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Samstag, 9. Juni 2012

Es ist ein Hin und Her. Auf und Davon, Vor und Zurück.


Der Wunsch sich selbst zu vernichten

Tu' es einfach. Dein Gesicht wird niemals wieder weniger sagen können, niemals mehr Verzweiflung ausdrücken. Das Herz ist ja auch keine Zeitung, die täglich neu verfasst und neu bedruckt wird.

Ich verstehe dich. Menschen haben zu mir selbst Sätze wie "Es gibt immer ein Grund zu kämpfen" oder "Selbstmord ist feige" gesagt. Wenn ich ihnen auch glauben schenkte, änderte es nie das schwarze Versprechen in der Brust.

Nach dem Sinn fragst du nicht. Jeder hat seine Geheimnisse. Jeder redet, jeder schweigt. Doppelleben mit einer Mauer um den Herzen und Löcher in der Wirbelsäule - wie ein alter Apfel.
Es bleibt bei Pillen zum Frühstück und Placebo zum Abendbrot. Du kannst nicht glauben, dass du dir bildlich vorgestellt hast, dich zu erschießen.
Die Wände mit Blut bespritzt, dein multifunktionelles Standardgehirn verteilt über Propekte einer Selbsthilfegruppe und der letzten Packung Schmerzmittel.

Dein Kopf ist eine Schaufel im Garten. Was machst du jetzt, weil die doch eigentliche keine Wahl bleibt!?

Wenn du dich zerstören willst, tu' es einfach. Vermenschliche nicht den Blutdrust in dir. Nicht, dass du dazu noch in der Lage wärst.
Du hörst ein Eichhörnchen im Baum verrotten. 

Taxidermie ist keine Kunst.


Freitag, 8. Juni 2012

Ach, mein Schatz, ich halte dich an der Leine. So kurz, dass du es nicht wagen wirst zu fliehen.


Donnerstag, 7. Juni 2012

Dienstag, 5. Juni 2012

Mir fällt es so unglaublich schwer meine Gedanken zu ordnen. Manchmal schaffe ich es nicht einen Satz zu Ende zu denken.

Ich fühle mich verdammt Scheiße. Das meine ich so wie ich es gesagt habe.


Montag, 4. Juni 2012

Risse im Sonnenlicht

Auf dem Bahnof wartend habe ich heute einen jungen Mann beochbatet. Ich wollte ihm nicht unangenehm werden, jedoch war er interessant. Interessanter als die meisten anderen Leute um ihn herum.
Ich kam mir selbst wie ein Stalker vor, doch als er in die S-Bahn stieg (mit einer Linie, die ich nicht nehmen wollte), musste ich ihm folgen.

Unsere Schultern streiften einander - nur kurz, doch für gewöhnlich gehen Reisende wortlos weiter. So als wäre man nicht da. Vielleicht war ich auch gar nicht da. Vielleicht war ich unsichtbar.

Er platzierte sich neben einer Dame, die ihn durch den Augenwickel argwöhnisch anschaute und einige Zentimeter gen Fenster rückte.
Seine Augenringe umrandeten jene Sehnsucht, die von ihm ausstrahlten wie die Sonne am Himmel. Für mich schien er wie Jemand, der mich verstehen könnte, den ich verstehen könnte - Jemand, der Richtig ist.

Als ich meiner verfolgenden Blicke bewusst wurde, hielt die Bahn schon an der sechsten Haltestelle.
Freudlos stieg er aus. Ich sah ihm hinterher, konnte ihm aber nicht mehr folgen. So war ich nicht. (Obwohl... anders auch nicht.)

Wahrscheinlich werde ich ihn nicht mehr wiedersehen. Die Möglichkeiten zwischen 1,4 Millionen sind zu vielfältig. Und vielleicht kam er ja von außerhalb der Stadt.

Diesen Text habe ich für einen Fremden geschrieben:



Geboren mit Haarfrakturen - nicht in seinen Knochen, in seiner Seele. Aus Fissuren wurden Risse, die sich wie höllische Schluchten wie ein Dornenmeer in tausend Abgründe spalten.
Die Zeit hat aus ihm einen Mann aus Glas gemacht. Aus den strukturellen Fehlern seiner Haut entflieht Dunkelheit. Das fühlt er. Er sieht sie. Sieht es wie sie die Leute in seiner Umgebung umhüllt, sieht wie sie sein Leben füllt.

Sein Mund ist dilettantisch, sagt immer “Danke” und “Bitte”. Während seine Augen den Schatten an den Wänden folgen.

