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Freitag, 30. August 2013

Über den Tod

Der Engel des Todes sitzt neben mir. Das ist weniger theatralisch als es scheint, vor Allem auch weniger poetisch. Wie die Zeit vergeht. Schon seit Monaten habe ich ihn nicht mehr gesehen. Er sieht müde aus, regelrecht apologetisch - wie eine zwielichtige Gestalt, die das erste Mal seine Sünden in der Kirche beichtet. Auch das klingt zu nobel.Er ist ja auch nur das, was er ist und wer bin schon ich, um ihn dafür zu beschämen? Es gibt Einige, die Leben retten und welche, die Leben nehmen. Sein größtes Manko ist es, dass er immer zu spät oder zu früh kommt. Einmal erklärte er mir, dass er beim Versuch zur Pünktlichkeit scheiterte, weil es unzählige Dimensionen gibt; jede mit verschiedenen Zeitverschiebungen. Dies mache es immerhin möglich, dass er in einer dieser Dimension genau den richtigen Zeitpunkt erwischt.
Daraufhin fragte ich ihn, ob wenigstens seine Kleidung in einer diesen Dimensionen nicht danach aussähe als hätte ein dorgenabhängiger Affe aus den 1970ern explosionsartig drauf gekotzt?
Er konterte nur mit einem unheilvollem Lachen.

"Außer Glasperlen und Krankheiten hat man den Indianern nicht viel gegeben.", flüstert er im Dunkeln. Schleichend kriecht eine Schlange aus Wehmut, Verständnis und vergossenen Tränen meinen Arm hinauf.
Seine Welt muss einsam sein, denn wenn man nur der dunkle Schatten seiner Taten ist, wird es nie ein Entkommen geben, nie ein Ende.
Die Schlange ist der bleibende Eindruck seiner Knochenhand. Die manifesiterte Angst, der nackte Horror - wie die nuklearen Schatten in Hiroshima. So viele zahlten mit ihrem Leben, und ich? Ich muss lediglich mit meiner Zukunft zahlen. Welches weniger relevant ist als der Schmerz, den die Frgae "Bist du eigentlich glücklich?" mit sich bringt. Die Dunkelheit antwortet nun einmal nicht und dein Herz wagt nicht aus zu sprechen, was dein Kopf beantwortet.

Der Engel des Todes grinst mich an und sagt: "Wusstest du, dass mein Wesen eigentlich eine Metapher ist?"
Ich grinse nur zurück, hohl und erzwungen. Manchmal weiß ich gar nicht mehr, warum ich dies tue - damit meine ich mein allgemeines Verhalten, welches unreal und nachgestellt wirkt. Früher habe ich Mimiken und Gestiken aus Textbüchern und verschiedenen Internetseiten gelernt und einstudiert. Auf einen bestimmten Anreiz benehme ich mich auf eine gewisse Weise. Ab und zu kommt es vor, dass ich die Reize nicht verstehe und mit fragenden Blicken ende. Doch ihn stört dies nicht, denn er weiß, er hat schon zu viel gesehen.
"Welcher Engel ist denn bitteschön keine Metapher?", werfe ich ihm entgegen und verliere meinen Halt im Nachall dieses Echoes.
"Gespräche wie dieses werden langsam zur Gewohnheit. Doch es liegt nicht nur an meinen unwiderstehlichen Charme, dass wir demnächst wieder sehen werden. Du weißt ja, was zu tun ist", die Schlange zischt in Richtung halbvollen Vodkaflaschen und halbleeren Medikamentenbechern. Ihr Zunge ähnelt einem Strick.
Noch einmal lächelt der Engel des Todes in meine Richtung und mir fällt auf, dass er überhaupt keine Muskeln hat, um seinen Lippen zu bewegen; natürlich auch keine Lippen. So wie er gar nicht das tun kann, was ich mir einrede, dass er tut, kann ich nicht aufhören, mir aus zu malen, wie es sein könnte, wäre ich nicht ich, sondern er. Dabei wollte ich einmal Frieden schaffen und nicht in Wortemeer ertrinken, ersticken an eigenen Illusionen. Plötzlich kommen mir wieder die diversen Dimensionen in den Sinn und ich sage mir: "Ich bin mir sicher. In einer diesen Dimensionen bin ich so viel mehr wert als Selbsthass."

Donnerstag, 29. August 2013

Alarm

Warum kann ich nirgends hingehen ohne Gefahr zu sehen? Ich kann die Welt nicht akzeptieren, nicht mehr fassen. Ist es ein Übel allein auf der Erde zu sein oder eher allein mit der Erde zu sein?
Nicht, dass ich selbst meine Gedanken nachvollziehen könnte, aber warum sind sie für andere immer nur sinnlos? Ich möchte nur die Bedeutung wieder haben. Eine Bedeutung, irgendeine.
Ich ging an einem Kindergarten vorbei und sah Dämonen durch die Türen gehen. Warum habe nur ich diese Fähigkeit?

Mittwoch, 28. August 2013

Ich hätte es besser wissen sollen

Denn manchmal tust du einfach Dinge, die du nicht erklären kannst. Aus dem einen oder anderem Grund. Durch das ein oder andere Argument. In der Vergangenheit scheint alles leichter, im Nachhinein. Endlose Schleifengedanken verfolgen dich und du sagst dir selbst immer wieder: "Ich hätte es besser wissen sollen!" Doch das hast du nicht, deshalb kleben die Tage an deinen Fingern wie die restlichen Papierfetzen aus den Bastelstunden deiner Kindheit.
Sollte man wirklich aus Fehlern lernen, warum machen sie dann so große Angst? Niemand möchte, dass sein Herz schlägt, damit es auch brechen kann. Oder bist du einfach allein mit deinen Gedanken? Warum hältst du dich selbst davon ab das Falsche zu tun? Um der Richtigkeit willen?
"Das macht dich zu einem besseren Menschen", sagen die Stimmen im Hinterkopf. Doch der bessere Mensch posaunt seinen Status nicht heraus. Er sagt nicht, er sei der bessere Mensch und tritt damit die Selbstachtung Fremder zu Boden. Plötzlich wäre der "schlechtere Mensch" ein Opfer; und von diesen hast du genug gesehen. Also bist du vielleicht nicht der bessere Mensch, oder das Opfer-Mensch-Gemisch; macht dich das zu einer Imitation?

