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Samstag, 29. Juni 2013

Angekratztes Ego?

Danke für euer Interesse an den Beitrag, den ich gestern noch geschrieben habe. Vor Allem an Niemandsland-Mensch und Phoenix. Da ich sehr aufgewühlt war, habe ich mit dem Antworten lieber bis heute gewartet, um letztendlich nicht noch verwirrter da zu stehen als zuvor.

Diejenigen unter euch, die meinen Blog schon länger verfolgen, wissen, dass ich mich derzeit eigentlich für jegliche Stellen in meiner Umgebung bewerbe und bisher - gelinde ausgedrückt - keinen Erfolg hatte. Ende Februar hatte ich mich trotz besseren Wissen erneut bei meiner alten Arbeitsstelle beworben, bisher fühlte man sich aber nicht in der Lage, mir mit zu teilen, ob ich die Stelle bekomme oder nicht.
Bis gestern. Gestern rief mich der Abteilungsleiter des Labors an (nicht einmal der Chef, an den die Bewerbung gerichtet war) und es hieß: "Leider möchte der Chef nicht, dass du für diese Abteilung arbeitest. Du wirst kategorisch abgelehnt." Natürlich kamen noch ein paar Standardaussagen dazu à la "Probiere es nochmal in einer anderen Abteilung", der Fakt ändert sich aber nicht. Dafür hätte man mich nach vier Monaten nicht noch einmal extra anrufen brauchen. Nach einem Monat hatte ich die Nachricht verstanden; wie bei den anderen 50+ Betrieben, in denen ich mich beworben habe.

Man soll nicht aufgeben. Ist klar.
Einfach weiter versuchen. Versteht sich von selbst.

Ich möchte hier auch gar nicht mehr jammern. Es ist ja keine Überraschung. Doch... es tut weh, wisst ihr? Immer weggestoßen zu werden. Absagen sind kein persönlicher Angriff, das weiß ich, aber keiner gibt mir wirklich eine Chance. Mit einem mittelklassigen Realschulabschluss, einer Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten, die nie in diesem Beruf gearbeitet hat und fast zwei Jahre schon krank geschrieben war,... das sind Aussichten, auf die sich jeder Arbeitgeber stürzt.
Sogar die Adressen, welche die Agentur für Arbeit herausgesucht hat, waren Nieten. Meist sind das ohnehin schon die Jobs, die keiner machen will. Ich hätte es versucht, gab es die Gelegenheit? Nein.

Eigentlich ist es auch egal. Inzwischen.
Traurig, nicht wahr?
Mein Doktor sagt, es sei die Einsamkeit, die mich immer kränker macht und doch ist die Einsamkeit genau das, was mir übrig bleibt. Ich liebe sie, wisst ihr? Ich weiß gar nicht mehr so recht, wie es ohne sie ist. Vielleicht kann man es mir ansehen; auf den Fotos der Bewerbungen, aus den Blicken, die ich immer nur zu Boden richten, aus den stillen Schreien, die ausschließlich in meinem Kopf geschehen, aus den Poren, die mit Make-Up überdeckt sind, damit keiner unter die Fassade gucken kann.
Langsam - muss ich wohl zugeben - beginne ich, die Diagnose vom Herrn Psychiater zu glauben. (Ja, und ich gehe jetzt das machen, wofür man mich verurteilt, weil es Verletzung nur im Jugendalter gibt - nicht! Ha! Nehmt das!)

Mir geht es gut. Keine Angst. 
Nur kratzen manche Aussagen an der "Menschen können mich nicht verletzen!!!"-Fassade.

Freitag, 28. Juni 2013

"Kategorisch abgelehnt"

Wer hätte gedacht, dass zwei Worte so weh tun können?

Loch

Da ist ein Loch inmitten meiner Brust. Auch wenn ich die Herkunft nicht kenne.
Seitdem mein Therapeut mich einen Künstler nannte, fühle ich mich wie ein Kind mit einer Tastatur.
"Können Sie versuchen, an Ihrem früheren Ich einen Brief zu schreiben?"
Nein, kann ich nicht, denn mir fehlt ein Herz, welches Blut durch die Venen pumpt. (Und doch, oh doch, auch wenn ich das Blut meines Vaters nicht haben möchte, bin ich ohne verloren.)
Genau wie mir die Worte fehlen. Die Worte, auf Wiedersehen zu sagen.

Donnerstag, 27. Juni 2013

Ich google deinen Tod

[Achtung! Dieser Text basiert nicht auf etwas mir passierten.]

20. Juni 2013, 20:23 Uhr:

Dein Username ist Dark_Angel80. Das finde ich so besonders an dir. Als Teenager war ich auch immer ein Engel, meist jedoch ein gefallener; oder das Mondkind. Heute bin ich nur noch Emaschi, ohne Heiligenschein, denn vorbei sind die Zeiten des Höllensturzes und christlicher Reflexion. Wahrscheinlich bist du wahrhaftig ein Engel, der in menschlicher Dunkelheit verkehrt.
Vielleicht sind wir uns schon einmal in der U-Bahn begegnet. Vielleicht standen wir schon einmal im Lidl in der selben Warteschlange. Keiner von uns wird dies je erfahren. Denn du sortierst deine Tage nach der Zeit, die du online verbringen kannst: Ersetzt die Realität mit Rollenspielen und dem Herumgeklicke auf  99 Cent Apps.
Ich kann mich erinnern, wie wütends du warst, als dein Chef dich zu spät nach Hause gehen ließ und du deshalb die Liveübertragung des Interviews deines Lieblingsschauspielers verpasst hast. Diesen Schmerz verstehe ich, weißt du? Das ist das, was uns verbindet. 

Meine Augen scannen den Monitor nach einem Lebenszeichen von dir. Ein Anstupsen, ein Gefällt Mir, ein Tweet. Meist ist mir gar nicht bewusst, dass ich nur dein digitales Gesicht ertragen kann. Menschen, die in Fleisch und Blut vor mir stehen, schaue ich nie direkt in die Augen, meinem Spiegelbild auch nicht. Im Internet trage ich eine Maske, denn ich blogge ja oft, re-poste Bilder von Hunden und zitiere große Denker. Immer, wenn ich Fotos meiner selbstgemalten Bilder poste und jemand gefällt mir drückt, rast mein Herz vor Freude. Gerade bei dir. Besonders bei dir, mein namensloser, dunkler Engel.
Seit Tagen bist du nicht mehr online gewesen. Es ist fast so als würdest du mich hintergehen. Immerhin bist du mein bester Chatfreund. Wir haben doch immer Spaß zusammen. Selbst wenn wir darüber reden wie Psychopathen Leute umbringen oder Pandemien die Population minimieren. Unser Wissen haben wir von Google, er ist unser Halt im Leben. Er weiß alles, kann alles und verbindet alles. Irgendwann wird es sogar legal sein im Internet zu heiraten. Google kann dann unser Trauzeuge sein.
Nur melden musst du dich wieder. Was ist passiert? Schreibe mir doch bitte eine Nachricht.


23. Juni 2013, 14.50 Uhr: 

"Es tut uns leid Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihr gewähltes Konto "Dark_Angel80" nicht mehr existiert."


27. Juni 2013, 6:20 Uhr:

"Hey, Emaschi, hast du schon das mit Darki gehört?"
"Du meinst 80?"
"Ja, über das Profil seiner Cousine habe ich erfahren, dass er sich letzte Woche mit einem LAN-Kabel erhängt hat."
"Er hatte noch kein Wireless?"
"Darum geht es doch überhaupt nicht! Vielleicht hat er auch nur die alten Kabel herausgesucht. Fakt ist, er ist tot."

Und es gibt keinen Replay-Button. Keinen Neustart.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Der Grund, warum ich Wartezimmer hasse

"Ja, und mein Ex-Freund hat mich auch immer total missbraucht und so."

Während mein Blick am Boden klebt, graben sich meine Fingernägel in das Fett meiner Oberschenkel. Auf einmal ist mit so schwindelig. Es dreht sich alles, Gesichter zerschwimmen zu einem Meer aus Farben. Mein Kopf könnte wohl einfach von meinen Schultern rollen, so leicht ist er. Im Gegensatz zu den Steinen in meinem Magen. Hin und her schwanken sie, drücken mich nieder, drücken immer weiter.
Ist das mein Herz, welches so laut pocht? Ba-Bum. Ba-Bum. Ba-Bum. Ein Konzert aus Bässen; ich sitze in der ersten Reihe.

