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Freitag, 30. November 2012

Themen-Umzug

Zukünftig wird das Thema "Fressverhalten" ein eigenes Blog erhalten - allerdings wird dieser  nicht öffentlich sein. Das Passwort könnt ihr entweder per E-Mail erfragen.

Hier geht es zur Wordpress-Seite.
Allerdings werden erst in den nächsten Stunden die ersten Einträge folgen.
Ein Berg, der sich durch ein Mäuseloch drängen will: Für neue Kleidung reicht mein Gespartes derzeit nicht. Also muss ich schrumpfen. Ich rede mir auch gar nichts schön; der Prozess hat bereits begonnen.

Die Waage fragt: "Darf ich deine Nummer haben?"




Für Jeden, der weiß, was diese rote Haut an den Fingerknöcheln und die blauen Fingernägel bedeuten...
(Eigentlich wünsche ich mir auch nur Frieden vor mir selbst. Aber die letzte Mahlzeit war einfach mehr als ich verkraftet habe.)

Dienstag, 27. November 2012

Zehn Schritte zurück....

Bisher hab ich es noch Niemandem erzählt. Es schien mir zu unwichtig, um es zu teilen. Anscheind jedoch nicht unwichtig genug, dass es mir nicht doch zu nahe geht.
Letzten Dienstag habe ich im Wartezimmer meines Arztes eine alte Arbeitskollegin getroffen. Sie war extrem gesprächig, hat mir alle Neuigkeiten erzählt und wahrscheinlich noch viel mehr. Wie ein Fluss redete sie von Menschen und Namen, die nur noch verschwommen in meinem Gedächtnis hausen; dies und das, was für mich gar keine Bedeutung mehr trägt - oder einfach nur zu entfernt ist, um mein Herz zum Schlagen zu bewegen. Es war als wäre ich gelähmt, könnte nur zuschauen wie sich ihre rot-geschminkten Lippen endlos bewegten.

Damals war sie schon eine von den Menschen, die nicht vorher darüber nachdenken, was sie sagen. Und wahrscheinlich war es auch höflicher gemeint als ich es aufgefasst habe, aber inwzischen von "Damals" und "Was wir jetzt so machen" trafen mich zwei ihrer Sätze mitten in der Brust:

"Obwohl du immer so fleißig warst, hast du eigentlich gar nicht richtig ins Team gepasst. Dir geht es wohl auch nicht anders, denn du siehst nun viel besser aus als vor einem Jahr."

Ich passte also nicht. Heißt das, ich passe nur zur Einsamkeit?

Wie oft sagt man denn schon "Ich fühle mich nicht am richtigen Platz"?
Und wie oft muss man dies gedacht haben, um anzufangen, gar keinen Platz mehr verschwenden zu wollen?

Also lebe ich von meinem eigenen Staub, denn das Gefühl von Leere ist unabkömmlich.
Als ich vor ein paar Tagen den Mut aufbrachte, in den Spiegel zu schauen, sah ich nichts. Ein Fluch in den Augen; blasse, durchsichtige Haut; Haare zersaust, wirr, irgendwie 'nicht passend'.

(Seit Tagen esse ich nur noch kaum was. Die Irrelevanz wird der Hunger. Ich fühle mich schwach und doch kann ich mich nicht dazu bewegen in die Küche zu gehen. Und wenn doch... kann ich mich nicht davon abhalten, alles in der Toilette wieder los zu werden.)

Montag, 26. November 2012

Angst

"Kopf hoch! Das wird schon!"
"Reiß' dich doch einfach mal zusammen."
"Du hast doch gar keinen Grund, dich zu beschweren."
"Anderen geht es so viel schlechter als dir!"
"Lach mal wieder!"

Es erreicht mich nicht, hab es schon zu oft gehört.

Vorher war es mir nie bewusst... aber desto mehr ihr euch mit Sätzen wie diesen von den Monstern in mir drin entfernt, desto mehr Angst bekomme ich.

