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Freitag, 28. September 2012

Ausgelost!

Endlich kann ich die Gewinner des Gewinnspiels verkünden. An die Teilnehmer, die nicht gewonnen haben, trotzdem ein riesiges Dankeschön. Ohne Leute wie euch würde es diesen Blog wahrscheinlich gar nicht mehr geben. Es wird sicher ein nächstes Mal geben, also seid nicht enttäuscht.

Der Name, der als erstes gezogen worden ist, erhält eine 24x30cm Leinwand mit einem Wunschbild. Der Zweite bekommt zwei 10x10cm große Künstlerkartons, die auch von mir nach deinem Wunsch bemalt werden. Später werde ich mich mit euch in Verbindung setzen, damit wir alles klären können. 

Genau wie das letzte Mal habe ich zu der Verlosung ein Video gemacht - damit keiner denkt, ich würde betrügen. (Leider ist die Qualität des Videos nicht besonders gut. Hab es mit dem Handy aufgenommen und das ist dabei heraus gekommen.) Seht euch die Gewinner hier an:


video

Donnerstag, 27. September 2012

Gewinnspiel

Da ich zum Verlosen vor dem Wochenende sowieso nicht komme, könnt ihr euch für das Gewinnspiel noch bis Freitag Abend anmelden. Wer mitmachen möchte, schreibt einfach noch einen Kommentar.

Bisher nehmen teil:
- Patricia
- Sarah
- Shelley
- Impression
- Last Blasphemies
- enfant de la nuit
- Juilet
- Zaku-chan
- Scoriat
- Traumkirschen
- ColourDreamer
- Vivi
- Alaska
- Rachel

Mittwoch, 26. September 2012

Alles - nur nicht das

"Alles - nur nicht das", waren meine Worte an diesem Morgen kurz bevor ich die Wohnung verließ. Die Sonne ging gerade erst auf. Das schummrige Licht legte einen dunklen Schleier über die Stadt, umhüllte sie mit dem Hauch der Unendlichkeit der Nacht. (Obwohl mir natürlich bewusst war, dass die Nacht keineswegs unendlich ist. Lediglich die Dunkelheit in mir schien endlos.)

Auf meinem Weg wollte ich schreien. Weinen und schreien. Wollte der Welt davon rennen, dem Licht entlaufen. Der Wunsch los zu marschieren und nie wieder in die Welt der Lebenden zurück zu kommen, wuchs maßlos in meinem Herzen.
Ich wollte schreien, doch schwieg ich. Menschen sagen, Schweigen ist Gold. Doch warum färbten sich meine Lippen weiß als ich sie zusammenpresste?

Am Rande vergessener Träume balancierte ich zwischen zwei Welten. Warum ich euch nicht verstand, verstand ich genauso wenig wie die Gründe, warum ihr mich nicht verstehen konntet. Als wäre Wahnsinn aus meinen ausgestreckten Fingern geflossen, habt ihr mich gemieden.
(Doch ich trug nichts als die Wahrheit in mir: Sie existieren wirklich - immer und überall.)

Auf dem Heimweg schaute ich den Bahnen lang entgegen. Wieder wollte ich schreien; weinen und schreien. Doch sagte nichts.

Für die Stummen gibt es keine Liebesbriefe, nur gekritzelte Verabschiedungen.
Die sinnlosen Worte, die ich sprach, faltete ich zusammen wie eine alte Zeitung - in kleine Papierschwäne, die ich des Nachts über den Ozean schickte.

"Alles - nur nicht das", schrieb ich auf den letzten Zettel der Vernunft. Auf eine Antwort warte ich noch immer.

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Es ist schwer. Die Fortbildung der Agentur für Arbeit ist der größte Mist und ich bin vom Sozialverhalten unterpriviligierten Affen vollkommen überfordert. Die "Lehrkräfte" interessieren sich einen Scheiß um die "Insassen" dieses Gefängnisses. Nicht mal der Ort des Geschehens ist ansehnlich.
Das Bahnfahren ist der Horror für mich. Überall laufen Menschen umher, alles ist überfüllt - gerade zur Wies'n Zeit lebt man hier wie in einer Ameisenkolonie. Wenn ich daran denke, das jeden Tag überstehen zu müssen, wachsen die Suizidgedanken ins Unermessliche.

Ich bin am Ende. Also fliehe ich in meine Welt und lasse Niemandem an mich heran. Jeder dort hat schon bemerkt, dass "sie anders ist". Aber das Schwein ist bei mir.

Habe ich euch eigentlich schon einmal von meinen - von meinem Arzt so genannten - optischen Halluzinationen erzählt? Wenn nicht, interessiert es jemanden?

Sonntag, 23. September 2012

Für das Mädchen, welches im Sommer Pullover trägt

Immer wenn Leute sie fragten, wie es ihr ginge, antwortete sie immer mit "Danke, gut" oder einer ähnlich leeren Phrase. "Gut" war immer genug um ihre vorgetäuschte Neugier zu befriedigen, keine weiteren Fragen zu stellen - so sollte es ja auch sein, "gut".
Dieses Wort war ihr Fluch und ihr Segen, war die Hymne, in die jeder Vertrauen setzte, weil es sowieso viel zu unbequem war nach der Wahrheit zu suchen.

An eine Lüge zu glauben war immer einfacher, für beide Seiten. Niemand musste sich gezwungen fühlen, sich zu Sorgen und sie musste sich keine einfältigen Entschuldigungen und tränenerfüllte Geständnisse durch die Lippen pressen. "Gut" war der Ausweg, "schlecht" eine Bürde.
Gut, Sätze wie "Wie geht es dir?" oder "Ist alles in Ordnung?" waren in ihren Augen sowieso nur Small-Talk-Füller-Fragen, vielleicht auch ein erlernter Mechanismus zum Reinigen des Gewissens - mit generalisiertem Interesse hatte es selten etwas zu tun.