"Ja wirklich? Meiner auch. Oft ist es auch richtig ausfällig geworden, weißte? War richtig krass."

Kurz traue ich mich die zwei Frauen anzuschauen. Beide sind wunderschön, höchstens 30, geschminkt und gut gekleidet - als würden sie gerade aus einem Katalog entsprungen sein. Das runde Mondgesicht der einen Dame verspricht Gesundheit, vielleicht sogar im Übermaß. "Doch der Schein trückt eben manchmal", denke ich und schaue beschämt wieder in Richtung Teppich.
Das Schwein richtet sich neben mir auf. In seinen Augen sehe ich eine Vision, die oft wie ein Flashback erscheint, doch immer nur eine Abbild der Erinnerung ist. Der Traum in einem Traum. Ich sehe mich am Boden und seine Hände um meinen Hals. Keine Bewegungen, keinen Ablauf - nur dieses Bild, welches Angst preis gibt.
Den Schweiß auf meiner Stirn wische ich geschwind weg. Niemand soll es sehen. So darf es nicht sein.

"Kann ich mir vorstellen. Meiner hat mich nicht geschlagen oder so, aber ich hatte Angst, dass er würde,weißt du?"

Der junge Mann links neben mir bewegt sich unbehaglich auf seinem Stuhl. Unbedacht und unbeachtend rutscht er näher zu mir. Zu nah. Ich möchte schreien, warum muss er so nah sein? Sogar seine Körperwärme kann ich ausstrahlen fühlen. Nur nicht daran denken. Nur nicht daran denken. Und schau' dem Schwein nicht in die Augen.
Nummer 1 springt auf ihn zu, bellt ihn an, doch er scheint ihn nicht zu hören. Doch auch ihn schaue ich aus dem Augenwinkel an. Zu Mindest sieht er nett aus, doch gerade waren wir ja schon beim Thema Schein. Immerhin hat er auch nett aus gesehen. Auch wenn seine Hände an den Innenseiten meiner Schenkel entlang gekrochen sind. Dort, wo sie gar nicht hin gehört haben. Sie sind auch nicht mehr da. Die Hände von dem jungen Mann auch nicht, natürlich nicht, denke ich, doch eigentlich sind diese Hände auch nicht real. Meine Gedanken sind nicht real, nur die Angst ist es. Was bedeutet die Angst? Sie bedeutet, dass meine Gefühle unter Umständen auch nicht real sind.

"Das tut mir so leid für dich, Süße. Du hast es so, so schwer gehabt. Bedroht werden ist genau so schlimm wie geschlagen werden. Manchmal ist sogar ein Schlag ins Gesicht besser zu verkraften als die Worte. Ich weiß wovon ich rede."

Der Atem stockt in meiner Kehle. Wieso reden diese Frauen im Wartezimmer eines verdammten Psychiaters darüber? Haben die dafür kein zu Hause? Können sie nicht wenigstens über Hello Kitty oder über den nächsten Waschtag reden?
Und warum ist er SO NAH? Meine rechte Seite presst sich schon gegen die Wand. Es gibt keinen Platz mehr zum weiter rücken. Das heißt wohl, ich bin gefangen. Wie überall auch. Doch im Speziellen hier und jetzt, weil meine Gedanken nicht real sind, doch die Angst schon.
Plötzlich erscheint er wieder. Er lehnt sich über mich, sein stinkender Atem kitzelt die kleinen Haare an meinem Nacken. "Wehe, du schreist", flüstert diese verhasste Stimme. Bereit auf zu geben, lehne ich die Stirn an die kühle Wand. Tief atme ich durch, erleichtert, denn ich sitze ja hier und liege nicht dort. Doch der junge Mann bemerkt mich bevor ich so tun kann als würde ich nicht existieren, worin ich mittlerweile wirklich gut bin. Er schaut mich an, unsere Augen treffen sich und er zwingt sich ein Lächeln auf. Ja, er sieht nett aus. Sein Lächeln war stets hämisch feixend, bösartig.

"Schlimm war es, wenn er mich immer von Allem überzeugt hat, obwohl ich eigentlich nicht wollte. Sogar zum Urlaub in Spanien hat er mich gewungen! Dabei wäre ich viel lieber in die Schweiz gefahren."

Um Himmels Willen, gute Frau! Mussten Sie sich etwa am Strand rumwälzen anstelle von guten Käse zu essen? Dieser Schuft, wie kann er es wagen!?
Ironie rettet mich aus den tiefen meiner Visionen. Sogar das Schwein grunzt vergnügt. Eigentlich  möchte ich ja Niemandem Undankbarkeit unterstellen, den ich nicht kenne, aber sie kann ja meine Gedanken nicht lesen. Hoffe ich. Davon gehe ich aus, doch wer kann sich schon sicher sein?
Noch immer lehne ich meinen Kopf an die Wand. Die weiße Farbe dringt durch meine Augen in mein Gehirn. Erinnerungen kommen und gehen, erneut. Inzwischen muss mein Blut so kalt wie Eis sein, denn es stockt in den Venen.
Das Flüstern bleibt bestehen. "Wenn du jemanden davon erzählt, töte ich dich. Dir würde sowieso niemand glauben."
Gallenflüssigkeit steigt meine Speiseröhre hinauf. Oder ist es die Wahrheit, die wie Säure aufsteigt.

"Oft habe ich sogar Flashbacks von seinem Geschrei!"

Richtig, so nennen es die Ärzte. Ein etwas betagter Doktor nannte es auch mal Nachhallerinnerung. Dieses Wort mag ich lieber, weil ich weder ein Fan von Anglizismen bin, noch Fachbegriffe genau einordnen kann. Damals untersuchte mich der Arzt einen Tag nachdem ich zu viele Pillen mit zu viel Alkohol geschluckt habe auf der geschlossenen Abteilung. Beim Abtasten meines Bauches habe ich ihn vor die Füße gebrochen. Auch das war ein Nachhall meiner Erinnerung. Denn das Echo kehrt immer wieder und verhallt nie.
Auch nach Jahren seiner Abwesenheit, ist er da.
Versuche ich das Unvermeidbare aufzuhalten, fällt das Kartenhaus mit noch mehr Druck zusammen. Druck ist genau das Schlüsselwort. Denn ich schreie nur in meinem Kopf. Entflieht ein Ton, schlägt er nur noch härter zu. Meine Rippen, meinen Rücken, meine Beine - niemals das Gesicht. Menschen können es ja sehen.
Ups, ich meine konnten. Alles in der Vergangenheit. Zumal ich auch gerade von zwei verschiedenen Männern rede. Der unkontrollierbare Soldat und der... andere. Der Benutzer. Der Schänder. Der..-

"Das ist so schrecklich." 

Der junge Mann hält diesen Austausch von Worten auch nicht mehr aus. Er sagt:

"Ermm... könnten Sie dieses Gespräch vielleicht woanders weiter führen, bitte?"

Die Realität ist wieder im Raum. Eine Realität, sage ich mal vorsichtig. Denn ich kann immer mehr als eine Realität benennen.
Ob der junge Mann es sehen konnte? Ob er weiß, dass diese quälende Erinnerung mich gerade heimsucht? Immerhin hat er sich ein Stück in die entgegen gesetzte Richtung bewegt. Fast kann ich auch wieder atmen, noch immer ist er zu nah ohne zu nah zu sein. Neben mir ist nah genug.

"Wer hat dich denn bitteschön gefragt? Du hast doch überhaupt keine Ahnung!"

Entsetzt schaue ich in ihr Gesicht, doch es verzerrt sich immer. Die Augen sind nur noch kleine Striche, genau wie die Nase. Wahrscheinlich ist auch sie nicht real.
Das Schwein setzt sich auf meinen Schoß. Um mich zu beruhigen. Diese Frauen haben selbst keine Ahnung, wie vielleicht auch der junge Mann. Keine Ahnung habe auch ich, weil ich nur das weiß, was sie mir gesagt haben. Ja, seine Schreie kenne ich und seine Grausamkeit. Natürlich auch seine Grausamkeit, wie seine Hände. Das ist mein Geheimnis, davon habe ich Ahnung, vom Leisesein, vom Verstecke spielen.

"Denkst du, wir sind einfach nur geil auf die Aufmerksamkeit? Was uns angetan wurde, ist unverzeihlich."