Angst davor, dass ich sterbe bevor ich das Licht am Ende des Tunnels erreicht habe.
Wisst ihr, was ich meine?
Nein, ich möchte nicht naiv klingen, ich weiß, dass die unaufhörlichen Gedanken und Alpträume mein Todesurteil sein werden, doch möchte ich nicht, dass sie mich bis zum bitteren Ende in ihren Fängen halten.

Wann habe ich aufgegeben, etwas erreichen zu wollen?
Wann habe ich das letzte Mal das Wort Hoffnung nicht nur geschrieben, sondern auch gespürt?

"Die Medikamente werden Ihnen helfen."

Samstag, 24. November 2012

Die Zeit, die es braucht...

Eine Sekunde.

Ein Atemzug - die Zeit, die es braucht, um die Zunge zwischen den Zähnen zu fangen; die Zeit, die es braucht, um das Fleisch mit einer Kugel zu durchbohren. Es braucht nicht länger, um Leben in Tod - um einen Namen, ein Gedicht, eine Erinnerung in Nichts - zuverwandeln.
Zwei Sätze in der Zeitung beweisen, dass die Tragödie von Heute nur die Nachricht von Gestern war.

Eine Sekunde.

Das erste Geräusch des Aufschreis: Das Auseinanderreißen der Lippen, die unvermeidliche Druckwelle der Organe. Als würden wir wissen, was es bedeutet. Als würden wir. Es ist nur eine Sekunde, und die Knie werden schwach, und das Gewicht der Welt drückt auf deine Schulterblätter ohne Gnade. (Es ist Atlas' Last, also schlucke die Trauer in dir herunter und lege deine Handflächen auf den Puls der Zeit.)

Du bleibst zurück, das Gewicht tragend, und fragst dich, warum sich dieser Schmerz wie ein zu Hause einfühlt. (Oder warum dein Name nicht mehr zu den Tiefen deiner Augen passt.)
Menschen kommen und gehen. Du findest dich damit ab, doch tut es weh, nicht wahr? Sie kommen und manifestieren sich in dein Gedächtnis. Sie gehen und hinterlassen eitrige Wunden. (Somit wurdest du Atlas. Es ist deine Last, dein Gewicht, deins.)

Eine Sekunde.

Die Zeit, die es braucht, um dich in Tränen zu ertränken. In der Nacht wachst du in Angstschweiß gebadet auf; schweren herzens, durchnässt, durchweicht, triefend.
Obwohl das Blut auf dem Geist deiner Freunde nur ein Traum war, zittern deine Finger und Hände unaufhörlich. (Diese Schande wirst du nie wieder von dir abwaschen können.)

Dein Körper ist ein blauer Fleck: Ermattet mit Sorgen, geschärft in Angst. Du wurdest der abgestorbene Teil deines Lebens, die Miserie deiner Erinnerung, das hallende Echo des einzelnen Kanonenschusses - und es brauchte nicht mehr als nur eine Sekunde.

Freitag, 23. November 2012

Ich vermiss dich, Papa....

Letztendlich bin ich mir nicht sicher, ob ich die Schläge und die hasserfüllten Worte nicht auch verdient habe; oder die einsamen Stunden, eingesperrt in meinem Kinderzimmer. Ich kann mich an all den Schmerz der früheren Jahre erinnern, aber nicht an den Tag, an dem ich dich das letzte Mal 'Papa' genannt habe. Seine kleine Prinzessin wollt ich sein, und er wollte einen Soldaten. Vielleicht war das unser Untergang.

Manchmal fühle ich mich schuldig. Oh, nein, ich berichtige mich: Ich fühle mich immer schuldig. (Weil ich kein Kämpfer bin?)
Hast du mich angeschrien, schrie ich nie zurück.
Hast du deine Hände zu Fäusten geballt, stieß ich dich nie von mir weg.
Hast du deine Qualen in Alkohol ertränkt, habe ich dich nicht einmal versucht auf zu halten.
Hast du von Problemen und Überforderung geredet, nahm ich dich nie in den Arm.