Einfach durchatmen. Tief ein-, tief ausatmen. Das Leben ist kein Diagramm aus dem Textbuch. Du überanalyisierst. Mensch ist Mensch; wenn es für dich auch lächerlich klingt. Schöne Lügner sind sie, die versuchen, zu verstehen. Trotzdem weißt du nicht, was du ohne sie machen solltest - schon gar nicht mit ihnen.
Für dich gibt es nur noch die Rolle als Außenseiter. Andere Möglichkeiten sind besetzt oder gestorben. Auch wenn weitere Ichs tot sind, gibt es nur noch sie. Das macht dich zu dem, der du bist. Was bist du dann also? Der Tod? Eine Lüge? Denn nichts davon ist wahr, und du warst noch ein Kind als du hättest ein besserer Mensch werden sollen und es nicht geschafft hast. Jetzt weißt du nichts über Gefühle wie Liebe oder Hass, oder Fehltritten, die später zu "Ich hätte es besser wissen sollen"s wurden.

Das alles hat mit dir gar nichts gleich, weil sich in deinem Kopf nichts mit dieser unerträglichen Stille gleicht. Du weißt, du solltest nach Lösungen oder wenigstens Ablenkung suchen, doch was für ein Mensch bist du, der seinen eigenen Weg immer aus dem Weg gehen möchte?

Dienstag, 27. August 2013

Ein Universum vollgestopft mit mehr und weniger als Nichts

Doch dieser Heuchelei bin ich leid. Mein Kopf ist zu pflichtbewusst im Sammeln von Erinnerungen. Ich weiß, dass ich wohl herzlicher sein sollte, oder auf mein Bauchgefühl vertrauen sollte, doch wo liegt darin der Sinn, wenn vergangene Erfolglosigkeiten immer auf das gleiche Ende hindeuten?
"Wer nicht wagt, der nicht gewinnt", so heißt es, doch ich bin gar nicht erpicht darauf, ein Sieger zu sein. Es muss doch noch mehr geben als diesen ewigen Wettbewerb zwischen Richtig und Falsch oder gar Gut und Böse. Nur selbst kann ich mir nicht die Gnade geben, um vorzeitig jegliche Fragestellungen einzustellen. 
Es macht einen Menschen nicht zum Künstler, wenn er seine Ansichten auf andere presst und ein Bild aus Meinungen und Ausführungen auf ihrer Haut malt. Als wäre es nicht schon schmerzhaft genug, ein Fremder zu sein. Als würde es nicht einen Teil Selbachtung töten, ein Klon zu sein. Was soll schon dabei heraus kommen, wenn man die eigenen Fehler auf die Zungen jener Menschen legt - außer das Aussprechen einer verzerrten Version der erzählten Geschichte?

Dabei möchte ich es nur ehrlich aussprechen: Menschen müssen aufhören, eine Entschuldigung von mir zu erwarten. Keiner wird sie für mich geben, und ich gebe sie auch nicht. Auch nicht mir selbst.
Immerhin kann ich es auf schizoide Züge schieben, dass ich es nicht ertragen kann, menschliche Reflektionen in ihren Lächeln schimmern und verblassen zu sehen.
Warum sollte ich weiterhin nach mehr fragen als ich selbst gebe? (Es schafft Verwirrung: Wenn ich mich verloren fühle, lasse ich mich fallen. Wenn ich Angst habe, suche ich Streit. Wenn mein Weltbild erschüttert, kreire ich ein Unvertrautes.) Ungerechtigkeit ist in dieser Welt gang und gäbe. Nur aus diesem Grund ist meine Schönheit die Hölle für all die, die mich kennen - oder eben nicht.
Nein, ich werde nicht um Vergebung beten, weil ich Hoffnungen und Erkenntnisse auf sie projeziere - auch wenn sie dabei vergessen zu atmen. Selbst dann nicht, wenn es meine Schuld ist.

(Er ist die leere Schublade, die ich fülle, fülle, fülle - mit jeder Einzigartigkeit, mit allem, was weh tut. Auch wenn ich ihn lieben möchte bis ich vergesse, was ich wünsche, kann ich nicht aufgeben, was mich fern hält. Er ist dieses Universum, welches vollgestopft ist mit mehr und weniger als Nichts und gleichzeitig alles ist, was ich zum (Über)Leben brauche. Wenn er auch das einzig Bodenständige in dieser Welt sein könnte, möchte ich doch in meiner Seifenblasenwelt davon schweben.)

Es. Tut. Mir. Nicht. Leid.
Auch wenn es vielleicht sollte.
(Und ich nicht weiß, wen genau ich davon überzeugen möchte.)

Sonntag, 25. August 2013

Er hat so viel mehr verdient als mich

Wie schnell gesprochene Worte die Standbeine eines Weltbildes zum Schwanken bringen. Für mich ist es lediglich ein Schwelgen in Ironie, weil ich immer alles dafür tue, nichts zu verdienen. Wenn man nichts hat, kann man wenigstens träumen - diese Welt aus Fantasie und Wünschen ist unbegrenzt. Bekommt man plötzlich doch einmal etwas, was sonst nur in Gedankenwelten möglich erscheint, kommen Zweifel auf. Was habe ich getan, um dies zu bekommen?
Eigenartig. Denn wenn ich kämpfen würde, könnte ich sagen: "Er ist genau das, was ich brauche und möchte." Ich meine, er ist liebenswert. Er ist es wert zu lieben und ich weiß nicht einmal, ob ich lieben kann. Zu Mindest in der Art, in die er es verdient hätte. Irgendwann wird er es sein, der zwischen Tellerscherben und zweckentfremdeten Rasierklingen sitzt; mich von unten anstarrt während ich mich über die Schwäche in seinen Tränen amüsiere. Denn eigentlich bin ich kaputt wie die Überreste eines eingerissenen Gebäudes. Zerstöre das, wonach ich mich sehne, damit ich nicht erleben muss, was mir zu früh genommen wurde - an dieses Wort mit "L", an das ich mich kaum noch erinneren kann. Um nicht wieder zu spät erkennen zu müssen, dass eigentlich nur er mich hätte retten können.