Sie wollte ja auch nicht immer alles in einem Drama enden lassen. Als wäre es noch nicht dramatisch genug, dass sie im Sommer langärmlige Sachen trug und eine Menge argwöhnische Blicke erntete. (Allerdings nicht so viele, wie sie ernten würde, würde sie wieder ihre T-Shirts aus dem Schrank herauskramen.)
Was die Gesellschaft begehrte, war Stärke und Beharrlichkeit, und obwohl Schmerz im Totenreich fataler Krankheiten akzeptiert wurde, gab es Formen des Ausdrucks, welche kein Verständnis gebührten.
Solche Narben am Körper schienen eher wie eine Offenbarung: "Ich komme mit eurer Welt nicht zurecht."
Womöglich trug sie dieses Tabu mit Scham und Gewissensbissen, womöglich wollte sie nur sich und ihre Umwelt vor den Monstern in ihrer Seele schützen.

Zu oft hörte sie schon, was Mitmenschen über Selbstverletzung denken. Sogar in der Schule wurden sie darüber unterrichtet. In ihrem Kopf steckt allerdings nur die Ablehnung, das "Die wollen doch nur Aufmerksamkeit".
Auf der Toilette vergießt sie heimlich Tränen. Verflucht die Bewegung ihrer Hände mit der Rasierklinge in der Hand. Während kleine rote Flüsse ihre Beine hinab flossen, dachte sie nur an das Zerbrechen der delikaten Balance sozialer Etikette, und Erleichterung. Erleichterung von dem Druck, der sie beherrschte; von der Leblosigkeit, der Gefühllosigkeit, die nur für diesen Augenblick keine Macht über sie hatten.
Nun war ihr Schmerz sichtbar.


Das Mädchen wusste wohl nicht, dass dieses Versteckspiel ewig weilen würde. Das Jetzt war wichtig: Zu diesem Zeitpunkt brannte eine Sehnsucht in ihr, lebte eine unglaubliche Qual in ihr. Der Schmerz ihrer hasserfüllten Augen, die sie von oben bis unten begutachteten. Die Schmach ignoriert zu werden und nutzlos zu sein. Die Erinnerung an blaue Flecken auf der Haut, die - anders als die Flecken auf der Seele - schnell wieder vergingen. Blau, lila, braun, grün, gelb.
Das Recht ihr zu sagen, sie sei nicht stark genug, gab sie Niemandem. Die Schuld aber auch nur sich selbst. Also sang sie einfach weiter das alte Lied: "Mir geht es gut, gut, gut."



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Mir graut es vor Morgen. Zwar haben mir schon viele gesagt, dass ich vor dem bfz keine Angst haben muss, aber ich ertrage die ganzen Menschen nicht. Die Bahnfahrt, das Reden vor Anderen,.... Ich möchte einfach nur die Decke über meinen Kopf ziehen und für diese Welt verschwinden.
Die ganze Zeit kreist die Klinge in meinem Kopf herum, es macht mich schier wahnsinnig. Das Schwein redet auf mich ein, unterstützt meine Ausrede zur Flucht ins Rot.
Morgen brauch nicht kommen. Ich kann das nicht. Will das nicht. Möchte nur in meinem Zimmerlein vergehen.

Samstag, 22. September 2012

Wenn Diagnosen aussagen würden,...

... wer ich bin, wäre ich scheinbar ziemlich abgedreht.


Das denkt zu Mindest mein Arzt über mich.

Mein Tag ist heute schon gelaufen. Ich schluck jetzt artig meine Medikamente und versuche "normal" zu sein. Haha.

Freitag, 21. September 2012

Augen sind die größten Lügner

Schau durch die Haut meiner Papierhände,
du wirst die Flüsse sehen, den Ozean aus Fleisch 
und Blut, welches in der Atmosphäre begraben ist.
Dein Blick hält mich am Leben, 
hält Welt und See zusammen. 

Behaust in dieser Vergänglichkeit, 
nur so lange bei Bewusstsein bis ich nicht mehr fühlen kann, 
weil ich den Schmerz nicht mehr erkennen kann;
Niemand öffnet seine Augen nur ein Stückchen weiter. 
Denn unsere Augen sind die größten Lügner. 

Mit letzter Kraft reiße ich an verschwommenen Venen, 
greife nach einer Feldmiene in einem Knochengerüst: 
doch finde nur Schichten, mehr Schichten aus Stein, aus Metall: 
Schwer wie die Erde selbst
drückt die Vergangenheit auf meine Gedanken
bis sie alle sterben, als eine Art Fossil zur Erinnerung werden. 

Wer würde sich trauen
auch nur ein zweites Mal hinzusehen? 
Auch nur einmal in diese Atmosphäre 
voller Nichts. 
Für den Einen ist es unsichtbar, 
für den Anderen eine eigene Welt. 
Schenke mir dein Augenlicht und führe mich durch Dunkelheit.


Du kannst mich sehen, doch erkennst mich nicht. 
Deshalb falle ich auseinander, 
löse mich auf.
Kein Wort verlässt meine Lippen. 
Ein Auge blickt stets auf mich herab:
"Diese Welt macht Welten krank." 

Ich wünsche, ich wisse ein Heilmittel.

Donnerstag, 20. September 2012

Instinkte lassen keine Wahl

Wie kann ich glauben, dass die Menschen um mich herum, so zurechnungsfähig sind wie sie es behaupten? Warum muss ich ihnen glauben, wenn sie sagen, ich sei die Kranke?
In euren Worten steckt so viel Nichts. Wie ein Spiegel vor einem schönen Mädchens, welches viel zu ehrlich ist und zu viele Fehler findet.