Heißt das, wir haben uns gegenseitig kaputt gemacht?
Heißt das, wir haben unsere Zeit damit verschwendet uns gegenseitig in den Abgrund zu stoßen?

Ich vermisse dich, Papa. (Natürlich schreibe ich diese Worte nur auf und lasse sie niemals über meine Lippen wandern. Eine weitere Zurückweisung würde ich einfach nich verkraften.)
Es kostet mich viel Kraft an dich zu denken; mehr noch nicht daran zu denken, was "damals" war. Trotzdem bringe ich all diese Energie auf, um den Druck der Schuldgefühle zu ertragen.

Weder vergeben noch vergessen,... da ist weder Lieber noch Anerkennung, ich weiß.
Und doch... und doch... wäre ich so gerne dein kleines Mädchen, wenn auch nur für einen Tag.

Donnerstag, 22. November 2012

Ketten

Mehr als sonst
Ich fühle mich ge tr enn t
von euch

Ich frage mich,
ob die Glieder unserer familiären Kette
jemals miteinander
verbunden waren?

Mittwoch, 21. November 2012

Andererseits...

Telefonat:

"Findest du dein eigenes Leben nicht zwecklos? Du sitzt den ganzen Tag zu Hause und machst gar nichts. Deine Nase hast du entweder in leeren Blättern oder Notizbüchern vergraben und der Rest der Welt zieht klanglos an dir vorbei. Es ist zum Kotzen. Und komme mir jetzt bloß nicht mit der "Ich bin ein Künstler"-Nummer. Vom Zeichnen und Gedichte schreiben bekommst du eines Tages Krämpfe."

"Heißt das nicht, dass ich eigentlich kein Leben habe, welches es wert wäre, nieder zu schreiben, Papa?"


"Ich würde mir nur wünschen, dass du endlich mal wieder deinen Arsch hochbekommen würdest und etwas Sinnvolles für diese Welt beiträgst."

"Damit du eine Tochter hast, die du der Welt auch zeigen könntest?"

Piep. Piep. Piep.

Andererseits... hat er damit nicht ganz unrecht. Damit man mich nicht falsch versteht.

Sonntag, 18. November 2012

Wahrheiten

Die Wahrheit ist, dass die Medikamentation, die ich gegen die Dissoziationen und Halluzinationen erhalte, mich depressiv macht. Die Depressionen machen mich ängstlich und weinerlich; oft auch paranoid. Die Paranoia zwingt dann wieder die Stimmen hervor - nur mit noch mehr Verzweiflung.

(Außerdem machen mich die Medikamente so verflucht hungrig nach mehr. Nach Allem. Nach Etwas. Irgendwann bin ich so hungrig, dass ich einfach alles in mich hinein stopfe. Alles, alles und noch mehr.)

Warum, das fragen die Leute, warum möchte ich meine verschiebenden Medikamente nicht nehmen? Oh, warum nur?

Freitag, gleich 8.00 Uhr morgens, besuchte ich meinen Psychologen.
Das Wartezimmer war leer. Zuerst dachte ich, ich wäre im falschen Gebäude. Dieses Wartezimmer war nie leer, wirklich nie - vorallem nicht um diese Uhrzeit. (Egal wie wütend ich sonst über das lange Sitzen bin, eigentlich finde ich es erschreckend traurig, dass dieses Zimmer voller wartender Problemfälle ist. So viele Kranke sollte es nicht geben müssen.)

Die Wahrheit ist, dass ich mich mit meinen Gedanken verloren gefühlt habe. Es sprudelte auf jeder Pore meines Körpers hervor: Erinnerungen, Fantasien, Flüsse aus Worten, Farbspiele, verlorene Gedanken, Tränen, Hoffnung,...
Unkontrollierbar stark und so voll von Emotionen, dass ich dachte, mein Herz müsse zerspringen.