Immer wenn er einen Menschen sieht, glaubt er, dieser könnte seine Schwächen sehen. Direkt in den Mittelpunkt seiner gebrochenen Unerreichbarkeit.
Ihre Blicke sind Schuld an seiner Schlaflosigkeit. Denn sie fliegen um seinen Kopf wie Vögel; oder Geister.

Alles besteht aus Rauch und Spiegeln.

Er zwinkert zu viel, zu schnell - schaut dann auf den Boden. Neben seinen schmutzigen Chucks ziert ein tiefer Riss die Fliese.
Es sieht aus wie eine mit einem Stift gezeichnete, gewundene Linie. Grafit. 6B. Dixon Ticonderoga. Die Mason-Dixon-Linie, die Nord mit Süd vereint.

Wie Himmel und Hölle. Bewohnt von Engeln und Damönen.
Diese Gedanken gleichen einem Engel, der eine Knarre an seinen Kopf hält. Dämonen hat er sowieso genug.

Die Sonne hängt über seinen Kopf. Auch sie richtet ihn, verurteilt mit brühender Hitze, die ihn in seine Grundstrukturen teilt. Hoffnungslos erbarmungslos.

Sonntag, 3. Juni 2012

Nur verschwindene Erinnerung

Liege ich im Bett, kann ich meine Augen nicht schließen. Die Angst und die kreisenden Gedanken halten mich wach. Es ängstigt mich mit mir allein zu sein.


Liege ich nicht in meinem Bett, schleichen sich Alpträume in meinen Kopf - und meine Augen brauche ich auch dazu nicht schließen.

"Willkommen zu Hause", flüstere ich mir im Spiegel entgegen, kann mich nicht entscheiden, ob ich lieber ein paar Pillen einwerfen oder der Flasche Sekt im Schrank Lebewohl sagen möchte.
In mir schwimmen Bilder. Ich will zerstören, meinen Körper, meine Sinne.

Greife doch nur nach den Monstern.
Ich bin nicht allein zurück gekommen. 



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Der finstere Schatten wachte über mich wie ein niemals-zwinkerndes Auge. Eine tiefere Schwärze, eine durchdringende Dunkelheit, die noch beängstigender war als der Rest des Raumes. Mein Kleiderschrank wartete darauf, dass ich endlich einschlafen würde.

Zitternd zerrte ich die Decke unter mein Kinn. Schon immer war diese Angst ein Teil von mir, schon damals mit gerade mal fünf Jahren.
Meine Augen waren aufgerissen, ich musste sehen, ob sich die Tür des Schrankes weiter öffnete. Nicht eine Minute gönnte ich meinen Augen eine Pause, denn sofern ich sie geschlossen hätte, wäre das Monster auf mir gewiesen. Mit schleimigen Atem und Nadelzähnen, widerwärtigen Maul und abnormaler Gestalt.

 Wie genau ich mich daran erinnern kann: Wie ich versuchte die Lautstärke meiner Stimme zu regeln, zu vermeiden, dass mich Papa hörte, doch Mama wach wurde.

“Mama?”

Nichts.
Der Kleiderschrank starrte mich an.

“Mama!”

 Nun hörte ich ein Murmeln, nicht deutlich genug um Gefühlslagen zu differenzieren. Den Hall der Schritte auf dem Flur konnte ich jedoch genau zuordnen. Schnell verkroch ich mich unter meinem Kissen; Sah ich Niemanden, konnte mich auch Niemand sehen.

“Was hast du, Mädchen?”

Einen schüchternen Blick wagte ich in Richtung Papas Gesicht zu drehen. Es ist nicht rot oder von Venen bedeckt, so wie es wurde, wenn er wütend war. Vielleicht ist doch alles in Ordnung.
“Da ist ein Monster in meinem Schrank”, wisperte ich.

Papa schaute mich für eine Weile an. Sein Mund war zu einer dünnen Linie gepresst. Als er letztendlich meinen Arm packte und mich gegen meinen Willen aus dem Bett zog, befürchtete ich Widerholungstaten, die ich zu dem damaligen Zeitpunkt nicht benennen konnte.
“Papa, nein, bitte nicht”, quiekte ich wie ein aufgeregtes Ferkel, welches zur Schlachtbank geschliffen wurde.
Desto näher wir dem Schrank kamen, desto lauter wurde mein Schluchzen, verkanntes Winseln aus naiver Verzweiflung.

“Höre mir zu, meine Kleine, das Einzige, was sich in deinem Schrank befindet, sind Kleidung und Spielzeug. Das ist Alles.”
Er riss die Tür auf und setzte mich vor seinen Füßen ab. Den Blick dem Monster entgegen.
Ich konnte nicht hinschauen. Konnte einfach nicht.
“Mache die Augen auf!”, befahl mein Vater. “Schau’ einfach, das ist Nichts.”
Das Brummen seiner Bassstimme wurde sanfter,
“Glaubst du wirklich, ich würde dich hier her schleppen, wenn etwas da drin wäre?”