In meiner Welt gibt es nur mich. Es klingt abartig, ich weiß, doch ich kann mir nicht helfen. Tritt ein Fremder in mein Leben, erwäge ich sofort mögliche Konsequenzen, berechne die Möglichkeit von Problemen und vor Allem Verletzungen und breche meine eigenen Taten wie ferngesteuert ab.
Natürlich würde ich eine Rolle spielen. In Büchern habe ich davon gelesen. Wir würden all das tun, was für frische Paare wohl standardirisiert wäre bis einer von uns den falschen Knopf drückt. Eine gut-gemeinte Geste in Vorwürfen oder Panikattacken endet, ein warmherziges Wort eine beängstigende Erinnerung wach rüttelt oder Unbedacht sich in Körperlichkeit verwandelt. Wie eine Peitsche, die zum Schlag ausholt, wird das Wort "Warum?" geworfen werden und im Nachklang dieses Echo wird Einsamkeit wachsen bis Finsternis, die einzige Rückzugsmöglichkeit bleiben wird.

Warum?
Weil er denkt, er könne mich retten.
Weil er denkt, dass seine bloße Existenz, seine reine Anwesenheit, tief in mein Innerstes greifen könnte.
So tief nach unten reichen könnte, um mein Ich modifizieren zu können.
Weil er denkt, er könne für mich stark sein, wenn ich an meinen eigenen Mauern zu Grunde gehe.
Weil eines Tages sein Selbstbild schmelzen wird; ich weiß ja nicht mal, was er darstellen möchte. Er scheint wie ein Missionar der Philanthrophie, mit den Armen weit geöffnet, alles wäre Seelenheil eine Einladung, die aus seinen Poren sickert.
Weil sein Körper auch nur aus Knochen besteht und ich immer Folterwerkzeug bereit halte.

Warum?
Weil er nicht weiß, dass er mich nicht verbessern kann, sondern nur wissen möchte, was mich so schlecht gemacht hat.
Weil er mir nicht helfen möchte, sondern ein Held sein will. Wie die Prinzen aus uralten Märchen, die auf ihrem Schimmel vorbei reiten, die holde Maid davon tragen und zu ihrem Schloss in den Wolken tragen, damit sie nicht mehr verletzt werden kann und sich selbst nicht mehr verletzen kann. Doch das ist, was ich tue. Das ist, was ich bin.
Ich manipuliere Gefühle, weil ich diese nicht begreifen kann. Ich hintergehe Menschen, weil mir diese zu fremd sind. Ich stehle Herzen, weil mein eigenes aus Stein ist.
Und ich komme damit durch und gewinne. Meistens, zu Mindest.
Irgendwann wird er das begreifen und während er mein wahres Selbst gefunden hat, wird er verloren sein. Diesen Gedanken kann ich nicht ertragen, also trage ich lieber gar nichts.

Hoffentlich kann er mir verzeihen, doch ich bin für die Bürde eines schlechten Gewissens nicht bereit und er soll weiterhin lächeln können. Insgeheim möchte ich nicht lügen, deshalb hoffe ich so sehr, dass er mir glaubt solange ich die Wahrheit spreche.
Es ist in Ordnung, wenn er mich dafür hassen sollte.

(Richtig?)

Donnerstag, 22. August 2013

"Es tut mir leid."
"Was?"
"Das ich nicht den Erwartungen entspreche."
"Ach, Emaschi, von dir erwarte ich doch schon gar nichts mehr."

Dienstag, 20. August 2013

Der Tag, an dem ich aufgehört habe, zu verstehen

Mein Vater ist einer dieser Menschen, die Angst förmlich riechen können.
Das macht mir nur noch mehr Angst. Genau wie seine überspielte Wut, dieses brodelnde Feuer, welches immer nur in Verbindung mit Alkohol ans Licht kam.

Gerade erinnerte ich mich an eine Szene aus der Grundschule. Nachdem ich meiner Lehrerin Inkompetenz vorgeworfen habe, weil ich mir nicht bewusst war, dass sie dies nicht hören wollte, und einen Eintrag im Tagebuch kassiert hatte, schlug mein Vater mir dieses ins Gesicht. Das war ungewöhnlich, eigentlich schlug er mir nie ins Gesicht - weder mit Gegenständen, noch mit Fäusten.
Ich wusste, ich habe etwas falsch gemacht. Wollte nie wieder etwas so falsch machen, deshalb habe ich aufgehört zu reden. Dadurch fühlten sich die Lehrer aber auch angegriffen, was ich bis heute nicht verstehe. Mein Vater machte das auch wütend. Meine Mitschüler auch. Der eine schmiss mit Aggression, die anderen verletzten mich Worten und Spucke. Dem Rest war es egal.

Warum mache ich immer das, was keiner von mir möchte? Ich verstehe es nicht. Eigentlich war und bin ich doch nur auf der Suche nach einem Platz, zu dem ich gehöre. Doch ich bin immer falsch. Sage Unangebrachtes, was die Menschen verärgert. Mache Sachen, die keiner nachvollziehen kann und denke in Bahnen, die keiner kennt.
In dieser Welt habe ich nichts verloren. Sie verstehen mich nicht. Ich verstehe sie nicht. Erzähle ich meinem Therapeuten davon, kontert dieser auch nur mit Diagnoseschlüsseln, die keinem helfen und Medikamentendosen, die im schlimmsten Falle schmerzhaft sind.

Nein, ich gehöre hier nicht her. Mein Dasein fühlt sich jeden Tag erneut nach einem Schlag ins Gesicht an.

Montag, 19. August 2013

Nutzlose Details


  • Kurz gesagt, wie ihr ja auch Alle sehen könnt: Ein neues Layout ist da. Die dunkle Thematik ist noch immer ziemlich heraus genau heraus zu filtern, aber das Schwarz des vorherigen Hintergrundes ging mir langsam auf die Nerven. 
  •  Bei der letzten Umfrage habe einige Stimmen sammeln können. Wer es eventuell verpasst haben sollte: Hier das Resultat. Danke an jeden Einzelnen, der gestimmt hat. (Das Prozentberechnungs-System hier bei Blogger scheint aber ziemlich funktionsfrei zu sein, denn es werden 100 Stimmen angegeben, doch allein die Möglichkeiten "Einsamkeit" und "Tod eines geliebten Menschen" umfassen 119 Stimmen. ?)


