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Mittwoch, 31. Oktober 2012

Ich bin unwichtig

Für mich sind diese Worte eigenartig wichtig. Wahrscheinlich weil ich selbst keine Antwort kenne und nur zu viele Fragen stelle.

Es ist so viel passiert und eigentlich auch gar nichts. Jede Nacht wie die die Vorherige, doch ist diese Nacht der nächste Tag für mich. An das Gefühl Freude kann ich mich nicht mehr erinnern. Und das sage ich nicht in einem flüchtigen Moment der Unbedachtheit. Es ist aus meinem Gedächtnis verschwunden. Desto mehr ich mich zu erinnern versuche, desto weiter entfernt sich Freude von mir.
Vielleicht bin ich schlichtweg ergreifend undankbar. Für mein ganzes bisheriges Leben. Denn immer, wenn ich Leute sagen höre, das alles wieder besser wird, mache ich mich heimlich darüber lustig - im ironisch, skeptischem Sinne. Zu einem wäre da das Wort “wieder” in diesem Satz, welcher mich zum stutzen bringt. Mein Leben mag ja nicht die Hölle gewesen sein, verglichen mit schwereren Schicksalen, doch wirklich unbeschwert glücklich war ich nicht. Immer gab es ein Wenn, immer gab es ein Aber - eine Sorge, ein Hindernis, Verletzungen und Unwürde.
Zum Anderen vermag ich derzeit an Worte wie “besser” nicht zu glauben. Ich weiß gar nicht, was das heißt. Es gibt keine Zeit in meinem Leben, zu der ich zurück kehren möchte, möchte nicht hier sein und vor der Zukunft habe ich nur Angst.
”Besser”… “Besser” heißt gut ohne Bedeutung.

Diese Gedanken jagen mich. Auch wenn man sein Leben selbst in die Hand nehmen muss, fühle ich mich unwirklich. Wann ist es zu lang Krümel des Glücks stets hinterher zu jagen? Wie ein lächerlich, verzweifelter Idiot; immer wartend. Aus was genau? Was erwarte ich vom Glück oder der Freude?
Meine Augen brennen. Nicht von Tränen, denn diese scheinen mir versiegt. Sie brennen vor lauter Möglichkeiten, die das Leben bereit stellt und ich sie nicht sehen kann.
Es sind immer nur diese einseitigen Einschnitte. Diese Bruchstücke von “Gut”.

Die letzte Nacht verbrachte ich im Krankenhaus. Leider kann ich mich nicht erinnern wie genau ich dahingekommen bin und kann nur ablesen, warum ich dort war. Alles, was in meinem Gedächtnis hängen geblieben sind, sind Schweine, Hunde und das Aufgeben von Geistern. (Der Arzt nannte es psychotischer Schub. Aber da ich am gleichen Tag wieder aus dem Krankenhaus kam, konnte es nicht so schlimm gewesen sein.)
Mein Bruder hat mich ins Krankenhaus gefahren. Ich glaube, ich fühlte mich warm, trotz der lauten Stimmen. Es schmeckte nach Emotionen, die Fahrt in die Nachbarstadt. Keine furchtbaren Emotionen, sondern kristallklare, unverschwommene Emotionen, die man mit nichts Anderem verwechseln kann.

Nachdem ich mich auf der Station dank der unendlichen Kraft der Benzodiazepine beruhigt hatte, dachte ich über Liebe nach. Ist das nicht krank? Auf eine bizarre Art und Weise. Ich denke nicht über diese Thematik nach. An einem bestimmten Punkt hatte ich damit einfach abgeschlossen und aus meinen Gedanken verbannt.
Sucht man bei der Liebe nach Vergebung? Sucht mach nach Verständnis? Sucht man nach genau solchen strikt definierten Gefühlen, wie ich sie im Auto hatte? Möchte man sich einfach näher sein? Möchte man das Wissen, dass man jemandem wichtig ist?
Liegt es einfach auf einer gegenseitigen Basis von Zusammengehörigkeit und ist eigentlich auf Persönlichkeit, Lebenseinstellungen und Erfahrungen abgestimmt?

Genauso wenig wie ich mich an Freude und Glück erinnern kann, kann ich mich an Liebe erinnern. Diese war vielleicht auch niemals da. Mit Menschen war es für mich immer nur ein Spiel. Wenn sie nur weit genug von mir entfernt waren, konnte nichts geschehen. Desto näher sie kamen, desto ferner entrückte mein Geist der Realität. Deshalb kann Liebe für mich nicht real sein.

Kann man jemand Unrealen wie mich überhaupt lieben?

