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Mittwoch, 31. Juli 2013

Doch kann ich diese Leere nicht besser beschreiben. Natürlich musste mein Winterherz in seinem Sonnenschein schmelzen, musste mich mal wieder damit abfinden, dass jedes Vorbei nicht wirklich ein Ende ist, sondern einfach nur ein Danach.
Es ist auch verständlich seine Triebe ausleben zu wollen. Nur tut es weh, wenn es sich im Nachhinein so anfühlt, als hätte er mir lediglich einen Gefallen zun wollen, indem er mit mir Zeit verbrachte.

Entscheidung

Von Natur aus abhängig;
es sind mehr als nur ein paar schlechte Angewohnheiten,
doch trifft es pure Ironie:
Alles und Jeden in Worte zu verpacken,
ist schon ein nervöser Tic
für mich.

Sogar das Ausleben
ungeachteter Inspiration
ist eine Danksagung
an all die jenigen,
auf die ich Nichts gebe
außer Buchstaben..

Wir haben uns mit "Gute Nacht" verabschiedet,
nachdem ich dir beschriebenes Papier zeigte,
welches so viel mehr bedeutete
als Sprache.
Nun bist du fort,
denn ich hasse klassische "Es ist nicht deinetwegen"
und du
kennst das Gewicht von Tinte auf Leere nicht.
Ich möchte keine Leinwand
für Drücken/Ziehen-Gefühle sein,
kein Mensch hat das Recht,
seine Gedanken
auf meine Gedanken
zu projezieren.
"Gut", sage ich,
viel zu unterkühlt,
schreibe:
"Doch warst du es, der zu erst seine Arme um mich legte,
der mich küsste,
der mich unter frisch-gewaschenen Bezügen drückte,
mir den dunklen Keller seiner Fantasien aufschwatzte."

Nur weil ich Papier in deinen Namen
verschwendet habe,
bedeutet das nicht,
dass ich ein Teil dieser Seele
darin
verarbeitet habe.
Schwarz-auf-weiß kann ich leugnen,
doch kannst du es nicht zurück nehmen,
dass du zu früh gekommen bist,
obwohl ich sagte:
"Früher ist besser als gar nicht",
um deine Gefühle nicht zu verletzen.
Du meintest:
"Das Timing zwischen uns
wird nie stimmen,
egal, welches Buch das Gegenteil behauptet.
Du bist ganz besonders, doch zu ersetzen,
denn ich kann gar nicht anders
als dich in den Regen zu stellen.",
um meine Gefühle zu verletzen.

Die Suche nach Abstand,
damit du dich selbst nicht verbrennst,
verstehe ich,
doch ich habe wahnhafte Angst davor,
etwas zu fühlen,
oder gar nichts zu fühlen;
Nichts von Beidem tut weniger weh.

Es ist nur...
Ich wollte sagen.... oh nein, Warte!
Niemand hat gefragt, was ich sagen wollte,
denn ich schreibe ja nur,
auch nach einem Kuss,
oder nach dem Sex,
oder dem Herzschmerz.
Hättest du doch nur einmal gefragt,
was ich sagen wollte,
hätte ich es auf abstrakt-schöne Weise getan,
die der Moment hätte bewahren können:
"Du bist die rote Linie
über den Narbenmeer auf meiner Haut,
die jeden Tag heller erscheint,
und Kopfleere und Seelenheil verbindet.
Mit dir an meiner Seite
vergeht die Sucht nach tippenden Tastaturen
und schreibenden Kugelschreibern;
denn du reißt alte Mauern nieder,
die selben betagten Angewohnheiten,
die erst beschützten und dann
erdrückten.
Ich mag dich,
weil du mich in kaputter Glorie akzeptierst
und ich keine Worte mehr brauche,
um Schlecht von Gut zu filtrieren."

Letztendlich bleiben nur Zeilen im Tagebuch,
denn du kannst dein Glück nicht
abhängig
machen; von Kreaturen wie mir.
Du bist süchtig danach,
andere süchtig nach dir zu machen.
Wieder und wieder.
Bis es außer Kontrolle gerät,
und du davon rennst.
Ich verstehe nicht,
dass du nicht sehen kannst, 
wie sehr ich versuche,
den Sauerstoff aus meinen Lungen zu lassen.
Denn ausnahmsweise
dieses eine Mal
war dies meine Entscheidung.

Dienstag, 30. Juli 2013

Existenzielle Engpässe der mentallen Begebenheiten

Wenn ich noch einmal darüber nachdenke, bin ich überrascht, wie klein ich mich fühlte als ich von Menschen ignoriert wurde, die ich nicht einmal leiden konnte. Wahrscheinlich geht es ihnen genau so, rechtfertigte ich, nur machte niemand so eine Fanfare daraus - außer mir, natürlich.

Heute zeige ich Menschen die kalte Schulter; das sagt man mir zu Mindest.
Mir selbst ist es nicht bewusst. Mein ganzes Leben habe ich mich immer so unbedeutend gefühlt, dass ich anfing, so zu tun, als würde ich gar nicht existieren. Das allerdings tue ich mit Vorsatz.
Immer wenn ich den Mund öffne, setze ich zeitgleich meinen Fuß in das Gesicht von Mutter Desaster. Also sage ich lieber gar nichts.
Immer wenn ich die Chance habe, mich besser dar zu stellen als ich bin, mache ich gar nichts daraus, denn ich möchte nicht, dass jemand denkt, ich sein besonders oder gar individuell.
Immer wenn ich Interaktionen manipulieren könnte, löse ich mich in Luft auf, denn ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass etwas mal so laufen könnte, wie ich es haben möchte.

