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Donnerstag, 31. Juli 2014

Verbaler Totschlag

Während ich mir erneut deine SMS durchlese, beschämt jedes böswillige Wort zu nah an mich heran kommen lasse, kann ich nicht anders als mich daran zu erinnern, wie unsagbar gutmütig du warst als wir uns kennen lernten. Mit deinem aufmunterndem Lächeln, den wärmenden Gefühl deiner Arme. Wie wurde aus "Ich denke, du solltest dich mir öffnen" zu "Du merkst es vielleicht nicht, aber mit dir zu reden, gleicht einem verbalen Totschlag"?
Vielleicht erwartest die Enthüllung eines Geheimnisses, welches es nicht gibt. Immerhin sind "Menschen wie ich" in psychiatrischen Fachbüchern sachkundig beschrieben. Wenn die Diagnose passt, beschreibt "kataklystisch" jedoch nicht annhährend die Katastrophe des Innenlebens. Für dich ist es doch auch nichts Neues.

Wir sind nicht füreinander bestimmt. So offentsichtlich muss man es benennen. Es lag schon in der Art unterschwelligen Komforts, die du unter deinen Augenlidern trugst - als wolltest du nur einem Instinkt folgen. Während ich nach Sinn und Wirklichkeit suchte, um zu wissen, ob die Linien auf meinen Fingerkuppen nicht eine Nachricht übermitteln wollten. In deinem Herzen gab es diesen Funken Sicherheit - um dich, um mich, um die Situation -, ich konnte dies nicht einmal reflektieren. Zwischen uns stand immer die Erinnerung und die Angst. Eines entsprach wohl eindeutig der Wahrheit: "Emaschi, manchmal verhältst du dich wie ein einsames Erdmännchen ohne Versteck.".
Nun ja, was passiert mit Kolonietieren, die ständig unter Stress stehen? Früher oder später sterben sie.

Als ich dir damals sagte, ich wäre nicht in der Lage die gleiche Liebe wie du zu empfinden, schütteltest du mit dem Kopf. Heute beerdigst du die Wahrheit mit Tränen. Für dich heißt es nun, ertragen, denn für mich bleibt es der selbe Kreislauf. Ich habe lediglich dazu gelernt, dass man sich umso verlorener vorkommt, desto mehr ein anderer darauf besteht, gefunden worden zu sein. Die Gleichung addiert sich fix: In deinen Augen war ich ein verängstigtes Tier, welches um Hilfe winselt. Du wolltest zeitgleich gerettet werden und Retter sein. Was auch immer du meintest, retten zu können. Ich wollte dich, weil du ein besserer Mensch bist als ich. Doch so funktioniert das Prinzip dauerhaft nicht. Hättest du mir nicht einfach glauben können? Hättest du mir nicht im richtigen Moment den Rücken kehen können? Hättest du dein Glück nicht weit weg von mir suchen können?
Mir bleibt der Atem in der Lunge stecken. Inzwischen schmerzt der ganze Körper dort, wo die Seele und das Herz nichts mehr ertragen können. Vielleicht fährt mir deine Abwesenheit in den Unterleib und deine fehlenden Hände können die Krämpfe im Rücken nicht mehr lösen.

Finden sich zwei Menschen hoffnunglos und traurig, baut man Zukunft auch wackligem Steg. Sogar ich hätte ein spannenderes Drama schreiben können. Ist es nicht so? Du weißt es gewiss. Du weißt, dass ich mit einer Lüge hätte besser leben können als versuchen zu wollen, die Gedankenstrukturen, die zu diesem Niedergang geführt haben, zu reparieren.
Traurig ist die Tatsache, dass du so herzbrecherisch deprimiert bist wegen einer Lappalie. Liebe wird niemals genug sein können, niemals ausreichend. Mit einem bezaubernden Lächeln würdest du jetzt wohl sagen: "Versuche dein Bestes", aber die Enttäuschung ist noch zu omnipräsent. Mit Sicherheit wartet auf dich mehr, besseres, bewegenderes. Die Welt wartet auf dich mit all ihren schönen Töchtern. Mein verbaler Totschlag ist nicht der Standard und - ob du es glaubst oder nicht - du atmest noch im gleichem Rhyhthmus wie vorher. Das Gegenteil zu behaupten wäre schiere Heuchelei.

Ich wünsche uns geteilte Hoffnung und möchte für uns getrennte Geborgenheit und sorge mich darum, heute wie am ersten Tag, dass es zu einfach erscheint, Dinge zu verlieren, von denen man dachte man würde sie für immer halten können. Oder wenigstens für ein bisschen länger. Oder intensiver. Oder... ach, ich bin so müde geworden...
Bitte versuche mir zu verzeihen. Dein Herz wird es ab diesem Tage leichter haben.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Skills

Mich erfüllt es nicht mit einem schlechten Gewissen, sondern eher mit Verwunderung. Selbst wenn ich es schaffe, Skills anzuwenden, obwohl ich mich lieber schneiden würde, denke ich mir - währenddessen und danach - eigentlich nur: "Das ist aber einfach nicht das Gleiche."
In diesem Sinne betrachtet, bin ich ein wirklich undankbarer Patient.

Dienstag, 29. Juli 2014

Die Frau im Wartezimmer des Arztes

In ihren Augen spiegelt sich keinerlei Lebensglanz,
keine Hoffnung steckt zwischen den Falten ihrer Stirn.
Ein Klumpen aus Fleisch und Knochen, zu taub um irgendwo hinzusehen außer
her
     run
             ter.
Sie rollt sich ein in eine nasskalte Dunkelheit,
zerfällt in Müdigkeit und Erschöpfung - die Lider fallen zu.
Nichts als Schmerz als einzigen Begleiter,
ach, wie groß ist das Begehren gewachsen,
der Wunsch einfach auf zu geben und zu sterben.

Montag, 28. Juli 2014

Pflege

Als ich noch in der Tierarztpraxis gearbeitet habe, habe ich fiebrige bzw. allgemein kranke Tiere immer besondere Aufmerksamkeit geschenkt, mit viel Umarmungen und Liebkosungen.
Jetzt liege ich hier mit Fieber und Ausschlag, unter Schmerzen und Übelkeit in meinem Bett und komme nicht drum herum, mir eine vergleichbare Behandlung zu wünschen. =(

Spalten

"Das sind nur die Pheromone",
doch verdammt sei ich,
wenn sie nicht nach Liebe riechen,
nach 'mehr' schmecken.
Die Stille öffnet alte Wunden
an den verfluchten Orten,
von denen nur das Nirgendwo erzählt.
Der leere, anaerobe Innenraum
zwischen dem Brustkorb,
gefühlsmäßiger Schatten.
Träume können nicht zerschneiden,
was Liebe bisher nicht gefunden hat.
Oder ist es die Liebe,
die noch nicht gefunden wurde?

Das Bett bleibt unangefasst.
Einsamkeit ist an meiner Seite.
Wandere ziellos in salziger Bitterkeit,
in gähnenden Holhräumen,
stets auf der Suche nach dir.

Sonntag, 27. Juli 2014

Ach nein...

Jetzt habe ich auch noch einen juckenden Ausschlag am Bauch und an den Armen.



Damit ist meine Liste doch hoffentlich erstmal komplett. Die Rückenschmerzen ziehen sich jetzt über den Nacken und die Schultern und verursachen Spannungskopfschmerzen. Diese Übelkeit macht mir auch zu schaffen. Mit letzter Zuversicht muss ich zugeben, dass sich die Schmerzen im Unterleib verbessert haben.
...
Wenn ich doch wenigstens mental stabiler wäre,.... Aber mein Bruder ist bei mir. ...

=(
....

Tut mir leid, dass ich so viel jammere.
....


Immer wieder

Gehirn: "Langsam sollten wir aufstehen."
Körper streckt sich und dreht sich einmal.
Gehirn: "Boah, aber mal langsam! Das war jetzt aber schon ziemlich übertrieben. Vielleicht sollten wir erstmal noch eine Stunde schlafen."
Körper widerspricht nicht, wartet.
Gehirn: "Nun aber! Ein bisschen Bewegung wird ja nicht zu viel verlangt sein."
Körper rollt aus dem Bett, geht ins Bad, kommt wieder ins Schlafzimmer.
Gehirn: "Ich hab echt keine Lust mehr. Leg' dich wieder hin. Oh, wusstest du eigentlich, dass du wahnsinnige Rücken- und Unterleibsschmerzen hast?"
Körper krümmt sich vor Schmerzen. Tränen steigen in die Augen.
Gehirn: "Das kann doch nicht ewig so weiter gehen."
Körper dreht sich in Richtung Eimer, der vorsichtshalber am Vortag einen Platz dort eingenommen hat. Doch nur leeres Hieven entlässt sich der Kehle.
Gehirn: "Ach, und vergiss nicht die Medikmanete zu nehmen."
Körper nimmt Tablette und bewegt sich für die nächsten Stunden einfach nicht mehr. Aus dem Nichts fällt Gehirn ein: "Wusstest du, dass du schon recht lange keine Zahnschmerzen mehr hattest? Das sollten wir ändern. Spürst du das? Jetzt?"

Samstag, 26. Juli 2014

Nur ein bisschen Blut

Panik und Angst - die ganze Zeit.
Ich kann nicht aufhören, mir eine Klinge zu wünschen.
Bisher war ich rational genug, um mich an die Arzttermine zu erinnern.
Flashbacks. Oh Gott, diese Angst.
Immer nur Angst.
An jedem Tag.
So kann es doch nicht weiter gehen.
Ein bisschen schneiden, ein bisschen ritzen, ein bischen bluten - etwas, das hilft.