Wie gewöhnlich sind meine Schlafgewohnheiten nach einem “psychotischen Schub” sporadisch und unvorhersehbar. Die Fragen kreisen einfach zu viel.
Gerade bricht der Morgen heran, zerbricht die Dunkelheit dieser schlaflosen Nacht.
Alles zerbricht. Meine Gedanken, meine Hoffnung, meine Verzweiflung. Ich bin Nichts.

Freitag, 26. Oktober 2012

Hunger

Es verschwindet nie.

Dieses zehrende Gefühl bleibt, bettet sich auf bestehender Hoffnunglosigkeit. Und es verschwindet - einfach - NIE.

Mit ihren Händen umklammert sie ihren Kopf, versucht den Hunger aus ihrem Gehirn zu pressen. Fort vom Knurren ihres Magens, fort vom Zittern ihrer Beine.

Nichts funktioniert, weil auch gar nichts Wichtigkeit in ihrem Leben hat. Sogar wenn der Schmerz für einige Minuten verschwindet - wenn es gerade nicht kratzt, beißt, schreit und quält -, kommt es zu schnell zurück. Irgendwann wartet sie einfach darauf, dass es wieder weh tun wird. Somit verbringt sie ihre Zeit in Tränen und Angst.
Unfair. Wie unfair, dass dieser Hunger sie konsumiert.

Sie ist hungrig, wenn sie alleine ist; ist hungrig in Gesellschaft; ist hungrig, wenn sie isst, wenn sie schläft, wenn sie lacht, wenn sie weint.

Der Wind weht stärker. Heult in beklemmender, bitterer Eile. Wie gern wäre sie mit ihm geflogen. Nur noch ein letzter Atemzug und dann würde sie sich auflösen.
Doch wenn sie ihren Mund öffnet, entflieht einzig und allein der Hunger.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Verbrennungen Dritten Grades

Eigentlich hatte ich mir selbst versprochen, diesen Text nicht zu schreiben.

Ich saß in dem Sessel, der niemals deinen Geruch angenommen hat. Starrte die Bilder an der Wand an, in denen du niemals aufgedruckt warst. Verzweifelt beharrte ich darauf, mir ein zu reden, dass diese Zeilen eine Illusion bleiben werden. Blau-gefleckte Worte starben in den tiefsten Abgründe meiner Gedanken; verschwanden zwischen Spinnennetz-Träumen und Tränenleeren-Wünschen der vergangenen Jahre.

Selbst meine Finger rebellierten als sie Buchstaben ausbluteten. Auch sie waren die Flüche leid, die Proteste und die eintönigen Denkmuster. Mit Umschreibungen beschönigten sie die Toxine, verpackten und umhüllten bis sich sicher zu halten waren.
Wenn man ganz leise war, konnte man sie hören. (Lausche! Lausche nur! Es wispert nocht!)

Die Wahrheit war eine Flamme, die sich aus Tinte erhob und sich meinen Armen hinauf schlich. Meine Haut roch verkohlt, ich fühlte den Schmerz in jeder Zelle.
Ob ich daran glaubte? Ich glaubte, dass diese Verbrennungen niemals geheilt werden können. Dafür waren sie immerhin da. Als Mahnmal, als Erinnerung, als Narbe.

Die Schande trug ich mit Scham und Stolz - zur gleichen Zeiten.

(Heute habe ich über ihn geschrieben. Wort für Wort habe ich verpackt, was ich sorgfältig in meiner Kiste der Vergangenheit verrotten ließ. Obwohl es mich nie los ließ, ließ ich es doch gehen - zu weit gehen. Viel zu weit. Es macht mich kaputt. Er, sie, alle, damals. Vergessen macht kaputt, weil es eigentlich nur vergraben ist.)

Teilen kann ich diese schändlichen Worte mit Niemandem. Mein Geheimnis, meine Schuld, meine Last zu tragen. Aus diesem Grund schreibe ich Texte, die die wahren Gedanken verschleiern. Weiterhin verschleiern.
Die Flamme schweigt nur und bewegt sich weiter über meinen Kopf. Sind erstmal Moral und Logik ausgelöscht, werde ich mich voll und ganz ins Disaster stürzen.

Was bringt es zu schreiben, wenn Geheimnisse dadurch nur wachsen? Mich noch einsamer machen als davor?

____________

Als ich gestern Abend beim Arzt war, fühlte ich mich seltsam unterfordert. Sonst ersticke ich regelrecht an der Angst vor dem Reden, vor den Fremdsein, vor Menschen - gestern wollte ich lediglich so weit entfernt sein, damit ich mich dissoziativen Fantasien hingeben konnte.
An der Stelle, an der ich Worte wie "EU-Rente" und "Gutachten vom Amtsarzt" gehört habe, war ich fort.

