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Samstag, 30. November 2013

Der Instinkt sich zu entschuldigen

Aufmerksamkeit, die uns keiner schenkt,
darüber vergessen wir uns selbst.
"Hilf dir selbst, dann hilft dir auch Gott",
und andere Lügen.
Selbst den Besten von uns
stockt der Atem; vergessen
die Zeit zwischen endlos-hetzenden Moment
und den blendenden Blitzen auf nassen Straßen
in der Nacht
während Autos entlang rauschen
legal illegal.
Blickle folgen ihnen
etwas zu emotional,
zu sehnsuchtsvoll.

Wenn - oder gerade weil
wir nicht folgen können,
behandeln wir uns wie Unbekannte,
schlimmer noch
wie entfremdete Freunde,
die unser Gesicht in den Boden pressen,
bis der Geruch modernder Blätter
in die Nase steigt
und nichts als hämisch-grinsende Steine
in unseren verlassenen Inner-Kopfwindungen hinterlässt.
Ein Klischée ist es,
diese Art zu denken,
uneingeladen, doch stetig präsent;
keine Schuld, kein Mitleid,
nur der wieder-kehrende Instinkt
sich bei den falschen Menschen
zu entschuldigen.
Selbst wenn es so dunkel ist
wie es nicht sein sollte
oder so hell,
dass es die Augen aus dem Ansatz der Höhlen
ausbrennt.
Geblendet.

Freitag, 29. November 2013

Hospitalisierte Metapher

Entlang des orangen-neon-weißen Flures, in dem Leben von Tod sterilisiert wird - und andersherum, wohnt Insania. Verkeilt in architektonischen Strukturen, in Scheiben und Stahl. Durch die Wände fließt es in ihre Ohren; weder mit Kühnheit noch mit Logik lässt sie sich parieren. Hier, tief in den unergründlichen Unaussprechlichkeiten wandern verlorene Seelen; vielleicht verflucht, vielleicht vermisst.
"Wer verleiht ihnen die Macht eines Kriegers und dunklem, lähmendem Wissen?", flüstern Stimmen in ihrem Kopf. Gefangen im hinteren Teil dualer Einsamkeit, die sich ihren Zeit und Ort nicht auswählen kann. Es ist schwer zu ertragen, mit den Schläuchen im Arm, Krieg unter der Calvaria. Im Stande einem quälendem Leben ins Gesicht zu sehen, rückt der Tod gemächlich näher - Verrückte in Kitteln, versehen mit leblosen Handschuhen aus Gummi und rechtschaffenden Heilmitteln - oh, die Tabletten, Teufelswerk mit himmlischen Wirkungszweigen. Sie sprechen von "Störung" im Sinne von Panik und "Vorstellung" im Sinne von Wahn. Sie öffnet ihre Lippen, um den Geistern zu antworten; singt ein Lied von schlecht-getroffenen Entscheidungen.
So unverständlich das Verlangen, das Verständnis, dass Rettung nur durch Honorar entlohnt wird. Eine Nadel wird unter ihre Haut gepress, "es dauert nicht lange", spricht die Schwester mit mindestens 20 Kilogrammm zu viel auf den Rippen. "Nur dein Leben lang", hallt es durch den Schall der Klinik. Am Ende des Ganges hängt ein Bild an der Wand. Das pure Leben in Form von Bronze-Sonnen und Terracota-Klekse; als wolle es fragen: Siehst du die Metapher in mir?


(Geschrieben als ich erneut eine Infusion wegen dem Säuren-Basen-Haushalt im Blut bekommen habe. Muh.)

Donnerstag, 28. November 2013

Weihnachtszauber + Das Schwerste

Ok, ich muss es einräumen: Peinlich ist mir die Frage schon. Irgendwie. Eher unangenehm prekär. Bevor ich mich aber in einer Form Wortewirrwarr versticke, komme ich auf den Punkt: Hat jemand hier Interesse daran, sich gegenseitig Geschenke aus zu tauschen? Damit meine ich keine furchtbare teuren Sachen, eine Grußkarte wäre auch mehr als recht.
Hoffentlich ist es noch nicht zu spät für diese Frage. Nur wenn ich die letzten zwei Weihnachtsfest Resumé passieren lasse, zieht es mir ein wenig im Herz und.. naja... ich weiß doch auch nicht... Irgendwo gibt es bestimmt jemanden, der sich zu Weihnachten einsam fühlt, oder vergessen, oder verloren und wenn etwas Kleines denjenigen aufmuntern könnte, kann er mir gerne schreiben. Entweder eine Mail, bei Facebook oder erstmal hier bei den Kommentaren.

Erstmal habe ich nichts weiter zu sagen... Es ist wirklich etwas peinlich.


+ ~ +


Das Schwerste
sind Fragen
ohne Antworten

Mittwoch, 27. November 2013

Was ich hätte früher wissen sollen, doch dir jetzt sage...

  • Egal wie sehrdu versucht entgegen deinen inneren Dämonen zu handeln, gegen sie zu kämpfen, letztendlich helfen sie dir.  Manchmal sind sie sogar deine einzige Stütze.
  • Wenn du auf dem Dach eines hohen Gebäudes stehst oder auf einer Autobahnbrücke, schaue nicht nach unten. Dort wartet nur der Abgrund, das Ende eine unverständlichen unverstandenen Existenz, die in Vogelperspektive nur noch viel nichtiger wirkt. Schau' dich einfach um und genieße die Freiheit, die in Form von flüsterndem Wind durch deine Haare zieht.
  •  Menschen werden dich hassen und verlassen, sie werden dich auslachen, dich nieder reden, Gerüchte über dich verbreiten und dein Leben zur Hölle machen. Mit dir hat es nichts zu tun, doch alles mit ihnen.
  • Um ein Elternpaar zu werden, braucht es keine Prüfung und kein fundiertes Wissen über Kinderpsychologie oder Erziehung im Allgemeinen. Irgendwann werden sie Entscheidungen treffen, die nicht richtig sind, Vorschriften fest setzen, die nicht lehrreich sind oder Fehler machen, die du nicht nach vollziehen kannst. Wahrscheinlich können sie das nicht einmal selbst.
    Natürlich musst du nicht auf Abruf verzeihen, doch halte dir immer vor Augen: Wie würdest du dich fühlen, wenn du die Verantwortung für ein weiteres Leben hättest?
  • In einigen Fällen ist Suizid tatsächlich die Antwort. Am Besten lässt du es gar nicht so weit kommen, dass du dich mit der Frage auseinander setzen musst. (Leider kann ich dir keinen Hinweis geben, wie man das hinbekommt.)
    Sofern Gefühle im Spiel sind, folgen innerliche Ratespiele, die Schmerzen mit sich führen. Verstärkt wird diese Phänomen durch Vertrauensbruch, traumatische Erinnerungen, gemindertes Selbstwertgefühl, etc... Nur glaube mir, gar nichts zu fühlen, bedeutet nur eine andere Art Schmerz.
  • Lügner gibt es überall. An sich ist daran nichts verkehrt, denn Lügen ist simpel. Immer, wenn Lügen notwendig sind, heißt das, auch die Wahrheit wäre nicht ertragbarer.
  • Jungfräulichkeit ist ein Konzept aus gesellschaftlichen und religiösen Ansichten. Das bedeutet, die Gewichtigkeit und der Nutzen kann nicht genau evaluiert werden. Trotzdem trägst du den Preis immer allein. Sex ist Sex - für jedes Geschlecht. Ob nun das erste oder das zehnte Mal: Eine schlechte Erfahrung hinterlässt zu jeder Zeit tief-schürfende Wunden.
  • Folgendes ist äußerst wichtig: Wenn du müde bist, ruhe dich aus. Schlafe für eine Stunde, entspanne dich für eine Woche auf der Couch. Bist du ausgeruht genug, wirst du es wissen. Du wirst dir für diese Pause danken. Bei war es so, dass ich mein Leben lang müde war, bis ich vom Leben müde war.
  • Sage niemals "Die Anderen sind einfach alle unfähig", denn wenn du einmal versagst, werden dir diese Worte im Hals stecken bleiben und dich damit zu erwürgen versuchen. Zumal solche leicht-schuldrigen Aussagen dich nur bitter machen, nicht etwa motivieren.
    Und: Rede dir niemals ein, besser als jemand zu sein. Rede dir auch niemals ein, jemand zu sein. Viele sind privilegter als du und viele sind nicht in der Lage eine weitere Breite an Meinungen zu finden.
  • Als Mädchen solltest du versuchen nicht dem Charme eines "Bad Boys" zu erliegen. Auch nicht wenn er dir das Blaue vom Himmel verspricht. Wahrscheinlich weiß er es nicht selbst, doch er kann sich nicht durch Zauberhand ändern, nur weil du dich zu seinem Sklaven machst.
  • Als Junge solltest du dich hüten, mit Mädchen aus zu gehen, die nur beeindruckt werden müssen. Zu Mindest bist zu einem bestimmten Punkt wird sie dich für ein Luxusartikel halten. Für sie wirst du nicht "der Eine" sein, sondern "Der Eine, der Finesse hat" oder "Der Eine, der mir teure Geschenke kauft", etc.
  • Je mehr Bücher du liest, desto höher werden deine Standards. Warum ich genau das jetzt schreibe, weiß ich nicht genau. Denn es ist begehrenswert Bücher zu lesen und genau so Standards zu haben. Allerdings bist du keine Figur aus einem Roman und deine Mitmenschen handeln nicht nach einer aufgezeichneten Verschwörung. Außerdem enden solche Geschichten entweder mit Happy End oder prädigender Moral. In der Realität kann man dir Beides nicht versprechen. Schon gar nicht in Kombination.
  • Selten hat jemand, der Angst vor dem Sterben hat, Angst vor dem Tod. Vice Versa haben die, die lediglich Angst vor dem Tod haben, zu genau oder gar nicht über den Prozess des Sterbens nach gedacht.
    Wenn deine Zeit gekommen ist, wird es egal sein. Jetzt ist diese Zeit eben noch nicht. Damit musst du wohl leben (und sterben).
  • Zum Schluss möchte ich etwas ehrlich aussprechen, was in meiner Gegenwart meist schön geredet wurde: Es interessiert auf Dauer keinem, was du mit deinem Leben machst. Deine Eltern werden dir zwar über Jahre hinweg auf den Ohren liegen: "Kind, mach` was mit deinem Leben! Es ist noch nicht zu spät". Deine Freundschaften werden dich belächeln und eigentliche Tatsachen ignorieren oder sie versuchen mit dir zu reden und wenn sie am Ende mit ihren Versuchen sind, raten sie dir zur Therapie und tun dann so, als wäre dir damit geholfen.
    Die Lehrer, die dich immer dazu verpflichteten, für dein Examen zu lernen, interessiert es in zwanzig Jahren auch nicht mehr, ob du Kopfrechnen kannst, oder Sätze formen, oder ob du Chloroplast noch von Mitochondrium vom Durchschnitt der pflanzlichen Zelle unterscheiden kannst.
    Gib deinen Leben einem Sinn - sei dieser auch noch so unverständlich oder nichtig für Andere. Ohne Sinn im Leben hat man auch nach deinem Ableben keine Worte für dich.


(Aus einem unerfindlichen Grund fühle ich mich merkwürdig beim Schreiben dieses Textes. Vielleicht ist mein Kopf und mein Herz heute unberechenbar. Sowas macht die Vorweihnachtszeit mit mir und mit jedem Tag wird es schlimmer. Lasst mich eine Frage stellen: Ist es eigentlich moralisch fehl am Platze, wenn man sich zu Weihnachten Geschenke wünscht? Ich meine, natürlich kenne ich diese Aussagen wie "Zu Weihnachten geht es nicht um Geschenke, sondern um die Gemeinsamkeit" und ähnliches, aber ich muss gestehen, dass ich gerne Geschenke verteile und auch welche bekommen. Folglicherweise bin ich - alle Jahre wieder - enttäuscht, wenn ich "nur" 2-4 Geschenke bekomme. Das sollte mir peinlich sein, richtig? Habe ich da dich falschen Ansichten?)