Ich habe Angst, dass ich von Menschlichkeit überhaupt nichts verstehe. Dies ist die pure Wahrheit. So oft rede ich vom Glücklichsein wollen, so oft wiederhole ich meinen Neid gegenüber den "Anderen", doch bin ich mir gar nicht sicher, ob ich solche Emotionen überhaupt gewachsen bin. Nein, ich war nicht mein Leben lang unglücklich, aber immer ein Stück zu realitätsfremd.
Vielleicht war ich schon immer das Problem, ohne es zu wissen. Doch sage ich das nicht in Schwermut oder verspäteten Gerechtigkeitssinn. Manches ist einfach so wie es ist, war wie es war.

Es liegt in der Impulsivität. Unser Instinkt sagte uns, wann wir den Kopf einziehen oder den Sprung wagen müssen. Genau sie selben Instinkte, die uns im richtigen Moment sagen, dass wir die Flucht ergreifen sollen oder einen Mörder aus uns machen.
Unpersönliche Wut oder unerklärliche Passion - theoretisch könnten wir jeden unserer Schritte mit Instinkten erklären.

~ + ~

Gestern hatte ich einen erneuten Termin bei der Agentur für Arbeit. Es war schrecklich, weil die Sachbearbeiterin mich nicht verstanden hat. Sie redete nur auf mich ein; in meinem Kopf drehten Instinkte und Hormone durch. Während sie von Amtsärzten und Neueingliederungen redete, wollte ich mir eine Klinge in den Magen stecken.
Um ehrlich zu sein, habe ich nicht viel von diesem Gespräch in Erinnerung. Das Schwein redete zu laut, meine Konzentration war einzig und allein gen Autoaggression gerichtet.

Ich sagte ihr, dass ich mir keine Arbeit zutrauen würde. Sie lachter nur kurz auf und sagte: "Aber ihr Arzt hat sie doch nicht mehr arbeitsunfähig geschrieben. Reißen Sie sich jetzt zusammen!"
Es brach mir das Herz. Ich wollte zu meinem Arzt, wollte eine Umarmung, wollte Fliehen, wollte Alkohol, wollte Tavor, wollte von der nächsten Brücke springen.
Nur mein Instinkt sagte mir, ich solle an Ort und Stelle sitzen bleiben und die Tortur weiterhin über mich ergehen lassen.

Nur sieht es so aus, als müsste sich ein Amtsarzt sich meiner annehmen - der arme Kerl. Die Agentur brauchte eine Aufhebung des Schweigerechts für meinen behandelnden Arzt.
Da der Termin sich einige Wochen hinziehen kann, muss ich an einer "Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme" teilnehmen. Für 12 Wochen!!
Jeden Tag mit Bus und Bahn, jeden Tag fremde Menschen um mich, jeden Tag Höllenqualen. Ich weiß nicht, ob ich das durchstehen kann.

Ich weiß es nicht. Wirklich.
Aber ich habe ja keine Wahl. Mein Instinkt sagt mir Folgendes:
Entweder du ziehst es durch oder du springst von einer Brücke. Ich kann es gar nicht mehr abwarten, den Aufprall zu hören.

Ein Lachen von der Klinge in meiner Haut. Was jetzt kommt, basiert auf erlentes Fehlverhalten. Da hilft auch kein Tavor.Oder Flurazepam.

Mittwoch, 19. September 2012

200. Leser und die neue Verlosung

Hurra! Da gibt es diesen Morgen dorch einen Grund zur Freude. Gerade habe ich entdeckt, dass ich jetzt zweihundert regelmäßige Leser habe.
Ich danke jeden von euch herzlichst! Über eure Kommentare freue ich mich jedes Mal sehr. Natürlich ist aber auch jeder stille Leser willkommen. 


So wie bereits angekündigt, wird es aus diesem Grund ein erneutes Gewinnspiel geben. Der Gewinner wird per Losverfahren entschieden.
Es handelt sich für den 1. Preis um ein von mir gezeichnetes Bild auf einer Leinwand in der Größe 24x30cm. Der 2. Preis sind zwei von mir bemalte 10x10cm Künstlerkartons.
Die Motive könnt ihr selbst wählen, bedenkt aber, dass es nicht allzu detailiert und dem Original getreu sein wird. Für einen wunschlosen bzw. offenen Gewinner würde ich mir aber auch selbst etwas ausdenken.

Wer beim Gewinnspiel teilnehmen möchte, muss einfach bis zum 26.9.2012, 18.00 Uhr einen Kommentar hinterlassen. (Am besten direkt bei diesem Post.)

Vielleicht gibt es dieses Mal auch ein Video zur Verlosung. Möchte aber noch nicht zu viel versprechen.

Jeder ist willkommen. Ich freue mich auf eure Teilnahme!

Montag, 17. September 2012

Verwirrt und instabil

Dieser Tag donnerte wie eine Bombe auf mein sowieso beantspruchte Nervenkostüm. Heute hatte ich meinen ersten Termin bei der Agentur für Arbeit. Dementsprechend konnte ich in der Nacht kein Auge zutun, bin murmelnd im Kreis gelaufen und habe versucht mit jedem Atemzug meine Tränen in Hoffnung zu ersticken.
Am Morgen schaute ich noch dreimal nach, ob ich wirklich alle Unterlagen eingepackt hatte; zur Sicherheit noch ein viertes Mal. Draußen war es frisch, vielleicht war ich auch nur zu leicht bekleidet. Die Sonne schien durch ein paar vereinzelte Nebelfetzen hinduch und schon vom Weiten konnte ich die Menschen am Bahnhof erkennen. Panik stieg in mir auf, langsam und schleichend. Mit jedem sich näherndem Schritt erschienen mehr und mehr Hände aus dem Boden, klammerten sich um meine Beine, um meinen Körper.