  • Endlich habe ich alle Formulare ausfüllen und Kopien der Unterlagen für das Jobcenter anfertigen können. Man möchte da ziemlich viel wissen. Erst einmal zwölf Seiten verschiedener Vordrucke ausfüllen, dann braucht man die Steuerindifikationsnummer und Rentenversichtertennummer, Quittungen der Mietzahlungen der letzten sechs Monate, Kopien der Kontoauszüge der letzten drei Monate, den Hauptmietvertrag, in meinem Fall noch den Untermietsvertrag, zusätzlich noch Schreiben der Krankenkasse (z.B. Aussteuerung) und für den medizinischen Dienst jegliche Arztberichte, Gutachten, Krankenhausbriefe,... Ich kann nur hoffen, dass ich alles zusammen habe. 
  • Gerade bin ich tanzend den Hausflur entlang gestolpert und habe dabei Porcelain Blacks "Pretty Little Psycho" gesungen und habe nicht bemerkt wie mein Obermieter am unteren Ende der Treppe stand; mit einer Zimmerpflanze in der Hand. Als er mir dann doch auffiel, hat er die Blätter mittanzen lassen und mich verschlafen angelächelt. Er sagte nur: "Wenn Sie das am Bahnhof machen könnten, würde das meinen Start in die Woche erheblich verschönern. Vielleicht denken Sie mal über einen Flashmob nach!" XD
  • Derzeit schlafe ich so gut wie gar nicht. 

Sonntag, 18. August 2013

Evidenzbasiert programmiert

Was haben Posthumanismus, die christliche Liturgie und kitschige japanische Popmusik gemeinsam? Richtig. Das Alles war Gesprächsthema des gestrigen Abends. Abgesehen einiger entgeisterter Kommentare meinerseits und der Unfähigkeit meinem Gegenüber in die Augen zu blicken, war es ein interessanter Abend. Fragwürdig interessant, doch nicht einschläfernd.
Er fragte mich nach meiner Meinung zu mir selbst; was eine ziemlich unerwartete Frage für mich war. Anhand seiner zögerlichen Ersatzfrage wurde mir bewusst, dass ich wohl auch unerwartet reagiert habe.

"Kannst du dich in zwei Worten beschreiben?", seine Lippen waren zu einem Lächeln gezogen. Erwartungsvoll fordernd schaute er in meine Richtung.
"Evidenzbasiert programmiert", versuchte ich, hoffte insgeheim, dass er es verstehen würde. Vor ihm gab es Einige, die es nicht taten. Reaktionen auf Außenseiter oder Seitlich-Denker sind mir eindrucksvoll in Leib, Seele und Kopf eingebrannt. Ob harsch oder freundlich, psychisch oder physisch: Unverständnis bleibt doch eine Abweisung. Von denen hatte ich mehr als genug. Konnte keine Gefahren mehr eingehen. 
Er lächelte.
"Wissenschaftlicher Erkenntnisse zugrunde möchte ich behaupten, dass deine Codierung jedoch von dem ein oder anderem Bug befallen wurde. Oder es bestehen symantische Fehler in deiner Parameterreihenfolge.", durch seine Brille wagte er einen erneuten Blick und ich glaubte einen Funken zu sehen. Wie ein kleiner Blitz, der direkt zu mir übertragen wurde. Unweigerlich musste ich lächeln; und das war die Besonderheit. Eigentlich lächlte ich keine Fremden an, auch wenn ich ihren Namen kenne.
"Nein, ich denke, es handelt sich bereits um einen Syntaxfehler. Doch wir sollten vielleicht einen Tracker durch mein System laufen lassen, nur für den Fall, dass es sich doch um einen Bug handelt."
Laut, doch liebevoll lacht er auf und es ist auf eine besondere Art ansteckend. Zum ersten doch nicht letzten Mal an diesem Abend wurde mir bewusst wie fremd mir Lachen geworden war; so sonderbar war es für mich mit ihm in Kontakt zu stehen.

Er glaubte mir nicht, dass ich arbeitslos sei.
Ich glaubte ihm nicht, dass er freundinlos sei.
Ob wir uns eines Besseren belehren können? Ob es zu so einer Chance kommen wird? Ich weiß es nicht. Es macht mir bereits Angst, dass ich das Wort "wir" und "uns" geschrieben habe.

Und ich kann nicht schlafen, weil dieses wärmende Lächeln sich in mein Gedächtnis drängt. Ist das nicht der erste Schritt in die falsche Richtung?
Ein Schauer läuft über meinen Rücken. Es ist merkwürdig, dass er mich nicht abstoßend findet. Natürlich lese ich mir Wissen an, lerne wie sich ein Mensch verhalten sollte, doch weiß ich nicht, ob das nicht die falsche Weise ist diese Sache an zu gehen.

Erstmal muss ich warten.


Samstag, 17. August 2013

Oh nein! Nein! Nein!

Ich hasse es, wenn Menschen das machen. Wirklich. Hass ist noch nicht einmal ein Ausdruck dafür.
Zwei sogenannte Freunde haben heute für mich ein Date "arrangiert". Das ist die dümmste Idee, die sie je hatten. Es gab nicht einmal Andeutung, geschweige denn eine Diskussion darüber.
Zugegeben: Sie wissen nicht um meine Angst vor Menschen, oder öffentlichen Plätzen, oder die Angst diese Wohnung zu verlassen. Und ich weiß, dafür kann der junge Mann, ich nenne ihn jetzt bedächtig und angemessen "Opfer", nichts. Was hat er denn auch die gleichen beschränkten Freunde wie ich?

Eigentlich bin ich nicht einmal wütend, sondern habe nur Angst. Opfer sieht nett aus, man hat mir ja wenigstens sein Facebook-Profil gezeigt, aber ich weiß nicht, wie ich mich zu verhalten habe; was ich sagen soll, wie ich etwas sagen soll, oder warum.
Jetzt schon male ich mir hunderte Horrorszenarien aus. Alles kann schief gehen, wird schief gehen.
Was ist, wenn er denkt, ich sei unangenehm? In letzter Zeit sagte mir man das wirklich oft. Oder schlimmer noch - was ist, wenn er denkt, ich sei ein Freak? Genau wie damals in der Schule.
Was ist, wenn ich mitten im Gespräch eine Panikattacke bekomme? Darum brauche ich mir wohl keine Sorgen zu machen. Da bekomme ich ja schon davor... 

