Seiten

Montag, 31. März 2014

Zerfallend

Am Freitag war ich einkaufen und habe mir zwei Kleidungsstücke gekauft, die ich eigentlich nicht brauche.
Noch immer habe ich ein verfolgendes schlechtes Gewissen. Immerhin handelt es sich um 30 Euro.
Derzeit spiele ich mit den Gedanken, sie wieder zurück zu bringen. Doch das wäre übertrieben? Was denkt ihr?
Irgendwie bin ich in dieser negativ-Spirale verloren; egal, um was im Speziellen es sich dreht. Mein Kopf lässt den Prozess nicht los, dass ich nichts verdient haben könnte. Keine Kleidung, keine Aufmerksamkeit, keine Freu(n)de, kein Leben,... einfach nichts.

Wie eine verkümmernde Pflanze strecke ich mich nach dem letzten Licht, doch kann nichts mehr spüren. Das schlechte Gewissen, das Schuldgefühl, die Scham - etwas steht ständig zwischen der Sonne und mir.




(Danke für eure Kommentare. So bald wie möglich werde ich alle einzeln beantworten. Ihr seid wirklich lieb!)

Sonntag, 30. März 2014

Medikamente, Beamte und weitere Teufeleien

Für die unangekündigte Pause entschuldige ich mich. Die letzten Tage waren bestenfalls erniedrigend, schlimmstenfalls unverständlich. Zeit geht mir verloren, ich kann sie nicht mehr finden - weiß nicht, was zwischen einem Ereignis und dem nächsten geschieht. Doch gerade bin ich klar, nicht wissentlich an einem Ort.

Am Dienstag war ich beim Psychiater, der mir nicht glaubt, dass ich meine Medikamente wie vorgeschrieben einnehme. Zuerst trat er mir ein wenig zu nah, aber dann fiel mir ein, dass es durchaus sein könnte, dass ich nicht zu jeder Zeit wie geplant Medikamente nehme. Denn manchmal existiere ich nicht, oder habe keine Hände, mit denen ich das Glas Wasser und die Pillen greifen kann.
Jetzt haben wir eine Tabelle erstellt, die ich nach jeder Einnahme abkreuzen soll und nächste Woche wird er mein Blut testen. Als wolle er sagen: "Es ist ja nicht so, als würde ich Ihnen nicht vertrauen, aber man muss sicher gehen."
Morgens: 20mg Citalopram - ein SSRI zum Munterwerden, damit man durch den Tag kommt.
Mittags: 6mg Risperidon - ein atypische Neuroleptikum, um der Verwirrtheit entgegen zu wirken, die Stimmen zu dämpfen
Abends: 15mg Mirtazapin - ein tetrazyklisches Antidepressiva, welches beim Einschlafen hilft.
Notfallmedikamente:
10 mg Promethazin - ein Neuroleptikum zur Anwendung, wenn ich "Ritzdruck" habe und übliche Skills nicht helfen. Nicht, dass dieses Mittel dagegen hilft. Oder es ist dann einfach schon zu spät.
1-4mg Lorazepan - ein Benzodiazepin, welches Ängste löst, sediert und ungemein entspannend wirkt. Dies ist das einzige Medikament, welches ich zu jedem Zeitpunkt anhimmeln könnte, nur leider macht es stark abhängig....
Eine Liste von all den Mitteln, die ich schon verschrieben bekommen habe und "versucht" habe, wäre wohl noch mindestens doppelt so lang. Es geht mir besser; besser als vor zwei Jahren. Im Vergleich. Doch es engt die Gedanken ein. Als wäre ich nur funktionsfähig mit all dieser Chemie und selbst dann noch nicht einmal richtig. Stellt den Unmensch und all ihren kleinen Monster mit Tabletten ruhig, irgendwann wird sie wieder normal sein, irgendwann wird sie wieder einen Alltag leben können,... 

Welches ich auch Mittwoch bewiesen habe. Besuch habe ich keinen erwartet und als es an der Tür klingelte, habe ich so einen Ausraster bekommen, dass ich noch Stunden später Panikattacken bekam. Wahrscheinlich war es nur der Postbote, oder ein Zeuge Jehovas oder Ähnliches. Mein Herz fühlte sich an als müsse es expoldieren; immer, wenn ich wieder halbwegs beruhigt war, fing es von vorne an.
Von Mittags bis spät abends - ein Hin und Her-Gerenne wie eine Spießrutenjagd, Angst und Tränen, Schweißausbrüche und Herzschmerzen, im literarischem Sinne, meine Brust tat höllisch weh. Nachdem ich 4mg Lorazepam genommen habe, konnte ich nun endlich wieder in eine barmherzige Ohnmacht fallen. Von Alpträumen gequält, von körperlicher Ausgelaugtheit gepeinigt.
Ach, könnte ich doch einfach nur verschwinden. Oder hätte nur eine einzige Person, zu der ich selbst Mitten in der Nacht gehen kann. Es ist so eiskalt, in meinem Herzen, so verfroren in meinem Kopf.

Donnerstag kam der Tag, an dem ich zum Jobcenter eingeladen worden war. Wahrscheinlich noch beruhigt von den Medikamenten und der Tatsache, dass mein Bruder neben mir saß. Nun folgt der Clou: Ich weiß nicht, was im eigentlichem Sinne besprochen wurde. Weder kann ich mich erinnern, wie die neue Beamtin hieß, noch was sie wollte, nicht einmal wie mein Bruder und ich wieder nach Hause gekommen sind. Doch kann ich mich erinnern, dort gesessen zu haben.
Macht das einen Sinn? Wo soll das enden, wenn ich nicht einmal 20 Minuten konzentriert einer Dame zu hören kann? Eigentlich bin ich gar nicht hier. Es ist diese sogannente "eigene, kleine Welt", die allerdings kein Urlaubsparadies ist, das möchte ich unterstreichen. Gestrandet und verloren, auswegslos gedankenfern.
Ich müsse schnellstmöglich vom medizinischen Dienst untersucht werden - auf diesen Warte ich übrigens schon seit September letzten Jahres. Lächerlich, selbst ein Arzt, der dafür bezahlt wird, wenn womöglich auch nicht ausreichend, möchte keinesfalls fünf Minuten für ein Gesprach mit mir (also... wollen wir mal realistisch bleiben... ein Gespräch zwischen ihm und meinem Bruder) verschwenden. Würde er mir glauben, wenn ich den Mund aufmachen sollte? Wäre ich ein Lügner, genau wie für so viele andere Ärzte?