Wieder steigt die Galle in mir hoch. Wuchtiger, wie ein Hieven aus vergessenen Momenten jener Zeiten.
Ich flüstere ein gehauchtes "Unverzeihlich sind auch diese Worte"; leise, oh so leise -
und erbeche in den Mülleimer zwischen den beiden Frauen.

(Die Arzthelferin meines Psychiaters wird mich wohl jetzt lieben.)

Dienstag, 25. Juni 2013

Pop a pill

Warum kann es keinen Farbencode für Tabletten geben? Die Vorstellung zu Mindest finde ich nicht verwerflich. Grüne Pillen zum Beruhigen, blaue Pillen zum verbessern der inneren Harmonie, gelbe Pillen zum einfach alles besser machen, weiße Pillen um den Kopf von dunklen Gedanken zu reinigen,...
Nun wahrscheinlich vergesse ich, dass Tabletten keine Süßigkeiten sind. Sollen sie wohl die Heilung beschleunigen und unterstützen, nicht den Menschen von eigener Unwahrheit befreien. (Doch ich wünschte, dass könnten sie.)
Müsste ich beispielsweise Neuroleptika eine Farbe geben, wäre diese Rabenschwarz.  So finster, dass es beim Anblick die Augen aushackt. Blut rinnt aus den höhlen des Gesichts; ein Anblick wie durchnässte Tulpen. Schwarz wie neue Sterne, die Menschen wie mich zu Zeugen machen. Schwarz wie das Knurren eines Wolfes beim Erlegen seiner Beute.
"Zu Mindest möchte ich jetzt Niemanden mehr töten", außer wankelmütige Neuronen, die in Blut geschriebene Hieroglyphen skandalisieren.

Die Schwester nuschelt mir ein "Öffnen" zu. Streckt mir ihre Zunge entgegen; in der Hoffnung, ich würde sie nachäffen. Das tue ich auch. Tag ein, Tag aus - solch ein unterwürfiges Verhalten bringt immer Pluspunkte. Und wenn ich nur geduckt genug laufe, oft genug ein Lächeln auf die Lippen zwinge, vielleicht kann sich dieser Ort meiner entwürdigen.
Sie hat einen orientalischen Namen, den ich nicht aussprechen kann, doch der mich an fliegende Teppiche und Turbane erinnert. Allerdings redet sie ständig nur von Blumen. Gipskräuter heißen im Englischen "Baby's Breath". Wieso können die Namen der Gewächse hier nicht so melodisch sein? Zwischen Wolken aus Pollen und Stängel, knurrt wieder der Wolf.
Was würde Alice jetzt tun? Oder eine Disney-Prinzessin? Oder Lady Diana? Gewiss: Auch sie wollten diese Welt zu einem bestimmten Zeitpunkt verlassen. Mit mehr Hindernissen, weniger Hemmungen. Oder anders herum.

Die nächste Tablette findet ihren Weg in meine Hände. "Jetzt die noch", ertönt ein sanftes Arpreggio. Um mich herum stepptanzen die Krankenschwestern - pflichtbewusst und angeschlagen - während ich ihre Schritte zähle. Genau so wie ich sonst Schafe zählen würde, nein, eigentlich zähle ich keine Schafe, sondern Schlaftabletten, die wiederrum über mich lachen. Denn sie zählen die Stunden, die ich dennoch wach im Bett liege.

Wenigstens werden meine Träume nicht chemisch. Das macht mich zum Gewinner. So kann ich die weiße Haut von unschuldigem Kinderfleisch abreißen. Das Zittern macht mich hungrig nach mehr.
So viele Geschichten in diesen vier Wänden. Nur meine kenne ich noch nicht.



(Hiermit versichere ich, dass ich nur halbmast-high war als ich diesen Text letztes Jahr in der Klinik geschrieben habe!)

Montag, 24. Juni 2013

Sie nennen es Selbstverletzung

Gibt es einen besseren Weg ihnen zu
                              [e][n][t][k][o][m][m][e][n]?
Diesen mit
Scham/Trauer/Wut/Hass (etc.)
besetzten Gefühlen;
Einen besseren Weg
als sie zu ersetzen
mit etwas...

ertragbareren.


Ich beschmücke meinen Arm mit
r.o.t.e.n.  t.o.t.e.n. Federn
bis auch ich in einer gesamten Kunstform
zum Gesamtkunstwerk
erblühe.
Sie fangen mich auf
so weich und schützend.
So behalte ich Kontrolle über das Verlieren der Kontrolle.
Dies ist die Wurzel der

atem-be-raubenden Zerstörung.

Auch wenn ich mich selbst verzehre,
den Körper dem Zerfall preis gebe:
Z/er_br/e-ch-e ich in einem
wunderschönen Desaster.
Die Klinge malt Bilder
auf der Haut
in die Haut
unter die Haut
für Zeiten, in denen ich 
von
W                   e                            v            c          c
           e         l          n                     e     s    h    u    k
                 l                                         r           l           t
werde;
in mir selbst
unter-
          g
            e
              h
                  e

Freitag, 21. Juni 2013

Erwartungen = Enttäuschungen

Ist es nicht schrecklich deprimierend, wenn man einfach nur "irgendwas" erwartet, und damit immer noch zu viel erwartet?

Donnerstag, 20. Juni 2013

Professor

Das Gespräch beim Chefarzt der Klinik war eine einzige Trigger-Katastrophe. Also der Doktor war nett, schien auch einfühlsam, doch fordernd; und nun sitze ich zu Hause habe einen Schweißausbruch und Herzklopfen nach dem Nächsten, Flashbacks und...

Verrückt werden.

Gerade kann ich nicht einmal sagen, was besprochen worden ist. Alles irgendwie. Nichts Neues, auf der anderen Seite.

Überforderung.

Mittwoch, 19. Juni 2013

Unter den Teppichen

Der stechende Geruch modrig-nasser Teppiche steigt in unsere Nasen. Ohne ein weiteres Wort entscheiden wir, dass nun die Zeit gekommen ist.
"Welche Zeit?", fragen unwissende Passanten. In ihren Gesichtern Fragezeichen und Fassungslosigkeit. Eine Antwort ist nicht notwendig. Wir ziehen die Erde unter dem alten Teppich hervor, schüttelen so kräftig wie eben möglich den Staub von ihr und halten sie hoch in die Sonne. Wenn wir nur lange genug warten, werden die warmen Strahlen ihr wieder Leben einhauchen.

Aufgeregt zitternd versuche ich immer wieder nach deiner Hand zu greifen, doch du schüttelst sie nur immer wieder fort. Obwohl das Lächeln auf deinen Lippen nicht weicht, fühle ich wie ein Teil von mir im Erwachen von Leben untergeht. Vielleicht ist aber genau das unsere Aufgabe: Aufgeben.
Du gibst meine Abhängigkeit auf und ich das, was jemand Anderem zusteht.

Nun in neuer Blüte stehend, besprühen wir unser Werk auf jede freie Fläche aufgegebener Industriegeländer und Fabrikhäusern. Überall soll unser Namen stehen - bis unsere Fingerkuppen vom Herunterdrücken des Knopfes brennen.
Der Abdruck unserer Hände bemalt die grauen Vorstädte, übertönt die Traurigkeit und Gewalt, überschattet all das Negative.
Drei Schwarze Vögel landen auf dem Rahmen einer zerbrochenen Fensterscheibe. Du sagst, du weißt genau, was dies bedeutet.

Ich weiß es auch.

Plötzlich fällt alles im gleißendem Licht des Momentes zusammen. Die Sohlen meiner Sneakers sind voller Schlamm und doch ein wunderschöner Anblick.
Befreiend, fast schon erlösend.
Atemberaubend.
Momente erschaffend.
"Seelen-erwachend-wundervoll", sagen wir im gleichen Atemzug.

Am Ende des Tages, unter Umständen waren es auch mehrere Tage ohne Nacht, gehen wir zurück. Wir gehen nicht nach Hause, denn zu Hause ist, wo das Herz ist, und unsere Herzen kennen keine Ortsgebundenheit. Zu Hause sind wir überall, also streng genommen nirgendwo.
Immer noch stumm vor ungewohnter Empathie, entscheiden wir nun, dass die Zeit gekommen ist. "Welche Zeit?", fragen die Leute erneut verdutzt.
"Die Zeit zu gehen."

