die gesamte Schuld trage.
"Wir reden ja gar nicht von Schuldigen", nein, das habe ich verstanden. Ihr redet von dem Schuld-tragenden.
Also darf ich vorstellen: Ihr Clown - in Fleisch und Blut - für Vorwürfe stehe ich Ihnen immer zur Verfügung! Bei besonders verletztenden Worten lege ich kostenlos eine Ballonfigur zu der Vorstellung hinzu.
 (Oh, nein, nein - ich lache mich nicht selbst aus. Ich lache mit mir selbst über mich.)

Es war in ihren Blicken verborgen. In den unerwarteten Augenblicken als nur Leere in ihren Augen zu sehen war. Vor Kälte erstarrt: Nein, ich verdiene ihre Aufrichtigkeit nicht.
Mina hat viel drum herum geredet, kam aber nie auf einen eindeutigen Punkt. Als ich letztendlich wissen wollte, ob wir noch so etwas wie Freunde seien und wie es mit "uns" weitergeht, sagte sie:

"Natürlich sind wir Freunde. Aber du musst aufhören, immer so im Hintergrund zu leben. Das Alles, was du machst und denkst, ist nur in deinen Kopf."

Für einen Moment wollte ich lauthals loslachen, im Nächsten wäre ich gerne in die Knie gesackt um zu weinen.
Freundschaften aus Mitleid oder falschem Verantwortungsbewusstsein brauche ich nicht. Ein Funken Verständnis allerdings... ja, das wäre mehr als ich zu fordern wage.

Nur in meinem Kopf? Wo sollte es auch sonst sein?
Würde sich jemand auch nur eine Sekunde nehmen, um das zu fühlen, was ich fühle, wäre schweren Herzens die Kopfsache abgeschlossen. Woher sollen sie auch wissen wie es ist? Wie es ist, wenn man zum Frühstück eine Hand voll Tabletten schluckt - zwei, drei zu viel - weil man schon mit unerträglicher Leere erwacht? Wie es ist, wenn man in den Spiegel schaut und der Reflexion ins Gesicht spucken möchte, darauf einschlagen möchte, den Hass zerfetzen möchte? Wie es ist, wenn man aus purer Verzweiflung zur Flasche greift, um die Stimmen im Kopf - auch nur für eine Stunde - zu verdrängen? Wie es ist, wenn man von Erinnerungen tag ein, tag aus gefoltert wird und nur der Glanz der Klinge sie aus zu bluten lassen scheint? Wie es ist, wenn man nach jedem durchlebten Alptraum einfach sterben möchte?
Wie es ist so zu fühlen wie ich? Wie es ist, kein Mensch zu sein, der versteht, warum andere Menschen fühlen, wie andere Menschen denken, wie andere Menschen leben?

Würdet ihr einen Tag so leben wie ich...

Etwas weniger als Vergeltung, so viel mehr als Heimzahlung. Dieses verstecke Verlangen nach Wunschäußerung, nur damit ihr es einmal spürt. Damit ihr einmal verstehen könnt wie es ist, der eigenst erschaffene Auslöser verkennbarer Selbstbestrafung zu sein.
Egal, wie hemungslos geltungsbedürftig und ich-bezogen es ist.

Aber eigentlich möchte ich auch nicht, dass jemand das ertragen muss, was ich ertrage.
Ich habe anscheinend einfach vergessen wie man ohne Kopf lebt.

Freitag, 9. März 2012

Müssen

Es fällt schwer. Zu Allem muss ich mich zwingen. Zu jedem Schritt, den ich gehe, brauche ich Energie, die ich mir eindeutig selbst einzureden versuche.

Überall steht das Wort "Muss" in großen, fetten Buchstaben. An der Dusche, wenn ich mich doch wieder entscheide, dass drei mal am Tag waschen nicht genug ist. An der Tür, wenn ich dem Druck der Angst wiederstehe und meine Wenigkeit der Offentlichkeit präsentiere. An meinem Bett, wenn ich so müde bin, dass mir Alpträume egal werden. An Büchern, an Wänden, an der dreckigen Wäsche, an Schränken, am dreckigen Fenster...

Vorallem im Behandlungszimmer des Psychologens, welches ich heute auf Wunsch meines Bruders aufgesucht habe, da ich ziemlich neben mir gestanden bin und die ganze Nacht durchgeheult und gezittert habe:
"Sie müssen sich dinglich so bald wie möglich in eine stationäre Behandlung begeben. In diesem Zustand kann ich Sie weder medikamentös, noch professionell unterstützen. Sie brauchen sich keine Sorgen machen, das sind Ärzte, die sich gut um Sie kümmern werden.
Sie müssen sich helfen lassen."

Und weil ich mir helfen lassen muss, wie er es so schön formuliert hat, hat er mich in mehreren Kliniken angemeldet. Die Erste, die Bock auf mich hat, bekommt den Lottogewinn direkt ins Haus geschickt.
Immerhin hat er sich schöne Orte ausgesucht:
München Süd, Gauting, Prien, Ebersberg, München Altstadt Lehel und München Ost.
Wenn das nicht genug Auswahl ist...

Naja, wenigstens hat man mich nicht in eine Ecke gedrängt und mir keine Wahl gelassen, wo genau ich untergebracht werden möchte... oh! doch! das hat man!
...

