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Montag, 30. April 2012

Pax


Das kälteste Feuer brennt in distanten Herzen.
Tropfend hängen blau-weiß gestreifte Sterne am Nachthimmel. Nebel tanzt wie ein angeketteter Bär im Kreis.
Niemand versteht die Wesen, die ich sehe. Ihre Augen müssen taub sein. Daran muss es liegen.

Stimmen, die mir sagen, was ich zu tun habe. "Tu' dir weh!", prinzipiell ist das nur geäußertes Wunschdenken. Wenigstens sind sie keine Lügen.
Doch im Angesicht ihrer durchschaubar-freundlichen Zurückhaltung zögere ich zu beschreiben, welche Bedeutung sie haben; ob sie eine Bedeutung haben.
Trotz Bemühungen ihnen zu widerstehen, bringe ich es nicht über mein Herz diese Welt auf zu geben.

Entferntes Licht der Sterne, die hellsten Noten eines Wiegenlieds. Wie der Klang, der euch einst in den süßesten Schlaf gesungen hat.
"Nur 5 Minuten länger", schreit ihr in purer Unvernunft. Wer hat euch beigebracht, so zu sein? Wer verlangt von euch die Hetzjagd nach mehr?


Um mich herum befindet sich ein Zirkel aus Hölzern. Eine Art Urwald für Heeres-Ameisen, die marschierenden roten Killer.
Unsere Pflicht ist es, sie zu beschützen - die Bäume, somit die Killer. Sie sind unsere Lungen und so lange wir gezwungen sind, zu atmen, brauchen wir Zirkel aus Holz.

Spinnennetz über euren Köpfen verheißt den Friedensvertrag zwischen Wahnsinn und Geheimnissen in einer mathematisch aufgebauten Zeitzone. Logisch konstruierte Poesie der Pharamaindustie.
Ihr Lügner solltet für Niemanden Wünsche und Vorstellungen konstruieren. Doch ihr tut es. Mein Gehirn schmerzt von all euren Vorschriften und gesetzten Regeln, weil die Untertanen schreien, oh, wie sie alle schreien. Als wären sie gebissen von Heeresarmeisen, halb verdaut, in Säure getränkt.

Nicht nur des Nachts sind meine Träume dunkel.  Es ist 5.30 Uhr - morgens. Seit Freitag habe ich kaum noch ein Auge zugemacht. Denn am Freitag hab ich wieder Scheiße gebaut, wie immer. Auch das ist ein ewiger Kreis. Aus meinem linken Backenzahn hörte ich mein Schwein und ich wollte es befreien. Es hat recht weh getan. Der Zahnarzt möchte sogar Geld von mir. Wieso versteht er nicht, dass das Schwein unter meiner Füllung ersticken hätte können?

Die Schlaflosigkeit versagt mir jegliche Energie zum Leben.
Und ich möchte mich nicht hinlegen, um noch mehr Zeit zum Denken zu haben. Denn ich denke und hab sogar Verständnis; und die Schreie werden lauter.
Ich hasse es.



Schwarzer Kaffee ohne Zucker.
"Keine 5 Minuten länger", sage ich während ich mir Schweißperlen von der Stirn wische.
Und es hallt nur spottendes Gelächter.

Nein, ich kann mein Schwein derzeit nicht sterben lassen. Wie sonst kann ich je wieder Frieden finden?

Donnerstag, 26. April 2012

Bevorzugte Redeweise

Neun Jahre dokumentieres Schreiben. Und richtig mache ich es noch immer nicht.

Mein Verlangen zu Schreiben wird gekreuzt von der Angst, womöglich nicht "gut genug" zu sein, dass andere Menschen darin kein Interesse nehmen. Tiefer, tiefer, tiefer lesen, tief in die Bedeutung jedes Wortes. So tief, dass sie die einzelnen Buchstaben umklammern, mit Fingernägeln durchbohren und den Schmerz im eigenen Fleisch spüren können.
Ich fürchte meine Zeilen sind nicht mehr als ein Analog zur Müllabführ. Benutzt, überbeansprucht und weg damit.

Stetig bevorzuge ich die Umschreibung, ansttat die Dinge beim Namen zu nennen. Lasst es mich am Beispiel zeigen.

Ich sage nicht "Ich bin verärgert". Niemals springt dieser Wortlaut über meine Lippen. Eher würde ich es als "schicksalsbedingte Amputation" bezeichnen.
Eine abgeackte Hand, die frisch maniküriert war.
Die Wut ist doch verständlich.


Was rede ich hier eigentlich? Prinzipiell habe ich nichts zu sagen.
Entschuldigt bitte.

Mittwoch, 25. April 2012

Derzeit träume ich zu viel

Wortmüll:

Nur noch ein Klick bestätigt, dass das Wasser kochend heiß ist. Das Pfeifen vermisse ich. Zwecks nostalgischer Werte. Es war die konstanten Erinnerung, dass man nicht allein am Brodeln ist.
Wie der Schatten alter Träume, die noch immer schlummern und Flecken auf der Haut hinterlassen.

Heute habe ich festgestellt, dass ich meine Brüder verehre, weil sie noch immer über Furz-Witze lachen. Genau die Selben, die sie mir schon erzählten, als ich noch in Windeln gebettet war. Mit kleinen Fingern so groß wie Jelly Beans.
Manchmal wünsche ich mir genau diese Zeit zurück. Damals, als es mir vollkommen egal war, dass Hund und Katzen auf den Rasen gepinkelt haben: Darin gewälzt habe ich mich trotzdem.
Und siehe da: Ich lebe noch immer.

Mit welcher Konsequenz vermag ich nicht sagen.

“Ich habe das Recht auf die Erfüllung meiner Träume”, flüstere ich dem dampfenden Wasser entgegen. Aber das sind alles Lügen, weil ich nicht einmal weiß, warum Träume überhaupt existieren.
Leben und dahinvegetieren - was ist letztendlich aus den kleinen Hof mit den Tieren vor der Haustür geworden? Lächerlich - im Nachhinein.
Dieses Zimmer erinnert eher an die durchtrainierten Arme eines Gefängniswärters, die meinen Körper umschließen und eine Flucht verweigern. (Warum ich nun gerade das Wort Flucht gewählt habe, bleibt ein Geheimnis. Ausflug hätte die Situation herabgespielt.)
Ernsthaft: Auch wenn ich in weißen Boxen gefangen bin, verhalte ich mich wie die Echse, die starr unter ihrer Wärmelampe verharrt. Platz für Träume gibt es hier nicht.


Beim Einkaufen sah ich ein Mädchen mit ihren Eltern. Was für ein herziges Kind, seufzte ich, fühlte einen winzigen Punkt Mitleid, als ihre Eltern ihr die Barbie-Puppe mit den Hund nicht kaufen wollten.
“Aber sie steht doch gleich dort auf dem Regal und ich hätte sie so gerne. Sie ist so nah vor meiner Nase und sie kostet nur 20 Euro!”
Wäre ihr Anblick nicht so kräftezehrend gewesen, hätte ich wohl laut losgelacht. Wie oft wird noch das Objekt ihrer Begierde direkt vor ihrer Nase stehen, zum Greifen nahe sein, und kein Flehen der Welt wird ihr helfen es zu erreichen…?
Das war eine rein rhetorische Frage.