Widerwillig kehren wir alles wieder unter die Teppiche. Sehen stillschweigend zu wie die Farben wieder in Schwarz zerfließen und das erwärmende Lächeln der Menschheit wieder in Sorgenfalten zerfällt.
Wieder greife ich nach deinen Händen. Wieder ziehst du sie aus meinem Griff. Auch nachdem ich dir millionen tropfender Wasserhähne versprochen habe, für die durstigen Kinder und Erwachsenen, entziehst du deine Finger den meinen.
Meine Worte nimmst du und vergräbst sie tief in deinen Brustkorb. "Damit ich sie nicht vergesse", vergewisserst du mich. Unglaube sticht aus deinen Augen wie die Schlitze der Iris einer Giftschlange.


Heute Nacht, es gibt ja wieder die Nacht, trete ich wieder auf den stinkenden Teppichen herum. Bin froh über ihre Gesellschaft. "In der Dunkelheit sind wir so einsam", tuscheln sie unter meinen Füßen.
Einsamkeit kennen wir. Wir kennen sie zu gut.

Dienstag, 18. Juni 2013

Kann man Vergebung erlernen?

"Du bist das einzige Kind, welches wirklich gar nichts auf die Reihe bekommt. Hätte ich das doch nur früher gewusst. Vielleicht hätte ich deine Mutter doch zu einer Abtreibung bringen können. Ich wollte dich bestimmt nicht."

Welche kaltherzige Worte, Papa; welch hasserfüllte Botschaft, die da über deine Lippen krabbeln. Doch ich verstehe deine Wut, irgendwie, verstehe, warum die Enttäuschung so groß und die Anerkennung so gering. Was mich nur wirklich traurig macht, ist die Rückebesinnung. Ich habe so viele Erinnerungen an dein schreiendes Gesicht, an die Innenseiten und Außenkanten deiner Hände; weiß noch immer, wie dein Alkoholatem roch, wenn du über schlechte Schulnoten oder sonstige Schuldzuweisungen fasseltest. Doch ich kann mich nicht an den Tag erinnern, an dem du mich das erste Mal in den Arm genommen hast und freudig in meine Augen gesehen hast. Oder wie du mich bei meiner Rolle bei der Aufführung der Vogelhochzeit oder des Krippenspiels von einer Bank aus beobachtet hast und in viel zu übertriebenen Beifall verfallen bist. Oh, richtig, du warst nicht einmal gekommen. Nicht ein einziges Mal hast du, wie andere gelangweilte Eltern, mit den Finger auf die Eule, die Elster, Maria oder den Bettler gezeigt und gesagt: "Schaut mal, das ist meine Tochter."


"Wieviel Geld schuldest du deinem Bruder inzwischen? Du wirst wohl jetzt Hartzer werden, huh? Die Überraschung bleibt aus. Nach all der Scheiße, die du schon als Teenager versaut hast. Herzlichen Glückwunsch."
Unter Umständen ist das, dass Los, welches Menschen ziehen müssen, die eigentlich nie geboren werden sollten. Vorwürfe, Unverständnis, ewiges "Im-Weg-rumstehen". Es ist egal, was du sagst, Papa. Gleichgültig gegenüber Kritik, lehne ich mich zurück und lasse die Sonne in mein Gesicht scheinen. Nummer 1 und das Schwein sitzen neben mir und lächeln. Ich weiß nicht genau, aus welchem Grund sie lächeln, doch ich lächle einfach zurück.

Ununterbrochen redet er. Ich lese eine Artikel über die Inneneinrichtung von Wohnung. Man solle viele runde Formen einbringen, weil dies einen sehr natürlichen Apsekt in die Einrichtung bringt.
"Hörst du mir eigentlich zu?"
"Zwangsweise."
"Komme mal bitte wieder von deinem hohen Ross herunter, Frau Königin. Wer auf unterstem sozialen Niveau lebt, hat wohl kein Recht, so mit mir zu reden."
"In Deutschland gibt es für alles ein Recht oder ein Gesetz; egal, ob ich Bankier oder Bettler bin."
"Pass' auf mit wem du redest!"
"Eben."

Papa, ich verzeihe dir nicht, deshalb bekommst du von mir auch keine Entschuldigung.
Nicht im Moment. 


Gibt es eine Technik, die man erlernen kann, um Menschen einfacher zu vergeben?
(Unweigerlich muss ich mich gerade an einen sehr interessanten Tipp meiner alten Therapeutin erinnern: "Wenn ihr Körpergefühl verloren geht, masturbieren Sie einfach." Blöd nur, wenn das meiste Entfremdungserleben auf öffentlichen Plätzen stattfindet. Herr Busfahrer, bitte wundern Sie sich nicht, ich muss jetzt masturbieren. Wertvoller Tipp meiner Therapeutin.")

Montag, 17. Juni 2013

Overkill

Ich bin schon tot. Mich am Boden liegend noch zu schlagen, wäre nichts weiter als ein hasserfüllter Racheakt.
Während Scham und Schande mich befällt, ist es der Muse sanfter Blick, der mich nach oben sehen lässt. Als wären ihre Augen der Magnet zu meiner Psyche, diese entsetzlich furchtbaren Worten von Stift zu Papier. Ich zweifele nicht an meinem Verstand, nur an dem Zweck in diesem. Wenn anstatt Sprache nur noch Schrift diesen blutenden Körper verlässt, welche Nachricht kann die ignorante Gesellschaft noch erhalten?

Manchmal falle ich auf die Knie, greife aussichtslos nach deinen Fesseln, klammere mich an deine Existenz; frage nach Vergebung, mit Tränen in den Augen.
Es ist nur.... Ich weiß nicht, was man mir verzeihen kann, oder gar sollte. Wo lag in all der Zeit der niederdrückende Fehler, den ich unaufhörlich beging? Wo ist die Schuld, die mich hingebungsvoll verurteilt und verfolgt?

Vielleicht ist das die Stufe zum Wahnsinn, etwas schrittweise mehr als sprechende Tiere und dem Schlucken von Neuroleptika. Eine Feder im Wind, wie der Aufstieg des einzig wahren Schmerzens in meiner Brust.
Zu oft spreche ich von Suizid, von Befreiung und Seelenheil, doch den Weg, den ich schreite, ist der, der täglichen Neuanfänge. Eine ausgestreckte Hand nach fundamentierter Hilfe, eine geballte Faust voll nihilistischer Ablehnung? Zu viel nicht gewollt, zu wenig herzenskräftig versucht. Das Ergebnis bleibt das Gleiche: Ich möchte nicht leben mit diesem Overkill, möchte nicht sterben ohne diesen Overkill.


Nur in mir schlafen dieses dunkle Ding nicht mehr.
Es ist hellwach, schreit, zerrt, beißt, prügelt auf mich ein - wendet sich nie ab.
Es und ich. Niemals andersherum.

Sonntag, 16. Juni 2013

"Gekünstelt" ist Geschichte

Da einige Leute meinen, sie können meine Bilder ohne Erlaubnis auf ihren Blogs oder anderen Homepages verteilen, wird es zukünftig keine Gekünstelt-Posts mehr geben. Auch die alten sind somit gestorben. Vielleicht werde ich ab und zu ein Bild veröffentlich, weil es zu einem meiner Texten passt, aber versprechen kann ich gerade nichts.


Dieser Reim bedeutet nichts

Doch ich vergaß dich zu vergessen,
Hielt es nicht für angemessen;
Von 'Damals' ewig nur besessen,
Schuld und Sorge nun stattdessen,
Wenn mich Erinnerungen im Ganzen fressen.

Für dich wollt' ich ein Jemand sein,
doch Liebe ist nur schöner Schein;
lediglich im Todesauge rein.
Definiert war meine Hingabe dein,
im Inneren war ich stets allein.

Der Gedanke an die alte Zeit
scheint so nah, und doch so weit.
Erinner' mich an jeder Einzelheit,
zum Voranschreiten nicht bereit,
denn dieser Weg bringt Einsamkeit.

Dies ist doch kein Leben mehr,
ohne dich bin ich tränenleer.
Ich sehne mich täglich so sehr
nach Glücklichsein ohne Gegenwehr,
doch sehe nur noch schwarzes Meer.