Die S-Bahn kam zu spät, deswegen konnte ich den Bus, der die Strecke zur Nachbarstadt direkt nimmt, nicht erreichen. Notgedrungen stieg ich in die Linie ein, die alle Dörfer einzeln abfährt und von Schulkindern überfüllt ist. Es war die Hölle. Kreischende Stimmen aus jeder Richtung, Rufe und Beleidigungen; das Abschreiben der Hausaufgaben - ein Schulranzen flog direkt an meinem Kopf vorbei.
Ich habe mich schützend an meinen Rucksack fest gehalten, habe versucht, nicht durch zu drehen. Ein Mädchen saß neben mir, keiner schenkte ihr Beachtung. Ihre Nase hatte sie tief in ein Geschichtsbuch gegraben. Ehrlich gesagt, umgab sie ein merkwürdig penetranter Geruch. 'Außenseiter' war ihr auf die Stirn geschrieben, ohne Buchstaben und Tinte. Sie war genau wie ich.
Bei der Schule stieg 90% der Fahrgäste aus. In dem Moment, in dem ich dachte, dass es jetzt besser werden würde, schossen mir Erinnerungen an die Schulzeit in den Kopf. Ein paar Tränen flossen und der Atem blieb mir stehen. (Noch war ich aber gewillt meinen Termin einzuhalten)

Nach mehreren quälenden Minuten kam ich bei der Agentur an. Meine Hände schwitzten und schon bei der Anmeldung sprach ich kaum hörbar und stotterte.
Geduldig füllte ich ein paar Zettel aus. Meine Schrift war kaum lesbar, weil ich einfach nicht aufhören konnte zu zittern. "Wäre ich im Dezember damals doch nur gestorben", wünschte ich mir heimlich. Schluss mit der Angst, Schluss mit den Gedanken.

Ab hier habe ich einen Filmriss. Mein Name wurde gerufen, dann war dort eine Frau, die mich prüfend ansah.
Eine Toilette, in die ich mich übergab. In dem Erbrochenen schwamm mein Schwein.

Mein Bruder musste mich abholen.

Im Auto sah ich aus dem Fenster und sah wie tausende von Vögeln vom Himmel stürzten. Wie ein Regen aus Pech. Das Schwein ist nun da und eine Wand.

Wird das nie zu Ende gehen?

Sonntag, 16. September 2012

Freitag, 14. September 2012

Spätsommerpoesie


 Plastikbecher, Papiergesichter, 
leere Augen und zerkratzte Münder; 
wie eine Kerze im Wind, 
verlasse ich den Traum der letzten Nacht.
Sekunden bleiben
um zu atmen, zu überleben.
Haare wehen im Wind
dieser einsamen Gassen; 
am Wegesrand gebettet
sterben die letzten Blumen des Sommers.




Nächtliche Gedanken füllen die Lücken zwischen den Wolken, 
fliegen hinaus ins Morgenrot,
damit ich die zitternde Haut ablegen kann;
wie die Stimmen in der Dunkelheit,
von denen ich dachte, sie wären nur ein Kindermärchen.
Das Flüstern einer Feder,
wie der Windhauch in der Fremde: 
Bald nun unerreichbar
die Wanderung der letzten Vögel des Sommers.


Donnerstag, 13. September 2012

Bin auf der Suche nach einem Sinn. Aber vielleicht halte ich nur die Augen offen, um eine Entschuldigung für dieses Leben zu finden....

Mittwoch, 12. September 2012

Barcode

Als ich aus einem indizierten, traumlosen Schlaf erwachte, waren hunderte Barcodes über meinen Körper tatowiert. An jeder Stelle, an der vorher eine Narbe war. N4877294 schlängelte sich durch die Haut meines Handgelenkes, auf der Suche nach der Injektionswunde.
Stimmen hallen zwischen meinen Knochen wieder. Vielleicht sind es Echos der Ärzte und Krankenschwestern, vielleicht auch lautgewordene Gedanken, vielleicht auch der letzte Aufschrei meiner verbliebenden Selbstachtung.

Ab einem bestimmten Punkt habe ich aufgehört zu atmen, weil das Flüstern meiner Lungen mich mit Dunkelheit füllte. Ich atmete Licht ein und schluckte mich selbst im Ganzen.

Der Kuss von Schmetterlings-Nähten und Bandagen hielt meinen Verstand im Rahmen. "Wieso bin ich mit einem gebrochenem Herzen gesegnet?", sprach ich zu Gott, sehnte mich nach Antworten, die mir mehr als Feinseligkeit und Trauer gaben.
Mein Kopf fühlte sich schwer an, blutete bedeutungslose Worte auf leeres Papier. Der weiße Korridor hielt keine Fragen mehr, darum hörte ich auf nach dem Sinn zu suchen.

Krankenhäuser sind nur ausgeschmückte Leichenhallen.

Die Bardcodes verdeckten nur das Leid, welches tiefer unter der Haut verborgen lag. Ob der Arzt wusste, was er in mir für einen Sturm auslösen würde, als er mich heute Morgen mit "Alles Gute zum Geburstag" begrüßte?

Montag, 10. September 2012

Kehrt man zurück um sich selbst zu quälen?

