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Donnerstag, 31. Oktober 2013

On with the show...

Der Körper wird von den kalten Fließen abgepellt;
ich muss mich daran erinnern, 
dass ich nicht in Blumen gebettet schlafe
und so muss der Mensch auch Leben:
Des Nachts wie eine Maschine,
am Morgen lebendig wie ein aufgeschrecktes Tier.
Die Sonne ist ein Narzisst und
interessiert sich für keinen 
von uns.





Nach dem Aufwachen heute fragte ich die stehende Luft: 
"Warum? Warum? Oh Gott, warum?" 
Das Nichts schwieg nicht, in flüsternder Stimme sang es Queens 'The show must go on'.
Nur die letzte Stropfe ließ es aus. 
Auch Halloween brauche ich nicht. 
Mein Leben empfinde ich als Horrorgeschichte, mehr als genug.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Unser Werk #5 + Empfindlichkeiten eines Aquarienliebhabers

Zu Unser Werk Nummer 5 sind bisher keine Beiträge eingetroffen. Ich habe den "Zusende-Schluss" bis Sonntag verlängert, nur im Fall, dass ich vorher die Zeit einfach zu kurz berechnet habe. Zwar habe ich schon einen Text geschrieben, doch sollte sonst keiner Interesse zeigen, wird dieses Projekt wohl eingestellt.
Wer aber noch einen Beitrag hat, kann mir gerne teilnehmen. Natürlich freue ich mich über jede Teilnahme.

~ + ~

Was ganz anderes, weil ich genervt bin: Die Freundin meines Bruders denkt wohl, ich rede den ganzen Tag nur Unsinn. An sich ist dies kein großes Problem für mich, jedochwar sie die jenige, die zu mir gekommen ist. Die Geschichte mit dem Aquarium kennt ihr bereits.
Nachdem wir mit ihrem Geld einkaufen waren und ich alle für ein paar Euro eingerichtet habe, mich richtig mit der Pflanzenwahl, Bodengrund, Deko etc. bemüht habe, habe ich ihr die wichtigsten ersten Schritte erklärt.
Das sie mir nicht richtig zugehört hat, hat sie schon einmal bewiesen: Bei einem Wasserwechsel sind ihr die Pflanzen entwurzelt und sie fühlte sich nicht in der Lage, diese wieder sachgemäß in den Kies zu pflanzen. Mein Bruder hat ihr eine neue bezahlt, welche ich am selben Tag eingebuddelt habe. Daraufhin erklärte ich ihr noch einmal, dass sie mit den Pflanzen anfangs vorsichtig sein muss, da sich die Wurzeln erst langsam bilden.
Vorgestern rief sie mich an, dass sie eine Pflanze einfach rausgerissen hätte, weil einige braune Blätter dran hingen. Rede ich gegen Wände? Na klar, die kommen aus Zuchtanlagen, die Pflanzen mit Dünger, CO2, Eisen,...  zu pumpen und in einem neuen Aquarium sind so gut wie keine nennenswerten Nährstoffe. Ein paar braune Stellen sind vollkommen normal und überhaupt kein Grund zur Sorge. Allerdings lag die Pflanze schon im Müll. Da ich nicht den Boten für sich spielen wollte, haben wir uns geeinigt, dass sie nach ihrer Arbeit noch einmal beim Fressnapf vorbei schaut und eine mitbringt. Ich solle sie bloß einpflanzen. Es ist ja auch ziemlich schwierig, ein Loch in den Boden zu drücken und mit Bedacht auf die Wurzeln und Stiele eine Pflanze hinein zu drücken. Außerdem, das habe ich noch unterstrichen, solle sie sich vom Händler etwas anspruchloses geben lassen. Beispiele schrieb ich ihr auch auf, konnte ja im Prinzip nichts schief gehen.
Gestern abend wartete ich bei ihr zu Hause auf ihre Ankunft. Was hält sie in der Hand? Fünf Beutel mit verschiedenen Fischarten drin.
Die offensichtlichsten Fehler zähle ich einmal auf:

  • Ein Aquarium braucht eine "Einfahrzeit". Das ist die Zeit, in denen sich wichtige Bakterienkulturen im Filter und im Becken bilden, damit das Wasser mit Besatz so stabil wie möglich bleibt. (Das ist die kurze Fassung. Wenn ich ins Detail gehen würde, würde der Text ewig werden. XD) Man sollte ohne Starterhilfe vom Filterschlamm eines laufenden Auqariums mindestens 4 Wochen mit Besatz warten. In der Zwischenzeit ist es völlig normal, dass sich für Fische tödliches Nitrit bildet.
    Die ersten Verluste der Fische sind vorprogrammiert. Dabei geht es mir nicht um das verlorene Geld, sondern mir tun die Tiere leid, die qualvoll sterben müssen. Wegen eines dummen Menschen, den man es vorher breit erklärt hatte.
  • Das Becken umfasst gerade mal 60l. Die Fische, die sie sich ausgesucht hat, sind vollkommen daneben, weil sie schwimmfreudig sind und teilweise riesig werden. 
  • Sie entschied sich für Mollys und Guppys. Dies sind lebendgebährende Zahnkarpfen. Diese sind so simpel in ihren Ansprüchen, dass sie sich explosionsartig vermehren können. Davon zwei Arten in so einem Becken zu halten, ist kompletter Unsinn. Kein vernünftiger Verkäufer hätte ihr das so mitgeben sollen. 
  • Dann kommt noch eine Prachtschmerle dazu. Diese werden nicht nur riesig und brauchen mindestens 300 Liter Becken, um sich wohl zu fühlen, sondern werden auch noch bis zu 20 Jahre alt und wollen in Gruppen leben. (Mindestens 10 Tiere.) Sie hat eine. Eine. 
  • Des Weiteren kaufte sie noch einen Kakadu-Zwerbuntbarsch. Wer es nicht weiß: Wir leben in Bayern und das Wasser hier ist sehr hart. Dieser Fisch möchte eine Wasserhärte, die 10° nicht übersteigt. Hier liegt das Wasser bei gut 18°. Außerdem braucht man für diese Barsche ein ganz anders aufgebautes Becken: Ich wette darauf, dass die Pflanzen bald von ihm gefressen werden. Wenn er nicht vorher von den Karpen zu Tode gestresst wird oder eben durch das Nitrit. 
  • Zuletzt schwimmen jetzt 15 (!!!) Metallpanzerwelse in diesem kleinen Becken rum. Dazu habe ich nicht einmal mehr was zu sagen. Der Typ, der ihr das alles verkauft hat, ist ein profitgeiler, nutzloser Idiot. Er hat schnell leichtes Geld gemacht. Diese knapp 100 Euro sind zum Sterben verurteilt. 
  • Dadurch das so viele Fische auf 60 Liter leben müssen, kann das Aquarium seine Kulturen und Werte nicht richtig entwickeln. Niemals. Zu viel Dreck auf zu kleinen Raum für ohnehin noch nicht ausgereiftes Wasser. Jetzt heißt es nur noch retten, was zu retten ist. Mehrere Wasserwechsel täglich. Bis sich das Wasser stabilisiert hat und wir Besitzer für die unpassenden Fische gefunden haben. Gegebenfalls erledigt sich das ja aber von selbst....
Eine weitere Pflanze hat sie übrigens nicht mitgebracht. Wenn es um Tiere geht, werde ich schnell empfindlich und da ich ihr vorher alles so genau erklärt habe, nehme ich es irgendwie als persönlichen Angriff. Damit ich nicht ausraste, rede ich gar nicht mehr mit ihr. Was soll ich auch noch sagen?
Ich gehe mir jetzt Bilder von gut-gehaltenen Fischen und Welpen anschauen.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Über heilige Belastungen und unheiligen Suizid

Die letzte Kapsel presst ihren Weg seine aschigen Kehle hinunter:
Geschichtsbücher erwähnen auch nie den Aufwind
im Fall des Flugobjektes;
Für sein Ableben erwägt er keine Entschuldigung.
Immerhin sagte er auch niemals "Danke" dafür,
dass man ihm ein Leben gab.
Er war schon einmal an diesem Ort,
nur fühlt es sich
dieses Mal
sauberer an. Nicht so falsch und deplaziert.
Keine Erinnerung zieht im Zeitraffer an ihm vorüber,
dort ist nur der gleiche, alte Schmerz.
Das gleiche, alte Sehnen.
Die gleichen, alten Verneinungen.

Wenn es keinen Gott gibt,
sind Atheisten eigentlich nur Heuchler.
So ist es auch um seinen Willen geschehen.
Zwei leere Schachteln nisten auf der Bettdecke.
(Er zwingt sich das Etikett zu ignorieren.)
Jedoch
gehört auch die weiße Flasche und der Flachmann
zu ihm.
Er muss es der Nachwelt nicht einfach machen -
braucht kein Mahnmal zu servieren -
hat kein Sakrophag -
nicht einmal ein Abschiedswort.
Therapiehausaufgaben, Tagebucheinträge und Narbengewebe
sind alles, was er dem Tod bieten kann.
Selbst jetzt fühlt er sich so dumm.
Zu dumm, um zu begreifen.
So dumm, um zu wiederholen.



"Du Idiot, das kannst du mir doch nicht antun",
schreit sie panisch.
Auch sie hält nicht viel von Mutmaßungen
in Adhärenz.
112. Angst. Stabile Seitenlage. Tränen.
Vorwürfe stoßen sie in das
höllische Fegefeuer der Verzweiflung
Warteräume sind himmlisches Teufelswerk;
viel lieber würde sie ihn scheiden sehen,
nur nicht allein.
Wäre die Natur eine Maschine,
wären Pantheisten verliebt in einen Erschöpfer.
Zu Mindest
ist die Notaufnahme näher der Unterwelt
als das aufgesetzte Lächeln eines Kittelträgers.



Drei Monate später schreibt er Briefe an sein Inneres Kind,
unterschreibt "Suizidverträge",
die wie kaltherzige Versprechen
in ein aufgezwungenes schlechtes Gewissen
in "danach ist es mir sowieso egal" enden.
Geschlossene, Entzug, offene, Rehabilitation -
in ernüchterndem Selbsthass schreibt er ihr eine Postkarte:
"Warum hast du micht nicht sterben lassen?"
in Blut geschrieben,
mit ungeweinten Salzwasser befleckt.
Schuldbewusst und schwermütig schluckt er
Antidepressiva und Neuroleptika.
Eine Droge ersetzt die Droge.
Herzlichen Glückwunsch.
Sein neuer Therapeut redet mit ihm
über ihn
als würden Würmer seinen Mund entkriechen.
Als er ihn für gestört hielt,
war ihm das Gehirn aus Schokolade und Fliegenmaden recht.
Immerhin gab es so Benzodiazepine;
quasi als Sahnehäubchen.
Niemals bedankte er sich bei ihr,
nicht mit einem Ton.  
Während Fernweh oder Heimweh
wie die Leere
unendlich ihn ihm wachsen
bis sie überschäumen
und aus ihm heraus schleichen.
Stück für Stück.
Bis jeder sehen kann,
was für ein Unmensch er
wahrhaftig ist.
Weniger tot als atmend.
 