Weißt du meinen Namen noch?
Oder kennst du nur das dunkle Loch,
in welches ich heimlich kroch,
um die Schönheit in dir, dennoch,
zu bewahren; ja, doch.

~ + ~

Einmal warf ich Steine an dein Fenster. Nicht, weil ich wollte, dass du ärgerlich wirst, oder weil ich wollte, dass du wusstest, dass ich wusste, dass sie nicht(s) über "uns" wusste. Ich wollte nur, dass du mich nicht vergisst, weil ich dich auch nicht vergessen konnte.
Das waren die Tage, an denen es mich noch interessierte.

Mit Tränen in den Augen bin ich davon gerannt, in den Wald. Genau genommen war es gar kein Wald mehr, nur noch eine Ansammlung von Bäumen und Sträuchern. Es lebten kaum noch Tiere in ihm, weil die Pflanzen zum größten Teil kaputt waren. Noch immer sind. Doch genau aus diesem Grund floh ich immer dort hin zurück, wenn es mir zu viel wurde.
Dieser Ort ist genauso krank wie mein Herz. Überall malte ich zu jener Zeit kleine Herzen in den Dreck. Damit die Natur auch weiß, dass sie geschätzt wird; wenn schon ich nicht wusste, dass ich geschätzt wurde.
Das waren die Tage, an denen ich anfing Liebeserklärungen zu hassen.

Mir kam die Idee einer Schatzsuche, denn du warst ein Junge. Jungen mochten zu jener Zeit noch Piraten. (Immerhin ging es damals nicht um exaltierte Bewegungen bemantelter Truthähne mit flachen, niveaulosen Witzen und unausgereiften Charakteren. Disney, Disney - was hast du dem guten Herren Errol Flynn bloß angetan?)
Ich wollte dir eine Karte mit Hinweisen malen. Die Kreuze auf der Karte waren Rosen, die dich zu mir führten, denn ich war der Schatz. Ziemlich wertlos romantisch, letztendlich, doch der Weg ist das Ziel, so sagt man.
Das waren die Tage, an denen ich nicht wusste, warum ich traurig oder fröhlich war. Ich akzeptierte es einfach. 

~ + ~

Wenn ein Arzt von "autistischen Tendenzen" spricht, was genau meint er?
Ich weiß, oder ich habe eine gute Vorstellung davon, was einen Autisten beschreibt, aber was genau beinhalten sogenannte Tendenzen?

Samstag, 15. Juni 2013

Wortfindungsschwierigkeiten

Manchmal verschwende ich Stunden damit, passende Worte zu finden. Zum Um- und Beschreiben, zum genau treffen, was ich eigentlich meine; auch wenn ich selbst gar nicht weiß, wovon ich rede.
Die Suche nach dem und jenem Wort und der dazugehörige Gedankengang ist nur meist die Lösung nicht wert.

Mein Vater wusste immer zu Allem ein Wort.

Ich konnte auf den wackelnden Zahn in meinem Mund zeigen, dessen  Bruder auf der gegenüber liegenden Seite fehlte, weil mein Kopf gegen die Wand schlug. Konnte mit den kurzen Kinderfingern auf die Wassertropfen an der Fensterscheibe deuten und bewundern, wie sich das Licht im Wasser bricht. Oder wenn meine Augen einen Schmetterling sahen, der gerade aus seinem Kokon schlüpfte.

"Canini."
"Refraktion."
"Entelechie."

Einmal sah ich ein Schiff aus Wolken über uns hinfort segeln; Traumprojektionen folgten, Fantasiefiguren - das Glück am Himmel.
Mein Vater sagte:

"Archimedisches Prinzip."
"Cumulus."
(Ein Husten, schwindelerregender Dampf entfloh seinen Lippen.)
"Nichtig."

Als er mir vor langer Zeit ein Buch vorlas, roch seine ganze Exitenz nach billigem Zigarettenqualm. Immer, wenn sich die Gelegenheit bot, stopfte er sich eine dieser Krebsstangen in den Mund, küsste die Krankheit, die wie Freiheit die weiche Haut seiner Lippen streichelte. Seine Brust bewegte sich wie ein kollabiertes Gerüst aus Sternen, komplexe und komplizierte Strukturen der verlorenen Kontrolle.
Ein Seufzen erfüllte den Raum. Zigarettenrauch war die Luft, die eine höhere Macht uns nie gegeben hat. Tief atmetete er ein, wünschte sich, dass ich so gut sprechen könne wie er.

Ungläbig sah ich ihn an, gestand, dass ich lieber auf ewig Schreiben würde und sah den enttäuschenden Schimmer in seiner Reflektion.

"Realitätsfremd."
"Idiopathie."
"Amaurose." (Vollblind, er und ich.)

Freitag, 14. Juni 2013

"Eigentlich verarschen wir Sie nur!"

Sagte keiner, doch hätte ich diesen Satz sofort geglaubt.

Der Termin wurde jetzt verschoben.
Wieso?
Der Arzt hat keine Zeit. Seit Stunden schon versuchte er mich zu erreichen, doch es stand keine Nummer auf den Unterlagen.
Das Merkwürdige: Gestern hatte er sie noch, bzw. seine Sekretärin. Meine Handynummer, die Festnetznummer und sogar die Handynummer von meinem Bruder.
Wo die wohl hin sind? Bestimmt zum Strand Cocktails schlürfen. Einfach immer das Gleiche mit den Nummern heut zu tage, die können keinen Tag ohne den Alkohol.

Verdutzt fragte mein Bruder den Herrn Professor, wie er sich das vorstellt. Erst sagt man einen Termin 1 1/2 Stunden zuvor ab, doch wir müssen ja zwei Stunden fahren. Dann kommt man am nächsten Tag nochmal, und er hat keine Zeit, kann keine Auskunft über weitere freie Termine geben und auch nicht über das Finanzieren der Fahrtkosten?

Er hat sogar versucht, mich zu beruhigen. 
"Mir ist bewusst, dass sie nicht genug Geld haben, um immer hin und her zu fahren. Am Montag ruft sie meine Sekretärin an und macht einen endgültigen Termin."
"Nein, Ihnen sollte nicht nur bewusst sein, dass ich nicht genug Geld habe, Ihnen sollte bewusst sein, dass ich GAR KEIN Geld habe. Ich bekomme kein Krankengeld mehr, deshalb sollte ich diese Reha machen, damit ich erstmal Übergangsgeld bekomme und mir bestätigt werden kann, wie viele Stunden am Tag ich arbeiten kann. Da Ihre Mitarbeiterin mich aber für Rehaunfähig erklärt hat und mich nach Hause geschickt hat, brauche ich Ihre Bestätigung. Denn ich kann weder eine Fahrt, noch zwei Fahrten hier her bezahlen, schon gar nicht drei. Nicht einmal Essen kann ich kaufen, oder Miete zahlen. Bewusst ist Ihnen gar nichts."
"Es tut mir sehr leid für Sie, doch jetzt muss ich dringend den Bus erreichen. Am Montag meldet sich die Sekretärin."

Man muss zugeben, dass er nicht unhöflich (oder auch mutig) genug war, um uns die Tür vor der Nase zu zu knallen. Lächerlich ist es trotzdem.
Mit mir kann man es ja machen. Momentan bin ich nicht einmal wütend, oder gekränkt, denn mein ganzes Leben lang hieß es gleich: "Sieh zu, wie du zurecht kommst."

(Irgendwie spukt eine Frage in meinem Kopf herum: Wie kann es mir jemals besser gehen, wenn es kein Schwein interessiert?)

Donnerstag, 13. Juni 2013

Na vielen Dank auch...

Das Klinikpersonal muss auch denken, ich habe zu viel Zeit/zu viel Geld. Um dort hin zu gelangen, brauchen mein Bruder und ich mit dem Auto über eine Stunde. Da wir zum heutigen Termin um 16.30 Uhr nicht zu spät kommen wollten, fuhren wir 14.30 Uhr los; man weiß ja nie, was unterwegs passieren kann.
Genervt vom Verkehr, durchgeschwitzt und über-nervös gehen wir also in die Klinik, suchen das unausgeschilderte Zimmer des Chefarztes.

Was steht an der Tür?

"Sehr geehrte Frau Emaschi,
leider müssen wir Ihren Termin auf Freitag 16.30 Uhr verschieben. Telefonisch konnten wir Sie nicht erreichen."