Herr Opfer hat sich entschuldigt und eine plausible Begründung gegeben.
Blut. Blut. Blut. 
Kann nicht aufhören, an ihn zu denken.
Angst.
Ich fühle mich plötzlich so einsam und verloren.

"Wer mit Körnern um sich wirft, lockt nur Hühner an."

Nach einigen Wochen Abstinenz schrieb mir Herr Opfer eine Nachricht bei Whatsapp. Normalerweise ist daran nichts ungewöhnlich, doch seine Worte waren mehr als besorgniserregend.
So schrieb er mir erst über sein kränkliches Allgemeinbefinden, an dem ich seine schlechte Laune auch hätte ausmachen können. Überrascht war ich trotzdem ein wenig über die nicht im Kontext stehenden Worte: "Dich will ich aber trotzdem nicht sehen."
Mir schien es wie ein gescheiteter Manipulationsversuch à la "Hard to get". Wenn ich ihr schreibe, dass ich sie nicht sehen möchte, kommt sich bestimmt von selbst angekrochen. Doch als ich ihm ehrlich antworte, dass er für das Wochenende gewiss eine paar Freunde finden würde, die Zeit mit ihm verbringen und ihm das gewiss gut tun würde, reagierte er ungehalten. Nach ein paar wüsten Bemerkungen, denen ich jetzt nicht all zu viel Beachtung schenken möchte, fragte er mich, warum ich eigentlich kein Interesse an ihm haben würde. Meine Antwort war: "Wer mit Körnern um sich wirft, lockt nur Hühner an."
Anscheinend hat ihm das den Rest Beherrschung genommen.

Ich weiß nicht einmal genau, warum. Kann es mir nicht erklären. Er schien regelrecht wütend? Immerhin - wenn er mich nicht sehen möchte, ich ohnehin zu viel Angst habe, mich mit ihm zu treffen, wo steckt jetzt der Grund seines Ärgers?
Ich bin verwirrt. Zumal seine Beschimpfungen ziemlich ins Schwarze getroffen haben und sehr schmerzen. Im Nachhinein genau so wie beim ersten Lesen.

Offen gestanden mache ich mir große Sorgen, denn dieses Verhalten passt keineswegs zu ihm. Bisher war er immer recht einfühlsam und ausgeglichen. So einen unnötigen Wutausbruch, gerade mit diesem "Runtermachen" meines Charakters, erlebe ich zum ersten Mal. Ob ich im Stande bin, ihm zu helfen, kann ich bisher nicht sagen. Von ganzem Herzen wünsche ich es mir. Er ist eigentlich ein guter Mensch.

Freitag, 25. Juli 2014

Fatigue

Es benötige nicht mehr als einen simplen Wimpernschlag, um mir zu sagen, es sei genug. Sogar das Schwein ist müde davon, erschöpft durch die endlosen Stunden Herzschmerz und Verdrängung.
Wir liegen im Bett, regelrecht komatös, doch der Schlaf holt uns nicht ein. Ich möchte nicht einmal mehr klagen. Will nicht stundenlang Worte zu Tage tragen, die nicht erleichtern; oder von Gedanken heimgesucht werden, die nichts weiter als das Flussensieb der Waschmaschine verstopfen. Limitiert auf eine ausgesuchte Variation von Emotionen verharre ich in Dunkelheit. Zwei straff-gespannte Bänder sind um meinen Mund gebunden, festgemacht am Hinterkopf wie eine Chirurgenmasken, und lediglich sie halten den Mund offen. Auch wenn dies nur dazu dient, dem Schwein eine Startrampe zu gewährleisten.
"Schmerz ist nur soweit zu ertragen wie er nicht dein eigener ist", sagt das Schwein. "Wenn er durch dich verursacht, wird das Schicksal früher oder später daran denken, es dir heim zu zahlen." 
Ich wünschte, es würde den Mund halten, dass wir endlich schlafen können. Doch es gibt diese eine Funktion, eine Regel, die besagt, dass Wände sich um 3.00 Uhr Nachts in Babygeschrei verwandelt und die Einsamkeit beginnt zu sprechen, von Vergangenheit und Zukunftsangst. Gefangen in Benommenheit: Es ist nicht schlafend und nicht wachend, mehr ein "ich existiere eigentlich gar nicht". Zu Mindest in dieser oder jener Stunde. Der Kopf verwandelt sich in einen Bienenstock, überfüllt mit Surren und Brummen und schleimigen Honig.

"Vielleicht willst du gar nicht normal sein, hast du daran schon einmal gedacht?", fährt das Schwein fort.
"Man kriegt nicht immer, was man möchte. Immerhin ist es Fakt, dass Lieder, die man nicht aus seinem Kopf bekommt, reziprok proportional zu denen stehen, die man eigentlich nicht mehr hören kann", antworte ich. Verzweifelt presse ich die Hände an meine Ohren, versuche alles zu verdrängen: Das Seufzen, die Fragen, das Geschrei, das Gesumme, die Angst, die Alpträume - prinzipiell alles, was mich ausmacht.
"Bist du nicht besorgt, dass du irgendwann keine Zeit mehr hast?", und ich möchte antworten, dass es eigentlich nichts gibt, worüber ich nicht besorgt bin, doch frage mich stattdessen, ob sich Trauma sowie Träume in Ägypten, Japan, Lichtenstein, Cambodia, den USA, Peru, Australien, Österreich oder Polen gleich anfühlen wie hier? Mit "hier" meine ich nicht prinzipiell Deutschland, sondern hier in meinem Bett, meinem Kopf.
"Wenn man Sorge einen Geist auffressen lässt, hat es bald nichts mehr zum Schlucken", ist das Letzte, was ich dem Schwein entgegen bringe. Die Nacht war zu kurz. Meine Gedanken sind zu lang, zu laut, zu omnipotent. Wie sehr ich mir Tavor herbei sehne, nur für diesen Moment. 

Donnerstag, 24. Juli 2014

Gute Nachrichten

Wunder passieren immer wieder: Gestern war ich beim Hausarzt, der übrigens gleichzeitig mein Psychologe ist. Der Mann weiß unglaublich viel, aus medizinischer Sicht gesehen, und ist verrückt genug, offene Sprechstunden an zu bieten. Für einen Menschen mit Telefonphobie ist dies jedoch überaus praktisch.
Natürlich denken sich dies auch andere Leute und der Warteraum war gewohnt überfüllt. Offen gestanden gab es schon Tage, an denen ich länger wartete, aber mit Rücken- und Unterleibsschmerzen sind 1 1/2 Stunden ausreichend. Undankbar klingen mag ich jetzt jedoch auch nicht. Immerhin ist es ja meine Schuld, dass ich mir keinen Termin beim Orthopäden besorgt habe.

Im Untersuchungsraum wurde mir schon recht mulmig. Gleich vorweg: Ich habe die Rückenschmerzen erwähnt und dann hat es mir gleich die Sprache verschlagen. Selbst wenn diese Angst albern erscheinen mag, selbst dort konnte ich mich nicht überwinden. Obwohl ich mir sicher war, dass er mich ohnehin nur zu einem zum Orthopäden und zum Anderen zu einem Gynakologen überweisen würde.
Ersteres ist dementsprechend so eingetroffen. Nach ein paar Griffen und Herumdrücken an meinem Rücken (Oh Gott, ich wollte schreien und weglaufen), verkündete er: "Das sind steinharte Verspannungen im oberen Rückenbereich und Nacken. Die können durch eine Angststörung ausgelöst werden, auf jeden Fall aber verschlimmert. Bei einem Orthopäden sollten Sie genaueres abklären lassen."
Wie auch immer es dazu gekommen ist, letztendlich hat der Arzt selbst angerufen und einen Termin ausgemacht. Das obwohl dieser Schritt aus pädadogischer Sicht nicht wertvoll war. Gestern war wohl ganz simpel gesagt ein Glückstag. Außerdem habe ich ein Schmerzmittel namens Tramadol verschrieben bekommen. Es musste ja eines sein, welches sich mit dem Lithium verträgt. Als er mir sagte, es würde müde machen, habe ich aber nicht mit den darauffolgenden komatösen 13-stündigen Schlaf gerechnet, der nach der Einname folgte.

Jetzt fühle ich mich ausgeruhter als vorher. Das auf jeden Fall. Der Schmerz ist noch da, aber definitiv nicht mehr so intensiv. Der Termin beim Orthopäden ist am 6.8. gleich in der Früh. Bis dahin muss ich wohl durchhalten. Viel schlimmer kann es ja nicht werden. Hoffe ich.

(Am 5.8. muss ich zum Internisen zur Kontrolle meiner Schilddrüse. Da wird hoffentllich alles in Ordnung sein.)

Danke nochmal für eure aufbauenden Kommentare. Spätestens morgen werde ich alles erneut durchgehen und auch beantworten.  

Mittwoch, 23. Juli 2014

Alles, woran ich denke, ist Schmerz.

Man erwacht aus unerholsamen Schlaf und ist eingehüllt von Schmerz.
Und wie man beginnt, lebt man wohl auch.
Vielleicht ist es wahr; vielleicht bekommt man nur das, was man verdient. Wenn man nichts macht, sei es auch nichts negtatives, wird wohl auch kein Wunder passieren. Mit offenen Händen und leerem Herzen sehnt man ein Ende herbei. Aber wo kein Laut, auch kein Echo, nicht wahr?