Dem Schwein ist das Ganze auch unpassend. Vielleicht sollte ich einfach sagen, dass mich alle mal können. Dann kann ich die Zwei abschreiben und Opfer kann seine Zeit mit Sinnvollem verbringen.Nummer 1 leckt an meiner Hand. Ich möchte nicht. Und Sätze wie "Du musst mal wieder unter Menschen gehen" überzeugen mich nicht.
Dieser Kampf ist verloren bevor er begonnen hat. Vor Allem so kurz nach meiner letzten Enttäuschung mit dem anderen Geschlecht. Ich habe Angst. Viel zu sehr.
Das bringt doch nichts. Auch wenn ich mich besser zwingen sollte. Er ist ja nicht er, oder mein Vater. Immerhin sieht er freundlich aus, und er liest Science-Fiction Bücher, sagte man mir, vielleicht redet er mit mir über H.G. Wells?

Vielleicht sollte ich. Doch was mache ich? Kann ich überhaupt?
Verdammt.

Freitag, 16. August 2013

Menschen sagen mir viel zu oft, dass sie mich als unangenehm empfinden.
Ich frage mich, was sie eigentlich ernsthaft damit meinen.

Mittwoch, 14. August 2013

Hibakusha

Wusstest du, dass Opfer einer Atombombe in Japan als "Hibakusha" bezeichnet werden?
Ist es nicht herzzereißend, dass es überhaupt ein Wort dafür geben muss?

In mir leben Tote. Sie reden mit mir.
Das bilde ich mir nicht ein. Warum glaubt mir Niemand?
Was sind die Stimmen, die von unaussprechlichem Leid und Ozeanen aus Schmerz und Tränen sprechen?
Wenn es nicht Wahnsinn, auch keine Erinnerung, ist, wie nennt man dann die Bilder im Kopf, die einfach nicht verschwinden können?

Dienstag, 13. August 2013

Schwergewicht

Was passiert, wenn Menschen sagen, du seist ein Stehaufmännchen, doch eigentlich fühlst du dich wie ein Anker, an dem eine Horde Elefanten hängt?

Auch wenn Neid eine Sünde ist, muss ich gestehen, dass selbstsichere Personen genau diesen in mir hervor rufen. Es scheint immer als würden sie ein großes Geheimnis kennen; über die Welt, die Gesellschaft, die menschliche Rasse oder die Art wie Gehirne im Allgemeinen denken, und ich weiß nichts über nichts. Unfair nenne ich es. Denn ich verlasse meine Wohnung und mache jegliche Fehler, die gemacht werden können, und lerne nicht daraus. Auch wenn ich so sehr versuche heraus zu finden, was Schicksal oder Zufall bedeutet, was einfach Blödsinn oder was Genialität nur in Perfektion übertrifft, trete ist stets an gleicher Stelle.
Dadurch komme ich mir so verdammt kindisch vor. Ehrlich ausgesprochen ist es mir schlichtweg peinlich.  Andere kennen sich besser als ich mich kenne, wahrscheinlich kennen sie mich besser als ich mich kenne. Auch wenn ich mir sicher bin, dass schicke Kleidung, teure Autos oder weltlicher Besitz allein nicht glücklich macht, frage ich mich immer, warum da immer noch ein Lächeln auf den Mündern der Leute zu finden ist.
Warum passiert das? Warum geht das nicht? Warum ist das eine so und das andere so? Wieso kann ich nicht aufhören zu fragen und einfach... sein?

Mein Therapeut hat mir Hausaufgaben aufgegeben. Höchstwahrscheinlich ist das der Grund, warum die Gedanken in meinem Gehirn wieder verrückt spielen. Ich soll Eigenschaften von mir aufschreiben, die hervor stechen. Etwas auflisten, was andere Menschen nicht so gut können, auch wenn es eigebildet klingen sollte. Qualitäten, die es wert sind auf ein Papier zu schreiben, tatsächlich Tinte dafür zu verbrauchen, finde ich nicht.
Zuerst dachte ich an sowas wie "Ich verschwende keine Zeit im Internet mit Pornos". Das nennt sich Effizienz. Auf der anderen Seite klingt dies so als verbrächte ich ohnehin zu viel Zeit im Internet, da würde es auf ein paar Pornos auch nicht mehr ankommen. Dann schrieb ich "Im Allgemein erwarte ich immer das Schlechteste im Menschen"; leider ist das ziemlich vorurteilsbehaftet und wird nur selten im postiven Licht gesehen. Immerhin bedeutet dies auch, nie einer Seele eine einzelne Chance zu geben - ohne sie besser kennen lernen zu wollen.

Nun - nach reichlicher Überlegung - habe ich entschlossen, dass an mir kein Anker hängt, sondern ich der Anker bin. Vielleicht ist das keine gute Eigenschaft, doch darin bin ich wirklich gut.

Montag, 12. August 2013

Vertrauensprobleme

Manchmal macht sie ihn wütend. Die Art wie sie pausenlos redet und gar nichts sagt. Zuerst konnte er es lediglich auf die Frauen-Schiene schieben; die Tränenausbrüche, die Lachkrämpfe, die plötzlichen überhitzten Diskussionen über dreckige Socken oder Müsli zum Abendbrot. Letztendlich stellt dies sich einzig und allein als signifikanter Anteil ihres Charakters heraus; und er weiß sich nicht dagegen zu wehren.

"Höre mir doch bitte zu", fleht er mit einem Zittern in der Stimme. Wie gern würde er es ihr alles konfrontationslos erklären können, doch ist er bereits zu verloren in gefühlter Ungerechtigkeit. "Es ist einfach... ich... ich habe Vertrauensprobleme. Ich vertraue keinen Menschen."
Sie weiß ja nicht wie es ist, wenn man von sogenannten Freunden oder Familie umgeben ist, von den Menschen, die sich sorgen (sollten) und ihnen kein Wort glauben, alles zutrauen und nichts abnehmen kannst. Auch wenn er es möchte. Er kann es nicht.