Obwohl ich niemand bin, der unentwegs menschliche Aufmerksamkeit braucht, denke ich, dass ich mich soweit isoliert habe, dass mir jegliche Beziehungen zu nahe gehen. Auf der anderen Seite... freue ich mich schon über liebe Worte, per SMS, Facebook, oder was auch immer, nur weiß man wohl nicht, was man mir sagen soll.
Von Einsamkeit mag ich nicht reden, doch vom Abgekapselt-sein. Für mich bedeutet das, dass es zwar Leute gibt, mit denen ich schreiben kann, aber ich nicht weiß, was ich sagen soll, ob ich etwas sagen kann und worüber. Dabei möchte ich Internetbekannschaften einfach mal ausschließen. Damit ist niemand persönlich gemeint, aber ich rede gerade nur von den Menschen, die ich persönlich auch kennenlernen durfte.
Jeder lebt sein Leben. Während ich noch an "alte Zeiten" denke, glaube ich nicht, dass mich jemand so vermisst wie sie es tun würden, wenn ich nicht so umständlich und unerreichbar wäre. Der Rest entfernt sich einfach.
Meine beste Freundin lebt in Leipzig, welches einfach so weit weg ist. Nicht einmal im selben Bundesland leben wir, dann wäre die Bahncard vielleicht erschwinglicher. Sie studiert und hat immer einen vollen Terminplan. Darüber freue ich mich sehr. Sie hat wirklich verdient, was sie sich aufgebaut hat und noch immer aufbaut. Doch ich vermisse sie. Täglich.
Zwei meiner guten Freundinnen haben inzwischen Kinder bekommen, um die sie sich - natürlich - fursörglich kümmern. Es kommt kein "Wie geht es dir" mehr, oder Bilder von den Babies, auch nicht, wenn ich als erstes schreibe. Das heißt wohl genau das, was ich darein interpretiere: "Spar dir deine Zeit und schreib nicht mehr."
Herr Opfer möchte eigentlich nur Sex. Den kann ich ihn nicht mehr geben. Seitdem ich das auf den Tisch gebracht habe, sind seine Nachrichten und "Kämpfe für ein zu Zweit" abgeklungen bis letztendlich nicht-existent. Überrascht es jemanden? Wohl kaum. Was soll ich weiter dazu sagen? Es ist wie er damals schon immer sagte: "Du bist fett und hässlich. Bist nicht einmal sonderlich schlau, hast Geld oder hast besondere Talente. Prinzipiell bist du nur zum Ficken zu gebrauchen. Selbst darin bist du nicht mal gut." Bingo.
Bei den letzten zwei Freundinen a.k.a. alte Arbeitskolleginnen tut es derzeit besonders weh. Während wir zusammen arbeiteten, haben wir und alle gut verstanden, über vieles reden können, zusammen lachen können... Freitag waren wir zusammen 'shoppen', abgesehen davon, dass es wohl wenig Freude bereitet mit einem Hartz4-Empfänger einkaufen zu gehen, kam ich mir offen gestanden, außenstehend vor. Wir redeten, keine Frage. Jegliche Mühen gab ich mir, so umgänglich wie möglich zu sein, doch ich war nicht stetig dort. Vor Allem in den letzten Stunden ließ meine Konzentration nach und die Angst wuchs. Mir fehlten Arme und ich stieg auf meinem Körper und beobachtete die Beiden. Sie sind inzwischen ein eingespieltes Team, gehöre ich dort eigentlich noch hin? (Unter Umständen gibt es dazu noch einen einzelnen Post, weil mich dies derzeit arg belastet... Mal schauen.)

Vielleicht liegt es daran, dass mich eigentlich keiner wirklich kennt. Keiner weiß um das Schwein, das Frettchen, Nummer 1 und Nummer 2. Sie wissen nur geringfügig Bescheid über die Panikattacken, wissen aber nicht um die Traumas aus der Kindheit und derren Konsequenzen - sprich: Die Dissoziationen, die Flashbacks, die Amnesien und Stückhaftigkeit, die Vermeidung und den Interessenverlust, die Unfähigkeit so zu fühlen wie sie fühlen. Ich wüsste nicht, wie ich es erklären sollte, ob man mich abstoßfen würde, ob man es verstehen würde....

+ ~ +

Edit:
Foto gelöscht, da ich gerade keine Komplimente über Augenfarben oder Sonstiges ertragen kann, wenn es durchaus gerade gewichtigeres gibt. Trotzdem Danke für eure Unterstützung.

Sonntag, 23. März 2014

Werbepause

Wie lange ist es her, dass ich den Gemeinschaftsblog "Projekt Brunnen" beworben habe? Scoriat hat ein paar sehr innovative Änderungen vorgenommen und wir freuen uns über jeden Besucher und natürlich Teilnehmer.

 + ~ +

Für den Ausfall jeglich brauchbarer Gedichte und Kurzgeschichten entschuldige ich mich hiermit. Geschätzt habe ich rund dreizig-fünfunddreizig angefangene Texte auf den PC gespeichert, aber immer wenn ich mich dazu entscheide, einen zu beenden, stellt Gehirn auf Durchzug.
Zersetzt durch ein gewisses Maß an repetetiven Denkmustern verlässt mich der Drang, mich zu öffnen. Noch immer habe ich weder schlafen noch sprechen können. Nicht einmal mit meinem Bruder, welches streng gesehen, nicht so schlimm ist.