Ich muss gesund werden.
Ich muss Hilfe beanspruchen.
Ich muss damit aufhören, krank zu sein.
Ich muss dieses Leben leben.
Ich muss hörig sein.
Ich muss wollen.
Ich muss müssen.

Donnerstag, 8. März 2012

Schwarzer Peter

Und wieder habe ich dich angefleht:
"Bitte, bitte - verlasse mich nicht!"
Wieder beinahe durchgedreht
mit tausend Tränen im Gesicht.

All das Blut,
welches geflossen;
all die Wut,
die ich vergossen:
Für diesen einen Augenblick.

Trauer schwimmt unter den Lidern,
bedacht auf Erlösung von dem Leid,
Schmerz steckt tief in allen Gliedern,
in Scherben liegt selbst Einsamkeit.

Ein Kuss,
der beendet,
den Fluss,
der sich wendet:
Ich warte bis dein Gift mich tränkt.

Auf  Verständnis brauchst du nicht warten,
spar dir Überlegenheit für später.
Spiele jetzt mit offenen Karten:
Reich' mir still den schwarzen Peter.

Dienstag, 6. März 2012

Menschsein ist (nicht gleich) menschlich

Offenkundig verkündete mein Doktor heute, dass es ihm eine große Freude sei, mich zum Nachdenken an zu regen. Sicher war mir das schon vor seiner Aussage bewusst, aber trotzdem versetzt es mich in eine geringfügige Trotzreaktion meiner Gehirnwindungen.

Er hat eine sehr gelassene und erquickende Aura, dieser Mann. Manchmal schafft er es, dass sogar ich durch meinen Panzer aus Angst und Schamgefühl schreite, und mehr Details freigebe als es mir in anderen Räumlichkeiten und Bedingungen möglich wäre.  
Wir haben über meine derzeitige Situation geplaudert. Mit Bedenken gestand ich ihm, dass es mir inzwischen wieder schlechter geht und ich nicht wisse, was eigentlich nicht stimmt.

"Ihnen fehlt es nicht an Menschlichkeit, sondern an Vertrauen und Nähe. Ob Sie es selbst wissen oder nicht, ich denke, Sie sind in Ihrem Leben viel zu kurz gekommen. Sie brauchen Jemanden, der Sie auch abfangen und unterstützen kann."


Kann es einem Menschen eigentlich an Menschlichkeit fehlen?


Menschlich ist es neo-prophetische Weissagungen für viel Geld als Präferenzeigentum zu verkaufen. Die genaue Anleitung für diesen Vorgang kannst du dir als App herunterladen - für noch viel mehr Geld.
Ich schreibe diese Zeilen nicht in Hass oder gar Unvernunft. Im Prinzip bin ich mir nicht einmal sicher, ob dies meine eigene Meinung ist. Irren zählt ja auch zur Menschlichkeit, genau wie (Über-)Interpretation und Vorstellungskraft.

Es gibt eine bestimmte Zutat, die einem Menschen Menschlichkeit verleiht. Nur mag ich sie nicht benennen. Was kann es sein?
Denn selbst bei Kreaturen wie du und ich, setzt Verstand und Herz ab und an aus. Und Bauchgefühl wird sicher auch nicht durch die Größe des Umfangs bestimmt. 



Mir gelingt es kaum meine Gedanken zu ordnen. Aus diesem Grund fühle ich mich nicht in der Lage Blogeinträge zu schreiben, die nicht vollkommen in Gegensätzen verworren und zum Missverständnis auserkoren wären. Bitte verzeiht mir das.
Schon bald werde ich euch wieder mit mehr Zeilen beglücken als ich es jetzt tue.

Mir geht es nicht gut. Man erkennt es. Man sieht es mir an. Die letzten alptraumreichen Nächte, die medikamentöse Überdosierung und die hin und wieder auftauchenden Panikschübe hinterlassen ihren Soll.
Egal, was ihr in dieses Bild hineininterpretiert: Ich fühle mich genauso Scheiße wie ich aussehe. Periodisch.

Die einzige positive Nachricht, die ich euch derzeit überbringen kann: Zur Zeit verspüre ich kaum Selbstverletzungsdrang. Dafür ist mein Kopf auch viel zu zugedröhnt. 


Bei einem Therapeuten habe ich noch immer nicht angerufen.
Kontakt zu anderen Menschen habe ich selten - mein Bruder versucht öfters an mich heran zu kommen und es gelingt ihm den Umständen entsprechend gut.
Vor die Tür traue ich mich nicht. Alleine einkaufen, mit der Bahn fahren oder zum Arzt gehen, sind ein absolutes No-Go.

Ich bräuchte so dringend Hilfe.
Doch Rufe verstummen so schnell. 

Eigentlich wünsche ich mir nur eine Umarmung.

Donnerstag, 1. März 2012

Trip

Ich bin ein Barbar auf einer nuklear-vergifteten Welt. Mir wachsen Hörner aus Risperidon, die violetten Wolken fliegen wieder.
Eine Axt ins Bein - der Boden unter den Füßen verschwindet.



Die letzten Tage waren ein einziger Horrortrip.

Lorazepam schwingt die Keule ins Ungewisse. Animalisch schreien wir im Chor: Das Leben lässt sich (nur) so ertragen.

Jeden Tag ein bisschen sterben.