Ein paar Jahre später
spaziert sie durch die Einkaufsgassen.
An der Hand ein kleiner Junge.
Wie ein laufender Beweis
personifizierter Selbstgerechtigkeit. 
Sie erinnert sich an das endlose Warten
auf Heilung, Erlösung,
konnte ihm nie von seinen Flüchen befreien.
Ein Leben verneinen,
bedeutet ein weiteres zu bejahen.
Ihr in großen Druckbuchstaben geschriebenes Ja
lächelt sie mit unschuldigen Gesichtszügen an;
als meinten sie "Danke für dieses Leben",
doch sie vermeidet Augenkontakt.
Im Kopf geistern ihr Grabsteine
und Hilflosigkeit umher.
Das Kind niest.
"Gesegnet seist du, von welchem Gott auch immer",
sie meint es so,
denn Gott und der Teufel haben ihr schon
viel zu viel
abverlangt und beigebracht.
Zur Qual wurde jedes Wieso, weshalb, warum -
zur Bestrafung wurde seine Todesannonce,
zur erschwerenden Erleichterung seine Geburt
im gleichen Namen.
Mit gleichen Namen.
Nicht mit selbem Ausgang.

Montag, 28. Oktober 2013

Alter Wunschzettel

Nicht auf der Suche nach irgendwas, doch beim Aufäumen bzw. Ausräumen von alten Papierkram fiel mir ein Zettel entgegen. Zuerst wunderte ich mich, woher der auf einmal kommt, doch nach dem Lesen konnte ich mich wieder recht gut an seine Herkunft erinnern: Für den Englischunterricht in der Schule sollten wir auf Deutsch aufschreiben, was wir für Zukunftspläne und -wünsche haben. (Im Unterricht wurde es dann übersetzt.)
Leider steht auf dem Zettel selbst kein Datum, aber das Magazin, in welches in den Zettel fand, war auf Ausgabe 12/2001 datiert. Beim Verfassen war ich somit 12-13 Jahre.

Aus unbekannten Gründen musste ich laut los lachen als ich den Zettel durchlas. Nicht zwingend wegen der Wünsche an sich, sondern wegen den "genialen" Begründungen. Wen also interessiert, was das junge Hirn der Emaschi damals für seine Zukunft erhofft hat, bitteschön:
  • Ich möchte nicht jeden Tag sterben wollen und niemals Alkoholiker werden
  • Später möchte ich entweder Biologe oder Tierfotograf werden, vielleicht auch Tierarzt (aber nicht zu sehr)
  • In meinem Leben möchte ich ganz viele Tier kennen lernen. Es wäre toll, wenn ich einen Wal treffen könnte, und einen Pandabär, aber an sich ist mir jedes Tier recht. Außer Krabbelkäfer und Spinnen, es sei denn sie sind lieb. 
  • Außerdem möchte ich einen glücklichen Hund erziehen und Aquarien haben - am Besten zwei ganz große. Einmal für Süßwasser und einmal für Marinefische. 
  • Wenn ich erwachsen bin, würde ich auch gerne einmal nach Japan reisen, um viele Delikatessen zu probieren und Kimonos zu sehen, nach Island möchte ich auch, weil es viele Tiere und schöne Landschaften zu sehen gibt - eine Wal-Sightseeing-Tour wäre voll schön. Letztendlich wäre ich auch gerne mal im Urlaub auf Neuseeland, weil dort viele verschiedene Vogelarten beheimatet sind, viele exotische Pflanzen gesehen werden können und ich den Herren der Ringe mag.
  • Nett wäre es, wenn ich später noch Geschichten und Gedichte schreibe und darüber lachen kann, was für Rechtschreib- und Grammatikfehler ich zu einem früheren Zeitpunkt gemacht habe. Haha. 

Im Nachhinein fällt mir auf, dass ich mich schon damals nicht unbedingt mit Menschen auseinander gesetzt habe, sondern mein Fokus sehr auf die Tierwelt legte. Wenigstens den letzten Punkt kann ich als "geschafft" unterstreichen, wenn meine Grammatik und Rechtschreibung auch heute nicht fehlerfrei ist. Alkoholiker bin ich, streng gesehen, auch nicht. Über den Rest lässt sich streiten....Mit den Jobs hat es nicht so geklappt wie vorgestellt, auf Wale und Pandabären bin ich noch nicht gestoßen, habe keinen Hund zum Erziehen, hatte aber mal zwei Süßwasser-Aquarien.
Die Sache mit den Reisen habe ich inzwischen abgeschlossen. Wenn ich mal zu viel Geld über habe, besuche ich vielleicht mal Österreich - das ist nicht so weit weg. Obwohl Japan, Island und Neuseeland noch immer zu meinen Favouriten gehören.

Samstag, 26. Oktober 2013

Dies und Das

Bin ich die Einzige, die alte Bekannte auf Facebook in der Freundesliste behält, damit ich mich schlecht fühlen kann, wie glücklich sie aussehen? Na klar, mir ist bewusst, dass Gruppenfotos frei nach dem Motto "Lächel jetzt oder keiner trägt dich nach Hause" kein Indikator für tatsächliche Gefühlssituationen sind, doch kann ich mir nicht helfen: Ich frage mich, wie es ihnen geht, worüber sie lachen, ob sie Spaß haben und ihre Sorgen vergessen konnten,... ob wenigstens einer von ihnen, irgendwann einmal, auch an mich gedacht hat!? Nicht, dass ich jemals bei "Parties" und "Sauftouren" dabei gewesen wäre,... 

Nun ja, es könnte schlimmer sein, sagt das Schwein. In den letzten Tagen bin ich so erschüttert, dass ich mit der Frage spiele, ob ich nicht meinen Vater nach Geld fragen soll!? Auf meinem Konto ist nichts mehr. Mein Bruder verdient seins, aber er übernimmt meine Miete, Strom, Wasser und alle Nahrungskosten. Auch alle anderen Ausgaben, um es beim Namen zu nennen.
Eigentlich will ich ihn nicht fragen. Wie ihr wisst, haben wir kein sonderlich gutes Verhältnis. Er mag mich nicht und ich weiß nicht, wie ich seinen Standards recht werden soll. Frage ich ihm nach Geld, wird es Vorwürfe und Missbilligungen regnen; mehr als sonst, wirft Nummer 1 in die Runde. Jedoch was gebraucht wird, wird gebraucht - und ich brauche Deo und Shampoo. Vielleicht nicht überlebenswichtig, doch "Ich möchte es so gerne"-wichtig. Was soll ich denn machen? Stinken ist Strafe genug. Außerdem brauche ich Verbandszeug, vor Allem sterile Wundpflaster.




Anlauf nehmen.... und...

Das ist einfach zu süß!



Es tut mir leid, dass derzeit keine brauchbaren Texte von mir zu Stande kommen. Vielleicht kommt zu Halloween ja etwas Brauchbares. Immerhin habe ich heute schon Süßigkeiten für die Nachbarskinder gekauft. Letztes Jahr kamen nämlich ein paar Monster und Geister klingeln; und eine Disney-Prinzessin, welches Image an sich viel gruseliger war als das der Zombies.
Das Wetter heute ist fabelhaft. Absolutes Spaziergang-Wetter. 

Blätter!

Das Aquarium der Freundin meines Bruders nimmt übrigens seine Formen an. Ihr sind beim ersten Wasserwechsel ihres Lebens ein paar Pflanzen entwurzelt, eine hat diese Tortur nicht gut überstanden. Das ist aber halb so schlimm. Mein Bruder und ich haben uns heute zum Fressnapf aufgemacht und haben eine neue Pflanzen gekauft. Eine unkraut-artige, bei der man selbst als Anfänger nichts falsch machen kann.
Außerdem haben wir uns ein paar Fische angeschaut. Bis zum ersten Besatz dauert es noch gut 3 Wochen, schätze ich, doch mir persönlich gefallen Panzerwelse sehr. Einen kleinen Schwarm Panda-Panzerwelse und einen männlichen Kampffisch für die Farben, das wäre das, was ich einsetzen würde. Immerhin brauchen die keine all zu aufwendige Pflege und keinen großen Schwimmraum. Natürlich ist das aber nicht meine Entscheidung, sondern die der Besitzerin. 

Zum Abschluss noch, weil es zum Lachen ist. Ich liebe Reina:


Freitag, 25. Oktober 2013

Hilfestellung

An manchen Tagen ängstigt mich der Gedanke, anderen Menschen, wenn auch nur mit Worten, zu helfen, denn ich komme mir dann vor wie ein Lügner - und vor Allem wie ein Heuchler.
Meine Cousine, zum Beispiel, ist derzeit suizidal. Täglich schreibe ich ihr aufbauende Nachrichten, die offen gestanden wenig voran bringen, und versuche so gut es geht auf zu bauen. Doch eingestanden: Eigentlich möchte ich nicht, dass sie die es schafft, sich um zu bringen, weil ich dann dastehe wie "die Unfähige mit den unzähligen missglückten Versuchen".

Teilweise ist ein schlechtes Gewissen vorhanden. Ich kann mir nicht helfen. Ihr, wahrscheinlich, auch nicht.

Suizidales Kummerflimmern

(Vorab Info:  Dies war eine verkorkste Art Abschiedbrief, den ich vor einem Suizidversuch vor ca. 2 Jahren verfasst habe. Ich poste diesen, weil ich in den letzten Tagen viel Kummer unterdrücke, obwohl ich es besser weiß; weil viele Leute, die meinen Blog verfolgen, auch von unaussprechlicher Pein besessen sind und ich ihnen zu sagen versuche: "Hey, du bist nicht allein mit diesen Gedanken.")

~ + ~

Niemals waren Augen so trocken wie an dem Tag, an dem ich sagte, ich sei verstorben.

Fehlende Errungenschaften und katholische Gedanken über ein verschwendetes Leben hieve ich hervor. Somit brauche ich wenigstens die Erinnerung nicht verdauen. Sollte dies auch der einzige Weg zur Rettung sein, zwinge ich mich weiterhin auf knarrenden Fußböden zu schlafen, ummanelt von Decken aus verbindlicher Geisteskrankheit, die mich in den Schlaf wiegen und mich vor eiskalten Sehnsuchtsfingern schützen. Sonst wäre ich bald fleischlos ausgeliefert.
Diese Empfindung ist real, denn der Himmel brennt lichterloh mit unbändigen Feuern in den wilden Augen der Jugend. In Untätigkeit schaue ich hinauf und bleibe doch so blind gegenüber all dem. Teilnahmslos ist auch die Asche, die von Mitmenschen zu schnell vergessen wird; in den Müll geworden, unter Teppiche gekehrt, über Steine verteilt. Doch halte ich sie nur um die Stunden wach, die sie eigentlich hätten sterben sollten. Immerhin verdienen sie es - genau wie ich - von farblosen Augen und knochenerschütternden Geständnissen verfolgt zu werden. Kolloquial gesagt.
Mit jeder Nacht wird es ihnen weniger bewusst. Während Keller-Liebe die Treppe hoch kriecht und ihre ungebrauchten Füße dekoriert, verlieren Warnrufe und Hilfeschreie ganz und gar ihre Wirkung. Denn wirken können nur endlose Geschichten auf Papierzungen mit inhaliertem Flüssigkleber; damit eine Form der Wahrheit auf hitzigen Augen kleben bleibt. Nur so können sie weiterhin Engel im Badezimmespiegel sehen, oblgeich dämonisches Wispern durch den Wasserhahn erklingt: "Es gibt immer keinen Grund zum Atmen. Es gibt nimmer einen Grund zum Atmen." Regulär wiederholend. Bis sie mich, die primäre Quelle der Gefahr, vergessen. Immerhin präsent, doch eigentlich nicht erreichbar. Gespenstisch.

