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Montag, 30. Juni 2014

Jobcenter und Landratsamt - ein neuer Spender, das alte Leid

Offen gestanden, ohne vorwurfsvoll klingen zu wollen: So schnell hatte ich gar nicht damit gerechnet, dass die Berechnung der Grundsicherung vom Sozialamt erledigt wird. Immerhin hatte mich das Jobcenter letztes Jahr gute fünf Monate auf nichts sitzen lassen. Beim zweiten Mal dauerte es nicht einmal einen vollen Monat, obwohl ich sogar mehr Unterlagen einreichen und auch nachreichen musste als für das Jobcenter.
Offiziell kann ich also jetzt sagen, dass ich vom Arbeitslosengeld II ("Hartz IV") auf "Vollzug des Zwölften Buches des Sozialgesetzbuch" gefallen bin. Prinzipiell sind dies Schuhe in ähnlicher Passform von verschiedenen Herstellern. Wenn ich die Thematik richtig umrissen habe, ist es wie folgt: Das Jobcenter bekleidet die Füße der Arbeitsfähigen, die nicht länger als ein halbes Jahr krank geschrieben sind und kein verwertbares Vermögen von über 2000 Euro besitzen und nicht jünger als 15 bzw. nicht älter als 65 sind. (Das Alles wir komplizierter, wenn man in einem eheähnlichem Verhältnis lebt, bei Verwandten lebt, studiert und BaFög ausgezahlt wurde, ... etc,...)
Ist man weniger als 3 Stunden täglich arbeitsfähig, dem Arbeitsmarkt also nicht zur Verfügung stehend, sonst aber in ähnlichen Verhältnissen wie oben genannt lebt, bekommt man die Schuhe vom Sozialamt.
Mir ist natürlich bewusst, dass die Vorderungen und Voraussetzungen durchaus verworrener sind, aber so habe ich es letztendlich verstanden.

Nur eine Sache erschließt sich mir nicht so ganz: Warum berechnet das Landsratamt mir 40 Euro monatlich weniger?
Die Vergleiche mit der Berechnung vom Jobcenter erklärt nicht viel:

Jobcenter
681 Euro monatlich.
Im Vergleich: 641 Euro monatlich. 

Landratsamt

Lediglich an der Miete liegt es. Aha. Nun: Mein Bruder, der Hauptmieter der Wohnung, wird nicht begeistert sein, wenn er ohne Begründung 40 Euro weniger bekommt.
Also grabe ich tiefer, wälze mich durch Zettel und Unterlagen. Hängengeblieben bin ich bei meinem Untermietsvertrag. Dort sind 40 Euro extra geregelt, und zwar für den Möbelanteil. Da ich keine eigenen Möbel besitze, wurde mein Beitrag so im Untermietsvertrag verankert. Das Jobcenter kam für diesen Zusatz auf, das Landsratsamt wohl nicht. Warum? Ich weiß nicht, warum. Wahrscheinlich geht man nicht davon aus, dass Möbel von Bedeutung sind. Es gibt ja noch Fußbböden und Kartons. Allerdings geht auch keiner davon aus, dass man sich mit 25 noch ein Zimmer mit den Bruder teilt. Egal. Eigentlich möchte ich gerade gar nicht darüber reden. Möchte gar nicht mehr reden. Möchte gar nicht mehr.

Aber man tut, was man kann und es ist die selbe, alte Leier - mich frustriert es nur noch. Ich bin einfach nur noch müde davon. Von Allem, um genau zu sein. Von meiner Unfähigkeit und Unentschlossenheit, von Therapeuten und Ärzten, von den Umständen und Lebenssituation, von meinem Kopf und den Gedanken, der Angst, den Attacken, dem Hin und Her, von den Schmerzen. In diesem Fall rede ich sogar von den körperlichen Schmerzen: Das ewige Ziehen im linken Knie, der mich am Gehen hindert. Der Druck im Rücken, der mich vom Sitzen hindert. Die ewige Quälerei mit den Zähnen, die einen prinzipiell an allem hindern...
Aber in Ordnung. Bevor dies wieder in einem meiner Standard-Jammer-Posts ausartet, höre ich auf, wenn es am Schönsten ist.





Noch so nebenbei:
Da ich dies vor Kurzem gefragt worden bin, möchte ich dies auch kurz aufführen. Der Unterschied zwischen Arbeitsunfähigkeit, Erwerbsfähigkeit und Berufsunfähigkeit ist simpel:
Arbeitsunfähig ist ein Berufstätiger, der krank geschrieben ist. Bis zu 6 Wochen muss der Lohn vom Arbeitsgeber fortgesetzt werden, danach übernimmt im Normalfall die Krankenkasse bis man ausgesteuert wird.
Erwerbsunfähig ist ein Mensch, der aufgrund von körperlicher und/oder seelischer Krankheit, Behinderung nicht in der Lage ist, einer Arbeit nach zu gehen. Dieser "Zustand" kann allerdings schon befristet werden. Zum Beispiel kann man aufgrund von Erwerbsminderung für zwei Jahre früh-berentnert werden. (Das Ziel der zwei-jährigen 'Auszeit' wäre es also dann durch Klinikaufenthalten, Therapien, Reha, etc. wie eine Arbeitsfähigkeit zu erreichen.)
Berufsunfähig ist ein Arbeitsfähiger, der aufgrund von Verletzungen oder Krankheit, seinen erlernten Beruf nicht ausüben kann. Zum Beispiel hat ein Tierarzt für Kleintiere im Laufe der Jahre eine schwere Tierhaarallergie entwickelt. Aus diesem Grund kann er seinen Beruf nicht mehr ausüben, zu Mindest nicht im Kontakt mit den Tieren. Theoretisch ist er aber noch arbeitsfähig, immerhin könnte er in einem veterinärmedizinischen Labor arbeiten. Nur als Beispiel.

Sonntag, 29. Juni 2014

Belle

Belle hinterließ folgende Zeile: "Mein Wunsch ist, dass du dir selbst etwas Gutes tust."

Unglaublich scheint es für mich, jedoch nicht unmöglich. Dieser Tag ist in Planung und vor Allem in Prozess. Ich habe mir fest vorgenommen, dass dies ein guter Tag werden wird. 
Angefangen habe ich diesen Tagen mit der Kreation dieser an Genialität grenzenden Bildergeschichte:


Nicht, dass ich dafür einen Orden verdient hätte. Allerdings wird mein Bruder mit mir gleich einen Film schauen. Ausgesucht habe ich den Film "Rio", weil mir der blaue Ara auf dem Titel so gefallen hat. So wie ich uns kenne, werden wir eine Tüte Süßigkeiten in uns hinein stopfen. Damit habe ich aber keine Probleme - das rede ich mir zu Mindest mutig ein.

Wenn es später nicht zu sehr regnet, gehen wir in den Park. Dann kann ich ein paar Fotos schießen, bewege mich und komme auch mal wieder vor die Tür. Wenn mein Bruder dabei ist, ist auch die Chance auf eine Panikattacke geringer.
Je nachdem wie ich mich dann fühle, werde ich ein Bad nehmen. Warum das so interessant ist? Eigentlich gehe ich furchtbar gerne baden, wenn ich in der richtigen Stimmung bin, doch der Gedanke an die Wasserkosten drängt mich doch immer zu einer kurzen Dusche. Heute nicht. Heute ist das volle Programm angesagt: So mit Blubberblasen und so. XD
Außerdem habe ich mir vorgenommen, ein neues Buch für das Kindle herunter zu laden und ausgiebig zu lesen. 

Abschließend möchte wir Abendbrot von Außerhalb bestellen. Offen gestanden, ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann wir das letzte Mal etwas bestellt haben, aus diesem Grund bin ich besonders aufgeregt. Ist wohl schon im letzten Jahr gewesen. Wenn ich die Wahl haben darf, würde ich mich für Sushi entscheiden. Leider ist das ziemlich teuer. Die Entscheidung liegt dann meinem Bruder. Der isst aber im Normalfall alles gerne und ist spendabel.

Das klingt vielleicht nicht nach viel. Aber aus gegebenen Gründen muss ich immer Pausen zwischen Alltäglichkeiten einlegen. Für mich wäre dies, wenn es alles gut klappt, ein mehr als akzeptabler Tag. Zeit mit meinem Bruder verbringen erfreut mich sehr. Natürlich auch das Teilen mit euch. =)

(Danke für diesen Wunsch, Belle. Irgendwie hat mir das ein wenig die Last eines schlechten Gewissens genommen, mich einfach mal auf mich zu konzentrieren. Aber das wird schon.)