Ich bin wieder hier. An dem Ort von "damals". An dem Ort, in dem ich geboren wurde und aufgewachsen bin.
Warum ich hier bin? Wahrscheinlich um mir selbst zu schaden. An jeder Ecke lauern Erinnerungen, an jedem Stein klebt ein Stück Schmerz. Am Liebsten würde ich mich die Jalousien herunterziehen und dieses Zimmer nicht verlassen, doch halten sich erschreckende Gedanken nicht weniger zurück als Draußen. Mein Kopf dreht sich. Mir fällt es schwer auch nur eine Bewegung zu tätigen ohne in Angstschweiß aus zu brechen. (Obwohl sich die wirklich "schlechten" Dinge noch nicht blicken lassen haben.)

"Vielleicht schreibst du ein paar dieser Erinnerungen auf, um sie zu sortieren", dachte ich mir:




Sechs
Als Kleinkind sagte ich zu meinen Brüdern, dass ich eine Elfe sein möchte, wenn ich Erwachsen bin. Oder ein Vogel, oder ein Geist - etwas mit Flügeln, damit ich eines Tages die Wolken berühren könne.
Erst nachdem ich von einem Baugerüst sprang, verstand ich, dass Elfen nicht real sind.
Auf dem Weg zum Arzt ignorierte ich das Fluchen meiner Mutter, weil mich schon allein der Gedanke an eine Zukunft, in der ich dem Himmel nicht nahe sein kann, ängstigte.

Mein Handgelenk war verstaucht und ich hatte eine kleine Platzwunde am Kopf. Vielleicht lag es nur an einem Schädeltrauma, aber ich schwöre, damals sah ich einen Engel fliegen. Hoch über mir, unerreichbar.


Fünf
Schon ziemlich früh habe ich gemerkt, dass ich mit Menschen nicht kompatibel bin. Nicht nur ihre Gefühle und Regungen sind mir ein Rätsel, und ehrlich gesprochen auch ein Grund zur Nachfrage, sondern scheinen mir viele ihrer Grundvoraussetzungen und Lebensweisen schlichtweg falsch.
Wahrscheinlich verstehe ich selbst nicht, warum ich immer versuche mich Allem anzupassen oder Anforderungen gerecht zu werden. (Nunja, wahrscheinlich scheitere ich seitdem "Anpassungsstörung" groß auf meiner Stirn geschrieben steht.)

Als meine Mutter noch da war - etliche Jahre ist's her -, fragte ich mich andauernd, warum sie jeden Tag verschiedene Tabletten schluckte, fragte mich, ob sie eine tödliche Krankheit hätte. Inzwischen begreife ich, dass sie sich nur den Schmerz erträglicher machen wollte; das Zerbrechen von Geschirr, die ständigen Streitereien, die kaputten Kinderseelen, den Job, die Erinnerung - ob wohl all diese Pillen - wenigstens ihr - geholfen haben?


Vier
Sehe ich Menschen Alkohol trinken, bricht mir das Herz. In mir schreit es förmlich "Sie brauchen Hilfe, sie brauchen Hilfe!", auch wenn das - natürlich - nicht immer der Fall ist. Mit der Zeit habe ich verlernt, wie man Spaß und Abhängigkeit voneinander unterscheidet. Vielleicht ist mir aber auch nur nicht bewusst, dass ich nicht so sein muss wie er.

An einen Vorfall kann ich mich momentan besonders gut erinnern. Mein Vater und ich waren auf einem Familienfest, wahrscheinlich der Geburtstag eines Verwandten. Alkohol floss in Unmengen, das brauche ich nicht zu erwähnen.
Es wurde gelacht, gesungen, gegröhlt, geschunkelt - alles das, was den größten Teil meiner Familie ausmacht. 

Als wir uns auf den Weg nach Hause aufmachten, war es bereits finster und ausschlaggebend kalt. Ich rieb meine Hände aneinander, um mich wieder zu erwärmen. Zugegeben: Wenn jemand viel Alkohol vertrug, war es mein Vater, doch selbst für ihn war diese Feier zu viel. Zu erkennen war das an seiner zerfahrenen Sprache und dem schwankenden Gang.
Unverständlich nuschelte er einige Sätze vor sich hin. Die Situation war unangenehm und zog sich dementsprechend in die Länge. Wir waren schon kurz vor unserer Haustür als mein Vater einen Stein übersah und zu Boden fiel. Um ihm zu helfen, griff ich nach seinem Arm und wurde nur mitgerissen.

Als ich dort unten lag, sah ich das Schwein zum ersten Mal.


Drei
In der Schule habe ich während des Unterrichts immer meine Blöcke vollgekritzelt. In einer Lateinstunde fragte mich die Lehrerin: "Ist das hier ein Kunstkurs?"
Sie griff nach den Zetteln, doch ich schob sie schnell näher an mich heran. Danach sagte sie in einem befehlenden Tonfall: "Schmeiss' das Weg, sonst fliegst du aus diesem Unterricht!"

Ich habe nur meinen Block geschlossen und bin sitzen geblieben - darauf wartend, dass diese Strafe endet.

Ich warte noch immer.


Zwei
Meine Mutter wollte, dass mein Vater einen Entzug macht.
Doch sobald sie seinen Namen im Zusammenhang mit "Krankenhaus" erwähnte, sagte er ihren Namen mit "Verschwinden": Ihr Schreie sind wie ein Tattoo in meinem Kopf.

Es war mir nie möglich zu schlafen.


Eins
Zusammen mit meiner besten Freundin saßen wir oft unter einer Brücke in unserem Heimatort. Damals schon haben wir oft über Selstmord geredet.
Immer wenn ich an dieser Brücke vorbei komme, verspüre ich den überstarken Drang mir weh zu tun. Ob diese zwei Tatsachen zusammenhängen?

    Samstag, 8. September 2012

    Unser Werk - Nummer 3

    Die Beitrag sind jetzt alle online. Bitte lest sie euch durch und kommentiert, die Schreiber freuen sich bestimmt.

    Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben und durch mein Bild eine Inspiration gefunden haben.

    Freitag, 7. September 2012

    Zustimmung

    Meine Krankenkasse hat einer Kurzzeitbehandlung zugestimmt. Das ging so schnell, dass man den Eindruck gewinnt, sie hätten darauf gewartet.


    Obwohl ich mich freuen sollte oder vielleicht Hoffnung schöpfen sollte, sehe ich mich nicht in der Lage weder-noch zu empfinden.
    Verspreche ich mir Besserung durch eine Therapie? Ich erhoffe sie mir, doch Zweifel bleiben bestehen.

    __________________

    Wer noch einen Beitrag für "Unser Werk 3" hat, kann mir bis morgen Abend beruhigt noch alles an diese Mailadresse senden. =) Ich freue mich darauf!

    Donnerstag, 6. September 2012

    Eine Art Katharsis

    Bist du jemals im Sommer auf einem Berg geklettert? Obwohl die Bäume dir Schatten und Kühlung spenden, schwitzt du aus jeder Pore, weil du nicht in Form bist. Eine Stimme in dir schreit in regelmäßigen Abständen “Wer rastet, der rostet”, doch kommst du nicht drum herum dich bei jeder Sitzgelegenheit zu bequemen.
    An der Spitze angekommen, wirft dich der Anblick beinahe aus den Schuhen. Du kannst kilometerweit in die Ferne sehen; der Wald, der sich unter deinen Füßen erstreckt, scheint endlos - fast wie ein grüner Ozean.
    Verträumt schließt du deine Augen. Für diesen Augenblick ist das absolut Alles, was du brauchst.

    Hast du jemals eine Lüge erzählt? Du stehst mit diesem Fehler auf und gehst wieder mit ihm ins Bett. Das Telefon klingelt unentwegt. Wenn das nicht der Zeitpunkt ist, die Wahrheit zu sagen, kommt dieser auch nicht mehr. Der bekannte Klingelton hallt in deinem Schädel wie ein Echo aus der Hölle - und mehr geschieht auch nicht.
    Dein Gewissen verfolgt dich - im schlimmsten Fall über Monate hinweg. Dieses schmutzige Geheimnis gräbt sich in die dunkelsten Träume, kehrt immer wieder zu dir zurück.

    Hast du dich jemals sicher gefühlt? Wie in diesem Haus mit der warmen Feuerstelle, in der Ecke stehen verstaubte Lampen. Mit einem Buch in der Hand werden Wörter wie “Liebe”, “Eines Tages” oder “Ich verspreche es” riesengroß.
    Die Welt verschwimmt zwischen Fingern, Lippen und Hüften. Es ist alles schon einmal gesagt worden, schon einmal getan worden, doch so endet es nun einmal immer.
    Keine deiner Fragen sind beantworten, vielleicht haben sich auch nur noch mehr zusammengehäuft, aber gerade ist das gleichgültig. Hier sind nur sanfte Hände: das Gefühl des Fallens und des Friedens.

    Bist du jemals verrückt geworden? In Selbsthass schlägst du auf dich ein, versuchst den Wahnsinn aus dir heraus zu holen. Überflutet von Negativität, von Verzweiflung, werden Lügen deine einzige Wahrheit. Nur weil du davon gesprochen hast, daran gedacht hast, davor Angst hattest.
    Diesen Tag markierst du rot in deinem Kalender: Dies ist der Tag, an dem alles Gute aus deinem Leben verschwand.

    Bist du jemals wirklich dankbar gewesen? Für die Ignoranz der Menschen, die du Familie nennst; für die Ansammlung der dümmsten Leute im Fernsehen; für die Überziehung deines Bankkontos; für das Geräusch, wenn deine Freunde lachen. Eins prominenter als das Andere, sie bringen dir Komfort - jedes auf seine eigene Weise. So musst du dich nicht mit bedeutungslosen Selbstverbindungen rumplagen - sprich: Deinem Gehirn. Das ist deine alte Macke der Über-Kompensierung. Warst du schon einmal richtig dankbar für alles, was du liebst und was du hasst?

    Hast du jemals vor einem Ende gestanden? Eins von dem du wusstest, dass es letztendlich kommen würde, obwohl du es nicht wolltest. Es sind immer die Enden, die man am meisten zu verdrängen versucht, die man prinzipiell selbst kreiert hat.
    Wenn es da ist, wünscht du dir, du hättest den Mut, dein Auto vor einen Baum zu setzen. Doch weißt du, du musst noch viel mehr Leid in deinem Leben ertragen, viel mehr als das hier. Es ist nur sehr Schade, dass ein Ende immer viel größer erscheint als die Zeit, die vorher war.

    Hast du jemals dem Tod ins Auge geblickt? Sein Aufgang vom Horizont wie eine Armee aus Stillgeburten. Eine Mutter tötet fünf Kinder, zwei von ihr, zwei von ihrer Schwester und eins ihrer Freundin. Danach erschießt sie sich selbst. Du würdest gerne darüber weinen, aber du hörst solche Geschichten viel zu oft im TV und Radio, liest es in den Zeitungen. Nicht, dass du gefühllos wärst, aber der Tod kommt für Alle. Dieses Wissen hat dich kalt gemacht - oder überempfindlich; so, dass du schon gar nicht mehr davon sprechen kannst.

    Bist du schon jemals nicht du selbst gewesen? Dein Körper ist das Ventil für all die Ideen in deinem Kopf. Schmerzen interessieren nicht, weißt gar nicht, woher diese Überflutung plötzlich kommt. Dein Herz ist schwer, aber auch nicht wirklich mit dir verbunden: Irrelevant.
    Die Menschen um dich herum sagen: “So kenne ich dich gar nicht” und du denkst nur: “Ich auch nicht.”