Wo sind die glaubenden Gesichter geblieben? Was ist eigentlich geschehen?

Phantome leerer Worte pressen sich an die hinterste Stelle meines Herzens: Wahrscheinlich ist es Kummerflimmern. Darin befindet sich kein 'a', denn mit diesen ausgetrockneten Augen erkenne ich lediglich den Kessel, die untere Schale. Dieser unbekannte Schmerz hinterlässt mich sprachlos. Nein, nicht ganz sprachlos, sondern weiterhin "a"-los. Möchte ich nun mein Leid mitteilen wollen, verneint es mir das "au, au, au" sagen, und es erklingt lediglich ein "uu, uu, uu" - wie bei einem Affen. Einem zimperlichem, wehleidigem Affen.
Vielleicht werde ich sterben, um in Mutter Naturs Schoß endlos wandern zu gehen. Womöglich ist dort aber auch Nichts, viel mehr Nichts als die sternenbedeckte Dunkelheit - alles könnte schwarz sein. Würmer und niederes Getier erledigen dann den Rest - wie aus diesem Grund empor gestiegen.
Ersetzt von Zigarettenrauch und dieser quälenden Leere, in der die Geister schlafen, werde auch ich ein sieben-buchstaben Name auf einer Urkunde. Gesetzt dem Falle, dem Schreiber ist das "a" geblieben, sonst wären es sechs Buchstaben.

Keinen langen Todeskampf wird es geben. Die Geburt war kein Eingeständnis meiner Fehler und Unergiebigkeit. Angewöhnte Rechenschaften ruinieren die Klage des Leben. Was kann ich noch sagen, wenn ein "Bitte verzeiht" niemals genug sein wird? So oft näherte ich mich diesen Worten, doch blieben sie unberührt und rein. Nicht einmal Fluchen kann sie beschmutzen, nicht mehr.

Ich sterbe nicht, um ein Geist zu werden, oder eine Erinnerung. Schon jetzt bin ich der Ascheberg, den man übersieht. Vebrenne ich auch im Rauch billiger Zigaretten, ertönt einzig und allein Julians Stimme in meinen Ohren: "Wir werden wieder zusammen sein."
Das ist Alles. Alles, woran ich zu glauben wage während ich von Papierbergen und dem Nichts verlorener Menschlichkeit kremieirt werde.
Ruhelos gehetzt habe ich euch heimgesucht: Mit einem Schrei geistloser Zunge ins Leben gerufen, im Blut meiner Mutter gebadet.
Doch leise und bedacht werde ich gehen, blutlos schuldig mit gesenktem Haupt; die Augen so trocken, dass ich sterben kann.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Gesprächsfetzen

"Dieser Lebensstil wird dein Ende sein, Emaschi."
"Kannst du mir das versprechen?"
"Ich meine, irgendwann wirst du wegen all dieser Scheiße sterben."
"Würde sich dies nur mehr nach Drohung anhören und nicht nach erleichterndem Aufatmen."
"Ich würde dich sehr vermissen, wenn du tot wärest."
"Verwirrend."
"Was daran ist bitteschön verwirrend?"
"Du scheinst nichts zu vermissen, wenn ich lebendig warte; immerhin scheint dir das Verfassen einer Mail schon zu viel Zeitverschwendung zu sein."
"Das kannst du mir nicht zum Vorwurf machen. Du bist so anstrengend mit deinem ständigen Misstrauen, deine allgegenwärtigen Angst vor Allem und Jedem, deine Schreckhaftigkeit - du kannst niemanden an dich heranlassen, gibst nichts Preis und scheinst immer so.... regungslos. Als hättest du gar keine Lebendigkeit, keine positiven Gefühle übrig. Wie soll man sich mit dir abfinden können, wenn du niemandem Gefühle zeigst? Nie?"
"Ich fühle mich verlassen."
"Das ist zu allgemein."
"'Mir geht es schlecht` wäre zu allgemein."
"Siehst du? Da fängt es auch wieder an mit den Worte-Im-Mund-Verdrehen. Das kostet so viel Energie, Emaschi."
"Das wiederrum finde ich zu allgemein."

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Unser Werk - Nummer 5

Spontan kam mir die Idee, dass es mal wieder Zeit ist ein "Unser Werk" zu starten.
Für den ein oder anderen Leser, der das Prinzip noch nicht kennt, erkläre ich es kurz: Auf der Unterseite "Unser Werk - #5" findet ihr zwei Bilder. In diesem Fall ein Foto und ein gezeichnetes Bild von mir. Wenn es euch Inspiration für ein passendes Gedicht, Geschichte, Foto, Bild, usw., wäre ich sehr froh darüber, wenn ihr euer Werk per Mail schickt. Dies könnt ihr bis einschließlich den 31.10. 3.11. tun und ich werde alles gesammelt auf die oben genannte Unterseite posten.
Wer nicht genannt werden möchte, muss mir auch nur zukommen lassen, dass er anonym bleiben möchte und es wird gar kein Problem darstellen. Ansonsten werde ich euren Blog zurück verlinken und euer Copyright beachten. =)

Für jede einzelne Mail bin ich sehr, sehr dankbar und hoffe, dass sich dieses Mal wieder einige Leute finden, die teilnehmen. Für weitere Fragen hinterlasst einen Kommentar und ich werde mich darum kümmern.
Dies ist kein Wettbewerb, jeder kann etwas senden!

(Nur nebenbei: Mir ist auch aufgefallen, dass einige Links aus den früheren Unser Werk-Beiträgen nicht mehr aktuell sind. Dies tut mir leid, doch kann ich es nicht ändern, wenn einige Blogs offline gehen.)

Dienstag, 22. Oktober 2013

Freund?

Manchmal wundere ich mich, warum ich manche Menschen noch als 'Freund' bezeichne, obwohl ich mit einigen von ihnen seit mehr als einem Jahr nicht geredet habe.

Montag, 21. Oktober 2013

Atelophobie

"Warum musst du immer so reden, dass dich keiner versteht, ey?"

Beispiellos wurde sie von Instanzen verbogen: Vom Licht gestreichelte, vergangenheits-lakonische Sternenstaub-Relativitätstheorien prägten ihre Essenz, doch Stund um Stund, Tag um Tag, integrierten sie sich mit chaotischen Ambivalenzen.
Verwirrt-verirrte Blicke von begierdigen Passanten trafen sich mit ihren. Ihr Verstand kann nicht fassen, wie Menschen syntaktisch korrekt bewaffnet, jedoch semantisch die weiße Flagge hissen. Linguistik vergeht in ihrem Geister-Rauch, lethargisch stagnierend zwischen Über-Erde und Sternenschnuppen.

 "Kannst du das Gleiche wiederholen - ohne große Worte?"

Beinahe sekundenloser Zeitgeist, alterlos, denn sie wog sich mit locker-gliedrigen Substanzen in Domina Auroras gesättigten Schoß. Die Valenzen der Kohlenstoffatome waren ohnehin ausgeschöpft. Philosophisch gesehen von Vorgestern, doch heliaktisch steigernd. Als Antwortet bewarf sie post-pupertierende Dauernörgler und Zwangsanalytiker nur mit: "Heuristik."

 "Es ist gar nicht nötig, dass du so viele Fremdworte benutzt. Red' einfach normal, man."

Stille war ihre Konspiration, die wie zitternder Regen auf die Erde fiel. Der Gerich: Petrichor.
Schweigend war stets die Frage, ob sie sich als ein Opfer sintflutartiger Ergüsse oder jungfräulicher Verleugnungen erwies.
Im Gesetz der desillusionierten Himmel fand sich prophezeiter Frieden, abdankender Verzicht - beängstigend stagnierend. In ihr lebte eine Sequent entmutigender, erschreckender Demontage, serviert von verlassener Schieferbrüche: Der ungewollte Teil des Makrokosmos und der erschütternden Macht kontinuierlicher Unterordnung.

Vielleicht erwartete fortsetzende Forschung das Denken vor der Aktion.
Vielleicht gab es auch kein Limit, nur attische Dachböden.
Vielleicht war sie die Einzige, die sich zwang "Ich bin ein Versager" zu umschreiben.

Samstag, 19. Oktober 2013

Ein kleiner Grund zur Freude

Wie selten es auch vorkommen mag, aber heute gab es für mich einen kleine Grund zur Freude. Zufällig sind die Freundin meines Bruders und ich auf das Thema Aquaristik gekommen. Ein wenig kenne ich mich damit aus, weil ich früher auch verschiedene Aquarien hatte - mit unterschiedlicher Besatzung.
Seit geraumer Zeit wünscht sie sich jetzt schon ein eigenes, hat auch die geldlichen Mittel, die Zeit, nur eben nicht die Kenntnis. Obwohl ich der Meinung bin, dass man kein Einstein sein muss, um ein Aquarium artgerecht ein zu richten und sich die passenden Fische für die Größe aus zu suchen, bat sie mich darum. Geeinigt haben wir uns schnell: Sie bezahlt meine Schulden (rund 30 Euro) bei meinem Telefonanbieter, gibt mir Geld und ich gehe Shoppen. (Ganz allein. Ja, für mich ist es sehr wichtig, das zu erwähnen.)
Es freut mich so, weil ich endlich eine Aufgabe habe, die mir auch Spaß macht.


Nachtrag:
Den Eintrag hatte ich heute früh um 7.00 Uhr schon verfasst, doch anscheinendhabe ich ihn nur gespeichert und nicht veröffentlicht. Ich war also im Tiergeschäft, nur doch nicht so allein. Mir ist nämlich eingefallen, dass ich ein Aquarium und das dazu gehörige Zubehör gar nicht mit den Armen tragen kann. Mein Bruder hat uns also hingefahren, aber (ein aber mit viel Nachdruck) ich habe ganz allein mit dem Verkäufer geredet. Abgesehen davon, dass er mir falsche Informationen gegeben hat, was mich ein bisschen deprimiert hat, da er speziell für die Abteilung eingeteilt war, ist es gut gelaufen.
EIngerichtet ist es schon. Persönlich mag ich es sehr natürlich, nichts mit Deko aus Plaste. Also viele Pflanzen und Steine; später kommt vielleicht noch eine halbe Kokusnuss oder ein Tontopf mit Loch als Versteck hinzu. Hoffentlich gefällt es ihr, wenn sie später zu sich nach Hause kommt. Den Besatz bereden wir demnächst erst.