Die falschen Nummern schwirren in meinem Kopf, festgesetzt wie einverleibte Prioritäten: Ich schließe die Augen und kann mir selbst nicht helfen. Kann es nicht lassen, mich mitreißen zu lassen.
Wenn es nicht gerade um ablenkende Witze geht, rede ich zu wenig. Schwer zu verstehen - von Außerhalb - dass es meist daran liegt, dass ich zu viel Kontakt mit einem Schwein halte.
Es ist wirklich da. Das denke ich mir nicht aus. Sehe ich es nicht neben mir hertapsen, fühle ich mich paralysiert. Bis ich mich daran erinnere, einfach die Augen zu schließen und die Bildfrequenz zu ändern.
Noch bin ich hier. Bitte vergesst mich nicht!



Wunschdenken in der Farbe von Scheiße:

Da ich Angst vor Feuer habe, möchte ich eingeäschert werden. Nicht aber aus dem Grund. Wenn es ein Leben nach dem Tod geben sollte, möchte ich nicht zittern müssen, sollte ich vor Gott stehen. Mein Puls würde aus meinen Händen ausbrechen und die heilige Kraft den Atmen nehmen.
Bevor ich sterbe, werde ich sichergehen, in eine Urne umgetopft zu werden. Man soll mich in die Ecke meines Zimmer stellen. So, dass jeder um mich herumgehen muss, und mit dem Finger auf mich zeigt: “Selbst jetzt liegt sie uns immer noch im Weg rum. Wehe, jemand stößt die Urne um! Der Dreck geht nie wieder aus dem Teppich!”

Letzte Woche habe ich mein Vertrauen in die Menschheit verloren, allerdings kam es Gestern wieder zu mir zurück. Obwohl ich davon überzeugt bin, dass eines Nachts ein Einbrecher durch meine Tür spazieren wird und mir ein Messer in den Bauch rammt. Oder eine Bombe unter mein Bett legt. Abgehen mit einem großen Knall. In diesem Fall kann man sich sogar das Krematorium sparen. Zwei Fliegen mit einer Klappe.
Vielleicht verwechsele ich aber auch Tatsachen und Fernsehserie. Das passiert oft.

Fantasie muss kein Zeichen von Liebe sein.
Oder besteht Liebe einzig und allein aus Fantasie?

Ich hasse diese Art von kreisenden Gedanken.



Ohne Flüche:

Mein jüngerer Bruder und ich haben oft zu Cotton-Eyed-Joe getanzt. Wieso hat uns eigentlich Niemand gesagt, wie albern wir dabei aussahen?
Wahrscheinlich weil es nicht viel alberner war als die Wettkämpfe auf der Sega-Konsole, die ich prinzipiell verloren habe. (Erst späte habe ich herausgefunden, dass man die Ringe bei Sonic einsammeln musste und nicht umgehen.)

Ich hab vergessen zu Essen. Ernsthaft: Ich bin nicht auf Diät. Es ist mir entfallen.
Jetzt erinnert mich das Hungergefühl an Sehnsucht. Manchmal vergisst man den Wasserkocher einfach, und wenn man wiederkommt, ist das Wasser lediglich lauwarm.

“Ich habe das Recht, nicht danach aus zu sehen wie ich mich fühle”, schreie ich dem Spiegel entgegen. Aber auch das sind alles Lügen.
Sogar der Psychologe sagt, ich denke zu viel, zu oft. Wer das kennt, weiß, was das mit der Reflexion im Spiegel am Hut hat. Wer das nicht kennt, versteht sicher auch nicht, warum ich trotz finsterer Ringe unter den Augen einfach nicht mehr schlafen will.
Neulich hatte die Sprechstundenhilfe unser Gespräch unterbrochen. Irgendwie schien er pikiert deswegen zu sein, obwohl es mir überhaupt nichts ausmachte. Ich erzähle ihm ja doch nichts von Wichtigkeit, sage nur das, was mich an die richtigen Medikamente bringt.
Als er sich mit einem entschuldigenden Lächeln zu mir wandte, fragte er: “Wo waren wir?”
Und für einen Hauch einer Sekunde, kurz wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, wollte ich die Wahrheit sagen. Wo wir sind? Nirgendwo. Wir sind im Nichts.

Trotz Allem sage ich nur  “Schlafstörung” und die Tortur beginnt von vorn.
Ich mag diesen Arzt wirklich sehr. Es liegt nicht an ihm, dass ich nicht rede. Reden macht mir Angst. Das Schwein redet genug mit mir, es hält mich meist davon ab, mehr Preis zu geben als ich sollte. Oder muss.
Wenn es sich um die Präsens simpler Worte drehen würde, wären all meine Sorgen in der Rinne hinuntergeschossen. Selbst unter der Dusche rede ich mit dem Schwein.

“Was für ein Tier wären Sie?”, fragte mich der Doktor unerwartet während der letzten Sitzung. Noch vor einem Jahr hätte ich unüberlegt mit “ein Hase” geantwortet. Hellhörig und schnell verschwunden, ängstlich und nur zur Paarungszeit bereit mein Fell zu präsentieren.
Es ist aber anders:
“Ein Elefant, glaube ich. Wenn ich mich nicht wasche, esse ich, bin unweigerlich auffällig unauffällig, mir der Dinge nicht bewusst, die ich zu Tode trete und vergesse nicht.”

Für meine Asche braucht man eine riesige Urne. Ein Elefant im Krematorium sorgt sicher für Schlagzeilen.
Und die Leute, die um meinen Staub herum gehen müssen, wären noch viel genervter; und vorsichtiger. Der schöne Teppich.

Diese kreisenden Gedanken bringen mich früher oder später um.
Neben mir liegt mein Handy. Treu und vollkommen ergeben, wie so viele persönliche Besitztümer. Viel zu oft fragte ich mich schon, warum ich mir eigentlich eines kaufe. Ich mag es, ja, benutze es aber nie.
So gut wie.
Es ist manchmal schon regelrecht verhext: Mit Erwartung schaue ich auf das Display, sehe ich nichts weiter als ein Bild von einem Baum, wünschte ich mir insgeheim, irgendwer würde an mich denken und sich melden.
Schaue ich dann allerding aus das Display und es ist tatsächlich ein Anruf in Abwesenheit oder eine SMS auf der Anzeige, drehe ich gleich durch. Nicht aus Freude, muss ich dazu sagen.
Ernsthaft: Ich bekomme meist tierische Panik. Wenn etwas von solcher einer Wichtigkeit ist, dass man dafür versucht mich zu erreichen, muss es eine schlechte Nachricht sein.
Jemand liegt im Krankenhaus oder schon einen Schritt weiter, in China gibt es keinen Reis mehr, die Welt geht unter - hauptsache Katastrophenalarm!