Samstag, 28. Juni 2014

Raya

Danke, Raya, für deinen Wunsch.
Es freut mich sehr, dass jemand mir ein Buch als Thema vorschlägt. Als Kind habe ich die Unendliche Geschichte sehr genossen und wurde oft in diese fremde Welt hineingezogen. Leider ist das schon über 15 Jahre her, was jetzt keine Ausrede sein soll, dass ich das Buch so lange nicht mehr gelesen habe.
Wahrscheinlich ist dies nicht, was du dir vorgestellt hast, aber das, was ich dir als bieten möchte, ist ein Foto. Vor ein paar Jahren war ich im Bavaria Filmpark und konnte dort Bauten und kreative Skizzen des Filmes sehen. Hauptsächlich kann ich mich daran erinnern, dass Fuchurs Fell ein wenig müffelig roch, aber sonst einen sehr bleibenden Eindruck hinterließ:





Traumkirschen

Vielen lieben Dank für deinen Wunsch, Traumkirschen.
(Ich weiß nicht, ob ich ihm gerecht werden, mit bloßen Worten, denn "die Nacht" ist, wie du in deinem Kommentar bereits sagst, vielseitig und unumgreiflich. Bitte verzeih', wenn dies nicht einmal annähernd dem entspricht, was du erwartet hast.)


Nacht
In Wahrheit sind es nicht die Monster, die sie des Nachts so ängstigen. Denn diese kommen und gehen; tag ein, tag aus - zu jeder Uhrzeit. Wofür sie sich fürchtet, sind die unausgesprochenen Geheimnisse, die nur zu dunkler Stunde durch die verkeilten Spalten unter den Türen hindurch krabbeln. Während Sterne funkeln, glitzern wie eine Decke bestreut mit goldenen Staubpartikeln, nagt ein unangebrachtes schlechtes Gewissen an deinen Gedanken. "Ach, hätt' ich doch", "Ach, wäre doch", "Ach, könnte ich doch" - oder eben das Gegenteil. Im Kopf herrscht Chaos und das leise Raunen ihrer eigenen Stimme intensiviert dieses lediglich: "Jetzt schlaf' endlich ein. Schlaf! Schlaf!"
Kraftlos und endständig ergibt sie sich dem Horror ihrer Nächte. Das vergehen in selbst-aufgebürdeten Sorgen und erlernter Angst, fast wie ein Mantra, im magischen Schattenreich.

Sie streckt ihre Hand nach einem Glas Wasser, doch findet nur eine dort verstaute Erinnerung. Abgetakelt und beschwerlich, versteckt in verjährter Trauer, die schon ihre Großmutter wie einen dicken Pelzmantel um die Schultern trug. In den Taschen nichts als Asche und Sehnsucht, der Kragen zerrissen.
"Es muss sich etwas ändern", flüstert sie ins Kopfkissen. Wenn auch nur die Dunkelheit antwortet. In Rästeln, wie eh und je, sie spricht vom Verlieren der Sinne, wenn man zeitgleich Münzen verliert, von Ozeanen, die nicht in Bachen enden, sondern andersherum. Von Alpträumen, die zu traurigen Illusionen von Sonnenschein werden, Traurigkeit, die niemals beginnt und niemals endet - wie ein Kreislauf des Schicksals, den sie hinnehmen muss und nicht ändern kann.
Letztendlich erlischt auch das Licht elektrischer Kerzen. Aus untröstlicher Nacht wird ein unmöglicher Morgen. Selbst dieses Geflecht aus Gedanken löst sich in atomaren Sonnen auf.
Es ist nie zu spät für einen glorreichen Morgen. Gibt es auch nicht genug Menschen, die sie verstehen können, teilen sie den gleichen Atemzug. Sie vergisst dies nie; aus diesem Grund durchsteht sie Nacht um Nacht in Trübsal, denn im Sternennetz diverser Nationen ruht eine weitere Seele, die wie ein gleißendes Licht durch Dunkelheit bricht.

Freitag, 27. Juni 2014

Kyara

Danke für deinen Wunsch, Kyara.
Sie wünschte sich das Thema "Lebensmüde":


"Trägst du die Welt auf deinen Schultern, stehst du nicht für lang.", sprach sie lebensmüde und todesträge. In den Augen das Schimmern einer Eule, welches langsam versiegt."

Donnerstag, 26. Juni 2014

88.888


Wahnsinn. Ich kann mich nur vom ganzen Herzen bei euch bedanken. Für jeden Klick, für den Gedanken und Kommentar, für jede Sekunde, die ihr für das Lesen meines Blogs verschenkt habt. Ihr seid mir unendlich wichtig, richtig ans Herz gewachsen - wenn man dies so sagen darf.
Auch wenn ich oft genug in eine Art Jammerparade verfalle, habt ihr stets die passenden Sätze gefunden, um mein Selbstwert vom Boden auf zu wischen. Auch wenn dies nicht einfach ist und nicht einmal zu eueren Aufgaben gehört. Danke. Danke für Alles.
Aus gegebenen Anlass möchte ich trotzdem noch einmal darauf hinweisen, dass ich anonyme Kommentare nicht (mehr) erlaube. Hier braucht sich absolut keiner verstecken, auch wenn er nichts freundliches zu sagen hat: Bitte seid einfach offen. 


Leider fehlen mir derzeit die finanziellen Mittel für ein Gewinnspiel. Aber ich verspreche euch, dass wieder eines kommen wird. Vergessen werde ich es nicht.
Als kleinen Dank möchte ich euch vorschlagen, dass mir jeder hier als Kommentar ein Thema vorschlagen kann, zu dem ich entweder einen Text schreibe oder ein Bild male. Das kann ein Gefühlszustand, ein Tier, eine Krankheit, etc,... sein. Ihr könnt aber auch einfach nur eine Frage stellen, die ihr beantwortet haben wollt.
Postet mir euren Wunsch oder eure Frage und ich werd als neuen Blogeintrag antworten und euch natürlich zurückverlinken.

Nachwuchs bei den Garnelen

Mal etwas sehr erfreuliches, immerhin kommt es selbst mir so vor, als wäre diese viel zu selten: Doch möchte ich euch mit einem Lächeln meine Garnelen-Nachwuchs vorstellen.


Sie sind winziger als der Nagel meines kleinen Fingers. Aus diesem Grund scheint auch meine Kamera nicht wirklich zu wissen, worauf sie eigentlich fokussieren soll.




Noch sind die Kleinen reichlich blass, aber in ein paar Wochen schon sollten sie blau-gefärbt wie ihre Eltern sein.
Sie zu zählen, scheint doch eine Herausforderung werden. Es scheinen mehr als 10 Babies zu sein, aber weniger als 20. Finde ich für den ersten Nachwuchs eine gute Bilanz - drückt mir die Daumen, dass so viele wie möglich durchkommen. =) 

Mittwoch, 25. Juni 2014

Eine Kiste voller Medikamente

Therapeuten-Hausaufgaben reichen bekanntlich vom Spektrum der schieren Überwindung bishin zur Schmerzhaftigkeit: Manchmal brauche ich Wochen, um überhaupt anzufangen, obwohl es stetig in meinem Hinterkopf vorherrscht. 
Allerdings dieses Mal hatte die Hausaufgabe weniger etwas mit dem Auseinandersetzen meiner mentalen Ebenen zu tun, sondern mit Aufräumen! Leider habe ich die Angewohnheit, Medikamente, die mir verschrieben worden sind, entweder nur eine Weile zu nehmen oder wieder ab zu setzen bzw. erst gar nicht durchgehend zu nehmen. Wieviel davon an Inkonsequenz und Faulheit liegt, sei mal im Raum stehen gelassen.

Oft werde ich gefragt, welche Medikamente ich für welchen Zweck einnehme. Dies ist ein sehr weit gefächertes Gebiet, mit welchem ich mich aber nicht ausreichend beschäftige.
Trotz Allem würde ich gerne zusammenfassen, welche Anti-Depressiva und Neuroleptika ich über die Jahre verschrieben bekommen, ausprobiert habe und welche Erfahrungen ich gemacht habe. Für allgemeine Erläuterungen kann man genügend Informationen im Internet finden, hier möchte ich lediglich meine Meinung äußern. Bei jedem Patient wirkt ein Mittel anders, wird anders verschrieben und angewendet! Ich möchte nur gerne teilen, wie mich während mancher Einnahmen gefühlt habe.
Bei den Tabellen fange ich mit dem Mittel an, welches ich als Erstes verordnet bekommen habe und versuche mich chronologisch zum momentanen Zustand vor zu arbeiten. Leider kann ich mich nicht bei jedem an die Dosis erinnern, deshalb lasse ich diese gleich ganz aus - da dies ohnehin von Person zu Person anders ist, konzentriere ich mich auf die bei mir aufgetretenen Wirkungen und Nebenwirkungen der aufgezählten Medikamente. 