Irrelevant, doch erwähnenswert: Ich habe schon wieder das Bedürfnis mir die Haare zu färben. Langsam ist das nicht mehr normal... XD

Einfach nur weg

Auf dem Laufenden bin ich selbst nicht mehr. Die Sache zwischen dem Jobcenter und mir scheint aus dem Ruder zu geraten, was mich nicht zwingend verwundert, denn mit mir hat es nunmal jeder schwer - anscheinend.
Montag schon rief bei der Hotline an um in Erfahrung zu bringen, wer mir sagen kann, warum das Arbeitslosengeld 2 nicht auf mein Konto überwiesen wird, obwohl ich ein Bestätigungsschreiben vorliegen habe, dass ich es bis Januar erhalten werde. Dort konnte mir mir nur einen Termin vermitteln, den ich aber nicht nachgehen kann, da ich kein Geld für die Bahnfahrt habe - immerhin kostet die mich knapp 10 Euro hin und zurück. Freundlich vergewissterte mich die Dame am anderen Ende der Leitung, dass ich Fahrpreise ab 5 Euro zurück erstattet bekomme. Hilft leider nicht viel, denn ich kann kein Geld von meinem Konto abheben, um mir das Ticket überhaupt zu kaufen.
Aus diesem Grund einigten wir uns, dass sie einen Termin ausmacht und eine Nachricht hinterlässt, dass ich mich nur telefonisch melden könne.

Gestern stand der Termin: Meine Panikattacke vor dem Telefonieren und Sprechen mal ganz abgesehen, konnte mir die Beamtin auch nicht weiter bringen. Obwohl es bestätigt wurde, dass ich Gelder bekomme, fühlt sie sich nicht verantwortlich bis sie einen Bericht vom medizinischen Dienst der Arbeitsagentur vorlege. Auf einer Vorstellung bei diesem warte ich seit Mitte Juli. Bisher weiß ich nur, dass sie meinem Arzt ein Formular zum Ausfüllen gesendet hatten und mit mir bisher keinen Kontakt aufgenommen haben.
In ihrem PC stünde auch nur, dass die Bearbeitung läuft. Auf Termine hat sie keine Einsicht. Daraufhin fragte ich, ich muss unterstreichen, dass ich mit jegliche Mühe gab, freundlich zu klingen, ob sie nicht dort anrufen könne; um nach einer schnelleren Bearbeitung zu bitten, einen Zwischenbericht, eine fähige Person... Was weiß ich?
"Ich werde sehen, was ich machen kann", antwortete sie. Das hat sie wirklich zu mir gesagt. Sie wird sehen, was sie machen kann. Ob dies in diesem Millenium noch geschehen wird, weiß ich nicht. Ob sie denkt, ich stelle mich zum Spaß so aufdränglich an, weiß ich auch nicht. Allerdings weiß ich auch nicht, wie ich meine Miete zahlen soll, oder Nahrung, oder Strom, oder Wasser,....
Die Kosten für das Internet übernimmt mein Bruder ganz und gar, einschließlich die Festnetzgebühr. Sonst könne ich gar keinen Kontakt mehr mit irgendwem aufnehmen. Der Anbieter meines Handyvertrages hat mir jetzt auch ein Mahnschreiben geschickt, weil ich in den letzten Monaten dort 30 Euro Schulden gemacht habe. Wahrscheinlich wird deshalb nicht gleich der Gerichtsvollzieher vor der Tür stehen, aber Mahngebühr ist nicht zu unterschätzen.
Ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll. Theoretisch kann ich nicht mal mehr Bewerbungen schreiben, wenn mein Bruder nicht die Postgebühr übernehmen würde. Nicht, dass ich Angst haben bräuchte, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden...

Seit Tagen habe ich auch wieder dieses unsagbare Verlangen nach Schmerzen, körperlichen Schmerzen. Der Begriff "Ritzdruck" trifft es nicht, es ist eher ein innerliches Drängen danach, mich zu foltern. Rennen bis zum Zusammenbruch, schneiden, Alkohol, Tablettenmix, auf mich einschlagen, beißen... Egal, wie. Ich will nur nicht an Stress erinnert werden, nicht an früher denken, nicht in Trauer und Angst versinken.
Wie lange kann ich dem standhalten? Ich will es schon gar nicht mehr. Ach, ich weiß es auch nicht. Einfach nur raus, so weit weg wie möglich - von meinem Kopf.
Was soll ich gegen diesen animalischen Drang der Selbstzerstörung machen, wenn ich mich gar nicht wehren möchte?
Ich kann nicht versprechen, dass ich das noch lange aushalten kann. Bitte verzeiht alles Womögliche.

Freitag, 18. Oktober 2013

Unfrankierte Postkarten: Mutter

Liebe Mutter,

da du nie "Auf Wiedersehen" sagtest, werden wir uns wohl nicht wieder sehen - oder jemals verstehen. Wenn ich mir nicht immerzu einreden würde, dass du immerhin krank warst, würde ich dich wohl hassen. Welcher Teil ist trauriger? Die Tatsache, dass ich fähig bin, dich zu hassen oder dass die Grenze nur zwischen erlernter Moralpredigt und angeeigneter Überzeugungskünste liegt?
Ich weiß es ungerecht von einem Menschen Liebe zu verlangen, der selbst nie Liebe erleben durfte. Borderline-Persönlichkeitsstörung war vielleicht die Ausrede für die unzähligen Tabletten, die zusammen mit Alkohol deiner Kehle entlang glitten; vielleicht waren sie aus die Ausrede für deine impulsiven Wutausbrüche, das stundenlange Geschrei und die endlosen Erniedrigungen - so hört sich Pseudologia Phantastica auch nett an, bleibt ein Lügner doch ein Lügner, pathologisch oder auch nicht.
Auf Zehenspitzen tapste ich um dein zerbrechliches Herz. Behielt Großartigkeiten und Kleinigkeiten für mich bis sie zu Geheimnissen wurden, damit du unbelastet bliebst, damit du nicht wütend zu werden brauchtest, damit du - einigermaßen - glücklich warst.

An dich zu denken, erweist sich so geistlos wie in der eigenen Wohnung ein Feuer zu legen. Die Flammen sind deine Anmaßungen, deine Druckmittel, die du gegen jeden einsetztest, der es wagte deinen Radius zu betreten.
Weißt du noch, wie du so eifersüchtig auf meine Cousine Janine warst, dass du ihr so viele Vorwürfe gegen ihr Aussehen machtest, dass sie vor Scham nicht mehr aus dem Haus wollte?
Weißt du noch, wie mein jüngerer Bruder in der Schule gehänselt wurde, er ständig vom Sekretäriat abgeholt werden musste und du ihm immer nur sagtest "Das hast du von deinem nichts-nutzigem Vater", damit du ja nicht als Rabenmutter da standest?
Weißt du noch, wie du meinen älteren Bruder so manipuliert hattest, dass er sich über das Sozialamt eine eigene Wohnung mietete, die du dann als Versteck für deine Affären missbrauchtest und ihn dann schuldig sprachst als der tratschende Hausmeister sich bei deinem Chef ausplauderte?
Weißt du noch wie du mich verantwortlich gemacht hast für deine mentale und emotionale Gesundheit? Zu hohe Erwartungen waren es nicht, eher unverständliche Standards; einem Kleinkind, welches "Hilflosigkeit" noch nicht einmal buchstabieren konnte, sein psychisches Leid auf zu schultern, war eine Katastrophe. Wahrscheinlich stehe ich noch in deiner Verbindlichkeit, weil du mich gebarst. Sündenbock per Geburtsurkunde, bitte rettet mich vor den Schmerzen der narzisstischen Sonne.

Weißt du noch wie du meinen Vater niemals mit einem Hallo begrüßtest, sondern immer nur meintest, wie schrecklich er wäre? Nahm er an Gewicht zu, war es widerlich. Nahmst du zu, redest du allen ein, du hättest Schilddrüsenprobleme. Brauchte er eine Pause, sollte er sich nicht so anstellen. Brauchtest du eine Pause, zogst du dich wochenlang (!) in den Garten zurück ohne dich zu melden, oder dich um uns zu kümmern. Doch natürlich mussten wir immer springen, solltest du dich einmal - Gott bewahre - einsam fühlen. Keiner wollte dir etwas anvertrauen, denn du bezogst alles, wirklich alles auf dich und sollte die Gelegenheit gegeben sein, verwendetest du Vertrauchliches gegen jeglichen ethnischen Charakter. Letztendlich gab es doch nur dich in deinem Kopf, dich und wie die Dinge um dich standen. Mehr war nicht von Wichtigkeit. Deine Welt war Schwarz und Weiß. Waren Menschen nicht auf deiner Seite, waren sie gegen dich, weil sich alles um dich drehte. Dich, deine Probleme, deinen Ärger, deine Sichtweisen. Der Atemzug einer Lunge geschieht, weil du ihn zulässt und es deinen Launen entspricht.
Womöglich warst du ein Opfer der erfundenen Märtyrer. Eigentlich weiß ich gar nicht, was wahr war von den Sachen, die du sagtest, und eigentlich interessiert es mich auch nicht mehr. Niemals kann ich gut genug für dich sein.
Besonders auf der Seele liegt mir, dass du mich niemals wie dein Kind behandelt hast. Auch nicht wie jemanden auf deiner Augenhöhe, sondern nur als emotionale Stütze.  Es war ein Ablehnen von Grenzen zwischen Individualismus, welches nun wirklich auf meinen Schultern ruht. Dummerweise bin ich ja auch immer zurück gekrochen gekommen. Unter Umständen hattest du dich ja doch geändert, vielleicht warst du ja doch zu krank, um wirklich fassen zu können, dass Vertrauen nicht erschlichen werden kann, Liebe schon gar nicht. Irgendwann wurde das Buchstabenwirrwarr "Mutter" zu seinem Titel, für den ich kämpfte. Für diesen Namen habe ich Schreckliches durchstanden. Untertrieben gesagt. Mir fehlt die Kraft für Einzelheiten; mag Details nicht aufzählen, denn mein Kopf ist müde von dir. Bis hier hin und nicht weiter: Nein, ich bin nicht nur das Ergebnis der Aufmerksamkeit, die du für mich aufbrachtest.

Ich weiß, es klingt bitter. Aber soll ich dir sagen, was wirklich bitter ist? Der Geschmack unterdrückter Aufrichtigkeit. Wenn nicht heute, wann denn dann: Meine Gefühle wurden von dir bestritten, ignoriert, diskontiert, entwertet und in den Dreck gezogen. Tränen waren für dich eine Gelegenheit , mich noch tiefer unter Wasser zu drücken. Konnte ich mit Fertigkeiten nicht prahlen, wurde meine Existenz, meine Präsens mit Krtik überschüttet. Ich bin die schlechte Tochter, denn ich konnte dich nicht vor dir selbst retten, konnte dich nicht aufhalten, dich in Gefahr zu stürzen. Ich konnte deine ausgedachten Krankheiten nicht heilen. Deinen Gehirntumor, deinen Brustkrebst, deine Koronararterienerkrankung nicht, deine unzähligen Magen-Darm-Beschwerden nicht, deine Infektionen nicht. Leider auch deine Zwangslügerei nicht, welche wohl deine einzig glaubhafte Diagnose ist. Irgendwann wird es dich umbringen und zu diesem Zeitpunkt wirst du allein sein.
Normalerweise bin ich nicht so aggressiv, auch nicht angriffslustig. Aber ab einem gewissen Punkt der Defensive bricht jedoch ein Vulkan aus, nicht im dem Sinne wie dein Temperament ausbrach, sondern der Schmerz wird so überlastend groß, dass er alles in einem Menschen vernichten, egal, ob positiv oder negativ. Dann ist da nichts mehr, nur noch Leere. Dieses Loch, welches ich nicht zu beschreiben vermag. Wie ein Hohlraum, in dem man hinwerfen kann, was man will, es kehrt nicht einmal ein Echo zurück. Da ist einfach nichts mehr und so viel von diesem, dass es unendlich erscheint.