Das Schwein lässt mich über Klingen fantasieren, welches streng gesehen, schlimmer ist als es scheint. Abgelenkt und unkonzentriert verstreichen die Stunden. Zähle sie schon bis zum Termin am Donnerstag beim Jobcenter. Wisst ihr, ... ich möchte einen Beitrag für die Gesellschaft leisten, aber ich habe solche Angst. Schon vor so einem Termin kann ich nicht schlafen, nehme übermäßig Medikamente und drehe total ab. Was soll ich machen? Wie kann ich das ändern? Grundlose Panikattacken, peinigender noch die Körperentfremdung - bis ich mir weh tun muss, um diesen Körper wenigstens wieder wahr zu nehmen, zu spüren. Das Schwein erleichtert nichts. Frettchen und Nummer 1 auch nicht.
Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll....

+ ~ +

Samstag, 22. März 2014

"Du hast nichts besseres verdient." + Fisch-Update

Täglicher Horror: Das Leben als Bestrafung.
Ich fühle mich widerlich angewidert. Könnte ich doch nur aus meiner Haut heraus kriechen.
Langsam verlässt mich der Wille, mehr und mehr. Und ich kann nicht einmal genau erläutern welcher Wille; der Wille zu Leben, zu Überleben, am Leben teil zu nehmen?
Nachhallerinerungen fluten meinen Kopf, erobern meine Sinne. Lebhafte Bilder verdammter Erinnerungen, die ich lieber vergessen möchte.
In mir ist es dreckig. Alles an mir ist ekelerregend. Ein Karusel aus Scham und Schuldgefühl, aus Suizidabsichten und Hilflosigkeit, aus Panik und Entfremdung. Aus diesem Grund mag ich diesen Körper nicht mehr spüren, ihn nicht mehr sehen, ihn verdrängen. Löse ich mich auf ohne zu Verschwinden? Gott, wie absolut nutzlos, grundlegend ineffektiv in allen Lebenslangen, kann ein Mensch eigentlich sein?

An den Beinen bluten sachte Wunden.
Den Rumpf und die Flanken zieren Hämatome.
Die Arme aufgekratzt und krebsrot von erniedrigenden Duschszenarien.
Noch immer ist es nicht genug, habe ich es auch verdient, wie eh und je.
Noch immer kann ich nicht behaupten, diesen Körper zu fühlen.

Trotz Allem... ich versuche noch...
Wenigstens die Zeit totschlagen.
Mein Zimmer ist sauber. Ich hab abgenommen, trotz korrekter Einnahme der Medikamente. Wenn diese Angst nicht wäre, würde ich vielleicht sogar raus gehen, solange die Sonne noch scheint. Aber das ist vorerst Wunschdenken.
Durch übersinnliche Chatkünste konnte ich meinen Bruder überzeugen, mich zum Jobcenter zu begleiten. So brauche ich wenigstens keine Tavor einwerfen, um nicht vollkommen die Fassung zu verlieren. (Das ist schon passiert. Bei einer Fortbildungsmaßnahme, am ersten Tag... Früh war ich noch mit der S-Bahn unterwegs, dann kommt ein riesiger Filmriss und abends bin ich in der Klinik aufgewacht. Einen Wiederholungsbedarf gibt es nicht...)
Was gibt es noch Positives zu berichten? 
Meine Fische sind toll.
Den acht Corydoras Pandas geht es bestens:


Und von Kapitän Blaubär a.k.a. Nemo beschwert sich auch nicht:

Freitag, 21. März 2014

Übermüded

Ein Uhr morgens und ich kann nicht schlafen. Oder ich habe bereits zu viel geschlafen. Das macht zwei, und mit den Tabletten macht es drei. Sie schmoren in meiner Kehle, während Chemikalien liquidieren - sie formen sich zu Worten. Darüber gibt die medizinische Literatur nichts preis. Es gleicht sich mit der Taubheit in meinen Beinen. Zuerst breitete sich ein Kribbeln aus, über die Zehen in die Füße und als dieses bei den Kniekehlen ankam, folgte gar nichts mehr. Was an sich eher antiklimaktisch klingt. Immerhin könnte es sich lediglich um eine Nebenwirkung handeln, oder Diabetes, oder ein Blutgerinnsel. In ein paar Monaten muss womöglich mein Fuß amputiert werden und vielleicht sterbe ich im Krankenhaus, weil irgendwas schief gelaufen ist. Kindergräber vor meinen inneren Augen, davon gibt es viele, wenn auch nicht ausreichend mit Bedeutung.
Nächste Woche habe ich einen Termin zur Beratung beim Jobcenter, erneut, bei einer anderen Beamtin. Man müsse meine berufliche Zukunft besprechen. Ich sehe nur Angst, die auffrisst, dahinter Medikamente, um der Angst ihren Nachdruck zu nehmen. Wie ein kleiner roter Hund mit langen Beinen und kurzen Ohren. Unaufmerksam.

Herr Opfer hustet neben mir, doch erwacht nicht aus der Traumwelt. Wie immer er dies auch macht: Er kann durch jeden Sturm, jeden Schrei durchschlafen. So friedlich schaut er aus, obwohl mir theoretisch bewusst ist, dass nichts friedlich sein kann, wenn ich schlaflos neben ihm liege. Sanft berühre ich seine Augenbrauen, leicht wie Schmetterlingsflügel. Noch letzte Woche verlangte er, Erklärungen für mein Verhalten, wollte Entschuldigung für mein Nicht-Verhalten; ich solle verschwinden, schrie er. Es war das erste Mal, dass er seine Stimme erhoben hat. Antworten konnte ich nicht. Geflutet von Vergangenheit und Panik versagte mein Verstand, meine Stimme.
Erst ein paar Tage später schrieb er mir eine Nachricht auf Facebook: "Es war nicht richtig, was ich gesagt habe. Ich wollte nicht laut werden. Du sollst nicht verschwinden." Nur mir selbst erwiderte ich ein 'Unsinn, du weißt gar nicht wie oft dies zu mir schon gesagt wurde. Wie sehr ich mir das selbst schon wünschte'. Nur sprechen konnte ich nicht. Auch wenn es ziemlich geheuchelt scheint, von beiden Seiten, dass ich gestern trotzdem mit ihm geschlafen habe, schweigend. Wie eh und je.
Ob dies hier Realität ist? Seine Haare scheinen real: Auffassung ist Realität, richtig?
In meinem Kopf rotieren Vorwürfe, leise flüchtet ein "Es tut mir leid" durch meine Gehirnwindungen, doch er wacht nicht auf. Als damals mein Cousin neben mir gelegen hat, wachte dieser auch nie auf. Doch ich lag wach. Erstarrt klammerte ich mich an meine Decke und flehte. "Bitte, lieber Gott, bitte hilf' mir", auch wenn ich nie wirklich in Worte fassen konnte, wobei er mir hätte helfen sollen. Nein, können. Inzwischen möchte ich einfach nur vergessen. Alles, an sich, alles. Für Schlaf, für Frieden. Doch ein Mädchen ohne Sprache kann vielleicht nicht zur anderen Seite.