Dienstag, 26. November 2013

Schurke + Wieder etwas Fischiges

Nicht, dass es helfen würde, sich nur immer wieder zu sagen:
"Hör' auf zu heulen", "Hör' auf zu heulen!", "HörVerdammtNochmalAufZuHeulen!",
eingesperrt auf der öffentlichen Toilette,
gegen grau-beige Fließen gepresst,
neben bekritzelten Wänden und alten Kaugummi.
Als würde Rationalität Erleuchtung bringen,
oder Begründungen für diese Tränen.

(Letztendlich ist Scham die Schuldige;
wie damals mit fünfzehn Jahren
als der schüchterne Junge dich um ein Treffen bat
und du "Ja" sagtest, um später fest zu stellen,
dass du viel lieber im Bett bleiben wolltest.
Es brach ihm das Herz.
trotzdem bewies es gar nichts:
Immerhin hätte er es besser wissen müssen,
besser wissen sollen.
Doch das hatte er nicht,
deshalb bliebst du der Bösewicht.)

Nur im Märchen
findet die Person mit dem größten Herzensleid
die Herzensliebe
in Herzensgüte
und Herzensunsinn.
In diesem stinkendem Loch gibt es lediglich,
die Menschen, für die man alles tun würde.
Zu oft ist dieser Eine, für den man alles tun würde,
man selbst.
(Dann wiederrum - warum sollte man auch nicht sein Herz an erster Stelle setzen?
Es bleibt stetig monoton,
ist der sichere Anker, der niemals gehen wird.
Auch wenn nicht jeder so selbstgefällig ist wie der Andere,
manchmal kann man sich selbst nicht helfen.
Und anderem schon gleich gar nicht.)

Wie eine Krankheit,
die dich zu Abschaum degradiert.
Vertrauen macht es nur schlimmer.
Monster sind real.
Die Knochen in diesem Körper werden dünner und zerbrechlicher.
Während Tränen die Wangen entlang fließen,
ist es noch immer deine Art
Menschen weg zu schieben,
wie Dreck zu behandeln,
liegen zu lassen,
hinter dich zu lassen
und niemals zu vergessen. 
(Diese Wort zerreißen,
weil sie so wahr und fassbar sind.
Noch trauriger
macht der Fakt,
dass viele von euch wissen, 
was ich meine.)


________

Danke auch an alle Leser, die nochmal nach den Kampffisch gefragt haben. Wer sich vielleicht noch daran erinnern kann, waren der pastell-farbende und der blaue Kandidat in der Endrunde. Zwar habe ich den anderen favouritisiert, jedoch werde ich wohl den Blauen kaufen. Mein Bruder findet ihn so toll und immerhin bezahlt er ihn ja auch und ich freue mich, wenn er Interesse genug zeigt, dass wir über Farben diskutieren.
Bis Samstag werde ich mich um die Bezahlung kümmern und am Sonntag, den 8. wird der Kleine dann aus Thailand in das schöne, kalte Deutschland imporiert. (Keine Angst. Ich habe ihm zusätzlich ein Heatpack gekauft, damit er nicht erfrieren muss. Und im Becken ist es sowieso kuschelig warm.)
Bisher bin ich ein bisschen enttäuscht von den Pflanzen, weil die einfach nicht so wachsen wollen, wie ich mir das vorstelle. Also an sich wächst das im Internet angepriesene "schnellwachsene Unkraut, die gar keine Ansprüche an Wasserwerte oder Temperatur haben" gar nicht und "die etwas Schwierigeren" blühen gut. Allerdings wollte ich es zur Ankunft des Kampffisches etwas krautiger haben, weil Kampffische sich im Allgemeinen gerne dort hinein "hängen", um sich aus zu ruhen und zu schnelle Strömungen nicht mögen. Im Sinne der Freundschaft zwischen dem Unkraut und mir, habe ich hinter dem Aquarium eine weitere Lampe angebracht. Manche mögen es halt sonnig. Die Hoffnung stirbt ohnehin zu letzt. Drückt mir die Daumen, dass es noch zu einem Wachstumsschub kommt. ^_~
Wenn es noch nicht perfekt für den Kampffisch sein sollte, werde ich dann wohl die Filterleistung minimieren. Den Corydoras Panda ist das sowieso alles schnuppe: Hauptsache sie bekommen Würmer und haben ihre Kokosnuss zum Verstecken.

Zwar wollte ich auch erst Bilder von dem Becken posten, wenn die Bepflanzung mir besser gefällt, aber ich bin derzeit hippelig und was soll schon passieren?

Hier kann man auch gut die "Hinterbeleuchtung" erkennen. Das Kraut direkt hinter dem Felsen schimpft sich übrigens Cabomba Carolinae. Dieses soll ja wahnsinnig schnell wachsen, was es bei mir icht tut, deshalb sieht es so kahl aus dort hinten. XD Aber das kommt schon noch. Am Besten wächst ohnehin immer das Moos. ^_~


Auf der Suche nach Mückenlarven...

Na gut, ich nehme auch das.

Eine Babyschnecke gesichtet ^^

Montag, 25. November 2013

Der Punkt Essstörungen...

Ein postives Körperbild wird von den meisten Medien nicht unterstützt. Immerhin ist es schlecht für das Geschäft. Man möchte die breite Masse besorgt und ängstlich, vor Allem vor den Weiten "nach oben";Die Zahlen auf den Waagen, Kleidergrößen. Keiner von uns ist sein Gewicht in Gold wert. Was nicht bedeutet, dass die Pfunde, die wir nicht wiegen, wirklich zählen.
Selbst begreifen konnte ich diese Worte nachdem ein ehemaliger Arbeitskollege mit "Ich bin zu fett" reagierte, als ich ihm vorsichtig am Arm packte, damit er nicht in die falsche Richtung ging. In der gleichen Tonlage sagen Psychiatrie-Patienten "Ich wünschte ich wäre niemals geboren worden." Obwohl er kaum Geld für Lebensmittel aufbringen konnte, trug er Designer-Jeans: Gleichstellend einem Statussymbol der westlichen Welt.
Mir fällt wieder der Geografie-Unterricht der achten Klasse ein, als mein Lehrer sagte, dass Kinder in anderen Ländern verhungern während auf unserem Schulhof mit Diätpillen gehandelt wurde. Offen gestanden, traue ich nicht jedem in meiner damaligen Klasse das Verstehen der Bedeutung dieser Worte zu. Immerhin beschmückten sich die Mädchen mit Abdeckprodukten und Lippenstift anstelle von Bildung und die Jungen waren damit beschäftigt, ihnen hinterher zu schmachten. Nicht alle, gewiss; doch viel zu viele.

Wenn ich manchmal die Blogs meiner Leserliste durchforste, schmerzt es mir in der Seele. Darf ich es aussprechen? Darf ich? Überall in passablen Häppchen verteilt, lauern Essstörungen, oder Anzeichen von ihnen. Selbst bei Anti-Pro Ana/Mia-Texten komme ich nicht drum herum zu denken: Wenn du so Anti bist, wieso nimmst du dir eigentlich die Zeit, um einen ganzen Text darüber zu verfassen - oder aus einer anderen Seite heraus zu kopieren? Niemandem möchte ich einen Vorwurf machen, ich weiß wie es ist, doch wenn man etwas so dingend aussprechen muss, weil es sich sonst in die tiefsten Gänge des Kopfes und des Herzens frisst, ist die Materie schon zu fest in die Gegenwart geätzt.
Es tut mir leid. Gerade diese Art geteilter Schmerz sitzt so tief; überall warten Trigger, irgendwo lauert immer die ein oder andere Aussage, die einen wieder in die Spirale wirft. Wie gerne würde ich jeden von euch einfach in den Arm nehmen und sagen: "Alles wird besser werden". Heuchelei ist allerdings nicht meine Art. Es ist wie es ist: In den meisten Fällen, wird es nicht "besser", sondern nur übersichtlicher.
Bitte hungert euch nicht zu Tode. Glaubt mir, ich habe es versucht. Schon oft. Selbst nachdem Diagnosenschlüssel F50 von Unterlagen verschwunden waren, hörte diese Stimme im Hinterkopf nie auf mit mir zu sprechen. An manchen Tagen ist sie still, doch kehrt sie wieder, scheint sie intensiver, bösartiger und abwertender als je zuvor. Wisst ihr,.. es ist... diesen Körper kann ich erst wahrnehmen, wenn Knochen durch blasse Haut zu brechen scheinen. Bei den Menschen der Umgebung steigert es sich eine Phase weiter: Ein Körper wird erst als Leiche notiert. Sie werden nichts bemerken bis es nichts mehr zu bemerken gibt. Dann erst werden sie trauern und sich nach etwas sehnen, was nicht mehr da ist.

Genau das meine ich: Schenkst du dir selbst keine Beachtung, werden Menschen durch dich hindurch sehen. Du wirst ein Geist, weil du dich unsichtbar machst; oder zum Sklaven - genau weiß ich es selbst nicht. 
Wenn dich jemand fragt "Wie geht es dir?", warum die Maske aufrecht erhalten? Manieren, Ethik, Selbstschutz? Eigentlich macht es wenig Sinn. Wenn es dir nicht gut geht und dich jemand nach deinem Befinden fragt, kannst du ihm sagen, was du denkst, was du fühlst. Es muss ja nicht in einem tränenreichen Geständniss enden. Es sei denn, dies wäre das, was du brauchst.

Ich höre mich idiotisch an, nicht wahr?
Emotionen kann man nicht lange in sich hinein fressen ohne irgendwann zu explodieren.
Trauer und Sorgen kann man nicht weghungern, ohne irgendwann lediglich von Nichts und endloser Leere verfolgt zu werden.
Eingebildete Wertlosigkeit kann nicht an den sinkenden Zahlen der Waage abgelesen werden ohne quälende Hintergedanken, die immer und immer wieder rufen: "Bewege dich, du niederes Stück Getier! Renn dir jede Kalorie aus dem Leib!"
Selbsthass und Scham kann man nicht auskotzen ohne das Respekt und Seligkeit nicht mit aus der Kehle gepresst wird.
Du bist liebenswürdig, schön und herzensgut, wenn auch fehlgeleitet. Bitte vergiss dies nicht, bitte vergesse dich selbst nicht. Bitte glaube mir.... es ist zerreißend schwer von Gefühlen beherrscht zu werden, die man nicht haben möchte. Und: Es ist nicht besser, keine zu haben, weil man dann gar nicht mehr weiß, was man haben möchte. Oder braucht. Oder beherbergen sollte. 

Sonntag, 24. November 2013

Ironie

So malte ich Bäume auf Papier und nachdem ich die Ironie realisierte, fing ich an zu weinen. Es war das Gleiche als ich feststellte, dass ich mich nur nach Todesgedanken am Leben fühlte. Als hätte ich in der Zwischenzeit vergessen zu atmen.
Letztendlich bin ich wohl aufgewacht: Ich sah auf dem Fenster und spürte die Präsens eines Monster hinter mir. Ironie war auch, dass ein Spiegel vor meinen Augen war.

Wie sehr wünsche ich mir, schlafen zu können. Oder nie wieder zu träumen. Opfer schläft auf der Couch, doch ich kenne das Unterbewusstsein zu gut, um mich der Dunkeltheit hin zu geben. Ich schwöre, ich werde diese ruinierenden Gefühle zwischen uns heute beenden - halte die Finger gekreuzt.