Genau so ging es mir gesten Abend. Ein Anruf in Abwesenheit - oh, nein! Schock, schwere Not! Bestimmt will mich der Vermieter raus schmeißen, weil ich zu laut unter der Dusche gesungen habe!

Für Mama

In mir drin befinden sich einige Dinge, die ich dir gerne sagen möchte, Mama. Aber gleichzeitig weiß ich auch, dass ich niemals den Mut dazu aufbringen würde, dir auch nur einen Teil zu übermitteln. Aus diesem Grund schreibe ich es auf und hoffe, ich fühle mich dann besser.

Weißt du, deine Tochter hat Angst vor Menschen. Obwohl das nur eine von ihren vielen Ängsten benennt. (Anderes wären zum Beispiel öffentliche Plätze, Fremde, Sprechen, Spinnen, Pferde, Prüfungen, Blicke, Alleinsein, Lärm, Alkohol, Feuer,…)
Sie fürchtet sich sogar davor im Jogginganzug nach Draußen zu gehen um den Postkasten zu leeren, oder den Müll in die Tonnen zu tragen, weil sie sich immer wieder ein fetter Ballon fühlt, immer Angst hat, dass sich andere über ihr Aussehen oder ihren Körper lustig machen.

Deine Tochter versteht das Prinzip von Liebe nicht. Die meiste Erfahrung damit hat sie aus den Fernseher, aus kitschigen Liebesschnuzeln und alten Disney-Filmen, die einem sowieso den Sinn von Entfremdung und Lächerlichkeit vermitteln.
Nicht einmal das Konzept von Sex ist ihr wirklich einleuchtend. Nur so Nebenbei.

Beziehungen und Bindungen ist für sie meist nicht mehr als eine Ansammlung von animalischen Instinkten. Trieben, die den größten Teil der Menschheit in das Stammhirn eingraviert wurde.
“Seid fruchtbar und mehret euch”, Niemand spricht mehr von Zölibat, zumal das genauso albern geworden ist wie “bis das der Tod euch scheidet”. 
Du weißt ja wie das ist, Mama, immerhin bist du drei Mal geschieden.

Manchmal wünscht sich deine Tochter, sie hätte dir öfter die Stirn geboten. Vor allem entgegen deiner fruchtlosen Versuche etwas aus ihr zu machen, was sie nicht war. Nein, sie ist kein kluger Mensch: Hatte nicht das Zeug (oder die Ausdauer) für das Gymnasium, wird niemals studieren, wird niemals das große Geld verdienen.
Damals war sie nicht perfekt, und heute ist sie davon noch viel weiter entfernt. Deine Tochter wollte lieber ein Junge sein. Immer wieder dachte sie, dass Papa zufriedener gewesen wären, hätte er einen kleinen Soldaten. Außerdem wäre sie dann noch ein Stück mehr “anders” wie du.

 Deine Tochter hat dein Verhalten nie verstanden; deine abwertenden, zynischen Bemerkungen, deine offenkundige Missgunst deinen Kindern gegenüber, deine Scheinheiligkeiten, deine Versteckspiele gegenüber anderen Menschen.
Ihr Vater war aber genauso. Bloß aufbrausender, irgendwie hasserfüllter, doch offener. Sie kann es bis heute nicht beschreiben.
So gesehen ist sie die Kombination eurer schlechten Seiten. (Gute Seiten fallen ihr nur selten über euch ein. Wenn sie an euch denkt, gibt es nur Schmerzen und Schreie. So viele Schreie, so viele Schreie vor Abscheu und purer Feindseligkeit.)
Von dir hat sie ihre Faulheit; ihre passiv-aggressive, über-ängstliche, verfluchende, gierige, nicht-entscheiden-könnende, depressive, dauer-müde, unsichere, bewertende Haltung.
Von ihm kommt der größte Teil des Selbsthasses und der Inakzeptanz der eigenen Person gegenüber, der Hang zur Sucht, das Verstecken von Gefühlen hinter Unverständlichkeit. Dieses erstickende Gefühl seinen Emotionen schutzlos ausgeliefert zu sein, obwohl man sie es so gut es geht von sich schiebt. Mit aller Gewalt. (Ja, und Gewalt kannten wir in unserer Familie doch alle.)

Nicht wahr, Mama?

Viele Leute wundern sich, dass deine Tochter nie angefasst werden möchte. Nähe treibt ihr Schweiß auf die Stirn, weil Berührungen mit Schmerzen verbunden sind oder einen Preis mit sich tragen. Auch wenn eine Freundin sie nur zur Begrüßung umarmen möchte, verkrampft sich ihr ganzer Körper.
Es fällt dann schwer zu lächeln, auch wenn sie prinzipiell nicht loslassen möchte.
Abschiede machen sie traurig, weil sie schon früh begriffen hat, dass nicht jedes “Auf Wiedersehen” mit einem tatsächlichen Wiedersehen einher geht. Anstelle von trostlosen Wangenküssen und letzten Tränen würde sie ihren Freunden lieber die Hand geben und sich mit einem kurzen “Bis später” aus dem Staub machen.
Staub war der Familie auch sehr bekannt. (Doch eher die Abstinenz von diesen.)

Deine Tochter ist der festen Überzeugung, dass nicht abwaschbarer Dreck an ihrem Körper klebt. Bitte sei nicht enttäuscht darüber, dass sie sich an schlechten Tagen bis zu vier Mal am Tag duscht. Und dass sie unter der Dusche oft bitterlich weint, weil dieser Schmutz nicht von ihr lässt.
Du hast den Dreck immer gesehen? Meist schon direkt nach dem Waschen. Es war immer zu viel Falsch an deiner Tochter, immer etwas da, was berichtigt werden hätte müssen, immer etwas, was an anderen Töchtern “einfach so war”. Nicht aber an ihr.
Mit einer Bürste kratzt sie sich die Haut wund, nicht nur einmal hat sich Blut mit dem fließenden Wasser vermischt. 
(Es tut ihr leid, dass sie mitten im Geschäft angefangen hat zu weinen, als du sie in das Kleid mit den lila Schleifen stecken wolltest. Darin fühlte sie sich so… weiblich und süß. Wirkt das nicht wie eine Aufforderung, gar eine Einladung?)

Selbst bei Diagnosen steht sie zwischen den Ärzten. “In ihrem Falle” könne man noch nicht genau sagen, ob es sich um schwere Dissoziationen oder um eine Form der Schizophrenie handelt. Ihre Denkweisen sind anders, wenn sie sich überhaupt die Mühe macht, noch Schlüsse zu ziehen.
(Borderline und Schizophrenie können nicht einher gehen. Bei Dissoziationen sind die Denkweisen nicht so getrübt wie bei ihr.) Wer will schon in ein Raster passen?
Wer passt, kann zu groß dafür werden. Oder so klein, dass man hindurch rutscht.