Ist dies nicht verdreht? Zwar rede ich von Glückseligkeit, doch tue absolut gar nichts dafür, einmal in ihren Genuss zu kommen. Ich versuche es nicht einmal.



Ich weiß nicht, was ich fühle, aus diesem Grund, kann ich nicht einmal sagen, dass ich verärgert bin. Bitterkeit kenne ich zur Genüge, versteht mich nicht falsch, und ich kann nicht mehr als Menschen von mir wegschubsen, die eigentlich helfen wollen; kann nicht mehr als ein nervöses Lächeln auf meine Lippen zu zwingen, um ab zu lenken. Wenn das nicht hilft, zitiere ich Bücher, die dem Anschein nach keiner außer mir kennt, oder mache einen niveaulosen Witz, den auch keiner außer mir zu verstehen scheint, und sage nichts mehr.
Indem ich zu verschwinden versuche, verbaue ich jegliche Gelegenheit. Nun so ist es eben. Vielleicht habe ich eine Art psychologisches Problem, welches ich nicht entschlüsseln kann, weil ich nicht weiß, was ich selbst denke, doch immer erahnen möchte, was andere denken. Die breite Masse jedoch ist einfach gestrickt und man kann gut erkennen, was gebraucht wird und was nicht, was ersetzt werden kann und was nicht. Zum Beispiel der Hausmeister in diesem Gebäudekomplex: Der kann ersetzt werden, denn es gibt sicher Jemanden, der nicht vier Wochen braucht, um die zwei Glühbirnen im Keller auszutauschen. Mein Hausarzt kann nicht ersetzt werden, denn dieser antwortet bevorzugt mit lateinischen Fachbegriffen. Als mein Ex-Freund zu ihm sagte, er habe sich den Arsch gebrochen - das ist ein Zitat-, antwortete der Mediziner nur mit "Coccyx". Kein anderer Mensch macht so was, darum ist er nicht zu ersetzen.  

Natürlich bin ich mir der Unwichtigkeit dieser Gedanken bewusst. Während sich angepasste Robotermenschen auf die Suche nach einem Job machen würden, den ein oder anderen Gang zu verschiedenen Ämtern erdulden müssen, frage ich mich, warum Pommes eigentlich Fritz heißen und nicht Sepp, oder Dirk, oder Gertrud. "Gute Frau, könnten Sie mir die geschnitzten Kartoffeln der heiligen Marie-Luise reichen?"


Meine Güte, diese mentalen Engpässe müssten ernster genommen werden als ich anfangs vermutete.

Doch ist es auch nicht so als würde ich meine Arzttermine nicht absichtlich vergessen. Wie schon erwähnt, ich möchte einfach nicht mehr ins Blickfeld genommen werden, nicht mehr reden, nicht mit Medikamenten überleben, möchte die aufgezwungene Aufmerksamkeit nicht. Sitze ich vor einem Therapeuten, der immerhin sein Bestes versucht, fühlt sich jeder Atemzug, den ich nehme, wie eine Faust ins Gesicht an. Davon kenne ich mehr als genug, seid euch dessen bewusst.

Besonders schlimm sind Fragen wie "Doch Sie möchten doch, dass es Ihnen besser geht, richtig?" Ja, manchmal möchte ich auch ein Nickerchen auf den Gleisen machen, wenn ein Schnellzug durchfährt. Bisher habe ich das ja auch noch nicht gemacht; nicht, dass ich es nicht versucht hätte.
Also fragte ich ihn, was eigentlich sein Problem sei und er antwortete nur, ich sei doch zu ihm gekommen. Richtig, genau so war es.
Aus diesem Grund möchte ich das Haus nicht verlassen.

Ist doch alles geklärt.
Verwirrt bin ich trotzdem.
Doch nicht mehr oder weniger als zuvor.
Vielleicht sollte ich anfangen zu beten, auch wenn ich nicht weiß, zu welchem Heiligen ich Vertrauen fassen soll. Einmal habe ich zu Gott gebetet - da war ich ein Kind; ich war vom Leben müde und von Schmerzen vernebelt: Ich war dabei zu sterben und betete um mein Leben. "Bitte, lieber Gott, lass' mich nicht sterben.", sagte ich.
Ich bin nicht gestorben.
Auch später nicht; in den Momenten, in denen ich sterben wollte, und nicht mehr betete. Immer nur ist ein weiterer Teil in mir gestorben, wofür Gott keine Schuld trägt, das weiß ich. Wahrscheinlich sollte ich lieber zu Thaddäus beten, nicht umsonst wird er der Patron der verzweifelten und hoffnungslosen Fälle genannt. Wenn ich hoffnungslos bin, wird er mich verstehen, auch wenn ich nur "Bitte hilf mir" sage, denn ich habe nichts weiter zu sagen - außer das.

Sonntag, 28. Juli 2013

Wenn es spricht,...


... spricht es unentwegt. Doch ich kann nicht sprechen, darüber. Denn Ärzte denken, ich bilde mir alles nur ein, würde sogar nach dieser Angst fragen.
Nur dort bin ich real, weil ich kein Mensch bin in der Nacht. Und am Tage verflechtet sich Realität mit Hilfeschreien, die Niemand erhört. Nur ein stimmloser Laut. Ich habe solch eine Angst. Es endet einfach nie. Ich kann nicht mehr.