Ich dachte nach. Manchmal liebte mich mein Papa, manchmal auch nicht. Es war ein Glücksspiel, welches zu leicht verloren war. Zumal die Phasen auch wie das Wetter wechseln konnten.
Umarmte er mich und lächelte, war ich sicher in einer Lieb-Habe-Phase; sprach ich ein falsches Wort, flogen Teller, hasserfüllte Blicke und verletzende Worte. So kam es zu einer Nicht-Lieb-Habe-Phase.

Seine Hand schloss sich noch immer zu fest um meinen Oberarm. Dies war ein Indiz für eine schlechte Phase; seine Stimme allerdings, der nicht von Zorn-bestimmte Klang, bedeutete das Gegenteil.
Mich verwirrte das. Eine Wahl blieb mir trotzdem nicht: Wäre er bereits sauer auf mich gewesen, könnte nichts auf der Welt etwas daran ändern. Höchstens verschlechtern.
Wäre er in diesem Moment gut gestimmt, hätte ich ihn mit Sturheit nur missmutig gestimmt.
Was sollte ich also machen?

Nach einem tiefen Atemzug öffnete ich die Augen. Gefüllt mir Kleidungsstücken von meinen Brüdern und mir, Schuhe, Puppen und Spielzeugautos.
“Es gibt keine Monster. Erst recht nicht in deinem Schrank”, versicherte Papa.

Er hob meinen Körper in seine Arme, küsste mir auf die Wange (Auf jeden Fall eine Lieb-Habe-Phase!!!) und legte mich zurück in mein Bett.
Mama musste bereits im Flur gewartet haben, denn ihre Stimme klang wie der Donner: “Ein Kind zu zwingen sich solcher Art Ängste zu stellen, hilft überhaupt nichts! Denkst du überhaupt einmal nach?”

Der Blitz in Papas Stimme antwortete: “Das Mädchen soll nicht verweichlichen. Sie ist doch kein Baby mehr!”

Meist gingen diese Gespräch die ganze Nacht hindurch.
Ich war mir sicher, Papa hat gelogen. Definitiv hat er gelogen. Natürlich gibt es Monster.

Woher sonst stammten die zwei Augen, die mich von der Decke herab anstierten?

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Bewusster wurde mir seine Lüge im Laufe der nachfolgenden Jahre. Immer wenn meine Mutter in der Nacht schreiend aufwachte. Immer hatte sie darauf bestanden, ein Fremder würde sie verfolgen. Manchmal wünschte sie sich auch ausschließlich von Fremden umgeben zu sein. Meist war ihr Verhalten unberechenbar. An einem Tag überhäufte sie ihre Kinder mit Geschenken, am nächsten Tag zog sie in die kleine Hütte in den Garten, weil sie uns nicht ertragen konnte.
Meine Eltern konnten gar nicht anders als sich ständig zu streiten. (Und das sage ich nicht in Verbitterung.) Beide waren sie zu …. befremdlich gleich. Konnten nicht mit, konnten nicht ohne. Heiß und kalt. Freiflug in unbekannte Tiefen.

Meine Erinnerungen verblassten, nur um in Formen von eindringlichen Höllenqualen zu mir zurück zu kehren.

Die Monster lebten im Herz meiner Mutter, in der Seele meines Vater und in dem Kopf auf meinen Schultern.

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Zu meiner Schulzeit lernte ich ganz andere Monster kennen.
Lächerlich wie sehr es mich schmerzte und ich doch einfach nur die Zähne zusammenbiss, oder so tat als würde es mich nicht berühren. Ich konnte schon gar nicht mehr mitzählen wie oft ich die Schule geschwänzt habe, um allein im Wald spazieren zu gehen.
Lieber stapfte ich stundenlang frierend im Schnee als die erniedrigenden Worte meiner Mitschüler anzuhören oder die mitleidigen Blicke meiner Lehrer zu erdulden. Schule war die Hölle. (Noch heute kann ich mich keinen Schuldgebäude auch nur nähern ohne in Schweiß bzw. Tränen aus zu brechen.)

Ertragen habe ich schon immer. Schon damals als mir bewusst wurde, dass es peinigender Umstände gab als mit Papierkugeln beschmissen, gegen die Wände gestoßen oder bespuckt zu werden - von verbalen Erniedrigungen ganz zu schweigen.