Freitag, 22. November 2013

Anspannungen vs. Reaktionen

"Komm' mir nicht zu nahe", ermahne ich ihn. Der Merkwürdigkeit dieser Aussage bin ich mir dezent bewusst, immerhin sitzen wir in seinem Auto. Angeschnallt auf den Sitzen. Wie gewöhnlich trägt Herr Opfer ein Lächeln auf den Lippen, ein wundervolles Lächeln; eines, welches nicht zynisch oder herablassend wirkt.
"Du erdenkst dir immer die besten Wege der Begrüßung, Emaschi." Seine rehbraunen Augen schimmern wie eine verblasste Fotografie. Ungewollt gleiten meine Gedanken zu Julian und ich schaue in den Himmel; von ihm ist mir nicht einmal eine Fotografie geblieben.
"Ermm.. über das, was letztes Wochenende gewesen ist,... erm.. ich ... wollte mich entschuldigen.", stammele ich mit zittriger Stimme. Unerwartet entgegenkommend blickt er kurz in meine Richtung, vergewissert sich doch stetig nach dem Straßenverkehr. Wie ich Auto verachte und doch in so einem Land niemals drum herum komme, in eines ein zu steigen - solange keiner von mir erwartet, so ein Höllengefährt zu steuern...
"Was genau meinst du?", will er wissen. "Wenn du deine Tränen meinst, möchte ich die Entschuldigung gar nicht erst hören. Ich bin froh darüber, dass du dich mir ein wenig geöffnet ha-", wieder einmal unterbreche ich ihm mittem im Satz: "Das nicht. Im Prinzip habe ich dich angelogen", seine Augenbrauen zucken nach oben. Höhlen formen sich aus seinem Schädel. "Ich sagte,.. ich würde trotz deines Gesülzes nicht mit dir schlafen. Das war nicht wahr. Wenn du nur aus diesem Grund mit mir Zeit verbringst, wäre es schon in Ordnung. Vorausgesetzt du hast Kondome bei dir."
Blindes Entsetzen - so erscheint mir seine Reaktion. Aufgerissen sind nur seine Augen. Etwas monsterhaftes hat er nun an sich. Wie ein erschrockenes Tier, welches mit letzter Hoffnung, letzter Kraft nach seinem Leben japst. Zweifel? Erschütterung? Grauen? Ekel? Was auch immer es ist, ich kann keinen Namen dafür finden. Nicht einmal was genau ich fühle, kann ich in Worte fassen. Erinnerungen regnen auf mich ein. Furchtbare Schattenspiele von Sex, Gewalt und Verzweiflung. Der Raum wird kleiner; die Decke sinkt auf mich herab. Der Sauerstoff wird knapper. Ich kann nicht mehr atmen. Mein Herz rast - noch schneller und intensiver als mir Scheißperlen vom Gesicht tropfen. Was geschieht? Ich muss weg. Warum sage ich sowas Dummes? Es ist regelrecht eine Einladung. Anspannung bis zur Angst, Reaktion: Panikattacke. Dort und jetzt. Mein Kopf bekommt verschwommen mit, dass Opfer an den Straßenrand fährt. Was dann noch folgt, ist ein Blackout.

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"Bekommst du oft solche Panikattacken?"
"Manchmal attackiere auch ich die Panik."
"Beruhigend. Wenn du Fragen  nicht mehr direkt beantwortest, geht es dir besser. Aber... ernsthaft: Wie oft hast du solche Panikattacken?"
"Die Antwort macht keinen Unterschied."
"Unterschied zu was?"
"Was immer du willst."
"Höre mir bitte zu: Ich weiß nicht genau, was es ist, aber ich hab dich sehr gern. So viel Schmerz wie du sollte keine so hübsche junge Frau durchleben, weder die Angst, noch die Tränen, die du mir zeigtest. Vielleicht ist es nicht viel, aber ich kann dir Einsamkeit abnehmen."
"Jetzt möchte ich etwas fragen: Wir kennen uns gerade vier Monate, warum glaubst zu, mich zu  kennen?"
Für die nächsten 10 Minuten war ist ruhig im Wagen.

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Auch der Weg zu ihm in die Wohnung ist still. Dieses Nichts lastet schwer auf den Schultern. Wenn er mich für meine Worte bestrafen wollte, hat er es geschafft. Den Blick wieder gen Boden gerichtet, folgte ich den Holzmustern auf dem Laminat. Wären in meinem Kopf nicht so viele Ruinen, oder in meinem Herz; würde ich doch nicht nur ewig in Fettnäpfchen und Folterkammern treten... Sollte ich mich wieder entschuldigen? Würde es das nur verschlimmern?
In peinlicher Unannehmlichkeit sehen wir The Mentalist. Eine Folge, zwei Folgen. Ein Mord hier, eine Vergewaltigung dort. Aus heiterem Himmel legt er seinen Arm um mich. Ein Zufall kann es nicht sein, immerhin ist die Couch groß genug. Das ist wohl der Anfang vom Ende, denke ich mir und lehne mich an ihn. Körperwärme fließt ineinander, übereinander hinaus. Ich lehne mich herüber und küsse sein Kinn; eigentlich wollte ich die Wange treffen, aber - nun ja - mein Hals ist wohl zu kurz. Wieder beginnt mein Herz zu rasen.
Er dreht sein Gesicht zu mir, lächelt - dieses Mal jedoch angespannt - und presst sich näher an mich:
"Nein", sagt er. Sicher bin ich nicht, ob er nur rücksichtsvoll tut, um Reibung zu vermeiden oder weil er mich noch immer bestrafen wollte, und es absichtlich hinaus zögerte? Das OK ist gegeben, was braucht er mehr? Das 'Nein' falsch deutend und mit 'Ja' überstimmend, küsse ich ihn nochmal. Vielleicht ist das einfach ein perverses Kopfspiel, welches er mag. 'Schwer zu bekommen', oder ähnlich. Jeder hat doch eine Fantasie, die er ausleben möchte, denke ich.
Gleichzeitig seinen Arm enger um mich schlingend und zur Fernbedienung greifend, wiederholt er deutlich: "Nein.", addiert: "Nicht jetzt. Nicht so."
Mein Verhalten von nun an, ich angstgepeitscht. Falsche Reaktionen von Aktionen bin ich gewohnt. Dass ich Handlungen und Wünsche anderer fehlinterpretiere, auch. Wie freundlich seine Stimme klingt und wie nett er aussieht, ab diesem Punk übermannt mich die Panik. Mit der Kraft eines enorm-gewachsenen Fisches versuche ich mich zu befreien. Wie eh und je möchte ich weg laufen. Es überrascht ihn auch nicht. In Windesweile stehe ich auf meinen Füßen und renne ins Bad. Um zu heulen. Denn ich verhalte mich wie eine läufige Hündin, billig und schambesetzt. Das Klopfen an der Tür kann ich ignorieren, auch wenn es drohender wird, verzweifelter.
Da sitze ich also in einem fremden Badezimmer: Zerfressen von Schuld und Selbstekel. Wie widerlich kann ein Mensch sein? Wie weit kann ein Mensch absinken?

"Bitte öffne die Tür."
Ich wasche mir kalt die Haut ab und frage mich selbst überraschend: Ob er etwas zum Schneiden hat? Eine Rasierklinge wäre mir mehr als recht. Zur Not auch eine Art Nadel.
Dieser Druck ist unüberkömmlich. Jetzt bin ich nicht nur eine Schlampe, sondern auch noch ein fast-drogenfreier Junkie.
"Was machst du da drin? Bitte antworte mir!"
In meinem Kurzzeit-Wahn durchwühle ich die Schubladen. Keine Schere, keine Rasierklingen.
"Hey, bitte, mache doch auf."
Sogar zwischen einzelne Handtücher versuche ich etwas zu erhaschen.
"Wenn du Medikamente suchst, muss ich dich enttäuschen. Die habe ich versteckt, eher vor mir selbst als vor dir."
Was zum... ?
"Hörst du mir zu? Ich weiß, ich kenne dich noch nicht lange. Vielleicht mag ich mir nicht einmal ausmalen, was dich dazu bringt, weg zu laufen, oder zu weinen, oder niemals zu Lächeln. Ich weiß auch nicht, wen du letzten Samstag mit "er" meintest, oder was dieser "er" mit dir gemacht hat. Auch wenn ich mir ein Bild malen kann. Bitte mache dir Tür auf. Wir müssen nicht reden, lass' mich dich einfach in den Arm nehmen. Und nein, du brauchst mich nicht vergleichen mit "ihm" oder wem auch immer: Ich schlafe nicht mit dir, es sei denn wir wären uns Beide expliziet darüber einig. Es ist kompliziert: Ich weiß nicht wie, aber ich will dir nicht weh tun. Gib mir eine Chance."
Ich habe solche Angst, verliere meine Kräfte. Vollkommen ausgezerrt von vergangenem Schmerz lasse ich mich sinken. Krieche noch zum Türknopf und weiß gar nicht anders, als in einem Tränenmeer zu ertrinken.

---

Die ganze Nacht umarmt er mich, beruhigt mich, streichelt mich.
Nur ich kann meine Hand nicht im Gegenzug erheben. Wahrscheinlich macht mich das zu einem schlechten Mensch. Doch diese Unsicherheit lässt mich versteinern.
Was mache ich hier eigentlich in seinen Armen?
Warum macht Opfer das? Was hat er davon, nett zu mir zu sein, wenn er nicht aus Sex aus ist? Was will er? Was braucht er?
Was bedeutet Chance in seinem Sinne?
Er hat so viel besseres verdient als mich. Ganz ehrlich: Ich bin ein psychisch-gestörtes Kleinkind ohne Job, ohne Perspektiven - konstant pleite, wort- und emotionskarg. Habe keine Freunde, und auch nicht mehr viel Familie. Nicht einmal Hobbies habe ich, oder Leidenschaften. Wenn auch nicht vollkommen talentfrei, macht dies all die schlechten Eigenschaften nicht wett. Schon gar nicht die Verrücktheiten, die einher gehen. 
Müde schaut er aus, erschöpft. Das Schwein sagt: "Das passiert mit Menschen, die versuchen, dich besser kennen zu lernen."
Warum lässt es mich nicht in Ruhe? Warum kann dieser Moment nicht nur Opfer und mir gehören? Er ist eingeschlafen. Doch meine Gedanken lassen es mich nicht ihm gleich tun.

Wenn er aufwacht, wird er mich nicht mehr an seiner Seite finden. Denn ich weiß gar nicht, wie ich anders reagieren soll, weiß nicht, wie ich mich zu verhalten habe.
Auf einen Zettel schreibe ich "Es tut mir leid." und hänge diesen an die Innenseite der Tür.
Auf dem Weg nach Hause fühle ich mich einsamer als je zuvor. Dabei dachte ich stets, ich sei über diese Anspannung hinaus. Ungewohnt reagier ich nicht mit Tränen, sondern mit einem Blick in seine Richtung.
Was passiert in mir?

Donnerstag, 21. November 2013

Ultimativ

Das Nachspiel der gemeinsamen Abende kreist stetig durch dunkel-graue Räume meines Unterbewusstseins. Das Schwein fragt: "Muss sich eigentlich alles immer nur um dich drehen?" Berechtigterweise; organische Zellkörper, die sich meiner bemächtigen, in mir hausen - wie ein Fluch um 3.00 Uhr morgens. Wenn nichts passieren sollte, alles nur nach unten fließt. Vielleicht nennt man es Nostalgie: Dieses Brennen leerer Wunden, fast wie Tränen. Immerhin kehren auch diese immer wieder.
Um 20.30 Uhr holt mich Herr Opfer zu sich. Dafür habe ich mich vom kalten Boden gepellt, mich in Masken geschmückt, um mich dem Lauf der Zeit, dem Schicksal, zu ergeben. Ich frage mich, ob es sich um Dummheit handelt, oder Verzweiflung. Wenn er es will, würde ich sogar mit ihm schlafen. Nicht, weil ich Sex mag, in keinster Weise, doch um ihn zu halten. Eine Umarmung wäre es wert, ein Streicheln über Wangen. Allerdings weiß er nicht um diese Narben, meine Erinnerungskampfflächen. Die Sekunden beben in müll-lastigen Sphären; wo sie aufleuchten und verglühen. Kann ich die Angst verkraften? Zumal sie das Einzige ist, was mich machtlos atmen lässt.
Eine Fremde zwinkert meinem Spiegelbild zu: Bedeutet die Vergangenheit alles, scheint die Gegenwart unangemessen. Wenn er nur wüsste, was er mit mir machen könnte, ohne das ich auch nur ein Wort in Gegenwehr sprechen würde, meine Arme erheben würde... Es gruselt mich schon selbst.