Anti-Depressiva
  • Fluoxetin - damals mit Bulimia Nervosa zu kämpfen, war dies der erste SSRI, den ich bekommen habe. Tatsächlich möchte ich behaupten, dass die Intervalle zwischen den Fressanfällen größen waren und ich nicht mehr so oft den Zwang des Übergebens unterlegen bin, aber das war auch schon alles. Die ganze Zeit über war ich verschwitzt und nervös, konnte nicht schlafen. Nach ein paar Wochen, zu denen ich noch arbeiten war, wurde das Medikament gewechselt.
  • Paroxetin - dieses Medikament emfand ich als gut verträglich. Zwar sah ich oft die Welt verschwommen oder mir wurde schwindelig, aber im Nachhinein kann ich nicht genau sagen, ob es an dem Paroxetin lag oder an meiner damaligen gesundheitlichen Gesamtsituation. Allerdings... eine stimmungsaufhellende Wirkung konnte ich auch hier nach Wochen nicht feststellen. 
  • Sertralin - Sertralin ist das SSRI, welches ich am längsten einnahm. Dies lag daran, dass mein Arzt wollte, dass ich mich stationär behandeln lassen, damit dort das Medikament richtig eingestellt bzw. auf ein anderes umgestellt werden konnte. Nebenwirkungen gab es so gut wie keine, anfängliche (in den ersten ca. 3 Wochen) wie Übelkeit und Kopfschmerzen ließen sich umgehen. Während der Wartezeit von 4-5 Monaten half mir dieses Mittel gegen Depressionen und Angst, leider aber auch hier nicht ausreichend.
  • Duloxetin - in der Klinik verabreichte man mir das SSNRI Duloxetin, auch Cymbalta. Mir ging es überraschend gut damit. Sicherlich auch kein Wundermittel, aber es steigerte meinen verschwundenen Antrieb auf jeden Fall. Dieses Medikament hätte ich trotz Schlafprobleme gerne weiter versucht, allerdings stimmte meine Versicherung dagegen: Es war zu teuer. Bitte wechseln. 
  • Trimipramin - Selbst unter Beobachtung haben mich die Effekte wortwörtlich umgehauen. Ich habe geschlafen, geschlafen und geschlafen - selbst wenn ich wach war, habe ich eigentlich geschlafen. Obwohl man auch hier einige Wochen ausharrte, wollte ich so nicht weitermachen. Bis zum Ende der Klinikzeit nahm ich es ein, leider auch an Gewicht zu.
  • Mirtazapin - und wo wir gerade bei Gewichtszunahme waren: 20 Kilogramm innerhalb von sechs Monaten. Hört sich übertrieben an? Nein, sondern nach Mirtazapin. Kurz gesagt: Mit diesem Mittel konnte ich gut einschlafen, es löste meine Angst bishin zu einem weitgehend angenehmen Zustand und wirkte schmerzlindern. So sehr, dass ich sogar sagen konnte, dass ich mal eine Woche am Stück ohne großes körperliches "Geschrei" leben konnte. Inzwischen habe ich eine Art Hass-Liebe für dieses Anti-Depressiva entwickelt. Es hat mir geholfen, sogar in mehreren Bereichen, welches ich schon fast für unmöglich hielt. Letztendlich habe ich es abgesetzt, weil mein Körper Ausmaße angenommen hat, die schon nicht mehr aussprechbar waren. Selbst meine Kleidung hat mir nicht mehr gepasst.
    Eine Packung habe ich hier behalten, auch wenn ich nur sporadisch Tabletten einwerfe - eher zum Einschlafen.
  • Citalopram - Dieses Medikament nehme ich erst seit ein paar Wochen. Es steigert den Antrieb, doch ist mir oft übel. Gerade kann ich noch nicht viel mehr dazu sagen. Verschrieben wurde es mir in Verbindung mit Mirtazapin. Mirtazapin zum Abend zum Einschlafen und Citalopram am Morgen zum Wachwerden.

Neuroleptika:
  • Seroquel - zeigte bei mir keinerlei Nutzen. Weder gegen meine zum Zeitpunkt der Einnahme vorhandenen Wahnvorstellungen, noch sedierte es mich. Wahrscheinlich bekam ich die unterste Dosis, denn eigentlich sollte dieses Medikament schon müde machen. Vielleicht war ich aber so aufgeregt, dass die Wirkung nicht ausreichend war.
  • Haloperidol - die "Standardpille" in der Klinik, in die ich gewöhnlich eingewiesen wäre. Ist man als Patient dort auch nur leicht nervös, beschmeißt man sie mit Haloperidol. Bei mir wirkt es sedierend, aber auch verkrampfend. Ich zucke unwillkürlich und mein Körper versteift sich. Auch nach dem Zwang es länger zu nehmen ("nach der Zeit lassen die Nebenwirkungen bestimmt nach"), ging es mir nur schlechter. 
  • Zyprexa/Olanzapin - Für mich das selbe Spiel wie mit dem Mirtazapin: Es half relativ gut, vor Allem in Vergleich mit den anderen Mitteln, brachte aber solch eine Gewichtszunahme ist für meinen Gemütszustand auch nicht tragbar. 
  • Risperidon - Wirkt schnell, macht nicht fett. Ich nenne es liebevoll die "Medikamentenhölle", doch ist es das Neuroleptikum meiner Wahl. Warum Hölle? Weil es mein Schwein, mein einzigen Begleiter, vertreibt. Warum nehme ich es dann? Weil es 'die Anderen' vertreibt. Auch wenn es sich anhört, als würde ich nur das Beste wollen und nichtts dafür geben wollen. Ich kann die Stimmen nicht ertragen, aber das Schwein nicht verlieren. Es ist mein Freund, mein Atem. Der Rest mein Tod.
    Auch Risperidon nehme ich nur sporadisch. Meist, wenn ich keinen anderen Ausweg sehe.

Lorazepam gehört zu keiner der oben genannten Kategorien. Es gehört zu den Benzodiazepinen, die aufgrund ihrer abhängig-machenden Wirkung nur für eine Kurzzeitbehandlung dienen sollten. Im Notfall nehme ich sie eigentlich immer und bekomme sie auch immer verschrieben. Sie sind die einzigen Pillen, von denen ich ohne Wenn und Aber behaupten möchte, dass sie meine Angst - wenn auch eben nur für kurze Dauer - lösen und mich zum Ein- und Durchschlafen bringen.




Die ältesten, teilweise überlagerten, Produkte habe ich aussortiert und in eine Tüte gesteckt. Auch die Sachen, die ich ohnehin nicht oder nur kurz eingenommen habe. Nächsten Montag drücke ich diese meinem Therapeuten in die Hände und dann soll er glücklich damit werden. Unter Umständen gibt es mir wieder etwas zurück, aber das kann ich noch nicht sagen.

Dies ist also noch bei mir:



In der Kiste selbst befinden sich noch ein paar Schmerzmittel, Nahrungsergänzungsmittel und solche Dinge. Nichts besonders erwähnenswertes.

Verbandszeug und Pflaster, Wundspray - zum Versorgen von Wunden, was lächerlich ist, weil ich diese Sachen ohnehin nie benutze. Combu-Doran hilft bei Verbrennungen, die bei mir durch (beabsichtigtes) zu heißes duschen auftreten.
Bi-Oil, kennt wohl jeder, soll Narben mit der Zeit blasser erscheinen lassen. Dazu kann ich leider auch nichts sagen, weil ich auch dies nur ab und an durch ein eingebildet schlechtes Gewissen benutze.
Promethazin soll ich gegen Anspannungen anwenden. Vor Allem wenn sich ein sogenannter "Ritzdruck" aufbaut, sollen diese Tropfen helfen. Kurz gesagt: Ich habe sie in verschiedenen Dosierungen eingenommen, sogar ausreichend gewartet - sofern es irgend ging, doch von irgendwas "abgehalten" hat es mich eigentlich nicht. Es ist womöglich nur noch meiner Box, damit ich mir im Nachhinein einreden kann, dass ich es doch wenigstens versucht hätte.
Risperidon, Citalopram und Mirtazapin sind durch den oberen Text erklärt. Bleibt hier, wird nur auf Wunsch des Arztes gewechselt. (Das Trimipramin habe ich doch in die Tüte für den Arzt gelegt. Kommt weg.)
Und nichts auf der Welt könnte mich davon überzeugen, mein Lorazepam-Vorrat zurück zu bringen. ;)

Hoffentlich habe ich meine Hausaufagaben zufriedenstellend beendet.