Jetzt bin ich da. Und gehe wieder.
Dabei ist es nicht so einfach wie es klingt. Ich gehe, weil ich mich nichts hier hält und nicht weil ich möche.

Wäre ich der hunderprozentigen Überzeugung, der Tod würde mich von diesen Grausamkeiten erlösen, würde ich wohl nicht mehr unter euch weilen.

Ich gehe jetzt. Aber eigentlich bleib ich doch hier. Oder auch nicht. Nur teilweise. Oh Gott, mein Kopf soll aufhören, sich zu drehen.

Montag, 22. Oktober 2012

Rauch ohne Feuer

Eine Seele wie ein Aschenbcher, sagte sie,
ihre Glieder aus Carbonfasern;
Das Aluminiumherz schlägt monoton
durch die losen Kabel-Venen.
Auf der Flamme tanzt sie
in ihr Verderben.

Doch was bedeutet schon ein kleines Feuer,
wenn man nichts mehr zu verlieren hat?

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Menschen. Pfui. Menschen.

Manchmal sind Nächte und Tage wie diese einfach zu verwirrend. Oder ich denke einfach zu viel über Perfektionsgesellschaften und individuellen freien Willen nach während ich in der Badewanne mit dem Haartrockner spiele.
Merkwürdig wie ich früher von so vielen Seiten verachtet wurde und nun Nachrichen bekommen, die berichten, wie gut sie mich nun verstehen.

Plötzlich habe ich einen Gott gefunden. Und ich sage einen Gott, weil ich seinen Namen nicht kenne, und zu ihm niemals finden würde. Er war auf dem Grund einer Flasche Billigbier. Zusammen mit seinen Jüngern, die nach Zigarettenasche und leeren Versprechen gerochen haben.



Ganz im Ernst: Gerade möchte ich einfach nicht über vergeudede Chancen und Vergangenheiten reden. Schon gar nicht über Menschen. Pfui. Menschen. Redet man darüber, bricht es auseinander. Diesen Haufen Scherben könnte ich nicht auch noch ertragen. 


Gott war es, der viel zu viel getunken hat. (Naja, und mein Vater.) Darum gibt es keinen magischen Erlösungs-Knopf. Die Sterne werden grauer und grauer; plötzlich verwandeln sie sich in Sonnenlicht und meine Augen werden geblendet. Kopfschmerzen sind die Folge.
Es wäre schön, wenn mein Körper meiner dünnen Seele gleich tun würde. Doch trotz aller Mühen platzen nur die Nähte.

Mitten in der Nacht wache ich auf und versinke im Selbsthass, weil ich nicht mal in meinen Träumen Ruhe finden kann perfekt sein kann.

Ich habe keine Ahnung, was Liebe ist, wie sie sich anfühlt. Dabei studiere ich Verhalten und beobachte mit Adleraugen. 
Eigentlich möchte ich gar nicht wie 'die Anderen' sein, doch ihr Leben hätte ich manchmal schon zu gerne. Würde gerne wissen, was Geborgenheit bedeutet oder Offenheit - ganz ohne Alkohol und Medikamente. Aber hey, in letzter Zeit schaffe ich es während eines Chats zu reden. Dank dem Fortschritt der Technik hat sogar jemand wie ich eine Möglichkeit gefunden, sich mit zu teilen. Den Menschen gegenüber. Pfui. Menschen. 

Ich hab nicht mehr richtig geschlafen seitdem sein Vater gestorben ist. Obwohl ich noch sein Lächeln in Erinnerung habe, sehe ich nur Schreie und Schmerzen. Vielleicht sehe ich einfach seine Seele, nicht mehr sein Gesicht. "Einfach nicht daran denken", wiederhole ich hartnäckig. "Es kann nichts mehr passieren". 

Doch kann ich nicht schlafen, nie schlafen. Halten mich keine Alpträume wach, sehe ich nur viel zu große Hände. Die Galle steigt mir in die Kehle. Tränen rollen über mein Gesicht. Was haben Menschen nur aus mir gemacht? Menschen. Pfui. Menschen.
Aber wahrscheinlich ist es meine Schuld, weil ich sie einfach gewähren ließ. Entschuldige bitte, Ich.