In geheimen Momenten denkt deine Tochter, du hast eine Borderline-Störung. (Vielleicht macht der Gedanke es auch leichter. Wenn man die Gene schuldig erklären kann, warum dann nicht?)
Ich meine, du hast nicht wirklich geglaubt, dass deine Kinder nichts von deinen Affären wussten? (Scheiße, ich bitte dich, wieso der Elektriker und der Saufkopf von der Kneipe an der Ecke?) Zwei Mal hat deine Tochter dich erwischt, als sie früher von der Schule kam. Der Anblick von seinem schwabbeligen Arsch bleibt ihr ewig ins Gedächtnis gebrannt.
Je öfter du fremden Männern den Schwanz geleckt hast, desto fester klammertest du dich an deinen noch Ehemann.
(Wütend war er immer. So verflucht wütend, wenn du nicht da warst. So verflucht wütend, wenn du Ausreden suchtest.)

Wusstest du auch, dass deine Tochter dich nicht liebt? Es schon nicht tat bevor du weggingst? Wahres in ihr ist schwer zu beschreiben: Es ist kein Hass, aber das Gegenteil von Liebe.
Ehrlich gesagt, sie kann dich gar  nicht lieben. Sie liebt eigentlich Niemanden, glaubt sie. Sie verweigert sich auch Hilfe. Sich selbst liebt sie nämlich am Wenigstens. Gar nicht, um genau zu sein.

Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum du diese Zeilen nie zu Gesicht bekommen wirst. Denn trotz jeglicher physikalischer und emotionaler Distanz zwischen euch möchte sie dir nicht weh tun. Weder mit Worten, noch mit Taten.
Vielleicht ist das eine Art Anerkennung.
Oder deine Tochter hat (mal wieder) zu viel Angst. Tja, wer A sagt, musst auch B sagen. Nicht jeder, der austeilt, kann einstecken.


Und Mama, ich könnte noch so viel mehr von mir geben. Und ich mache es nicht, weil ich viel zu müde bin.
Vielleicht folgt einmal ein zweiter Teil. Vielleicht auch nicht. Du wirst es so oder so niemals lesen.

Montag, 23. April 2012

Scham

So wie ich bin, sollte kein anderer Mensch sein.
Ich bin widerwertig und ekelerregend.
Mein Spiegelbild bestätigt das.

Samstag, 21. April 2012

Chemisches Ungleichgewicht

Die Gedanken schlagen nicht im Rhythmus des Herzens.
Im Allgemeinen tut das mein Kopf selten. Ich meine, irgendwo dazu zu gehören. Zu Mindest das zu denken, was andere denken.
Ach, keine Ahnung. Eigentlich ist Denken überbewertet.

Es tut mir leid. Doch es ist so einsam. Hier ist kein Mensch, mit dem ich reden kann. Absolut keine Seele, die ein Funken Wärme spenden kann. Das Schwein weiß, was es bedeutet; weiß, warum es gerade bei mir sein muss. Ohne es würde ich sterben. Vor Einsamkeit vergehen.

Würdest du mir in die Augen sehen können, würdest du sehen, dass wir keine Witze machen. 

Ein Flüstern malt totgeglaubte Erinnerungen auf blutige Leinwände.

Ohne Pillen bin ich ein Wrack, am Ende jeglicher vorhandener Kräfte.
Es ist diese innere Zwickmühle, die Chemie mit sich bringt. Es geht nicht besser, nur ... befremdlich distanzierter.
Doch Medikamente sind auch Heilige, denn sie stoppen Flashbacks und Zusammebrüche. Mein Schwein allerdings verachtet es, wenn unreine Substanzen meinen Körper durchdringen.

Schwein, oder nicht Schwein,... das ist hier die Frage.
Bösartige, doch tröstende Worte, die zu viel Macht haben? Oder erdrückende, zermübrende Einsamkeit inmitten von Sorgen und Traurigkeit, die wie durch eine Wand von meinem Hirn getrennt sind? 

Welche Wahl habe ich denn schon?

Diesen Kampf habe ich verloren.

Es ist so schwarz. Meine Hände arbeiten nicht für diesen ohnehin unwilligen Körper. Mir fehlt die Kraft zu schreiben. Oder zu malen.
Kann nicht schlafen. Nicht weinen. Mich nicht bewegen.

Das Ende.

Mittwoch, 18. April 2012

Eisherz

Und wieder kein Wort von ihr.
Seit Montag.

Wenn du das liest, Eisi, dann melde dich bitte.

Wenn eine andere Person ein Lebenszeichen erhält, bitte gebt Bescheid.

Sonntag, 15. April 2012

Kein Versprechen

Ich habe das Gefühl heute in kleine Stücke zu zerbrechen.
Ist es das, worum es beim menschlichen Untergang geht?
Meine Gedanken... ich halte es nicht mehr aus.
Womöglich kann diese Nacht mein Ende sein.

Samstag, 14. April 2012

Geschwister unter sich

Mir ist es egal, wie verärgert sie sind. Sollen sie doch schreien und toben, sollen sie doch vorwerfen und in meiner Ignoranz untergehen.
Na gut, ich hab Geld geklaut. Woher sollte ich sonst genug Geld für den nächsten Alk-Trip haben? Mir tut es nicht leid. Wirklich nicht. Ich kann nicht einmal sagen, warum oder warum nicht oder warum ich mich überhaupt erwischen lassen habe. Die leeren Flaschen in der Ecke waren doch stets ein Zeichen genug.

Mein Bruder wütet. Mit blutroten Augen schnauft er mir entgegen, erzählt von Vertrauensbrüchen und Notreserven, von Durchgeknallten und Arbeitslosen.
Sieht er diese Welt genau so schwarz und weiß wie ich? Kann er die Stufen von Grau abgleichen und analysieren?

Das Schwein versteht mich, tröstet mich sogar. Es sagt, es sei ok auch einmal entgegen eigener Moral zu handeln. Wie gut es tut. Im Gegensatz zur konsequenten Leere, die mich sonst beherrscht. Versteht es nicht falsch, ich liebe meinen Bruder und habe auch ein vages Verständnis für Geld und dessen Kontrolle über Menschen, aber ich verstehe nicht, was ihn so wütend macht. Warum er so reagiert, wie er reagiert.
Es ist wie einem Schauspiel teil zu nehmen: Gekonnt manipulierte Marionette, die handelt, weil man selber nicht in der Lage ist auch nur einen Finger zu rühren.

Es ist so eiskalt - in mir drin. So entfernt, fremd... Ich weiß, dass es meine Schuld ist, aber der Grund bleibt mir fern. Die Begründung.
Die Narben habe ich verdient, jede Einzelne. Weiß aber nicht, warum. Es scheint eine stetig wiederholende Predikt zu sein, die ich in fremder Sprache anhöre.

So sammel ich also Zungen. Vielleicht mag es eine zu erläutern.

"Gibt es noch etwas, was du sagen möchtest?", ein Schauer kriecht meinen Wirbeln hinab. Diese Tonlage, die Wortwahl... was für eine Kreatur steht vor mir? Woher schauen zwei heilige Augenpaare auf mich hinab?