Auf seiner Couch, neben dem Schwein, zwischen Angst und Gedankenrotation schwitz-friere ich. Das hat mein Körper auch früher gemacht. Nicht, dass es einen Unterschied macht, denn ich beobachte ihn von Weitem. Vielleicht weiß ich gar nicht, was ich fühle und die ewige Angst ist eigentlich keine Angst. Weißt du? Unter Umständen sind auch die Nebenwirkungen meiner unaussprechlichen Sprachlosigkeit, oder Arthritis, oder eine Pollenallergie.
Wie soll nur das Gespräch mit der Frau vom Jobcenter enden, wenn ich nicht sprechen kann. Es ist nicht so, dass ich nicht möchte, ein Leben und so. Starren wird oft als Unfreundlichkeit gewertet. Bestimmt drohen sie mir wieder mit Kürzungen, wegen der Angst, oder Maßnahmen, wegen der Angst, allem, wegen der Angst. Alles macht mir Angst. Kann das nur eine verstehen?
Ich weiß nicht einmal wie ich zum Jobcenter hinfahren soll. Irgendwann muss ich sterben, so wie ich es damals unter der Decke neben meines Cousins schon wollte, oder zu den Zeiten, wenn mein Vater die Kontrolle verlor - welches zu oft war, oder als meine Mutter uns verlassen hat, oder als meine Klassenkameraden mir das Leben zur Hölle machten, oder ich perspektivlos in alle Richtungen des Lebens schaute - oh, Moment, das ist ja noch immer so. Heißt das, ich wollte eigentlich immer sterben? Der Gedanke an die Einsamkeit in eingesperrten Zimmern bringt mich um. Eigentlich bin ich schon tot. Nicht nur die Beine sind taub. Herr Opfer hustet wieder. Er weiß gar nichts, kann nichts verstehen und trotzdem tat es mir leid, dass ich zu Weinen angefangen habe als wir Sex hatten. Eine Welle Übelkeit überrollte mich, schwemmte mich fort. Wäre ich ein Fisch gewesen, wäre ich wohl mit ihr geschwommen. Doch ich war und bin ein Stein, der sinkt und sinkt und sinkt.
Der Sonnenaufgang läuft in Zeitraffer an mir vorbei. Mein Körper fühlt sich so falsch an, diese Gedanken sind falsch. Könnte ich doch nur schlafen.

Mittwoch, 19. März 2014

"Es nicht so, dass ich ein Mann sein möchte, doch genau so wenig eine Frau."

Am Wochenende war ich ein Junge. Eigentlich bin ich öfter männlich als weiblich.
Damit möchte ich nicht sagen, dass mich mein Geschlecht irritiert, gar meine Sexualität. Nein, eigentlich bin ich mir bewusst, dass manche Tatsachen nicht zu ändern sind, schwer zu übergehen, und inzwischen bin ich so gut im Setzen von falschen Akzenten, dass ich mich quasi entscheiden muss, was ich durchlebe. Für einen Tag, oder einen anderen.
Vielleicht liegt es daran, dass man aus mir lieber einen Jungen hätte machen wollen, obwohl ich von stereotypischen Charakterzügen ein ziemliches Mädchen war. Eigentlich wäre ich lieber gar nichts von Beidem. Alles oder nichts, gar nichts und gleichzeitig irgendwas. Wenn dies nicht schon verwirrend genüg wäre; meine Existenz fühlt sich ganz simpel gesagt einfach nicht richtig an. Ich muss niemandem ein Geschlecht vorspielen, obwohl ich es tue, sondern ich muss Menschlichkeit vorspielen, obwohl ich darin nicht geschult wurde. Jedem eine Rolle vor zu spielen ist ekelerregend und ermüdend. Ein Balanceakt zwischen abgebundenen Brüsten und aufgeklebten Wimpern: Den einen Tag schminke ich mich zur Unkenntlichkeit und posiere für ein Foto, welches ich mir immer wieder ansehen muss, um mir selbst zu beweisen, dass ich ganz normal bin so wie ich bin. Am nächsten Tag trage ich eine Kurzhaarperücke, kleide mich in den alten Sachen meiner Brüder - sogar die alte Soldatenuniform meines Vaters, klebe mir einen Bart an und klebe alle Spiegel ab, damit ich nicht erblicken muss, dass ich ganz normal bin ich wie ich bin.

Nun gut, es ist ja keine Alltäglichkeit. Nur wenn ich nicht Ich sein kann und mich nicht entscheiden kann, was ich sein soll oder müsste oder möchte oder sollte. Zu Mindest erklärt es ein wenig, warum ich mir so oft die Haare färbe. Immerhin wechselt die Toleranzgrenze täglich, welche darüber entscheidet, wie sehr ich meinen Anblick und mich selbst ertragen kann.
Die Geister, die ich rief, lachen mir im Spiegel entgegen.
Wenn mein Bruder da ist, weiß er nie, wie ich reagiere. Erst möchte ich einen Film mit ihm sehen, dann möchte ich allein am PC sitzen, dann möchte ich ein Ballerspiel auf der Playstation spielen, dann die Fingernägel lackieren, dann ein Buch lesen, welches mich vor zwei Stunden noch überhaupt nicht interessiert hätte, dann das, dann das, dann das, dann das,... Ich habe auch keine Freunde mehr, die sich mit mir sehen lassen wollen. Es kann passieren, dass sie zu einer Verabredung eine Person einladen, die sie nicht kennen.
Dabei habe ich gelernt, mich an zu passen. Ich meine, ich habe Bücher gelesen - über Sozialverhalten und Sitten. Habe Gestiken und Mimiken geübt, um nicht nur ein Teil, sondern ein Ganzes zu sein. Im Eifer des Gefechts haben sich Klischees und Bücherwissen vermischt, und ich kann mir selbst nicht vertrauen, eine Person zu sein.

