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Freitag, 25. Januar 2013

Die letzte Blume

Über Jahre hinweg wolltest du immer wieder wissen, was du mir bedeutest.

Auch wenn ich jedes Mal erneut ehrlich war, dir nur ein stumpfes "Nichts" entgegenhauchte, konnte ich nie Verständnis oder Enttäuschung in deinem Gesicht erkennen. Vielleicht hast du auch einfach nie verstanden, dass du mir niemals hättest weh tun können, nicht mit Menschlichkeiten und Gefühlsduseleien.  Weil ich nicht war wie du.

Wohin wird der Hingabe geweht, wenn Ideale mit Flammen verbrennt und nur Asche vom Wind davongetragen wird?

Unsere Einfälltigkeit erinnerte mich an mutige, doch törichte Kinder, die niemals von den Monstern unter ihren Betten geweckt wurden; weil wir wussten, dort sind nur tote Frösche und die ein oder andere Eidechse, die wie ein Vorbote des Grauens ins Totenreich schlitterte. Lautlos. 

"Warum sterben die Menschen, die ich liebe?", fragtest du deine Mutter während sie dich behutsam in ihren Armen hielt. Mit einer Stimme, die sich wie Balsam über deine Seele legte, erzählte sie dir Geschichten vom Kreislauf des Lebens, ein Teil eines Universums zu sein und davon, dass jeder seinen Platz in der Unendlichkeit erringen muss. 

Sie sagte dir nie, dass die Menschen, die du liebtest, starben, weil ich nicht aufhören konnte, sie zu töten. 

Blumen sterben auch. Auch wenn den geringeren Anteil interessiert.
Dachtest du, es wäre eine romantische Geste als ich dir tote, gepresste Blumen zwischen den Seiten deiner Lieblingsbücher legte? 
Eines Tages, inzwischen müssen es wohl fast 10 Jahre her sein, hinterließt du mir eine Nachricht auf einem dieser kleinen, gelben Zettel, die an einer Seitenlänge kleben. Es kostete mich Mühe deine ungleichen, krakeligen Buchstaben zu entziffern; vielleicht war ich letzten Endes doch der aufopfernde Typ von uns Beiden. 

Du warst der erste Junge, der mich jemals zu einem Essen eingeladen hat. Meine Antwort schrieb ich dir auf der klebenden Seite des Zettels, denn ich wollte mich selbst nicht mit der Beschaffung eines unbeschriebenen Blattes belästigen; oder gar eines pinken Glitzerstiftes, oder Parfüm. 
Ich schrieb einfach das Wort 'Ja' auf und legte dir den Zettel in deine Federmappe. Im Hausaufgabenheft hättest du ihn ja wohl nie gefunden. 

Wie nur konnte ich mich beherrschen, wenn du bei mir warst? Oft genug dachte ich daran, dir einfach ins Gesicht zu spucken und endete meist doch mit einem schiefen Lächeln auf den Lippen...


Als wir bei dir zu Hause waren, stahl ich dein Tagebuch und nahm es nach Hause mit. 

Während sich in der Küche meine Eltern über die Sinnlosigkeit ihres Existenz "unterhielten", riss ich die Seiten aus diesem verschmähten Werk der Literatur. Jede Zeile war gefüllt von Familienfreude und Teenagerangst: Das machte mich krank. Und verrückt.

Wie konnte dein Leben von Familienausflügen, Liebeserklärungen an deinen Hund und Gezeter von schlechten Noten (, denen übrigens nicht immer die Lehrer schuld waren) beherrscht sein während ich einfach nur das Beste tat den schmerzenden Worten und Händen meiner Eltern, der Ignoranz meiner Mitmenschen und der Dunkelheit meiner Kindheit zu entfliehen? 

Es war nicht deine Schuld. Doch wie sehr wünschte ich mir, dich Schuld machen zu können. Verdammt. 

Systematisch zeriss ich auch dein Herz, weil mir die Unberührheit deiner Seele bedrohlich erschien. Irgendwann warst du genau so viel Nichts wie ich es dir immer gesagt hatte. Bis du nicht mehr wissen wolltest, was du mir bedeutetest; du warst genauso viel Leere wie ich sagte, dass du sein würdest - und du hast mir diesen Mist auch noch geglaubt. 
Denn im Gegensatz zu mir warst du nicht schwach genug zu lügen.

War die letzte Blume in deinem Garten die Rose, die du einst mit deinem eigenen Blut getränkt hattest?

Dieses Mal war ich an der Reihe, dir einen Zettel zu schreiben: "Warum bedeutet dir die Bedeutung mehr als die Unbedeutung?"