Montag, 15. Oktober 2012

Selbsthass (Warnung! Evtl. triggernd)

Mit jedem Tag, der vergeht, wächst nach und nach ein schier endloser Selbsthass. Es ist wie ein Feuer, welches nie an Intensität nachlässt oder doch eines Tages in der Dunkelheit des alltäglichem Lebens erlischt. An manchen Tagen erscheint es als zaghafte Erinnerung, eine kleine Stimme im Unterbewusstsein, die sagt, dass Glück und Zufriedenheit nur was für schöne Dinge ist. Ich bin nur die Person, die einen Schatten wirft; den Rücken der Sonne gekehrt.
An anderen Tagen klebt der Selbshass regelrecht an mir; ähnlich wie ein penetranter Geruch, der einem immer wieder in die Nase steigt und immer wieder daran erinnert, dass man so nicht unter Menschen gehen sollte. Man bekommt diesen Gestank auch nicht los, egal, wie oft man sich wäscht oder wieviel Deo man auf die unerreichbaren Stellen zu sprühen versucht; es ist wie ein Teil von mir. Das zweite Gesicht, oder ein Nebel, der mich im Ganzen umhüllt.
Meist tut es jedoch nur am Anfang weh. Mit der Zeit ist es so natürlich wie das Ein- und Ausatmen der Lungen.

Als nächster Schritt folgt das Brennen uneinsichtiger Augen in das Spiegelbild. Sie Funkeln mit den Fragen "Wieso?" und "Wie?" bis ich mich selbst paralysiere. Oder einfach nicht mehr in den Spiegel blicken kann. Und eigentlich... ganz ehrlich gesprochen... kann ich das schon Jahre nicht mehr richtig. Nicht ohne Ohnmacht übermannt zu werden; nicht ohne eine unglaubliche Wut in der Magengrube zu verspüren. Das sind die Krallen der Hoffnungslosigkeit, die aus den tiefsten, dunkelsten Gewässern nach mir greifen. Ob es einen Boden unter meinen Füßen gibt, habe ich bis jetzt noch nicht herausgefunden.

Heute war es allerdings schlimmer. Es gibt keine poetischen Worte oder verschlüsselten Codes, die auch nur den Hauch davon einfangen könnten, was ich durchstand. Ich habe meine Reflektion in winzig kleine Stücke geteilt und sie ins Waschbecken geworfen. Vielleicht war ja Reinigung das, was ich brauchte. Eine Befreiung von jeglichem Schmutz und jeglichem hässlichen Gedanken, der meine Seele verfaulen lässt. Dort sind auch meine Sinne geblieben - die Restlichen, die ich nicht mit der Klinge aus mir heraus geschnitten habe.

Letztendlich bliebt ein furchtbares Chaos aus Blut und Nausea. Um genau zu sein, blute ich immer noch und mir ist immernoch übel. So tief habe ich mich bisher noch nie verletzt. Am ganzen Körper sind klaffende Wunden verteilt. Sogar der Teppich und die Badezimmerfließen sind rot-gefärbt.
Vielleicht wäre ich lieber zum Arzt gegangen, aber ich kann keinen Fuß mehr vor dem Anderen setzen. Es dreht sich in meinem Kopf. (Wer weiß, ob wirklich der Blutverlust die Ursache ist oder doch der Verstand, der mich einfach nur weiter drängt.)

Und oh Gott, dieser Schmerz ist so real und greifbar. Das macht den Selbsthass ein wenig erträglicher.
(Lasst das Schwein ausbluten. Tropfen um Tropfen. Verdient hat sie es, diese unnütze Verschwendung von Platz! Fahr' zur Hölle!)

Sonntag, 14. Oktober 2012

Das Brunnenprojekt

Da mir bekannt ist, dass bei Blogger viele krative Köpfe dabei sind, möchte ich mir die Zeit nehmen, euch das Projekt "Brunnen" vorzustellen. In die Welt gerufen, wurde es von Scoriat und ich bin auch schon seit einiger Zeit ein Teil von diesem Projekt.
Jeder, der gerne Gedichte oder Kurzgeschichten schreibt, der gerne zeichnet oder in einer sonstigen Art und Weise gerne künsterlisch zum Ausdruck bringt, sollte zwingend einmal hier vorbei schauen:

Projekt "Brunnen"

Dort gibt es auch genau Informationen, worum es geht und wie ihr Teil dieses Projekts werden könnte. Wir freuen uns riesig über jeden weiteren Interessenten und sind natürlich sehr daran interessiert, was ihr dem Projjekt hinzufügen könnte.
Natürlich könnt ihr euch direkt auf dem oben genannten Blog anmelden und eventuelle Fragen klären. Aber ihr könnt auch gerne mir schreiben und ich leite es weiter.

Bitte nehmt euch die Zeit und schaut vorbei.