Dieses Spiel dreht sich schon seit Jahren wie dieser Kreisel. Angefangen hat es als damals meine Mutter ging - ohne jetzt vorwurfsvoll klingen zu wollen. Feststellung ist eben Feststellung.
Meine Haut ist mir zu wider. Mir ist es selbst so peinlich. Immer wieder muss ich ändern und wechseln: Geschlecht, Äußerlichkeiten, sogar Charakterzüge. Nur kann ich inzwischen nicht mehr selbst entscheiden, wann ich wer bin. Das meine ich nicht im Sinne von dissoziative Identität, ich bin jemand anders in einem Körper, ich bin niemals ich in diesem Körper. Es ist als würde ich ein Unmensch sein, der sich stets formt. Macht das überhaupt Sinn?

Dienstag, 18. März 2014

Alcohol is free(ing)

Manchmal überrascht es mich, dass es doch circa zwei Mal im Jahr passiert, dass mich jemand zu einem Zusammentreffen überredet. Wenn ich tatsächlich dort erscheine, habe ich das Gefühl, dass absolut jeder im Raum versucht, diese paar Stunden so unangenehm wie möglich zu gestalten.
Die ganze Zeit wird über den alten Arbeitsplatz, teure Anschaffungen, zu preisgebende Persönlichkeiten, etc. geplabbert. Es gibt gar keinen anderen Ausdruck: Das Schwein und ich gehören hier einfach nicht hin, oder dort, oder irgendwo.

Bedauerlich im Sinne der Aufdringlichkeit sind auch die ständigen Angebote für Alkohol. Keine Begründung scheint begreiflich zu machen, dass ich nichts trinken möchte. Unverträglichkeit ist keine Ausrede, Medikamenteneinnahme ist es nicht, schlechte Erfahrung ist es nicht, den Geschmack nicht mögen ist es nicht, "kein Bedarf" erst recht nicht.
Erwartet man Sätze wie "Ich möchte keinen Alkohol trinken, weil mein Vater schwerer Alkoholiker ist und mir früher im Rausch Gewalt angetan hat"? Wahrscheinlich wären einige selbst dann nicht überzeugt. Gestern habe ich die Nachfrage mit meinem Gehen beantwortet.
Genug ist genug. Immerhin brauche ich keinen extra Alkohol, um extrem schlechte Entscheidungen zu trffen.

Sonntag, 16. März 2014

Blasphemie

Mit lauter, verzehrter Stimme rief die junge Frau durch den Bahnhof:
"Das Einzige, was diesen Leuten heilig ist, ist ihre Blasphemie."
Mir dreht sich leicht der Magen um, unangenehm und schmerzhaft, denn ich bilde mir ein in ihren Augen sehen zu können, dass sie weder Gut noch Böse jemals getroffen hat. Nicht in göttlicher Form, nicht in menschlicher.
Wer ist sie schon? Wer ist sie schon, um sich ein Urteil über "diese Leute" und ihre Heiligkeiten zu erlauben?

Nichts-sagend stiere ich nun krampfhaft in die andere Richtung.
Immerhin frage ich mich im selben Atemzug, wer ICH bin, um an ihrer größenwahnsinnigen Aussage zu zweifeln?

Die S-Bahn kommt pünktlich und ich sehe den Menschen, und ihr, lediglich nach wie sie durch die Türen einsteigen. Mich hat der Mut verlassen - weder möchte ich mit diesen lastenden Gedanken in die vorhergegebene Richtung fahren, noch möchte ich ein weiteres Wort aus diesem Mund hören.
Mein Ziel habe ich heute nicht erreicht.

Samstag, 15. März 2014

Dusche

Blass-rotes Wasser fließt meine Beine hinab, doch kann ich diesem Fluss nur hinterher starren.
Die Temperaturanzeige am Wasserhahn deutet auf die heißeste Funktion hin. Auch das ist nicht genug. Die Haut schält sich nicht vom Fleisch. Ich spüre lediglich einen Hauch. Nichts macht einen Unterschied, einfach gar nichts mehr.
Denn Dampf steigt in meine Augen und wenn ich mir nur genügend Mühe gebe, kann ich mich in ihm auflösen. Nichts an diesem Körper ist real. Oder an dieser Vorstellung, diesem Geiste. Dennoch scheint es purer Verzweiflung, eine manifestierte Angst vor dem Vergessen-werden, mit welcher Besessenheit ich am Spiegel reibe, um meine verzerrte Refletkion zu sehen. Vielleicht kehre ich eines Tages zurück. Vielleicht erblicke ich eines Tages eine Person im Spiegel, die ich kenne. Nicht jeden Tag einen Fremden.

Freitag, 14. März 2014

Fluch

Menschen, die mich zu lange umgeben, erstarren.
Nicht nur emotional. 