Zwischen Seite 123 und Seite 124 von deinem Geschichtsbuch vergrub ich diese Nachricht, denn ich wusste, dass sie dort verrotten würde - genau wie alles andere auch. Die Froschleichen unter deinem Bett, die geliebten Menschen in deinem Herzen, die Papierfetzen deines Tagebuchs,... 

Über Jahre hinweg wolltest du immer wieder wissen, was du mir bedeutest.
Immer und immer wieder antwortete ich mit "Nichts".
Und wenn es ein Mensch auf der ganzen Welt verstanden hätte, wärst du es gewesen. Wenn ein Mensch die Wahrheit hätte sehen können, hättest nur du diese Fähigkeit gehabt: Mein Nichts war mein Alles.




      Teilweise wahre Geschichte. Das Tagebuch hab ich nicht wirklich zerrissen. Sein Herz schon. 

Donnerstag, 24. Januar 2013

Überseele

Jeder Tag wie das Klick-Klick-Klack des Stiftes
in der Hand
vor einem unbefleckten Blatt Papier;
eine weiße Seele
wie ein leeres Versprechen
der Hoffnung
aus Prinzip

Jeder Handschlag nichts weiter
als dein Schritt hinfort,
Weiter weg
von InnenGott, ÜberSeele


[Wir saugen die Substanz aus deiner Brust,
singen ihr ein Wiegenlied,
füttern sie mit Wesentlichkeit]


Jede Minute wie das Bum-Bum-Bam des Herzens
ohne Dazugehörigkeit
in deiner, meiner, einer Welt;
eine weiße Seele
wie ein leeres Versprechen
der Unendlichkeit
aus Verzweiflung

Jeder Atemzug nichts weiter
als das Inhalieren von Asche,
oder Rauch
des InnenGotts, der ÜberSeele

[Wir entfernen den Donner aus deinem Haar,
flehen um Gnade,
ertränke die Kinder, die eigentlich deine Zukunft sind.]


ÜberSeele spricht zu mir
Pneumatisches Keuchen:
Kaltes Wasser und blaue Lippen.

Montag, 21. Januar 2013

Zur Abwechslung: Ein Etikett!

Die liebe ColourDreamer hat mich "getagged", bei mir ja meist eher als "Etikett" bezeichnet.

Ihre Fragen waren folgende:

  1. Bist du gerade glücklich?   -   Zur Zeit befasse ich mich nicht mit solchen Situationsstandards wie "Glücklichsein" oder gar "Traurigsein". Gerade ist alles ziemlich lose und freischwebend, meine Gefühle und Gedanke.
  2. Schminkst du dich oft?   -   Wenn ich unterwegs bin, meist schon. 
  3. Bist du ein ordentlicher oder chaotischer Mensch?   -   Ein ordentlicher Mensch, wenn es um Ordnunghalten und Tagesstrukturen gehen. Wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen oder guten Umgang geht, artet es jedoch meist ins Chaos aus.
  4. Was hast du gestern gemacht?   -   Das Selbe, was ich jeden Tag mache: Ich versuchte die Weltherrschaft an mich zu reißen.
  5. Was hörst du so für Musik?   -   Bin da sehr unspezifisch und nicht speziell. 

Meine fünf Fragen sind:

  1. Gibt es einen Ort, an dem du immer wieder kehren kannst, um dich geborgen zu fühlen?
  2. Du bekommst 100 Euro; sparen oder ausgeben?
  3. Lieber monotone Arbeit und dafür gut verdienen, oder schlecht verdienen und dafür viel Abwechslung?
  4. Wieviel Zeit verbringst du wöchentlich vor dem PC?
  5. Achtest du auf deinen "Ruf" bzw. hörst du darauf, was Andere von dir denken?


Das Etikett gebe ich an Scoriat, DeadLegacy, Arielle, Marry Poppins und May.

Freitag, 18. Januar 2013

Was sie ist

Ein Traum von Schmetterlingen, die niemals sterben,
und Sternen, die niemals verglühen.
Ein Wunsch zu vergessen;
die Gesichter, die Namen, die Gedanken.

Ihre Fingernägel kratzen an den letzten Tropfen Menschlichkeit;
suchen den letzten Rest, den sie geben kann,
in stiller Hoffnung, dass sie dieses Mal das bekommt,
was sie braucht.

So weit entfernt von fremden Seelen
zaubert sie mit erhaltener Kraft ein Lächeln auf ihr Gesicht:
Verborgen das Wahre,
Vergraben All das, was sie zu einem "von ihnen" macht.