Vielen Dank =)

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Schachteln

Jeder sagt, es wäre in Ordnung zu sprechen. Es wäre sicher, seine Maske der Sicherhheit abzunehmen und Menschen hinein blicken zu lassen. Doch daran glaube ich nicht. Die Sicht in mein Innerstes ist nicht sicher. Dort ist nicht alles organisiert und in Reihenfolge. Nichts ist perfekt mit Schleifchen und Herzchen verziert.
Überall sieht es anders aus. Man hat meinen Kopf gefunden, wenn man von Hinterhalten umgeben und ein Schritt weiter die seelische Gesundheit gefährdet.
Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass dieser Zustand der Geistes-Fluktuation ansteckend ist. Gleich einer Krankheit, die wie eine Rattenplage durch die Städte zieht. Ein Biss, ein Kratzer von winzigen Krallen und der Nächste bist du.

Aus diesem Grund bleibt ein Geheimnis ein Geheimnis, welches in einem unumgänglichen Stauraum verwahrt wird. Nicht auf Regalen gestapelt, sondern überall verteilt. Keiner kann es sehen, keiner kann es beurteilen. Geheimnisse sind überall, verteilt in einem Ozean der Gedanken. Hier und da ist eines der Schiffe versunken, lang ist's her.

So muss es wohl sein. Würde alles offen preisgegeben werden, könnte ich mich von abwertenden Blicken wohl nicht mehr retten.
Ärzte würden Gedankenfetzen in Boxen stecken und mit Diagnosen versehen. Bald schön wäre mein Kopf gefüllt mit lateinischen Worten und cleveren Zusätzen wie "chronisch" oder "polymorph". (Mit Vertrauen hat das nichts zu tun. Ich wurde schon oft sortiert und etikettiert, wurde beschriftet und zur Observation in verschiedene Einrichtungen gesteckt. Was ich am Meisten hasste, waren die Notizbücher, in denen sie jedes Wort und jedes Seufzen aufschrieben. Manche von ihnen nickten zustimmend oder schüttelten vorwurfsvoll den Kopf.)

"Sie haben sich schon wieder geschnitten? Die Wunden sehen diesmal ein wenig tiefer aus als sonst.", sagte mein Arzt heute zu mir. Mir wäre es lieber gewesen, wenn er mich einfach zusammengeflickt hätte. Es war nicht der richtige Zeitpunkt, etwas preis zu geben, was er sowieso schon längst weiß.

"Es gibt immer mehr Dinge, die aus mir herausmüssen", sagte ich leise. Zaghaft lächelete er. Er versteht es wahrscheinlich nicht, und das ist auch ok so.

"Was denn für Dinge?", möchte er wissen. Wieder sind die Geheimnisse gefährdet. Nervös schaue ich mich um. Die Wahrheit spricht mir schon aus den Augen, warum muss ich es auch noch aussprechen?

"Monster." Gut. Das war nicht zu spezifisch. Nichts, was ihm eine genaue Idee des Innersten gäbe.

Mit zusammegekniffenen Augenbrauen schreibt er auf seinem PC. Das Tippen lockt die Monster nur an. Die Stimmen warten nicht auf einen Ausweg. Sie reden, sie spuken, sie zerstören, sie stehlen.
"Wollen Sie mir mehr von den Monstern erzählen? Was sagen die Ihnen?"

Doch ich schweige. Ich bin keine Schachtel voller Diagnosen. Auch wenn ich den Arzt recht gerne mag, ich kan ihm nichts preisgeben. Will nicht sortiert, ausgeschlossen oder hineingeschoben werden. Noch kann ich das nicht.

Montag, 8. Oktober 2012

Vielleicht

Meine Hände stützen sich an der Wand, suchen nach der Standhaftigkeit, die meine Beine nicht gewähren können. Wenigstens bekommt Stein mehr Schlaf als ich.
Mit großer Mühe versuche ich, mir nicht die Unterlippe blutig zu beißen. Die raue Oberfläche und die fühlbaren Risse provozieren mich in einer Art, die ich zu gut kenne. Sie erinnern mich an gebrochene Herzen, die missbraucht und weggeworfen worden sind. Irgendwann wird es vielleicht Jemanden interessieren, dass ich nur für sich Tränen vergieße.

Aus diesem Grund war mein Kissen auch so nass - und salzig. Konnte meine Augen nicht schließen während meine Haare in einem Meer untergehen. "Danke", flüsterte ich zum Boden. Dafür, dass er so solide ist; so kühlend meine Haut beerdigt. Er bleibt. Im Gegensatz zu Menschen. Warum müssen Menschen immer gehen?