Freitag, 26. Juli 2013

Unverfrorenheit

Zitterndes Papier-Weiß:
Die Seele der Wände,
die sich zurück ziehen,
von unter deiner Haut.
Unreal und kalt,
doch immer noch menschlicher
als du dich fühlst.
Sie starrt in dich hinein,
erkennt die allgemein-geteilten Geheimnisse
und allgemein-geteilte Finsternisgedanken,
die stetig nur in traumlosen Wünschen untergehen.

Frechheit ist es,
die dich nicht erkennen lässt,
dass etwas so Unschuldiges
für Opium keine Herausforderung ist,
nicht mehr.
Mäuse verteilen sich im leeren Haus,
wenn du sie lässt.
Nur die Ratten waren schon vorher da,
das Kratzen ihrer winzigen Pfoten
ist die Distanz dieser
emotionalen Inner-Räume.

Denn du hast es geschehen lassen.
Hast immer nur zugesehen
wie sie dich in Schubladen schieben,
dich wie codierte Karteikarten behandelt haben;
gebrochen, aufgegeben und verletzt
rollst du deinen Körper in einen Ball
aus versteckter Instinkte.
Die Art der Menschen,
Natürlichkeit zu verspotten. 

Donnerstag, 25. Juli 2013

Ich hasse es selbst, wenn ich rein gar nichts (Sinnvolles) zu sagen habe. Bitte entschuldigt das, bald kommt wieder mehr von mir.

Kennt jemand hier das Gefühl immer nur für alles ein Ersatz zu sein genau so gut wie ich?

Montag, 22. Juli 2013

Samstag, 20. Juli 2013

Auslegungen

Egal, wie sehr du versuchst, es zu erklären. Wie viele Erläuterungen, Begründungen oder Interpretationen du aussprichst, ich höre immer nur: "Du bist es einfach nicht wert."

Mittwoch, 17. Juli 2013

Wenn es nichts zu sehen gibt

Triggergefahr. Empfindliche Mitbürger, die mit aufgedrängtem Sex und unsensibeler Ich-Perspektive nichts anfangen können, sollten sich umdrehen.
Auch wenn ich nicht erwähnen brauche, dass dies Fiktion ist: Es ist Fiktion, weil so was in meinem Kopf umher spukt und ich es selbst hasse.

+ ~ +

Wahrscheinlich hätte ich es nicht einmal bemerkt, wenn dieses Lachen nicht so laut gewesen wäre. Ihr wisst schon, eines dieser verhöhnenden Lacher, die sich wie freudloses Bellen anhören; die vor Unmenschlichkeit und Unbarmherzigkeit erbeben und wie Eis durch die Venen zieht. Hallend durch die dunklen Gassen der Nacht durchbohrte mich dieses Lachen: Ein Schwert, ein Speer, ein Pfeil.
Zaghaft drehte ich meinen Kopf in Richtung der Stimme und sah einen Halbkreis aus vier Männern, die ihren Fokus auf die abendliche Beschäftigung legten. Öffentlicher Sex war in dieser Gegend keine Seltenheit, überall versammelten sich billige Frauen, die nach Geld bettelten, um für ihren nächsten Fix sorgen zu können.
Wie ich mir wünschte, ich hätte eine Hure gesehen. Eine armselige Prostituierte, die für ein paar Cent die Beine breit machte - wenn es sein musste für vier Kerle gleichzeitig. Nur war dies keine dieser Schlampen mit diesem Verlangen in den Augen, dem Flehen nach Geld oder Mann, oder Beidem, mit der Resignation, dass “es einfach so ist”.
Wunderschön und jung, oh so jung, war sie. Blaue Flecke ruinierten den Anblick des kreidebleichen, geschwollenen Gesichts - zusätzlich verdunkelt durch zerzauste Haarstränen, die künstlerisch abstrakt ein Gemälde aus Titan fertigten. Im trüben Laternenlicht wirkte das Szenario unreal. Als würde in jedem Moment ein Regisseur aus der Seite einbiegen und laut “Schnitt!” rufen.

Eine muskulöse Hand drückte ihren dünnen Puppenarm über ihren Kopf, hielt sie wie eine Marionetten, damit die Glieder nicht schlaff herunterhingen; ihm gar bei seinem Business stören würden.
Die weiteren fünf Finger gruben sie in ihren Rücken, kneteten grob das Fleisch, welches von der Wand aufgescheuert und geschürft war. Das weiße Kleid war auf ihre Hüftknochen geschoben. Ein Schuh, einer dieser Keilsandalen mit Blumenmuster, stürzte von ihrem Fuß. Gesellte sich zu seinem Partner am Boden.

Obgleich mir jegliche Details auffielen, obgleich ich glaubte, zu verstehen, wirkte es nicht real. Nicht ein Laut entfloh ihren Lippen, kein Wimmern, wenn er sich immer und immer wieder in sie hinein drängte; kein Schreien, keinen Weinen, kein Fluchen - nichts! Für mich machte sie das zu seiner Puppe.
Doch die Gefahr entsetzte mich zu sehr, machte mich bewegungsunfähig. Ich hatte kein Geld bei mir, um zu versuchen, sie zum Gehen zu bezahlen, schon gleich keine Waffen, um sie auf anderem Wege zum Gehen zu überzeugen.
“Hey! Was machen Sie da?”, fragte ich. Was für eine dumme Frage. Aber war auch dumm, ein Idiot, nichts weiter als ein Clown.