    Mittwoch, 5. September 2012

    Nachtgedanken und Zigarettenkonsum

    "Vielleicht ist es hilfreich, seine Gedanken vor dem Schlafengehen aufzuschreiben, damit dieses Zwangsgrübeln nachlässt.", war ein mehr oder minder hilfreicher Hinweis. Was gestern dabei raus gekommen ist, könnt ihr hier lesen:



    Ich möchte den Himmel aufschneiden wie eine Arterie
    Möchte sehen; begreifen
    was eine Nacht wirklich bedeutet
    für dieses Leben, welches ich durch Filmglas sehe
    durch insomnische Iriden;

    Doch die Gedanken bleiben nicht stehen
    kreisen wie der Pfeil in einem Kompass,
    keine Klarheit bewegt sich vor meinen Augen,
    erkenne Dunkelheit und Kohlenstoffdioxid.

    Pillen helfen mir beim S.C.H.L.A.F.
    Mein Körper entschwindet in Dekadenz,
    "Nur die Hülle! Nur die Hülle!",
    ruft der ausgehungerte Geist.

     Aus dem Schatten hallt ein monotones Piepen,
    muss ich mich ihm enthüllen?
    Muss ich mich aufreißen um mein Innerstes zu zeigen?
    (Nicht wegen dem Nervenkitzel,
    sondern als Beweis, dass ich existiere.)

    Wortloses Flüstern kriecht aus Larven-Kissen und Motten-Bettdecken,
    ich höre Vergänglichkeit, ein Schluchzen und brechendes Geschirr
    Vielleicht war auch ein Herz dabei,
    Ruhe finde ich lediglich in Zigaretten und Tee.
    Buch um Buch konsumiere ich:
    In der Hoffnung
    das Wissen zu erhalten
    wie ich Schreiben kann ohne mir die Finger zu brechen,
    wie ich Atmen kann ohne mir den Kopf zu brechen,
    wie ich Leben kann ohne mir das Herz zu brechen,
    wie ich Sterben kann ohne ein Versprechen zu brechen.

    ____________

    Wenn ich etwas an dir hasse, ist es die Tatsache, dass du keinem Geschmack der Welt treu bleiben kannst. Menschen mit definitiven Gedankenstrukturen sind doch viel einfacher zu akzeptieren. Es machte mich schier wahnsinnig als du mir sagtest, du hättest keine 'Standartzigaretten', du würdest 'alles rauchen'.
    Als Raucher keine Lieblingsmarke zu haben ähnelt einem Fußballfan, der alle Mannschaften mag. Oder mehrere Geliebte gleichzeitig zu haben und eigentlich keine zu begehren.
    Was soll das?

    Als ich mir an der Tankstelle Zigaretten kaufen wollte, konnte ich mich plötzlich nicht mehr entscheiden. Die Sorte, die ich sonst immer wählte, erschien mir auf einmal kontrovers. Es gab zu viele zur Auswahl, bildlich gesprochen eine ganze Wand voll Gift.
    Ich fragte den netten Herrn an der Kasse, welche Sorte der Krebs bevorzugt und erntete nur schiefe Blicke.
    "Kann ich Ihnen helfen?", fragte er doch tatsächlich. Wie soll man mir helfen können, wenn alles woran ich denke, deine schmutzige Wäsche, sprechende Schweine und schwarz-weiße Farbverläufe sind.

    "Ich nehme dich gleichen wie immer."
    "Die da wären?"
    "Die, die sonst keiner nimmt."

    Mehr schiefe Blicke.

    Wenn ich dich das nächste Mal treffe, schenke ich dir die teuerste Packung, die sie hatten. Wenigstens gehst du dann mit Qualität unter.

    __________

    Dienstag, 4. September 2012

    Unser Werk - Erinnerung

    Muss leider zugeben, dass es bisher ziemlich wenige Beiträge zum dritten Teil von "Unser Werk" gibt. Zwei, um genau zu sein. Ihr könnt mir bis Samstag um 18.00 Uhr noch eure Beiträge senden bevor ich sie online stelle. Vielleicht werden es ja noch ein paar mehr. =)

    Mehr Infos zum Thema findet ihr hier.
    Das Bild, um welches es sich handelt, könnt ihr auf der entsprechenden Unterseite sehen.

    Seid nicht schüchtern und sendet mir alles, was euch einfällt.

    Vielen Dank!

    Verpasste und abgepasste Gelegenheiten

    Als ich heute aufgestanden bin, ging es mir erträglich gut.

    Diesen Satz habe ich absichtlich an erster Stelle geschrieben, nicht aus Liebe zum Chronologischen, sondern um die Vergangenheitsform zu unterstreichen. Seit Langem hatte ich so wenig Probleme beim Aufstehen, normalerweise liege ich noch mindestens eine Stunde im Dunkeln, quäle mich mit kreisenden Gedanken und lausche meinem schmerzenden Herzschlag.

    Heute Morgen allerdings erwachte ich und fühlte kein tonnenschweres Gewicht auf meinen Schultern. Abgsehen von Müdigkeit, die nunmal nicht zu verhindern ist.
    Wahrscheinlich lag es daran, dass ich heute endlich wieder mal einen Grund hatte auf zu stehen; sei er auch noch so nichtig: Ich hatte einen Arzttermin.

    Pflichtbewusst machte ich mich auf den Weg und überwand schnell anfängliche Zweifel und Ängste. Überraschenderweise traf ich meinen Arzt schon vor dem Praxiseingang - beim Fegen des Weges. Da soll noch einmal jemand behaupten, ein Arzt lässt alles seine Helferin erledigen.