Egal, wie lange meine Gedanken um dieses Thema herumkreisen, ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal keinen Schmerz fühlte. Oder Tagträume im Fieberwahn mir jeglichen Gradlinigkeit versagte. Vielleicht macht ein großer Teil auch das ständige Abwägen zwischen Klinge und Tabletten aus. Vielleicht wird es endlich Zeit, sich für ein Ende zu entscheiden.

Nur einer weiterer Tag voller Anspannung, Nervosität, Angst, Müdigkeit, Gewissensbisse,....
Also weine ich, schwitze ich, zittere ich, habe einen Black-Out,...
Vielleicht habe ich irgendwann wirklich gar nichts mehr zu sagen.

Samstag, 6. Oktober 2012

Verfolgende Erinnerung

Auf der Brücke stehend, halbwegs zwischen liebloser Existent und dem Universum: In diesem schwarzen Loch der letzten Worte, die nur einige Sekunden zu spät gesprochen worden sind. Das Einzige, was mich vom Fliegen abhält, ist der Gedanke an die Hoffnung, die in dieser Tragödie noch immer den Himmel verziert.

Vielleicht war ich schon so lange zu leer; bin schon zu lange nichts mehr als das Flüstern hinter meinen Augenringen.
Als ich heute früh erwachte, war mein Bett voller Blut und auf dem Teppich lag Erbrochenes. Was auch immer passiert sein mag, ich habe keine Erinnerung daran. Noch sage ich mir immer wieder "Das war nich ich", doch sehe ich den Vorwurf in den Augen meines Bruders.

Könnte ich die Vergangenheit ausbluten, würde mich nichts daran hindern.
Könnte ich die Erinnerung auskotzen, würde ich es tun.

Ich kann nicht aufhören, alte Situationen immer wieder zu erleben. Es ist ein Fluch, der mich seit Jahren immer wieder heimsucht. Immer wenn ich denke, ich könnte vergessen, fangen die Flashbacks und Alpträume wieder an. Wenn ich wenigstens noch weinen könnte, um den Schmerz die scharfen Kanten zu nehmen, doch schon Jahre habe ich damit verbracht, mich selbst schlecht zu finden. Was nun übrig bleibt, sind quälende Stimmen einer kaputten Seele, die Enttäuschung und die Angst.

Aktuelle Nachrichten lösen so viel in mir aus. Es konsumiert mich vom Mittelpunkt jener Tage. Ich sehe Schläge, Tränen, versteckte Wut und Verlettzbarkeit, sehe Hände, die mich berühren, sehe Schreie, Blut und verlorene Kindheitsträume.
Sie zerbrachen und bohrten sich in mein Herz.

Alles ist wieder da. Und ich finde keine Möglichkeit, es anders zu machen als zuvor.



Donnerstag, 4. Oktober 2012

Die Kunst des Vergessens

 Plötzlich steht alles unter Wasser. Leuchtend vibrierende Farben umgeben mich, Texturen fließen vor meinen Augen ineinander. Das Verlangen nach Sauerstoff habe ich schier vergessen, darin besteht die Kunst. Die Kunst das Leben wie eine schwarze Sinnflut über das gebrochene Herz geschehen zu lassen.

Langsam schwindet mein Körper in die andere Welt. Noch bin ich hier, noch kann ich schreiben. Doch meine Hände werden taub und es kitzelt an meinen Schläfen. Ich kann es spüren - wie die Nacht, die mich überkommt.

Vielleicht verliere ich ja auch nur den Verstand; das bedeutet es wohl, einfach auseinander zu fallen. Niemand wird mich finden können, denn ich bin durch eine dicke Mauer geschützt. Bin ich erst einmal drüben, gibt es für mich kein zurück. Der Weg ist das Ende.

Warum nur werden die Monster immer größer?
Oder sollte ich lieber die Frage stellen, warum ich aufgehört habe, gegen sie zu kämpfen?

Rot-gefärbte Namen sind auf den Spinnenweben zwischen meinen Rippen eingraviert. Sie führen bis zu meiner Kehle, versagen mir die Sprache, jeden Laut. All diese Erinnerung sinkt durch das Fleisch in die dunklen Höhlen meiner extenziell-unbedeutenden Knochen. 

[Ich wollte nur, dass diese Gesichter aus meinem Kopf verschwinden. Die Worte allein kann ich nicht mehr ertragen. Für mich geht so viel Energie für den Prozess des Vergessens verloren. Harte Arbeit, die missglückt. Ich verliere die guten Momente zusammen mit den Schlechten.]