"Mir vertraust du also auch nicht?", erwidert sie. In den Lichtern ihrer Augen steht
‘Krieg’ geschrieben. Vermischt mit Ignoranz und Unverständnis wird dies nie ein Ende bringen, mit dem beide Fronten leben können.

"Solange du dich zur menschlichen Spezies zählst, nicht, nein." Oh, diese Worte sind unangebracht, verletzend. Doch für ihn ist es immer nur der selbe Kreis: Die Paranoia, die Angst, die Schuld, die Schmerzen, der Selbsthass, die Abneigung, welche lediglich als Feindseligkeit interpretiert wird. Es macht ihn so einsam, so isoliert und allein. Egal, wie viele Menschen ihn auch umgeben, wie viele ihm Aufmerksamkeit schenken. In seiner Seifenblase lebt er als Außenseiter.

"Jedermanns Vertrauen wurde schon in seinem Leben missbraucht. Das bedeutet es halt zu leben." Missbraucht? Nein. Auseinandergerissen und in klitzekleine Fetzen zerstückelt. Ihm wurde so oft literarisch in den Rücken gestochen, dass er nie wieder gerade stehen können wird oder mit gehobenen Hauptes seinen Weg voran schreiten wird. Menschen kommen aus dem Nichts, ruinieren Selbstwert und gehen wieder. So einfach, so gewissenlos. Genau so wie er nie wieder sein wird: Er könnte ja verletzt werden, er könnte ja versetzt werden, er könnte ja wieder der Schwarze Peter sein.

"Leider weiß ich nicht, was du jetzt von mir hören willst. Wenn es das bedeutet, zu leben, vielleicht lebe ich gar nicht."

Es ist wahr, das weiß er selbst am Besten. Seit seiner Kindheit war er schon immer im Reinen mit dem Leblosen, auch wenn er es hasst; dieser Gedanke allein macht ihn verrückt, wütend, bringt ihn durcheinander. Doch sind es nie die Toten, die ihn verfolgen. Nur die Lebenden. Er kann Offenheit und Verbundenheit zueinander nicht verstehen. Oft sagen Menschen das eine, meinen das Andere und ihre Augen sind einfach leer. Eingesunkene Löcher, die aus dem Schädelknochen hervor stechen und nach Abgestumpftheit schreien.
Wie Zombies. Lebende Tote, die der eigentlichen Atemlosigkeit schon so nahe sind, dass Überraschungseffekt und Überlebensgeister in ihnen verschwunden sind. Die, die dem Ende schon so nah sind, oder auch waren, dass jeder Moment, in dem ihr Herz tatsächlich noch pulsiert, nur noch kleine Schritte zur Vollendung sind.

Verstümmelte Körper, verwesende Kadaver; all das macht ihm nichts aus - doch wenn er in diese funkenlose Augen blickt, zwingt ihm sein Körper zur Niederlage. Er kann ihr nicht mehr ins Gesicht sehen.

"Sage mir, dass du mir vertrauen kannst, wenn wir nur genug daran arbeiten. Denn wenn ich daran nicht glauben kann, weiß ich nicht woran ich glauben kann."
Die Körperhaltung der jungen Frau ist mild, doch aufgesetzt. Als würde sie mit letzter Willensstärke versuchen, das letzte Stück Liebe zu ihm zu retten ohne ihren Selbstrespekt aufzugeben. Taktlos stampft die Sohle ihres rechten Fußes immer wieder auf den Boden.

"Dir wäre es also lieber, ich würde dich belügen?", und mit dieser Frage beginnt das Ping-Pong-Spiel zwischen den Verlangen den Anderen dort zu treffen, wo es weh tut und den gleichgültigen Versuchen mit Hilfe von Verdrehung der Wahrheit die Sympathiepunkte auf seine Seite zu locken.

Ping. "Nein, natürlich sollst du mich nicht belügen."
Pong. "Warum sollte ich dir denn Vertrauen?"
Ping. "Weil ich dir vertraue."
Pong. "Die Geschichten aus deiner Vergangenheit, deine Geständnisse, deine Ehrlichkeit: Das Alles bedeutet mir nichts sofern ich dir dafür mein Herz auf einem silbernen Tablett reichen muss."
Ping. "Heißt das, indem ich Vertrauen von dir erwarte, erwarte ich auch von dir den größten Fehler deines Lebens zu machen?"
Pong. "Du bist der größte Fehler meines Lebens."

Natürlich meint er es nicht wörtlich, sondern - wie immer - sein Vertrauen; nun, eher seine Misstrauen, welches auch nicht existiert. Denn er ‘traut‘ nicht, gleichgültig welches Präfix dieses Wort trägt.
Er hasst seine Voreingenommenheit und die Versprechen, die er brechen muss, um seine Distanz zu bewahren. Von ihrer Seite sticht nur ein ungläubiger Blick durch Tränen hervor. Warum schaut sie als hätte jemand ihr die Tür vor dem Gesicht zugeknallt? Versteht sie denn nicht? Versteht sie nicht, dass dies nur zum Schutz passieren muss? Dass es gar nicht anders funktionieren kann, weil Menschen nun einmal Tiere sind, und Liebe nur ein Rauschzustand aus Botenstoffen und neuroendokrinen Prozessen, und sich Mann und Frau meist nur zur Fortpflanzung zusammen finden, und....



... und.... sie irgendwann mit vollgepackten Koffern im Schlafzimmer stehen wird und sagt: "Ich brauche meine Freiheit."

Sonntag, 11. August 2013

Ein Stück aufgegebene Selbsterhaltung

Bisher habe ich noch nicht entschieden, ob ich los lasse, weil es mir zu einfach erscheint oder weil es so kompliziert ist, dass ich nicht einmal das Grundprinzip verstehe.
Ich weiß einfach nichts mit meinen Gedanken anzufangen. Vielleicht ist das die überforderte Unterforderung, von der mich mein Vater einst warnte. Wird es je eine weitere Person geben, die versuchen wird, mir das Leben bei zu bringen - doch auf andere Weise?


Oh, und ich bin so gierig danach zu Wissen, zu Verstehen - dieses Leben, dieses Gehirn, diese Buchstaben und Stimmen in meinem Kopf -, dass es das Einzige ist, was mich voran treibt.
Ist es das überhaupt wert?