“Verpiss dich!”, war alles was ich hörte. Einer der umkreisenden Männer, der das Rudel wilder Tiere zu beschützen schien, drehte sich in meine Richtung. An seinen Flanken versammelten sie die anderen Zwei. Er war groß, düster-wirkend, doch war mit einem Herkuleskörper beglückt. Eigentlich ein Mann, der diese Art Kriminalität nicht nötig hätte, wäre es nicht um die Gefühlskälte in seinen Augen, die den Abgrund in eine leere, leere Seele demonstrierte.
Ein Springmesser deutete plötzlich zu mir. Verlockend fast. Auffordernd: Ein Schritt näher und du machst dieses Problem zu deinem Problem. Etwas hat in diesem Moment klick gemacht und meine silberne Rüstung fiel von mir ab. Ich war kein Retter, nur eine wankende Figur, ein Komparse, der durch die Szene huschte.

Durch einen kraftvollen Stoß rollte ihr Kopf zur Seite. Für einen Moment, so befürchtete ich, trafen sich unsere Augenpaare, doch ihres sah meines nicht. In einer Zeit bevor dieser Zeit müssen ihre Augen grün gewesen sein; wie die frischen Töne des Frühlings, wenn alles noch jung und unschuldig war. Wie sie. War.
Doch nun schien ihr Blick verschwommen oder auch betäubt, lasiert vor Leugnung und Entsagung.
Mich und meine Feigheit konnte sie nicht erkennen. Auch wenn es mich beschämte, fühlte ich mich besser. Wenn ich unsichtbar war, konnten dies auch keine Erinnerungen werden. Wenn ich unsichtbar war, war ich auch zu keiner Hilfe fähig. So musste es sein. Wer war sie denn schon? Niemand.
Warum sollte ich mein Leben riskieren für etwas, was bereits zerbrochen war? In einer Stadt wie diesen war eine Strafanzeige gleichzusetzen mit einer Todesurkunde. Also trat ich einen Schritt zurück. Detailgenau kriminell wie der erlesene Zirkel aus Abschaum.

Schattengleich ging ich die Hauptstraße entlang, folgte einem schlechten Gewissen ins Unbekannte. Rannte unbewusst in ein paar Strichmädchen, oder Jungs, und mit jedem Schritt sank mein Bewusstsein in die Tiefe. Meine Hände schob ich in die Manteltaschen; vielleicht, wenn ich nur tief genug hineingreifen würde, könnte ich Seelenheil wieder finden.

Wisst ihr, wenn es nichts zu sehen gab, geht man einfach weiter.

Ernsthaft


"Ein Gehirn, ein Herz, ein Gesicht kann man verstecken. Doch wenn eine Seele scheinen möchte, scheint sie nie nur für dich allein."

Montag, 15. Juli 2013

Andeutungen

Ok, hier ist ein Geständnis: Ich bin ein Idiot. Damit will ich nicht sagen, ich sei ungebildet - obwohl ich mir wohl einen besseren akademischen Stand hätte bauen können. Was ich meine, ist meine Unfähigkeit grundlegende Konzepte wie Konzepte nicht verstehen zu können.
Zum Beispiel: Wenn Menschen es für nötig halten, in Rätseln zu sprechen. Wenn Sätze sich in Analogien und Rhetoriken verstricken und das Aufbauen von Umschreibungen wichtiger wird als das eigentlich Gesagte.
Ich antworte jedes Mal - die Thematik des Gespräches vollkommen außer Acht lassend: “Wenn deine Worte Metaphern sind, vielleicht solltest du sie in ein Gartenbeet pflanzen und züchten.” und ernte bösartige Sprüche, Blicke, Gedanken, die nicht ausgesprochen werden.

Manchmal verstehe ich sogar, was sie meinen, doch nicht auf wem oder was sie dies beziehen. Bestimmt kennen das viele Leute auch: Ein Bekannter redet mit dir, benutzt jedoch immer nur “man” oder “jemand” ohne je ein Namen zu nennen.  Im eigenen Kopf steht nur die Frage, von wem der da eigentlich redet!?

“Es muss toll sein, wenn man ein Teil eines Ganzen ist.”, seufzt eine Bekannte. Welches Ganze meint sie? Ist das Leben nicht ein Kreis - wie ein Ganzes? Gummibären sind ein Teil einer ganzen Tüte - gegessen werden sie trotzdem. Macht es da ein Unterschied, welcher Teil man ist? Oder sagt man das nur so daher? Wenn sie das zu mir sagt, vielleicht ist das auch eine versteckte Andeutung auf IRGENDWAS?
Wenn Kinder die Zukunft sind, agieren sie als Samen aus dem Gras wächst. Ich würde das Gras essen. Dabei bin ich Unkraut. Immerhin macht mich das zu einem Teil vom Grün. Ist das nicht ganz genug?

(Habe eigentlich nur ich diese Art von Gedanken?)