Dagegen zu halten, ist sinnlos. Säure fließt durch meine Venen.
Ich möchte doch nur, dass es endlich aufhört. Sehne mich nur nach Stille.
Gerne würde ich bleiben, doch ich kann es fühlen. Die Grenzen verschwimmen wieder. Bald bin ich kein Teil mehr dieser Geschichte.

Ich möchte mich in diesem dunklen Schatten auflösen und nie wieder zurück kehren.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Bilderblog

Bin gerade dabei, einen Fotoblog auf zu bauen. Hier ist die Adresse zum ersten Eintrag: Klick!



Dienstag, 2. Oktober 2012

Ich bin nicht verrückt

Manchmal frage ich mich, wieviele Menschen es wirklich verstehen können. Nicht einfach nur nachvollziehen oder durchschauen können, sondern wirklich begreifen können, wie es ist; wirklich nachempfinden können, wie es sich anfühlt.

Jeder hat sich schon einmal gefangen gefühlt: Sei es während einer langweiligen Schulstunde, auf einer Familienfeier zu Hause, oder beim Warten auf ein großes Eregnis. Der Schmerz, der dabei entsteht, ist jedem mehr als nur bekannt. Doch wer weiß schon wie es ist, in seinem eigenen Kopf gefangen zu sein? In einem selbst? Genau hier, und man hat keine Fluchtmöglichkeiten.

Kopf. Kopf. Kopf. Niemals Herz.

Wie oft schon hast du in den Spiegel gesehen und mehr als nur eine Person darin gesehen, obwohl du alleine im Zimmer warst?
Wie oft schon hast du die Straße vor deinen Füßen aufbrechen sehen, nur weil der Weg so unendlich lang erschien?
Wie oft schon bist du mit dem Bus gefahren und keiner der Insassen hatte ein Gesicht?
Wie oft schon hast du mit jemandem geredet obwohl alle behaupten, du wärst allein in deinem Zimmer?
Wie oft schon hast du dich wimmernd zu Boden geschmissen, weil die Angst vor den Stimmen so groß war; dich Leute nur mit fragenden Blicken durchbohrt haben?
Wie oft schon hast du dir die Lunge aus der Kehle geschrien, weil dich Erinnerungen nicht in Frieden lassen, dich verfolgen, dich quälen?
Wie oft schon hast du dich auf einem vollen Bahnhof umgesehen und nur ein paar Tiere aus deiner Fantasie sehen können?

Nein. Nein. Nein. Es ist keine Fantasie. Das ist Realität.

+ ~ +

Gerade ist mein Kopf erschreckend klar. (Die Betonung liegt auf erschreckend.) Höchstwahrscheinlich liegt es an der gut-gemeinten Dosis Tabletten, die ich mir heute schon einverleibt habe. Antipsychotika sind wohl meine treuesten Gefährten.
Ehrlich gesagt, erschreckt es mich meist, wenn ich mal wieder einen Tag erlebe, an dem ich ganze Sätze ohne Unterbrechung denken kann. Meist bin ich sehr verwirrt, über-ängstlich und nicht im Stande einen gewöhnlichen Alltag ohne Hilfe zu meistern. Heute ist es anders. Zwar schwirren keine festen Erinnerungen in meinem Kopf umher, jedoch sind dort Gedanken, die ich sortieren kann, die - wenigstens für mich - einen Sinn ergeben.

Es ist ein Stück Freiheit, die ich bald wieder verlieren werde. Es ist Ruhe vor mir selbst.

Ich möchte gerne reden. Welch' für gewöhnlich seltenes Bedürfnis.
Mit dem Unterschied: Es ist keiner da. Wenn keine Menschenseele da ist, die zuhört, werde ich wohl auf eure lesenden Augen hoffen müssen. Also schreibe ich - in der Hoffnung, doch verstanden zu werden.

Schon längst wollte ich euch von den Dämonen im meinem Kopf berichten. Bisher fielen mir dazu nur nie die richtigen Worte ein, alles hat sich beim nachlesen falsch angehört oder drückte einfach nicht das aus, was ich wirklich meinte. Auch wenn ich begreife, dass es hier nicht um richtig oder falsch geht, habe ich es einfach nicht geschafft, es mit anderen zu teilen.

Vielleicht sollte ich einfach anfangen und nicht ewig drum herum reden.

