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Dienstag, 31. Dezember 2013

Bis zum nächsten Jahr!

Liebe Leser,

für dieses fast-überstandene Jahr danke ich euch allen sehr. Schreib-technisch gesehen, war dieses Jahr doch nicht so unproduktiv wie ich dachte. Wahrscheinlich lag es eher daran, dass ihr mir immer so freundliche Kommentare hinterlassen habt, damit ich den Mut nicht verliere.
Ich wünsche jeden Einzelnen von euch einen guten Rutsch ins neue Jahr! Feiert nicht zu heftig und passt auf euch auf. Ihr seid wichtig, richtig - genau wie ihr seid! Möge das kommende Jahr viel Gesundheit, Glück und Wärme für euch bereit halten.

Sollte ich trotz bombenähnlicher Geräuschskulisse heute Nacht einen Fuß vor die Tür setzen, halte ich meine Fotokamera bereit. Bisher habe ich es mir immer nur vorgenommen, Feuerwerksfotos zu schießen, doch es nie realisiert. Drückt mir die Daumen, dass heute klappt. Wenn, dann seid ihr die Ersten, die diese Fotos zu Gesicht bekommen werdet. =)
Ob ich mir für nächstes Jahr etwas vornehme, liegt auch noch im Ungewissen. Auf jeden Fall möchte ich, dass es voran geht. Wisst ihr was ich meine? Ich mag nicht mehr in Angst zusammengekauert den ganzen Tag vor dem PC sitzen. Der Umgang mit Menschen im Allgemeinen ist mir relativ gleich, aber wenigstens eine 20-Stunden-Arbeitswoche möchte ich in Angriff nehmen.

Zum Abschluss noch etwas Buntes für euch:
Weil ich vom Begriff "Zeitverschwendung" nicht viel halte...

Close-Up von den Details

Der Traum einer Meerjungfrau


Bleibt stark!

Liebe Grüße
Emaschi

Montag, 30. Dezember 2013

Wartezeiten

Wartezeiten verunsichern mich.
Je länger ich warte, desto mehr stehe ich neben mir; wahrscheinlich habe ich zu viel Zeit, um mir diverse Horrorszenarien aus zu malen oder mir selbst ein zu reden, dass ich die Aufmerksamkeit, die mir ein Termin beim Amt/Arzt/Therapeuten entgegen bringt, gar nicht verdient habe.
Manchmal nehme ich mir vor, zu sprechen, mich zu öffnen - schreibe mir ab und an sogar Stichpunkte -, doch beim Warten verliere ich jeglichen Mut und schweige und nicke letztendlich nur noch.

Gibt es jemanden von euch, dem es auch so ergeht?

Sonntag, 29. Dezember 2013

Gesamtbild einer Bescherung

Auch wenn viele unter euch diese "Schaut-was-ich-bekommen-habe!"-Einträge nicht mögen, wollte ich mich auf diesem Wege noch einmal bei jedem bedanken, der zur Weihnachtszeit an mich gedacht hat und mich mit einer Karte bzw. einem Geschenk beglückt hat.
Dieses Weihnachtsfest war gestandenerweise nicht sonderlich anstrengend - mein Vater war kurz da, auf der Durchreise von den Niederlanden, über Deutschland, zur Schweiz - es gab keinen Streit, nur Missverständnisse. Mein Bruder hat sich um das Essen gekümmert, dementsprechend gab eine Menge Fleisch, was mich nicht all zu sehr überraschte. Allerdings gab es keine Besäufnisse, was mich wiederum sehr überraschte. Streit gab es nicht, nur einige Missverständnisse. Letztendlich habe ich wie immer die meiste Zeit in meinem Zimmer verbracht und sie mit unserem Mitbewohner Georg.

Da ich nicht weiß, ob die Blogger, die mir etwas zukommen lassen haben, namentlich genannt werden wollen, schreibe ich nichts genaueres dazu. (Ihr könnt mir aber gerne noch schreiben, wenn ich euch nennen soll.) Trotzdem hier noch eine Übersicht:

Unser "Gabentisch", der eigentlich aus zwei Nachtschränken, bestand. Dort befanden sich alle Karten und Geschenke von meinem Bruder, meinem Vater und mir. Auf dem Postweg hat dieses Jahr wirklich alles geklappt, nichts hat gefehlt: Ein Bienchen für die Post. =)

Der Tee war ein Eigengeschenk bis auf die untere Packung von Meßmer. Ich probiere gerne neue Sorten aus, doch losen Tee bekomme ich nur in der Stadt und dort ist es auch nicht wirklich billig. Aber mich stört der Gedanke an Beuteltee nicht sonderlich, und da ich mich nach Sorten umgesehen habe, die es nicht in jedem Supermarkt gibt, habe ich die drei oben eingepackt.

Das erste Buch ist ein Gedichtband, den ich schon vollständig verschlungen habe, den mir auch jemand bei Blogger zukommen ließ. Vielen Dank nochmal. =)
Das Kochbuch war wohl als Witz gedacht, oder auch nicht, da meine Eltern aus dem Osten sind und ich mal sagte, dass ich nicht gerne kochen würde. Vielleicht soll dieses Buch mich umstimmen? Nun ja, bei meinem Mitbewohner weiß man nie.
Die unteren Manhwas, das koreanische Equivalent zu Manga, habe ich mir auch selbst gekauft. (Ja, ich beschenke mich selbst zu Weihnachten. XD)

Der Geschenk-Gutschein ist, wie man sich durch die Fischmotive denken kann, von einem Zoofachhandel. Er wurde mir von einer alten Arbeitskollegin geschickt, der ich einen Katzen-Familienkalender geschenkt habe. Im Januar werde ich zur Nachbarsstadt düsen und ihn einlösen; ich brauche bald neuen Dünger für die Wasserpflanzen und Lebendfutter lieben die Fische am Meisten.
Die kleine Echse ist aus Perlen selbst gemacht von einer Bloggerin. Sie hängt jetzt an einer Anglerschnur von meiner Schreibtischlamper herab. =)
In die Pandakette aus Glas habe ich mich auch sofort verliebt. Sie kommt von meiner besten Freundin aus Leipzig. Zwar war ein Ärmchen abgebrochen, doch dank Pattex-Allessekundenkleber hält alles wieder bombenfest.

Wahrscheinlich wollen mir meine Freunde unterschwellig und indirekt mitteilen, dass ich mich gründlicher waschen und mehr pflegen soll. Die großen Handseifen werde ich durchschneiden und an mein Waschbecken legen. Sie duften herrlich nach Pfirsisch und Zitrone. Das Gute-Laune-Duschgel darf seinen Namen schon bald alle Ehre machen; sollten also meine Texte demnächst weniger depressiv wirken, liegt es einzig und allein an diesem Duschgel, welches ich in dem großen Care-Paket dabei war. Dies schenkten mir zwei alte Arbeitskollegen, zusammen als Geburtstagsgeschenk, weil sie diesen vergaßen, und als Weihnachtsgeschenk.
Zu dem Shampoo werde ich mir noch Conditioner kaufen müssen, da meine Haare sonst streiken. So ein Öl wie oben mit dem goldenem Druck habe ich vorher noch nie ausprobiert, die Kollegin meines Bruders hat es mir geschenkt. Es handelt sich um Arganöl für "seidig, softe" Haare.

In der Box rechts befinden sich Taschentücher. Die brauche ich schon allein massenhaft zum Malen, als Ablage für Pinsel oder falls ich mir mal wieder Farbe über den Pullover kippe. XD
Die Badezusätze, der Waschschwamm (heißt das so?) und die Bodylotion habe ich auch von den Kollegen bekommen. Kann es gar nicht mehr abwarten, baden zu gehen. Danke an die Zwei!
Noch nie habe ich eine Augenmaske benutzt. Darauf bin ich schon gespannt, da das Perlengranulat Entspannung pur verspricht. Mein Bruder hatte sie sich als erstes aufgesetzt. Wahrscheinlich muss ich sie also teilen. ;-)

Wenn die Leute wüssten, wieviel Nagellack und Make-Up ich insgeheim horte. Niemand würde mir mehr noch welches zukommen lassen ...
Doch freue ich mich so sehr darüber, dass ich diese Nagelsticker gleich noch am heiligen Abend aufgerissen habe und mir auf die Finger geklebt habe. Diese, das Augen-Make-Up und der Nagellack waren auch in dem großen Paket der Kollegen.
Der Lippenstift und der Lipgloss habe ich auch von einer Kollegin von meinem Bruder bekommen, mit der ich offen gestanden eigentlich gar nichts zu tun habe. O_O Ich bin mir nicht sicher, warum sie mir was geschenkt hat. Dankbar bin ich trotz dessen.