Auf meinem Handy war natürlich kein Anruf in Abwesenheit. Bei meinem Bruder auch nicht. Dieser war gleich ziemlich erbost, immerhin hat er (zum zweiten Mal diese Woche) 30 Euro für die Benzinkosten ausgegeben, sich heute extra frei genommen und seine Kollegen versetzt.
Für was?
Richtig! Gar nichts!

Wieder zu Hause angekommen: Ein Anruf in Abwesenheit auf dem Festnetztelefon. Um kurz vor 15.00 Uhr. Wer sagt denn bitteschön einen Termin 1 1/2 Stunden vorher ab, obwohl die Sekretärin wohl an der Adresse erkennen kann, dass wir mindestens 1 1/2 Stunden unterwegs sind?
Mitdenken geht anders. 

Morgen müssen wir also nochmal Geld zahlen, nochmal die Nerven verlieren, nochmal den Verkehr über uns ergehen lassen. Und Freitag Nachmittag durch München? Haha, wir werden wohl diesmal 3 Stunden vorher los fahren müssen.

Mittwoch, 12. Juni 2013

"Wir können Ihnen nicht helfen."

Überraschung: Hier bin ich wieder. Nach fünf Stunden Reha wieder nach Hause geschickt. Wer außer mir kann sowas schon von sich berhaupten?  

Lasst mich bitte einfach von vorne anfangen: Nachdem ich den Post gestern veröffentlicht habe, fuhren wir gleich los. Leider haben mein Bruder und ich zu spät festgestellt, dass unser Navigationsgerät nicht aktualisiert ist und uns um 7.30 Uhr direkt durch die Innnestadt von München führte. Ein klassisch-komischer Anfang für eine Tagesbeginn mit dem Auto.
Die Strecke um München herum, die seit letztem Jahr neu eröffnet ist, hätte uns einige Zeit gespart. Anstatt die von Google Maps berechnete Route von 1h 10min, waren wir mehr als drei Stunden und unterwegs.
Stop and Go, Stau im Tunnel, nur rote Ampeln, ein Konzert von Autohupen, hier und da stürzt sich ein Fahrradfahrer vor den Wagen - wenn dies nicht die Anzeichen dafür waren, um zu kehren, war es wohl der Fakt, dass wir beim falschen Krankenhausparkplatz parkten.
Wir kamen über eine Stunde zu spät, obwohl wir über-pünktlich - wie eigentlich immer - los fuhren. Bis wir das Krankenhaus erreichten, war es bereits 10.50 Uhr; um 9.30 Uhr sollte ich mich bei der Rezeption melden.

Trotz dessen war das Personal zuvorkommend und nett. Mir wurde eine Broschüre mit Weganweisung gegeben, die Frau an der Rezeption deutete mir mit ihren Armen noch die Richtung an und wünschte mir einen schönen Aufenthalt.


Auffällig war, dass wir ziemlich weit gingen, uns zwischenzeitlich nicht ganz sicher waren, ob wir überhaupt den richtigen Gang entlang liefen. Jedoch ist die Anweisung auf dem Papier nicht schwer zu verstehen, bloß der Weg war weiter als es ausschaut.
Bettenhaus A ist für die Patienten der Orthopädie, Bettenhaus B für die Patienten der Kardiologie, das Bettenhaus C, zu welchem wir unterwegs waren, ist die Abteilung für Psychosomatik. Nebenbei erwähnte ich, dass dieses ziemlich abgeschieden sei, meinte mein Bruder trocken: "Na klar, wer will schon gleich neben einem Haus voll Psychopathen schlafen?"

Im besagten Psychopathen-Haus angekommen, begrüßte mich ein nicht sonderlich engagierter junger Mann. Den Beruf des Pflegers sollte er vielleicht noch einmal überdenken, denn er gab mir den Zimmerschlüssel mit den Worten "Da vorne; wenn keine Handtücher da sind, fragen sie die Putzleute.".


Das Zimmer war klein, jedoch eigentlich einladend und angenehm. Wenigstens ein Einzelzimmer, habe ich freudig festgestellt. Das kann man ja auch nicht von jeder Klinik verlangen.
Auffällig war ein wunderschöner Hotel-ähnlicher Ausblick auf ein Stückchen Wald. Wer genau auf das Bild schaut, erkennt sogar den Starnberger See zwischen den Baumkronen.


Das erste Übel war die körperliche Aufnahmeuntersuchung. Natürlich nur das übliche Programm: Messen, wiegen, abtasten, abklopfen, ein paar Fragen. Das Erste, was Frau Doktor mit einem süßen russischen (?) Akzent kommentierte: "Oh, sie haben überall Narben."
Dies ging schnell vorbei. Bis auf meine Knie geht es mir körperlich ganz gut. Meine Medikamente musste ich nicht abgeben, was für mich ziemlich neu war. In jeder anderen Klinik, diese waren aber keine Rehabilisationseinrichtungen, musste ich immer alles abgeben.

Danach folgte ein Computertest, der die ersten Überforderungsgefühle hervorbrachte. Eigenrtlich "sei es eine Sache von 30 Minuten", sagte Frau Doktor Vorobyov; nicht bei Emaschi. Nach fünf Minuten Fragen mit "oft, regelmäßig, selten, gar nicht" beantworten, war meine Aufmerksamkeitsspanne passé. Ich starrte die Sonne an, horchte den Singvögeln der Natur und mein Bruder sollte die Fragen für mich beantworten.
Im Übrigen war es ein Big Five Persönlichkeitstest. Dieser beinhaltete 230 Fragen. Ein Ergebniss bekomme ich natürlich nicht vor Gesicht, nur mein Hausarzt.

Weiter ging es mit dem Ruhe-EKG. Es war merkwürdig, denn gleich nachdem ich meinen Oberkörper frei gemacht habe, setzte sich das Schwein auf mich. Die Monster machen ihm Angst, sagte er; doch welche Monster, fragte ich mich. Eigentlich waren sie überall, das wusste ich - weil sie ja immer einfach auftauchten.  Zaghaft ging ich in das Zimmer und schaute mich um.
Neben dem Drucker saß ein gelbes Monster mit riesigen Zähnen.
Die Elektroden wurden an meinen Körper angebracht.
Ein weiteres Monster erschien neben dem Monitor. Es war zottelig und hatte ein Loch im Magen, im wahrsten Sinne des Wortes. Es fragte: "Was könnte denn realer sein?" und lachte.
Die medizinisch technische Assistentin beäugte mich ungläubig. Erneut richtete sie die Kabel an meinem Körper, ließ die Maschine noch einmal laufen.
"Kann es sein, dass Sie ziemlich aufgeregt sind?", wollte sie wissen.
"Nein, ich liege jeden Tag halbnackt vor Fremden. Das ist ein Hobby von mir. Am meisten Spaß bringen Kleinkinder.", sagte ich. Mit hochgezogenen Augenbrauen wendete sie sich ab, zog mit etwas zu viel Kraft die Saugnäpfe von meinem Oberkörper. Ach, soll sie ruhig denken, ich wäre ein undankbares, sarkastisches Stück Dreck. Sie wäre nicht die Erste, oder die Zehnte, oder die Zwanzigste.
Wortlos verließ ich den Raum. Die Monster folgten mir nicht. Das Gelbe streckte mir noch einen hochgestreckten Daumen entgegen.

Inzwischen war es kurz nach 12.00 Uhr. Wirklich zum Essen war mir nicht zumute, aber was sollte ich auch groß dagegen tun? Der gelangweilte Pfleger drückte mir eine Marke in die Hand, dirigierte mich zum Speisesaal und verschwand wieder ins Off. Das Frettchen biss ihm in die Ferse, doch er merkte es nicht. Genau wie er auch meine verfolgenden Blicke nicht merkte.
Mein Bruder wollte im Café auf mich warten, denn Essensausgabe war nur für Patienten.