Dienstag, 24. Juni 2014

Nun ... dies ist ehrlich

Wenn dieser Morgen lediglich zu einem Morgen mutiert, ändert weder das Alleinsein noch die Anzahl irgendetwas. Hundert Tage, tausend Tage - stetig gleich fühlt es sich an. Als ob meine Haut nur Schande wäre, die sich über Fleisch und Knochen zieht.
Wahrscheinlich scheiterte meine Motivation zu den Zeiten, als mir Unbekannte so wie auch Akademiker Pauschalitäten wie "Das ist alles in dienem Kopf" oder "Du siehst ja gar nicht krank aus" entgegenbrachten. Immerhin schleife ich keinen Infusionsständer hinter mir her. Immerhin trage ich einen roten Pullover, keinen weißen Krankenhauskittel - mit marmorierten, knackenden Knien und glasig-traurigen Augen. Sätze wie "Ich fühle mich nicht gut; todesmutig instabil" führten zu enttäuschten Blicken trotz zitternder Stimme. Es sei 'normal' ab und an traurig zu sein. (Doch bin ich eigentlich erleichtert: Froh darum, dass sie die Verzweiflung nie durchleben mussten, wenn der Verstand versagt und nichts als Schmerz die Lungenflügeln füllt. Dass keiner von ihnen an Betten gefesselt und von Klinikpersonal nieder-gepresst werden müssen, weil die Welt um einen herum zusammenbricht und in einem der Tod als erlösender Messias erscheint. Als heilendes Ende.)

Freundliche Monster. Monströse Menschheit. "Aber", so sprechen sie mit erhobenen Zeigefinger, darauf bedacht, im Unterton besonders abwürdigend zu klingen. "Wenn du wirklich sterben wolltest, würdest du dich auch umbringen!" Begründet haben sie diese Aussage mit meinem wiederholten Fehlverhalten, mit ausreichenden Möglichkeiten und der Unfähigkeit - meinerseits - Hilfe an zu nehmen.
"Beim nächsten Mal bestimmt. Drückt mir die Daumen!", antwortete ich. Natürlich versteckt im Mantel der Ironie, um mir nicht noch mehr die Blöße geben zu müssen. Ihre Reaktion belief sich auf ein Kopfschütteln. Als wollten sie sagen: Viel Glück.
Per Definition und genauer Betrachtung haben sie allerdings Recht: Wenn ich absolut gar nichts hätte, was mich hier halten würde - sei es ein auch noch so kleines Füncken Zuversicht, Hoffnung oder unmittelbare Angst -, würde ich wohl aus alten Fehlern lernen. Ich weiß einfach nicht, warum ich (noch) am Leben bin. Wäre ich ein Geist bei der Heimsuchung, würde ich mich wohl fragen, warum ich eigentlich nicht am Leben bin.

Montag, 23. Juni 2014

Was auch immer die Kehle hinunterfließt....

Trotz vorsichtigem Geflüster
von Chronifizierung und Behandlungsaussichten
beginnen ich Worte in meinem Kopf
zu lallen und
Namen zu verwachsen;
Monster werden mein Destilat,
der Schuss Bacardi
in falsch-dosirtem Tranquilizer.
Weiß und schwer wie eine Welle Licht,
schenk' ruhig ein.
Gib' mir noch eine Pille falscher Hoffnung. 

Den ganzen Vormittag
verbringe ich kotzend über
Porzellan, der seine eigenen
Horrorgeschichten schreiben könnte:
Die Tiefblicke der menschlichen Spezies.
Bis zum Nachmittag
trocknen rote Tränen zwischen
Haut und stinkenden Stofffetzen.
Und auch das Abendbrot wird ausgespuckt.
Womöglich fühle ich mich nun leichter,
befreiter von marschierender Dunkelheit.
Jedoch sind auch die Stunden
danach (sowie davor)

finster.


Das Schwein  sitzt
in meinen Armen,
hält mich an Ort und Stelle,
drückt die Scherben der gebrochenen Seele
zurück; zaghaft, fast unbeabsichtigend.
Es grunzt von Vergebung, Vergessen
und Durchhaltungsvermögen.
Doch am Rande der Verzweiflung,
neben Wahnsinn und Schutzmechnismen,
sitzt 300, Nummer Zwei,
spricht in Gespaltenheit und Bedauern:
"Willst du Julian nicht
endlich, endlich, endlich
folgen?"

Sonntag, 22. Juni 2014

Kurzbesuch in der Psychiatrie

Sonntag morgen, viel zu zeitig:
Mein Bruder lenkt den Wagen Richtung Klinik. Es handele sich lediglich um ein Notfallgespräch, versichert er. Ohnehin... mir fehlt die Energie für Diskussionen. Bisher trugen sie nie Früchte, heute wird es nicht anders sein - das nächste Mal wohl auch nicht. Schon von Weitem kann ich die roten Ziegeldächer sehen. Brauche jedoch nur meine Vorstellungskraft, um mir die endlos-scheinenden Gänge und bunt-bemalten Türen der Therapieräume in Erinnerung zu rufen. Womöglich ist dies ein Zeichen. Die aufkommende Überforderung und einhergehende Frustration meines Bruders kann ich nachvollziehen: Selbst ich empfinde es eher als Belastung, als Bürde. Allerdings empfinde ich mich selbst auch als Bürde, was wiederrum in eine Art Kreislauf-Denken endet.
Das Schwein sitzt brav auf der Rückbank. Es ist verängstigt wegen der fremden Stimmen, die unheilvolle Äußerungen anstellen.
Diese Nacht war grauenvoll, wie die davor, die davor, die davor. Ich bin müde und erschöpft, panisch und doch gleichzeitig leer. Vielleicht gibt es kein Licht mehr für mich, immerhin bin ich keine Taschenlampe.

Minuten vergehen - oder sind es Stunden? Die Zeit vergeht wie in einem Traum.
"Das läge wohl an der Übermüdung oder dem Tavor.", sagt die Ärztin, die ich heute das erste Mal zu Gesicht bekomme. Neben ihr hockt eine Studentin mit Notizblock und Stift in der Hand, Brille auf der Nase und gut-gläubigem Interesse in den Augen. Nicht, dass ich mich dazu überwinden könnte, einen der Beiden in die Augen zu sehen. Meine Anwesenheit ist mir peinlich. Mein Anliegen, welches genau genommen das Anliegen meines Bruder ist, erläutere ich kleinlaut, unwillig. Immer darauf bedacht, die Stellen aus zu lassen beziehungsweise zu umschreiben, die zu einer Einweisung führen könnten. Wenn ich etwas in unzähligen Therapiestunden gelernt habe, ist es wohl genau dies.
Mir gehen die Worte aus. Zum Antworten bin ich nicht in der Lage. Mein Bruder übernimmt das Gespräch. Keiner stellt das in Frage. Man kenne die Aktenlage, heißt es.

"Menschen sterben auch ohne Ihr Zutun.", distanziert, doch mütterlich lehnt sich die Ärztin zu mir. Natürlich weiche ich zurück.
"Schon, aber ich finde es unglaublich traurig, dass Einige von ihnen auch ohne mein Zutun leben."
"Denken Sie, Sie könnten eine Stütze für jemanden sein?"
"Auch diese Frage empfinde ich als unglaublich traurig, Frau Doktor: Nicht jeder, der sich nach menschlicher Nähe sehnt, erwartet gleich eine Stütze für sich selbst. Manchmal möchte man einfach nur reden oder freundliches Wort hören."
Dies ist zu Mindest meine Meinung. Ob diese Denkweise einen psychologischen Wert hat oder nicht, ist mir unbekannt. Zwecklos sind die Worte, wenn sie nur auf einstudierte Wände treffen und durch durch Textbuchmaterialwissen filtriert werden.
Ich konnte sie überzeugen, dass ich trotz Allem nicht suizidgefährdet bin und auch keine Gefahr für andere darstelle. "Dabei bist du eine tickende Zeitbombe. Du solltest sterben.", flüstert eine Stimme. Das Schwein bleibt stumm zwischen meinen Beinen. Gleich sind wir wieder fort von diesem Ort, das sagt sein Blick - ich spüre es.

Sie gab mir eine Depotspritze. Inzwischen weiß ich nur nicht mehr, welchen Inhalt sie hatte. Einen Unterschied macht es nicht: Ich konnte schlafen. Traumfrei, fast komatös. Noch immer denke ich ständig an Eisherz, es verquirrlt sich jedoch mit vergangenen Bildern und ich vermag es kaum zu ordnen. Die Angst ist präsent, doch unterdrückt. Tragbarer, würde ich behaupten. Das Schwein scheint aktiver und auch Nummer 1 ist an meiner Seite. So ist das Warten wenigstens nicht so einsam.

"Du bist tot und willst sterben?"

Stimmen flüstern unaufhörlich.
"Du solltest diesen Krieg beenden."
Nur das Schwein ist ruhig.
"Töte dich. Endlich wärst du mit den richtigen Menschen vereint."
Ich kann sie nicht ertragen, mich noch weniger. Ungewissheit auch nicht, die Angst noch weniger.
"Du bist nutzlos. Ein sinnloser Platzverbrauch. Stirb!"