Samstag, 12. Januar 2013

Traurig ist der Moment, in dem man sich nichts sehnlicher wünscht als einmal vom ganzen Herzen in den Arm genommen zu werden, und keiner da ist...

Donnerstag, 10. Januar 2013

"Bis hierher ....

... und nicht weiter."

Manchmal wird einem die selbst-auferlegte Fassade zu schwer. Es zieht an den Gesichtszügen; und wo vorher ein Lächeln war, ist nun ein finsterer Blick.
Eigentlich sollte alles in Ordnung sein; was will ich denn mehr als dieses Leben? Was kann ich erwarten?

Das Herz in meiner Brust ist nichts weiter als ein Stück Papier. Tintenblut fließt durch die Adern und schmückt die Seiten mit verschwendbaren Worten.
Ein Wunsch nach etwas mehr Bedeutung; ein goldener Umschlag für ein hohles Aufprallen von Sehnsucht.

Soweit gekommen und doch springe ich nur auf ein und der selben Stelle.
Irgendwann.... Irgendwo... Irgendwie... muss es doch einfach mehr geben.

(Oder nicht?)

Montag, 7. Januar 2013

Glas und Diamanten

Wie kann man jemandem das 'Liebe' erklären, der sie noch nie gefühlt hat? Fängt man an bei der Süße des ersten Kusses oder der Bitterkeit des ersten Auf Wiedersehens? Oder die tausend verschiedenen Emotionen, die da zwischen liegen?

Ich gebe es ja ehrlich zu: An Liebe kann ich mich nicht erinnern. Meine Mutter war zu sehr in ihrer eigenen Welt eingeschlossen und mein Vater? Mein Vater ist mein Vater. Er gibt sich Mühe, kommt aber über ein gewisses Maß an Stolz nicht hinweg.
Jungs? Abwechslungsreich, aber auch zum Scheitern verurteilt. Und von weiblichen Lebensformen mag ich gar nichts erst reden.

(Doch kann ich mich an dich erinnern. Du, die eine Person, die es schaffte, dass sich beim reinem Klang deiner Stimme Wärme in meiner Magengegend verteilte. Es war überwältigend, ein Ziehen von Innen; oder eher ein Stechen, welches ich nicht zu beschreiben vermag. 
Mir war bewusst, dass ich deinen Körper lieben konnte, vielleicht auch deinen Verstand - aber niemals deinen Geist, deine Seele. Da waren so viele überschäumende Ideen, geräumige Fantasien, doch nur auf Herausforderungen abgesehen und gleichzeit so kühl und distanziert. Aus diesem Grund kenne ich wohl Liebe nicht.)

... weil ich versuche zu berechnen, zu kontrollieren.
... weil ich logische Schlussfolgerungen ziehen möchte
... weil ich frische Bergluft kaum vom Smog der Großstadt unterscheiden kann
... weil ich den letzten Tropfen Wasser aus dem Regen von Gestern sauge ohne zu bemerken, dass ich mit leerer Hoffnung lebte.

~ + ~

Liebe ist auf den ersten Blick so leicht zu verwechseln - wie Glas und Diamanten.

Versuche ich das Wort "Liebe" zu erläutern, stehe ich vor romantisierten Phrasen und ausgewaschenen Schlussfolgerungen: Aufgereiht und nummeriert, und doch nur die Spitze des Eisberges umkreisend.
Versuche ich das Wort "Liebe" auf einem Bildnis fest zu halten, tropft Farbe abgedroschen auf die Leinwand und verknüpft sich schlicht zu einem wirren Muster.
Etwas kriecht durch die dunkelsten Ecken meines Herzens; etwas verfolgt-verfolgendes, das selbst tiefer geht als ein durchdringender Schatten.

Nicht die passionierte Umarmung und der Austausch von Körperflüssigkeiten, noch das Verkünden leerer Worte unterscheidet das Glas vom Diamanten. Die Echtheit liegt in der Schönheit vernarbter Körper; darin, wie sich Seelen vereinen können.

....wenn es fair erscheint, sein eigenes Herz zu verletzen, um die blauen Flecken des Anderen zu mindern.
... wenn man mitten in der Nacht erwacht, um dem Anderen beim leisen Atmen zu lauschen
... wenn man Sicherheit und Distanzen unter zwei Menschen vergisst, sich selbst entblößt
... wenn das Hässliche einer Seele ungeschützt zur Schau gestellt wird und kein Entsetzen erzürnt

Die Stille, die keine Laute braucht, keine Versinnbildlichungen, keine Erläuterungen.
Daran ist nichts schön, nichts schmerzfrei. Vielleicht ist es auch das peinigenste Gefühl, welches ein Herz ertragen muss.
Doch es ist ehrlich. Es ist wahr.