Freitag, 9. August 2013

Du bist diese Narbe

Wenn mein Kopf mich nicht mehr schlafen lässt, bist du die Erinnerung an vergessene Tage. Gesammelt habe ich die Träume, die tödlich sanft in meinem Brustkorb wohnen. Es tut mir nicht leid, dass du selbst jetzt noch zu kurz kommst. Dir tut es nicht leid, dass ich den Schmerz der verbleibenden Narben allein zu tragen habe.
Aus diesem Grund nähe ich meine Lippen zusammen. Habe ja auch nichts mehr zu sagen; nicht zu dir, nicht zu irgendwem.
Was ist auch der Sinn, dass wir uns um die Risse im Bürgersteig streiten? Warum sollten wir uns so lange dehnen bis wir dünn und überspannt zur Gefahr werden?

Ich wollte dir sagen, dass ich dich liebe; doch auch ohne diese Worte ist alles zwischen uns ruiniert.
Die Person, die ich liebte, ist tot. Dieses Gefühl für dich ist keine Liebe, denn für diese bin ich zu ramponiert. In meinem Leben gibt es nicht mehr viel, worum es wert ist, zu kämpfen. Was nicht heißt, dass du bedeutungslos bist. Denn du bist eine dieser Narben auf meiner Haut.

Donnerstag, 8. August 2013

Situationsproblematik

Gerade ist es schwierig für mich. Seit 2 Monaten habe ich keine Miete zahlen können, meine eigene Nahrung zahle ich auch nicht, langsam geht mir die Zahnpasta aus.
Zwar bin ich bei der Agentur für Arbeit gemeldet, doch diese Warten auf eine Untersuchung vom medizinischen Dienst, der es nicht schafft, mit mir früher einen Termin zu vereinbaren. Das steht offen. Dementsprechend kann ich auch keine Beiträge für die Krankenkasse zahlen. Diese droht mir schon mit Paragraphen und Richtern. Bald geht mir das Risperidon aus. Dieser Gedanken macht mir solche Angst. Mehr noch als mir die ständigen Panikattacken und Schreckmomente Angst machen. Wenn ich wieder einen psychotischen Schub bekomme, doch nicht in eine Klinik kann - was passiert dann?

Zusätzlich habe ich mich beim Jobcenter gemeldet. Wäre die Situation nicht so ernst, wären die Gesichter der Angestellten komisch gewesen.
"Sie können nicht arbeiten, weil...?"
"Ärzte sagen, dass ich krank sei."
"Ich gehe davon aus, dass es sich um eine psychische Krankheit handelt?"
"Ich gehe davon aus, dass die Ärzte genau das meinen."
"Dann müssen wir Sie zum medizinischen Dienst schicken bevor wir etwas machen können. Wenn dieser bestätigt, dass sie länger als 6 Monate nicht arbeitsfähig sind, gehören Sie jedoch zum Sozialamt und bekommen kein Hart4."
"Gut zu wissen."
"Sind Sie eigentlich verrückt?", die Frau schaut mich mit offenen Augen direkt ins Gesicht. Ich weiß nicht, was die Frage soll. Nicht mal, ob sie ernst gemeint war oder nicht. Zum Spaßen ist mir nicht zu muten, zum Lügen auch nicht.
"Der Professor der Rehaklinik sagte, es gibt keinen Grund, verrückt zu werden."
"Also können Sie doch arbeiten gehen?"
"Ja, in die Bewerbungen werde ich aber schreiben, dass ich von Dissoziationszuständen besessen bin, von Halluzinationen verfolgt werde, von Angst gepeinigt werde und jeder Mensch mein Feind ist."
"Oh."
"Nur gibt es keinen Grund verrückt zu werden."
"Verstehe."
Natürlich versteht sie rein gar nichts. Das ist auch ok. Meinen Schmerz trage ich wohl allein.

Also warte ich.
Sterbe tausend tote. Ganz im Stillen.

Mittwoch, 7. August 2013

Die neue (Fantasie)Welt

Ach, könnt' ich sie doch nur fort führen,
all die Kinder, Frauen und Männer;
weit weg von "Du sollst" und "Du musst";
wie Kätzchen, die den Federn an der Schnüre folgen
artifiziell eingefärbt,
machinell fabriziert,
schematisch industrialisiert.
Sie wird wieder in Ordnung sein,
wenn auch nur partiell, diese Welt.
Niemand braucht mehr einen Fisch mit dem Netz fangen,
mit dem Finger einen Anderen schuldig sprechen
oder diese schreckliche Einsamkeit einzig und allein fühlen.
Denn die Seifenblasen,
die wie Achänen durch die Lüfte gleiten,
werden vollkommen ausreichend sein.

Dienstag, 6. August 2013

Musik in unseren Ohren

Angenommen dir geht es nicht sonderlich gut, vielleicht bist du niedergeschlagen, besorgt, oder sogar verärgert. Um dich abzulenken, entscheidest du dich ein wenig Musik zu hören.
Für welche Art Musik entscheidest du dich?
Denn eine Bekannte und ich haben uns gerade über genau dieses Thema unterhalten. Wenn sie traurig ist, neigt sie dazu, melancholische Lieder zu hören. Wahrscheinlich weil sie sich durch die Lyrics - vorrausgesetzt es sind welche vorhanden - oder die Melodie verstanden fühlt. Dabei geht es ihr eher um das Gefühl der Gemeinschaft; jemand hört vielleicht genau das gleiche Lied wie ich, und fühlt sich genau so. Dadurch fühlt sie sich meist besser.
Ich für meinen Fall kann traurige Musik nur hören, wenn ich mich selbst stabil genug fühle. Manchmal berührt mich ein Text so tief, dass es prinzipiell schon in einer Panikattacke ausarten könnte. Natürlich muss es keine "Pinke, fluffige Einhörner tanzen auf Regenbögen"-Musik sein, aber ich gehe einem Trigger eher aus dem Weg und höre aufheiternde bis hin zu neutrale Musik.(Ganz nebenbei: Ist es merkwürdig, dass ich manche Sänger bzw. Bands nur wegen ihrer Lyrics mag, nicht aber ihren Musikstil?)

Was ist eure Meinung dazu?

Samstag, 3. August 2013

Jede Nacht...