"Von Schmerzen redet man nicht, Bruderherz.", lache ich ihm entgegen. Mit mehr Gift auf den Lippen als geplant. "Hat das nicht auch schon dein Vater gesagt?"
Doch das Lachen vergeht mir. Wie eh und je. Eigentlich müsste ich vor Scham in die Knie gehen, doch unsere Gesichter treffen einander. Aushalten und diszipliniert Abwarten. Schon früh lernt man das im Leben.

"Aber ich bin weder dein Vater, noch deine Mutter. Ich habe keine Verpflichtungen, dich zu unterstützen oder dir irgenwas zu zahlen.", warum er gerade das Irgenswas so betont, kann ich mir kaum vorstellen. Ein Entschuldigung wäre angebracht, aber es wäre doch nur ein Versteckspiel vor der Wahrheit. Vor den Worten, die uns als Geschwister schon so lange zusammenschweißen und auseinander treiben.
"Warum machst du es dann, wenn du keine Verpflichtungen hast? Lass' uns mit offenen Karten spielen: Ich habe dich nie darum gebeten, dass alles für mich zu tun. Ich bin dir dankbar, aber nie hast du mir eine Begrüdnung gegeben. Nicht einmal eine Anforderung oder einen Gegenzug gestellt...", mit einem genervten Handschlag bricht er mich ab.

"Wie kamst du auf die Idee, dir Geld zu klauen?", fragt er mich statt dessen und ignoriert nun vollkommen den Sinn meiner Anmahnungen. "Und tu' jetzt nicht so als wärst du Alkohol abhängig. Verarschen kann ich mich selber. Du bist viel zu geschädigt von deiner Vorgeschichte mit unseren Eltern und unserer Familie als würdest du dahin abrutschen."

Schweinchen grunzt nur höhnisch. Das Grinsen passt zu seiner rosigen Haut. Das betont seine Figur.

"Wir brauchten Abwechslung", flüstere ich meinem Bruder zu, stehe auf und laufe langsam zur alten Transportbox meiner Kaninchen. Meine Finger öffnen das Klappschloss und ich drücke ihm 170 Euro Bar in die Hand.

Mein Bruder lacht.
Ich weiß nicht, warum. Ich verstehe es nicht.

Mittwoch, 11. April 2012

Von Motten zerfressende Vorhänge


Ich sitze auf dem Teppich, dessen Löcher mit Kaugummis und toten Spinnen gefüllt sind.
Jetzt und hier, es ist Zeit.
Wie Offenbarungen, ich gebe mich ihr Preis.
Schon tausend Worte habe ich geschrieben. Manches Paper ist schon vergilbt, die Tinte verblasst. Doch wünsche ich mir, sie liest alles, jede Zeile, jeden Strich.

Eine Motte fliegt über mich hinweg. Sie hat die Vorhänge angeferessen.

Die Wand an meinem Rücken sollte weiß sein. Genauer hingesehen stelle ich fest, dass sie eigentlich gar keine Farbe hat. Ohne dabei transparent zu sein.


Es regnet. Und ich schaue mir die Wäsche an, die mein Nachbar vergessen hat, hereinzuholen. Da wehen ihre Kleider hin und her und ihr weißes Unterhemd wurde zu Boden geschleudert.
Morgen wird sie wohl nochmal waschen.

Meine Haut riecht nach zu lang getragener Kleidung. 
Die Motte frisst auch an mir.

Jetzt und hier, es ist Zeit. Das ganze Gebäude scheint verlassen. Doch intakt, im Takt gefüllt.
Meine Gedanken werden mir wieder zu viel. Ich brauche einfach nur Ruhe. Nein, eher noch, so viel Lärm, dass ich meine eigenen Stimmen nicht mehr hören muss.
Es ist laut und leise. Nach Frühling duftet es nur auf der anderen Seite.
Wer behauptet denn noch, dass Gras sei auf der anderen Seite nicht grüner? Zeig mir deine Seite, und ich zeig' dir meine.
Mache einfach das Licht aus.



Meine Mutter hat sich gestern mal wieder bei mir gemeldet. Schon zwei Jahre habe ich schon nichts mehr von ihr gehört gehabt, vielleicht waren es auch drei.
Dafür ist es immer der falsche Moment. Ihre Stimme klang.... älter. Mitgenommener. Geprägter.
Ehrlich gesagt habe ich ihr nicht zugehört, weil ich vom Erraten ihrer Stimmung bei dieser monotonen Tonlage überfordert war.



Es ging um Geld. Wie immer.
Ich möchte es nicht einmal beweinen, nur bedauern. Wie oft wollte ich es ihr Recht machen, wie oft schon hat sie mich verdrängt. Und jedes Mal schmerzt es erneut. Daran kann man sich nicht gewöhnen, weil es eher wie ein Angriff aus dem Hinterhalt scheint. Vollkommen unerwartet.


Ich denke an meine Mutter und in mir wächst der Wunsch zu sterben. Das ist krank. Bescheuert, sogar. Ich wäre gerne nicht mehr da, dann könnte sie mir nicht mehr weh tun. Dann könnte mein Vater mir nicht mehr weh tun. Dann könnten mir die Erinnerungen nicht mehr weh tun, oder die Angst, oder der ganze andere Scheiß, der mich plagt.
Den Spieß umgedreht: Bin ich nicht mehr da, falle ich Niemanden mehr zu Last, vielleicht wäre dann jedes "Verzeihung" gebrochen. Lächerlich.
So hohl wie ich bin, ist sowieso kaum noch Leben in mir übrig. Glaskristall.

Noch immer labert sie von Finanzen und Versicherungen. Was auch immer. Ein weiteres Kleidungsstück der Nachbarin ist zu Boden gefallen. Der Wind weht stärker.
Ihre Worte fangen an, mich zu verspeisen. Zuerst die Hände, dann die Beine, Stück für Stück. Das Herz ist allerdings nicht mehr da. Tja, Mutter, da kommst du wohl zu spät.
Da habe ich schon den Löwen zum Fraß vorgeworfen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Nur noch ein paar Augen liegen am Boden. Mit Pupillen, die nach einer aufrichtigen Entschuldigung suchen.
Die Motte fliegt, setzt sich auf das Augenpaar und beginnt zu Fressen.


Ich wünschte, sie könnte mich ganz auffressen.
Lange schaffe ich es nicht mehr.

Dienstag, 10. April 2012

Passiv

Man wendet sich zu
Paper, Stift, Bild und Wort,
wenn man der Ansicht ist,
Niemanden vertrauen zu können.
Niemanden vertraut zu sein
oder
Niemandens Vertrauen zu verdienen.

Nicht einmal sich selbst.

Und ich lache in den Spiegel:
"Du verrücktes, abartiges Stück Scheiße!"

Sprache ist so lange her,
nur der Stift noch Sehnsucht blutet.