Natürlich habe ich bisher nicht beim Orthopäden angerufen. Wahrscheinlich ist Schmerz noch immer nicht Motivation genug, sich um diesen Körper zu sorgen. Ich kann nicht aufhören, zu weinen. Mit dem Telefonhörer am Ohr. Zusammengekauert vor der Tür. Am PC. Im Bad. Diese Angst ist allgegenwärtig, sie konsumiert mich und wird lediglich von diesen Schmerzen übertrumpft. Wie ich mir wünschte, ich würde einfach umfallen und nie wieder etwas spüren...


Entschuldigt bitte, dass ich gerade nicht auf eure Kommentare antworten. Mit Selbstverständlichkeit lese ich jeden und freue mich sehr über eure Worte. Danke für eure Unterstützung.
Um dies noch schnell zu bestätigen: Ich denke nicht, dass dies Nebenwirkungen vom Lithium sind. Unterleibs- und Rückenschmerzen habe ich immer wieder, schon seit Jahren. So akut und intensiv leider auch schon. Das Problem, welches ich nur jetzt habe, ist, dass es Wechselwirkungen mit den meisten zugänglichen Schmerzmitteln und Lithium gibt. Aspririn, Ibuprofen und sogar Schmerzgele mit Diclofenac (zum Beispiel Voltaren) fallen da komplett weg. Durch diese, und auch andere, Medikamente kann der Natriumspiegel fallen, welches den Lithiumspiel erhöht - dadurch kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen.
Offen gestanden habe ich gestern und heute trotzdem ein Schmerzmittel genommen, allerdings Metamizol - welches genauso auf der Liste der Wechselwirkungen steht. Das Einzige, was mir aber gerade leid tut, sind meine Nieren.
Eigentlich sollte ich heute oder morgen zum Blut abnehmen beim Psychologen. Doch das wird nicht sonderlich viel bringen, wenn die Werte so verfälscht sind. Ich traue mich nicht unter Menschen. Keiner soll mich sehen und ertragen müssen. Ach, ich weiß auch nicht, was ich hier eigentlich noch mache...

Montag, 21. Juli 2014

Rückenschmerzen, Unterleibsschmerzen,... - ein Arzt muss her.

Liegen erfüllt mich mit Schmerz.
Sitzen erfüllt mich mit Schmerz.
Laufen erfüllt mich mit Schmerz.
Sein erfüllt mich mit Schmerz.
Gerade empfinde ich es als außerordentlich schwierig, zu schreiben. Zu denken, im Allgemeinen. Ich bin so unglablich müde. Leider kann ich auch nicht mehr auseinanderhalten, was mögliche Nebenwirkungen des Lithiums sein könnten und was meine gewöhnlich ungewöhnlichen Körperausartungen sind. Immer wieder kämpfe ich mit Übelkeit, muss pausenlose auf die Toilette und krümme mich vor Schmerzen. Da ich aber kein Händezittern habe, gehe ich unprofessionell davon aus, dass es sich nicht um Vergiftungserscheinungen handeln. Die Nacht von Freitag zu Samstag war unerträglich. Erbrechen und Krämpfe im Magen kamen zu den jetztigen Symptomen hinzu.
Ruhelos und fordernd, wohin mit diesen Leid?

Unumgänglich rückt der Besuch beim Arzt näher. Vermutlich wäre die Aussage "Besuche verschiedener Ärzte" treffender. Es scheitert schon beim Anruf, um nach einen Termin zu fragen. Wahrscheinlich intensiviert die Angst die Schmerzen auch gleich.
Der Gedanke an eine Untersuchung treibt mir die Tränen in die Augen. Zu oft habe ich schon "Reißen Sie sich zusammen. Das bilden Sie sich ein" gehört. Schon als Kind wurde ich gefragt: "Du gehst nicht gerne in die Schule nicht wahr?" - denn ich hatte schreckliche Magenschmerzen zu dieser Zeit. Es wird wohl stimmen. Aber es scheint die letzte Lebensqualität zu eliminieren. Der Rücken ist momentan besonders akut. Ein stumpfer, doch omnipotenter Schmerz sitzt an der Brustwirbelsäule und zieht sich über die linke Flanke abwärts in den Unterleib. Diese sind immer wieder kehrend seit Jahren. Meine Regelblutungen sind auch immer unregelmäßig und bleiben manchmal vollkommen weg. (Hoffentlich ist dies keinem unangenehm.)

Der Plan ist erstmal, einen Termin beim Internisten zu ergattern. Dort muss ich aufgrund der Lithiumtherapie eine Sonografie der Schilddrüse hin. Mein Psychiater hat mir zwar ein Kärtchen mit Telefonnummer mitgegeben, natürlich auch eine Überweisung, aber bisher ist da von meiner Seite aus nichts passiert.
Wenn ich dort aber die Ergebnisse habe, muss ich erneut eine Blutuntersuchung beim Psychiater anfertigen lassen. Zeitgleich kann ich mir ja eine Überweisung für den Orthopäden ausschreiben lassen.
Das wäre die pure Theorie. Wie sehr ich scheitern und erfolgreich sein werde, lasse ich euch wissen. Bitte drückt mir die Daumen, dass ich nicht in Panikattacken ersticke und wenigstens erst einmal kleine Schritte voran gehen kann.

Ich habe Schmerzen.
Aber auch Angst vor Menschen, vor Untersuchungen, vor Augen, vor Berührungen, vor "Draußen". Außerdem ertrage ich die Blicke auf meine Narben nur schwer. Hoffentlich sagt keiner was.
Ich bin so müde. Frustriert von mir selbst - ich stell' mich an wie ein kleines Kind, welches an die Hand genommen und zum Arzt geführt werden muss. =(
Ich kann nicht mehr.
Hilfe.

Sonntag, 20. Juli 2014

Abwehrmechanismen

"Warum hast du dich weggedreht als mein Sohn sicht angelächelt hat? Du hättest ihm einfach zurück winken können."
"Nun. Menschen sagen mir, ich wäre in meinen besseren Zeiten abweisend. Mit einem Kind interagieren steht nicht auf meiner Liste der täglichen Auseinandersetzungen."
"Warum das?"
"Ich habe Angst, ich könnte sie verletzen. Mental oder körperlich, schlimmer noch: Beides."
"Wieso verletzten? Was stimmt denn mit dir nicht?"
"Ermm... Identifikation mit dem Aggressor?"
"Dir ist wirklich nicht zu helfen."

+ ~ +

"Wenn ich jetzt noch eben schnell was am PC erledige, kann ich mich später noch um meine Sorgen kümmern."
....

+ ~ +

"Wenn der Leidensdruck zu hoch wird, gehen die Leute auch zum Arzt."
"Bei mir scheitert es schon beim Anruf, um einen Termin zu erbitten."
"Dann fühlen Sie sich wohl nicht schlecht genug."
"Oh. Verstehe."
Ich warte noch immer auf den Punkt, an welchem "schlecht genug" eintritt, denn immerhin habe ich Nahrung, ein Bett und imaginäre Eisenketten.

+ ~ +

"Es ist ja auch nicht so als würden mich eure Probleme interessieren. Ich mache lieber etwas sinnvolles wie Aquarienpflanzen beschneiden. Warum sollte ich mich der Welt auch aussetzen, wenn ich hier geschützt bin?"
"Isolation und Schutz sind zwei verschiedene Paar Schuhe."
"Ach, du hast sowieso keine Ahnung, was du da redest."

+ ~ + 

"Sie reduzieren Ihre Gefühle auf logische Denkweisen."
"Vor einiger Zeit habe ich das Buch 'Wenn Scham krank macht' gelesen."
"Dann wissen Sie sicherlich auch, dass Intellektualisierung durchaus Suchtcharakter erreichen kann."
"Soll ich das mit auf die Checkliste schreiben?"