"Haben Sie Kopfschmerzen?", hörte ich die Stimme des Doktors fragen. Bisher hatte ich nicht einmal vernommen, dass er überhaupt hier war. Mir wurde bewusst, dass das alles zu viel war, gerade all das Nichts und mir kam der Gedanke auf, dass ich eigentlich nicht reden wollte. Ich schüttelte den Kopf und sah zum Ausgang.

"Setzen Sie sich ruhig schon einmal ins Behandlungszimmer. Für Sie habe ich mir heute besonders viel Zeit genommen, erst um 10.00 Uhr kommt der Nächste."
Um ihm eine äußerst sarkastische Aussage zu ersparen, bis ich mir auf die Zunge und ging einfach. (Wäre es doch immer so. Einfach aufstehen und gehen; dem Zurückgelassenen den Rücken kehren.)

Anfangs führte er wohl eher einen eingespielten Monolog, da ich noch immer im Stumm-Modus war. Die Gedanken in meinem Kopf konnte man nicht mit Buchstaben zu einem Saz formen. Wenn ich atmete, fühlte ich die kalte Herbstluft in mich hinein fließen.
Selbst seine Stimme.... seine Stimme verschwand zwischen den staubigen Seiten eines Medizinlexikons und dem Klick-Klick-Klick der Computertastatur.

Die Wahrheit ist, dass ich ihm die Wahrheit präsentieren wollte. Doch ich finde sie selbst nicht mehr.
Es klingt lächerlich, doch ich kann all dieses Chaos in meinem Kopf nicht mehr ordnen. Ist es Fantasie? Ist es ein Stück der Krankheit? Habe ich das wirklich je gesehen?

"Heute sind Sie aber besonders still. Bedrückt Sie etwas? Möchten Sie darüber reden? Natürlich möchte ich Sie zu Nichts drängen. Es ist bloß ein Angebot: Wenn sie sprechen möchten, höre ich Ihnen gerne zu."
Warum kann er nicht sehen, dass das, was ich sagen möchte, auf den Sohlen meiner Füße geschrieben ist? Weil ich einen Teil von mir auf dieser Erde einprägen möchte; vielleicht mit einem meiner Gedanken etwas Wundervolles hinterlassen - auch wenn ich es selbst nicht sein kann.

Letztendlich sprachen wir über einen möglichen, doch unwahrscheinlichen Betreuer ("Jemand könnte Sie im Alltag unterstützen. Gerade bei schwierigen Dingen wie die Führung eines Haushaltes und dem Schriftverkehr mit dem Ämtern."); einen weiteren möglichen, doch unwahrscheinlichereren Klinikbesuch ("Bitte verstehen Sie, dass ich mir nur Sorgen mache, dass Sie sich möglicherweise etwas antun könnten. Sollte es schlimmer werden, ziehen Sie bitte einen Klinikaufenthalt in Betracht."), Medikamente ("Am Morgen 100mg Sertralin und 1mg Risperidon, zum Mittag 1mg Risperidon, zum Abend 15mg Mirtazapin und 1mg Risperidon; nur im Notfall 1mg Tavor.") und Allgemeines, was eigentlich nicht sonderlich wichtig war.

Beim nächsten Termin werde ich wohl zwei Fragebögen zur Diagnostik ausfüllen müssen. Ehrlich gesagt, bin ich nicht sonderlich gespannt darauf. Doch soll es zur "Absicherung" dienen. Wie auch immer.
(In den Kommentaren auf diesem Blog wurde ich übrigens mal gefragt, ob ich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung habe. Um dies - so nebensächlich wie es nur geht - zu beantworten: Laut meines Psychologens nicht. Falls es jemanden interessieren mag, steht auf meinem Krankenschein: R44.1 g, R45.8, F23.1 g, F44.8 v, F43.1 v)

Die Wahrheit ist, dass ich seit Freitag mit keinem Menschen gesprochen habe und ich auch eigentlich keine Lust darauf habe. Diese Einsamkeit.... eigentlich möchte ich es momentan gar nicht anders. Menschen machen mir nur Angst.