Alles das addiert sich zu einer Gesamtsumme geballter Abeneigung. Doch offen gestanden, gibt es nur einen Grund, warum ich dich hasse: Du hast einfach immer weg gesehen. Jedes. verdammte. Mal. Damit meine ich nicht die Alkohol-induzierten Wutanfälle meines Vaters (Eigentlich sage ich es nicht gerne, doch bevorzuge ich die Faust im Gesicht jeden deiner Schreie) oder meine offensichtliche Darstellung eines Versagers in der Schule. Du weißt genau was ich meine, wen ich meine. Oft genug warst du im selben Haus, im verfickten Nebenzimmer. Hast du einmal nachgefragt, was er und ich so spät am Abend machten? Hat es dich interessiert? Warst du so naiv, um es wahrhaftig übersehen zu haben? Wurdest du plötzlich taub, stumm und blind, weil er der Sohn deiner Schwester war? Hättest du mich schuldig erklärt, wenn du es gewusst hättest? Hättest du mich verstoßen, wären wir zur Polizei gegangen? Hättest du mich irgendwie beschützen können, wollen? 
Hast du mich jemals geliebt - wie dein Fleisch und Blut und nicht wie ein Drachen mit Schatzkammer? Warst du wirklich zu krank für ein Familienleben? Vermisst du manchmal, was du verloren hast? Denkst du manchmal an mich?
Bis zum heutigen Tage quälen mich Alpträume und Flashbacks. Keiner leuchtenden Seele kann ich Vertrauen schenken, weil jeder prinzipiell ein Feind ist, immerhin bin ich Soldat und kämpfe einen Krieg für Sünden, die bereits in Vergessenheit geraten sind. Die Schande sitzt wohl an meiner Seite. Selbstsicher wir ein zu kleiner Vogelkäfig. Die Flügel gebrochen und blutverschmiert. Einzelne Federn fallen in den schwarzen Abgrund - wie Erinnerungen, oder Träume. Du bist weg. Gegangen aus dem einen oder anderem Grund. Bewaffnet mit Verhaltensauffälligkeiten, die in dunklen Ecken zu Asche verbrannten.

Lieblose Augen, doch glitzernde Sterne am Himmel.
"Hilf dir selbst, dann hilft dir auch Gott."
Und hat Gott auch gerade seine Augen geschlossen, bist du immer noch auf dich allein gestellt.
Es tut mir leid, dass es so enden muss:
Hoffnungslosigkeit, Wut und Hass.

Unnötig ist es, um Verzeihung zu bitten. Denn du bist ohnehin verschwunden.

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Präferenzstäter (Evtl. Triggernd)

Hier wird nichts Spezifisches beschrieben, doch mir ging der Text ziemlich nahe und möchte aus diesem Grund eine Triggerwarnung aussprechen. Um sicher zu gehen.
Das es sich um ausgedachte Charaktere handelt, muss ich wohl kaum erwähnen.... habe es aber trotzdem... 

+ ~ +

"Du denkst es ist meine eigene Schuld, weil ich es nicht früher Jemandem anvertraut habe, richtig?", seine Stimme besteht aus Strohhalmen, die aus seinem verängstigten Mund fallen. Mit seinen Lidern halb geöffnet schaut er auf seine Füße hinab, tote Libido und konzentriertes Reinigungsmittel. Ein Hilfeschrei, der stumm verklingt. Vorsichtig wandern seine Blicke auf und ab als wären seine Beine eine zerkratzte Landkarte.
Innerlich zerfressen setzt sich seine Freundin neben ihn, nach passenden Antworten suchend. Passiv-aggressive Angriffe sind mit Sensibilität nicht zu vereinen. Ein falsches Wort wird zum getrockneten Blut auf dem Bärenfell.
"Das stimmt doch gar nicht. Du warst doch noch ein Kind. Du konntest nicht verstehen, was er mit dir gemacht hat.", wenn auch würdig für Applaus, ist es einerseits irgendwie befriedigend. Nicht hilfreich, aber allgegenwärtig genug. Kurz schaut er direkt in ihre Augen, als wolle er darin ein Heilmittel finden. Die unausgesprochene Wahrheit, die kein Mensch präsentieren mag. Doch sie denken es, ja, das weiß er, sie denken es: Vielleicht war es nicht seine Schuld, doch hätte er sich weiteren Schmerz erlassen können. 
Dies tanzt auf wunden Dinosaurierbeinen auf seiner Stirn. Wissbegierdig wie Menschen nun einmal sind, starren stupide auf die Abdrücke auf seinem Kopf, wagen es jedoch nicht, weiter zu sehen, weiter zu denken, weiter zu fragen.
"Manchmal wünsche ich, ich hätte es nicht gestanden. Niemandem. Nie. Auch nicht dir. Seitdem die Gerichtsverhandlung beendet wurde, fühle ich mich, als hätte man mit meinem Leben abgeschlossen.", seufzt er. Verbitterung fällt aus ihm heraus wie klumpige Ziegelsteine. Die junge Frau neben gibt ihm nicht das Vergnügen einer Niederlage oder der Resignation. Sie will ihn nicht aufgeben. Denn sie kennt ihn nicht auf der anderen Seite des Schlachtfeldes. Ihre Augenpaare treffen sich, und warten: Wie unzählige Versuche davor, perlt auch diese Einschüchterung von ihr ab. Verstecken kann er es nicht, zumal sie ihn im nackten Fleische kennt.
"Du hattest Therapie", sagt sie. Natürlich weiß sie um die Gefahren dieses Satzes. Schon oft führte dieser zu einer abrupten Beendung des gesamten Gespräches und tagelanges Ignorieren. Immerhin ist sie geduldig und kann warten bis Erklärungen aus seinen Ohren herauslaufen, wenn auch in Wut. Oder Vergebung.
"Das sagt jeder, als wäre es so einfach: "Du hattest doch Therapie. Doch hattes doch Therapie." Ja, ich hatte Therapie. Doch habe ich es nie geschafft, einen Menschen zu vertrauen. Selbstvorwürfe haben meine Eltern zugrunde gerichtet. Mein Vater konnte dem Druck nicht standhalten, ist einfach gegangen. Genau zu der Zeit, in der ich ihm am Meisten brauchte. Meine Mutter? Meine Mutter wollte nur Sicherheit. Wollte bestätigt bekommen, dass alles ok sei; dass sie alles richtig gemacht habe. Aber weißt du was? Nichts war ok. Nichts war richtig. Stundenlange Gespräche über mögliche Auswirkungen von Missbrauch oder entartetem Familienleben und sinnloses Training für Atemübungen und Entspannungstechniken haben nichts geändert.", regelrecht kurz flimmert seine Stimme in Ärger auf, doch verliert schnell an Kraft und Stand. Nicht, dass sein Körper für die Abwehr von Verletzungen und Wunden strukturiert wäre. Horror über aussprechbaren Maße ummalt seine Züge, zittern um seine Kehle in seine Augen wie das Schauspiel ungewollter Erinnerungen.
Was kann sie schon noch sagen außer "Ein Herz an Herz ist verspätet, wenn eines bereits zerbrochen liegt."

Manchmal ist sie feige genug, sich ein zu gestehen, dass sie eine Pause von ihm braucht. Doch denkt sie länger darüber nach, wird ihr klar, dass er wohl das Selbe über sich denkt und sie kann nicht gehen. Es ist seine Aura des Schreckens, die sie bleiben lässt. Das Aufschreien in der Nacht, die Verzweidlung, wenn ein Mann auch nur zwei Zentimeter zu nah kommt, das Erblassen der Haut, wenn ein bestimmter Geruch, eine Bewegung, ein Geräusch, ein Name ihn an sein personifiziertes Monster erinnert. Indem sein bloßes Sein aus Angst konstruiert, strukturiert er ein Kartenhaus ohne Trumpf und ohne Jolly.
Aus dem Nichts fragt er: "Sorgst du dich manchmal darum, dass er zurück kommt, wenn es aus dem Gefängnis entlassen wird?"
Dünne Geisterfinger streicheln die Haut um sein Handgelenk, zur Beruhigung, zur Überbrückung der Sekundenstille, die sich unangenehm in die Länge zieht. Lieblos verstehend beäugt sie ihn wiederholt. Der Kopf eines Neugeborenen, denkt sie, genau wie die geformte Membran, die sich um den Schädel eines Babies wickelt. Vollkommen neu und doch Milliarden Male zuvor gesehen. Selbst Jesus würde ihn umarmen wollen, wiegen wollen, ihm Schlaflieder singen wollen bis das Leid der Vergangenheit zur Ruhe gekommen ist und endlich, endlich, endlich aufhört.
"Was meinst du denn mit 'zurück kommen', war er denn wirklich jemals fort?", flüstert sie. Ihre Frage an die Schatten an den Wänden gerichtet. Schlichte Ehrlichkeit steckt darin und doch schmeckt es bitter. Vielleicht hat bloße Wahrheit die Macht Erinnerungen rein zu waschen und nichts muss "zurück" finden, oder "vor" oder "daneben". Alles könnte einfach sein, mit Doppelmoral in dreifacher Ausführung. Er müsste nicht ertragen und auf und nieder predigen, wonach sein Kopf ihm stünde: Ausreden, Einkaufslisten, Lügen, Heilige Skripte, Liedtexte, Zitate zerstreuter und schmelzender Poeten. Sie müsse nicht mehr den Sinn dahinter suchen. Kein Verständnis für Niemanden mehr aufbringen. Es ist kein Urteil, welches vor ihren Füßen steht, sondern Überreste aus Nostalgie und Melancholie - genau in dieser Reihenfolge. Mit leeren Händen und Tränen-gefüllten Augen sucht sie nach der Lebenslinie, die sein Monster ihm aus dem Leib riss.
"Außerdem", führt sie fort. "bist du zu alt für ihn. Pädophile sind Präferenzstäter und beengen sich meist auf einen bestimmten Typ und vor Allem ein gewisses Alter."
Ein Teil von ihm, eher in ihm möchte sie würgen und schlagen und treten, obwohl er genau das hören wollte. Eine Antwort auf seine Fragen und er weiß, dass sie Recht hat, doch das macht ihn nur wütender, verzweifelter, verängstigter. Dieser Schmerz ist nicht teilbar, und doch wünscht er sich, dass sie zusammen grausam geschädigt sein könnten wie ein Kreis aus Schande und Erniedrigung, der sich letztendlich schließt. Nicht einmal Tränen bleiben ihm, so wie sie ihr bleiben, denn sie versteht einfach gar nichts. Nicht im Geringsten. Er hasst seine Gedanken, weil es eigentlich Monstergedanken sind und er hasst sie, weil er sie lieber lieben würde. Ach, es ist auch Unsinn, dass er sie hasst. Für ihn ist sie alles und das macht ihn krank. Vor Sorge, dass sie Chaosbilder seiner Alpträume gesehen werden könnten. Vor Neid, weil genau dies nicht geschieht.  