Die selbe Bekannte sagte auch: “Deine Anwesenheit ist wie die Atmosphäre. Du presst dich in meine Lungen; mit jedem Atemzug.”
Beruhig dich, liebes Kind, Menschen einatmen ist nicht Jedermanns Sache. Lass das lieber einen Profi machen. Nicht, dass sich zum Ende noch jemand verletzt.
Warum sagt sie nicht einfach: “Ich mag es mit dir Zeit zu verbringen.” oder etwas gleich-bleibend Sentimentales. Dann könnte ich ihr wenigstens gleich sagen, dass ich mir eigentlich gar nicht sicher bin, ob ich mit Menschen etwas zu tun haben möchte und nur ihre Nähe suche, weil sie keine Macht über mich hat.
Wenn sie mich dann fragend anblickt, würde ich lachen und so tun, als hätte ich einen Scherz gemacht.

Sonntag, 14. Juli 2013

Im Sinne der Anklage

Dieser Text ist Fiktion.
Ich war nie in den Alpen als Kind, habe keinen Cousin, der Philipp heißt. Doch hatte ich mal einen Klassenkameraden mit diesem Namen, den ich bis heute verabscheue. Was eine ganze andere Story ist. Nun…

~+~

Der Bezeichnung “Es regnet wie aus Kübeln” habe ich nie viel Achtung geschenkt bis ich den Sommerregen in den Alpen erlebte. Lauwarmer, leuchtender Regen wie Kristallscherben, die durch  grünes Blattwerk strömten und die Erde unter ihnen zu Schlamm zauberten. In manchen Jahren war es so schlimm, dass Dörfer und Bauernhöfe evakuiert werden mussten.
Ich sah in den Himmel und fragte mich wie lange ein Regentropfen brauchen würde, um zu uns auf den Boden zu gelangen. Wie viele Auftriebswinde ein Tropfen im Durchschnitt durchleben muss, bis er endlich seinen Flug beenden konnte. Denn es ging immer so schnell, dass der Himmel grau wurde und die Menschen auf den Straßen das Tempo ihrer Schritte erhöhten. Nie schnell genug, um die frisch gewaschene Wäsche vor dem erneuten Nasswerden zu retten. 
Die Erwachsenen blieben im Wohnzimmer, bei Kaffee und Kuchen, während sie über das schlechte Wetter diskutierten. Natürlich hätten sie das Gleiche auch bei gutem Wetter gemacht.

Es muss ewig geregnet haben. Denn immer wenn ich mich an die kleine Holzhütte in den Bergen erinnere, stehe ich wieder auf der offenen Veranda und betrachte die Kühe, die besonnen und besorgt gleichzeitig den Himmel beäugten. Sie waren meine Favoriten, denn ich mochte Tiere, denen ich menschliche Charaktereigenschaften zuschreiben konnte. Die Kühe blieben oft im Matsch stecken, muhten bestialisch laut auf, wenn sie sich nicht sofort aus eigener Kraft befreien konnten und gingen dann weiter als wäre nichts gewesen.
Genau wie mein Cousin Philipp. Im englischsprachigem Raum würde man ihn als ‘Troublemaker’ bezeichnen, doch er war meistens einfach liebenswert, fast schon bezirzend, und konnte sich seinen Weg in das Herz der Menschen wurmen und schnell für Vergessenheit seiner Schandtaten sorgen.

Da saßen wir also, durchgefroren und völlig durchnässt. Seine Augen waren auf die Wolken fixiert und ich stierte noch immer den Kühen nach. Philipp war ein Jahr älter als ich, doch tat immer so, als sei er schon weit darüber hinaus. Sichtlich irritiert hörte ich seinen auswendig gelernten Worten, die ich selbst schon in Büchern gelesen habe und seine Pseudo-Intelligenz weit übertraf. Ich wollte ihm dies nur nie direkt sagen. Obwohl mir seine Gefühle gleichgültig waren, war seine Stimme beruhigend. Sie war das Stück Frieden in meinem Leben, welches ich hinter geschlossenen Türen nicht fand, oder in Poesie toter Dichter, oder in ausgelutschten Kinderprogrammen im Fernseher.
Wenn wir allein waren und er nicht von Wissenschaft und Rhetorik faselte, zog er mir an den Haaren. Dies stand im kompletten Gegensatz zu seiner Existenz, doch entschuldigte er sich nur mit den Worten “Deine Haare sind schön”.
Ich hatte keine schönen Haare; hatte sie noch nie gehabt. So dachte ich zu Mindest, auch wenn meine Mutter sie abends mit Sorgfalt kämmte. Immer wieder wiederholte sie wie sehr sie meine Haare mochte, weil sie süchtig nach Schönheit in lebenden Dingen war, während ich nur die Schönheit in toten Dingen verstand. Heute weiß ich, ihr ging es lediglich um Besitz. Als sie feststellte, dass sie nie das besitzen konnte, was sie sich wünschte, ließ sie meine Haare auch in Ruhe. Denn meine Haare sind nicht schön, nicht zu besitzen; sie sind störrisch, schwer zu umgreifen und stehen in jegliche Richtungen ab.

Philipp erschien mir auch immer mehr wie eine Illusion, eine Deckkarte, als wie ein atmendes Lebewesen. Schwarze Haare zierten seine unnatürlich scheinende blasse Haut, “asiatischer Hauch” nannte er es, doch ich wusste nicht, was asiatisch bedeutete, darum fokussierte ich mich auf den Hauch. Richtig, vielleicht war Philip einzig und allein das Spucken vom Feuer der Wahrheit, die er nie herauslassen konnte, nachdem meine Mutter sie ihn mit in ihr Zimmer nahm und er zitternd und weinend wieder heraus kam.
Bedeutungslos war es für mich, weil ich es nicht verstand. Auch nicht, wenn er von Beschämung und christlicher Schande redete, oder abstrebenden Hautfetzen und das Verfaulen von Fleisch.