Den Koala habe ich gewonnen. Bei der Galeria Kaufhof in München gab es ein Tierquiz mit Fragen, die ich problemlos beantworten konnte. Da haben sich die Dokus doch mal für etwas gelohnt. ^_~
Er ist sehr kuschelig und gut verarbeitet, die Herstellerfirma kenne ich allerdings nicht.

Aus den Niederlanden hat mein Vater japanische Mochis mitgebracht. Wer sie nicht kennt: Es handelt sich um Süßigkeiten aus Klebereismehl mit verschiedenen Füllungen. Er brachte sie mir in den Geschmacksrichtungen Erdnuss, rote Bohnenpaste, Grüntee und Kirschtee.
Das Kaninchenfutter befand sich auch in dem großen Paket der Kollegen. Leider ist meine Kleine ja gestorben, das wussten die Schenker allerdings nicht. (Offen gestanden: Sie hätte diese Leckerlies auch nicht bekommen, weil ich meine Kaninchen absolut getreidefrei ernährte.) Doch das Nachbarskind hat Meerschweinchen. Wenn ich sie mal sehe, werde ich sie ihr geben. Und wenn nicht frage ich im städtischem Wildpark nach, ob sie Verwendung dafür finden. Dort bekommen die Kaninchen sowieso alles. XD

Meine Brüder haben mir einen Gutschein für Amazon geschenkt. Das heißt, es gibt entweder eine Menge Bastel- bzw. Malmaterial für mich, oder Bücher. =)

Auch nochmal ein riesiges Danke für all die Karten, die ich bekommen habe. Zwar hab ich auch von ihnen ein Bild gemacht, aber das war ganz unscharf. XD Handyfotografie muss eben gelernt sein.

Samstag, 28. Dezember 2013

Verherrlicht

Die Liebe, von der du sprichst, kenne ich nicht. Kann die Leidenschaft nicht spüren, das Kribbeln im Bauch nicht fühlen. Es tut mir leid, dass das Leben kein Märchen ist, in dem die Prinzessin von ihrem Prinzen gerettet wird und das Leuchten aus ihren Augen nie mehr erlischt.
Was folgt auch noch als Reaktion auf Aktion? Dieses menschliche Reptilienhirn hinterlässt mich nicht mit Verlangen, auch nicht mit Begehren, gar Trieben; da ist einfach nichts.

Wo ist Liebe geblieben? Hat sie jemals existiert, wird sie jemals wieder kehren? Obgleich ich weiß, dass Menschen sie wohl brauchen, vergeht mein Herz in geistiger Armut. Wie Zauberei scheint das Betteln und Beten - tot haust in mir.
Eine verherrlichte Maschine, die Lyrics auf Sternschnuppen sattelt und Gedichte von Flugzeugen wirft. In der Hoffnung, dass sie genau die eine Person treffen werden: Dich. Für dich würde ich Wale zum Singen bringen, Engel zum Glauben zwingen, dass sie wahrhaftig existieren, ich würde Fleisch aus dem Inneren der Berge schnitzen, auch aus der Luft selbst mit pfeifenden, wirbelnd-tanzenden Schneideköpfen...
Würde es dir die Einsamkeit nehmen, würde ich Wolken zu Schäfchen formen, die auf dich herab schauen. Von dem Ort, von welchem Fabeln und Christen behaupten, dass der Himmel sich befindet.

Meine Träume spreche ich zum Löwenzahn bis sie reif genug sind, um zu fliegen. Irgendwo werden sie dich erreichen, auch wenn ich es nicht kann.
Wahrscheinlich versuche ich alle Wege, die nicht funktionieren, weil du sagtest, dass ich es nicht sollte.
Mit all diesen Worten, wollte ich dir nur eines wünschen: Bitte bleibe stark. Ich denke an dich. 

Freitag, 27. Dezember 2013

Feststellungen

  1. Die Weihnachtszeit macht es möglich, dass ich - wenigstens vorübergehend - den gesamten Respekt vor der Menschheit verliere. 
  2. Wenn man sich zu viele Gedanken über Geschenke und Karten gemacht hat, macht es eine Enttäuschung doch erheblich signifikanter, wenn man nicht mal eine Antwort auf Facebook bzw. eine SMS bekommt. 
  3. Gäbe es das Internet nicht, wäre ich von der Außenwelt total abgeschottet. Abgesehen von Briefen diverser Ämter und den an Seltenheit-grenzenden Einkäufen. 
Das war's. In den letzten Tagen habe ich nichts brauchbares schreiben können.

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Gewissen

Lass' mich schlafen,
setze begnadigende Vergessenheit in meine Augen,
denn ich bin die Nacht,
die eigene endlose Dunkelheit.
Zeige mir Frieden,
wenn auch nur für ein paar Stunden;
nimm die Qualen von mir,
erleichter deine Schuld
von diesem Krieg
in deinem Gewissen.

Dienstag, 24. Dezember 2013

Frohe Weihnachten

Kurz bevor die Feiertage jegliche Originalität töten werden, versuchte ich mir allgegenwärtige Traurigkeit als Schneeflocke vor zu stellen. Abgesehen davon, dass diese bei 8°C wohl nicht existent sind. Dieses Unbehagen, welches tanzend vom Himmel rieselt und sich fest setzt. Bis letztendlich der Kreislauf sein Ende nimmt, Gedanken zu Nichtigkeit über-analysiert wurden und Schmerz in Form von überflüssigen Tränen den Boden nässt.
Doch lasse ich mich nicht mit ihnen in Vergessenheit geraten. Diesen Frieden kann ich weder euch noch mir geben. Wenn es nicht Agonie ist, die mich zum Schreien bringt, ist es der Geschmack. Überwürzter Lebkuchen, an dem zu viel Zuckerguss klebt, oder die verkohlten Überreste des Festtagsbraten, den jeder übersehen möchte. Nur ich schiebe Bratapfel und Plätzchen zur Seite, nehme eine handvoll Tabletten in die Hand und flüstere ihnen "Auf drei einzigartige Feiertage" entgegen. Mir geht es nicht gut, doch besser. Bald ist heiliger Abend. Es ziert kein Baum dieses Zimmer, doch ein Kränzchen habe ich aufgehangen - im Geiste der Weihnacht. Manchmal erinnere ich mich an die Worte, die mein Cousin einmal zu mir sprach: "Ich reiße dir dein Herz aus und ersetze es mit einem Weihnachtslied. Lass` uns feiern." Ihm war die Bedeutung dieser Worte bewusster als mir. Denn wir betranken uns, wieder jedes andere Familienmitglied, und nachdem wir uns ausgiebig übergeben hatten, witzelte er nur: "Den 24. haben wir überstanden, die nächsten zwei Tage wird unsere Leber auch überstehen."
Immerhin hatten sie 365 Tage, um sich zu regenerieren. Auch mein Gehirn hatte 365 Tage, um sich zu erholen, von den Strapazen eines überbewerteten Familienfestes. So viele Jahre schon die gleiche Routine mit Lametta in den Haaren meiner Tanten und kitschiger Deko vor den Augen meiner Onkels. Uns allen ist bewusst, dass "Für immer" eine viel zu lange Zeit ist, jedoch perfektionieren wir für drei Tage ein Schauspiel. Ein falsches Lächeln da, ein aufgezwungendes Geschenk hier: Das Ergebnis bleibt das Gleiche.