Dienstag, 11. März 2014

17 Minuten zur Brücke

Papierkraniche und Streichholzzäune. Kindheitsträume und Wunschvorstellungen geistern im Kopf umher: Alles hinter sich lassen, vergessen, glücklich sein. Als wäre es so einfach, lediglich möglich. Der Ablauf ist gewohnt, vollkommen klar unerreichbar, doch das Schwein ist beschäftigt mit Windspielen. Scheiß auf Windspiele, richtig? Zahllose Nächte lag ich wach und lauschte ihnen, oder Autos, verdammt - ich kann nicht mehr schlafen. Nur wenn ich halb-komatös zusammenbreche, wandelt sich die Welt. Manchmal werde ich von Soldaten verfolgt, manchmal ertrinke ich in klebriger Masse, manchmal heirate ich einen Serienmörder, der Leichen in Rollstühlen zur Schau stellt, manchmal sehe alte, zusammenbrechende Häuser, warum auch nicht? - im Traum.
Wenn ich wieder erwache, schweißgebadet und aufgeschreckt, liegt das Schwein neben mir, regulär ohne Standbein. Die Welt ist dann wieder wie immer: Sorgen und Suizidgedanken, Bankauszüge und "Reiß' dich doch einfach mal zusammen". Menschen sterben. Menschen leiden. Und diese widerlichen Windspiele bringen Menschen um den Verstand. 
Ich werfe Steine
und kein Glas der Welt bricht.

Ärzte sprechen darüber. Sie sagen, ich sei nicht richtig. Erklären mir, warum, und ich verstehe es, aber irgendwie auch nicht. Irgendwas schwebt zwischen Komplex und Posttraumatischer Belastunsstörungen, also eigentlich Krieg, und schwerwiegende Angsstörungen oder Episoden und Affektregulation und Dissoziation und Amnesie und Reviktimisierung und Trauma,.... und Verischerungen, die nichts übernehmen.
Es steigt der Drang, sich zu waschen.
Zum Beispiel muss ich Türen schließen und den Türknopf sechs Mal drücken, doch sieben mal ziehen, denn der Akt des Schließen zählt Minus Eins. Gerade Zahlen. Das Schwein meint nur, ich müsse es nicht tun, doch ich muss, weißt du? Ich muss.
"Du wirst sehen, einmal im Leben tritt jemand in deine Präsens und er ist der Richtige", sagte eine Arbeitskollegin zu mir. So wie bei Romeo und Julia, abgesehen davon, dass am Ende des Buches sechs Leute sterben. Vielleicht ist dieses eine Mal aber auch schon vorüber und die Chance ist einfach an mir vorbei gegangen. Wie so Vieles, deshalb schmeiße ich mit Nichtigkeit um mich. Wir können mit Chaos umgehen. (Und mit "wir" meine ich nicht mich.) Wenn es ihn noch gibt, den Richtigen, mit freien Willen, wird er jedoch einsam wählen - genau wie ich es wähle, Menschen dafür bezahlt werden zu lassen, mir bei zu bringen, was "normal" bedeutet.
Diese verdammten Windspiele bringen mich durcheinander.


"Traurigkeit ist auch nur ein Gefühl."
"So oft geblutet, es wurde zur Kondition."
Irgendwann renne ich davon. Jetzt schon höre ich die Autobahn mir entgegen brüllen: Stop! Warte! Du bist nicht verrückt. Mit mechanischen Stimmen, Computer-chronologisch, die Sekunden zählend.
Ich bin so müde und finde keine Ruhe. Würdest du mir die Wahl geben, ich würde meine Innereien für dich auskotzen und weniger Nadelbäume wählen. Definitiv würde ich die Windspiele abhängen und die Nachbarin damit erwürgen.
Und das Schwein...
nur das Schwein...
so lange sie micht nicht einweisen, ist es wohl nur krank, doch nicht gefährdend.

Sonntag, 9. März 2014

"Auffassung ist Realität."

Diesen Satz habe ich meinem Therapeuten immer und immer wieder gesagt. In letzter Sitzung, in der vorherigen, in der davor. So oft habe ich es gesagt und dieser eine Satz hat so viel Bedeutung für mich, dass ich gar nicht so recht erklären kann, warum dies so ist.
Egal, über was er mich belehren will, ich antworte damit und er ignoriert es komplett. Möchte er nicht darauf reagieren? Weiß er nicht wie? Verstehe ich nicht, warum ich immer wieder diesen Satz von mir gebe?

Kannst du mir sagen, warum gerade dieser Satz mein Mantra ist? Nicht, dass ich es nicht wüsste, und ich denke auch, der Therapeut weiß genau, was ich meine. Aber warum antwortet keiner darauf?
Ich bin verwirrt.
"Auffassung ist Realität und für mich ist das die Realität über die Auffassung."


____________________

Noch was ganz anderes:
Wenn du dich in nächster Zei grundlos dumm fühlst, erinnere dich daran, dass ich gestern eine viertel Stunde darüber nachgedacht habe, wann mein Bruder eigentlich Geburtstag hat.

Und erst nach dieser langen Bedenkzeit fiel mir ein, dass er am selben Tag Geburtstag hat wie ich...
Ah... der süße Geruch von Blödsinnigkeit. 

Freitag, 7. März 2014

Angstmodus

Es tut mir leid, dass in den letzten Tagen keine brauchbaren Texte von mir kommen. Doch ich habe wirklich körperliche Schmerzen in einem Maß, welches ich nicht gewohnt bin. Meine psychosomatischen Rückenschmerzen erleichtern sich nur mit den Schmerztabletten, erschwerend kommt jedoch hinzu, dass ich ständig Panikattacken bekommen. Zu Hause, vollkommen grundlos.
Habe ich solche Angst vor den Schmerzen, dass es sich zur Panik entwickelt?
Ist es der unterdrückte Fluchtinstinkt, der durch die Bewegungsunfähigkeit zu Schaden kommt?
Kommt die Angst nur um der Angst Willen?
Ich weiß es nicht. Nicht, dass dies ohnehin einen Unterschied machen würde.