Ich nenne sie oft Monster, obwohl sie keine Monster sind. Mein Arzt redet oft von optischen Halluzinationen, von Dissoziation oder Derealisation. "Dagegen helfen erstmals nur Medikamente", sagt er immer. Oft nicke ich zustimmend zu, nehme die ganzen Pillen aber doch nicht. Er kann das nicht verstehen. Die Monster, die mich manchmal quälen, sind meistens auch die einzigen Wesen, die mir zuhören, mit denen ich Gespräche führe, die bei mir sind. Freunde können keine Krankheit sein.

Von dem Schwein habe ich schon oft erzählt. Es ist schon lange bei mir. Angefangen hat es wohl in meiner Teenagerzeit. Damals hatte ich viele Probleme mit Mobbing in der Schule, kaum Freunde und - um es einfach zu sagen - zu Hause war es auch die Hölle.
Das Schwein steht allem sehr kritisch gegenüber. Es beschimpft mich oft, baut mich aber auch auf. Obwohl es ziemlich schwierig sein kann durch sein Gezeter, würde ich es nie verlieren wollen. Von Innen nach Außen kennt es jedes Detail an mir. Wäre es nicht da, würde etwas fehlen.

Dann gibt es noch zwei Hunde, deren Namen ich jetzt nicht nennen möchte. Aus dem Grund, weil ihre Namen mich triggern. Man braucht den Einen nur zu erwähnen und mir bricht der Schweiß auf der Stirn.
Sie sind Tag und Nacht, können keineswegs miteinander und keineswegs ohne einander. Wie Himmel und Hölle - in meinen eigenen Gedanken.

Nummer 1 ist die Freundlichkeit verwirklicht. Er spielt mit mir, bringt mich zum Lachen, holt mich aus tiefen Löchern heraus. Wenn ich ehrlich bin, wäre ich ohne diesen kleinen Kerl wahrscheinlich schon tot. Er - genau wie das Schwein - waren mehr als nur einmal auf der Brücke gestanden.

Nummer 2 ist Hass und Bosheit. Seine Anwesenheit allein reicht vollkommen aus um mich in den Wahnsinn zu treiben. Damit übertreibe ich nicht. Er zwingt mich dazu, mir weh zu tun, andere ab zu weisen, den Mund zu halten, wirft mit jede Kleinigkeit vor, quält mich mit Wort und Tat, unterwirft mich, beleidigt und hat die Fähigkeit Suizidgedanken in mir zu erwecken. Ich habe eine riesige Angst vor ihm. Nur wäre Nummer 1 auch nicht da, wenn Nummer 2 verschwinden würde.
Nummer 2 ist das Übel in mir. Ist all die angestaute Wut, der Ärger, der in mir ist. Und er lässt es auch an mir aus. Er war schon einige Tage nicht da. Jedoch wenn er zurückkehrt, kann ich nie für etwas garantieren. Nicht für mein Leben, nicht für meine oder fremde Gesundheit. 

Das sind die Drei, die eigentlich immer bei mir sind. Zu Mindest in regelmäßigen Abständen.
Es gibt mehr - doch sie verhalten sich ruhig, verdeckt. Oder so verwirrend, dass es nur wie ein Strudel in meinem Kopf brennt. Stimmen aus dem Nichts, aus jeder Richtung.

Könnt ihr euch vorstellen wie es ist, wenn man nie allein sein kann? Wirklich nie? Wie bei lebendigen Leib gefressen zu werden. Man kann sich nicht wehren, weil es Dämonen sind, Monster, dir in einem stecken.
Andere Menschen scheinen sie nicht sehen zu können, doch ich kann es. Sogar fühlen kann ich sie. Nummer 2 beißt und kratzt, spuckt mich an und reißt mich Stück für Stück auseinander.
Vielleicht gibt es nicht genug Einträge in meinem Wortschatz um sie beschreiben, was sie mir antun und sie mir auf der anderen Seite auch wieder geben. 

Wir leben in verschiedenen Welten, du und ich. Manchmal verwischen die Grenzen und diese Welten verschwimmen miteinander. Der Tag, den ich am meisten fürchte, ist der Tag, an dem die Grenze offen bleibt. An diesem Tag werde ich sterben, es wird keine Flucht, keinen Ausweg für mich geben.

Nummer 2 ist ein Monster.
Nummer 1 ist ein Freund.
Das Schwein ist strenge Gerichtigkeit.
Ich bin Nichts von alle dem. Auch nicht verrückt.

Hoffnung habe ich keine mehr. Und auch keine Worte.
Was bleibt mir denn noch außer diese Fantasiewelt?

Kann es irgendjemand verstehen?

(Nein, ich bin nicht schizophren.)
Die Stimmen sind trotzdem da.
Und ich bin nicht verrückt - brauche nur Medikamente dafür, um die Grenzen zu halten.