+ ~ +

Samstag, 19. Juli 2014

Zwischen Freiheit und Kabelwerk

Stumpfsinnig starre ich auf den Computerbildschirm. Im Prinzip könnte ich diesen Satz täglich auf meine Tastatur tippen, von der Ironie darin vollkommen abgesehen. Es macht keinen Unterschied, welcher Tag es ist. Ob an Weihnachten, Geburtstagen, den 19.7. - der Computer läuft.
Heute ist ein einsamer Tag. Einer von diesen, von denen ich schon viele erlebte. Sogenannte soziale Netzwerke verbessern die Gefühlslage gering, hellen sie nicht einmal auf. Vielleicht weiß ich auch gar nicht so recht, was Gefühle bedeuten und wozu sie gut sind. Sicherlich, ich könnte es googeln, aber es bewegt sich in meinem Herz nicht der Teil, der bewegt werden sollte. Erklären kann ich es nicht. Ich möchte einen fremden Körper neben diesen Körper, um daran erinnert zu werden, was Nähe bedeutet. Oder ob diese überhaupt eine Bedeutung hat. Denn eigentlich habe ich den Überblick verloren. Das macht mich irgendwie traurig, und ein bisschen nervös - und wenn Wut eine Rolle spielen würde, würde sie wohl etwas ändern können. Ich schwöre, ich bin nicht genervt. Nur braucht "das Alles" viel länger als ich dachte, dass es jemals brauchen würde und eigentlich habe ich gar nichts zu sagen. Außer, dass ich die Nebenwirkungen vom Lithium unerträglich finde, meine Dummheit jedoch unerträglicher².
Die meisten Menschen auf meiner Facebook-Freundesliste kenne ich nicht einmal. Manche von ihnen sprechen nicht die selbe Sprache wie ich. Alles, was ich von ihnen in Erinnerung behalten könnte, wenn ich wollte, ist ein schales Lächeln auf einem digitalem Foto, vielleicht eine weise Statusmeldung und eine Spielanfrage. Hierbei macht es keinen Unterschied, ob ich sie in der Wohnung neben mir oder in einem anderen Land leben. Diese Profile sind nur Hüllen eines Individuum der menschlichen Spezies, die ich unter Umständen ehren könnte. Doch 'könnte' endet immer in einem Kreislauf, somit ist ihre Existenz eine konstante Erinnerung meiner sozialen Unfähigkeit.
Wie gesagt, ich bin nicht wütend, nur isoliert und frustriert, semi-einsam und nicht real - und ich suche nach einen warmen Körper, der mindestens genau so verzweifelt wie ich nach einem Notausgang in dieser vorgefertigten, kundenspezifisch-aberkannten, pixel-beladenen Box sucht, der nicht mit in den Wahnsinn treibende Sehnsucht oder unkontrollierbare Langeweile in Verbindung steht. Denn die Leute "da draußen" weisen nicht das gleiche Ausmaß an Verständnis auf, nicht so wie hier. Wer will schon ewig vorgehalten bekommen, man solle sich zusammenreißen und "einfach nicht so viel über alles nachdenken"? Wer braucht schon ewige Moralpredigen darüber, dass Kinder in anderen Ländern nichts zu essen haben, keine Medikamente haben, keine Freiheiten haben? Meine Güte. Ich bin verfickt dankbar für das, was ich habe, für die Möglichkeiten, die vor mir stehen. Und ich bin mir sicher, dass es ein Schlag ins Gesicht der gesamten Menschheit wäre, wenn ich mich mit diesem kompostierten Haufen Scheiße abfinden würden. Immerhin geht es auch besser. Sollte ich es niemals schaffen, hier raus zu kommen, wenn ich niemals etwas herausragendes aus diesen konstanten Händezittern, Gehirnknoten und unerschrockenen Worte-WirrWarr schaffen kann, enttäusche ich alle Menschen, die niemals etwas hatten. Genau die leeren Gesichter, die mir auf einem digitalen Foto anlachen.

Dabei bin ich unangenehm und unglaublich schwer im Umgang. Und wenn sich die Leute nicht von allein abwenden, gebe ich ihnen letztendlich einen Grund, dass sie es tun. Letztendlich bleibt der Appetit nach mehr und die Schwerkraft des schlechten Gewissens. Menschen kommen und gehen nun einmal. Im Internet gibt es Millionen, die es genau so verdient haben, ab und an ein nettes Wort zu hören. Doch das heißt nicht, dass ich die andere Welt nicht irgendwie vermisse. Und ich kann nicht abwägen, ob die Angst oder die Sehnsucht größer ist.
Verdammt, ich bin nicht überdramatisch, sondern ehrlich. Stunden werden zu Tage, Tage zu Monate vor dem Computer. Alte Freunde gründen Familien, beenden nach und nach ihr Studium und ich bin an Ort und Stelle, kotze mir die Seele aus dem Leib, leide an jeglichen Schmerzen und habe verdammten Haarausfall. Eigentlich wollte ich sagen, dass ich sie vermisse. Genau diese Gesichter, die ich in Form und Farbe kannte. Ja, genau. Das wollte ich sagen: Ich vermisse das Leben ohne Kabel und Empfang, ohne Motherboard und Bildschirm, welches ich seit meiner frühen Jugend nicht mehr kannte.
Dort brennt man genau so wie hier und bei Gott, wie ich verbrenne. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur verwirrt und über medikamentiert und habe prinzipiell nichts zu sagen, was Bedeutung hat, weil ich nicht mehr weiß, was Bedeutung für eine Bedeutung hat, oder Gefühle, oder Beziehungen, oder Menschen.
Isolation zerstört.

Freitag, 18. Juli 2014

Lila-Blau-Grün-Schwarz

Zigaretten verrauchen
mit den schwarzen Fliegen
in meinem Kopf
Die Zunge rollt sich
um rottende Geheimnisse;
Zwischen einer Faust, die
"Ich liebe dich" brüllt und
einem Kuss, der
"Ich wünschte,
du könntest mich hassen"
verschweigt.
Du legst deine Hände
um die weiche Stelle meines Halses,
drückst testend zu,
und dies, genau diese
Zurückhaltung ist der Beweis
von Zuneigung, die ich kenne.
Der Einzige. 
Wie prasselnder Regen
läuft dieses Bedürfnis
nach erlösender Endlichkeit
durch meine Knochen,
entweicht durch meine Füße
in den Boden.
Doch die Worte,
die trostlos trauernd
daher gesprochen werden,
nehmen nicht den Schmerz
des zitternden Fleisches.
Die blauen Flecke,
die niemals erblassen werden.
Zwecklos sind Entschuldigungen,
sinnlos ein aufgesetztes Lächeln.
Keiner glaubt ein
"Es ist schon okay",
welches durch geschwollene Lippen
und abgebrochene Zähne
gepresst wurde.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Im neuen Glanze...

Kann man glauben, dass dies bereits das zehnte Design von "The structure of lost control" ist? Was sagt ihr?
Gibt es Anregungen, Verbesserungsvorschläge? Kritik?

Wenn ich mir die alten Design so anschaue, verschwimmt mein Kopf regelrecht in Nostalgie:


Dienstag, 15. Juli 2014

Selbsterfüllende Prophezeiung

Manchmal habe ich Angst, dass ich so lange leben werde bis ich nicht mehr sterben möchte.

Montag, 14. Juli 2014

Huch.

Als ich gerade eure lieben Kommentare zum letzten Eintrag gelesen habe, kam mir doch schnell ein schlechtes Gewissen. Hoffentlich fühlt ihr euch jetzt nicht an der Nase herum geführt, möchte nur noch einmal darauf hinweisen, dass der letzte Text nicht aus meiner Erfahrung heraus entstanden ist!
Unter dem Label "Wortgefecht" sortiere ich Texte, Kurzgeschichten, Gedichte ein, die oftmals durch eigene Erfahrungen und Erinnerungen inspiriert wurden, aber zu Mindest so abgeändert sind, dass ich sie als fiktion einordne.
Wäre dies mit absoluter Sicherheit ein Fetzen meiner Erinnerung, hätte ich den Eintrag unter den Labels "Buch der Erinnerung", "Druckausgleich" oder "Gedankenfetzen" eingeordnet. (Manchmal sind die Grenzen zwischen meinen Erinnerungen und dem, was ich schreibe jedoch so verwischt, dass ich Doppellabels anwende.)
Letztes Jahr schrieb ich dies über die Einteilung der Labels. Zwar hat sich das inzwischen auch wieder etwas geändert, aber die Grundaussage stimmt noch überein. Neue Leser interessiert es womöglich.

Macht euch bitte nicht so viele Sorgen um mich! Es überrascht mich, wie viel Mitgefühl ihr mir gegenüber aufbringt. Ihr seid wirklich unersetzlich für mich. Sicher hat jeder "ausgedachte" Text auch seinen Ursprung in meinem Kopf; was mich nicht berühren würde, würde ich nicht zu Papier bringen, doch ich wollte damit kein Mitleid erhaschen, sondern lediglich meiner Kreativität freien Lauf lassen.

Eure Sorgen weiß ich sehr zu schätzen! Bin eher überrascht, dass ihr so viel Mitgefühl mir gegenüber aufbringt. Ihr seid wirklich unersetzlich für mich. Bitte nicht wütend sein. Nicht in einer Sekunde dachte ich daran, euch anlügen zu wollen.

Woran man sich erinnert, zählt.

(Triggergefahr!)

In Angstschweiß badend
kehren Fetzen der Erinnerung
zurück,
legen sich um ihren Kopf
wie der Schal,
der um die Nachttischlampe gewickelt war;
das Zimmel in einen Hauch
lila und grün
verwandelt hatte, fast magisch.
Doch tragisch
wie ihr der Atem in der Kehle fest saß
als er seine Finger
in ihren Mund steckte,
über sie gebeugt - drohend. 

Sie kann sich nicht daran erinnern
wie er in sie eindrag,
wie er sie zeriss,
wie er nackt aussah
oder wie sie ohnmächtig wurde.
Woran sie sich erinnern kann,
war das blank-weiße Taschentuch,
mit welchem er den Samen
von ihrem Unterleib wischte.
Als wäre es normal,
Standard.
Als entspräche es einer Norm,
dass 10-Jahre alte Mädchen
blutend, schluchzend, knapp bei Bewusstsein
in seinem Bett lagen.

Beschämt versteckte sie
die rote Unterhose
unter ihrem Mathematik-Buch.
Seitdem konnte sie
keine Formeln mehr verbinden,
Aufgaben ausrechnen
oder geometrische Figuren zeichnen
ohne an diese Flecken
zu denken.

Später,
jedoch Tage danach
vergrub sie die Wäsche
im Garten.
Genau neben der Stelle,
an welcher ihre Familie
den Hund ihrer Kindheit
beerdigt hat.


Noch hoffte sie,
dass der Schmerz zwischen den Schenkeln
vergehen würde,
schneller noch als das Brennen
von der Faust ihres Vaters
als sie ihm mit Tränen in den Augen
gestand,
sein Bruder habe sie angefasst,
habe sie zum Bluten gebracht,
habe ihr weh getan.
Eine Beichte, die in
drohender Gewalt
endete,
für immer da,
nicht vergänglich
wie die Krämpfe beim Wasserlassen.