Heute früh habe ich auch wieder bewiesen, dass wohl gerade diese Angst eines Tages mein Ende sein wird.
Der Auslöser einer der heftigsten Attacken der letzten Tage war nicht etwa Menschenmassen, ein verachtender Blick, dahergefogene Worte von Fremden oder ähnliches, nein, das Vibrieren meines Handys. Ich dachte tatsächlich, ich müsse sterben. Dieser simple Anruf hat mich sich fertig gemacht, dass ich voll in den Panikmodus geschaltet habe - mitsamt Schwitzen, Atemnot, Weglaufen. Es ging so weit, dass ich mich so in diese Angst hinein gesteigert habe, dass mir schwindelig wurde und zusammengeklappt bin. Am Boden angekommen, muss ich mir wohl den Schädel angeschlagen haben, denn der brummt jetzt zusätzlich.
Ja, ihr habt richtig gelesen: Es hat lediglich mein Handy vibriert und ich hätte es schaffen können, mir den blöden Schädel krankenhausreif schlagen zu können.
Seither habe ich keinen Blick mehr in Richtung meines Handys gewagt. Um genau zu sein, war ich nicht einmal mehr im selben Raum. (Das könnte aber auch daran liegen, dass mein Mitbewohner inzwischen im Wohnzimmer sitzt und ich es nicht ertragen könnte, ihm zu begegnen.)

Einen Termin beim Kardiologen habe ich schon nächste Woche. Vielleicht sollte ich ihm das mit den Schwindel durch Panikattacken schonend beibringen, damit er wirkliche Untersuchungen durchführt und mich nicht nur entgeistert anschaut.
Ich fühle mich einfach... schwach. Wisst ihr, was ich meine? Schmerzen machen einen so unfähig. Seelische Schmerzen hilflos. Seit Tagen kann ich nicht mehr sprechen, durch den Rücken kann ich nicht liegen, durch den Magen kann ich nicht sitzen, durch die Angst kann ich nicht raus gehen,...

Mittwoch, 5. März 2014

Rückenschmerzen

Heute habe ich mich also erneut zum Arzt geschleppt. Schon seit Wochen warte ich darauf, diesen Termin wahrnehmen zu können. Denn der Schmerz, der sich von den Lendenwirbeln über den gesamten Rücken verteilt, wurde immer intensiver und unerträglicher. Ich kann nicht mehr zu lange sitzen oder zu lange liegen, kann nicht mehr einschlafen und wache durch unbewusste Bewegungen ständig auf. Erschwerend fügt sich hinzu, dass mir ständig schlecht wurde.
Da ich von meiner gewohnten "Um-Himmels-Willen-ich-muss-die-Wohnung-verlassen-und-mit-einem-Arzt-sprechen!"-Phobie nicht reden möchte, komme ich zu der professionellen Diagnose: Alles psychosomatisch! 
Natürlich, was denn auch sonst, wenn man mich sieht? Kurz erwähnte, dass ich mich wegen meiner psychischen Beschwerden in Behandlung befinde, das seit Jahren, und bisher noch nie Rückenschmerzen hatte. Letztendlich tastete er den Rücken erneut ab, sagte ich, ich solle mich mehr bewegen, es mit Wärmebehandlungen und Entspannungsbädern probieren, verschrieb mir Schmerzmittel und einen neuen Termin in vier Wochen vereinbaren. Falls der Schmerz bis dahin nicht besser geworden ist, wollte er weiterführende Untersuchungen einleiten. Mit Bedacht fügte er dazu, dass er mich zusätzlich gerne zu einem Kardiologen überweisen möchte, der ein EKG machen soll. Mein Herz pochert unregelmäßig, welches von den ständigen Panikattacken kommen könnte. Dies mache ihm mehr Sorgen als die Verspannungen der Rückenmuskulatur. Es würde auf jeden Fall erklären, warum mir schwindelig und schwarz vor den Augen wird. 

Jetzt werde ich noch schnell losflitzen, um mein Rezept in der Apotheke ein zu lösen. Diese Wärmepflaster sind ziemlich teuer, habe ich schon gesehen, deshalb werde ich mir wohl nur eine Warmfläsche umbinden und weiterhin fleißig mit der Kytta-Salbe einreiben. Hoffentlich behält der Arzt recht, und das wird bald wieder. Doch offen gestanden, für dieses Gespräch und Ibuprofen hätte ich auch zu einem regulärem Hausarzt gehen können. Sieben Wochen waren einfach eine sehr fordernde Wartezeit. 
Nachher muss ich meinen Bruder noch überzeugen, dass er bei dem Kardiologen anruft, um einen Termin aus zu machen. Das wird ja auch wieder einige Wochen dauern... 

Der medizinische Dienst von der Agentur für Arbeit hat sich im Übrigen auch noch nicht gemeldet. Auf diesen warte ich seit letztem August. 

Dienstag, 4. März 2014

Keine zweiten Chancen

Genau genommen, bin ich keine Person. Nicht direkt. Mehr nur ein Körper gefüllt mit Lehren, die ich niemals hätte wissen sollen, mit Überdrüssigkeit, die ich vor langer Zeit hätte aussprechen müssen, mit Nichtigkeit, die fremder Einfluss hätte vernichten können.
Manchmal frage ich mich, wie du reagieren würdest, wenn du mich wahrhaftig durchblicken könntest, doch trennen uns Welten, die es keiner von uns zu umsegeln vermag. Also schweige ich, doch schreibe ich; zu Wildfremden, nichts für Ungut, denn ihnen muss ich nicht ins Gesicht blicken. Sie brauchen nicht beschämt zu Boden schauen, um ihre missbilligen, entsetzten Blicke zu verschleiern. Zwischen uns hätten diese Mauern niemals stehen müssen, doch hier sind nun einmal - zementiert, mit Stacheldraht und Sicherheitssystemen umringt. Auf beiden Seiten liegen leblose Körper auf eiskaltem Boden. Ach, wie groß vermag ihr Schmerz gewesen sein, wie klein ihr Durchhaltevermögen.

Das wollte ich nie.