Samstag, 7. April 2012

Kurz bevor die Welt erwacht,...

wünsche ich mir, ich hätte die Kraft zu vergessen. Irgendwann halte ich es nicht mehr aus. Es wird genug sein. Zu viel sein.
Der Körper braucht eine Pause, doch der Kopf kann sie ihm nicht gönnen. Niemals. Kopf hasst Körper. Körper ist zu dumm das zu verstehen. Ich werde dafür sorgen, dass er versteht. Schmerzen soll er haben, diese abstoßende Hülle, die Tag für Tag ein wenig mehr dahinschwindet. Stirb ruhig, blute aus! Miststück! Drecksvieh!
Warum kannst du nicht sehen, wie sehr ich dich hasse?

Kopf kann nicht schlafen, weil die Gedanken nie ihren Frieden finden. Niemanden kümmert es, wie laut der Körper protestiert, niemand sieht, wie qualvoll die Haut die Seele von Freiheit abgrenzt.
Trostlos, trist - alles verdorben in mir drin.

Der Blick in den Spiegel zwingt mich in die Knie. Tränen laufen der Reflexion über das Gesicht, doch spüre ich sie nicht über die Wangen laufen. Das bin nicht ich. Warum ist diese Person da?
Diese abwertenden Augen voller Hass und Kummer, glutrot leuchtend in der Dunkelheit. Größer, kleiner, undefinierbar unlinear. Die Grenzen bleiben verschwommen.

Wie ironisch der Titel "Borderline". Würde ich jetzt nicht weinend lachen, stünde ich wohl sterbend in einem Tränenmeer.

Ich habe das nicht gewollt. Es tut mir leid.
Und ich möchte mich nicht mehr erinnern. Solche Angst in mir drin. Hände, Gesichter, Worte - Wände, gegen die ich laufe. Immer wieder. Erneut, nochmal.
Wo finde ich mein Seelenheil?

Flashbacks von dir. Wenn ich dich liebte, tut es mir weh. Wenn ich dich liebe, tut es mir weh. Benutzt.
Widerlich.

Heute ist einer dieser Tage, an dem ich nur bluten will. Die ganze Zeit. Messer, Schere, Skalpell, Scherbe,... vollkommen egal. Du sollst nicht in meinem Kopf sein. Nichts von dir. Nicht deine Augen, nicht dein Mund, nicht deine Hände, nicht scheiß Schwanz.
Nur ein Griff zu Klinge und ich bin wieder auf den Weg ins fremde Universum. Dort, wo du nicht bist.

Es ist meine Schuld, dass ich so ein schmutziges, verfehltes Wesen geworden bin. Warum hast du mich angefasst? Warum hast du mich nicht gleich erlöst?

Ich hasse mich. Warum denke ich so viel?
Jetzt heule ich wieder, furchtbar. Zeig doch wieder ein bisschen Disziplin! Nur für eine Minute, verdammt nochmal!

Stirb. Stirb. Stirb.

Ein Grunzen aus der Ecke. Bitte bleibe bei mir, mein Schweinchen. Du kannst mir erzählen, was du willst.
Oh, und du hast auch einen Freund mitgebracht?
Lasst uns zusammen sterben Spaß haben.
Bitte beschützt mich vor mir selbst, vor ihm, vor denen, vor dem!!

Kurz vor dem Scheitern.

Donnerstag, 5. April 2012

Auch Etiketten sammelt man wie Trophäen

Weitere Etiketten habe ich von Sunshine, Soleil und Scoria Rabita bekommen. Ziemlich viele Fragen, die ich jedoch sehr gerne beantworten werde.
Die Fragen stammen von den oben genannten Bloggern in gleicher Reihenfolge. Noch einmal weitergeben werde ich die Tags nicht.

  1.  Ist es schwer für euch auf Essen zu verzichten?     - Jaein. Es kommt immer sehr auf meinen Gemütszustand und den dazugehörigen Willen an. Wenn ich vorher weiß, dass ich langes Hungern nicht durchstehen kann, esse ich lieber bevor ein Fressanfall daraus wird. 
  2. Würdet ihr gerne wieder normal essen können?    - Ja, eigentlich schon gerne. Aber Fett sein möchte ich auch nicht wieder. =(
  3. Gibt es einen Menschen, vom dem ihr euch verstanden fühlt, dem ihr alles anvertrauen könnt?     - "Alles" ist immer ziemlich pauschal. Und anvertrauen können ist auch leichter als es letztendlich wirklich zu tun. 
  4. Geht ihr Abends oft weg?     - Nein. 
  5. Schonmal Drogen genommen?     - ....
  6. Gehört ihr zu denen, die bei Filmen oder Büchern schnell weinen?     - Nein. 
  7. Rechnet ihr alle Kalorien, die ihr am Tag esst, zusammen?     - Sofern es möglich ist, ja. Meist aber Schätzwerte. 
  8. Für wen sehen euch die Mnschen in eurer Umgebung?     - Ich habe keine Ahnung. Würde es wirklich gerne wissen. 
  9. Erschafft ihr euch manchmal eure eigenen kleinen Traumwelten?     - Die brauche ich meist nicht mehr erschaffen, die Traumwelten sind mein derzeitiges Leben. 
  10. Was macht ihr in eurer Freizeit?     - Im Internet rumgammeln, Zeichen/Malen, Schreiben, Lesen,... 
  11. Habt ihr Geschwister? Wenn ja, kommt ihr gut mit ihnen zurecht?     - Ja, zwei ältere Brüder. Ich komme sehr gut mit ihnen aus. Mit einem habe ich allerdings sehr, sehr wenig Kontakt und mit dem anderen gehen wir uns meist eher aus dem Weg um Konflikte zu vermeiden. Aber ich liebe sie Beide, und ich denke, das beruht auf Gegenseitigkeit.


  1. Was denkst du, ist der Sinn des Lebens?     - Wenn ich den herausgefunden hätte, säße ich mir wahrscheinlich in diesem Moment nicht den Hintern breit. 
  2. Familie, Freunde oder 2aac Freunde?     - Sollte es mir peinlich sein, dass ich diese Frage nicht verstehe? 
  3. Warst du schon oft verliebt?     - Nein. Einmal war genug. 
  4. Wie lange hast du es schon ohne Essen ausgehalten?     - 10 Tage waren mein persönlicher Rekord. 
  5. Deine Leidenschaft?     - Grübeln.
  6. Freund, Verliebt oder Gar Nichts?     - Abgeneigt. 
  7. Sind Jungs oder Mädels die besseren "beste Freunde"?     - Die Frage ist einfach: Man kann es nicht beantworten, weil man selber herausfinden muss, welcher Charakter mit welchem Charakter zusammenpasst. Man findet sich, wenn es sein soll. Geschlecht spielt keine Rolle. 
  8. Vegetarier?     - Nein. 
  9. Hattest du schon dein 1. Mal?     - Sehr unangenehme Frage, die ich lieber in Tränen beantworten wollen würde. 
  10. Lebst du dein Leben?     - Was bleibt mir anderes übrig?
  11. Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?     - Puuhhh.... weiß nicht so recht... 