Gestern schaute ich mir auf YouTube noch ein Videoturtorial für das passende Weihnachts-Make-Up an. Die junge Dame sah so fröhlich dabei aus, mit glitzernden Augen und Metallschimmer auf der Haut. Nach bestem Wissen werde ich es heute nacharbeiten, doch mal ernsthaft gesehen: Bemalt man einen kalten, grauen Stein, bleibt er doch ein Stein. Zieht man einem Bettler neue Kleider an, bleibt er ein Bettler. Sprüht man auf faulendes Obst Parfüm, fault es trotz dessen weiter. 
Doch heute ist der 24.12.2013 und ich existiere noch. Genau wie du: Und dafür bin ich dankbar. Für deine Zeit, für deine Aufmerksamkeit, für deine Worte, sogar für deine Tränen. Denn diese verbinden uns durch ein Netz verwirrender Unendlichkeiten eines Labyrinths aus Galaxien und eigenen Folterkammern. 

Jeden Leser wünsche ich ein besinnliches Weihnachtsfest mit ehrlich-gemeinter Liebe und aufrichtigem Zusammensein. Ihr seid wertvoll, ihr seid wichtig. Für euch wird heute eine Kerze brennen, und morgen, und übermorgen. 

Sonntag, 22. Dezember 2013

Treffen

Gestern Abend folgte noch ein Besuch bei alten Arbeitskollegen, kein Pflichtbesuch zu Weihnachten, doch zwischen Floskeln- und Geschenkaustausch blieb es stecken. Mein Bruder und ich mussten mit dem Auto fahren, was immer schwierig ist. Schwere allerdings hallte nur in meinem Kopf: Horrorszenarien, Wunschträume, Filmschnitte.
Als wir dann dort waren, beobachtete ich mich selbst - am Tisch sitzen, nicken, lächeln. Abspielen von Freundlichkeiten, von Voraussetzungen, Erwartungen. Vielleicht versuchte ich zu sehr, real zu sein, dass ich mich letztendlich in Unwirklichkeit auflöste.

Fragen, die mich überforderten. Antworten, die sich mir entsagten.
Verwirrend. Auf mich herab fallend, oder abprallend?

"Welche Krankheit hast du eigentlich?", fragte die frisch-gebackene Mutter, die ihre Arbeit vermisst.
"Es kommt drauf an, welchen Arzt du fragst", sagte ich, dachte, damit wäre alles gesagt. Nur wissen sie nicht, wie es ist, von Arzt zu Arzt herum gereicht zu werden. Wenn Allgemeinärzte Narben entdecken und beim Wort "Borderline" zusammen zucken. Neurologen natürlich bevorzugt "Idiopathisch" sagen, Neuropsychiater lediglich von "Schizophrenie" und "Zwang" reden, Psychologen sich ohnehin nicht einig werden und nur das sehen, was sie sehen wollen - macht es einen Unterschied, ob "Wahn" oder "Störung" auf dem Diagnosezettel steht? - und Therapeuten mit Vorliebe darauf Acht geben, dass es dir nur "gut genug" gehen muss.

Als ich ihr gegenüber saß, unsere Blicke sich unverhofft trafen, erinnerte ich mich daran, dass sie sich mir vor ein paar Jahren mit einem falschen Namen vorgestellt hatte. Es wäre ein Witz gewesen, rechtfertigte sie damals, doch den Humor darin habe ich bis heute nicht verstanden.
Sie sagte, ihr Name wäre Viktoria. Ihr Name ist allerdings Katrin ohne H. Bis heute trifft es mich, dass sie wusste, dass ich eine Ausbildung machte, die mich nicht interessierte, um meinen Vater zu entsprechen, und manchmal Eintagsfliegen zwischen meinen Händen fing, um mich groß zu fühlen, und ich nicht einmal ihren Namen kannte. Währenddessen sie meinen Namen kannte, ihn ungefragt verkürzte.

Wir aßen Brot und lachte als mein Bruder sie als "Stullen" bezeichnete. Auch diesen Humor verstand ich nicht. Auch nicht als jeder, einschließlich meinem Bruder und mir, lachte, weil ich eine Frage in eine Weihnachtskarte schrieb. "Sowas macht man doch nicht", sagte Katrin ohne H.
"Warum eigentlich nicht? Ich habe ihn gefragt, ob er dieses Jahr etwas dazu gelernt hat. Wäre es nicht ein langweiliges Jahr gewesen, wenn er gar nichts dazu gelernt hätte?", plötzlich verhallte das Lachen. Ich fühlte mich entgleist und nicht "teilhabend", wenn das Sinn macht, eigentlich fühlte ich gar nichts, um es genau zu sagen. Nur Unverständnis, welches mir im Gesicht stand. Eine Antwort gab man mir nicht. Doch nun bin ich unsicher, was ich in all meine Weihnachtskarten geschrieben habe.
Immerhin waren sie selbst-gebastelt. (Wer also eine bekommen hat, ignoriert den Text und konzentriert euch auf das Bild!)

Was habe ich Angst vor der kommenden Woche.
Mein Vater kommt zu Besuch.
Ich bin unbrauchbar.... klein, wie die Eintagsfliegen.

Samstag, 21. Dezember 2013

Beim Versuch Göttlichkeit zu töten...

Ich sammel untröstliche junge Männer
vom Straßenrand,
kummervoll, gramgebeugt;
beschmückte sie mit Bändern und Schleifen
und steckte sie in Marmeladengläsern.
Ihre Mondschein-Augen verschleiert,
folgten dem ratternden Eisenbahnschienen
die ein oder andere Minute
zu lang;
gleichermaßen folge ich ihnen
durch dunkle Gassen und Neonschilder
zum nächsten Fix.
Lieblich ladend lacht launisch-billiger Wein
beim Lesen der Klassiker;
tot-geglaubte, tunichtgute Dichter überanalysiert
beim Schreiben obskurer Essays,
die ich gar nicht verstehe.
Ein Junge leckt die Burgunder-Flüssigkeit
von meinen Handgelenken,
ausgefranste Erotik,
Löcher im Pullover, Narben auf der Seele.
Die widrige Winterluft wässert wahren Widerstand,
verwesend und verrottend:
Eine Reminiszenz an herrenlose Kinderzimmer,
als wir über offen Felder rannten,
die den Himmel entzwei teilten.
Fehlt auch das Feuer
entbrannter Unvergänglichkeit.

Die Sonette an Frauen,
die des Tags in einem Imbiss arbeiten
für Minimum-Gehalt
und am Abend mit
reichen Geschäftsmännern Martini trinken.
Eine verlorene Generation
mit silbernen Tablett und fauligen Zähnen.
Frakturen in unseren Schädeln,
die mit Gold gefüllt werden
und trotzdem hängt ein höhnisch-hallender Stern
über mir
wie ein Kadaver,
drapiert diese Telegrafen-Glieder
in Sakrilege kristalliner Schlösser,
die zu unreal
für Worte sind.

Beim Versuch Göttlichkeiten zu töten,
starben Erinnerungen,
die ich behalten wollte,
wurden ersetzt von
unendlich lichterlohem Schmerz,
der niemals wieder verschwand.
Junger Mann, geh`mit Gott,
doch geh.
Du hast in meinem Bett nichts verloren,
denn verloren sind auch
Menschlichkeit in massiver Mästung
marinierter Mauerblümchen.
Irgendwann wird es
eventuell
einer von ihnen verstehen.

Freitag, 20. Dezember 2013

Unfrankierte Postkarten: Vater

Lieber Vater,

Jeder kennt wohl den gut-gemeinten Ratschlag, man solle einen Brief, der in Wut geschrieben wurde, lieber eine Woche liegen lassen und warten bis er abgeschickt würde. Doch siehst du, es scheint in letzter Zeit wäre ich immer verärgert, wenn ich an dich denke. Genau benennen kann ich es nicht, doch es ist wohl der Moment, sich zu öffnen.
An manch einen Morgen erwache ich und kann nicht glauben, wie viel sich inzwischen geändert hat. Wenn ich auch inzwischen keine Kleider und Röcke trage, weil es Dinge gibt, die sich einfach nicht ändern, kann ich nicht fassen, dass es so viel weniger hätte geben können, so viel mehr - auch, Erinnerungen sammeln sich, und während die schmerzvollen die Überhand gewinnen, bin ich doch dankbar. Dafür, dass du nicht gegangen bist als du es dir am Meisten wünschtest. Dafür, dass du menschlich scheitertest als die Pflicht zu belastend und die Schultern nach unten sackten. Dafür, dass du zurück kehrtest, zu den Ort, den weder meine Brüder, du oder ich "zu Hause" nannten. Zu gerne würde ich dir sagen, dass ich dich von ganzem Herzen liebe. Doch mir fehlen diese Worte, weil ich nichts davon halte, Geständnisse zu äußern, die keinen Grund fassen, denen es an Bedeutung mangelt oder die ich schlichtweg nicht verstehe. "Ich liebe dich" trifft auf alle drei Kategorien.