Auf der anderen Seite wollte ich auch nie das Mädchen sein, welches verängstigt vor dem Erwachsenwerden davon läuft. Nur machen kleinere Schuhe und Schulranzen das Leben nicht süßer, nicht wahr? In Panik sprossen Brüste, die Gliedmaßen wuchsen und der nächtliche Schmerz entstammte nicht davon, sondern von der Tatsache, nicht zurück-schrumpfen zu können. Wer hätte wahrhaftig geglaubt, dass ich die 25 erreichen würde? Eingeschrieben habe ich mich dafür nicht. Denn ich wollte keine Jungs, die mich mit verschwitzten Fingern und verschmutzten Worten berühren. Konnte nicht ertragen, wenn kindlicher Glaube geschlachtet und industriellem Roboter-Regime zum Fraß vorgeworfen wurde.
Was sie bloß von jemandem wie mir halten, diese Fremden? Leicht betrogen, zwangsläufig eingeschüchtert. Sechs Ausflüge zur Flasche allein in letzter Nacht. Zur Beruhigung der Nerven, vielleicht auch um die Stimmen ein zu dämmen. Das Schwein stütze mich um 2.00, 3.00, 4.00, 5.00 Uhr morgens: Diese Hände hielten nicht nur an dieser lächerlichen Farce seit Jahren fest.
Manchmal scheint der Zwiespalt überwältigend: Die Distanz zwischen "Bitte lasst mich nicht allein" und "Lasst die Stimmen verschwinden", das Ausweichen zwischen "Diese Schmerzen müssen ein Ende nehmen" und "Dies wird das letzte Mal sein", das Ping-Pong-Spiel zwischen "Ich möchte anderen ihr Leid nehmen" und "Verdammt. Ich kann mir nicht einmal selbst helfen."

Selbst für mich macht es kaum Sinn.

Ich liebe meinen Vater. Das schwöre ich. Hoch und heilig. So sehr, dass ich ihm verzeihen könnte, wenn ich nur verstehen würde. Seine Art Menschen zu Marionetten zu gestalten; wie er sich an seinem Gegenüber anpasst, und das vorgibt zu sein, was dieser hören mag.
Rückschlag folgt auf Rückschlag.
Vergangenheit bleibt Vergangenheit.
So ist es nun einmal. Aus diesem Grund habe ich auch seine leeren Flaschen eingesammelt und entsorgt, bevor jemand Verdacht schöpfen konnte. Habe das Gift aus seinen Augen gesaugt, seine gespaltene Zunge an mir abprallen lassen - das ist Liebe, denke ich. Zu Mindest so nah dran wie ich danach jemals war. Hoffnung wie Vögel am Horizont, das Herz eine Leiter ohne Stufen.
Es tut mir leid, dass ich diese Verstreckung von Geheimnissen so lange aufrecht erhalten habe. Wahrlich, alles andere hätte ihn wohl mehr geholfen. Letztendlich kann keiner die Anwesenheit des Anderen ertragen. Was bleibt sind Vorwürfe, damals - immer nur damals, stumme Lippen und ewiges Ausweichen.
Unterschiede ziehe ich nicht: Finger in der Kehle, Klingen auf der Haut. Menschen sind nun einmal nicht für Beständigkeit geschaffen. Sie können nur so lange mit erpressender Stille umgehen, bis sie zum Schrei wird.

Wenn man nicht weiß, wohin, geht man auch nicht.

Hatte ich nie das Herz zu handeln, vergiftete ich diese Familie und mich selbst. Tag um Tag. Mit unerahnten Reserven versuchte ich sie zusammen zu halten, damit sie nicht in Stücke zerfallen. Doch fielen Einzelteile von mir, hielt man mich an diesen grauenvollen Ort mit groben Händen und noch gröberen Worten. Das war wohl Liebe. Oder verdrehtes Verantwortungsbewusstsein, immerhin wurde ich in diese Welt zum Lernen geboren.
Mit der Zeit, in der ich Schmerz und Sorge einsog, wurde ich stumm und sehnsuchtsvoll. Diese Stille hat mich nie mehr verlassen. Ich bin kein Märtyrer, keine Tochter, doch auch kein Mensch. Die besessene Hülle elterlichens Traumas. Sieht man genau hin, kann man die Risse in der Fassade erkennen. Nur wird nie etwas ausbrechen, nie etwas hereinkommen.
Keiner weiß den wahren Grund hinter roten Tüchern auf dem Boden oder warum ich manchmal mit Männern an meiner Seite aufwache, die ich nicht liebe - vollkommen angezogen. Worte sind versiegt. Das Sprechen habe ich verlernt, es ängstigt mich in Panik. Wer sich nicht äußert, existiert vielleicht auch nicht mehr. So kann ich für immer sein Kind bleiben, sein "hübsches Töchterchen mit den wunderschönen Augen", wie es die Fremden sagten. Desto länger ich mir einreden kann, unberührt und perfekt zu sein, kann ich auch behaupten, einen Wert in diesem Leben zu haben - möglicherweise einen Sinn.
Aus der Vergangenheit redet eine Stimme zu mir: "Mädchen, warum bist du nur so blass? Warum habe ich dich eigentlich noch nie lächeln sehen?" 


Montag, 3. März 2014

Geheimnisse

Ich habe zwei Geheimnisse. Bin auch der Überzeugung, dass jeder zwei Geheimnisse haben sollte.
Eines, welches man denkt zu brauchen und eines, welches so tief verankert ist, dass es medizinisch und psychologisch gesehen gar nicht möglich es, dieses zu entfernen.
Meine Geheimnisse sind

Eigentlich wünsche ich mir einen stillen Tod. 

Außerdem liebe ich jemanden, der nicht mehr exisitert. 


Jeder kann nun für sich selbst entscheiden, welches in welche Kategorie gehört.

Sonntag, 2. März 2014

Trommelwirbel

Danke an alle sieben Teilnehmer. Euer Interesse hat mich sehr glücklich gemacht.
Gerade habe ich die Verlosung durchgeführt und im Video könnt ihr sehen, wer das Bild gewonnen hat. (Bitte nicht wundern: Im Video habe ich nichts gesagt, sondern nur das Los gezogen. Hoffentlich kann man alles deutlich erkennen. Damit es nicht so lange zum Laden braucht, habe ich die Qualität herunter-geschraubt.)

Herzlichen Glückwunsch!
Im Laufe des Tages werde ich mich bei dir melden und wir werden die Einzelheiten klären. =)

video