Samstag, 21. Juni 2014

Sorge, Sorge, Sorge

Es tut mir leid, dass ich gestern so unzusammenhängende Texte veröffentlicht habe. Nicht, dass es mir inzwischen besser geht würde, im Gegenteil, aber ich möchte auch hier niemandem zur Last fallen.
Die Gesamtsituation treibt mich moralisch erneut an den Abgrund. Womöglich sind es derzeit nur die überdosierten Lorazepam-Vorrate, die ich aufbrauche, die mich noch in einem einigermaßen akzeptablen Geisteszustand halten. Gestern bin ich wohl ziellos in die Stadt gefahren. Inzwischen weiß ich nicht, ob ich ein Fahrticket hatte (bzw. wo ich das Geld her hatte, wenn ich eins erstanden haben sollte), was ich gemacht habe, wie lange ich "dort" war.
Dieses Ungewisse ist Folter. Denn auch ein Anruf in zwei Kliniken ihrer unmittelbaren Umgebung konnten keine Beruhigung bringen: Man kann mir keine Auskunft geben, weil ich nicht mit ihr verwandt bin. Obwohl ich keine Behandlungsdetails erwartet hätte, dachte ich schon, dass man mir eine Art Anwesenheitsstatuis mitteilen könne. (Wegen meiner Telefonphobie habe ich mir 10mg Lorazepam eingeworfen und bin noch immer angstzerfressen.) 

Eisherz' Freunde auf Facebook haben mir leider auch keine Hoffnung machen können. Auch sie wissen nicht, wo sie ist, was passiert ist oder ob sie noch lebt. Traurigerweise haben auch sie nur Abschiedsnachrichten bekommen und danach nichts mehr. Diese Angst ist zerfressend. Auf jeden Fall würde ich sofort Bescheid geben, wenn ich auch nur ein Wort von ihr höre.

An Schlaf war diese Nacht auch nicht zu denken. Bitte verzeiht, wenn sich jemand genervt von meinen Posts fühlt, aber ich habe einfach keinen anderen zum reden, der auch versteht, warum ich "so ein Theater" veranstalte. Vielen Danke also für eure Geduld.


Freitag, 20. Juni 2014

Keine Soforthilfe möglich

"Wir können Ihnen nicht helfen, wenn Sie sich nur um den Tod einer Freundin sorgen."
"Nur?"
"Dafür ist unsere Einrichtung nicht vorgesehen."
"Mein behandelnder Arzt ist im Urlaub."
"Wir beim sozialpsychiatrischen Dienst beraten Sie bei der Überweindung für Lebenskrisen."
"Also nehmen Sie mich erst ernst, wenn ich über ein Brückengelände gelehnt über meine Sorgen reden möchte?"
"Sie übertreiben. Da Sie nicht einmal genau wissen, wo ihre Freundin ist, kann ich Ihnen auch nicht helfen. Eine Therapiestunde kann die Beratung hier nicht ersetzen. Meinen Sie, Sie kommen gut durch's Wochenende? Wir können einen Transport in eine Klinik veranlassen."
"In einer Klinik kann ich nicht nach meinem Eisherz suchen. Dem Schwein passt es da auch nicht."

Over and out.
Ich verschwinde. Nicht nur aus diesem Gebäude, nicht nur diese Stadt. Ich verlasse meinen Körper, meinen geistigen Zustand - aus Angst, aus Sorge, aus Überforderung. Da gilt kein Gesetz der Kontrolle - ich beobachte mich wie durch eine Linse.

Wo bin ich? Wie bin ich hier her gekommen? Was mache ich hier?
Wo ist sie? Sie kann nicht tot sein, richtig? Sie kann nicht genau so gehen wie Julian.
Es ist ein Traum, aus dem ich nicht erwache, weil ich nicht schlafe - seit zwei Tagen nicht. Als wäre es nicht einfacher, nach oben zu schauen, und blind nach unten zu treten.

Eisherz

Wenn jemand nur einen Piep von ihr gehört hat, bitte gebt mir Bescheid. Ich habe keine Ahnung, was passiert ist, sondern male mir lediglich aus, was passiert sein könnte. Bitte. Es ist nicht zum aushalten.

Mein Arzt und Therapeut hat auch keine Zeit für ein Gespräch. Nicht einmal fünf Minuten. Warum dreht sich diese Welt überhaupt noch?
Ich muss weiter.

Verschwörung

Was ist, wenn ich eigentlich gar nicht absonderlich bzw. "krank" bin, sondern jeder um mich herum?

Donnerstag, 19. Juni 2014

Fertig

Die ganze Nacht durchgeheult und den Suizid einer Freundin betrauert, obwohl ich nicht einmal weiß, ob sie tatsächlich von uns gegangen ist...

Mittwoch, 18. Juni 2014

In mit-schuldiger Bitterkeit

Das Suchen nach Wahrheit
verbrannte meine Augen mit feuriger Sonne;
wenn ich sie nun schließe,
sehe ich nur dich.
man lebt das Leben,
welches man wählt.
Man teilt das Leben,
welches durch Ungenügsamkeit lastet.

Die Bilder verweilen in mir,
der Spiegel reflektiert ätherische Träume
der Schönheit,
die diese Welt eins in sich trug:
Eingraviert in die wissenden Augen der Raben,
die nicht mehr in Weiten ziehen,
um den Fraß der Menschheit
zu beseitigen.

Diesen Weg, den ich gehe,
vernebelt durch die hässlichen Worte
ihrer Lügenkonstruktionen.
Wo sind die Strahlen der Sonne?
Wo ist das Licht, welches so hell strahlt,
dass es selbst meine Seele erreichen kann?

Brillant wie die Erinnerung,
die mich verrückt vor Kummer macht,
unzumutbar - vergessen wie Müll.
Könnte ich nur noch etwas anderes sehen
als dein hämisch lachendes Gesicht,
als deine Fäuste, blaue Flecken auf der Haut.
Könnte ich nur noch etwas anderes hören
als deine wutentbrannten Schreie,
als deine in Worte gepackte Ignoranz.
Könnte ich nur etwas anderes fühlen
als die niemals-endende Finsternis des Verließes,
als dein Schnapsatem, der über meine Haut gleitet.

Mit dem Herzen ausharrend,
warten auf Ideale und Traumwelten,
die weiß Gott nicht exisiteren.
Eine Stimme im Kopf fragt laut
und ungehalten:
"Bist du noch ganz bei Trost?"
Nein, Trost und Glaube habe ich nie besessen.

Dienstag, 17. Juni 2014

Zahnarzthumor

Dies ist der eindeutige Beweis, dass Zahnärzte tatsächlich Humor haben:


Denn als ich diese Zahl las, musste ich lauthals loslachen bis ich in Tränen ausgebrochen bin, um wieder zu lachen - und jetzt stehe ich wieder kurz vor dem nächsten Weinkrampf. Es ist ja nicht so, dass ich Zahnweh hätte oder mir besagter Zahnarzt versicherte, dass die zwei zu behandelnden Zähne "morsch wären und schnellsmöglich überkront gehören".
Zu seiner Verteidung muss ich sagen, dass ich auf dem Untersuchungsstuhl ohnehin nicht wirklich zugehört hatte und als er mir von "geschätzt 600 Euro" berichtete, meinte er wohl nur sein Honorar, nicht die weiteren Kosten.

Dies ist lediglich eine Kopie des Kostenvoranschlages. Zwar muss die Krankenkasse noch ihren Anteil berechnen, aber ich glaube nicht, dass es sich für mich lohnen würde, diesen auch nur ein zu schicken. Auch wenn sie 50% übernehmen würden, könnte ich die Restkosten nicht decken. 

Ein Versuch war es wert.
Man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben und immer etwas Positives sehen:
Es gibt Ibuprofen.

Was gibt es sonst noch Neues?
Nichts. Außer, dass ich heute die Herdplatte in Brand gesetzt habe. Das mit der Kochkarriere kann ich wohl auch knicken.


Montag, 16. Juni 2014

Advocatus diaboli

Nachdem der junge Mann etliche seiner Mitschüler erschossen hatte, drehte er sich um und schrie: "Ich bin Gott!"

Vom Himmel gefallen,
auf rostigem Stacheldraht gelandet.
Mit schwarzem Leuchten im Herzen
aus Hass auf die Menschheit,
aus Rache für jede Schandtat der Ingoranz:
Selbst wenn der Tod selbst bedeutet,
der letzte animalische Atemzug des Lebens zu sein.
Dunkle Höhlen erscheinen
in seinen sterbenden Engelsaugen,
sonnenlos von Zorn beschattet.
Bringen brennende Hitze in das Angesicht
des Lügner,
triefend, sickernd - wie Blut aus frischen Wunden.
Das Gesetz in eigener Hand,
erstickt im Keim des Hoffnung auf Hilfe,
erstickt auch die Gründe, die Vernunft.

Aus Finsternis und Qual geboren,
Schmerzen bringend, Schmerzen nehmend,
aus Phönixasche der Unterwelt hervor gebracht,
es ersteigt der Advocat des Teufels
in seiner Seele
und flüstert mit engelsgleicher Stimme:
"Von Gott wurde ich entsandt!
Von dir, Mein Kind, von dir."