Mittwoch, 14. November 2012

Trostlos mit einem Vitamindefizit

Bleiben auch die Lichter diese Nacht aus, entscheide ich mich dafür, einfach im Bett liegen zu bleiben. Dieser Tag ist es nicht wert, dass ich auch nur die Augen öffne. Obwohl ich nicht schlafe, lullt mich der Gedanke an den Schlaf in eine Art Trance.
Die Monster unter dem Bett ignorieren mich nie: Auch ein Monster kehrt seinen Rücken nicht einem Gewissenlosen entgegen. (Morgen werde ich schreien, weil wieder überall Blut auf den Bezügen ist.)
Sie reden. Ich fühle mich einsam. Sie reden. Und auch wenn ich antworte, hört mich Niemand. Wie können sie es wagen an der Existenz meines Schweines und den Zwei zu zweifeln?
"Blut ist dicker als Wasser."
"Wir träumen nicht in Sanduhren."
Keine Ahnung. Ich versteh' es auch nicht.
Eure Hände tragen keine Finger. Dort sind Dornen und vernebelte Fasst-mich-nicht-an!s.
Ihr habt nie eure Fäuste gegen mich erhoben und doch seht mich an: Gebrochene Rippen, blaue Flecke, Zahnlücken, Blut im Urin.
Hört bitte nicht auf mit diesem Nichtstun. Denn ich fühle lieber Schmerz als sonst gar nichts.
Desto mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wünsche ich mir,weniger darüber nach zu denken. Gut, ich bin vielleicht ein wenig angetrunken. Gerade im Moment. Zu betrunken um einen zusammenhängenden Text zu schreiben, aber schreiben kann ich nüchtern nicht besser. Auch nüchtern kann es doch keiner verstehen. Ich bin so VERDAMMT einsam und NIEMALS ALLEIN!!
Verschwindet einfach mit dem Abfallen des Verbandes auf dem Küchenboden. Die Wahrheit fällt von mir ab wie Sägespäne. Gedanken drehen sich wie in einem Riesenrad; es dreht sich, und dreht sich. Wie mein Kopf. Nein. Ich will einfach nur mehr.
Der Körper zittert. Den Revolver drücke ich an ihre Brust, lass das Klicken in der leere ihrer Rippen verhallen und finde die Stimmen unter Wasser wieder.

Hahaha. Nur so gehen sie aus mir heraus. Sollte ich eines Tages dadurch sterben, wäre das nur ein Kollateralschaden. (Sicher interessiert es keinen... aber ich brauchte fünf Versuch um Kollateralschaden zu schreiben.)

Mittags betrunken zu sein macht abends doppelt so viel Spaß. Cheers, my friends. Das Schwein und die Zwei verziehen uns jetzt und versuchen weiter zu atmen. Lassen sie mich niemals allein?
Wenn sie niemals gehen sollten, warum möchte ich überhaupt atmen? Sie sind es nicht wert. Wie der Tag. Und der davor. Und der davor.

Ich falle weiter. Tiefer in die Flasche Alkohol und Risperidon. Hauptsache so viel Ich töten wie möglich.

Montag, 12. November 2012

Wieviel Totes passt in eine Person?