"Er kommt nicht zurück. Nichts davon war deine Schuld. Mache dir keine Sorgen, dass es niemals besser werden wird, denn das wird es.", wieder erklingt ihre Stimme und stürzt ihn aus seinen Rausch an verdrängten Emotionen. Zurück in der Gegenwart kann er allmählich spüren wie sein Haupthaar Grau wird uns sein Herz in einem schwarzen Ölfilm versinkt.
"Leider fehlt der Satz "Du hattest doch Therapie" noch", fällt er ihr ins Wort. Fragen und Schattenworte warten auf die Beiden, freimütig widerstandslos; ohne die Delikatesse eines erwarteten Umbruchs. Nichts Großes. Nichts Kleines.
Im Hintergrund spielt Céline Dions "My heart will go on", und doch weiß er gerade nur noch eins:

Dieses Herz and Herz ist vorüber.
Sie haben Beide keines mehr. 

Dienstag, 15. Oktober 2013

Nur in meinem Kopf

Manchmal inhaliere ich zu viele verschiedene Emotionen und diese sammeln sich zwischen meinen Rippenbögen an, reißen und ziehen an meinen Lungenflügeln und drücken wie schwere Steine. Ich möchte nur noch schreien, doch desto weiter ich meinen Mund öffne, desto weiter drückt das Gewicht. Es ist schmerzhaft, mehr noch als das Wort allein; und ich kann nichts dagegen tun. Dasitzen, aushalten, nicht sprechen, ertragen, warten bis sich das Chaos beruhigt und in meine Beine sinkt.
An manchen Tagen ist es schon zu viel, sich zu bewegen. Der Doktor spricht von Antriebslosigkeit, Lethargie, und verschreibt geschwind ein Antidepressivum. Letzteres sei nicht das Richtige für mich gewesen, wiederholt er, denn das Gleiche sagte er schon einmal. Gibt es eigentlich einen Weg, der richtig für mich wäre, den der Arzt bestimmen kann? Wenn alles nichts hilft, kann wohl keiner helfen - das ist das Natur des Echolots. Verschwendete Gefühle können doch nicht das sein, was ich noch in mir habe und nicht spüren kann. Wo ist das Gewissen? Die guten Manieren? Was wird nun zum Sklaven der luftgeborenen Parasiten, die zwischen meinen Gedärmen nagen?

Und ich sage ihm, dass es nur wenig Menschen gibt, die mir keine Angst machen; doch die Angst selbst macht mir keine Angst. Indirekt wundernd schaut der Arzt mich durch seine Brillengläser an, stellt aber nicht die einzige Frage, die von Bedeutung wäre: Wo liegt die Relevanz in dem, was ich sage? Kurz lächelt er und versichert mir, dass ich mir keine Sorgen machen brauche.
Stimmt, Sorgen sind für die, die eine Wahl haben oder zu Mindest hatten. "Haben Sie nicht manchmal Angst, dass jemand, der ihnen wertvoll erscheint oder sogar Sie selbst, eines Tages die Angst vor der Angst verliert, weil die Angst das einzig Bodenfeste im Leben bleibt?", frage ich ihn. Faulige Zähne schimmern in Unsicherheit, wenn sie auch vor Verwirrtheit stinken. Bitte lasse ihn verstehen, was ich meine, bete ich, doch weiß gar nicht zu wem.


"Vielleicht verschwenden Sie zu viel Energie damit, Angst zu fühlen, dass sie keinen Platz mehr für Ausflüchte haben", sagt er. So folgere ich, dass er nicht verstand, was ich meinte und sage nur "Mmmhh".  Ausflüchte sind stupide und ungreifbar.
Es tut mir leid, dass ich bei der Angst bleibe, doch ich hasse es auch, wenn man mir Fragen beantwortet und eigentlich gar nichts beantwortet.
"Wussten Sie, dass jetzt ein Buch über autistische Frauen erschienen ist?", fragt er. Für mich klingt es vorwurfsvoll, was auch immer das bedeutet. Du bist verrückt, will er sagen, zu Mindest sagt das die Paranoia zu mir.
"Wussten Sie, dass das bekannteste Wort der Welt "okay" ist?", zaghaft atme ich aus, die ein oder andere Emotion hat sich letztendlich doch gelockert. Es bleibt alles in meinem Kopf; meine Art, meine Gedanken, meine unangepasste Angepasstheit, die sogenannten Krankheitsbilder - nur in meinem Kopf. Das sage ich mir. Doch fühlt es sich kein bisschen leichter an.


Montag, 14. Oktober 2013

Die Klinge

Selbst-zugefügte Wunden.
"Ja, mir geht es gut."
Gefühle sind wie Landminen.
"Ich habe mich selbst repariert."
So gut es ging; das Blut wischt sich nicht von allein wieder weg.
"Das Herz weiß nicht, was der Kopf tut."
Wären deine Küsse nicht so voller Gift gewesen,
hätte ich vergeben können.
"Womöglich."
Die Sprache der Schmerzen.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Die drei Regeln des Nicht-Verrückt-Werdens

Plötzlich fallen mir diese drei wichtigen Sätze ein, die mich meistens davon abhalten, verrückt zu werden. Damit meine ich auch nicht diese "Ich-nehme-Tabletten-zum-Anpassen"-Verrücktheit, sondern eher eine "Dieser-Schmerz-vergeht-nie"-Verrücktheit. Von wem sie ursprünglich stammen, weiß ich nicht mehr, doch sie sind in meinem Kopf verankert, eingezüchtet:

1. Du musst ja auch nicht wollen.
2. Leid ist temporär bis der nächste folgt.
3. Deine Träume musst du nicht von deinem Herzen schneiden, nur weil sie niemals wahr werden.

Nummer Drei ist von besonderer Schwere. Ich sollte es wissen.
Wie oft sagte ich schon "Ich kann nicht", obgleich ich davon überzeugt war, dass Worte manchmal nur Schalen sind, man ein Gewissen leihen kann und dann alles können kann, was man sich in den Kopf setzt. Irritierend ist es, sogar wenn der Atem stockt und die Handinnenflächen schwitzen, wenn man Wollen möchte, doch darin endet, einen Schuldigen zu suchen. Nur mein Selbstvertrauen applaudiert mir nicht zu und mich selbst nehme ich nicht für Voll, oder gar nicht wahr. Also lächel ich über wertlose Tränen bis mir die Zähne herausfallen und lausche geliehenen Wahrheiten bis jedes Wort auf taube Ohren fällt.

Es gibt Zeiten, in denen Schatten mich füllen und überschwappen, denn die Nacht ist dann lediglich eine Weiterführung meiner Selbst und des eigenen Gefühls der Unfähigkeit, Inkonsequenz und Geringfügigkeit. Wenn die Sonne scheint, wächst die Hoffnung, dass sie meinen Sehnerv verbrennen kann, somit die Angst auslöscht; die Angst vor Vergänglichkeit oder dem Niemals. Doch Finsternis existiert auch wenn man pausenlos in das Licht stiert.
Ich habe es gesehen. Erlebt. Gespürt.
Jeder kennt dies, so rede ich mir ein: Man wacht aus einem Traum auf und hat das Gefühl zu fallen. Doch eigentlich fällt man nicht, sondern stürzt sich in die Leere. Während ihr euch fragt, wo der Unterschied liegt, bin ich die Person, die nicht zurück geholt werden kann. Träume kann man nicht ändern, weder am Tag, noch in der Nacht. Hundert Mal bin ich gestorben, im Traum, mit einem perfekten Ende, in dem die Trauer und Sorge der Menschen real ist, obwohl diese Menschen gar nicht existieren. Bin ich wach und mir dessen Bedeutung bewusst, frage ich mich, was für ein Monster hinter diesen Augen leben muss, dass sich wünscht, dass Menschen um mich klagen? Immerhin bin auch ich nur ein Fabelwesen und existiere gar nicht.

Bitte lösche die Landschaften nicht aus. Erinnere dich an die Träume, die unredlich im Kino deiner Nächte spielen. Welten erschaffen ist reiniend, belebend; vor Allem wenn die Welten bunt und gespannt mit Tinte geschrieben werden können und in linguistischer Frustration endet.
Ist die Landschaft eine Einöde, karg und grau, ist dies genau der Platz, in dem du dich verstecken kannst. Das bedeutet Nummer 3.

Ich kann es mir nur erlauben, es zu hassen, das Richtige zu tun, weil ich die Wahl habe. Denn wäre ich weise, würde ich den Kontakt zu Emotionen suchen, manipulieren und bestechen - bis ich mich gebildet genug fühle, mir dumm vor zu kommen.
Korrektion: Über Jahre bin ich so gut im Beobachten geworden, dass ich die Bedeutung von Blicken verloren habe. Worte können weh tun. Taten können weh tun. Keine Taten können weh tun. Aus diesem Grund kann Schmerz nicht verloren gehen. "Du musst ja auch nicht schweigen", flüstert das Schwein in mein Ohr. Doch entlaste ich das Gewicht auf meinen Füßen, lehnt sich die Erinnerung und die Angst auf meine Schultern.
Das bedeutet Nummer 2.

Wahrscheinlich ist es meine eigene Schuld, dass ich bin wie ich bin. Wie das Schwein schon sagt: Eigentlich müsste ich nicht leise sein. Müsste nicht schreien, nicht klug, nicht künstlerisch, schön, interessant oder atmend sein. Sage ich nicht Guten Tag, brauche ich auch kein Auf Wiedersehen. Denn es gibt selten eines. Wenn es kommt, kehren auch Erinnerungen wieder, die bewusst vergessen wurden, womit ich wieder bei Nummer 2 wäre - zugleich auch 3.
Nein, ich muss nicht wollen. Ich muss gar nichts, was zu viel ist. Was für eine Bedeutung hat das Nichts, wenn es kein Etwas gibt? Wenn Nichts alles ist, was übrig bleibt, wenn der flüchtige Blick zur Realität, Menschlichkeit aufgewirbelt hat?  Das Nichts zu wollen, ist so viel mehr, als nicht zu wollen, doch so viel verwirrender als das.
Das bedeutet Nummer 1.

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Guerilla-Herz

Kalter Krieg in meiner Kehle;
Kein Krieg ist Kleinkrieg,
nur nach Definition.
Nur ich wünsche
seine Entschuldigungen und schnellen Beine
zerbomben zu dürfen;
er sah den Angriff nicht kommen,
denn er schlief immer,
während ich wach lag
und mir Finger und Zehen ausgingen -
zum strategischen Zählen unserer Fehler.

Keine weißen Fahnen werden wehen,
wahrscheinlich mussten er und ich,
wir Beide,
erst einmal sinken,
um wieder nach oben getrieben zu werden.
In Niederlage und Sieg,
das Beides,
hörte mein Herz auf zu schlagen.
Im leeren zweitausend-Yard-Starren
stand sein Name.