Sonntag, 15. Juni 2014

Das fünfte Rad am Wagen

Allein inmitten von Menschen.
Aus erzwungenen Gefügen ausgesperrt.
Gleich einem dauerhaften Zustands des Fehlplatzierung.
Während ich verzweifelt versuche, die richtige Bezeichnung zu finden, ist es das Schwein, welches immer wieder wiederholt: "Wir gehören hier nicht her."
Traurig ist, dass ein Geist mir am Nächsten steht. Wäre es nicht um diesen Blog und meinem Psychologen, würde keiner die Wahrheit kennen, würde keiner um das Schwein, Nummer 1, Das Frettchen und die anderen wissen. Allerdings sehe ich auch nicht ein, die Möglichkeit in Kauf zu nehmen, deswegen abgeschoben und als verrückt abgestempelt zu werden. Immerhin sind sie der einzige Grund für meine derzeitige Existenz.
Stressvermeidung steht an erster Stelle, welches der falsche Weg ist, doch letztendlich drehe ich mich im Kreis.

Das letzte Mal, als ich mit jemanden freiwillig unterwegs war, ist nun ein paar Wochen her. Für fremde Ohren hört sich dies unverständlich an, doch ich weiß einfach nicht wie man Beziehungen aufrecht erhält. Nach einiger Zeit entfernt man sich wieder voneinander. Unter Umständen muss es auch so sein: Vielleicht müssen Menschen für ihr psychisches Wohl andere Menschen zurücklassen. So ziehen sie dann weiter, mit einem fast unerklärlichem Loch in der Brust. Es scheint Gewohnheit, wenn eine Stimme spricht: "Ach, hätte ich doch", "Ach, wäre doch" und diese so gut es geht mit Sinnlosigkeit übertönt wird.
Für meinen Teil bin ich der Meinung, dass ich nicht in der Lage bin, eine Verbindung mit anderen herzustellen, die diese sich wünschen. Obwohl ich nicht behaupten kann, dass mir dieses nie vorgespielt worden ist, empfinde ich Prävention eine erträglichere Option als Verlustschmerz.

Nur das Internet ist mein Freund. Zwischen meinem Bruder und mir steht eine Mauer, weil ich seine Bürde bin, finanziell - womöglich auch emotional. Sonst habe ich Niemanden hier an meiner Seite. Entweder spielen geistige und physische Entfernungen eine Rolle oder dieses oben beschriebene Auseinanderleben hat stattgefunden. Die, die mir am wichtigsten waren, sind fort; Leben in anderen Städten, gründeten Familien oder trafen schöpfungsreiche Entscheidungen, die mich nicht mehr einschlossen.
Dafür gibt es keinen Ausgleich. Entweder man ist im Besitz austauschbarer Menschlichkeiten oder nicht. Damit möchte ich natürlich nicht sagen, dass man diese nicht wieder erlangen kann, aber ich bin so unendlich unausgefüllt, leer, müde und überflüssig.
Nur eure Worte geben mir Halt, damit meine ich die Kommentare bei Blogger und sogar die Unbekannten, mit denen ich auf Facebook Online-Spiele spiele. Daüfr bin ich so unendlich dankbar, doch bin gleichzeitig der Meinung, dass meine reale, nicht-digitale Isolation immer unüberwindbarer wird - wie eine Kluft, die stetig neu einreißt.
Ich habe den Überblick verloren, was ich machen sollte, kann und möchte. Natürlich komme ich mir selbst ziemlich überfordert und - kurz gesagt - hohl vor. 

Samstag, 14. Juni 2014

Zeitpunkt

Vielleicht war es in dem Moment zu spät für mich als ich Seelenheil im Gedanken des Todes fand.

Freitag, 13. Juni 2014

"Dem Sozialamt wäre es am Liebsten, wenn du nicht existieren würdest."

Über die Einfühlsamkeit des Freundin meines Bruders lässt sich sicherlich streiten, das heißt aber nicht, dass sie Tatsache nicht beim Namen nennen kann. Tatsächlich: Dem Sozialamt wäre es wohl lieber, wenn ich tot wäre.
Ich bin eine Bürde, für absolut jedem. Dies sage ich nicht einmal mehr in Selbstmitleid, sondern in schonungsloser Ehrlichkeit.

Dem Landratsamt habe ich inzwischen so gut wie alles offenbart. Ein wenig ist es mit dem Untersuchungsstuhl beim Frauenarzt zu vergleichen, nur mit mehr "Du musst, sonst..."-Zwängen. Geschlagen, ausgeliefert und nackt stehe ich vor den Richtern, die immer nur mehr Informationen brauchen, immer nur mehr hinterfragen und mit dem Wort Verständnis ohnehin nicht viel anfangen können.
Kontoauszüge, Mietsverträge, Kopien jeglischer Ausweise (Personalausweis, Behindertenausweis, Krankenkassenkarte), ärztliche Unterlagen, alle Zettel vom Jobcenter, alte Arbeitsverträge, Gründe der Arbeitslosigkeit (was auch immer das bedeutet), Nachweise, dass ich nicht irgendwo noch Millionen bunkere,... sogar Nachweise über und von meinen Bruder möchte man. Falls ich lüge, versteht sich, obwohl ich schon gefühlte zwanzig Mal bestätigt habe, dass ich dies nicht tue. Es ist egal, was man macht, prinzipiell kommt es auf das Selbe raus: Wäre ich nicht hier, könnte man sich das alles sparen.

Heute wurde mir ein neuer Fragebogen zugeschickt, in dem ich ankreuzen soll, warum ich keine Rente bekomme. In meinem ersten Schreiben habe ich allerdings schon erwähnt, dass ich nur zwei Jahre in die Rentenkasse eingezahlt habe und man mindestens fünf Jahre einzahlen müsse, damit man Rente in Anspruch nehmen darf. Zu Mindest ist dies die Aussage der Rehaklinik der Rentenversicherung gewesen.
Wahrscheinlich läuft es darauf hinaus, dass ich erst ein Ablehnungsschreiben der Rentenversicherung vorliegen muss, bevor das Landsratsamt überhaupt anfängt, zu berechnen.
Außerdem solle ich mich ab 1.7. freiwillig krankenversichern. Ohne Geld, ohne Ersparten. Wovon soll ich die Versicherung bezahlen, wenn ich weder Grundsicherung vom Sozialamt, noch vom Jobcenter bekomme? Netterweise hat man gleich die Barmer kontaktiert, dass man mir eine Änderungsmeldung zuschickt. Das hätte ich alleine wohl nicht mehr geschafft.

"Warum sind Sie eigentlich behindert?", nicht wortwörtlich so gefragt, aber dies ist eine Highlight-Aussage der Beamtin vom Sozialamt. Abgesehen davon, dass ich ihr die Unterlagen über meine Einstuftung vorlegte und ihr den Ausweis kopiert vorlegte, wusste ich nicht, wie ich auf so eine Frage reagieren sollte. Also reagierte ich wie immer in einem Gespräch: Ich schwieg, verfiel in Panik und fing an zu heulen.
Zu leben bedeutet für mich einen konstanten, variierenden Schmerz. Eigentlich brauche ich Niemanden, der seine salzigen Finger noch in die Wunden drückt und davon noch Videoaufnahmen anfertigt. Nur für den Fall, natürlich. 

Auch wenn ich es nicht sagen sollte... es lässt sich in mir nicht ändern. Immer und immer wieder läuft es auf den einen Gedanken hinaus: Eigentlich möchte ich nur sterben. Natürlich werden diese Art Wünsche von Zeit zu Zeit entlastender, aber im Hinterkopf schwirrt stetig dieses Verlangen. Diese Sehnsucht nach einem Ende.
Mit einem Spaziergang werde ich versuchen, meinen Kopf freier zu bekommen. Eine Klinge ruht in meinem Rucksack. Woher kommt erneut das Verlangen? "Denke an die Skills", "beruhig dich, beruhig dich!", "warte eine halbe Stunde und schaue, ob der Druck noch da ist" - eigentlich habe ich keinen Druck, ich möchte nur fühlen, dass ich ein menschliches Wesen bin. Möchte Bestätigung, dass ich wenigstens dem physischem Schmerz gewachsen bin.
Gott. Wie sehr wünschte ich, ich würde tatsächlich nicht mehr existieren....

Mittwoch, 11. Juni 2014

"Warum gehen Sie überhaupt bei diesem Wetter raus?"