Nun begann der Horror.
Man bekam einen Sitzplatz zugewiesen. Ein geschätzter 3-Meter Mann (Ja, mit einer Körpergröße von 159cm sieht jeder viel größer aus) führte mich zu meinem Platz. Unzählige Augenpaare starrten mich an. Der Saal war gefüllt. Ist ja auch vollkommen natürlich, dass man einen Menschen mit Agoraphobie in einen riesigen Raum gefüllt mit Menschen steckt.
Das Herz stolperte in meiner Brust, das Engegefühl erstickte die Atemluft. Wie ein gehertztes Reh ergriff ich die Flucht.
Die Augen verfolgten mich. Angstschweiß rollte von meiner Stirn als ich mich in das nach Putzmittel und Scheiße duftende Bad einschloss. Angst. Angst. Angst. Da kann ich nicht hinein. Nie wieder. Lieber würde ich verhungern. Angst. Angst. Immer größer, immer heftiger. Mit einer ohnmächtigen Übelkeit hielt ich mich an der Wand fest. Nummer 1 kam zu mir, beruhigte mich so gut es ging. Ich nahm den kleinen Hund in den Arm und presste ihn fest an meinen Körper.
Zum ersten Mal nach Monaten fühlte ich Flüssigkeit aus meinen Augen austreten. Weine ich wirklich? Sind wenigstens diese Tränen real?

Ich ging zu meinem Bruder. Erzählte ihm von der Panikattacke und versuchte vergebens ihn davon abzuhalten, es dem Pflegepersonal auf meiner Station zu berichten.
"Sie hatten hier eine Panikattacke? Sind sie denn nicht in Behandlung? Um 12.45 Uhr kommt die Psychologin. Bitte schildern Sie ihr alles nochmal."

Wir verkrochen uns in das kleine Zimmer. Mein Bruder ruhte sich ein wenig auf dem Bett aus.
Ich starrte aus dem Fenster in Richtung Sonne. Freundlich wärmestrahlend sagte sie: "Habe keine Angst."
Doch es war bereits zu spät.
Für mich gab es keine Ruhe. Selbst mein Gehirn und mein Herz unterhielten sich.


Zum Termin mit der Psychologin erschienen wir pünktlich. Zuerst blickte sie uns entgeistert an und verkündete lautstark, dass dies das erste Mal in ihrer Karriere wäre, dass eine Person mit ihrem Bruder bzw. überhaupt mit Begleitung ein Erstgespräch in einer Rehaklinik erlebt hätte. Mit jedem ihrer Worte sank mein ohnehin schon angeknaksten Selbstvertrauen in den Minusbereich.
Mein Bruder verteidigte sich, wenn dies auch mehr als notwendig. Im Grunde genommen kam er auf Anraten meines Therapeuten mit. Dieser empfahl ihm, dass er vorneweg basisaufbauende Informationen mitteilen solle, denn ich würde sie weder in Worte fassen können - noch wollen. An den genauen Wortlaut kann ich mich nicht erinnern, doch das Gespräch der Beiden folge wie ungefähr:

Frau Doktor: "Was sind denn die Dinge, die Sie mir sagen wollen?"
Bruder: "Emaschi hat Tiere aus einer anderen Welt, mit denen sie spricht. Normalerweise ist es kein Problem. Doch wenn sie Stress hat oder Angst, kann es passieren das Nummer 2 kommt und dann kann man nicht versichen, dass sie sich nicht selbst verletzt. Das könnte aber auch so passieren."
Frau Doktor: "Das heißt, die Symptome sind alle noch aktuell wie sie auf dem [zuvor auszufüllenden] Antrag stehen?"
Bruder: "Ja, sie kann auch nicht gut mit Menschen umgehen. Eigentlich nur mit mir. Sofern fremde Leute da sind, bekommt sie Panik bis hin zu Halluzinationen."
Frau Doktor: "Eigentlich ist eine Reha dafür da, dass eine Wiedereingliederung ins Arbeitsleben stattfinden kann. Symptome wie Panikattacken sollten bereits therapiert sein. Kann man denn darauf vertrauen, dass sie die Notfallschwester ruft, wenn irgendwas ist?"
Bruder: "Nein. Sie ruft nur Nummer 1. Niemanden sonst. Nicht einmal mich."
Frau Doktor: "In der Reha werden hauptsächliche Gruppentherapien wie Ergo-, Kunst-, Musik- und Sporttherapien angeboten. Auch Gesprächssitzungen sind mit 12 Personen pro Gruppe gedacht. Kann sie da überhaupt teilnehmen?"
Bruder: "Das kann ich nicht versprechen. Würde dafür aber nicht meine Hand ins Feuer halten."

Sie atmet tief ein, tief wieder aus, kurz seufzt sie aus und schaut fragend hin und her, zwischen meinen Bruder und mir. Sie wollte allein mit mir sprechen. Dieses Gespräch führte jedoch nur in Sackgassen. Sie hat meine Monsterfreunde nicht verstanden, ich habe ihr Drängen auf Neuroleptika nicht verstanden. Sie wollte Bestätigung, dass ich mir nichts tun werde während der Zeit, die ich da bin und auch zusammen mit den Leuten essen gehe, doch ich wollte nicht lügen.
Ihre Augen wurden blank. Schon wieder machte sich ein Angstgefühl in meiner Magengrube breit. Eingebung und Erfahrung lehrten mich Einsicht: Hier wäre es genauso wie in den anderen Kliniken. Schön ist es und die Leute sind nett. Doch keiner weiß etwas mit mir anzufangen.
Das Schwein kroch zu meinen Füßen: "Warum hast du denn nicht einfach die Wahrheit weggelassen? Dieses Mal hätte man dir bestimmt helfen können. Es ist nur deine Schuld, wenn man dich wieder nach Hause schickt. Warum? Warum hast du nicht einfach deinen Mund gehalten und darauf gerwartet, dass es besser wird?"
Es mekerte ohne Ende. Bei jedem Satzzeichen floh ein Geist aus seinen Nasenlöchern.



Letztendlich bat sie meinen Bruder wieder hinein. Sie müsse eben mit ihrem Chef, Prof. Dr. P. Martius, telefonieren.

Nach einigen Minuten kam sie wieder. Auf ihren Lippen befand dich ein zaghaft unsicheres, jedoch alles sagendes Lächeln.
"Es tut mir sehr leid. Wir können Ihnen hier nicht helfen. Ich werde Ihrem behandeldem Arzt eine Bestätigung der Rehauntauglichkeit zusenden lassen. Allerdings möchte mein Chef Sie noch einmal unterrsuchen. Die Rentenversicherung braucht nämlich zwingend ein Nachweis auf medizinische Arbeitsuntauglichkeit."

Am Donnerstag Nachmittag fahren mein Bruder und ich also nochmal zur Klinik. Dieses Mal nicht durch die Innenstadt. Was passieren wird? Wen kümmert das? Man kann mir nicht helfen. Weder in Psychiatrien, noch in Therapien, noch in Rehakliniken.
"Vielleicht ist es dir gar nicht bewusst, dass du gar keine Hilfe annehmen kannst - selbst wenn andere Menschen sie dir anbieten würden", grunzt das Schwein.

Was am Termin beim Herrn Professor passiert, werde ich auch berichten.

Das einzig Positive, was ich über gestern sagen kann, ist, dass ich diesen wunderschönen blauen Beutel mitgehen lassen habe:

Dienstag, 11. Juni 2013

Gleich ist es soweit

So richtig etwas zu sagen, habe ich gar nicht. In 10 Minuten geht es los; auf in Richtung Reha-Klinik. Mein Bruder fährt mich, da es mit dem Auto eine knappe Stunde dauert und mit der S-Bahn und Bus über zwei Stunden.
Leider weiß ich nicht, wie es dort mit der Internetbenutzung aussieht. Sollten keine Computer bereit gestellt werden können bzw. Internet  nur mit Benutzung eines Laptops, werde ich die nächsten Wochen wohl selten bis gar nicht online sein. (Vielleicht am Wochenende?)
Allerdings war die Nachfrage nach den Klinikabläufen, meinen Gedanken zum Thema Therapie und Reha ziemlich groß, deshalb werde ich versuchen, so gut wie möglich alles zu dokumentieren und später online zu stellen.

Noch wichtig für meine Facebook-Freunde: Sollten Spielanfragen auf meinem Profil erscheinen, spielt mein Bruder für mich. Ich bin es nur, wenn ich meinen Status aktualisiere bzw. euch direkt anschreiben.

Im Moment bin ich chemisch ruhig; ihr wisst, was das bedeutet.
Gleich geht es los.

+ ~ +

Danke auch an die zwei Teilnehmer von Unser Werk. Die Seite wurde jetzt aktualisiert.