Entschlossen doch von Schmerzen übermannt,
sah ich auf den Grund des Schlachtfeldes herab,
fragte mich, was mein Blick ertasten würde,
würde er nach oben gleiten.
Es sind seine Hände, die mein Schicksal fertigen:
In einer die Schusswaffe,
in der anderen die Kapitulationsurkunde,
die freiwillig
- weder er, noch ich -
keiner unterschreiben wird.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Tierpark Hellabrunn (Video)


Dieses Mal könnte es sogar tatsächlich funktionieren. An sich habe ich nichts geändert, außer vielleicht meine vorher nicht existierende Voreingenommenheit YouTube gegenüber, doch dieses Mal kann man den Sound hören, es sind 12.48 Minuten und in HD. Danke an alle, die mir Gestern so unterstüzend Ratschläge gegeben haben.
Wer gerne Tiervideos schaute, sollte auch jeden Fall vorbei gucken. Ich habe mir Mühe gebeben, es ist mein erstes längeres Video, welches ich aus so vielen verschiedenen Szenen zusammengeschnitten habe. Knapp bei Minute 5 fehlte ein Clip, nicht wundern, wenn also die Bilder plötzlich unpassend erscheinen. Trotz Allem steckt viel Mühe darin. Mich würde also ein Kommentar und eure Meinung auf jeden Fall sehr, sehr freuen. =)

Dienstag, 8. Oktober 2013

Frage über das Hochladen von Videos bei YouTube

Vielleicht kann mir jemand hier helfen, denn YouTube verwirrt mich offen gestanden etwas.
Da ich zu meinem Geburtstag im Tierpark war und ein paar gute Momente filmen konnte, habe ich ein Video zusammen geschnitten, damit ich es bei Facebook teilen kann. Allerdings ist das Video recht groß, denn ich habe in HD gefilmt. Die volle Länge des entgültigen Videos beträgt fast 13 Minuten.
Gut, bei YouTube kann man Videos bis zu 2GB hochladen, welches ich nicht erreicht habe. (Es sind knapp 630mb.) Beim Versuch es hochzuladen, musste ich feststellen, dass das Video plötzlich nur noch 6:23 Minuten Länge hat. Also ein zweiter Durchgang: Das Selbe passierte wieder. Das, was da ist, läuft alles problemlos ab, nur fehlt die Hälfte. =(
Weiß jemand, woran dies liegen könnte?

(Habe gerade nochmal alles auf dem PC geschaut, dort werden die 13 Minuten ohne Stottern und Rattern gezeigt.)

Es wäre wirklich toll, wenn jemand dieses Problem lösen könnte. Denn meine Halb-Schwester schaut gerne Tiervideos, hat aber nicht die Verbindung für so eine große Datei. (Da man ja bei Youtube die Qualität regeln herabsetzen kann, wäre dies sehr praktisch.)
Natürlich wollte ich mein Video auch mit euch teilen. In der Hoffnung, dass wenigstens einer Interesse zeigen würde. *seufz*

Montag, 7. Oktober 2013

Schmerzmittel und Alkohol = Schmerzmittel: Alkohol



Wenn angestaute Emtionen keine Grenzen kennen, finden Schuldzuweisungen auch nur schwer ihren Anhaltspunkt. Das schlechte Gewissen und der Kummer bleibt, genau wie Das Bedauern, welches bekanntlich einen unstillbaren Durst aufweist.

"Doch, ich schwöre, ich trinke nie wieder einen Tropfen!"

Mögen die Tränen auch trocknen, ihre Gründe und Ursachen sind niemals vergeben, schon gar nicht vergessen. Ihr wisst es doch auch: Alkohol und innerer Tumult sind nie eine gute Mischung. Nur liegen manche Art Entschuldigungen nicht so auf der Hand; nicht dort, wo auch die Flasche liegt. Erinnerung ertränken heißt das Ziel, doch verschwimmen einzig und allein die Bilder. Genau wie es mein Vater sagte: "Aber Schatz, ich werde nie wieder einen Tropfen Alkohol anfassen."
Wie sehr ich jedes Lügenwort hasste. Verstümmelt war die Sprache, fallend aus seinen Mund - wie poetisches Schwermetall in einen Haufen Federn der Leichtgläubigkeit. Kindlisch war wohl die Bitte ("Papa, leg' die Flasche weg." / "Papa, du weißt doch, Alkohol macht die wütend." / "Papa, du musst nicht trinken. Morgen wird es dir nur wieder leid tun.") Vielleicht war er verloren, halb gefunden; fast sinnlos, ein wenig mehr als kontrolllos.   


Hoffnung lag in Scherben auf den Küchenboden. Ein bisschen Blut aus meiner Nase vermischte sich im Glas. Doch kauerte ich auch weinend und vor Schmerzen gekrümmt am Boden, zog ich lediglich den Geist der Sucht in Frage, niemals seine Würde. 
War der Alkohol sein Beschützer; das Stückchen Leben, welches ihn vor der harschen Realität abschirmte? 
War ich die Grimasse aus Abscheu, die versuchte gegen seinen Ozean aus Schnaps und Bier zu paddeln? 
Denn prinzipiell bin ich genau wie er, nur weniger flüssig. Ich bin auf der Suche nach chemischen Reaktionen, nach Umstrukturierung der Gedanken, Abänderungen der Hirnfunktionen. 
Manchmal möchte ich sterben, denn kann ich Vergangenheit und Gegenwart nicht ertragen, nicht tragen, was Normalität wohl Alltag nennt. Manchmal möchte ich nicht sterben, nur nicht mehr aufwachen, wenn ich nicht(s) mehr schaffe: Leise öffne ich die handliche Packung Pillen - eins, zwei, drei - kleine Edelsteine ohne mineralischen Wert - vier, fünf, sechs - eine neue Packung - eins, zwei, drei - schlucken, schlucken, schlucken - zehn, fünfzehn, zwanzig. Silbernes Papier, Pappkarton, Plastikbehälter - was macht es für einen Unterschied? 
Sie enden dort, wo mein Vater Freiheit mit purem bernsteinfarbenen Destilat hinab spült. 

__________________________

Nebenbei:
Neue Umfrage an der Seite. 

Ergebnis der alten Umfrage hier: 

Die Vlog-Videos habe ich wieder gelöscht. Mir war es im Nachhinein doch irgendwie zu peinlich, muss ich gestehen.

Samstag, 5. Oktober 2013

Grundlos

Seitdem ich aus der Klinik entlassen wurde, habe ich wieder angefangen ohne Grund in Tränen aus zu brechen. Es ist belastend, denn eigentlich hat sich an meiner Gesamtsituation im Vergleich zu Davor und Danach nichts geändert.
Nun, mein Handy wird demnächst gesperrt, da ich die 10 Euro die letzten zwei Monate nicht zahlen konnte. Die Miete ohnehin nicht. Essen auch nicht, doch mein Bruder kauft es mir. Zwar habe ich eine Bestätigung vom Jobcenter, dass ich bis Januar 383 Euro monatlich bekommen, doch auf meinem Konto ist nichts eingegangen. Mein Bruder rief gestern noch an. "Man müsse erst auf den Bericht des medizinischen Dienstes warten. Sollte ich länger als 6 Monate nicht arbeitsfähig sein, sind sie für die Zahlung nicht verantwortlich, sondern das Sozialamt."
Auf diesen Bericht, besser gesagt auf einen Termin, warte ich schon seit Anfang Juni. Was soll ich machen außer heulen?

Die Krankenkasse hat auch geschrieben. Obwohl ich gemeldet bin, zahlt das Jobcenter derzeit keine Beiträge und die Gebühr für die Klinik wären dann erstmal 60 Euro.
Vielleicht waschen die Tränen die Sorgen weg. Nicht umsonst schrieb ich doch von Katharsis und Seelenheil; auf brechenden Wänden in unleserlicher Schrift. Ein Brief an Hoffnungslosigkeit und Erdbeer-Sahne-Eiskrem, die keiner essen will.
Am Donnerstag sollte ich die Füllung meines Zahns ändern lassen. Aber ich kann nicht einmal die Bahnfahrt zur Nachbarstadt zahlen. Minus auf dem Konto: Abheben geht nicht. "Das ist eben so", sagte die Frau mir am Bankschalter. Beschmückt mit Goldohrringen und Kettchen, gekleidet in superschicken Hosenanzug. Sie erinnert mich an ein flamboyantes Pferd. Oder galt das lange Gesicht etwas Anderem? Ist auch egal. Ich will weinen.

Mir ist kalt, weil ich mich nicht traue, die Heizung an zu schalten. Oder Tee zu kochen. Oder neue Wollsocken zu kaufen. Egal, was ich jetzt tue, zuerst erscheint der Gedanke: "Ist das nicht zu teuer? Ich habe doch gar kein Geld." Wenigstens habe ich diesen PC. Ihr seid da, richtig? Ihr seid da. Richtig.
Möglicherweise bin ich doch einsam, denn außer mein Bruder ist keiner mehr da. Denn ich bin ein Jammerlappen, vollkommen unbrauchbar. Sogenannte Freunde schreiben nur auf Anfrage, wollen mich aber nicht sehen oder sprechen. Nicht, dass ich das wollte. Man sollte auch die Fakten nicht verdrehen. Wenn ich die Möglichkeit habe, mit meinem Psychologen zu reden, erstickt die Angst die Worte in meinem Mund. Ich kann nicht sprechen und auch nicht Existieren, wenn Augen mich verfolgen. Einkaufen ist eine Lebensaufgabe, die ich nur meistere, wenn mein Bruder mitkommt - grundlos wäre auch jeder Versuch des Anpassens.
Das Schwein und Nummer 1 sind mir treu. Wir werden jetzt um die Wette an die Decke starren und die weiße Farbe wird "Isolation" in Druckbuchstaben schreiben. Oh, ich möchte weinen, doch in glorreicher Einsamkeit ist Alleinsein grundlos. 

Freitag, 4. Oktober 2013

Eine Art Katharsis III

Teil I:  Hier
Teil II: Hier

Unter Umständen ein bisschen kürzer als die bisherigen Teil. Aber es ist kurz nach halb Fünf, kann man da wirklich mehr von mir erwarten?

+ ~ +

Hast du jemals zu jemanden gesagt: "Du bist mein Held!"? Wahrlich, das ist er auch. Oder sie. Der Mensch, der dir ein Licht bringt, wenn deine Sicht verdunkelt. Nicht zu fassen ist dein Segen. Das Glück, dass du in dieser Welt, zu dieser Zeit, von dieser Person gerettet wurdest. Ein Lächeln umspielt deine Lippen, kein aufgesetztes oder erzwungenes. Ein wahres Lächeln geballt mit Emotionen; der nicht-verletzende Laserstrahl, welcher Liebe verkündet, mit Freiheit verbindet und nur auf diese Person gerichtet ist.
Einmal sagtest du: "Nur Kurz... Ich wollte dir danken. Denn du bist das Größte für mich." Obwohl du eine viel bedeutsame Rede im Kopf plantest, kam nur diese Textfetzen aus deinem Mund. Dein Held wendet sich in deine Richtung, schaut dich an und lächelt wieder dieser unwiderstehbare Lächeln und fragt dich geplant abwertend: "Wirst du wieder sentimental? Soll ich schonmal bei der Klapse anrufen?" Doch dies nimmt kein Gewicht von deinen Worten, fügt lediglich hinzu. In glitzernden Augen kannst du die ehrliche Antwort lesen: "Ja, ich weiß. Genau so groß bist du auch für mich."