Vor ein paar Jahren - als Teenager-Angst mich erdrückte und unergründliches Schamgefühl mich verfolgte - verbrannte ich das einzige Foto von meiner Mutter und dir. Eine schwarz-weiße Grauzone mit aufgesetztem Lächeln; oppositionell antagonistisch: Sie trug einen Strohhut und ein Sommerkleid und du eine DDR-Grenzuniform. Perfekt schien mir mein Handeln zu diesem Zeitpunkt, denn ich wollte nichts sehen, was mich von meinem dickköpfigen Glauben abbrachte. Denn ich wollte so sehr, dass es mehr gab als zuschlagende Türen, Vorwürfe und Herabwürdigungen.
Heute hätte ich dieses Bild gerne wieder. Erneut aus schierem Vorwand heraus: Dies war die Zeit vor meiner Geburt. Damals als ihr vielleicht doch etwas füreinander empfunden habt, wenn unter Umständen auch keine Liebe. Eigentlich möchte ich einfach nur die unzähligen Tage vergessen, in denen ihr euch angebrüllt habt, in denen du mit Geschirr um dich warfst, oder Fäusten, in denen sie fremde Männer mit nach Hause brachte, nur um es dir heim zu zahlen, oder sie verschwand, damit du mehr Zeit, so viele unerträgliche Stunden, im Alkoholrausch toben, regelrecht stürmen konntest. Hat es sehr weh getan, Vater? Wurde es mit den Jahre leichter? War Alkohol der Geister, den du riefst und der dich bis heute heimsucht?
Früher hatte ich es offen gestanden nicht wirklich fassen können. Ich verstand nicht, warum du ab und an auf dem Boden schliefst, deine Sätze, wenn gleich beschimpfend, keinen Sinn machten oder warum du den Kindern, die du angeblich ins Herz geschlossen hattest, Schmerzen zufügen musstest. Bis ich elf war, die Polizei mal wieder vor der Tür stand (du hast sie oft angerufen ohne es zu realisieren) und ich die leeren Schnaps- und Bierflaschen unter meinem Bett versteckte. Ob dies Mitgefühl in den Augen der Beamten, abwägend und verfolgend, war? Ob dies Überforderung in deinen Augen, blutunterlaufen und vermeidend, war? Ob dies Enttäuschung in meinen Augen, tränenverschmiert und ungläubig, war? Ich weiß es nicht. Nur manchmal muss ich an eine Zeitungsgeschichte über einen Mann denken, der 1987 von zwei Polizisten geschlagen wurde, an einen Zaun mit Handschellen gefesselt wurde und dann von einem betrunkenen Fahrer überfahren wurde: Kann es höhere Gerechtigkeit geben oder war dies zynischer Zufall? Immerhin brauchte er keinen Entzug mehr, immerhin brauchte er seinen Dämonen nicht mehr gegenüber zu stehen.

Einmal fiel ich einen Hügel hinab und fing an zu weinen. Du zogst mich mit omnipräsenten Stahlhänden auf die Beine und sagtest ein bisschen zu harsch: "Tränen sind für Mädchen. Sei ein Soldat, mein Kind", auch das habe ich nicht verstanden. Hey, ich war ein Mädchen. Bin es wahrscheinlich immer noch. Auch wenn ich die Jugend mit Schrammen am Knie und einer Wunde im Herzen verließ.
Doch meine Verehrung dir gegenüber macht keinen Unterschied, weil Liebe und Hass manchmal zu nah beieinander liegen; genau wie "Hätte sein sollen" und "die falsche Entscheidung".
Ein Elektrakomplex, oder die übermäßige Bindungen zum Vater mit zeitgleicher Co-Abhängigkeit sollen die Grundsteine für eine gute Hure legen, las ich einmal in einem Pseudo-Psychologie-Internetblog. Wenn es auch nicht gelogen sein mag, fühlte ich nie heftiger die Galle in den Mund steigen als während ich diesen Text verinnerlichte. Nichts ist erotisch daran, wenn Väter ihre Töchter im Stich lassen, misshandeln, vernachlässigen oder herabsetzen. Solche Belangen erschaffen Hass, Scham und Tränen, erschaffen verlorene Seelen, die ihr Leben lang suchen, ihr Leben lang Schuld zuweisen. Denn beim Erwachsen werden hat etwas gefehlt. Ein Teil, der nie wieder ersetzt werden kann.

Papa, ich habe Mamas Augen, doch deinen Blickwinkel. Dazu kommen Krankheiten, die keiner in dieser Familie so ganz und gar zu verstehen scheint. Ich kann dir so atemberaubend gleich sein: Letztes Jahr habe ich einer geschätzten Arbeitskollegin ins Gesicht gelacht, als sie mir gestand, dass sie sich ritzen würde und einem Jungen innerhalb eines halben Jahres drei Mal das Herz gebrochen, indem ich ihn versetzte, ihn manipulierte und schlichtweg gewissenlos war.
Eines möchte ich dir nur noch mitteilen: Man muss seine Eltern nicht schätzen, weil sie einem das Leben schenkten. Nicht jeder benimmt sich wie ein Hund, dem man zwei Mal täglich eine gefüllte Schüssel vor die Nase stellt. Doch ich tue es. Dankbar bin ich für das Dach über meinen Kopf, welches du mir ermöglicht hattest. Auch für die Undankbar gegenüber meiner Existenz, denn dies symbolisierte lediglich deine Ansicht über dich selbst. Misstraue ich heute Menschen ohne Grund, verhalte ich mich wie ein kleines Modell, welches nach deinem Gewissen geformt wurde.
Sicher, du weißt genau, was innerliches Verfaulen bedeutet, doch sei dir sicher: Ich auch, Papa. Ich auch.

Liebe Grüße
Emaschi

Mittwoch, 18. Dezember 2013

War es einfach?