    Es dauerte nicht lange bis er mich hereinbat und wir uns unterhielten.
    Zuerst ging es wie gewöhnlich um die Medikamenteneinnahme und meinem jetztigen Gefühlszustand. Auch wenn ich mich bemühte alles wahrheitsgetreu zu erläutern, hatte er Schwierigkeiten damit, mich zu verstehen. Ich muss auch ehrlich bestätigen, dass mein sprachlicher Ausdruck nicht dem meines Schriftlichen entspricht.
    Nach ein paar Minuten haben wir uns entschlossen, die Dosis meines Anti-Depressivums zu erhöhen. Damit wäre ich wieder an der Stelle, an der ich schon vor knapp einem Jahr war.

    Danach fragte er mich, ob ich mir wirklich wieder zutraue zu arbeiten. Obwohl mein Herz im Inneren "Ich kann nicht" schrie, mein Gehirn mit "Du musst" konterte, sagte ich leise "Ich möchte es versuchen". Ich weiß nicht, ob ich es schaffe; bin von dem Gedanken allein schon vollkommen überfordert. Der Gang zum Arbeitsamt, Bewerbungsschreiben, Gespräche... das macht mir mehr Angst als es eigentlich sollte.
    Zu rein gar nichts zu gebrauchen, so beschreibe ich mich selbst. Wäre ich nicht so ein Versager, wüsste ich wenigstens, was ich für Jobvorstellungen habe. Nicht einmal die habe ich.
    Lächerlich.

    Der Arzt schlug mir eine Rehaklinik vor, die ich dankend ablehnte - aus mir noch unbekannten Gründen. In meinem Kopf drehte es sich nur ums Geldverdienen, ums "Wieder-den-Arsch-hochkriegen". Die letzte Chance der Klinik habe ich nicht genutzt, warum sollte es dieses Mal besser sein?
    Nein, diesen Schritt wage ich noch nicht - ich muss arbeiten. Ich muss. Ich muss. Ich muss. Es gibt so viel, was monatlich gezahlt werden muss - Miete, Versicherungen, Nahrung, Verkehrsmittel,... Wie soll ich das alles vom Krankengeld alleine bezahlen?

    Ich muss. Ich muss. Ich muss.

    Als würde er meinen Konflikt bemerken, fragte er noch einmal nach.
    "Sie wollen wirklich nicht noch länger krank geschrieben werden?"

    Psyche: Doch.
    Gehirn: Nein.
    Mund: "Danke, aber ich habe schon einen Termin bei der Agentur für Arbeit und ich denke, die werden sich schon um mich kümmern."


    Nachdem er hörte, dass ich nicht wieder in eine Klinik gehe, bot er mir einen ambulanten Therapieplatz an. Das schockte mir regelrecht. Nicht nur einmal habe ich ihn schon gefragt, ob er Plätze frei hätte, doch jedes Mal verneinte er. Bis ich die Hoffnung schon aufgegeben hatte - bei anderen Therapeuten auch immer wieder abgeblitzt bin und kaum noch den Mut hatte, irgendwo nach zu fragen.

    Der Antrag auf eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist nun ausgefüllt und wird zur Barmer geschickt. Wenigstens habe ich diese Gelegenheit nicht sausen lassen.

    Gut fühle ich mich trotzdem nicht.
    Ich dachte, ich wäre glücklich, wenn ich endlich einen Platz finden würde, aber gerade scheint alles so sinnlos und auswegslos. Der Gedanke gibt mir keinen Halt mehr, verspricht mir keine Hilfe der Besserung.

    Es ist kalt in mir drin. Ich weiß nicht, warum ich immer wieder auf der selben Stelle trete, immer wieder an den gleichen Ort zurückkehre.




    Samstag, 1. September 2012

    Beim Kotzen denke ich an unvergessene Gesichter

    Wenn ich nicht schön sein kann, möchte ich wenigstens unsichtbar sein.

    Genau wie der Abspann eines Kinofilms - so viele Namen, die vor ihren Augen ablaufen, und keiner schaut hin. Wenn der Film zu Ende ist, gibt es da nichts anderes. Darin liegt das Vergessen in all die Arbeit, die in der Vergangenheit investiert worden ist.

    Das Vergessen schmeckt wie Blut. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ein  Klassenkamerad mir im Sportunterricht einmal die Lippe blutig geschlagen hat - unabsichtlich, das rede ich mir zu Mindest ein - und ich wie in Trance über die Wunde geleckt habe. Nichts konnte erklären, warum der metallische Geschmack plötzlich salzig war, warum der Schmerz plötzlich dumpf und all-umfassend war.
    Genau so muss auch das Vergessen sein: Zuerst umhüllt es dich in Vollkommenheit und dann ist dort Leere. 

    (Blut ist immer vorhanden, damit ich nicht vergessen kann, dass ich noch immer da bin.)

    Ein Arzt würde es als Bulimia Nervosa bezeichnen, für mich ist es nur eine Entschuldigung dafür, Menschen vergessen zu wollen. Denn ich habe sie alle gegessen, in Verdorbenheit und Körperflüssigkeit.
    Jetzt wünsche ich mir nicht mehr als sie wieder aus mir heraus zu holen, sie vergessen zu können.
    Meine Lungen brennen; Rotze läuft aus meiner Nase. Ich benutze meine Hände, um mit Druck auf meinem Bauch die Schwerkraft zu überlisten. Aus mir steigt euer Gift, die Asche eurer Bösartigkeit.
    Also spucke ich, vergesse und schmecke immer noch Blut auf meinen Lippen.

    Wenn ich nicht schön sein kann, möchte ich wenigstens unsichtbar sein.