Dies ist ein Zitat. Damit die offenkundige Meinung eines Arztes mit Doktortitel, der mich vorhin aufgrund eines Sonnenstichs "behandelt" hat. Seine Frustration gegenüber seinem Arbeitsverhältnis, dem zu schwülen Wetter und des Unachtsamkeit manches Menschen kann ich gut verstehen, doch ein wenig Einfühlungsvermögen wünsche ich mir als Patient schon auch.
Erst einmal möchte ich in den Raum werfen, dass ich nicht freiwillig in der prallen Hitze war. Schon gar nicht, freiwillig in einem Krankenhaus. Gestern und heute besuchte ich eine Art "Schnupperkurs"des sozialpsychiatrischen Dienstes meines Landkreises. (Prinzipiell war es ein Zusammenkommen von psychisch kranken Menschen unter Aufsicht eines Psychologen, drei Berater und ein paar Studenten. Gerade bin ich mir nicht sicher, ob man die Studenten "an uns" gewöhnen wollte oder ob man beweisen wollte, dass "Kranke" durchaus zwei Tage am Stück sozial miteinander umgehen können.)
Warum ich überhaupt da war? Mein Therapeut meinte, ich bräuchte Kontakte und sollte versuchen, mehr aus dem Haus zu gehen und "einfach mal was zu machen".

Am ersten Tag, gestern, machte man mit uns einen Allgemeinbildungstest. (Nein, dessen Bedeutung verstehe ich nicht. Vielleicht hat man diese später nach Krankheitsbild sortiert und erstellt anhand dieser Studien. Womöglich wollte man nur, dass wir abgelenkt sind.)
Genaueres weiß ich nicht wirklich, da ich ziemlich dissozierte und mein Allgemeinzustand durch die Hitze, die Fremden und die unbekannten Umstände äußerst bedenklich war.
Habe ich schon erwähnt, dass mir 35°C zu heiß sind?
Es ist kein Geheimnis, dass ich ein Winterkind bin und bei kühlen Temperaturen gerne auch mal spazieren gehe. Aber das halte ich nicht aus - gemischt mit Herzklopfen und Panikattacken war es ein Außer-Gefecht-Setzen meiner geistigen Kompetenzen. 
Heute kommt erschwerend hinzu, dass ich aus gegebenen Gründen ziemlich schlecht schlief, Alpträume hatte, ich einen neuen Antrag beim Sozialamt abgegeben habe und wusste, dass der zweite Teil dieses Zusammenkommens unumkömmlich war.

Was macht man, wenn man (ohne Personal) zwölf Menschen zusammenruft, von denen sicherlich mehr als die Hälfte Anti-Depressiva oder Anti-Psychotika nehmen (welche bekanntlich lichtempfindlich machen und sogar phototoxisch wirken können)? Genau! Man geht in der Vormittagssonne, welche eine Temperatur von 32°C mit sich bringt, spazieren.


Letztendlich war es eine Überraschung, dass nur vier von uns zum Krankenhaus gefahren wurden, weil wir einfach "zu daneben" wirkten. Sehr zu Begeisterung des Arztes der Frühschicht.
Ob er nun ein Sommer-Sonnen-Muffel ist, zu viel zu tun hatte, keine Lust hatte, voreingenommen war, weiß ich nicht, aber kurz gesagt, war er ein unfreundlicher Quacksalber. Frei nach dem Motto: Wer Sonne auch mit SPF 50 nicht verkraftet, sollte sich zu Hause einsperren. Obwohl ich dem aus meiner Sicht zusprechen würde, nur nicht aus diesen Gründen.
Ich wäre ohnehin zu blass für diese Welt, was auch immer das bedeutet. (Blut abgenommen hat er. Nur zum Nachschauen, ob auch alles sonst ok ist.) Sonst nichts. Solange noch alle bewusstseinsklar sind, brauch' man nichts machen.

Man hat meine Leidensgenossen und mich nach Hause gefahren. Was habe ich in den letzten zwei Tagen gelernt? Was ist das Fazit, welches ich ziehen kann?
Bisher hatte ich keine Erleuchtung. Aber die Freundin meines Bruders hat mir eine Sonnenbrille geschenkt. Eigentlich war sie für den Eigengebrauch bestimmt, jedoch ist ihr Kopf zu groß. Genau wie ihr Ego - doch das ist eine andere Geschichte.







Mir ist so übel, könnte die ganze Zeit mit Übergeben verbringen. Werde aber nun versuchen, mich aus zu ruhen. Habe den Kopf in ein feuchtes, kühles Tuch gewickelt. Tief einatmen. Das wird schon wieder...

Samstag, 7. Juni 2014

Wasser

"Ist es nicht ungerecht - dir selbst gegenüber -, dass du für andere die Sieben Meere zusammen sammeln würdest und für dich nicht einmal einen Regentropfen übrig hast?"

Freitag, 6. Juni 2014

Chemiewerk

Ich vermisse mein Ich ohne Medikamente,
doch zugegebenermaßen glaube ich nicht daran,
dass ich dies wieder ertragen könnte.
Es ist keine Ausrede mehr, wenn ich psychische Krankheiten glorifiziere:
Immerhin ist dies alles, was ich bisher kannte.
Seitdem ich denken kann, waren Umstände immer 'problematisch', doch nicht der Änderung wert. Seitdem ich denken kann, wurde Persönlichkeit immer mit 'Störung' betitelt, doch nicht mit Zeit, Geduld, Standhaftigkeit oder Geborgenheit entlastet. Seitdem ich denken kann, verwandelten sich Erinnerungen in 'Trauma' oder wurde als 'diagnostische Unwichtigkeit' abgestuft, doch wurden lediglich nieder-geredet oder mit Tabletten beworfen.

Und nun wundert man sich, warum ich trotz sämtlicher Wirkstoffe, Hemmer und Steigerer nicht fähig bin, einen Alltag bzw. ein Leben zu meistern.
Natürlich ist mir bewusst, dass ich schwierig im Umgang bin, schon allein wegen dem fehlenden Vertrauen...

Es gibt nur noch einen Ort, zu dem ich laufe, um mich vor eigener Existenz zu verstecken. Auf dem Weg zwischen Berglandschaft und Meeresgrund steht das Chemiewerk am hellsten Fleck.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Paranoia

Es ist als
wolle jeder Mensch,
der hinter mir läuft,
an meiner Vordertür
lauern.
Darauf wartend,
dass ich sie
eines Tages
offen stehen lasse.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Man muss wohl einfach darüber hinweg kommen....

An ein Mädchen, aus dem eine sehr unglückliche, misstrauische Frau wurde. Ich denke an dich und hab dich lieb. Bitte bleibe stark. Nicht jeder auf dieser Erde möchte dir Leid zufügen, ich nicht. Nicht jeder ist ein Monster, daran halte ich fest.


Man muss wohl einfach darüber hinweg kommen....
Sie wollten nur, dass du dich entschuldigst.
Gerichtet an den Jungen, der dich filmte
während er deinen Vierzehn Jahre alten Körper missbrauchte;
"Der Fall wird abgewiesen", sagten sie,
und so passierte es auch. 
Es passierte.
Trotz Geständnis,
trotz Aussagen der Ärzte,
trotz der Widrigkeiten, die du über dich ergehen lassen musstest.
Das Video erlangte Kultstatus in deiner Schule,
in einem kleinen Textkästchen stand in Druckbuchstaben:
"Weil alle Mädels es von mir besorgt bekommen wollen",
reuelos, kalt -
wie sein Großvater, der Mandatsträger.

Zwei Jahre vergingen,
zwei Mal versuchtest du, zu sterben,
mir kommen die alten Zeitungsberichte,
Anfeindende Nachrichten und Anschuldigungen in den Sinn.
Anonyme Hasstriaden,
von Behauptungen überlaufend:
"Die Schlampe wollte es doch auch",
"Besseres hat sie nicht verdient",
"Soll sie doch froh sein, dass ein Schwanz sie mal wollte",
"Kleinstadt-Mädchen sind alles Huren",
auch die Minderjährigen
auf der ersten unbeaufsichtigten Party ihres Lebens.

Zerreißender noch waren die brühenden Blicke,
Vorwurf um Vorwurf,
von einem zum nächsten.
Der Pfarrer mit siebenundzwanzig Jahren Erfahrung
im Gegensatz zu nun sechszen Jahren Deplaziertheit
hielt dir den gleichen Vortrag wie mir:
Das maßgebende Auge läge in Eigenverantwortung,
Schuld habe keiner für kindliche Missetaten,
es handelte sich lediglich um einen Fehler,
für welchen seine Familie gerade stehen müsse.
Nicht der Täter, nicht das Opfer.
Als würde dies Gerechtigkeit erwecken
oder erklären, warum der Bote der Christlichkeit,
Schaffer von Nächstenliebe und Vergebung,
dazu riet, keine Anzeige zu erstatten.
Vielleicht ersparte es dir die Anhörung
vor grau-haarigen Diakone,
die Implikationen verstehen,
doch daran festhielten, er sei ein guter Mensch.
Du warst das Übel,
du hättest ihn verführt,
dein Rock war zu kurz,
du hättest nicht deutlich genug "Nein" gesagt.