Mittwoch, 20. November 2013

Papierherzsyndrom

"Psychische Labilität rührt unter Umständen von Einsenmangel her. Sowie die Kopfschmerzen und die Konzentrationslosigkeit", sprach die junge Ärztin zu mir. Ihr rundes Gesicht musterte meines erneut. Ihren Blick auf meinen fast-nackten Körper gerichtet, fragte sie: "Ritzen Sie sich oft? Wie viel Blut verlieren sie dabei?" Oh, ich wollte versinken. Bitte - lass mich verschwinden, austrocknen und eingehen. Es war, weil ich nicht mehr schlafen konnte, seitdem ich in seinem Bett gelegen habe. Sofern mein Blickfeld erdunkelte, hörte ich bekanntes Flüstern. "Sei leise und wehr' dich nicht", es sind die Monster in meinem Kopf. Anders als die Monster vor meinem Gesicht.
Ich bilde mir das nicht ein. Das Flüstern sitzt in meinem Kopf fest; widerhallende Todessehnsucht oder schmerzende Erinnerung an giftige Zungen, blaue Flecken an den Armen und zugesperrte Kinderzimmer. Mit den Windungen in meinem Gehirn einhergehend, es ist der Alkohol an Papas Lippen und die Verachtung in Mamas Augen. Dabei kann ich mich  nicht mehr daran erinnern, zu welchem Zeitpunkt sie zärtlich zueinander waren, oder auch zu meinen Brüdern. Oder mir. Aber ich kann mich daran erinnern,... an einen Tag, an dem mein Cousin zu spät zum Essen kam und mein Vater so wütend war, dass er mit gefüllten Tellern um sich warf. Wer wird denn schon die Scherben zählen, die auf dem Küchenboden verteilt liegen? Wer wird dem Zwang, dem Druck, schon standhalten können, sich nicht an ihnen zu schneiden?
"Ermm... Frau Emaschi? Bleiben Sie einfach noch kurz liegen. Ich gehe eben schauen, ob die Blutprobe schon ausgewertet ist.", nett gedacht, falsch gemacht: Kurz drückte sie meine Hand und ich war überzeugt, dies ist die Botschaft des Untergangs, des Wahnsinns, der an meinen Füßen zieht, sich in meinen Haaren verflechtet.
"Ich ziehe mich wieder an.", äußerte ich, welches keiner Frage glich, sondern eine Feststellung war. Eigentlich sagte ich dies auch eher dem Schwein, doch die Ärztin nickte. Vor ein paar Stunden nahm sie mir Blut ab, wollte eine Urinprobe - nur für den Fall. Dieses Krankenhaus betrat ich, weil ich die Beine eines Elefantens trug, auf den Rippen. Nicht, dass sie zu mir gehörten. Unsinn, der all zu deutlich Sinn ergibt: Meine Wahrnehmung war verstimmt. Doch wie gerne versank ich im Rausch aus Lorazepam und Risperidon.  Entsetzlich an der Verschwendung und den Tellerscherben war nicht, das sinnbildliche Zerbrechen von Vertrauen, sondern der Standard darin. Geistig sprangen Ärzte und Psychologen von Depressionen zu Borderline, von Borderline zur Schizophrenie, von dort an ging der Berg nur noch ab. Es waren die gleichen Höllengestalten in anderer Form:  Seitdem ich das Etikett „komplexe Posttraumatische-Belastungsstörung“ trage, schienen wissenschaftliche Ansichten beruhigt.
„Entschuldigung? Hören Sie mir überhaupt zu?“, erhaschte ich diese weibliche Vogelsstimme zwischen meinen Ohren. 
„Ich wusste nicht, ob Sie mit mir redeten oder nur meine Gedanken.“, gab ich zu. Und mir fielen wieder die kaputten Teller auf dem Boden ein. Dafür habe ich meinen Vater nicht verachtet. Irgendein Teil von mir gab immer dem Alkohol schuld. Wütend machte mich die Art, wie er all dies - und noch mehr, glaubt mir, so viel mehr - völlig außer Acht ließ, wenn er mit Fremden sprach. So leicht flog ihm ein Lächeln auf die Lippen, schmeichelnde Worte im Austausch - eine perfekte Maske, eine undurchbrechbare Tarnung. Jeder liebte ihn. Jeder hielt ihn für den freundlichsten Menschen. Als ich einer Freundin vor Jahren beschreiben wollte, welches sein wahrer Charakter war, meinte sie schnippisch: „Ach, das glaubt dir doch keiner. Das bildest du dir alles ein.“
Bitte, bitte - glaube mir! Bitte! Wenn dies niemals real war, woher kommen dann die Tränen in der Nacht? Die selbst-auferlegte Einsamkeit?  Warum habe ich dann Flashbacks und Alpträume? Nicht nur von ihm, aber auch. Wieso? Wenn es nur eine Einbildung ist, keine Erfahrung, wieso knoten sich Todeswünsche und Einfach-nur-vergessen-wollen wie ein Tumor in meinem Kopf fest?
„Sind Sie damit einverstanden?“, unterbrach mich die Ärztin erneut. Ihre Augen sind kristallklar. Schimmernd wie ein Topaz. Vielleicht wurde auch sie einst von einem Monster gehegt, oder sie hegte das Monster - doch in ihrem Sinn, aus dem Sinne, bekämpfte man sie mit runden, weißen Pillen. Monster mögen diese nicht, genau so wenig wie die Notfalltelefonnummer von Therapeuten, die ich niemals wählte.
„Gut, noch mal: Sie haben eine leichte Alkalose, das bedeut-“
„Ich… ermm… weiß, was das bedeutet. Zu viel Angst macht das Blut alkalisch“, erwiderte ich. Mir war nicht nach Besserwisserei zumute, nur zum Heulen. In diesem Moment wünschte ich mir nichts sehnlicher als eine Decke, die ich über meinen Kopf ziehen konnte, und den Tränen, wieder einmal, den Kampf gewinnen zu lassen. Belastungsstörungen lieben Kämpfe und Tränen, sowie alle großen Aufmacher: Hass. Verlassende Kinde. Angst. Opferrollen. Selbst das Schwein grunzt laut auf: „Du weißt gar nicht, wie lange ich auf dich gewartet habe, mein liebes Kind.“


Zirka eine Stunde später lag ich in weißen Tüchern zwischen weißen Wänden auf weißem Boden. Eine Infusion tropfte allmählich Ausgleich in meine Venen; vergessen waren Grenzen und Barrieren.  Das war das Ende von Dichotomie, das war Konsum in Vereinigung; die Reinheit, die Menschen dreckig machte.
Die Elefantenbeine waren nun fort. Vielleicht kann jemand diese Knochen zusammenpressen und in ein Buch kleben. Mit der Überschrift „Verrücktes, totes Lebewesen“ wäre alles geklärt. Denn ich bin Ikarus, mein Monster, die Störung, ist das Meer. Welches wartet, um mich zu verschlingen. Nein, ich bilde mir das nicht ein. Diese Erinnerungen und die Stimmen sind real wie das Gefühl der schwebenden Nicht-Existenz. Mein Cousin war real, Julian, meine Eltern, das Schwein, meine Klassenkameraden, Nummer 1 und Nummer 2...
Sofern ich real bin, sind sie es auch.


[Entschuldigt bitte, dass ich derzeit so wenig kommentiere. Natürlich freue ich mich sehr über euren Zuspruch, nur fehlt mir derzeit.. Kraft.]

Dienstag, 19. November 2013

Tag

Es wird schlimmer.
Vielleicht brauche ich einen kompetenten Arzt. Aber wer braucht den nicht?
In meinem kopf sind Stimmen.
Ich muss mir weh tun, um sie zu beruhigen.
Ich soll mir weh tun. Das verlangen sie... warum ich bin nicht hier?

Montag, 18. November 2013

Ein Lächeln verloren...

Wenn Leute dich fallen lassen, bleibt dir gar nichts anderes übrig, als ihnen weiterhin Verständnis zu zeigen. Dieses lächerliche Akzeptanz zeigt Reife. Im Sinne von Verarbeitung, von Bewältigung. Doch bedeutet es auch Entgegenkommen zu romantisieren.
Im Stich gelassen werden, heißt Schmerz. Und wo außer auf dem Papier ist Schmerz schön, wenn gleich würdevoll? Auch Nummern ändern dies nicht, denn Passformen für Gefühle sind keinen Rekord wert, nicht einmal einer Zielscheibe.

Dieses Wochenende traf ich Herrn Opfer wieder. Aus dem Grund, dass ich egoistisch bin. Er sagte, "Wenn du dich nicht um dich selbst kümmerst, wer tut es denn dann?", und lachte, lachte so laut, dass es den Anschein hatte, er würde lieber weinen. Glaube mir, ich weiß, wie sich das anfühlt. Meine Art zu leben basiert auf ignorierte Ratschläge und die Hoffnung, dass Versprechen eine zu Grunde gerichtete Seele vielleicht doch noch retten können. Verspricht er mir Liebe, verspreche ich ihm Liebeskummer, denn das ist das Einzige, was ich aussprechen kann ohne meine Zunge zu verbrennen.
Ich sagte ihm, dass ich mich nur bis zu dem Tag um mich kümmern konnte, an dem die Polizei vor der Tür stand und sagte: "Armes Mädchen. Mit so einem Vater sollte man nicht leben müssen.", obwohl ich ihn liebte - was auch Kummer brachte. "Dieser Mann sollte sich schämen", obwohl ich nicht widersprechen konnte, log ich die Beamte vom Jugendamt an. Ab diesem Zeitpunkt war alles leer; nicht tod, sondern einfach fort.
Herr Opfer fragte mich, ob er mich irgendwie von dieser Art Gedanken und den Tränen beschützen könne und ich fragte ihn, ob er sich davor schützen können, fort gestoßen zu werden wie Müll?

All das macht gar keinen Sinn, denn ich wollte ihn nur sehen, weil er mich an Julian erinnert. Wäre er nicht gestorben, wäre er womöglich wie Herr Opfer. Wir redeten über traurige Geschichen von Fremden wie

Zum Beispiel das Mitleid, welches ich dem alten Mann im U-Bahnhof entgegenbrachte, denn er hatte um 3 Uhr früh nur noch 2 Cent in seiner Tasche; und keinen Ort, zu dem er gehen könnte.
Oder das Mädchen ohne Schuhe und einem dreckigen Gesicht, welches um 3 Uhr früh 2 Kinder an die Brust drückte und schrie: "Von wegen reiches Land! Das ich nicht lache! Hier leben auch so viele Menschen in der Gosse, aber das Geld wird nach Griechenland geschickt!" - ihre Augen waren wirr. Kein Wunder, dass sie das politische Gesamtbild nicht greifen kann. Wo sollte sie auch das Geld für eine Zeitung her haben?
Umstandslos sind tränenreiche Fremde. Ablenkung vor den eigenen hohlen Blick im Spiegel: Die dunklen Augenringe, weil man weniger schläfst, nur mehr träumt. Was bleibt dir anderes übrig? Die Schande anderer lässt dich nicht besser fühlen, doch auch nicht - noch - schlechter. Immerhin aß Vincent Van Gogh gelbe Malfarbe, weil er dachte, so würde Glück in seinen Körper gelangen. Es fällt dir wie Schuppen von den Augen: Keiner von ihnen ist verrückt, sie wollen nur geliebt werden - oder wenigstens geachtet, oder wenigstens beachtet.

Letztendlich flossen mir tatsächlich Tränen über die Wangen, weil tote Menschen so schwere Herzen hinterlassen. Egal, wann und wo man es hört, es ist so furchtbar traurig. Herr Opfer wollte mich beruhigen, jedoch auch nicht überfordern. Sanft legte er seine Arme um mich und flüsterte mir ins Ohr: "Es ist schon okay."