Eine handvoll Jahre später erhängte sich meine Mutter in genau diesem Zimmer. Mit einem Strickhalfter aus dem Westernreitgeschäft der Nachbarsstadt. Was allein vollkommen absurd war, denn sie mochte Pferde wegen ihrer überwältigenden Ästhetik. Warum schickt man eine Hasstirade an Individualität? Ist dies nicht gleichzusetzen mit dem Beschweren über die eigene Wahrnehmung?
Zum ersten Mal in den Jahren, in denen ich Philipp kannte, sah er glücklich aus. Auch das habe ich nicht verstanden, denn er war endlich befreit und ich belastet. Wieder einmal enttäuscht und nieder gedrückt von Lebendigkeit, gar schon Menschlichkeit, tat ich es den Kühen der Alpen gleich: Auf der Beerdigung muhte ich einmal auf und verschwand dann in Nichtigkeit zum Grasen. Nur ernährte ich mich von Stille, von Niemals-nachvollziehen-wollen. Philipp hat mir dies nie vergeben, weil “alles so offensichtlich” war, schrie er mich an.
Ich hab mir auch nie vergeben, aus dem selben Grund, denn ich hätte verstehen sollen, doch dachte immer nur ‘muh‘...

+ ~ +

Ich weiß nicht, wann es anfing, dass mir Philipp in Geisterform erschien, denn in lebender Form traf ich den asiatischen Hauch nie wieder. Am Tage flüsterte er von Unterdrückung und verlockenden Suizidideen. Des Nachts stand er an meinem Bett, um mich zu verfolgen, damit ich in aufgedrängter Zweisamkeit zu Grunde gehe. Nur er kannte die Geschichten, die meine Tränen und Schluchzer verrieten, nur er wusste um die “Ich sollte es gewesen sein”-s und die Schmerzen, des “Nach und nach die Augenöffnen”-s.
Sein Leid terrorisierte mich, doch wahrscheinlich nicht so wie es sein atmendes Selbst folterte. Ironie war es, dass Ärzte immer nur von Vergebung redeten, von Behandlungsbedarf und Heilungsprozess. Denn Beide, Philipp und meine Mutter, hielten nichts von all dem. Aus diesem Grund erschrak ich, wenn seine Augen aus finsteren Ecken des Alltags lauerten; beim Eintreten in den Supermarkt, beim Anziehen, beim Essen, beim Zähneputzen,…. Oder ich plötzlich ihre toten, grau-blauen Lippen in der Reflexion des Spiegels bemerkte. Immer, überall, denn Verhängnis war das, was ich verdient hatte.

Die stürmischen Zeiten der letzten Wochen hinterließen mich in einem Chaos. Dieser monsun-artige Regen schwemmte nicht nur leere Plastiktüten und vermodertes Blattwerk an die Küsten meiner Seele, sondern auch das selbstgefällige Gefühl, dass ein schlechtes Gewissen weggespült werden kann. Also versuchte ich im breiten Spektrum der Fluten zu versinken. Für Erklärungen war keine Zeit mehr. Wie könnte der Nachrichtensprecher auch verstehen, wovon ich redete? Wie könnte der Berichte-tippende Polizist auch wahrnehmen, was es heißt, wenn man von Mitmenschen wie ein Nichts behandelt wird und somit versuchte, ein Nichts für Jedermann zu werden? Wie könnte die Person, die verlorene Buchstaben in den Grabstein meißelte auch nachvollziehen können, wie es ist, wenn nichts Sinn machte, obwohl alles wie ein offenes Buch zugänglich war? Wie könnte die weinende Verwandtschaft, die sich nie um einen Anruf scherte, auch begreifen, dass man erst wirklich lebendig sein konnte, wenn das Herz aufhörte zu schlagen?

Vielleicht kamen diese Gedanken des eigenen Ablebens nur so plötzlich, weil mir in Wirklichkeit langweilig war. Was gibt es auch schon zu tun, wenn es den ganzen Tag regnete, die Wohnung sauber war und man sich nicht mit dem realen Leben auseinandersetzen wollte?
Das Fernsehprogramm war auch nur noch ein Meer aus verschwendeten Wunschvorstellungen und schlecht-produziertem Zeitvertreib. Ich sah mir eine Gerichtsverhandlung an, natürlich entstanden aus Hassfantasien eines ehemaligen Hirnkomapatienten.
Irgendwie fühlte ich mich besser beim Ansehen von nicht-überzeugenden Darstellern. Somit war ich nicht mehr wert als all die Idioten, die mit mir die Einschaltquoten in die Höhe sprießen ließen, und auch nicht weniger.
Der Verteidiger heulte der Richterin Unzurechnungsfähigkeit vor, predigte von Rachegelüsten und Gerechtigkeiten, die man hätte anders lösen sollen. Doch was passiert war, war passiert, deshalb fletschte der Staatsanwalt nur die Zähne und fragte mit Schaum vor dem Mund und falschem Entsetzen: “Kann man mit dem Messerstich in den Nacken etwa alle Probleme lösen und dann so tun als sei nie etwas gewesen?”
Ich musste wieder an die Kühe denken, muh, die im Matsch steckten, muh. Wie damals sah ich gen Himmel, ein wenig verängstigt, doch stets nachvollziehend. Neben mir stand Geist-Phillipp mit einem Lächeln wie reißendes Papier. Die junge Frau sprach nicht, stillschweigend drehte sie den Blick zu Boden, wirkte schuldig, doch nicht wie die Fotos von ihr mit blauen Handabdrücken an ihren Armen, den Gürtelspuren auf ihren Rücken oder der tränenlosen Leere im Gesicht.
Als pflichtbewusster Fernsehschauer machte sich in meiner Magengegend ein unbehagliches Gefühl breit. Unter Umständen war das Drehbuch doch nicht erfunden, denn das Beißen des moralischen Bedenkens kannte jeder zurechnungsfähige Mensch, auch wenn meine überwältigend waren; die Art, die den Verstand aussetzen ließ und Selbsthass schürte.