  1. Als wir uns trafen, trug ich lediglich Tragödien durch Flure zum Dach. Deine Frage, ob wenigstens eine von ihnen wahr sei, schockierte mich - wie der viel zu kleine Vogelkäfig in deinem Zimmer. Denn irgendwie hörte sich das Zwitschern der Wellensittiche nach Freiheitskämpfen und Friedenskapellen an.
    "Du schaffst es, die traurigsten Geschichten schön klingen zu lassen. Das alles mit einem Stift.", mit der selben Hand, die ehrliche Lügen real werden ließ, umfasste ich seine Finger. Auch wenn diese gelb von Zigaretten und kalt von Fast-Lebendigkeit waren. Das war wahrscheinlich der Moment, dem wir uns am Nähsten standen. Immerhin ist das Alles, was wir voneinander hatten und brauchten: Mehr deprimierende Worte in Tinte verewigt. Du liebtest meine Gedichte und Wortgefechte so sehr, dass es keinen Platz mehr für Erinnerungen gab, die nicht frei erfunden waren - sollte dies auch unseren Ruin gefestigt haben.
  2. Einen Monat bevor du 21 wurdest, sagtest du mir, dass du Angst hättest, erwachsen zu werden. Wieso es sich so sehr nach einem tränen-befleckten Geständnis anhörte, vermag ich nicht zu sagen. Doch an manchen Tagen wiederholen sich deine Worte in meinem Kopf, immer und immer wieder: "Ich will nicht jemand werden, den ein Kind hassen könnte."
    Bändigend, gewaltig; das Wiedererleben deines Geruchs bringt Tränen in meine Augen: So viel Aufrichtigkeit drang aus deinen Poren, kein Kölnisch Wasser oder Aldi-After-Shave-Gestank konnte dies übertönen. Blind glaubend sagte ich dir: "Dich wird niemand hassen. Du bist nicht so wie die Anderen"
    Naja, es wäre nicht das erste Mal, dass ich simpel und 100 prozentig falsch lag.
  3. Im Sommer sprachen wir über Japanreisen, ein Häuschen in den Alpen und Babynamen. Mit Herzensglut hast du dir eine Tochter gewünscht, meine Vorstellungen führten von zwei Jungs zu erst ein Junge, dann ein Mädchen. Deine Begründung war komplex unverständlich, vor Allem im Vergleich zu meiner: Ich wollte einen Jungen, damit ich ihn Julian nennen konnte und ein Mädchen, damit deine Vorstellungen in Erfüllung gehen.
    Bereits im Oktober wusstest du wohl, dass du mich nicht (mehr) liebst. Du verlangtest deine Jacke mit den Brandflecken zurück und sagtest: "Ich verlasse dich jedoch nie", doch bleiben wolltest du dem Anschein nach auch nicht. Nachdem die Tür hinter die in den Rahmen fiel, entschied ich mich dafür, niemals Kinder zu haben, denn ich wollte wirklich einen Sohn namens Julian, doch er würde vergeben und vergessen unmöglich machen.
  4. Die Wohnung, in der du gemeinsam mit deinem Großvater haustest, ähnelte einem Gefangenenlager. Aus bestem Wissen fragte ich nie nach deinen Eltern, begann nie ein Gespräch über dein zu Hause. Ab und an öffnetest du dich, doch auch nur so weit, dass man an der Oberfläche des Eisberges kratzen konnte. Einmal drücktest du meinen Körper an die Wand und flüstertest mit einem Hissen, welches an Drohgebärden einer Schlange erinnerte: "Zwischen dem kalten Krieg und meinem Opa gibt es keinen Unterschied.", bis heute bin ich mir nicht sicher, ob du mir Angst einjagen wolltest, denn das hattest du nicht, oder mir eine willkommene Vorlage für eine neue Kurzgeschichte geben wolltest, denn das hattest du.
  5. Ein paar Jahre nach deinem Gehen, trug ich erneut Tragödien durch Flure - nun jedoch in den Keller. Es schmerzt noch immer auf die selbe Weise. Zufällig stieß ich auf einem sozialen Netzwerk auf deinen Namen. Ein Foto zeigte einen stolzen Vater, eine liebende Mutter und ein lachendes Mädchen. (So recht kann ich mir nicht erklären, warum die Kleine Victoria heißt - denn diesen Namen nanntest du mir nie. Selbst bekennend muss ich nun sagen, dass ich mir vieles nicht erklären konnte. Wie du deinen Opa verzeihen konntest nachdem er dich wie einen Hund im Badezimmer einsperrte. Wie du immer lachtest, obwohl du lieber weinen wolltest. Wie du von dir selbst behauptetest, ein Neofaschist zu sein, doch immer Coca Cola trankst, polnische Zigaretten rauchtest und Kleidung made in China trugst. Oder wie du eines Morgens aufwachtest, und deine Gefühle für mich einfach fort waren.)
    Dieses Stechen in der Brust kann ich nicht kontrollieren. Ist es Neid? Eifersucht? Die Sehnsucht nach alter Liebe?
    "Bitte lasse mich dir eine Frage stellen", schrieb ich in eine private Nachricht."Waren deine Gefühle echt?" Wie sehr ich mich zusammen reißen musste, nicht zu weinen. Entfernt stieg dein Geruch wieder in meine Nase, eine Mischung aus frisch geröteten Kaffeebohnen und Leichenhalle; wahrscheinlich kannte ich deine Antwort bereits. Nicht einmal ein "Nein" war es dir wert. (Auch wenn wir uns nie wieder sahen, bedeutete unsere Zeit gemeinsame Tage. Dein Schweigen tat weh.)
  6. Ich denke, man erwartete von mir, eine Art Mitleid mit dir zu empfinden nachdem ich von eurer Scheidung erfuhr. Die Mutter wollte nun zusammen mit Viktoria in die Schweiz ziehen, woanders ist es ohnehin besser - das Gras auf der anderen Seite - und es schmeckte nach bittersüßer Ironie.
    Meine Schwester sagte mir, dass du nach mir gefragt hättest, doch war ich immer nur deine zweite Option. Wer weiß? Sollte ich jemals wieder mit dir reden, möchte ich danach vielleicht auch in ein anderes Land fliehen.
    Mit Tränen in den Augen entnahm ich die Batterien aus den Telefonen, setzte deinen Namen auf die Ignorierliste der Internetplattformen und greife nach einem Stift.
    Du hast uns und mich aufgegeben. Ich hab lediglich aufgegeben.


(Als kleinen Hinweis möchte ich noch einmal anmerken, dass Texte mit dem Label "Wortgefecht" sich nicht ausschließlich auf mich beziehen. Sicher fließen persönliche Erfahrungen mit ein, doch handelt es sich eher um unabhängige Texte. Müll, welchen mein Kopf zu sortieren versucht.) 

Montag, 16. Dezember 2013

Der Start in die Woche...

 ... sah auch schon einmal rosiger aus. Eine bessere Stimmung als die in den letzten Tagen habe ich weiß Gott noch immer nicht. Nervös zucken meine Finger, auch die Augen, vielleicht pumpt das Herz auch schneller als gewohnt, oder gewöhnlich.
Manche Aufgaben müssen eben erledigt werden. Habe ich auch kein Bedenke beim Putzen oder Aufräumen, mangelt es am Selbstvertrauen durch die Haustür zu gehen, um Einkäufe zu erledigen. Es wird aufgeschoben und aufgeschoben, bis der Kühlschrank leer und der Magen hungrig.
Schlimmer ist noch der Gedanke an das Telefon. Nicht, dass ich abnehmen würde, wenn jemand meine Nummer wählt, doch verzweifel ich schon beim Tippen der Tasten. Im Allgemeinen bin ich schlecht im reden, was bekannt ist, doch jemand musste die Krankenversicherung anrufen. Mein Bruder wollte es erledigen, aber da er nicht mein Vormund ist, dürfen sie ihm keine Auskunft geben. Aus diesem Grund musste ich anrufen, mit Kribbeln im Bauch, Schwindel im Kopf:

"Guten Morgen, Frau Emaschi. Bei uns steht von Ihnen eine Rechnung von 190 Euro offen. Warum haben Sie diese noch nicht beglichen?"
"Weil ich keine 190 Euro habe. Genau so wenig wie ich vor einem Monat 180 Euro hatte, Frau T."
"Warum können Sie nicht zahlen?"
"Fragen Sie mich das jetzt, weil Sie die Antwort tatsächlich nicht kennen oder weil Sie mir diese Frage stellen müssen?"
"Ermm.... bitte beantworten Sie einfach, warum sie zahlungsunfähig sind!"
"Sehen Sie, es ist so: Wenn man arbeitslos ist, man Anspruch auf Arbeitslosengeld hat und sich vorschriftsgemäß bei der Agentur für Arbeit meldet, sollte diese für die Übergangszeit die Beiträge der Krankenversicherung übernehmen. Allerdings tut diese das nicht; mir nannte man den Grund, dass ich zu krank sei, um zu arbeiten, doch nicht krank genug, um nicht zu arbeiten. Jetzt wird es verwirrend, denn jetzt kommen Sie ins Spiel: Vor einen Monat sagten Sie mir, dass ich 180 Euro zahlen soll, worauf ich Ihnen antwortete, dass ich das nicht kann. Daraufhin belasteten Sie mich mit einer Gebühr dafür, dass ich kein Geld habe und eine weitere Gebühr für die Gebühr, dass ich die Gebühr nicht zahlen konnte, weil ich kein Geld habe. Können Sie mir folgen?"
"Ja, ich kann Ihnen folgen. Das nennt man Kapitalismus."
"Nein, das nennt man Korporatismus zwischen Gesundheitswesen und Sozialstaat. Kapitalismus ist wenn ich eine Kuh habe, der Staat mir diese wegnimmt und mir dann die Milch verkauft."
"Ermm... also... nun..."
"Kurz gesagt: Ich habe auch keine 190 Euro. Am Besten schreiben Sie mir doch eine Gebühr für die Gebühr der Gebühr."
"Der nächste Schritt wäre leider der Gerichtsvollzieher. Bevor es dazu kommt, senden Sie uns doch alle Unterlagen die sie vom Jobcenter bzw. Agentur für Arbeit vorliegen haben."
"Das habe ich bereits."
"Oh, ja, stimmt. Hier liegt alles vor..."