+ ~ +

In den Armen eines Nächsten,
fing sie an,
sich zu verlieren.
In wehleidiger Hoffnung,
dies wäre der Ort für Seelenheil.

War er nicht.

Sich zu verlieren,
wurde zu 'sich hassen'.
Sich zu hassen,
wurde zu 'sich verletzen',
Sich zu verletzten,
wurde zu 'sein'
Schmerz wurde zur Existenz.
Vielleicht ist dies auch alles,
was übrig bleibt. 


Auch Sex wurde grober,
ungehobelt primitiv.
Lieblos und rau genug,
dass sie den lauten Knall
der zufallenden Tür
(wie die Hand ihres Vaters)
nicht vergisst,
als er sich fassungslos erhob
und ging.
Erfüllt von der Entrüstung,
er wäre nicht ihr Erster.
Vergewaltigung würde "zählen",
sagte er
zum Abschied.

Sonntag, 13. Juli 2014

Überfressen

Heute gibt es deine Abwesenheit zum Abendbrot.
Somit kann ich die Kilos mit mir herum tragen,
die du zurück gelassen hast.

Schlaf

Der Schlaf, den er nicht hat, 
treibt ihn in die Engen
des Gartenschuppens
in der Dunkelheit der späten Stunde,
um sich die Knöchel zu brechen
an den scharfen Kanten
seiner Zähne.
Wahrscheinlich wollte er
die Ruhelosigkeit
in ihm
töten.

Selbst der Schlaf
möchte nicht
wartend, ausharrend
vergessen werden.
Unter Schmerzen nuschelte
der junge Mann
in bittersüße Nächtlichkeit:
"Jetzt komm' endlich ins Bett, Schlaf,
du kannst nicht auf ewig
mein Feind sein."

Samstag, 12. Juli 2014

Borderline Persönlichkeitsstörung und Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung

"Zu viel Gewicht darf man einer Diagnose nie geben, doch möchte ich Ihnen ans Herz legen, sich ein zu lesen. So kann man lernen sein Verhalten besser zu verstehen und einschätzen zu können.", ob dies die exakten Worte der Psychologen in der Klinik, in die ich damals eingewiesen wurde, kann ich nicht sagen. Die Grundaussage bleibt allerdings die Gleiche: Wissen kann zu Verständnis führen, muss aber nicht zwingend zu einem Ergebnis führen.

Eigentlich wollte ich mir nur einen Überblick verschaffen. Bisher war ich mit meinen Diagnosen ziemlich im Reinen. Dachte ich. Doch desto mehr ich mich in manche Thematiken einlese, desto unübersichtlich finde ich es nur. Prinzipiell wird jede aufkommende Frage durch Pauschalitäten und "Ausnahmen bestätigen die Regel" erklärt, schlimmer noch mit einer Breitfächrigkeit der Krankheitsmerkmale abgestempelt.
Die erste psychiatrische Diagnose, die ich jemals erhielt, war eine "Verdacht auf" Borderline-Persönlichkeitsstörung-Diagnose. Dann waren es ausschließlich Depressionen. Dann wiederrum eine Anpassungsstörung. Dann wieder Borderline, dann Panikstörungen mit Depressionen und andersherum, ...  
Bekannt ist es unter denjeningen, die schon länger meinen Blog folgen, dass Depressionen in verschiedenen Stärkegraden bei mir immer wieder eine Rolle spielen. Sowie natürlich die Angst-/Panikstörungen, die Dissoziationen und die umständlichen Essgewohnheiten. Zusammenfassend betitelte ein Professor meine Symptomatiken und Beschwerden mit "Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung".
Vor fast genau einem Jahr stellte ich euch den Ärztebrief einer Rehaklinik vor. Dieser fiel kurz und bündig aus, doch ab zu sprechen war dem nichts. Mein Psychologe hatte diese Diagnose so übernommen.

Dies sind die Diagnosekriterien einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung, die ich aus dem Wikipedia-Artikel rauskopiert habe Der zweite Absatz zu jeder Nummer sind meine eigenen Gedanken zu dem Symptom wie ich es empfinde:
  1. Veränderungen in der Regulation von Affekten und Impulsen. (Depressivität, Umgang mit Ärger, autodestruktives Verhalten, Suizidalität, Störungen von Sexualität, exzessives Risikoverhalten)

    Dies klingt für mich natürlich sehr nach Borderline-Syndrom. Immerhin sind die Grenzen zwischen diesen beiden Diagnosen so fließend, dass man sie kaum auseinander halten kann. Als Laie, wie ich nun einmal einer bin, schon gleich gar nicht.
    In meinem Falle fällt exzessives Risikoverhalten wohl vollkommen weg. Der Rest kann in gewissen Situationen und Umständen durchaus zutreffen.
  2. Veränderungen in Aufmerksamkeit und Bewusstsein (Amnesien, zeitlich begrenzte dissoziative Episoden und Depersonalisationserleben.)

    Kann ich leider so übernehmen. Einzelheiten kann man teilweise in älteren Einträgen erfahren. Doch zu sehr um Details geht es gerade wohl nicht.
  3. Veränderung der Selbstwahrnehmung (Ineffektivität, Stigmatisierung, Schuldgefühle, Schamhaftigkeit, Isolation und Bagatellisierung, Verlust des Selbstwergefühls)

    Ineffektivität = langzeitarbeitslos, nicht im Stande einen Alltag zu führen, ..
    Stigmatisierung = "Ich bin so krank, ich kann gar nicht mehr leben. Ich weiß gar nicht, was das bedeutet, nicht krank zu sein."
    Schuldgefühle, Schmhaftigkeit, Bagatellisierung, Verlust des Selbstwertgefühls = Da quillt dieser Blog wohl über.
    Isolation = Keine Freunde außerhalb des Internets, selbst mit langen Bekannschaften kann ich nicht sprechen, Menschen machen mir prinzipiell Angst. Sie kennen mich nicht, ich kenne sie nicht. Kontakt zu Familienmitgliedern besteht sporadisch bis gar nicht mehr. Nur mein Bruder ist hier. Und für ihn bin ich eine Bürde.
  4. Veränderungen in Beziehungen zu anderen (Unfähigkeit zu vertrauen, Reviktimisierung, Viktimisierung anderer Personen)

    Vertrauen konnte ich noch nie fassen. Es gibt keine Person, der ich absolut alles preis gegeben habe. Gegenüber schon gar nicht. Immerhin blicke ich Menschen nicht einmal in die Augen. Zu groß ist die Schande der Vergangenheit, zu groß ist die Angst.
    Mich selbst als Opfer erklären, kann ich auch sehr gut. Und ob ich andere zu Opfern machen würde, kann ich nicht einschätzen. Es sind ja keine Vertrauten vorhanden, an denen man es "testen" könnte. Dafür habe ich allerdings auch kein Interesse. Eigentlich möchte ich nicht, dass Menschen sich so permanent schlecht fühlen wie ich. Wieso sollte ich ihnen das antun? Unter Umständen würde ich aber unbeabsichtigt.
  5. Somatisierung

    Chronische Rücken- und Schulterschmerzen. Es gibt immer wieder kleine bis große Wehwehchens, jedoch können die auch andere Ursachen haben. Chronisch schlechter Gesundheitszustand des Körpers wäre ein bisschen zu allgemein, oder?
  6. Veränderungen von Lebenseinstellungen (Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, Verlust früherer stützender Grundüberzeugungen)

    Und dies ist der Punkt, der mich ein wenig stutzig macht. Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit ist überzeugend genug, doch ich glaube.... wenn ich so darüber nachdenke.... ich hatte nie eine Grundüberzeugung, die mich stützend durch das Leben tragen konnte. Es gab nie wirklich großartige Träume und Ziele, die ich mir gesetzt habe, um in eine Zukunft zu blicken.
    Vielleicht passt deshalb die Borderline-Diagnose besser zu mir. Es gab kein einschneidenes Erlebnis, dass als alleiniges Trauma Auslöser der Persönlichkeitsstörung von Außen gesetzt werden könnte? Es war eher ein andauerndes Wiederholungsleben in der Hölle - mit verschiedenen Hauptollen, verschiedenen Prinzipiel und Triggern.