  1.  Denkst du, dass es soetwas wie Nietzsches Übermenschen je geben kann?     - Da ich diese Frage besonders interessant finde, möchte ich mir die Beantwortung gerne für einen späteren Zeitpunkt aufheben. 
  2. Denkst du, Kunst und/oder Philosophie sind es wert, sein gesamtes Leben dafür zur opfern, respektive sich sein Leben lang primär stets darauf zu konzentrieren?     - Opfern ist so ein harschers Wort für eine Leidenschaft, die leicht zur Lebenseinstellung werden kann. Ich denke, egal, ob es sich nun um Philosophie, Kunst oder Sonstiges handelt, kann jeder machen, was er für richtig hält. Es soll diese Person glücklich machen. Sofern es keinen anderen Menschen einschränkt, ja, es ist ok. 
  3. Entwickelt der Mensch sich derzeit sozial zurück?     - Auch eine sehr interessante, aber auch schwierige Frage. Vor Allem für mich, da ich - wenn es um Sozialität geht - nicht besonders gewandt bin. Da ich selten an Gemeinschaften oder Gesellschaften teilnehme, kann ich schlecht einschätzen, was "damals" schon Gang und Gebe war bzw. was sich in näherer Gegenwart entstanden ist. Derzeit habe ich eher das Gefühl, Menschen würden mehr Wut und Hass entwickeln und kein Ventil dafür aufbringen können. Wie sich das Eine auf das Andere auswirkt, kann ich nicht wirklich sagen.
  4. Käme ein Leben in einer autonomen, sozialistischen oder anarchistischen Kommune für dich infrage?     - Nein, sofern es mir meine Vorstellungskraft erlaubt, würde ich nicht so weit gehen. 
  5. Liest du gerne? Wenn ja, liest du viel und hast du einen Lieblingsautoren oder bevorzugtes Genre?     - Ich lese wirklich sehr gerne. Viel? Wahrscheinlich eher nicht. Ich bin viel auf Blogs und Foren unterwegs, die Kurzgeschichten, Gedichte, Prosa, etc. verbreiten. Bücher kaufe ich mir selten. Ich behaupte einfach mal, dass ich persönlich lieber schreibe als lese, aber dennoch ein gutes Buch nicht aus der Hand legen würde. Beim Genre wird es recht schwierig. Fantasy mag ich gerne, es sollte aber nicht vollkommen von der Realität losgelöst sein. In Krimis/Thriller fällt es mir meist sehr schwer, mich in Personen und Handlungen hinein zu versetzen. Romane sind ok, wenn es nicht zu sülzig wird. Zugegeben... Lustige Bücher mag ich schon, wenn die richtige Thematik behandelt wird. Besonders gerne mag ich Comics und Mangas, auch Sachbücher und Fachliteratur. 
  6. Wie stehst du zu Tätowierungen, Piercings oder ähnlichen Körperveränderungen?     - Respekt an die Leute, die sich trauen, das zu zeigen, wozu sie stehen. 
  7. Warst du in deinem Leben je uneingeschränkt glücklich?      - Daran könnte ich mich nicht erinnern, vielleicht!? 
  8. Hast du dich in deinem Leben je frei gefühlt?     - Ja, aber nicht ohne Hilfsmittel.
  9. Hast du einen bevorzugten Kleidungsstil? Wenn ja: Wie sieht er aus?     - Mmmhh..... Ich mag bequeme Kleidung, würde mir aber keinen zu nennenden Stil zuordnen. Nicht zu verklemmt, aber auch kein Schlabberlook. Wenn es um ein bestimmtes Kleidungsstück geht, mag ich lange Strickjacken und lange Shirts besonders gerne. Alles, was den Körper ein bisschen kaschiert.
  10. Kannst du deinen Musikgeschmack beschreiben?     - Ziemlich schwer. Sofern ich ein Lied mag, höre ich es auch. Ob es im Radio läuft oder ich es mir kaufe. 
  11. Hast du einen Lieblingskünstler?     - Zur Zeit leider nicht. Kann sich aber ändern. 

Tut mir leid, wenn ich mal wieder einen Roman geschrieben habe. Aber ich wollte niemanden enttäuschen und alles befriedigend beantworten.

Mittwoch, 4. April 2012

Allgemein

Schon verdreht, wie Wunschträume sich in vollkommen gegensätzliche Richtungen wenden können. Meist verständlich aber ohne Sinn.

Und genauso fühle ich mich gerade - irgendwie. Sinnlos. Selbst für mich ist nicht immer alles, was sich mir im Kopf einnistet, nachvollziehbar. Wenn sich gerade Ziele plötzlich in steinige Kurven verwandeln.
Ach, dieses Drama.

Ich wünschte mir, ich wäre klüger. Mehr Gerissenheit ohne Manipulation. Wirklich, intelligenter zu sein, würde mir viel bedeuten. Es ist ein schreckliches Gefühl für Andere nur "der Hauptschulabschluss" zu sein. Wie es wohl ist, auch einmal an wirklich wissenschaftlichen, wirtschaftlichen oder sozialpädagogischen Diskussionsrunden teilzunehmen und auch zu verstehen, was eigentlich gesagt wird?

Naja, so bin ich halt. Und zugegeben: Sicherlich gibt es ungebildetere Menschen als mich. Das streite ich nicht ab, nur die hellste Birne am Baum bin ich weiß Gott nicht.

An diesem Punkt tritt jedoch gleichzeitig die oben beschriebene Gegenteiligkeit ein. Desto mehr ich mir wünsche, mehr zu wissen, wünsche ich mir genauso, weniger zu wissen. Natürlich ist es eine allgemeine, recht menschenwidrige Behauptung, aber dumme Menschen können es so einfach haben.

Aber nein, dieses Thema mag ich nicht noch mehr ausbreiten.

Ich denke zu viel nach. Ernsthaft.
Zu viel Gehirntätigkeit bei zu viel Schlafmangel.


Übrigens nehme ich meine Medikamente wieder. Die Absetzerscheinungen waren mir doch zu krass. Und im Prinzip bin ich doch ein artiges Mädchen.
Derzeitig nehme ich 100mg Sertralin und 200mg Sulpirid. Eigentlich sollte ich das Risperidon auch nehmen, aber ich tu es nicht.

Es ist ein komischer Tag heute.

Dienstag, 3. April 2012

13. Blogaward und Etikette

Obwohl mein Tag nicht sonderlich gut begonnen hatte, schließt er doch ziemlich gut ab. Habe gleich von drei Leuten einen Blogaward bekommen. Vielen herzlichen Dank an Laura, Fly und Vogelmädchen. Danke! Danke! Danke!