Ein Ort um zu gehen, egal, wo auch immer ich war.
Zu Hause gab es Monster im Schatten, in der Schule trampelten sie den grauen Betonboden nieder.

Oft sperrte ich mich während der Großen Pause auf den Toiletten ein - zugegeben: Gegessen habe ich dort auch.
Mit Gewalt schlug ich meinen Kopf gegen die Wände, betete inständig, dass endlich Ruhe in mein Leben einkehren würde. Doch das Lachen wurde nur lauter. Die Hände nur kräftiger. Die Worte nur schmachvoller.

Bestimmte Namen aus meiner Erinnerung bringen mich zum Schwanken. Denke ich an sie, möchte ich mich am Liebsten die nächste Brücke hinab stürzen. Traurig daran ist einzig und allein, dass es keinen Unterschied macht, weil sie es niemals wissen würden; weil es unwichtig wäre, da sie mich vergessen haben und wahrscheinlich nicht einmal wissen, was sie mir angetan haben.

Zuerst kam die zerfressende Einsamkeit, die sich wie Hände an mein Gesicht pressten. Danach biss sich Panik fest. Kaum ein Schmerz war mit dieser furchterregender Dunkelheit zu vergleichen. Schande nicht, auch Angst nicht.
Es brüllte in meinem Schädel, immer lauter, immer lauter - das Echo brach mir die Schädeldecke ein.

In der Finsternis gab es nichts.
Außer Monster.

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Ich habe frei-schwingende Glühbirnen gehasst. Das Vor und das Zurück, welches Schatten an den Wänden tanzen ließ.
Flach fiel meine Atmung als ich im Krankenwagen durchgeschüttelt wurde. Mir tat mein Kopf weh.

Ungenau kann ich mich an den Sanitäter erinnern. Er war freundlich, doch hörten sich seine Beruhigungen wiederholt und gestellt an.
Aber er war da. Das hieß, die Monster waren nicht allein in meinem Kopf. Damals sprach das Schwein zum ersten Mal zu mir. Mit der Stimme des abgestumpften Sanitäters.

Wenn mir damals Selbstmord nicht auf der Stirn geschrieben gewesen wäre, wäre ich gerne auf den Straßen dieser Kleinstadt Amok gelaufen. Nein, Unsinn: Nicht auf den Straßen, sondern genau in jener Schule.

Die Menschen im Krankenhaus redeten wie besessen von meinem Kopf.
MRT, Beruhigungsmittel, ein Daumen hier, ein Drücken da. Meiner linken Niere tat das Personal leid, in meinem Kopf waren nur Monster.

Mit dem Surren der Geräte feierten sie eine Party - in mitten von Nervenzellen.

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Erlösend war nur das Schneiden. Vielleicht mit Frieden nicht in einen Raum setzbar, jedoch für einen Gestörten wie mich am Nächsten dran.
Messer und Scherben mochte ich nicht, zu wenig Effekt für zu große Narben.

Fühlen konnte ich nicht. Im eigentlichen Sinne konnte ich kaum noch irgendetwas fühlen. Auch wenn sich der Verband um meinen Arm rot verfärbte und ich - mal wieder - den Sportunterricht sausen lassen musste.

Schnitt ich mich außerhalb meines Badezimmers, stellte ich mich danach immer voll bekleidet unter die Dusche. Vollkommen außer Atem drehte ich den Griff so heiß bis es nicht mehr ging.

Das Blut konnte ich nie abwaschen.

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Jetzt kann ich nicht mehr. Vom Schreiben und Erinnern bin ich krank.
Mit steht die Galle in der Kehle. Ich will kotzen.

Doch auch in der Kloschüssel baden Monster.
Sie sind immer da. Und ich habe immer Angst.


Freitag, 1. Juni 2012

Zu Hause - unbekannt

Ich möchte nur nach Hause in mein Zimmer. Möchte wieder von den Wänden eingesperrt sein.
Doch dem Anschein nach hält man mich fur durchaus inkompetent, unfähig den Alltag eines Arbeitslosen zu meistern. Beschwichtigende Diskussionen und undbedeutende Abmilderungen der überlastenten Gefühlswelt habe ich auch satt.

Tatsache ist, dass mein Bruder ein paar Tage zu einer Weiterbildung nach Norddeutschland geschickt worden ist. Verwunderlich daran ist, dass er mich wie ein Haustier, welches man nicht mit in den Urlaub nehmen kann, abgestellt hat. "Pass mal drauf auf", muss er zu seiner Arbeitskollegin gesagt haben.

Erst am Sonntag werde ich wieder zu Hause sein.

Es ist verdammt leer in mir drin.