Neulich bei der Blutentnahme schrieb mein Arzt mir eine Überweisung an die innere Medizin zur Untersuchung der Schilddrüse. Unbegründet verängstigt verließ ich die Praxis und musste stocken als ich die Diagnosenschlüssel auf dem Schein sah:






Angst und Depression, gemischt - gut, ist verständlich. Und plötzlich doch emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Typus Borderline? Wann hat sich das denn wieder geändert? Hab ich schon wieder was verpasst?
Nicht, dass dies einen großen Unterschied für die Lithiumtherapie machen würde. Doch nach einem Chat mit Maru entschloss ich mich doch dazu, mich etwas genauer in die Thematik ein zu lesen. Natürlich möchte ich nicht jegliche Kleinigkeit auflisten, die ich jetzt gelesen habe, doch wie oben sind folgendes die Kriterien, die ich von dieser Seite kopiere:


  1. Der Betroffen will nicht alleine sein, will tatsächliche oder vermutete Trennungen vermeiden (Klammerndes Verhalten)

    Dies ist ein Punkt, mit dem ich mich überhaupt nicht einleben kann. Manchmal kommt es mir so vor, als würde genau das Gegenteil der Fall sein: Durch mein Misstrauen stoße ich Menschen regelrecht von mir weg. Auch wenn es weh tut, einen Menschen ziehen zu lassen, weiß ich doch, dass dies das Beste für sie ist - ich bin ein überfordernder, anspruchsvoller Umgang. Am Wohlsten fühle ich mich allein vor dem PC. Da ich "reale" Freundschaften nicht pflege(n kann), macht es dies auch schwer, eine klare Aussage zu fassen. Prinzipiell würde ich behaupten, ich bin nicht schizoid, aber auch nicht am Boden zerstört, wenn ich ausschließlich Kontakt mit Menschen im Internet pflege und keinen Menschen aus Fleisch und Blut an meiner Seite habe. Alte Arbeitskollegen schätze ich, aber wir sehen uns ... alle 2-3 Monate für ein paar Stunden, schreiben ab und an Nachrichten - wahrscheinlich eher aus Pflichtgefühl. Meine beste Freundin lebt in einer anderen Stadt. Verlieren möchte ich sie sicher nicht, aber tiefenfundiert ist unsere Beziehung sicher auch nicht.  Herr Opfer ist ein herzensguter Mensch, doch bis auf Mailkontakt und "Bettwärmer"-Kontakt steht nichts zwischen uns. Mit dem Alleinsein kann ich wohl gut umgehen. Oder besonders schlecht. Das kann man jetzt sehen, wie man mag.
  2. Zwischenmenschliche Beziehungen sind zwar intensiv, aber auch sehr instabil, Hass und Liebe wechseln sich häufig ab.

    Mmmhhh.... dies hört sich wohl fragwürdig an, aber ich glaube, ich hasse keinen Menschen. Egal, was passiert ist. Klar bin ich ab und an wütend als Reaktion auf eine Aktion, doch ich hasse Niemanden. Nicht meinen Cousin, nicht meine Mutter. Meinen Vater.
    Traurig ist, .... also... ich glaube, ich liebe auch keinen. Mein Bruder steht mir am nähsten. Ich bin dankbar für seine Aufopferung, aber ich denke nicht, dass dies Liebe ist. Eigentlich kenne ich Liebe nicht in zwischenmenschlichen Beziehungen. Das wiederrum könnte der Grund sein, warum ich eigentlich keine zwischenmenschlichen Beziehungen habe. Es wird sich eben schnell auseinandergelebt, wenn man keinen Ich-Kontakt zu der anderen Person aufbauen kann.
    Die Angst hält mich davon ab, Männer in mein Leben zu lassen, die ich nicht "kenne". Anfassen ist nicht im Rahmen der Möglichkeit. Also wahlosen Sex habe ich auch nicht, weder intensiv, noch anders.
  3. Der Betroffene hat eine gestörte Identität. Er hat eine gestörte Selbstwahrnehmung.

    Ja. Wie oben bei der posttraumatischen Belastungsstörung genauer beschrieben. Prinzipiell habe ich keine Identität, was bei der Diagnose Borderlin fast immer gegeben ist.
  4. Der Betroffene ist sehr impulsiv. Er lebt oft ohne Rücksicht auf Verluste.

    Ganz im Gegenteil: Ich liebe es, alles bis ins kleinste Detail zu planen und jegliche Konsequenzen vor meinem Handeln ab zu wägen und durch meine Angst zu intensivieren.
    Sogar ein Einkauf kann nicht spontan stattfinden. Der muss mindestens ein Tag vorher geplant sein, sonst traue ich mich nicht vor die Tür.
    Ich missbrauche "nur" in äußerster Not Tabletten. (Mit Not meine ich entweder, ich dissoziere, halluziniere oder bin so deprimiert, dass ich keine anderen Ausweg sehe.) Alkohol und Drogen konsumiere ich nicht. Mir kommen die Tränen im Angesicht an den Gedanken, was Alkohol und Sucht aus meiner Familie gemacht hat....
    Naja, ich würde auf jeden Fall nicht zwingend behaupten, ich wäre impulsiv.
  5. Der Betroffene droht mit Selbsttötung und Selbstverletzung

    Ihr lest ja meinen Blog. Die Frage ist also schnell beantwortet.
  6. Der Betroffene ist auffällig unausgeglicht und instabil. Häufig sind auch Angst undReizbarkeit und depressive Stimmungen zu bemerken. Diese Stimmungen sind jedoch nur kurz vorhanden.

    Ermmm.... jetzt brauche ich die Definition von "kurz". Meine Depressivität trage ich seit der Kindheit mit mir herum. Die Angst auch, doch so intensiv wie jetzt hat es sich wohl erst in den letzten fünf Jahren entwickelt.
    Unausgeglichen bin ich wohl in dem Sinne, dass ich eigentlich immer einen tristen Gemütszustand habe und selten ein Hoch. Mich kann man allerdings schon reizen - doch ich reagiere darauf nicht mit Aggression, sondern stets mit Flucht.
  7. Der Betroffen fühlt sich leer und ihm ist langweilig.

    Bin ich die Einzige, die diese Aussage als etwas gegensätzlich betrachtet? Wer tatsächlich diese füllende Leere fühlt, hat gar kein Konzept mehr für Langeweile. Aus meiner Sicht. Manchmal fühle ich mich so vom Nichts konsumiert, dass ich mir wünsche, ich würde Langeweile noch spüren können.
    Ist dies eher dem schwarzen Loch der Depressivität ein zu ordnen? Bin mir nicht sicher. Hinter Leer steht auf jeden Fall ein Häckchen. Gegen gelegentliche Langeweile hätte ich nichts.
  8. Der Betroffene kann seine starke Wut nicht unterdrücken.

    Diese Aussage finde ich zweideutig, wenn man gerade von "innerer Leere" gesprochen hat. Dieses Gefühl leblos und willenlos zu sein, beinhaltet doch auch, nicht in der Lage zu sein, Wut zu spüren.
    Ich gehe einfach davon aus, dass man hier von angestauter Wut spricht, die dann vulkanartig herausbricht: Das könnte nach einer bestimmten Dauer durchaus bei mir passieren. Aber ich bin Meister im Unterdrücken von allen Unannehmlichkeiten. Ich schreie nicht, bedrohe niemanden, schlage nicht auf Dinge ein oder muss mir Frust sonst "ausschwitzen" bzw. "abarbeiten". Für mich ist die Existenz oft so sinnlos, dass ich selbst keine Kraft dafür aufbringen kann. Offen gestanden, ... ich würde gerne wissen, wie man sich nach einem Wutanfall fühlt. Besser? Erleichtert?
    Aufkeimende Wut stürzt in meinem Fall eher in Traurigkeit ab. Aber ich sage niemals nie.

  9. Der Betroffen misstraut phasenweise jedem.

    Immer. Sogar meinem Bruder.

So - nun bin ich dem Wunsch der Therapeutin gefolgt und habe mich eingelesen. Doch war ich vorher klüger. Wie soll ich es deuten, dass ich mich in der gesichterten Diagnose eines kompetenten Arztes nicht wieder erkennen kann? Oder nicht ausreichend. Ach, ich bin verwirrt. Klar, es muss nicht jedes Kriterium wie angegossen passen und es gibt immer Ausnahmen. Doch aus vollkommen unprofessioneller Sicht wirft es Fragen auf.
Die Schlüssel auf einen Zettel sind nicht ausschlaggebend. Und wenn ich es mir im Überblick anschaue, denke ich, dass gerade diese zwei Krankheiten sehr ineinander verschwimmen und nicht so einfach getrennt werden können. Traumate liegen in beiden Krankheitsbildern vor, wann und in welcher Form ist dabei nicht entscheidend.
Nur zur Wahl der zukünftigen Behandlung, sprich Therapieform, ist die Diagnose ausschlaggebend. Wahrscheinlich werde ich meinen Psychologen darauf ansprechen.

Freitag, 11. Juli 2014

Über die Mentalität der Menschen

"Ich stand auf der falschen Seite des Geländers und die Autos sind einfach weiter gefahren. Niemand hat auch nur die Geschwindigkeit gedrosselt - weder unter mir, noch hinter mir. In so einer Welt möchte ich einfach nicht leben."
~ Junge Frau heute beim Psychologen in dessen Wartezimmer.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Hinter Mauern aus Stein

Selbst die Ansicht eines "zu Hause" variiert vom Standpunkt zu Standpunkt. So macht es immer den Unterschied, ob man hinter verschlossenen Türen oder einengenden Wänden sitzt.
Wir sind oft umgezogen, denn meine Mutter war ein ruheloser Mensch. Ob sie es nicht verstand oder nicht wahr haben wollte, kann ich heute nicht so genau sagen, doch wollte sie immer einen Wechsel, immer etwas ändern. Ich bin mir sicher, dass sie eigentlich "uns" - damit meine ich meinen Vater, meine Brüder, meine Cousine, mein Cousin (,die Aufgrund eines Todesfalls in der Familie mit uns wohnten) und mich - ändern wollte, doch dazu war sie nicht in der Lage. Also beschloss sie die Situationen zu ändern, als wäre es ein Spiel, und war doch stetig unglücklich. Wofür ich Verständnis habe, prinzipiell waren wir alle unglücklich. Jeder aus seinen Gründen und Empfindungen, jeder mit seiner eigenen Bewältigungsstrategie. In meinen ersten 18 Lebensjahren sind wir vier Mal umgezogen. Im Nachhinein wünschte ich, dass wir mehr im Gepäck gehabt hätten als verdrehte Hoffnung und das alt-aufgebürdete Leid.