"Nichts ist okay. Ein fünfzehn-jähriges Mädchen erhängte sich wegen Cyberbullying. Es gibt nur noch circa 3000 Tiger auf der Welt, in den USA hat ein weißer Polizist sechs schwarze Minderjährige vergewaltigt und ist ungestraft davon gekommen. In Indien wurde eine Frau mit einem Draht gefoltert bis sie verblutete. Und das waren nur die wichtigsten Zeilen in der heutigen Zeitung. Neben der Werbung für McDonald`s und dem Lidl-Prospekt, natürlich."
Verstehe bitte, dass das nicht das ist, was ich sagen wollte, sondern nur das, was ich sagen konnte. Denn er verkörperte Julian, aber auch ihn, meinen Vater sowieso. Was sollte ich also denken? Mich wie verhalten? Ab einem bestimmten Zeitpunkt, in dem ich an Kindertränen und blaue Flecken erinnert wurde, forderte ich ihn auf, mich nicht an zu fassen. Womöglich klang es schroff, taktlos abweisend. Wäre das nicht unkultiviert genug gewesen, fielen haltlos folgende Worte auf meinem Mund: "Anziehung stirbt immer. Desto schöner die Zeit davor war, desto schmerzvoller wird es."



Herr Opfer lächelte. "Vielleicht kann man Anziehung nicht retten, aber ich mag dich gerne. Gibst du mir eine Chance, dich vom Gegenteil zu überzeugen? Darf ich weiterhin mit dir Zeit verbringen?"

Wie gerne ich mich umgedreht hätte. Wie sehr ich mir wünschte dieser Frage entfliehen zu können. Natürlich ängstige ich den Moment, an dem es zu Ende ist, weil dies immer das Einzige war, was als Erinnerung blieb.
"Ich schlafe nicht mit dir, wenn du das mit deinem Gesülze meinst", fällt wie Regentropfen aus Tinte und Blut von meinen Lippen. Erschrocken drehte er sich zu mir. Natürlich blickte ich ihn nicht an, sondern auf den Boden. Solange der Boden noch da ist, gibt es noch einen Fluchtweg - welchen ich auch nahm. Ohne Warnung rannte ich los, in irgendeine Richtung, die wohl vom Schwein eingeschlagen wurde. Hinter mir konnte ich ihn keuchen hören und ich musste schneller werden. Die Angst in meinen Venen war übermächtigend. Niemals darf es weiter kommen. Er ist nicht Julian. Auch nicht er. Doch kann ich ihm niemals geben, was er möchte, was er braucht. Ein Pfeifen drang aus meinen Lungen, wäre ich doch öfter Joggen gegangen. Noch einmal sah ich hinter mich und er war so dicht an meinen Fersen, dass Aufgeben wohl eher drin war. Auf dem Boden gesunken, ihm zu gewendet, schnaufte ich "Menschen sterben nun einmal allein", keuchte, keuchte, keuchte,... Mein Kopf tat weh, vor Allem aber meine Knie.
"Süße, ich...", fing er an, doch ich schnitt ihm die Worte ab: "Niemals!! Nenne mich niemals Süße oder Baby! So nannte er mich immer, denn er machte sowieso nur immer WAS ER WOLLTE und MIT WEM ER ES WOLLTE. Ihm war das Alter egal, denn ich war ja so süß. Nenne mich niemals, niemals süß! Oder schön!! Ich bin nicht schön!! Verstehst du denn nicht? Er lehrte mich, dass es für Monster wie mich gar keinen anderen Weg gibt, als alleine zu leben und alleine zu sterben!"
Ich versank in einem Tränenmeer. Mitten auf der Straße. Mitten im Nichts. Er versuchte mit mir zu reden, doch ich verstand keine Silbe.
Opfer nahm mich in den Arm. Ich konnte mich nicht erinnern, wann mich das letzte Mal jemand in den Arm genommen hatte. Doch ich konnte nicht aufhören zu weinen. Weinen. Weinen. Weinen. Nichts konnte diese Flut aufhalten. Plötzlich war ich aber auch glücklich, denn der fremde Schmerz war ferner weg als vorher, denn seine Arme schirmten sie ab. Nur meine Erinnerung bleibt dort, wo sie in tausende Facetten scheint und vernichtet.
"Lass uns nach Hause gehen", dezent stupste er mich in eine Richtung und nahm meine Hand. "Keine Angst. Du kannst in meinem Bett schlafen und ich nehme die Couch. Es wäre mir lieb, wenn du bleibst - dann könnten wir noch ein bisschen reden, einfach reden. Wenn du das aber nicht möchtest, fahre ich dich nach Hause."

Er lächelte mich an, obwohl er gerade eine Seite von mir erlebte, die ich selten jemandem preis gab. Erneut musste ich weinen, mehr oder weniger grundlos. Übermüdet vom ganzen Geheule ging ich in sein Bad, um mir einen Pulli und eine Jogginghose von ihm an zu ziehen und wusch mir das Gesicht. Als ich heraus trat, sagte er etwas wirklich liebenswürdiges: "Ohne Make Up siehst du immer noch toll aus. Ich finde so erkennt man deinen Schmerz besser, auch wenn du die Wunden mit einem vergessenen Lächeln überdeckst."
Nachdem ich ihm drei Mal angeboten habe, auf der Couch zu schlafen, maneuvrierte er mich in sein Bett. Wir haben geredet. Ohne Übertreibung: So viel wie gestern Abend habe ich schon lange nicht mehr geredet. Nicht einmal mit meinem Therapeuten.
Kurz wurde es noch unangenehm, als er mich fragte, ob ich immer langärmlig schlafe oder er die Heizung hochdrehen sollte. Ich wusste keine Antwort. Ob er den Blick zum Boden verstand, oder das Beißen auf die Unterlippe? Er ging sich umziehen.
Als er wieder kam, stand er mit Schlafhose und Shirt vor mir und zeigte mir seine Arm mit nur einem Kommentar: "Ich weiß, dass du verstehst. Bitte. Du musst nichts sagen. Ich weiß, dass du es verstehst."
Er kniete sich vor das Bett und sagte: "Ich kann dir nicht versprechen, dir niemals weh zu tun. Doch ich möchte ein Lächeln öfter sehen als diese Tränen. Vielleicht kann ich dich nicht retten, aber vor dir selbst und deinen für mich bisher wagen Erinnerungen schützen. Zusammen hört sich ohnehin besser an als alleine sterben."
Auch ich wollte lächeln, doch konnte nur weinen. Weil dies sich nach Traumwelt anhörte, nach der unendlichen Suche nach etwas, was in mir nicht mehr existiert. Ich möchte ihn nicht belasten bis er genervt mit den Augen dreht und seine Nase kräuselt. Ich möchte ihm nicht auf dem Geist, schon gar nicht auf die Tasche, hängen, bis es in Vorwürfen und Widersprüchen endet, weil immer genau das eintritt, wofor ich mich am meisten fürchte.
"Gute Nacht", sagte er und wollte mir auf die Wange küssen. Blitzschnell zog ich meinen Kopf zurück und sagte: "Am Tag habe ich ein Lächeln verloren, in der Nacht lügt nur der Schlaf mir erhaltenswerte Träume vor. Schlafe gut."
"Hey, wir finden dein Lächeln wieder. Sie sind nicht verloren. Und wer sagt, dass der Schlaf immer lügt?", er lehnte sich erneut zu mir und küsste mir auf die Wange, strich sogar mit seinem Zeigefinger über die Andere.
So liebevoll.
Das habe ich gar nicht verdient.
Ich weise ihn ab.
Doch sehne ich mich nach mehr...
Aber zu welchem Preis?

Sonntag, 17. November 2013

Echo

Und wenn du brichst, wer ist dann noch da, um die Einzelteile auf zu heben?
Es erklingt ein Echo, welches still verhallt.

Freitag, 15. November 2013

Ist dies ein Traum?
Dieses Leben, diese Erinnerung, dieser Körper...
Nicht einmal diese Augen finden Halt.
Vergibst du mir? 
Ach... wie absurd.
Ausgehungertes Kinderherz.

Donnerstag, 14. November 2013

Angewohnheiten

Es ist eine durchaus schlechte Angewohnheit sich mit körperlichen Schmerzen zu bestrafen.
Noch viel schlimmer ist die Angewohnheit sich mit körperlichen Schmerzen zu belohnen, gar schon belobigen.

Mittwoch, 13. November 2013

Unfrankierte Postkarten: Mein bester Freund

Lieber Julian,

seltsam ist es wie die Zeit vergeht: So schnell in den Jahren, die wir zusammen waren und so quälend langsam in den Jahren, in denen du zur Erinnerung geworden bist. Ich vermisse dich so sehr. Ich weiß gar nicht, wie ich es anders in Worte packen soll. Seit deinem Tod ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht an dich gedacht habe. Unzählige Tränen habe ich vergossen, bis auch diese versiegten. Nicht etwa, weil die Qualen erträglicher geworden wären, sondern weil meine Welt stumpf und leer geworden ist. Ohne dich.
Erst gestern wurde ich schmerzhaft daran erinnert, wie unerwartet du aus meinem Leben gerissen wurdest: Ein junges Mädchen lief direkt an ihrer Mutter vorbei auf die Straße. Lautstark schrie der Vater "Halt! Warte!" und sprintete mit animalisch-schnellen Schritten hinter ihr her. Bis zur Straße hat sie es nicht geschafft, wofür wohl nicht nur ich dankbar war. Einige Stunden danach noch war ich von einer Art geisterhaften Schockstarre befallen - bis Erinnerungen mich an der Kehle packten und mit Momentum gegen die Wände meines Kopfes knallten. Jetzt sind quietschende Autoreifen und das Geräusch eines dumpfen, so furchtbar dumpfen, Aufpralls alles, was in mir herumspukt. Wie in einem schlechten Hollywood Film mit viel Drama und wenig Geschichte: Die überbelichteten Memoiren von lachenden Kindern, die durch einen Unfall ihr Leben verloren. Physisch auf einer Seite, moralisch/psychisch auf der Anderen. Ich weiß, dass ich viel zu oft - viel zu viele Belanglosigkeiten von mir gebe, doch egal, wie oft ich es auch schon sagte, oder auf welche Weise ich versuchte, es zu umschreiben, bitte lasse es mich noch einmal sagen: Ich vermisse dich.
Nach dir kam nichts mehr, nichts vergleichbares, nichts lohnendes. Das sind nicht nur Worte. Oh, bei meiner Seele, wie ich dich vermisse - jeden Tag, durch Kalmen-artige Tagträume und stürmische Alpträume. Wieviele Tage habe ich bereits mit dem Vergießen von Tränen verbracht? Wieviele Stunden habe ich mir die Schuld gegeben, habe mit "Hätte" und "Wäre doch" Ping-Pong gespielt wie Forrest Gump? Wieviele Jahre meines Lebens habe ich den Alltag nicht leben können, weil der Gedanke an dich jeden Wunsch auf Gefühle, Nähe und allgemeiner Lebendigkeit im Keim erstickte? Es scheint, als hätte ich nie die Vier Phasen der Trauer durchschritten. Vielleicht habe es das auch nicht.

Mein lieber Freund, mein engster Freund - siehst du ab und zu auf mich herab und denkst dir: "Was treibst du da eigentlich?"
Ich weiß, dass ich mir diese Frage ebenfalls oft stelle. Was mache ich hier eigentlich? Der Wunsch an deiner Stelle zu sein, ist so eitel und egoistisch, dass es ein Loch aus unendlicher, nicht aus zu sprechender Leere in mir erschuf. Weiter noch als die Entfernung zwischen uns, andererseits fühlt es sich gleich an. Gehüpft wie gesprungen - Autounfall wie Überdosis, oder Erhängen, oder - mein Favourit - Brückensprung. Überflutende Einsamkeit, ein Hase wird von der Bahn erdrückt. Als wäre dies nicht Bestrafung genug, höre ich überall - egal, wo ich auch bin - Türen. In der Hoffnung sie würden sich öffnen und du würdest mit einem Lächeln zurück kehren, doch höre ich immer nur das Schließen. Schließen. Schließlich die Schritte, die folgen und immer weiter fort gehen. Verhallend im Echo der unerwarteten Unendlichkeit meine Seelenmauern, auf denen groß und breit dein Name steht: Julian.