Hier die sieben Fakten:
  1. In der letzten Woche habe ich zehn Kurzgeschichten geschrieben. 
  2. Wenn ich mit Jemandem rede, der zu viele zusammenhangslose Anglizismen oder "Slang"-Worte verwendet, werde ich ziemlich schnell genervt. 
  3. Zwar behaupte ich immer, von den Apps auf Facebook genervt zu sein, klicke trotz dessen aber immer wieder "Gefällt mir". 
  4. Wenn ich richtig Langeweile habe, schaue ich Assi-TV-Sendungen und habe mich oft mit Gedanken wie "Na wenigstens bin ich nicht so", "Die hätte viel mehr Gründe, sich aus den Weg zu räumen als ich" oder "so lächerlich muss man erstmal sein" getröstet. 
  5. Ich habe eine geheime Vorliebe zu Kuscheldecken oder Stofftieren. XD
  6. Im ganz humanistischem Sinne: Ich habe keine Ahnung was Lady Gaga und andere "Superstars" so besonders macht. 
  7. Mein Psychologe und der Neurologe, bei dem ich mich untersuchen ließ, sind sich über meine Diagnose nicht einig. 
 Soooo.... und etikettiert wurde ich auch! Wenn ich es richtig verstanden bei von Vogelmädchen mit diesen Fragen:

  1. Welches Kleidungsstück trägst du am Liebsten?      - Weite Sachen, die meine dicken Beine verstecken. 
  2.  Gibt es etwas, was dich besonders glücklich macht?     - Tavor und Risperidon.
  3. Wieviel Sport machst du und wenn, was?     - Ab und zu gehe ich joggen. Und wenn man es als Sport bezeichnen kann, Zumba auf der Playstation. XD
  4. Dein Lieblingsgetränk?     - Früchtetee.
  5. Gibt es ein Nahrungsmittel, auf das du komplett verzichtest?     - Spargel, Rosinen, Kaninchen,... 
  6. Was ist dein größter Traum?     - ...
  7. Gibt es eine unausstehliche Macke von dir?     - Manchmal rede ich mit Niemandem, auch wenn mir eine Frage gestellt wird. Sie denken, ich ignoriere sie, aber ich möchte einfach nicht sprechen. Schlimm ist es auch, wenn ich ohne ersichtlichen Grund ein Gespräch abbreche ohne das der Andere weiß, warum.
  8. Wie wirst du Ostern überstehen?     - Da das Wetter sowieso Scheiße werden soll, kann ich mich der Malerei und dem Streichen meiner Wände widmen. 
  9. Was magst du am Liebsten an deinem Zimmer?     - Mein PC und meine Malutensilien. <3
  10. Was isst du am Liebsten ohne dich zu überfressen?     - Also wenn es zum Thema asiatisches Essen kommt (vor Allem Japanisch, chinesisch und thailändisch), kann ich mich schwer zurückhalten.
  11. Was ist deine Augenfarbe?     - Blau-Grau.
Und folgende Fragen sind von der lieben LaPsychopathicLou:

  1. Seid ihr Einzelgänger?     - Meist schon, bevorzugt aber in guter Gesellschaft, wenn überhaupt.
  2. Was mehr aus - ein Bild oder ein Text?     - Das ist schwer zu beantworten. Es kommt ja immerhin drauf an, was man auf dem Bild sieht und was in dem Text steht. Die Aussage macht es nicht, sondern eher die Umsetzung der Kommunikation. 
  3. Mögt ihr Filme mit Happy Ends oder Offenen Ende?     - Ganz sporadisch: Happy Ends, weil mein Kopf sonst ewig einen Film hinterher hängt. 
  4. Glaubt ihr daran, dass auch im wahren Leben irgendwann alles gut wird?     - Alles gut im Sinne von erträglicher, weil man gelernt hat, mit der negativen Energie umzugehen? Keine Ahnung. 
  5. Kann man lieben ohne verletzt zu werden?     - Nein. 
  6. Kann man leben ohne jemanden zu verletzen?     - Ja, wahrscheinlich. Wenn man immer alleine ist, wird das zu schaffen sein.
  7. Kann Religion einen Menschen zum Guten verändern?     - Unter Umständen, Ja. 
  8. Kann man Menschen überhaupt zum Guten verändern?     - Kommt drauf an, was sie "schlecht" macht. 
  9. Hilft Hass?     - Gegenfrage: Wobei? 
  10. Kann man nicht lieben?     - Ja. 
  11. Zukunftsangst oder erwartungsvolles Nachvorneblicken?      - Ein ängstliches Nachvorneblicken.
Den Tag gebe ich mitsamt Blogward weiter an:
Scoria Rabita, weil die Worte seines Blogges immer erstaunen und erschaudern lassen. Manchmal habe ich beim Lesen einfach das Gefühl, verstanden zu werden.
Impression, da sie immer wieder solch lieben Kommentare hinterlässt und ich es viel zu selten danke.
Black Rose, weil sie Anerkennung und Aufrichtigkeit verdient, für das, was sie durchstehen muss.
LaPsychoticLou, weil ich möchte, dass mehr Menschen lesen können, was für ein liebenswerter Mensch sie ist.
Rosa, sie ist ein wunderbarer Mensch mit zu viel Lasten auf den Schultern. Auch wenn es nur ein Lächeln ist, möchte ich es ihr schenken.
Und die letzten drei Awards und Tags möchte ich an drei "Neulinge" vergeben, weil ich ihre Schreibstile wirklich sehr mag und hoffe, dass sie viel mehr Einträge verfassen, so, dass wir sie besser kennen lernen können:
ChrissyLast Blasphemies und Crashkid.

Ihr alle seid es Wert zu kämpfen! Gebt niemals auf!

Meine Tagfragen:
  1. Gibt es auf dieser Welt Menschen, die von grundauf böse sind? 
  2. Faszinieren dich Geschichten über Massenmörder?
  3. Du hast eine einzigen Wunsch frei - was wäre dieser?
  4. Gibt/gab es ein Schulfach, welches dich eigentlich sehr interessiert hat, aber du nie gut warst? 
  5. Gibt/gab es ein Schulfach, welches dich überhaupt nicht interessiert hat, aber du gut drin warst?
  6. Wenn du die Möglichkeit hättest: Was wäre dein Traumstudienfach bzw. Traumjob?
  7. Haben dich Worte eines Fremden einmal so verletzt, dass du es nie vergessen konntest?
  8. Welches Gesetzt dieser Welt würdest du gerne ändern/welches Gesetz würdest du erlassen?
  9. Hast du ein Haustier? Wenn ja, welches? Wenn nein, welches hättest du gern?
  10. Was ist dir richtig peinlich? 
  11. Hast du ein Interesse, welches du mit Niemandem teilst?

Montag, 2. April 2012

Tag, doch eher Nacht. Egal. Hauptsache schlaflos.

Alpträume. Manchmal möchte ich einfach nur schreien. Und heulen. Mich vor imaginären Schmerzen winden.
Seit Donnerstag habe ich meine Medikamente nicht genommen. Ich bin lächerlich. Das wird nie aufhören - diese zerfleischende Angst.

Die ersten Halluzinationen waren schön da. Aber ich habe sie nicht mitbekommen. Mein Bruder berichtete es mir.
Konsequentes Versagen. Ich schreibe Rekorde.

Alpträume. Stimmen. Vorstellungen.
Mir ist schlecht. Schwindelig.
Warum hämmert es in meinem Schädel?

Grunz. Sagt das Schwein. Wahrscheinlich meint es die verfluchten Absetzerscheinungen.

Eisherz ist noch immer verschwunden. Angst. Angst.

Ich möchte nicht schlafen. Kann nicht mehr.