Dies war wohl das Haus meiner Kindheit. Hier sammelte ich die schönsten Erinnerungen, wenn ich dies so behaupten darf. Vielleicht war ich auch nur einfach zu jung, um tatsächlich die dunkle Seiten des Lebens zu realisieren.
Am Liebsten spielte ich auf dem Hof mit Julian. Wir gaben oft vor, Tiere zu sein und bauten Unterschlüpfe für unsere imaginären Herden. Häufig aßen wir Saure Lumpe (= Sauerampfer) und wurden dafür angeschrien. Nicht, weil die jungen Blätter giftig sind, sondern weil in der Gegend viele Hunde lebten, die bvorzugt ihr Geschäft auf diesen Rasen verrichteten. Uns war dies anscheinend egal.
An dem Tag, andem Julian starb, ist vielleicht mehr als nur eine Welt der Freundschaft zusammen gebrochen. Es gab Nichts und Niemanden, der mich auffing und bei dem ich Schutz finden konnte.
Fast zeitgleich ist meine Tante, die Schwester meines Vaters und Mutter meiner Cousine und meines Cousins, aufgrund eines Tumors gestorben. Mein Vater nahm die Kinder bei uns auf. Die Wohnung wurde zu klein. Innerorts zogen wir das erste Mal um.


Der Vorhof zur Hölle... Hier lebten wir nicht lang. Es lag abgelegen und da alle Kinder auf eine andere Schule gingen, wurde selbst meiner Mutter schnell klar, dass diese Wohnung eine Fehlentscheidung war.
Meinen Verlust und meine Trauer verbergend, fing ich an mich zurück zu ziehen. Um mir selbst nichts anmerken zu lassen, versuchte ich mein Bestes, meiner Cousine so oft es ging ein Lächeln zu entlocken. Sie war prinzipiell ein liebenswerter Mensch. Wahrscheinlich hätte sie den Verlust ihrer Mutter besser verarbeiten können, wenn sie nicht gerade in diese Familie gedrängt worden wäre.
Die Steitereien meiner Eltern arteten aus. Schläge folgten, weitere Strafen. Unverständnis von allen Seiten. Für mich am Signifikantesten war und blieb jedoch die Gleichgültigkeit. Ehrlich gesagt, ich habe lieber die Füße meines Vaters im Rücken gespürt als gar nichts wert zu sein. Manchmal glaube ich, dass es die Vernachlässigung war, die mir den Boden unter den Füßen hinweg gezogen hat. Mit meinem beginnenden Verhalten fragte ich nach Strafen, Schreien und Schlägen. Mir ist bewusst, dass vieles meine Schuld war. Immerhin bin ich provokativ und begriff den psychologischen Effekt nicht, den meine Existenz meinen Eltern antat.
Der ältere Bruder (mit dem ich heute auch zusammen wohne) zog in eine Sozialwohnung. So weit weg wie möglich.


Haus Nummer Drei war wohl der Anfang des Zusammenbruchs. Schon hier war meine Mutter selten zu Hause. Sie verbrachte die Sommer im abgelegenen Garten oder spielte Bettwärmer für Männer, die ich bis heute nicht kenne. Nicht, dass ich sie kennen lernen wollen würde. Versteht mich bitte nicht falsch. Im Winter verbrachte sie Zeit in der Wohnung meines Bruders.
Sie hat uns zurück gelassen. Hat uns allein gelassen - mit einem alkoholkranken Vater, der zu Gewaltausbrüchen neigte. Ihre Schreie des Jähzorns wären allerdings auch kein kleineres Übel gewesen.
Eigentlich möchte ich nicht ins Detail gehen. Mir steigen die Tränen in die Augen, wenn ich an seine Bestrafungsmethoden zurück denke. Eigentlich möchte ich daran nicht denken.

Warum wir aus diesem Haus ausgezogen sind, weiß ich nicht genau. Es war groß, war stadtmittig gelegen. Vielleicht war die Miete zu hoch? Immerhin war mein Vater dauerhaft arbeitslos und musste immer Nachschub organisieren.
Zu meiner Cousine verlor ich den Kontakt in den eigenen vier Wänden. Wir redeten nicht über das, was dort oder vorher passierte. Mein Cousin war bereits alt genug, um die Flucht zu ergreifen.
Mein zweiter Bruder schottete sich von der Außenwelt ab. Wie ich auch. Wir waren Fremde. Hier wie dort. Kannten Hass und Vernachlässigung, aber keine Liebe. Nicht einmal untereinander.
Dies tut mir sehr leid. Ich wünschte, ich hätte für meine Cousine und meinen Bruder mehr tun können.


Dies war die letzte Wohnung, die wir vor meiner "Flucht in eine andere Stadt" besiedelt hatten. Bereits nach den ersten Wochen beantragte meine Cousine beim Jugendamt, dass sie zu ihrem biologischen Vater ziehen könne. Niemand fragte je nach einer Begründung. Weder Sozialarbeiter noch Beamte schauten je nach den Begebenheiten zwischen diesen Wänden. Auch nicht, als ich nicht mehr zur Schule ging oder andersweitig auffällig wurde. Schlichtweg hat es keinen interessiert. Zu Mindest keinen, der etwas hätte ändern können, denke ich.
Meiner Mutter war beretis vorher ausgezogen. Aus finanziellen Gründen entschlossen sich meine Eltern dafür, sich trotz Allem nicht scheiden zu lassen. Meine Mutter schmiss dieses Konzept aber um. Dies ist eine Tatsache, warum ich noch immer unsagbar wütend auf diese Frau bin.
Aus Gründen der Argumentation stellt euch bitte folgendes vor: Ein langzeitarbeitsloser Vater, der offenkundig alkoholkrank ist und zu Gewaltausbüchen neigt, jedoch Fremde gut manipulieren und täuschen kann, trennt sich auf eine unaussprechlich unmenschliche Art von seiner Frau, die selbst psychische Probleme hat und Aggressionen in jegliche zwischenmenschliche Beziehungen legte. Sie reicht die Scheidungspapiere ein, meldet sich nur noch für die Bezahlung von Unterhalt der zwei Kinder.
Der Sohn war depressiv, saß ausschließlich vor seinem PC und redete mit keinem. Die Tochter? Die Tochter lebte in Angst, dass man hinter die Fassade sehen könnte. Sie versteckte die blauen Flecken und selbst-zugefügte Schnittwunden unter langen Ärmeln und Hosen. Zur Schule ging sie nur noch sporadisch, nahm schon gleich gar nicht am Sportunterricht teil. Versuchte mit allen Mitteln nicht die einzige Freundin zu verlieren, die sie zu diesem Zeitpunkt noch hatte.
Es regnete Tränen und Trauer. Sie wollte sterben. Doch das wollte ihr Bruder womöglich auch. Und ihre Mutter oder auch der Vater. Vielleicht auch der andere Bruder, der nicht mehr dort wohnte, oder die Cousine.
So viele Herzen lagen in Trümmern. Wie viele von ihnen repariert wurden, kann ich nicht sagen. Vielleicht ähnelt dies eher einer Raucherlunge: Aufhören kann den Zerfall aufhalten, doch das, was kaputt ist, ist nun einmal kaputt. Man kann damit leben, sich an Schmerz und verfolgender Erinnerung gewöhnen, doch nicht alles kann geheilt werden. Verzeihen würde den Prozess vereinfachen. Doch ich halte wohl an Traditionen fest. Solide Richtwerte von Kinderfilmen und Sachbüchern.


Diesen Eintrag wollte ich schreiben, um meine Gedanken zu sortieren. Doch letztendlich hat sie das nur noch mehr durcheinander gebracht. Die Suizidgedanken drücken schwer auf mich nieder. Sorgen müsst ihr euch allerdings nicht. Wenn ich sterben würde, würde nur eine Hülle von hier fort getragen werden. Ich habe keine Identität, für die es sich lohnen würde, zu kämpfen. Habe keine Träume und Hoffnungen, auf die ich mich lehnen kann und eine Basis für meine Zukunft bauen könnte. Es gibt nichts. Hier ist Niemand, der es versteht. Gerne würde ich erneut zu Herrn Opfer gehen, doch auch vor Sex habe ich Angst. Auf der anderen Seite wäre ich verzweifelt genug, um mich sogar wieder bei meinem Cousin ins Bett zu legen (übrigens nicht der Cousin, der auch bei uns gewohnt hat!). Hahaha. Dies ist so erbärmlich, dass es mich wieder zum Lachen bringt. Ich will lachend abtreten.

Mir wurde oft gesagt, dass Menschen in unzähligen Formen missbrauchen können. Niemand sagte mir, dass die Wände, die zusehen mussten, irgendwann ihre eigene Sprache entwickeln würden.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Diese Lügen bedeuten nicht, ...

[Eventuell triggernd. Obwohl nichts grafisch beschrieben, bitte vorsichtig sein!]

 Diese Lügen bedeuten nicht, ...
... dass du die Wahrheit nicht verdient hättest. Wahrlich, du bist gewiss ein guter Mensch, jedoch bin ich mir nicht sicher, ob ich das Selbe auch von mir behaupten kann.
Außerdem hört es sich weniger bindend an, wenn ich dir ein "Wenn du magst, kannst du mit mir schlafen" ins Ohr flüstere als dir ein "Es geht mir so unaussprechlich dreckig, also kannst du mit meinem Körper machen, was du möchtest - auch auf die Gefahr hin, dass ich von Flashbacks gequält und eingeholt werde, bitte lasse mich heute Nacht nicht mit meinen Kopf allein!" entgegen zu bringen.