Ab diesem Punkt nickte ich nur, was im Nachhinein ziemlich albern erscheint. Es war ja ein Telefonat und sie konnte wohl nur noch die kleinlauten "mms" und "oks" hören. Nachdem ich den Hörer auflegte, kam kurz darauf mein Bruder ins Zimmer. Und ich habe ihn angeschrien, dass er mich in Ruhe lassen soll, dass er verschwinden soll, dass ich ihn nicht mehr sehen möchte,....
Doch setzt er sich ohnehin nicht mit meinem Zorn auseinander, nicht mit der Reizbarkeit oder der Angst; es folgen schmerzhafte Worte sowie Vorwürfe, die mich meist härter treffen als andersherum. Denn er hat sich nichts zu Schulden kommen lassen, und ich lediglich mit Watte nach ihm.
Eigentlich ist es egal, denn ich kann sowieso nirgendwo anders hin. Ohne Geld und ohne Freunde lebt es sich schwer.


Danach auf zum Therapeuten, welcher von meiner unangenehmen Stimmung irritiert ist. So kenne er mich gar nicht; ich scheine verwirrt, aber aggressiv. Er presigte von Skills und Sport, von Bewegung und irgendwas mit Mitmenschen; als hätte er gerade einen Selbsthilfeprospekt abgelesen.
"Haben Sie etwa Angst vor Weihnachten?", fragte er mich. Wahrscheinlich habe ich ihn angeschaut wie eine Katze den beschmückten Tannenbaum. Habe ich Angst vor Weihnachten?
"Ich mag den Gedanken nicht, dass manche Menschen sich nur zu Weihnachten bei mir melden und mich dann wieder ein Jahr ignorieren. Als gäbe es ein ungeschriebenes Gesetz, dass es zur Weihnachtszeit in Ordnung ist, auf heile Welt zu machen."
"Wäre es Ihnen lieber, man würde das ganze Jahr lang auf heile Welt machen?"
"Nein, eigentlich nicht. Aber auch im Frühling, Sommer und Herbst würde ich mich über ein paar ernst-gemeinte, freundliche Worte freuen."
"Nicht, dass sie für das Verteilen von Freundlichkeiten berüchtigt werden, Frau Schneider."
Darauf antwortete ich nicht. Was gab es schon zu sagen? Das Schwein quiekte vor Vergnügen und flüsterte in einer höhnischen Stimmlage "Touché".
Der Therapeute schaut mich an, doch meine Blicke folgen nur den Linien auf dem Teppich.
"Sind sie eigentlich religiös, Frau Emaschi?"
"Kirchensteuer zahle ich nicht."
"Glauben Sie an Gott?"
"Ich bin mir nicht sicher. Auf jeden Fall glaube ich nicht daran, Ansichten, seien sie religiös oder auch nicht, mit Sarkasmus, Ironie oder schlechtem Humor herab zu stufen."
Das war wohld er Höhepunkt in diesem Gespräch. Darauf folgte lediglich das Übliche. Er möchte meinem Psychiater noch eine Mail schreiben, wahrscheinlich auch nur das Übliche, und ich soll meinen Termin am Mittwoch nicht verpassen. Drei Mal nahm er das Wort "Klinik" in den Mund, Medikamente vielleicht, den Rest habe ich - ehrlich gesagt - vergessen, oder ich habe es von Vornherein nicht mitbekommen.

Eigentlich hätte ich einkaufen gehen sollen. Was auch immer.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Zwiespalt

Es macht mir Angst, zu denken, dass ich gar nicht mehr anders kann als Menschen zur Seite zu schubsen, die eigentlich ihre Arme offen halten. Doch der Gedanke daran, dass es sich doch um einen Hinterhalt, eine Lüge oder einen Vertrauensbruch handelt, ängstigt mich noch so viel mehr als der Gedanke, dass irgendwann Niemand mehr auf die Idee kommt, die Hände aus zu strecken.
Wisst ihr, was ich meine?

Samstag, 14. Dezember 2013

Schreibzwang

Zwischen den Worten leerer Zeilen,
inmitten ihrer Welt,
schreibt sie Gedichte und Geschichten
mit überdrüssigen Fingern;
umfasst den Stift wie ein Messer:
Brieföffnerschwerter, Schreibmaschinenmacheten.
Sie spielt Armdrücken mit dem Schicksal
und dem Universum auf einem Blatt Papier,
oder Computerbildschirmen,
die es erlauben,
Gesichter mit Tinte zu bemalen
wie Buntglas getrennt durch einen Bindestrich.

Sie ist geduldig
und wartet.
Langmütiger Patient
ohne Ärzte und Krankenschwester,
Operationssälen, klinischen Studien,
dieses Stethoskop-Kind;
auch wenn Menschen sie offen legen
im Fieberwahn beschneiden,
Geheimnisse kundtun mit verzierten Skalpellen.
Prachtvoll bloßgestellt auf kalten Stahltischen
mit anästhesiertem Rücken
durch Nadeln, die dem Buchstaben nicht wert sind:
Rituelle Opferwerkzeuge toter Religionen.
Innereien seien wunderschön,
sagen sie,
so voller Atemlosigkeit und Erstaunen.
Unworte im Wortemeer,
denkt sie,
und beginnt zu schreiben -
auf Taschentüchern,
auf Haut,
auf Papiertüten,
auf Wänden, 
auf Tastaturen,
auf Zukunftslose.
Launen verläutend,
Missgeschicke vermessend,
Hilfeschreie verschreibend,
Stimmen verstümmelnd;
Kein Stift bricht bis er kurz gespitzt,
kaum umgreifbar, ungreifbar fern wie
abgebissene Fingernägel .

Doch Inner-Visionen gehen zur Neige:
Stabiles Deklinieren, obgleich nicht irreversibel.
Die Kratzspuren einer Maus hinterlassen
kognitive Technologie, keilschriftliche Tontafeln:
Hieroglyphen, Kanji, Kyrilisch,
was auch immer die Organe vom Fallen aufhält.
Lungen füllen sich mit Flüssigkeit
wie eine Drohgebärde aus dem alten Testament.
Eine Proklamation.
Der Kyros-Zylinder ihrer Blutbahn.

Autotransplantat.
Noch immer zittern ihre Hände
trotz der Sicherheit der Versicherung in Sichtbarkeit
des intravenösen Tropfens.
Der Vater schüttelt mit dem Kopf,
greift zum Glas und schweigt missmutig.
Vermisst den Mut der Mutter,
die durch Scheiben schaut
mit einer Leidenschaft, die nur Leiden schafft
und formt sehnsüchtig Fragen
ohne Antworten. 
Geschwister hat sie auch,
erinnert sie sich,
als sie ein fast-komplett komplexer Prototyp
ihrer selbst vor sich stehen sieht:
Zwischen den Fingern ein Klemmbrett,
fest umklammert, rezeptpflichtige Mundbewegungen,
die nirgends hin führen,
nur verrücken, gleichbleibend verrückt.
Entweder ist es zu früh
oder immer einen Tag zu spät.
Aus diesem Grund sind sie nervös,
wie es scheint,
Keinen Unterschied in der unteren Schicht
weißer Decken,
durchschaubare Fensterblendung.
Stoßspannung bis Tension zerbricht
in Gesundheitstechnik und Mülldeponien
eingehüllt in Zuckerwatte.
Zu viel Wasser,
beherbergt in Krügen auf Holz
in der Farbe von Honig.
Durstig leert sie Satz um Satz, 
weint drei Fässer Tinte
und stellt im Keller Löschstifte bereit.