(Siehst du, mein Schatz? Jahre sind vergangen. Und doch - versuche ich "Liebe" zu erklären, beginne und ende ich mit dir, dem Diamanten unter all den Glasperlen.)

Donnerstag, 3. Januar 2013

Masel Tov

Genau dieses Ende befürchte ich jedes Mal, wenn ich einen Menschen in mein Leben lasse: Einsamkeit. Meine aufgezwungene Mitbewohnerin ist heute gegangen, hat sich - überraschenderweise - mit den Worten "Schön war es" verabschiedet. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, dass keiner von uns Beiden etwas Dummes wie "Hoffentlich sehen wir uns bald wieder" gesagt hat. Denn sie hätte wohl ihre Erwartungen zu hoch geschaubt und ich hätte ab dem Zeitpunkt dieser Aussage immer nur daran denken müssen, irgendwann das Haus wieder verlassen zu müssen.

Am Neujahrstag ließ sie meine Lieblingstasse fallen. Unabsichtlich, versteht sich von selbst.
Trotzdem ist es wieder einmal alles, was übrig bleibt: Ein Scherbenhaufen.

(Doch selbst das Jammern ist hier unangebracht. Sie ist weg. Alles ist wieder so wie es noch vor zwei Wochen war.)

Dienstag, 1. Januar 2013

Schwarz ist keine Farbe

So richtig schwer werden zwischenmenschliche Beziehungen erst, wenn der Gegenüber zu glauben weiß, dass du Rettung benötigst.
"Du solltest dir professionelle Hilfe suchen", und obgleich du zuerst pikiert erscheinst, vielleicht sogar einen Funken Ärger empfindest, schlussfolgerst du im Allgemeinen immer das Selbe: "Irgendwas stimmt mit mir nicht." (Immerhin hast du es ja schon so oft zu hören bekommen; immerhin sitzt du meist allein zu Haus oder bist nur auf kurze Dauer fähig, Beziehungen zu führen - jeglicher Art; immerhin verwenden Ärzte bei der Beschreibung deiner Persönlichkeit immer das Wort "Störung"; immerhin antwortest du immer auf die Frage nach deiner Lieblingsfarbe mit 'Schwarz' und jeder findet es notwendig dich erneut darauf hin zu weisen, dass Schwarz keine Farbe sei.)

Besonders zur Vorweihnachts/-Weihnachts/Neujahrszeit bemühst du dich, nicht ganz so bitter und verquer zu wirken. Doch Freunde wuseln um dich herum, drücken dir eine hübsch-bedruckte Karte in die Hand - rennen weiter, fliehen und laufen. Hoffen, dies sei genug - so lange sie nur eine Nikolausmütze auf dem Kopf tragen.

Deine Familie ist plötzlich verflucht: Jeder zieht sich plötzlich vom Anderen angezogen. Ein Handschlag wie ein Schweigegelübte, ein verlogenes "Schön dich zu sehen". Sogar dein Vater spielt dieses verdammte Spiel mit: Ruft am Heiligen Abend an und fragt, wie das Jahr denn so gewesen sei.
Worte wie ein Rosenbusch: Hübsch für die, die Schönheit mit bewundernden Augen sehen wollen. Grauenhaft für die, die Stacheldraht schlucken und an den Dornen der Vokale zu ersticken drohen.

Es geht sogar so weit, dass du wieder erneut versuchst, Menschen zu lieben - wie lächerlich, stellst du - wie jeder Jahr - fest. Du wurdest nicht dafür geschaffen, Menschen zu lieben. Du verehrst sie, weil sie ein alltägliches Leben führen können; weil sie keine Medikamente schlucken müssen, um einigermaßen "angepasst" zu wirken.
Und im gleichem Atemzug hasst du sie, weil du ihnen immer nur hinterher läufst; weil du der Mensch bist, dem sie Chemie in den Körper flößen, um einigermaßen "angepasst" zu sein.

Neben mir liegt eine leere Flasche Sekt und ein halbleeres (halbvolles?) Fläschchen Nagellack in der Farbe Schwarz. Ja, und du bist dir bewusst, dass Schwarz - physikalisch gesehen - keine Farbe ist. Doch beschreibt es ganz genau das, was der Dezember aus angebrochenen Herzen macht: Unlicht.