.... an gleicher Stelle.
Und ich frage mich, wann ich den Mut oder die Unverschämtheit finde, um los zu lassen.

Freitag, 2. August 2013

Vertrauen

Verliere genug Menschen in deinem Leben
und du wirst erkennen, was es braucht,
um sie bei dir zu halten;
und einsehen, dass du
so viele von ihnen
gar nicht in deinem Leben haben möchtest
oder kannst. 

Chemiecocktail

Mein Psychiater ist einer der höflichsten Menschen, die mir je begegnet sind, doch bin ich oft peinlich berührt. Gestern schlich ich in das Behandlungszimmer - heißt es beim Psychiater Gesprächszimmer? Beratungsraum? - und er schaut mich mit aufgerissenen Eulenaugen an. Die Gläser seiner Brille sind entspiegelt, eine Reflektion erkenne ich nicht. Auch keine Reaktion kann ich von meiner Seite aus erkennen.

"Oh", sagt er, sieht mich eindringlich an.
"Nehmen Sie Ihre Medikamente wie verordnet?"
Und ich verstehe, worauf er hinaus will. Natürlich muss es daran liegen, dass ich die Einnahme vergessen habe, warum sollte es mir denn sonst schlecht gehen?

"Vielleicht verschreiben wir Ihnen etwas zusätzliches. Wäre das ok?"
Öde starre ich durch den Raum. Eigentlich wollte ich antworten, doch nicke ich nur immer wieder.
Reduziert zu diesem und nicht mehr, wissend, dass stumpf besser ist als Wahnsinn. Frakturen in Schädel-Bildern.


Das Ich vom Risperidon ausgehungert.
Die offenen Augen mit Mirtazapin bekämpft.
Jetzt neu auf der Speisekarte: Citalopram.
Geschätztes Gefängnis. Wenigstens keine Pseudo-Gefühle mehr.

Donnerstag, 1. August 2013

Kurz vor dem Nervenzusammenbruch

Was wirklich entsetzlich ist, sind die Lügen, die immer wieder auftauchen; die Art, an die man eigentlich gewöhnt sein sollte, doch jedes Mal erneut flüstert eine Vertrauen erweckende Stimme im Hinterkopf: "Dieses Mal ist es anders. Er ist nicht so wie die.", wer immer die auch sind, oder was Vertrauen eigentlich bedeutet. Ach, ich verstehe es selbst nicht.
Was ich weiß, ist verdreht, denn ich wusste, ich kann ihm nicht glauben. Er lügt, er lügt, wenn er nur den Mund aufmacht, schwindelt sich in Herzen und lässt sie dann ausbluten - vor Sehnsucht oder Kummer.

Wie lange ich zweifelnd die Sterne angestarrt habe, vermag ich nicht zu sagen. Es beruhigt, wenn auch nur gering. Nicht in der Lage zu sein, etwas zu tun, doch es zwingend zu wollen, ist kräftezehrend. Wie lieben.
"Du weißt gar nicht, was Liebe ist", nuschelt das Schwein und schaut mich an. "Du dachtest nur, er würde dir mehr geben können als er wahrhaftig konnte - etwas wie Geborgenheit, Zusammengehörigkeit; etwa Wärme."
Wenn er neben mir saß, spürte ich die Aura meines Vaters über uns ruhen. Warum musste er auch so nach Alkohol riechen? Es ist ein Fluch, der über mir lauert. Als hätte ich eine magische Anziehung auf Typen, die gerne ihr Gewissen weg trinken. Und seine Augen... seine Augen erinnerten mich an ihn. Den Einen, an den ich einfach nicht denken will, und es doch tat und Angst, Angst, Angst.
Irrationale Angst, ich weiß, doch mein Kopf kann Lüge von Lüge nicht unterscheiden und es bleibt gleich. Er hat gelogen!!! Trotzdem wollte ich jedes dieser Worte hören. Das Schwein sagt, ich hätte es besser wissen können, eigentlich wusste ich das auch, deshalb habe ich ihn angefleht, genau das zu sagen, was ich hören wollte. Was natürlich nicht das war, was ehrlich gewesen wäre.

Mein Kopf explodiert. Gefühle sind so überflüssig und ich bin ihnen so überdrüssig, weil ich jämmerlich bin.
Nur... geht er jetzt seinen Weg, hat er Freunde, die ihn in den Arm nehmen. Sogar eine nette kleine Familie, die ihm schimpfend auf die Finger klopfen und doch lächelnd ein Abendbrot servieren. Selbst Feinde hat er, die sich Zeit nehmen, um sich mit ihn zu streiten; wenigstens verschwenden sie ihre überschüssigen Mühen daran..
Gehe ich nach Hause, finde ich leere Versprechen und Medikamentenbehälter, Selbsthilfebroschüren und das Schwein.


Wenn ich es mir genau überlege, finde ich kaum einen geraden Gedanken. Die Welt steht wieder auf dem Kopf, obwohl ich meine Kraft auf wichtigeres fokussieren sollte.
Meine Augen tragen keine Tränen. Doch inmitten blauer Ozeane brennen Wunden, die so viel mehr Schmerz tragen als Flüssigkeit. Kennt ihr das Gefühl, welches man bekommt, wenn man einer Person in die Augen sieht und exakt in diesem Moment ihr Herz bricht? Wissenschaftlich gesehen macht dies kaum Sinn, doch würde ich gerne wissen, dass ich damit nicht allein bin. Denn manchmal... manchmal denke ich, ist dieser Bruchteil einer Sekunde das Einzige, was ich von Menschen je sehen werde. Erst diese zermürbende Stille und das Auseinanderbrechen, den Zerfall, ihr Niedergang.
Genau das trage ich mit mir, von verschiedenen Individuen, die ich in Stich gelassen habe oder enttäuscht habe. Vergessen kann ich nicht. Ach, ich bin mimosenhaft, verdammt, es macht mich fertig. Denn ich bin so willig, etwas anderes zu sehen außer das Schlechte, möchte so gern einmal in Jemandens Augen sehen, die nicht vor Misserfolgen und vergessenen Träumen erblassen, und denken: "Hey, für diesen einen Menschen bin ich keine Desillusion."


Ich bin so fertig.
Mein Kopf ist kaputt.