Samstag, 8. Juni 2013

Das Einzige, was ich über Fashion weiß

Wenn Menschen auf deinem Herzen herum treten, tragen sie entweder Stilettos oder schwere Springerstiefel. Dies muss nicht einmal geschlechtsspezifisch sein, nur so nebenbei. Das ist das Einzige, was ich zum Thema Fashion schreiben kann.

 ~ + ~

Bitte sendet bis Morgen 20.00 Uhr eure Beiträge für Unser Werk 4 ein! Danke.

Freitag, 7. Juni 2013

Nur noch 4 Tage bis zur Reha.

Grabblumen

Wenn Wünsche nun doch in Erfüllung gehen, ist dies wohl der Grund für seinen Tod. Wie oft hat sie sich heimlich gewünscht, dass er einfach verschwinden würde.
Es kam nicht als Überraschung, sondern als Erleichterung. Die Grabblumen stahl sie vom Garten des Nachbarn. Hortensien und Grünzeug, von welchem sie den Namen nicht einmal kannte; eigentlich war der Strauß zu schön, um an seiner Seite in die Nachwelt zu treten.
Doch das werden sie. Wie ihre Erinnerung an ihn, eines Tages.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Weltschmerz 2.0

Aus meinem Kopf spricht das Selina-Manuskript. Jean Paul, Jean Paul - sie war nicht die einzige Frau, die hellsehen konnte. So wehmütig, so unzulänglich verbindet uns die Ewigkeit, die Unsterblichkeit der Seele.

~ + ~

Als würden wir in passender Totenstille einem Beerdigungsmarsch verfolgen.
Entlang den endlosen Straßen durch einsamen Eichen und Laternen, die eher den Himmel zu erleuchten scheinen als den Weg.
Unter unseren lastigen Füßen bricht Mutter Natur entzwei. Schon längt haben wir die Schönheit des Atemzuges für Gold und Geld verkauft; während nun eiskalte Metallmaschinen das Eis vom Berg schmelzen und den Grund der Meere zerstören.

Trauernd, der Menschen Hände greifen durch Nebelwelten und schwere Schattenluft; verkohlte Lungen.
Aus dem Nichts packt es uns bei der Kehle und schlägt uns ins Gesicht:
Die Schande. Die Scham. Der Weltschmerz. 

~ + ~

Sie hat ein Herz aus Gold.
Und sie, ein Herz aus Blei.
Und sie, ein Herz aus Uran.

Manchmal gehen die Drei spazieren.

Gold legt Vertrauen in ihren Wert,
untrübbar.
Gekauft und verkauft, gekauft und verkauft:
Die unschuldige Hure.

Dahinter läuft Blei,
irgendwie schwerfallend, nach unten ziehend;
mit Schuld aus Kugelgeschossen,
mit Stolz aus Akkumulatoren und
Sorge aus nicht-reparierbaren Gehirnschäden.

Irgendwo am Wegesrand stolpert Uran,
den Kopf voll mit Tumoren,
doch die Haut leuchtet so schön
(und hat nichts mit glitzernden Vampiren zu tun);
so ein dünnes Gerüst für so ein dichtes Körpcherchen.

~ + ~

Vergesst auch nicht, dass bis Sonntag noch eure Einträge für Unser Werk eingesendet werden können. Ich freue mich über eure Teilnahme.
Hier noch einmal genauere Infos: Klick

Montag, 3. Juni 2013

Filmnacht

Alles, was ich jetzt brauche, ist ein Herr der Ringe-Marathon.
Keine besserwissenden Bekannte, kein schimpfender Bruder (Ja, ja - sie meinen es alle nur gut), keine Angstzustände meinerseits (hoffentlich), kein gar nichts... nur in Ruhe Filme schauen.

Ich freue mich richtig drauf. Ehrlich gesagt, kann ich mich gar nicht daran erinnern, wann ich mich das letzte Mal auf irgendwas gerfreut habe.
Gut, man sieht mich dann in circa 11 Stunden wieder.

Sonntag, 2. Juni 2013

Zum Aufbewahren - Das Drei-Schritte-System

Schritt 1: Verdorbene Poesie:

Im Auge des Todes(blickes) bin ich schlicht zurückhaltend,
bescheiden, würde ich behaupten;
Dieser Gedanke lebt in meiner linken Hosentasche,
um mich eindringlich daran zu erinnern,
dass ich Leben gerettet habe,
Leben verloren habe,
Leben gegeben habe
und doch
Leben verlassen werde. 


Schritt 2: Verharrendes Tageszitat

"Es schien mir im Nachhinein nicht richtig, dir Vorwürfe zu machen. Damals schien es aber auch nicht richtig, dich allein da stehen zu lassen, gemacht habe ich es trotzdem."
Entschuldigt hat sie sich nie - weder für damals - noch für heute.


Schritt 3: Vernachlässigte Alpträume

Ich bin an ein Krankenhausbett gefesselt. Aber nicht mit dieses Hand- und Fußfesseln, die normalerweise in moderneren Kliniken verwendet werden, sondern diese langen, körperumringenden Schnallen, die einen in die Matratze drücken.
Mein Vater sitzt neben mir, ruhig, scheinbar besonnen; gekleidet ist er in der Uninform, die er trug, als er noch als Grenzsoldat arbeitete. Eigentlich passt sie ihm heute gar nicht mehr, doch im Traum war sie passend perfekt. Sie passte zu diesem verachtenen Blick ohne Worte. Dieses Starren, welches er früher schon als Taktik psychologischer Überlegenheit ausspielte. Ich wollte etwas sagen, jedoch traute mich nicht.
Nur Blicke tauschten wir aus, ängstlich vermeidend gegen unterdrückt aggressiv.

Plötzlich fühle ich Hände meinen Oberschenkel entlang gleiten. Nur ein paar Hände. Natürlich kenne ich diese Hände, natürlich vermischt sich Erinnerung und Traumvorstellung, denn es gibt keinen Körper. Keine anwidernden Lippen, die von Schande und Demut sprechen. Keine schmerzhaften Glieder, die Unschuld nehmen und im Blut untergehen. Nur Hände, die anfassen.
Ich will schreien, doch ein weiteres paar, mir unbekannte Hände legen sich über meinen Mund. Es sind Höllenqualen, die in mir brodeln, doch schlummernd nur zu Tage kommen. Ich weine, das mache ich inzwischen eigentlich nicht mehr, denn im Normalfall lähmt Angst.
Die Hände betatschen mich überall. Furchtbar; ich will nur fliehen, entkommen, flüchten. Beiße voller Verzweiflung in die Finger der anderen Hand. Die Strafe folgt sogleich: Sie legen sich um meinen Hals. Die andere Hand folgt. Auch mein Vater erhebt sich und legt seine Hände um meinen Hals.
Flehend bitte ich um Gnade, bitte ihn, mich zu verschonen. Wieder spricht nur sein Blick, den ich nicht abwehren kann. Dies ist das Ende, denke ich, bin zwar nicht bereit, aber entscheidungsunfähig.

Eine Stimme aus dem Dunkeln flüstert: "Sag' es einfach Keinem. Du weißt welche Strafen folgen."
Ich schließe die Augen. Weitere Tränen rinnen über meine Wangen. Der Blick verschwimmt, doch sehe ich die zwei Augen, die mich mit Schmerz und Angst erfüllen.

Ein böses Erwachen.

Samstag, 1. Juni 2013

Haare gefärbt

Hier der Beweis dafür,das ich in den letzten zwei Monaten nicht sonderlich einfallsreich war. Nichts desto trotz... mal wieder ein "Gekünstelt"-Eintrag. Was habe ich weiteres dazu zu sagen? Eigentlich nichts. Eine Nachbarin von mir hat sich einen Boston Terrie gekauft; der kleine Kerl ich sowas von herzig. Sollte also demnächst ein Hundediebstahl in der Zeitung verzeichnet sein, war wohl ich die Schuldige.

Außerdem wollte ich euch noch ein Bild von meiner neuen Haarfarbe bzw. meinen neuen Haarfarben zeigen. Mein Bruder findet, es sieh aus als stünden meine Haare in Flammen. Aber keine Sorge, von Mister Kahlkopf lasse ich mir nichts sagen.


Des Weiteren wollte ich euch an das Gekünstelt Projekt erinnern. Bisher habe ich noch keine Beiträge bekommen, aber es gibt ja auch bis nächstem Sonntag die Mögleichkeit dazu.
Hoffentlich häufen sich die Beiträge genau so wie das letzte Mal. Danke schonmal =)