Du kannst dir nicht vorstellen, wie es ist. Nicht nur die Geheimhaltung, um sich selbst vor Unannehmlichkeitsängste und Panikattacken zu schützen. Nachdem du gestorben warst, trauerte jeder, der dich kannte. Jeder weinte und flehte. Und ab diesem Tag konnte ich in den Augen der Menschen immer nur Herzschmerz und Verlust sehen. Manchmal war auch ein "Ich wünschte, dich hätte es getroffen" in ihnen. Wie ich mir dies auch wünschte: Gott, warum hat es mich nicht getroffen? Warum du? Warum?
Inzwischen bangt es mir, in fremde Augen zu sehen - in schierem Scham und Entsetzen, in Höllenängsten davor, nur noch diesen einen Blick in ihren Augen erkennen zu können; genau den Moment sehen zu können, in dem ihr Herz in tausend Stücke zerbricht. Selbst unsichtbar sein wurde mit der Zeit leichter.
Mit meinen Fingern taste ich die Kurven deines kleines Namenschildes ab. Es tut mir leid, dass ich dich zu einem solch materiellem Wert komprimiert habe. Dein Grab kann ich nicht besuchen, weil ich von der Nachwelt beim Morgenflüstern verfolgt werde; schon im Kaffee schwimmt der Tod mit still-schreienden Augen, Spinnenfinger auf meinen Schultern. Als wollen sie sagen: "Es gibt einen Weg, dass ihr wieder zusammen sein könnt." Wenn Therapeuten und Ärzte auch behaupten, dass dieses Leben bedeutsamer sei, weiß ich noch immer nicht, was mich aufhält. Irgendwann werde ich den Preis zahlen müssen - die Schuld begleichen müssen. Unter Umständen verdanke ich dir mein Leben, nur kann ich nicht aufhören, mein Herz und meine dazugehörigen Bedürfnisse wie Aussätzige zu behandeln.
Julian, zwischen Glasperlen und Badezimmerböden warst du der sanfte Strahl der Abendsonne. Der Spielplatz inmitten von heruntergekommenden Plattenbauten: Du bist mein Fieber, an dessen Hitze ich zu ersticken drohe.
Sogar für diese Tinten-befleckten Finger aus Verben und Metaphern schäme ich mich, wenn meine Beine mit Narben übersäht und mein Kopf mit Risperidon, Mirtazapin und Citalopram modifiziert sind. Der Geruch von verwesendem Fleisch durchflutet den Weg, den ich einschlage. Mit schwarzer Poesie belastete Straßen führen zurück zu dir. Immer wieder zurück zu dir, Julian.
Daraus mache ich kein Geheimnis. Nicht einmal der Staub in meinen Venen hört noch auf meine Worte.

Wenn ein Auto an mir vorüber fährt, denke ich an dich. Das hat sich die letzten Jahre nicht geändert. Das wird sich in Zukunft nicht ändern. Und weißt du wieviel Autos es gibt? Viel zu viele.
Ich weine um dich, in Gedenken an dich.
Wie sehr ich dich vermisse...

In Liebe,
Emaschi

Dienstag, 12. November 2013

Wusel, Wusel, Wusel

Nach dem doch sehr angespannten Gespräch gestern, ist mein Bruder mit mir los marschiert, um uns Fische an zu gucken. Nachdem ich den besten Wortwitz des Tages brachte (Ein paar Welse waren beschäftigt mit Umgrabungsarbeiten in dem Becker des Hobbyzüchters; es unterstich meine unangefochtene Brillanz als ich sagte: "Ja,... die Welse sind beschäftigt mit umwelsen (umwälzen)!")
Da meine Wasserwerte alle in Ordnung sind, habe alles aufgeschrieben und dem Profi noch einmal zum Prüfen in die Hände gedrückt. Alles ist soweit in Ordnung. Obwohl ich eigentlich auf der Suche nach Corydoras Habrosus war, fielen meine Augen sofort auf die kleinen Corydoras Pandas - wuselige Winzlinge mit Banditen-Kopfbinden. Der Züchter seufzte nur "8 Wochen, im Allgemeinen bei Frauen beliebt". Bisher habe ich mich noch nicht entschieden, ob dies für oder gegen die Maskulinität der Fische spricht. Mein Bruder hat sich allerdings nichts beschwert, also? 8 Wochen. 8 Corydoras Panda. 38 Minuten bis nach Hause.

Ein kurzes Video gibt es auch schon, allerdings noch nicht in der besten Qualität. Dafür war ich gestern zu aufgedreht, aber:

http://www.youtube.com/v/hxRhD1gvbSI?version=3&autohide=1&feature=share&showinfo=1&attribution_tag=BAIlNv3O-MxONuLGBZf6gw&autoplay=1&autohide=1

Sind sie nicht niedlich?
Interessant finde ich ihr Verhalten besonders, weil der Züchter mir sagte, dass sie meist ein paar Tage brauchten, um sich ein zu gewöhnen. Aber sie sind nach gut zwei Stunden schon umher gewuselt, haben gegrundelt, sind auf und ab geschwommen und nach Nahrung gesucht.... Das alles nehme ich als ein gutes Zeichen. 
Gezählt habe ich 5 Männer und 2 Weiber - den letzten habe ich nicht gefunden. XD 


Ich schau' mich nur kurz um...

Ist das der richtige Weg?

Küssen im Moos ^.^


Und weil Bilder mehr sagen als tausend Worte, noch eine Blasenschnecke an der Scheibe:

Elegant wehten ihre Fühler im Wasser

Montag, 11. November 2013

Beratung mit der Arbeitsvermittlung

Terminaufregung. Dieses überstehbare Herzklopfen und das Anhalten unüberstehbarer Atemluft. Ein Gespräch? Ein Gespräch! Immerhin ist mein Benehmen und unangefochtene Versklavung der Preis, den ich zahlen muss, um menschlich zu sein; um mein Überleben zu sichern.
Was auch immer das bedeutet. Ich bin verwirrt. Verirrt in Gedanken, Gesprächsfetzen, dem Schwein und Nummer 1. Ist dies tatsächlich real? Dieser Körper, das Gesicht im Spiegel, diese Hände? Lediglich als Zuschauer dient mein Dasein. Von Außen schaue ich zu, was i.c.h. mache. Solange die Angst nicht da ist, ist alles andere taub, stumm und blind.


"Warum hat jemand mit ihrem Aussehen keinen Job?"
"Mmmhh.... ermmm... vielleicht.... weil Arbeitgeber auch noch andere Qualifikationen fordern?"
"Sie müssen erst einmal lernen, mehr aus sich zu machen; auch mal aus sich heraus zu gehen. Wir können was schönes für Sie in einem Shoppingcenter finden."
"Ah... mmhh... ja... erm.... zumal ich ohnehin nicht verstehe, warum es nicht mehr Einkaufszentrum oder Ladenstraße heißt... und... ermmm... es keine Arbeitsstellen, sondern nur noch Jobs gibt. Erm... mmh... nicht, dass ich etwas gegen Anglizismen hätte... ah... oder so... mmmhh.... Menschen sind umständlich. Wie... Fische, ... welche versuchen gegen die Strömung zu schwimmen ... und sich... letztendlich... ähh... in die eigene Flosse beißen."
"Ich glaube, ich kann Ihnen nicht ganz folgen."
"Sushi-Menschen. Dabei sind Seepferdchen die einzigen Fische, die vertikal schwimmen."
"Was?"
"Oh... ermmm... Arbeitssuche."
"Wurden Sie schon von unserem medizinischem Dienst untersucht, Frau Emaschi?"
"Nein... darauf warte... ermm... ich... ja... wussten Sie, dass das umgangsprachliche Glückhormon Dopamin heißt und es einen süchtig nach dem Suchen von Informationen macht?"
"Das wusste ich nicht, nein."
"Wahrscheinlich liegt es daran, dass Sie jetzt lieber eine SMS lesen, denn schon bei der Vibration wird Dopamin zur Vorfreude freigesetzt."
"Oh. Aber nein, ich wollte nicht, dass Sie sich nicht beachtet fühlen, aber es hätte wichtig sein können."
"Ermm... das meinte ich... ermm... nicht... denke ich... also... ähh... Sie können ruhig lesen... erm... ich wollte nur, dass Sie wissen, dass ich weiß, dass sie eine Nachricht lesen, damit Sie nicht denken, ich denke nicht. Ermmm... was das nicht normentsprechend sozial?"
"Langsam wird es ein wenig verwirrend."
"Im Umgang... mit... erm... Menschen bin ich nicht sonderlich gut."
"Also wahrscheinlich doch keine Laden in einem Einkaufszentrum."
"Da hat mein Aussehen wohl doch nicht gereicht."
"Was für einen Job stellen Sie sich denn vor?"
"Einem bei dem ich so viel verdiene, dass ich... mmhh... meine Miete decken kann... ermm.... oder so..."
"Haha. Sie sind mir ja Eine. Ich mache diesen Job auch noch nicht lange, man hat mich wegen Kürzungen beim Jugendamt hier her geschickt. Vorher habe ich immer nur mit Kindern und verzweifelten Elternpaaren geredet."
"Ja... mhh... ähm... Herzlichen Glückwunsch.... erm... Erwägen Sie dies ruhig als ihre Einstandsprobe."
"Bitte? Was meinen Sie?"
"Es kann nur... besser werden. Bis auf Aale können nicht viele Fische rückwärts schwimmen."

Meine Lippen bewegten sich. Nur spüren konnte ich die Worte nicht. Wer spricht da aus dieser Seele heraus? Vielleicht bin ich nicht real. Zu müde.

Sonntag, 10. November 2013

Dreckig (Evtl. Trigger)

Keine Seife der Welt,
keine ätzenden Reinigungsmittel,
kein scheltend heißes Wasser, welches mir den Körper krebsrot färbt,
keine Bürsten aus Draht oder Borsten
werden jemals genug sein,
um mich von dem Gefühl seiner Finger zu befreien.

Ich fühle mich so widerlich,
dreckig, schändlich beschämt.
Widerlich.

Ja, und mir steigt die Galle in die Kehle,
wenn ich in den Spiegel blicke.
"Schlampe! Miststück!", jault das Schwein,
kichert in seiner Überlegenheit,
drückt mir die Klinge in die Hand.
(Ach, und wie ich mir wünschte,
ich könnte mich 
säubern - befreien regelrecht -
indem ich mir die Haut
in Streifen
abbalgen würde.)

Samstag, 9. November 2013

'Normal' hat sechs Buchstaben

Alles in der Zeit während der 8. Klasse war fehlplaziert, prinzipiell. Nicht nur, weil sie umringt von notorischen Ja-Sagern und rebellierenden Schulwechslern mit diversen Hormonstörungen war. Vollkommen falsch war auch das Gefühl der übermannenden Angst, die sie zitternd und schreiend hinterließ, wenn Geistersoldaten ihr zur Schule folgten. Manchmal zogen sie ihr den Haargummi aus dem geflochtenen Zopf.  Bis ihre Haare das beschmutzte Fiasko des Klassenclowns symbolisierten.
Gewissenlos zogen die kurzen Jahre ihres Leben an ihr vorbei. Aus diesem Grund konnte sie auch nie warten bis die Erwachsenen ihre Sätze beendeten - denn alles war ein endloser Zirkel aus Niemals-stoppen. So frei, dass sie lose an Ketten hing und nicht aufhören konnte, zu denken; diese großen, dreisten Gedanken - wie "Ich stehe lichtlos in einem Tunnel und hoffe, alle um mich herum sterben". Essen konnte sie auch nicht, denn von Mädchen wurde erwartet, dass sie stetig lächeln - obwohl Nahrung manchmal sogar das Loch in ihr füllten, für eine Minute - oder zwei. Wäre bloß nicht das schlechte Gewissen gewesen, die Meinung des Fernsehens, der Magazine, der Laufstegschönheiten, die maschierten wie die Ausgeburten der Hölle - also konnte sie nicht aufhören zu hungern. Keine Zeit zu essen, denn sie konnte nicht aufhören. Diese konstante Bewegung nutzte sie ab, dankbar dünn.