Das Telefon klingelt
und Angst bebt in ihrer Brust;
wenn Sprache im Sinne von Sprechen
keine Bedeutung trägt,
ein Wort auch nur in Zeit vergeht,
steht kein Gedanke still,
doch leise verhallt das Echo.
Tipp, Tipp, Tipp.
Sie schreibt.

Freitag, 13. Dezember 2013

Abschied nehmen

(Natürlich kann ich den Tod eines Haustieres dramatisieren. Immerhin habe ich diesen Text geschrieben, das sagt schon alles.)

Man fand sie am Straßenrand: Atemlos und still trotz des regen, endlosem Verkehr.

Beerdigen konnte ich sie einfach nicht.
Konnte mich nicht dazu bringen, den Grund von Dreck, spindeldürren Unkrautwurzeln und Würmern zu entleeren und dieses ockerbraune Loch mit ihrem Körper zu befüllen.
Ihr wuscheliges Fell, welches zersaust zwischen meinen Fingern ruhte, war wohl der letzte Schutz für ihre gebrochenen Knochen. Obwohl ich versuche nicht an ihr lebloses Miniaturherz und ihre stummen Lungenflügeln zu denken, wollte die Vorstellung von zerrissenen Organen mich nicht verlassen.

Vor meinem inneren Auge sehe ich das blasse Gesicht meiner Mutter. Sehe ihr Herz in ihre Füße sacken and das Tier in den Armen wiegen, ein Baby aus Diamantenglas. Über die Wangen ihrer verhutzelten Haut strömen Tränen und verzweifelte zweifelnde Hände versuchen Leben in den kleinen Körper zu pumpen; vergeblich. Auf erschöpften Beinen steht sie näher am Ende, mit dem Tod direkt an den Fingerkuppen, Verlorenheit zwischen den Poren.
In dem Moment, in dem auch Hoffnung verschwand, wickelte sie unser kleines Mädchen in Regenböge und legte sie unter einem blühenden Mangobaum nieder. Wenn auch ein missmutiges Lächeln ihr Gesicht ziert, kann ich es zwischen ihren Augen lesen; dieses lautlose Wispern, "Nein, nein, nein".

Nun ist des Tieres offenes Ohr Erinnerung. Obgleich eine süße, schmerzt sie wie nasse Küsse auf der Wange von überlangen Zungen, einem warmen Körper über meinem Bauch. 

Unser Garten ist nur ein Friedhof. Immerhin beginnt der Kreislauf des Lebens am Grab des Widerhalls meines Lachens. Mein Vater flüstert etwas von Ewigkeit in unserem Herzen, von Verlusten und "Alles wird wieder gut"; doch seine Stimme bricht fast überhört. Denn mein Blick steht in Richtung des Drecks, welches mich an Lektionen erinnert:
Lass' sie gehen, damit ich mich selbst weiter laufen kann.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Zorn

Es ist ein wenig beängstigend. Regelrecht einengend.
Ich bin grundlos wütend, die ganzen letzten Tage schon. So kenne ich mich selbst nicht: Schier unendliche Wut blubbert unter einer Maske von Desinteresse. Luftangriffe aus Scham und Schuld, natürlich Selbsthass, so unbeschreiblch tiefgreifend, fassungslos. Eigentlich finde ich keine Worte mehr, denn ich möchte nur noch meine Haare aus den Wurzeln ziehen, meinen Kopf gegen die Wand schlagen und schreien, schreien, schreien.
Meine Hände zittern. Doch es gibt keinen ersichtlichen Grund: Keinen Stress wie früher, keine Ausreden sich elend zu fühlen, nur Erinnerungen, oder schreckliche Fantasien, kriechen durch die Knochen, die ich brechen will; Alles ist so schmerzhaft, lediglich nicht schmerzhaft genug. Zorn frisst sich durch die letzten Ecken meiner Seele, durch mein Herz, durch den Kopf - warum? Was zur Hölle stimmt mit mir nicht? Ich kann nicht einmal mit Menschen reden, denn entweder greife ich sie mit Kritik an oder sage ihnen, dass sie mich verdammt nochmal in Ruhe lassen sollen. Nichts ist ausreichend, nichts scheint genug - auch nicht das Brechen meines Finger nachdem ich in den Spiegel schlug, nicht die Klingen auf der Haut, nicht das gehetzte Rennen durch dunkle Straßen; verfolgt von eigenen Dämonen. Fremde Meinungen interessieren mich derzeit einen Dreck. Dabei bin ich so gar nicht, bilde ich mir ein, in mir ist eine übermächtige Anspannung. Ich kann nicht still sitzen, erst recht nicht ruhig bleiben. Warum kann ich nicht einfach normal sein? Ich meine, wo soll diese Scheiße enden? Den ganzen Tag jammern kann ich gut, doch von irgendeinem Geld muss ich auch leben. Wie soll ich mit dieser verpackten, kompakten Wut umgehen?
Sogar mein Therapeut denkt ich habe den Verstand verloren.
Habe ich ihn verloren? War er jemals da?
Oh Gott, hilf mir.
Gib mir diesen Schmerz zurück, doch verbrenne die Erinnerung. Ich will auch nicht sterben, nur nicht mehr leben. Eigentlich weiß ich gar nicht, was ich will. Eigentlich habe ich gar nichts zu wollen.
Scheiße.
Was stimmt denn nicht mit mir?
Mein Herz bricht.

Sonntag, 8. Dezember 2013

(Mehr als) Sechs Worte über Suizid

In ironischer Sicht hört es sich wie eine Gruselgeschichte mit lediglich sechs Worten an:
Ihre Namen werden zu einer Statistik.
Die Lüge an dieser Geschichte beinhaltet auch sechs Worte:
Suizid ist der einfachste Weg raus.
Das Wahre an dieser Geschichte in sechs Worten:
Herzschmerz und Seelenchaos ist keine Wahloption.

Jegliche poetische Ansichten vollkommen außer Acht lassend:
Es ist Glaube in purer Form, allgegenwärtiger Reinheit, wenn man weiterhin betet, obwohl man keine Antwort mehr erwartet. Sicher - für die ohne Stimme kann auch ich nicht sprechen, doch bitte lasst mich dieses sagen:
Ich wünschte, ich könnte dich retten.
Denn in diesem Leben wurde mir oft gesagt, dass es immer ein Sicherheitsnetz gibt, dass es Menschen gibt, die einen beschützen und Organisationen, die sich um Menschlichkeit bemühen, doch das Individuum beiseite lassen. Sollte es auch bitter klingen, manchmal muss man traurige Begebenheiten aussprechen, damit sie weniger auf dem Gewissen lasten:
Für sie gibt (gab) es auch Niemanden. 

Gibt es auch 300000 Worte in der deutschen Sprache, von denen ich wählen kann, denke ich nicht, dass ich in der Lage wäre, eines zu finden, welches Suizid, seinen Vorbereitungen und Hinterlassenschaften, beschreiben kann. 300000 fühlt sich nicht nach "genug" an, schon gar nicht nach "Genugtuung". Denn es ist nicht wie Krebs, nicht wie eine Sucht, eine Erkältung oder ein Bandscheibenvorfall. Gibt es auch Doktoren und Hilfeeinrichtungen, viele Art und Weisen der Fürsorge und Nachsorge, gibt es keine Möglichkeit der Heilung. Wer einmal dieses tiefe Nichts im Überschwall gespürt hat, wird sich auf ewig daran erinnern können.
Menschen verlassen dich nicht wegen Leukämie.
Krankenhauspersonal sagen nicht "Influenza" und sehen mit einem missbilligen Blick an.
Keiner sucht Schuld für Mukoviszidose, wenige für Diabetes, jedoch der Gedanke "Suizid" ist für sie Entschuldigung genug, dich mit Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Neuroleptika und Tranquilanzien zu zu schütten. Bis du vielleicht nicht mehr an dieses verhasste Wort denkst, doch innerlich daran ertrinkst. Jeden Tag ein bisschen mehr. Dieses Wasser dir den Atem und den Willen zu Sprechen raubt, schon allein aus Angst vor der nächsten Chemiespritze.
Letztendlich bringen orangene Pillen und weiße Kapseln keine Heilung. Glaube mir, ich habe es versucht. Auch Gedichte und Kurzgeschichten helfen nicht. (Auch keine Kombination aus sechs Worten.) Doch wenn ich eines Tages die Lösung finden würde, würde ich sie dir beichten. Bis dahin lebt der Schmerz nicht in meinem Kopf oder in meinem Herzen, er ist ein Teil von mir; wie der Blutfluss durch die Venen und Arterien.