Was ich fühle? Ich kann es nicht beschreiben. Kraftlos, herzlos, tot. Die Zeit läuft nur so dahin, an mir vorbei.     Ich liege bewegungslos im Bett, weil ich keinen Sinn im Aufstehen sehe - tagelang, ohne Übertreibung.
____

Schau’ durch die Haut meiner Papierhände: Ein Ozean aus Fleisch begraben unter den Flüssen aus Blut, die tödliche Atmosphäre; der einzige Hauch, der das Gerüst am Leben hält, der mich am Leben hält.
Eingesperrt in dieser zerfallenden, verdorbenen Hülle, bin ich zu Hause; bis ich nicht mehr fühlen kann wie sehr es schmerzt zu wissen, dass ich keiner Menschen Seele tieferen Einblick gewähren kann. Denn Niemand soll das gefangene Ich finden, welches versteckt unter Schichten und Schichten schwerer, schwerer Erde haust.

Gedanken wurden zusammengepresst und unter schweren Tonnen von Gewicht versteinert. Doch ich bewahre sie noch immer auf, stumm und starr in einem nur für sie geschaffenen Raum.
Dementsprechend bin ich eine eigene Welt mit einer kleinen, verkrüppelten Seele - zwischen Kohle und Nichts. Rein gar nichts. Unsichtbar und manchmal blau oder schwarz.

Macht es Sinn? Ist es verständlich?
Und ich frage mich, wie ich wohl auf dich wirke, Fremder. Ob ich auch in deinem Universum nur eine kleine Wolke bin, die nur Platz verbraucht?
Bin ich auch für dich nur ein unsichtbares Gedicht, welches ungelesen in eine stille Masse der Apokalypse sinkt; still wartend auf eine verlassene Seele?

Die Welt stirbt. Alles stirbt. 
Und trotzdem willst du wissen, wie es ist ein Teil von mir zu sein?
Stell’ dir einen leeren Planeten vor, überzogen mit Eis und unsichtbarem Nichts; stell’ dir vor, der Bürgersteig wäre gefüllt mit Monstern anstelle von Menschen und in der Ferne hörst du keine Hilfeschreie, sondern nur ein totes Flüstern.

Du siehst diese Welt und du stellst dir mich vor. Und trotz dessen du das alles siehst, kannst du mich nicht im Geringsten erkennen.

Samstag, 3. November 2012

Die letzten Tage sind einfach nur eine Qual. Es fällt mir schwer die Linie zwischen "Ich möchte nicht mehr leben" und "Ich möchte so nicht mehr leben" zu erkennen. Das Alles... ich hab es so satt. Es scheint als würde ich gar nicht richtig "funktionieren" können.
Die meiste Zeit des Tages verbringe ich im Bett, kaum fähig mich zu bewegen. Ich weiß nicht mehr wie es sich anfühlt, kämpfen zu wollen. Denn ich bin leer.
Ich bin trostlos. Weiß auch nicht mehr, wie sich Freude anfühlt - oder wenigstens Akzeptanz. Und das ist nunmal nicht das erste Mal, dass diese Dunkelheit mich umgibt. Wann ist endlich Schluss damit?

Ich hab es doch versucht. Artig meine Medikamente genommen und all die Ratschläge befolgt, die mir Bekannte und Ärzte gegeben haben. Warum muss ich immer wieder sterben und bin niemals wirklich tot?

Donnerstag, 1. November 2012

Fiebertraum

Da zu Halloween nur recht fragwürdiges Abendprogramm lief, ließ ich mich mit einem schlecht-produzierten Hexenfilm verführen. Er diente zur Inspiration dieses Textes. Mehr brauche ich dazu nicht sagen.

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I
Sie war ein schrecklicher Mensch. Alles an ihr war schmutzig und verdorben, sichtlich; doch trotzdem traf sie mich wie ein Blitz.

“Hau ab, kleines Mädchen”, knurrte sie, zog ein Messer aus ihrem Gürtel hervor, welches mit Blut von Tieren und Anders-Denkenden überzogen war. Mächtiges Rot kroch ihre Beine entlang. Mit Klauen und Zähnen zerfetzte das Tier ihre Kleidung, ihre Haut, ihr Fleisch.