Irgendwann fiel es sogar jemanden auf. Doch das war drei Jahre später. Zu spät, zu spät, zu spät - sie schlief schon mit Jungs, die ihren Familiennamen nicht kannten. Sie erklärte Alkohol schon zu einem festen Bestandteil ihres Freundeskreises; rechnete schon in geheimen, dunklen Ecken aus, wieviel Pillen sie mit Vodka und Wein herunterspülen müsse, um sich zu töten. Erlösen war einfach nicht das passende Worte. Nichts beschrieb es richtig. Diese fundierte, tiefgreifende Traurigkeit, die sie packte, wenn ihr Blick gen Spiegel wanderte. Der Schatten, der über ihr hing, wenn die Geistersoldaten ihr Omen aussprachen. Vorwärts - Marsch! Im Laufschritt!. Links - Zwo, Drei, Vier!
Mit der Zeit wurde es schwerer, ihr zu helfen, weil sie den Ausdruck "Bitte hilf mir" nicht kannte. Jeder fragte nur "Warum weinst du?"; mit diesen bösartigen, erwachsenen Stimmen, die bedeuteten, dass man bereits müde davon war. Immerhin war es schon das zehnte Mal in dieser Woche. Wie in jeder Woche zu dieser Zeit. Dramatisierend möchte sie antworten: "Weil ich sterbe, verdammt, weil ich verdammt nochmal sterbe", mit den Händen auf die Brust gelegt, einem schmerz-verzerrten Ausdruck im Gesicht - das Bühnenspiel der Jugend. Ihre Eltern verstanden diesen Drang für stimulierende Poesie nicht - "Das geht vorbei", flüsterten sie. Wann das Wollen aufhören wird, wusste sie nicht. Manchmal wollte sie in der Sonne leben, manchmal sich in Löcher verkriechen. Manchmal wollte sie nie wieder schlafen, manchmal nie wieder aufwachen. Manchmal schlug sie ihrer Banknachbarin mit dem Geschichtsbuch auf den Arm, manchmal freute sie sich, wenn ihr Vater sie mit dem Auto in die Garage fahren ließ. Manchmal sperrte sie sich tagelang in ihrem Kämmerlein ein, manchmal rannte sie von zu Hause fort bis die Polizei sie vom Bahnhof aufgabelte - immerhin war sie der verkrüppelte Anteil einer sozialen Ebene, die sie wie Knie blutig kratzte.

Jedes Mal, wenn die Menschen sie verrückt nannten, erinnerten sie sich im gleichen Atemzug "an früher". An die kleine, energiereiche Version von ihr. Die Tochter, die sich ihre Eltern gewünscht hatten - das Mädchen, welches freudestrahlend Geschichten über sprechende Tiere erfand und nur jammerte, wenn eine Figur in einem Disneyfilm starb. Auch wenn sie nicht zwingend wusste, was sterben für eine Bedeutung hatte.
Ihre Mutter fragte sie: "Was habe ich bloß falsch gemacht?", doch sie sprach nicht direkt mit ihr. Eher mit einem göttlichen Kraftfeld, welches nie antwortete. Davon wusste sie, denn schon oft fragte sie seöbst: Wer bin ich? Wichtiger noch: Was bin ich?
Normale Menschen machen das nicht. Normale Menschen können aufhören. Wer möchte schon die Schere sein, die das Band der Familie durchschnitt? Oder welches Band auch immer; es macht ja keinen Unterschied. Des Nachts schrie sie stumm um Hilfe, denn die Monster unter ihrem Bett lagen neben ihr und krochen durch ihre Ohren in ihren Körper. Am Tag schrie sie in schrillen Tönen: "Ich bin krank!! Krank! Ich bin krank!"
"Aber Mädchen, du bist nicht krank. Du willst nur Aufmerksamkeit. Geborgenheit und Liebe", die Verrückten sprachen. Ärzte in weißen Kitteln. Krankenschwestern, die Medikamente auf Papier an Tafeln abkreuzten.
Nur konnte sie nicht aufhören, zu glauben, sie sei krank, weil jeder nur Aufmerksamkeit von ihr wollte. Irgendwann weiß der Scharfsinn keinen Rat mehr, oder andersherum, und "Hör auf damit" war nie sonderlich hilfreich. Wenn Pflichten zur Überlebensaufgabe wurden, weinte sie lediglich leise. Eigentlich war sie es ihnen schuldig, normal zu sein.

Auch wenn normal nicht zu ihr passte. Egal, wie sehr sie versuchten, sie zu biegen - mit Ansichten, Worten, Medikamten, Therapien, Leere. Normal war viel größer als ihre Größe. Ja, Ja, - sie war auch mal jung.

Freitag, 8. November 2013

Fischbesatz - die Endrunde

Wenn ich jemanden mit diesen Aquarium-bezogenen Posts nerve, entschuldige ich mich aufrichtig. Nur muss ich zugeben, dass nicht sonderlich viel passiert derzeit - wofür ich dankbar bin, versteht mich nicht falsch - und ich mindestens 60% meiner Gedanken auf die Wasserwelt konzentriere. Natürlich wird es früher oder später wieder Texte geben.

Noch immer ist die Entscheidung nicht gefallen. Die Stimmen waren wie folgt verteilt (siehe das Bild vom Vorpost):
  1. 5 Stimmen
  2. 3 Stimmen
  3. 7 Stimmen
  4. 2 Stimmen
In die Endrunde treten also der blaue Kampffisch Nummer 1. und der bunte Pastell-Kampffisch Nummer 3. Hier sind noch einmal größere Versionen von den Fotos der Beiden.
Problematisch ist, dass es sich hierbei genau um die beiden Exemplare handelt, zwischen die mein Bruder und ich uns nicht einig werden. Er findet den Blauen männlicher und deshalb bevorzugt er ihn. Ich finde das Türkis-lila-Spiel von Nummer 3 besonders toll.
Vielleicht ist es für den ein oder anderen noch interessant zu wissen, dass es sich auf den Fotos um das Vatertier handelt, nicht um genau den gleichen, den wir bekommen werden. Bei uns zieht quasi der Sohn ein. Kampffischmännchen sollte man auch nicht in einem Becken halten, weil diese sich zu Tode rupfen und jagen. (Ich werde auch keine Weibchen dazu tun, weil dies einfach zu viel Stress für sie bedeuten würde. Und da ich auch keinen Nachwuchs plane, hat er dann ein Reich fast für sich allein.)



Außerdem - welches auch sehr wichtig ist - kostet mich der kleine Drache 30 Euro, mit Styroporbox und Heatpack einen Import von 10 Euro und einen Innerdeutschen-Versand innheralb eines Tages vom Flughafen zu mir 40 Euro. (Was ich interessant-komisch finde. Das Tier und der Flug von Thailand kostet genau so viel wie der Transport von Frankfurt nach München. XDD)

Am Boden dürfen auch ein paar Welse wuseln. Um genau zu sein Panzerwelse (Corydoras). Auch hier bin ich noch zu unentschlossen. Mein Bruder weiß um meine große Liebe für Corydoras-Arten und bisher hatte ich schon einige verschiedene.
Für ein 60 Liter-Becken wie dieses, welches ich geschenkt bekommen habe, sind aber - logischerweise - nicht all zu viele geeignet. Persönlich gefallen mir Pandapanzerwelse (C. Panda) und Schachbrettpanzerwelse (C. Habrosus) am Besten.

Entweder also 10 von diesen Schachbrettpanzerwelsen (die sind sehr klein und furchtbar süß - besonders wenn sie in Laichstimmung sind. Leider aber schwerer zu bekommen also die Pandas.):


Oder 6-8 (kommt auf den Preis an) von den Pandas, die etwas größer werden, aber weniger schwimmfreudig sind, deshalb also noch gut in mein Becken passen:


Was sagt ihr zu den zwei Arten? Wenn sie dann eingezogen sind, werde ich auch sicherlich Videos posten. Dort kann man wirklich erst erkennen wie niedlich sie sind.
Den ganzen Tag lang bin ich schon so aufgeregt und habe tatsächlich angefangen mit den Schnecken im Becken zu reden. XD Für den ein oder anderen sind Schnecken im Aquarium die Vorboten der Apokalypse, aber ich finde auch die gehören da rein. Die wollen doch auch nur schneckig sein, meine Scheiben abknutschen und Pflanzenreste fressen. Zu viele sollten es nicht sein, da stimme ich zu, aber bisher hatte ich noch nie ein Schneckenproblem und es würde mich wundern, wenn sich dies dieses Mal ändern würde. (Wen es interessiert: Schnecken schleppt man sich meist mit Pflanzen oder Dekowurzeln usw. ein, deshalb sind sie so unbeliebt bei vielen. Schnell können sie zur Plage werden, aber dies ist meist ein Hinweis auf schlechtes Wasser oder Überfütterung. Ich hatte Blasenschnecken als Beifang. Später werde ich wohl noch Turmdeckelschnecken mit einsetzen, wenn sie nicht von allein kommen. ^_^)

Ein Bild von dem Becken wird sicherlich auch bald folgen. Gerade ist noch alles beim Festwachsen und Entfalten. Das braucht seine Zeit.
Am Samstag oder Sonntag werde ich erneut meine Wasserwerte überprüfen. Langsam wird sich die Geschichte stabilisiert genug sein. Wer weiß? Vielleicht fährt mein Bruder mit mir schon bald zum Aqua-Geschäft. 

(Es tut mir leid. Ich kann echt stundenlang über Fische oder Tiere im Allgemein reden.)


Mittwoch, 6. November 2013

Schönheitswettbewerb

Die Wahl zwischen vier Drachen-Babies steht offen. Einer darf den weiten Weg von Thailand in mein Wohnzimmer unternehmen. Was meint ihr? Welcher soll es sein?


Lungen im Kühlschrank

Träume von Körpern auf dem Boden und kaltem Schweiß in meinen Knochen. Dies ist die Perfektion der Einsamkeit; die Geräuschlosigkeit des Seins in einer Welt ohne eine andere Seele, die die dünnen Decken aus abgeschiedenen Frieden durchbrechen.
Wenn das Leben nur wirklich so wäre, nicht so beleidigend wund. Im Hintergrund höre ich das Stöhnen toter Kinder, verloren oberhalb der Eichenblätter. Zitternd, wenn es nicht zum Schwitzen reicht, wünsche ich mir warme Arme ohne einen Mund, der verletztende Worte spricht, ohne Augen, die diese Schande sehen, ohne Ohren, die täglich- sowie nächtliche Angstschreie erdulden müssen. Fleisch allerdings denkt anders, hasst so natürlich, dass ich selbst die Einzelteile nicht mehr will. Vielleicht sollte ich aufgeben, zu schlafen: Denn warum lagern rottende Lungen im Kühlschrank während ich an klebriger Flüssigkeit ertrinke? Vögel fliegen sowieso. Das sind die Schmerzen, die die Tätigkeit des Atmens mit sich bringen - potenziell gefährlich, unpersönliche Glückseligkeit. Fangen die pochenden Fragen erst einmal an, verfolgen sie Menschen durch die Nächte; zeigen ihre gelben, kaputten Zähne bis Unsicherheit und Reue von ihnen tropft.
"Hätte die Natur eine Wahl, würde sie uns umbringen. Jeden Einzelnen, egal ob Ökofreak oder konventioneller Pestiziden-Löffler.", flüstert das Schwein. All das sinnlose Gerede über Hin und Her und Vor und Zurück. Es bringt nicht weiter und natürlich möchte ich, dass dieser Planet lebt, doch seitdem ich keinen Atomstrom mehr bekomme, kann ich die Heizkosten nicht mehr decken. Nicht, dass das korrupte Politker in Deutschland stören würde, oder die Hungerleidenden in Mogadishu, oder die zahlreichen Suizidgefährdeten in Polen,  oder die Smog-Verseuchten in Peking,... Österreich, kannst du mich hören?
Warum kann mein Kopf nicht aufhören, zu denken? Wie mich mir das wünsche. Mein Gott, wie sehr ich mir das wünsche. Mit meinem Gesicht in meine Hände gebettet, betete ich vor dem Schlafen - jeden. verdammten. Tag.  Ich schwöre, ich möchte nicht in Blasphemie verfallen, doch in diesen Nächten fühlte ich mich einsamer als jemals zu vor. Immer ein Stückchen mehr Leere - bei jedem Wort, welches ich in Richtung Himmel wisperte als wäre er ein atmender Freund. Auch das Heranpressen des Teddybears and meine Brust konnte diese Lücke nicht mehr schließen.
Klar genug, um zu begreifen, dass ein Stück Stoff mein Betteln um Gnade nicht verstehen kann - gleich dem Windhauch in meinem Gesicht. Aus diesem Grund sammle ich sterbende Bäume in meinem Schrank, der ironischerweise bereits ein toter Baum ist. Scheiße passiert eben und ich spüre die Faust meines Vaters auf meinem Gesicht. Dies fühlte sich leiser an als das Ticken der Zeit. Wann geschieht der Umschwung von Traum:A zu Taum:B?