Hast du jemals erlebt wie ein gehütetes Geheimnis dich in Ecken drängt? Als würde es dich stetig würgen, erstickt dabei die Worte zwischen "Ich kann es Niemandem anvertrauen" und "Ich darf es nicht preisgeben". Ein Seil aus Zwickmühlen der Moral und der Sehnsucht nach Befreiung legt sich um deinen Hals, zieht sich enger, enger, noch ein bisschen enger. Bis nichts mehr übrig bleibt als der Druck, gehört zu werden. Die Wahl zwischen brennenden Licht und auffressender Dunkelheit lässt dich nicht schlafen, nicht wachen. Ein Geheimnis kann so viel zerstören: Familien, Freundschaften, Vertrauen,...
Doch das Teilen eines diesen kann es auch. Es heißt entweder - oder. Dazwischen gibt es nichts.

Hast du jemals am helligtem Tag auf in den Himmel geschaut und nach einer Sternschnuppe gesucht? Vielleicht hast du sie sogar gesehen. Fallend aus den wärmenden Armen der Sonne, hinein in dein Herz aus Gold - wo es in tausend strahlende Facetten zerspringt und Genugtuung in perfekter Einzigartigkeit zerstreut. Der Wunsch ist vergessen. Wer braucht schon leere Versprechungen? Du nicht. Denn du hast die Wolken, die über den Horizont ziehen und deine Sorgen mit sich nehmen, sie in anderen Teilen dieser Erde abregnen. Du hast den Wind, der sich alles anhört, was du zu sagen hast; sei es auch unaussprechbar viel oder herzlich wenig. Diese Seite von dir solltest du öfter ausleben, denkst du dir und schaust zu den Blumen an deinen Füßen. Ja, viel öfter.
Bevor es vorbei ist, atmest du noch einmal tief ein. Morgen bist du wahrscheinlich wieder ein anderes Du, ein ernsteres, ein belastetes. Morgen ist nur ein Katzensprung und doch viel weiter weg als du glaubst.

Hast du jemals gehungert, um deinen Körper der Leere in deinem Herzen an zu gleichen? Dich treibt nicht ein Schönheitideal einer erfundenen Welt, in der alles so "chic", "sexy" und "pretty" ist. Wo man Tränen als Preisgelder sammelt, Kränkungen und Scherben kaputter Träume in Kisten stopft und sie durch kleine Aufkleber mit der Beschriftung "Imagination" betitelt.
Gewiss, wenn man wie Nichts behandelt wird, fühlt man sich wie nichts. Warum sollte man die äußere Hülle nicht auf Nichtigkeit schrumpfen lassen können? Die Reflexion im Spiegel ist ein Alptraum. Erschreckender als Geistergeschichten und Monster unter dem Bett. Wenn du nicht in diese Jeans passen kannst, hast du das Essen auf dem Teller gar nicht verdient. Die Leute um dich herum sagen "Du brauchst gar nicht abnehmen", doch schauen sie dich verächtlich verurteilend an, scannen mit ihren Blicken deinen Wert, der auch auf der Waage steht. Heimlich lachen sie über dich, weil du so kugelrund bist. Fett. Ekelhaft.
Eines Tages wird der Spiegel beim Anblick deiner Knochen zerbrechen, damit deine Leere in alle Richtungen reflektiert werden kann. Der Schmerz ist ein Zeichen des Sieges. Er stört dich nicht einmal, immerhin gehört Disziplin dazu. Nicht einmal wenn deine Füße von den Scherben aufgeschnitten werden, du federleicht davon schreitest.

Hast du jemals deine Zeit verlebt ohne zu wissen, ob Tag oder Nacht ist? Es macht ja auch keinen Unterschied. Während Gesichter an dir vorbei rasen und Namen in einem Ohr rein, im anderen wieder raus huschen, weinst du mit einem Auge und lachst mit dem anderen. Wie jeder Andere auch. Wer weiß schon noch, was Originalität und Indivualismus bedeutet? Du nicht. Die breite Masse nicht. Der Busfahrer nicht. Die Katze der Nachbarin nicht.
Manchmal hören die Gedanken nicht auf sich gegenseitig zu jagen, zu beißen, zu vernichten. All zu oft fragtest du dich selber: "Bin ich eigentlich geistesgestört?" Und du antwortest dir selbst mit einer Gegenfrage: "Wer ist das eigentlich nicht?"
Stille wird ohrenbetäubend.
Dieses Oxymoron ist nicht mehr entgegengesetzt. 
Gefühle werden unbedeutend.
Termine die Pflicht, die du eben zu erfüllen hast.
Rechte der Dank für deine Unaufmerksamkeit.
Die Uhr liest 3:00 Uhr und du liegst wach in deinem Bett. Versuchst angestrengt, zu entspannen und nicht nach zu denken. Doch prinzipiell spritzt das nur Öl ins Feuer und du denkst über das Denken nach, über Flutwellen, Kuhglocken, Liebe, Zahnarzttermine, den Lehrer der 3. Klasse, der immer viel zu angeregt über Konjugieren redete und schlichtweg in Ekstase verfiel, wenn er das Wort "Diktat" auch nur aussprach. Oh, hast du eigentlich die Blumen gegossen? Und wäre es nicht der richtige Moment nochmal auf Toilette zu gehen? Eigentlich wolltest du nur schlafen. Leben wolltest du. Doch der Fluchtinstinkt der Zeit weiß gar nicht, was du damit meinst.

Bist du jemals planlos umher gerannt? Der Weg ist das Ziel, so heißt es; du rennst einfach weiter. Ein Prozess der Reinigung von schwarzen Hirngespinsten trieft aus jede deiner Poren. Du schwitzt sie regelrecht aus dir heraus bis sie in kleinen Flüssen deine Haut hinab gleiten und im Boden der Realität verschwinden. Die Glieder schmerzen dir, doch das ist der Preis der Zwangslosigkeit. Du rennst der Freiheit entgegen, weißt jedoch nicht, wo du sie finden kannst. Auch nicht woher du weißt, wann du angekommen bist. Wenn du überhaupt jemals ankommst.
Wie ein Blitz durchzieht ein Krampf deine rechte Wade. Kurz musst du deine Reise anhalten, doch der Ruf nach Seelenheil ist zu laut in deinen Ohren. Erst wenn du so schnell atmest, dass die Lungenflügel deine Kehle entlang zu schleichen scheinen, erst wenn der ein oder andere Gedanke von dir perlt, erst wenn deine Füße kopf- und haltlos unter dir zusammen fallen; erst dann kannst du aufhören zu rennen. 

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Niemals könnte ich dich vergessen

Der Tag begann mit dem Aufschrecken aus einem Alptraum. Ich wünschte, ich würde nicht so wütend sein - auf Begebenheiten, die sich nicht ändern lassen, auf dich, auf mich. "Vor deinem Tod warst du mir lieber", flüstere ich einer unbekannten Stimme entgegen. Ein geliehenes Ohr, welches als dieses, gar nicht antworten kann.
Wie in einem Film sehe ich dich noch immer, an diesem anderen Ort. Verküpft an meiner Kopfhaut, vernetzt an den Wurzeln meiner Haare: Wenn ich dich bloß hier behalten könnte - deine Hand länger halten könnte, deinen Mund, dein Lächeln -, müsste ich nicht versuchen zu leben, sondern versuchend leben.
Wieder vereint und zusammen.
Wir könnten uns wieder finden, irgendwo.
Wir könnten uns finden,
wir könnten,
wir.
Doch der Wiederhall quietschender Reifen ertönt erneut in meinem Kopf. Tatsache ist, dass die Erinnerung an dich ein Universum ist, welches errettet und in dunkle Abgründe stößt. Wahrheit ist, dass ich dich vermisse. Tag für Tag ein bisschen mehr. An manchen Morgen erwache ich aus bitteren Träumen, um das Echo der Zeit schreien zu hören: "Eigentlich war es gar kein Traum" Denn du bist noch immer fort. Ich kann dir noch immer nicht folgen. Oder Voranschreiten. Oder Vergessen.

Dein Schädel rollt an meine Füße. Das Schwein erschrickt.
Ich hebe den leblosen Knochen auf und setze ihn auf den Küchentisch. Geräusche kommen aus den Höhlen deiner Augen - wie Echos in den leeren Gängen fremder Ohren. Mit Sehnsucht nach Haut an Haut presse ich deinen Kopf an meinen. Vielleicht warst du Schnee, der an meiner Körperwärme geschmolzen ist oder vielleicht waren es die Tränen aus meinen Augen, die dich wie reißende Fluten davon trugen.

Sollte es auch nicht so sein, ich denke an die Blutlachen auf der Straße, die viel zu sanft und gleichzeitig tosend in alle Richtungen fließen. Ein stummer Vogel kreist am Himmel wie ein achtsamer Schatten, schaut auf uns herab und auf den Rettungswagen. Ich denke daran, wie deine Haare im feuchten Rot schimmern und ich nicht mehr denken, nicht mehr fühlen, nicht mehr reagieren kann.
"Könnte ich doch genauso wie du ein Skelett sein", dann würden die Leute nicht mehr starren, wenn ich mit dir spazieren gehe. Jeder würde sagen: "Die Zwei haben sich gefunden". Denn das haben wir. Das haben wir. Wir.
Von meinen Händen fließt Wasser, kein Blut. Doch halten kann ich beides nicht.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

"Wir gehören hier nicht her"

Zaghaft verlasse ich nach dem Vergleichen meiner Kontoauszüge die Bank. Auch mit dem Schwein an meiner Seite fühle ich mich verlassen, denn nicht einmal auf die Ämter kann man sich verlassen. Natürlich macht sich eine rote Nummer und ein dick-gedrucktes Minus bemerkbar. Kummer durchflutet meine Venen, doch ist es das Gewicht der Sorgen, die sich um meine Schultern legt. Ein nasser, schwerer Mantel an einem sonnigen Herbsttag.
"Noch nicht einmal der 2. des Monats und das Konto ist weniger als leer", meckert das Schwein. "So viel zum Thema Hartz-4." Dabei dachte ich, alle Formulare ausgefüllt und Kopien zugesendet zu haben. Wahrscheinlich sollte ich anrufen, immerhin sollte ich die Miete zahlen, oder was zu Essen kaufen. Aber ich kann nicht. Ich kann mit keinem Menschen reden. Es geht nicht.

Zwei jugendliche Mädchen im Dirndl sausen an mir vorbei. Mit geflochtenen Haaren und viel Make up, herausgeputzt wie in einem Trachtenkatalog.
Die Erste sagt: "Meine Mutter hat mir 100 Euro gegeben. Da können wir auf der Wies'n alles ausprobieren."
Worauf die Zweite nur mit einem Lächeln reagiert und laut verkündet: "Wow, ich habe auch 100 Euro bekommen."
Nun ja, am Sonntag ist es vorbei. Wenn auf den Straßen nicht mehr so viel Freude herrscht, werde ich mich wohl wieder einfacher einfügen können. Negativ vergnügt lacht das Schwein an meinen Füßen kurz auf. Ich weiß genau, was es denkt: Es wird für uns niemals einfach sein, sich - wo auch immer - ein zu fügen. Sie wissen es, wir wissen es: Wir gehören hier nicht her. (Und das liegt nicht am bayerischem Dialekt.)

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Morgen feiert mein Foto-Blog übrigens einjähriges Jubiläum. Zur "Feier des Tages" wird es viele, viele Fotos von einem Baby-Gorilla mit dem Namen Nafi aus dem Tierpark Hellabrunn geben.

Last but not least, wollte ich auch nochmal auf das Projekt "Brunnen" aufmerksam machen.

Schluss mit der Eigenwerbung.