Inzwischen sind acht Jahre vergangen.
Von deinen immer-wiederkehrenden Versuchen
der Selbsttötung
redet die gesamte psychiatrische Abteilung
des Stadtkrankenhauses.
Manchmal, höre und schreibe,
manchmal sind sie von seiner Schuld überzeugt,
hilft es doch nicht darüber hinweg,
dass er in einer anderen Stadt sein Studium meistert,
immer wieder Fotos von exzsessiven Nächten
auf seiner Facebook-Pinnwand verteilt
während du mit einer tiefen Leere in dir
bei Therapiestunden, Arztterminen
und Selbsthilfegruppen sitzt,
weggeschlossen wirst, weil du Unüberlegtheiten aussprichst.
"Ihr sollt alle tot umfallen,
verrecken sollt ihr!",
obwohl du eigentlich nicht möchtest,
dass eine weitere Person leidet,
eigentlich nicht,
eigentlich möchtest du nur,
dass du selbst tot umfällst.
Denn wenn du in klassischer Runde
von zehn fremden Augenpaaren angestarrt wirst,
kannst du nicht sagen:
"Ich wurde vergewaltigt"
ohne hinzu zu fügen:
"nur statutarisch und satzungsgemäß."

Sie sagen, es wäre Zeit,
es wäre endlich soweit
die Opferrolle abzulegen und
zu einem Überlebenden zu werden.
Sie fordern dich auf,
voran zu schreiten,
du bist erwachsen und
es ist vorbei.
Lediglich in deinem Kopf
bist du noch immer vierzehn Jahr,
zum ersten Mal betrunken,
ertränkt in Hilflosigkeit
und diesem stechenden Schmerz
zwischen den Schenkeln,
vor Allem in der Brust.
Letztendlich fragst du dich nur unentwegt,
was du getan hast,
um diese Schmach zu durchleben,
um verachtet und beschuldigt zu werden.

Man muss wohl einfach darüber hinweg kommen...
in Bitterkeit, Angst, einem Hauch Ironie,
einer Menge zerbrochenen Vertrauen und
dem letzten Rest Selbstachtung.

Montag, 2. Juni 2014

Erwachen

Der Gedanke, dass ich morgens aufwachen und realisieren könnte, mein Leben nie gelebt zu haben, ängstigt mich so sehr, dass ich manchmal gar nicht erst ins Bett gehe.

Sonntag, 1. Juni 2014

Totgeburt + Glaskind

Totgeburt

Sein Name ist Roman. 
Ausgehöhlte Skellettaugen mit eingemeißelten Tränen,
Arme gefüllt mit primitiven, selbst-gestochenen Tattoos;
seine Handknöchel zieren das Wort "Hass",
treffenderweise:
sein Körper ist ein Schlachtfeld,
sein Gesicht ein Hilfeschrei hinter Gittern.
Dunkle Orte, an denen aus Händen Fäuste werden,
aus Missgunst Wut,
aus Unverständnis gebrochene Knochen.
Geschichten verborgen wie durch
verdunkelte Scheiben schäbiger Kneipen,
die Gehirnzellen abtöten,
nur um die Tage zu überstehen und zu vergessen.
Die Wände zerkratzt mit Strichlisten.
Lediglich unter Betten scheint Mondlicht hervor.
Unter seinen Schuhen drückt er die Zigarette aus.
Es ist Zeit für ein Halali.

Hinter ihm
schrubbt Nastya verklebte Teller,
kratzt an alter Soße wie am Faden ihres Lebens.
Der süße Geruch von Marijuana folgt ihr,
auf Schritt und Tritt;
er hängt über ihren Kopf,
zwischen ihren Zähnen,
an ihren frisch-rasierten Beine:
Aromatische Niederlage
im einvernehmlichen Eingeständnis.
Ihre Augen fahren unverschämt über seinen Körper
während er von Razzien und Veordnungen spricht.
"Bin auf Bewährung,
doch war schon drei mal im Knast.
Bald ein neuer Rechtsfall vor Gericht wegen Waffenbesitz."
Sie nickt in Kausalität,
unbeindruckt, doch nachgebend,
wissend um den Zünder.
"Als ich das letzte Mal so richtig breit war,
hatte ich nur ein paar Steine ans Nachbarshaus geworfen,
nicht mal an die Fenster.
Obwohl ich sie töten wollte,
weil sie niemals die Fressen halten.
Niemals.
Dann habe ich die Knarre in meinen Mund gesteckt
und zu Gott gebetet,
dass er mir die Kraft gibt, endlich ab zu drücken.
Angeschrien habe ich ihn,
verflucht hab ich ihn.
Die Nachbarn haben die Polizei gerufen,
weil sie niemals die Fresse halten.
Niemals.
Gott hat nicht geantwortet,
ich habe nicht abgedrückt,
die Waffe geladen in Richtung Himmel geworfen -
das hab' ich!
Als die Bullen ankamen,
sagte ich, es sei das Fernsehen gewesen.
Immerhin ist das Fernsehen an allem Schuld,
doch keiner glaubte mir."
Die Waffe ist wohl noch immer auf dem Weg zu Gott,
der die, die sich zum Teufel scheren wollen,
beschützt wie sein Augapfel,
meist zielt und niemals abdrückt.

Nastyas Schultern zuckten unkontrolliert,
zu jeder Träne, die ihren Wangen hinab flossen.
Wieso versteht keiner,
wenn das Fernsehen offensichtlich schuldig ist?
Er kann nicht mehr weinen,
sie weint nur für ihn, und das Baby.
"Vielleicht hast du dich nicht umbringen können,
oder jemals einen anderen Menschen,
denn ich bin der Mörder von uns Beiden.
Das Baby,
du weißt schon, welches von der Vergewaltigung da war,
ich hab es verloren.
Teilweise denke ich sogar, ich habe es tot-gewillt.
Es fühlte sich an wie das Böse,
welches sanft in meinem Schoß wächst,
wie eine lebende Wunde,
welche darauf wartet, den ersten Atemzug nehmen zu dürfen
in einer noch kälteren Welt.
Wenn es geboren worden wäre,
wäre es Unschuld, die mich von Innen heraus vernarbt hätte;
hätte mich in wunderschöner Reinheit verdreckt. 
Wäre mein Geist nicht an diesem Tag gestorben,
vielleicht wäre alles anders gewesen.
Doch ich habe meinen Kopf verloren,
welcher in fauliger Gebärmutterschleimhaut gewickelt wurde
und um langsam, oh so langsam,
darin zu ertrinken."
Roman versteht nicht,
sie erkennt es im Echo seiner steinernden Blicke.
Es ist die Angst, dass dieses Baby so werden könnte
wie er, oder ihr Peiniger,
diese atmenden Totgeburten, 
gleichgültig dem Geschlecht gegenüber.
Unter Umständen wuchs kein Kind über ihren Hüften,
sondern nur Blutklumpen,
die sich wie ein Tumor anhäuften
und schreien.
Schreien wie Roman nach einem Gott,
nach Liebe einer Mutter,
nach Verständnis von Fremden,
auch der Polizei, oder dem Fernsehen.
"Noch immer kann ich ein Stimmchen hören,
zwischen meinen Ohren,
vorwurfsvoll und doch dankbar.
Ich hätte es nicht lieben können,
verstehst du?
Ich hätte es nicht lieben können,
Roman."

Gott zielt noch immer,
unter Umständen zeigt er Gnade,
nicht für die Zwei, versteht sich von selbst.
Für das Vergewaltigungs-Baby.
"Wir wurden schuldig gesprochen,
nicht das Fernsehen.
Jeder hatte eine Meinung,
doch kein Verständnis.
'Nastya, dein Rock war zu kurz.
Das war eine Provokation',
sagten sie zu dir, mein Schatz,
Sie nannten dich eine Lügnerin
und mich ein Monster.
Prinzipiell ist es egal,
in dieser Welt ist weder - noch willkommen."
Plötzlich trägt er ein Lächeln auf den Lippen,
womöglich aufbauend gemeint,
jedoch verloren in Trauer und Seelenschmerz.
Unnachgiebig und schuldbedeckt.
Bleibt dies auch die reinste Form von Verständnis,
die sie jemals erfahren darf,
ist es doch genug.
Selbst für das verfluchte Fernsehen. 



Glaskind

In abwesenden Armen,
in gierigen Augen:
Kleine Finger umgreifen den Lieblingsteddy
(für den Tag),
ein wenig fester als notwendig.
Spürbar erhoben, einsam.
Sie weint keine Flüsse,
nur den Treibstoff neuer Spielzeuge,
die nicht ersetzen,
was sie sich ersehnt.

Geisterhaft scheint Mama
Mit künstlich aufgemaltem Lächeln;
Verödet menschenleer scheint Papa,
der Priorität in braunen Flaschen
ertränkt.

Die Tage verbringt sie mit vermissen;
Es ist ihr aller-liebstes Spiel.
Sogar in ihren Träumen
Streckt sie ihre Arme nach ihnen aus,
doch fasst stetig nur Leere,
die sie packt,
an Ort und Stelle presst.