Kleines Mädchen. Ihr Gesicht war frisch wie die Jugend und kalt wie Frost.
Wahrscheinlich hielt sie sich immer höher als die todmüde Sonne.
Ich streckte ihr meine leeren Hände entgegen. Meine einzige Waffe war im Kopf des Wolfes versunken - genau zwischen seine nun glasigen Augen.


II
Zaghaft wischte mein Vater die Wunden sauber. Ein wenig zu spät, denn einige Stellen meines Gesichtes waren bereits eitrig von einer bösartigen Entzündung. Zwei Einschnitte, die bald zu tiefen Narben werden sollten, zierten meine linke Wange. Die letzte Tat der Bestie, sein letzter Abdruck für diese Welt.

“Du bist gefallen?”, fragte er noch einmal nach - zum gefühlt hundertsten Mal. “Für einen Kratzer sehen die Schnitte ziemlich tief aus.”

Der Wolf. Das Mädchen. Mein krankes kleines Geheimnis voll Heroismus. An diesem Tag hatte ich ein Leben gerettet, doch außerhalb des Waldes war und blieb ich ein Nichts.
Ich schlüpfte aus meinen Jagdschuhen, ging durch die Tür und war wieder ein Kind.


III
Hedonismus war die Definition meines Namens. Allein mit meinen Fingerspitzen kostete ich das Universum aus. Die von eisiger Kälte gepeinigten Gegenden waren wie ein Geschenk für mich, mein Zufluchtsort.

Ich hasste Menschenfluten, die grau-stummen Häuser dieser Straßen. In der Stadt war das Häuten von Tieren eine strafbare Missgunst, doch das Tragen von Pelzen ein Himmel. So verschroben war der Blick dieser Leute. Hauptsache das Essen steht auf dem Tisch und unterentwickelte Pseudo-Intellektuelle redeten von Weltfrieden und Blümchenmustern.

“Deine Haltung ist schrecklich”, flüsterte sie. Ihr Atem vernebelte in der Luft während sie mir half, den Bogen gerade zu spannen.
“Konzentriere dich auf das Ziel!”

Immer wenn sie gefunden werden wollte, fand ich sie.


IV
Unaufhörlich plätscherte das Wasser des kleinen Baches. Selbst in diesem Zenter der Provinz konnten wir nicht aufhören, so zu tun als würden wir gar nicht existieren. Im Leben, in dem nur Sägespäne und Holzspinnen real waren.

Ohne ihre Rüstung war auch sie ein Mensch. Es gab nichts besseres als ihren puren Geruch ein zu atmen.

Doch der Geschmack der Gefahr war es letztendlich, der mich immer wieder zu ihr zurück kehren ließ. Sie war meine Sucht, mein Mondschein. Ihre Klingel spaltete Fleisch und Knochen, und doch kannte nur ich ihre wahre Verletzlichkeit. Immer so nah, immer so geheim.




V
Sie haben ihre Augen verdeckt, doch waren sie bereits in mein Innerstes eingebrannt. Neugierig braun und blutdurstig düster, dazwischen aufleuchtende Blitze - für jedes tote Lebewesen.
Vor den Dorfleuten musste sie knien. Das war wohl ihre größte Erniedrigung, nicht die Angst vor dem Mann mit der Keule.
Als Zuschauer beobachtete ich nur still, unfähig mir dieses Schauspiel an zu sehen. Doch hätte sie es mir nie verziehen - nicht im ewigen Leben der Höllenflammen.

“Es war ein Fehler”, fluchte ich unter versteckten Tränen und stehe vor einen weiteren, bedeutungslosen Körper in den Katakomben. Auch sie war nur eine Fremde mit Vergangenheit. Den letzten Funken Unschuld vergruben sie mit ihrer Leiche.

Die Welt geriet außer Fokus. Vielleicht löste sie sich auch ohne sie nur auf.
Vergessenheit.