“Nicht Schuldig im Sinne der Anklage. Das Gericht entschied sich für Selbstverteidigung. Die Kosten der Verhandlung trägt das Gericht.”
Dies war ein Sieg, der eigentlich eine Niederlage war. Das Unglück würde sie ewig verfolgen - in ihren Träumen, in der Erinnerung, für diese Ungerechtigkeit gab es kein Gericht. Wobei wir wieder bei den Aussagen der Ärzte wären, die um Vergessen und Vergebung mahnen, wie der vom Staat gestellte Verteidiger. All diejenigen, die Belastung und dazugehörige Störungen nur aus Büchern und Serien kennen, aus Nachrichten und Erzählungen. Von Charakteren und Storylines. 
Menschen wie mich, die sich alle Rechte nehmen, um Unannehmlichkeiten zu entrinnen, und Emotionen ausschalten, um Reibungen zu vermeiden.

Philipp war wütend, verständlicherweise. Denn ihm wurde Sanktion und Vergeltung genommen. Mit dem Tod meiner Mutter nahm sie nicht nur ihr Leben, sondern erbaute auch nicht überwindbare Mauern aus dreckigen Geheimnissen und nächtlichem Terror, ob nun im Schlaf oder beim Schafe-zählen. Sie nahm dieser Wohnung die Bedeutung “zu Hause”, nahm das Leuchten aus den Augen meines Vaters, nahm das Lachen zweier Kinder, nahm die Fähigkeit zu sprechen.
Mit ihrem Suizid war unser Leben vorbei.

Wahrscheinlich war ich egoistisch, rabiat eigennützig. Indem ich anderen ihr Seelenheil bringen wollte, wollte ich vergessen, dass es in mir selbst dunkel war.
Langsam verging ich in dem Verlangen, Geheimnisse anderer Leute kennen zu wollen, doch meine eigenen nie Preis zu geben. Nicht, weil ich sie vor etwas bewahren wollte, sondern weil ich mich bewahren wollte.
Geist-Philipp weinte leise während seine Arme mich von hinten umfassten. Auch diese Tränen verstand ich nicht, wie immer. Ich sollte für ihn weinen, für mein Wegsehen, für meine Ignoranz. Nichts andersherum.
Beim Namen meiner Mutter: Ich hätte es sein sollen. Bei meiner Ehre: Nie werde ich verstehen können. Muh. Im Sinne der Anklage: Schuldig.

Es regnete wieder wie aus Kübeln.
Ein letzter Atemzug, noch einmal den Kopf in Scham ertränken und das Herz im Drang von Vergebung, wie die Ärzte und Verteidiger es nannten, erglühen lassen. Noch einmal wandte ich den Kopf zum Himmel, flüsterte “muh” und sprang in die Tiefe. Meiner Mutter in die Arme, Philipp im Genick.

Dienstag, 9. Juli 2013

Sieben mal die Woche

Doch es verletzt nur viel tiefer, wenn man sich nur immer wieder selbst sagt: "Hey, es ist einfach nicht dein Tag."
Ständig. Jeden Tag.

Montag, 8. Juli 2013

Schweigegelübte

Wenn ich für dich gestroben bin, wirf diesen unnützen Körper ins Meer und lasse ihn sinken. Denn diese Knochen sind weich, der Willen schwach. Wie ich mir doch wünsche, nicht immer "so zu sein"; Menschen sagen, es sei alles in meinem Kopf. Sollte dies die Wahrheit sein, tut es mir leid. Es ist schwer mit diesem Kopf, wisst ihr?
Drogen erschöpfen diese Gedanken, wenn sie von Gehirnströmen und Körpersäften durch die Innerwelten transportiert werden. Eigentlich weiß ich gar nicht, welcher Teil noch ich ist, will es gar nicht wissen, momentan, möchte gar nichts wissen. Keine Erinnerungen und Flashbacks, keine Taubheit, keine Abgründe, keine Versuche mehr zu Fliegen ohne Flügel, kein zwanghaftes Grübeln über täglich ruinierende Vorgänge wie Pillen schlucken und das Erwarten einer Symbiose mit Gott, welchen auch immer, oder Teufel, welchen auch immer. Narben verteilen sich über die Leinwand als wären sie der generalisierte Standard einer missführten Generation: Blut klebt an meiner Scham, doch bin ich keiner Schuld bewusst. Denn auch das ist nur in meinem Kopf.
Unsaubere Worte füllen meine Taschen, so kann ich immer nach ihnen greifen, wenn die Ozeane aus Reue und keuchenden Gewissensbissen zwischen "den Anderen" und "mir" zu unfassbar werden. Diese Aneinanderreihungen von Buchstaben machen mich menschlich, wenn dies auch das Einzige sein soll, denn unter der Sonne trinke ich die Sorgen davon und im Regen schüttel ich die Satzzeichen und Linien von mir ab, damit die Sorgen wieder gedeihen können.