Nicht denken. Nicht träumen. Nicht wünschen-wollen ist genug Einöde, um die ältesten Gräber heim zu suchen. Mir diese Lasten zu Leibe führend, verschlinge ich die unausgesprochene Wahrheit. Doch werde ich wieder schlafen, tiefer als jeder Gott es je erlauben würde. Klamm betäubt, benommen gefühllos. Nur warum muss es so furchtbar kalt sein? (Anders gefragt: Warum müssen die Heizkosten so hoch sein, dass ich es mir nicht leisten kann, diesen verfickten Knopf zu drehen?)
Ich habe Hunger. Aber nicht auf Nahrung. Irgendwas hätte ich so gerne. Genauer kann ich es nicht beschreiben. Irgendwas füllendes. Ach Gott, kannst du mich bitte einfach einschlafen lassen? Auf ewig? Traumlos in Bedeutunglosigkeit? Diese Stimmen möchte ich nicht, diese Schatten. Ich möchte keinen Verrückt-Stempel auf der Stirn, keine Therapie, keine Ärzte, oder Hilfen von Ämtern - nur fort sein... So weit weg, dass ich kein Fremder mehr bin.

Dienstag, 5. November 2013

Erleichterung

Ehrlich gesagt weiß ich nicht genau, was genau sich geändert hat, aber das Jobcenter hat gestern für die letzten zwei Monate Geld überwiesen. Mir fällt regelrecht ein Stein vom Herz, eher ein gefühlter Hinkelstein. Zwar kann ich meinem Bruder die Kosten der letzten Monate noch nicht ansatzweise zurück erstatten, doch wenigstens erstmal für diesen Monat die Essenskosten übernehmen.
Das Amt selbst hat sich bisher nicht gemeldet. Oder der medizinische Dienst. Aus diesen warte ich immerhin schon seit Mitte Juli. Aber einem geschenktem Gaul schaut man nicht ins Maul - zu Mindest das Pferd mich noch tragen kann.



Derzeit findet in der Lokalzeitung meiner Stadt (Pah! Stadt. XD) ein kleiner Fotowettbewerb statt. Irgendwie würde ich gerne mitmachen, doch traue mich nicht so recht. Das Thema ist soweit ich richtig gelesen habe "Blumen, Bäume, Unkraut - die natürlichen Eindrücke unserer Stadt". Was denkt ihr von solchen Lokalwettbewerben?
Bilder habe ich wahrscheinlich genug. Auch ein kleines Bearbeitungsprogramm. Neue Bilder werde ich wohl nicht machen können. Ich weiß nicht einmal, wann ich das letzte Mal ohne Begleitung diese Wohnung verlassen habe. Es müssen wohl schon Monate sein. Aber Sommerblumen sind ja nicht untersagt. Was haltet ihr von solchen Veranstaltungen? Sollte ich es wagen oder eher die Finger davon lassen?



Montag, 4. November 2013

Unser Werk Nummer 5 + Kurzes Gedicht

Alle Gedichte der lieben Teilnehmer sind jetzt online und können auf der vorgegebenen Seite gelesen werden. Danke an jeden Einzelnen! Eure Beiträge haben mich riesig gefreut.

___________


Oh, Dichter-Junge,
du bist nicht
erlesen-abgegriffene Hämatome
oder Honigknochen,
die nicht brechen,
sondern sich nur winden
und drehen.
Einzig
in deinem Kopf
warst du ein Gott;
allein, immer-anwesend,
niemals da. 

Samstag, 2. November 2013

Tante

Am Mittwoch, den 30.10.2013, hat meine Halbschwester einen gesunden Jungen zur Welt gebracht. Heute teilte man mir dies per Facebook mit. Was überraschend kam, denn ich wusste nicht einmal, dass sie schwanger gewesen ist.
Ehrlich gestanden, ein wenig gekränkt bin ich schon - auch wenn ich meine Halbschwester nicht zu sehr gut kenne, hat mein Vater ihr immerhin mein altes Zimmer gegeben, lässt sie fast mietfrei bei sich wohnen und wir haben immer ein paar Stunden miteinander verbracht, wenn ich meine alte Heimat besuchte. Die Geschichte macht die Tatsache interessanter, dass sie vor einigen Monaten erst zu mir meinte, dass sie es schrecklich findet, dass ich Niemandem Vertrauen entgegen bringe. Wie soll ich Vertrauen fassen, wenn man mir sowas Gewichtiges verschweigt? Das werde ich ihr auch nicht sagen, denn dann heißt es wieder, man wollte mich nicht belasten oder belästigen. Ich bin ja auch der Typ, der von guten Nachrichten vollkommen überfordert ist.

Wisst ihr? Ich hätte mich sogar freiwillig bereit erklärt, mich ab und an um den Kleinen zu kümmern. Da ich ohnehin zu Hause bin und so gut wie nie das Haus verlasse, hätte ich das gerne gemacht. Denn meine Schwester und ihr Freund sind Charaktere, die ab und an gerne mal aus gehen, um mit Bekannten essen zu gehen oder andersweitig Spaß zu haben.
Windeln wechseln macht mir nichts aus und an sich brauche ich nur ein gutes Buch und hocke mich neben das Kind, wenn er alleine nicht einschlafen kann. Natürlich reiße ich mich nicht um Babygeschrei, aber vollkommen dagegen wäre ich auch nicht gewesen. Macht mich das überaus zickig, wenn ich jetzt nicht mehr helfen möchte? Sicher kann der Kleine nichts dafür. Aber ein angekratztes Ego steht oft im Weg herum. Zumal der Vater mich nicht ausstehen kann, weil ich ihm einmal sagte, er sieht aus wie ein Zigeuner. So fremdenfeindlich war es nicht gemeint, denn es sieht aus wie ein Zigeuner. Zumal mir Leute ständig mitteilen müssen, dass ich voll und ganz russisch aussehe. Warum also beleidigt sein?

Mein Bruder (nicht der, der mit mir zusammen wohnt) hat sich jetzt ein spezielles Headset gekauft, welches Außengeräusche filtert und fast unhörbar macht. Wenn das nicht ein Wink mit dem Zaunpfahl ist. Für subtile Andeutungen ist keiner aus meiner Familie bekannt.

Übrigens: Die Freundin meines Bruders hat mir jetzt das Becken mit übrigen Inhalt geschenkt. Wie auch immer mein Bruder und sein Kumpel das gemacht haben, sie haben es geschafft, das halbvolle Becken die Straße hoch zu tragen und es in einem Stück bei uns auf dem Schrank zu setzen.
Irgendwie stimmt mich das fröhlich. Für den Erstbesatz habe ich schon die richtigen Ideen. Mein Bruder übernimmt, natürlich, alle Kosten. Allerdings verlangt er nach einem "maskulinen Fisch", er möchte "nichts zu kitschig farbenfrohes". XD Wahrscheinlich würde ein pink-gelber Fisch seine Potenz in Frage stellen. LOL
Demnächst überprüfe ich die Wasserwerte das erste Mal hier, aber ich lasse es noch ein paar Tage ruhen. Wünscht mir Glück mit den restlichen Pflanzen: Derzeit erinnert das Becken eher an ein Schlachtfeld. Aber das kriege ich schon noch hin....

Erinnerung an "Unser Werk Nummer 5" + Weiteres zum Fischdesaster

Durch die Verlängerung der Themen zu "Unser Werk" haben sich doch ein paar liebe Seelen bereit erklärt, teil zu nehmen. Danke schon einmal dafür. Jeder einzelne Beitrag freut mich enorm. Weitere Ideen sind noch immer gerne willkommen.
Bis morgen Abend könnt ihr mir eure Beiträge per Mail schicken. Spätestens Montag in der Früh wird die Seite mit euren Werken online gehen. =)

~ + ~

Normalerweise bin ich nicht der Typ, der sich lange über eine Sache aufregen kann. Zugegeben: Inzwischen bin ich nicht mehr so bitter gegenüber der Freundin meines Bruders wie noch vor drei Tagen, und doch kann ich mir das ein oder andere nachträgliche Vorurteil nicht verkneifen. Mir geht diese Missverständigung so nahe, dass ich heute träumte, sie wäre ein menschlicher Tausendfüßler, der rohe Fische isst. Zur Interpretation muss man kein Traumdeuter sein.
Nun - ich mag Niemanden schlecht reden, vor Alem nicht hier und jetzt. Wie zu vermuten war, sind alle Fische gestorben. Einen erneuten Versuch möchte sie erstmal nicht starten. Am Liebsten wäre es ihr, wenn ich das gesamte Aquarium mit noch erhaltenen Pflanzen nehmen würde. Nur die Instandhaltungskosten beunruhigen mich ungemein...

Freitag, 1. November 2013

Farben (Evtl. triggernd!)

Rot ist Stärke. 
Rot heißt Stopp. Wut. Zorn. Macht. Leidenschaft. 
Rot ist meine Nase, wenn ich stundenlang über Belanglosigkeiten heule. 
Rot ist der Schrei, der aus meinem Mund kommt. 
"Frauen, die rot tragen, sind attraktiv, denn es symbolisiert ja auch Liebe",
sagtest du zu mir. 
Ich trage nur das rote Blut frisch-geschnittener Linien auf der Haut.
Immer wenn du die Verbände nicht beachtet hast, wollte ich schreien:
"Schau` mich an! Das Alles habe ich nur für dich getan!"

Doch du fühlst einfach nicht das Selbe;
für mich, für Rot.

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Blau ist die Vene, die unter der Haut hervor schimmert. 
Blau ist die Depression, die mir zu befehlen versucht, diese auf zu schlitzen. 
Blau sind die Monate, die ich in deiner Abwesenheit verbrachte und verbringe. 
Blau ist auch der weite Himmel, der über deinem Kopf schwebt,
das Wasser des Ozeans, der sich vor deinen Füßen erstreckt.  
Blau sind die Tränen eines betrogenen Herzens. 

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Grün ist der Neid. 
Grün ist das Gras auf Gräbern und Mahnmalen;
die Wiesen, die mit Erinnerungen gefüllt 
und von Verdrängung gemäht werden.
Grün war dein genervtes Schnalzen mit der Zunge, 
zwei Mal, drei Mal - bis du dich abgewandt hast.
Vier Mal bist es nicht mehr zu vergeben war.

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Gelb sind freudig lächelnde Blumen, die in einer Wasser welken. 
Gelb ist der Sonnenstrahl, der es nicht vermag, diese Welt zu erhellen. 
Gelb ist die Kurzatmigkeit der Mitte; Ampelzeichen - wie die Gier nach Allem und Nichts. 
Unwahr ehrlich waren auch die "Ich liebe dichs",
die wir austauschten. 

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Mein Bruder meint, dass das Leben allein der Grund dafür ist,
nach dem Licht am Ende des Tunnels zu suchen.
Doch die Welt hat so viele Lichter, dass die Sterne nicht mehr zu finden sind.
Nur dich gibt es nicht so viel, nicht einmal doppelt.

Schwarz ist die Wolke, die mich umgibt,
damit das Einblenden leichter fällt.
Die Narben und das verbrannte Glitzern der Sehnsucht.
Schwarz sind die Worte "Es war einzig und allein meine Schuld",
welche im weißen Rauschen verschwinden.
Schwarz ist die Erlösung.
Schwarz ist der verschmierte Mascara.

(Schwarz sind die Pupillen meiner Eltern.
Nicht, dass ich es wissen könnte:
Keiner von Beiden
schaut mir ins Gesicht.)