Die Hände, die sonst Zigaretten und Rasierklingen halten, möchte ich für eine Weile halten. Ich würde mir wünschen:
"Bitte lasse mich nie wieder los"
Ist es auch das Einzige, was ich tun kann, während Ärzte und bekannte Lippen Lösungen und Manipulationen in deine Ohren hauchen, während Medikamente deine Kehle hinab sausen, während ein klitze-kleiner Teil in dir vom potenten Überlebensinstinkt des menschlichen Erhaltungstriebes flüstert, von biologischer Anpassung und Selbstschutz.
Denn weißt du:
Dein Gedächtnis ändert Erinnerungen bei Überforderung,
mit gebrochenen Knochen kannst du kämpfen,
(auch mit gebrochenem Herzen)
Schutz vor Selbstschutz beschützt dich niemals.
Darum stelle ich mir immer einige Sekunden zu lange vor, wie sich eine Klinge in die Innenseite meiner Schenkel presst, ein Seile um meinem Genick hängt, das Licht des Straßenverkehrs oder der Bahn auf mich zu kommt oder ein Abgrund wundervoller städtischer Aussichten vor meinen Füßen erstreckt, um zu erleben, wie einer der stärksten menschlichen Impulser der Psychie dahinschmilzt wie Eis.

Genau so wie ich nicht eines Morgens erwachte und mir den Tod wünschte, kann ich nicht eines anderen Morgens erwachen und mir das Leben ersehnen.
Suizid ist nicht ein Körper, der kein Leben mehr trägt.
Suizid ist:
Der letzte (Überlebens)Lebenswille, der gestohlen wurde.

Samstag, 7. Dezember 2013

Knack

Tatsächlich: Der Finger ist angebrochen. Musste doch noch zum Arzt; Röntgenbild gemacht, Schiene drum gewickelt.
Das ist die Bedeutung reiner Blödsinnigkeit. Natürlich habe ich in den Spiegel auch mit der linken Hand geschlagen. Dabei wollte ich noch einiges für die Weihnachtszeit basteln bzw. Bilder zeichnen. Gut gemacht: Ein Bienchen für mich.

Ansonsten geht es mir heute überraschend gut. Was wirklich erwähnenswert ist und einen eigenen Blogeintrag verdienen würde. Nachher gehe ich mit meinen Bruder einen neuen Spiegel und eine Glühbirne kaufen. Denn passenderweise sitze ich im Dunkeln; was ich nie gut heißen kann. Im Dunkeln kommen die Stimmen, abgesehen vom Schwein, welches zu jeder Intensität auftaucht.

Der Sturm hat mich nicht erreicht, hat lediglich einen Meisenkolben von meinem Balkon herunter fallen lassen.
Meine Haare stehen in alle Richtungen ab.
Nächstes Jahr beginnen mein Bruder und ich eine Diät. 
Auf das Geschenkpapier habe ich Kaffee geschüttet.
Danke für eure Kommentare. Diese haben mich sehr aufgebaut. Ihr seid besonders!
Bei 80.000 Seitenaufrufen kommt auch mal wieder ein Gewinnspiel, oder bei 280 Lesern. =)

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Limitlos

Oh ja, den Verstand verliere ich oft.
Die Wut ist abgeebt. Wenig.
Der Badezimmerspiegel allerdings hat sie nicht überlebt.
Meine Hand - knapp:


Es ist nicht so lange her als ich das letzte Mal meinem Spiegelbild eine verpasst habe.
Und nein, ich gehe nicht zum Arzt. Es schmerzt nicht einmal. Nicht im Vergleich zu meinem Kopf.
Wann wir der Tag kommen, an dem Selbsthass keine Limits mehr kennt? 

Katzenjammer

In der Nacht fand ich die überfahrene Katze von der netten alten Dame nebenan. Nach anfänglichem Schock und Unsicherheit habe ich Herrn Opfer angerufen, Überraschungsanruf um punkt 00.00 Uhr, und konnte mich gar nicht mehr beruhigen. Nicht, weil sie die erste tote Katze war, die ich in meinem Leben gesehen habe, sondern weil sie tot gefahren wurde. Meinerseits ist das Begründung genug, vollkommen aus der Haut zu fahren.
Herr Opfer hat mich weinend, schluchzend aufgelesen. Kurz dachte ich mir "Der arme Kerl sieht mich nur mit Tränen in den Augen und hyperventilierend", doch kurz darauf waren wir schon unterwegs zur Wohnung der Besitzerin. Das Tier trug er, eingerollt in seiner Winterjacke.

Die alte Dame reagierte entsprechend, nehme ich an, emotional. Anschauen wollte sie die Katze nicht mehr, weil sie "ihr Kind anders in Erinnerung behalten möchte". Was auch ok ist, wenn man denn die Wahl hat. Ihr Ehemann nahm die Katze und trug sie in den Garten.

Diese Nacht durfte ich bei Herr Opfer verbringen und bevor er zur Uni los musste, hat er mich freundlicherweise mit der S-Bahn nach Hause gebracht. Alleine hätte ich dies nicht mehr geschafft. An Autos zu denken ist nicht nur eine Qual, sondern eine absolute Horrorvorstellung.
Manchmal werde ich einfach das Gefühl nicht los, dass mein gesamtes Leben nur noch aus Angstszenarien und fanatischen Wunschvorstellungen besteht. Immerhin gibt es Menschen, die hinschauen mussten, bei ALLEM, auch wenn sie es NICHT WOLLTEN! Und nicht jeder Mensch hat einen netten Partner, der einen sowas erspart, tatsächlich nicht.

Eigentlich geht es gar nicht um die Frau und ihre Katze, oder ihrem Ehemann, oder das Wegsehen, worum es sich dreht, weiß ich gar nicht. Ich bin nur so wütend. Unglaublich wütend; schmerzhaft zerreißend. Es ist Rage, die ich gar nicht in Worte verfassen mag, weil sie so zerglühend an den äußeren Käfigwänden brennt und sich innen drin in Eiseskälte verschlingt.
Verschwindet einfach alles von mir! Kommt mir nicht zu nahe! Nie wieder will ich ein Auto sehen, einen Mann oder Fäuste! Nie wieder denken! Nicht verängstigt die Augen schließen und beten "Bitte, bitte lass es so schnell wie möglich vorbei gehen!" Ach Scheiße, verdammt. Eigentlich will ich GAR NICHTS mehr!

Aufhören, aufhören, lasst mich in Ruhe. Aber verlasst mich nicht. Verschwindet. Obwohl ich alles tun würde, damit ihr an meiner Seite bleibt.
Sie sind laut. Und es brennt.
Scheiße.
VERFICKTE SCHEISSE.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Element der Sicherheit

Element der Sicherheit
Im Takt des blinden Glaubens


"Vertrauen Sie uns einfach. Wir haben alles unter Kontrolle."

(Tatsächlich sprach mein Psychiater gestern diese Worte aus, mir gegenüber. Diese Nacht war verflucht von Verfolgungswahn und Panikattacken.)

Montag, 2. Dezember 2013

Eskapist

Es ist nicht richtig
an den Himmel zu glauben,
nur damit man sich einreden kann,
dass eines Tages
jeder Fehler ungeschehen,
jedes Versagen vergessen,
jedes Unrecht vergeben ist
und man alles hinter sich lassen kann.

Es ist nicht richtig
an Menschlichkeit zu glauben,
nur damit man sich einreden kann,
nicht so sein zu müssen
wie der Rest,
der Fehler nicht ungeschehen machen können,
Versagen nicht vergessen und
Unrecht nicht vergeben
und doch
immer nach vorne schauen.

____

Alpträume. Entsetzliche Alpträume.
Und Aufwachen ist nicht leichter. 
Tabletten. Eine Hand voll Tabletten.
Hilft nicht.
Fluchtinstinkte alarmierend.