Gestern fühlte ich Schmerz mich zerreißen und heute predige ich Versprechen, dich endlich zu vergessen. Bin ich auch der stimmlose Sänger, bist du noch immer das Klagelied zwischen Seelenschaufel und Herzensspaten. Ruhelos schwimmst du in diesen Venen umher, hin und her, und ich gehe einfach weiter. Langsam nur verreckend, still nur, leise nur. Immerhin. 

Freitag, 5. Juli 2013

Abklingen

Wie Farbe auf einer alten Fotografie: Es fühlt sich an als würde ich einfach aus dem Gesamtbild verschwinden.


Vollkommen unnötige Information: Bei Google Plus kann man Bilder bearbeiten und ich verwende immer den Filter, der es schafft, meine Nase kleiner zu machen. (Noch immer kann ich meine Mitschüler "Russennase" schreien hören.) Hier ist sie so gut es geht ganz und gar aus dem Bild retuschiert. Sieht vielleicht genaus witzig aus, aber was soll's? Rote Lippenstift ist toll.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Ärztebrief, Klappe die 2. - Der Professor hat gesprochen



Erscheint akkurat, vor Allem wenn man bedenkt, dass der Herr Professor und ich nur zehn Minuten miteinander gerdet haben. Nachdem er nämlich den Satz "Das ist noch lange kein Grund, verrückt zu werden" äußerte, musste er sich für weitere Informationen an meinen Bruder wenden. Der Mund der Verrückten wollte nicht mehr kooperieren.
Der Professor bekommt auf jeden Fall ein Bienchen von mir. Für Fleiß, nicht für sein Einfühlungsvermögen.

Ein schlauer Kopf unter euch kann mir bestimmt auch verraten, was mit "reduzierter Psychomotorik" gemeint ist, richtig? Dafür wäre ich dankbar. [Danke für die schnellen Antworten! "Psychomotorisch gehemmte Patienten zeigen nur geringe spontane Bewegungen, wirken initiativlos und antworten in Gesprächen nur auf intensives Befragen. .... Die psychomotorisch gehemmten Patienten sind schwunglos, interessenlos, gleichgültig und es fehlt ihnen an Unternehmungslust und Tatkraft, dabei empfinden sie jedoch in ihrem Erleben eine quälende Unruhe."]

Dienstag, 2. Juli 2013

Unnahbarkeit

Vielleicht ist es die einfachste Grundgebung, die während der Erziehung und des Erwachsenwerdens passiert:
Es fiel mir erst auf, als ich dich zum ersten Mal Weinen sah. Nun, ich weiß, du bist sher gefühlsbetont und weinst oft. Bei traurigen Filmszenen, bei glücklicher Musik, bei erpressender Poesie. Doch diese Tränen weintest du speziell für mich.

Aus einem Grund, den ich nicht verstehe(n kann).
Genau das meine ich: Du bist so, weil Gefühle für dich keine Schande sind. Ich bin so, weil ich gar nicht weiß, wie man nicht unter Schuld erdrückt und in eigener Melancholie erdrückt wird.
"Mit gruseligen Sachen kann ich nicht umgehen", flüsterst du; diese Worte waren für meine Ohren bestimmt, doch flüsterst du sie in Richtung Wand. "Sogar dein ewig blanker Ausdruck macht mir manchmal Angst, denn es macht dich so... unzugänglich."

Denn genau das ist es, was ich kannte und kenne.
Notgedrungen flüsterte ich leere Worte, sinnlos-Phrasen; zur Beruhigung - oder auch Bestätigung. Mein Gesicht ist blank, meine Lippen ewig nur zu einer blassen Miene verzogen; fröhlich, traurig, glücklich - nur in bestimmten Momenten kann ich mich daran erinnern, wie sich das alles anfühlt.

Jetzt ist keiner dieser Momente.
Es tut mir leid.


Persönlich hasse ich es auch. Doch nur, weil es mich so absondert, dass mich jeder nur aus Mitleid in seiner Mitte haben möchte. Obwohl ich das nicht möchte.
Ein Wechseln von hohlen Sätzen bedeutet mir nichts, auch nicht der Austausch von Berührungen oder Körperflüssigkeiten.
Genau so unterlegen emotionsgewaltig zu sein wie du: Davor habe ich Angst.

(Mich stört auch der Gedanke, dass ich nicht an den Weihnachtsmann glaube, doch mehr über Schulbomber, Massenmörder und Sadisten gelesen habe, als wahrscheinlich gesund ist. Manchmal wünsche ich mir eine friedliche Welt, mit feengleichen Wesen, die Wünsche erfüllen können; in der kein Mensch mehr einsam oder verlassen ist. Und dann schaue ich in den Spiegel und erblicke ergraute Augen, die diese Kopfmauern aus Titan nicht umgehen können.)