Später war die Luft im Zimmer drückend und abgestanden; der bleibende Geruch von Schweiß und Sex verweilte wie eine Leiche, die aufgehangen in der Sonne hin und her schwenkt. Der Atem blieb mir in der Kehle stecken, vergehend in einem verschmachtendem Status der Erstickung. Ich erwartete, dass Skelette unter deinem Bett hervor gekrochen kämen, krächzend und stöhnend, gleich den lauter werdenden Stimmen in meinem Schädel. Ein klappernder Kiefer, fallende Gliedmaßen - der bekannte Schmerz kehrte zurück in die Zwischenräume meiner Knochen.
Eigentlich wollte ich weinen, doch Tränen blieben mir versagt. Lediglich deine Körperflüssigkeit lief meine Oberschenkel hinab. Ich dachte: "Das ist meine Würde", und sagte: "Danke, dass du so einfühlsam warst", denn das hättest du nicht sein müssen. Immerhin wärest du nicht der Erste gewesen, der sich nahm, was er brauchte und hinterließ, was dessen vorgegebene Bestimmung war.

In den frühen Morgenstunden musstest du zur Universität. Dein Lächeln erinnerte mich an leere Zigarettenschachteln und verkannte Unterleibsschmerzen einer jungen Frau, die ihr erstes Mal nicht freiwillig vollzogen hatte. Oder das zweite Mal, das dritte, das zehnte,... Nicht, dass Zahlen einen Unterschied machen würden.
"Es klebt vertrocknetes Blut von deinen Schnittwunden an meinen Händen", sagtest du mit vorsichtiger Stimme. Unsicherheit quoll plötzlich aus deinen Augen, vielleicht ein Hauch von einem schlechten Gewissen, dessen du dir nicht bewusst sein solltest. "Damit du dich an mich erinnerst", antworte ich knapp darauf. In Wahrheit denke ich an den Tod. Daran, dass manche Menschen einen anderen erst vernehmen, wenn er in einem Leichensack ruht. Während du beruhigend deinen Arm und meine Schulter legtest und mir lieb-gemeinte Worte entgegen-brachtest, erwog ich die Möglichkeit vom Dach zu springen. Errechnete die Möglichkeiten, zu sterben, wenn ich im richtigen Winkel aufprallen würde - wie ein Kopfsprung in die offenen Handinnenflächen meiner Erinnerung.

Als ich aufhörte zu sprechen, wollte ich, dass du Worte beiseite schiebst und mich einfach in den Arm nimmst. Nur sagen konnte ich dies nicht. Also drückte ich dich in Richtung Couch und sank auf die Knie.
Du hast es verdient, weil du nicht so bist wie die Monster in meinem Kopf. Ich hoffe, du hast letztendlich nicht deine Vorlesung verpasst.
Bis jetzt, ein paar Stunden später, habe ich deine letzte Frage nicht beantworten können. "Ist alles ok?", fragtest du.
Vielleicht weiß ich nicht genau, was dies bedeutet oder ob ich dessen überhaupt fähig bin. Diese Nacht werde ich wieder allein verbringen, nur nicht so ganz. Das Schwein wird neben mir liegen und von deinen Körperteilen und meinen schlechten Entscheidungen sprechen. Es wird mir über die Haare streicheln und mir versichern, dass so schnell gar nichts 'ok' sein wird.

Dienstag, 8. Juli 2014

Ich bin gesund

und möchte sterben.

Übrigens... ich habe mich von meinem Bruder und meinem Arzt überzeugen lassen, mir doch das Lithium verschreiben zu lassen.
Meine Angst ist aber nicht annähernd beseitigt...

Montag, 7. Juli 2014

Pirandîl

 Nun folgt der letzte Teil von meinem 88.888 Klicks-"Spezial". Danke nochmal an alle, die diesem Blog Zeit und Interesse widmen. Ihr seid es, die mich so durch manchen Tag bringen und mich von vielen Tiefpunkten abgefangen haben. Besonderen Dank möchte ich Pirandîl gegenüber aussprechen. Nicht nur für den Wunsch "Garten", sondern auch für seine stetig aufbauenden Kommentare.
Obwohl ich eine klare Vorstellung im Kopf zu diesem Thema hatte, entsprach das Bild nicht dem, was ich präsentieren möchte. Ein zweiter und dritter Anlauf scheiterten ebenfalls; aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, zum Thema "Garten" einen Bilder-Post zu veröffentlichen. Selbstverständlich nur mit selbst-geschossenen Fotos. Da ich selbst keinen Garten habe, sind dies Fotos von Pflanzen der Umgebung. Hoffentlich gefallen sie euch. =) Unbearbeitet und in Originalgröße, bitte nicht ohne Erlaubnis auf andere Blogs veröffentlichen.






















Hier ein besonderes Schmankerl. Was auch immer mich zum Posieren mit einem "Tiger" getrieben hat, scheint mich zeitgleich so fröhlich gestimmt haben, dass ich lächle. Seht euch das an, so ein offenes Lächeln ist rar - vor Allem auf Fotos. Nur für euch:

Sonntag, 6. Juli 2014

Mindesthaltbarkeitsdatum

Wenn ich traurig bin, esse ich weniger, überlasse oft angefangenen Verpackungen ihren Schicksal. Jedoch nicht aus Gründen der Appetitlosigkeit, die mit einer depressiven Phase oft einher geht, sondern weil ich denke, dass es fast an poetische Justiz grenzt, wenn ich nach etwas greife, was - wie ich - sein Verfallsdatum überschritten hat.

Samstag, 5. Juli 2014

Schicksal

Manchmal, bin ich mir sicher, dass ich eigentlich tot sein sollte, und deshalb das Schicksal nicht mehr weiß, was es mit mir anfangen soll. Auf der anderen Seite kann ich vielleicht nur mit dem Tod etwas anfangen und dies könnte dann einfach mein Schicksal sein.

Oder das Schicksal existiert eigentlich gar nicht, und ich weiß nur selber nichts mit mir an zu fangen, und bin aus diesem Grund eigentlich tot. 

Freitag, 4. Juli 2014

Tünche

Man kämpft halt immer noch. Egal, wie viele Monate vergehen. Ist es auch nicht so, dass man nicht mehr daran glauben möchte, dass es Besserung geben wird, aber es scheint auch nicht schicksalhaften Maßgebungen zu entsprechen, dass Zeit allein die Wunden heilt.
Darf ich ehrlich sein? An manchen Tagen, Jahre später, fühle ich mich verlorener, gepeinigter, gefangener, missbrauchter, ungewollter als je zuvor. In diesen Momenten möchte ich einen Abschiedsbrief schreiben, doch anstatt von diesen, verfasse ich seitenlange Botschaften von Selbsthass und Verzweiflung. Nicht unbedingt in der Reihenfolge, zwingend im Zusammenhang. Irgendwann werde ich die Worte umfassen können, die wirklich relevant sind. Kurz und adäquat, poignant; und auf dem Umschlag wird stehen: "Wenn du dies gefunden hast, hast du mich gefunden."

Heute sendete mir meine Halbschwester Fotos von ihrem Sohn, der jetzt bald ein Jahr alt wird. Selbst getroffen habe ich ihn noch nicht. Er ist ein süßer kleiner Fratz, große Kulleraugen, ein offenes Lächeln: Ein mit Essensresten beschmierter Mund verbirgt keinen Funken Unschuld. Fröhlich, irgendwie, nun ja, kindlich, eben. Eingewickelt in seiner Babydecke strahlte er dem Fotoapparat entgegen und ich habe realisiert, dass ich mich an meine nicht erinnern kann. An kaum eines der positiven Dinge meiner Kindheit. Vermutlich gab es diese. Nur sind diese versunken, untergegangen in einem Meer aus dunklen Kinderzimmer-Einsamkeiten, Schreien, Vernachlässigung und Fäusten.

"Wussten Sie, dass im Gehirn die gleiche chemische Reaktion passiert, wenn man von einer Bezugsperson ignoriert wird oder im Vergleich eine Ohrfeige bekommt?", fragt ein Neurowissenschaftler im Fernsehen. Die Frage allein ist ein Messer mit zwei Klingen und ohne Griff: Keine Option empfinde ich als kleineres Übel. Aus wissenschaftlicher Sicht ergibt die Frage vielleicht einen Sinn. Für mich macht weder die Ursache, noch die Anzahl dieser chemischen Reaktion einen Unterschied. 100, 1000 - bis das Gehirn eigentlich gar nicht mehr weiß, was richtung und was falsch ist, bis es aufgibt, verstehen zu wollen, nachvollziehen zu wollen, bis es aufgibt Fragen zu stellen und Antworten zu suchen. Ohne Möglichkeiten zur Flucht erliegt man doch stetig dem gleichem Ausgang.
Mit latenter Depression begegne ich den Gedankenstrom in meinem Schädel. Wünsche mir, dass ich meine Zukunft weißwaschen kann, so wie meine Vergangenheit mein Jetzt schwarz-gefärbt hat. So wie mein "Damals und Heute", mein Name, von Ärzten, Therapeuten und Beamten auf Unterlagen abgestempelt werden kann, werde ich irgendwann meine Zukunft ad acta legen. Und wer weiß? Vielleicht wird dies der aufrichtigste Tag in meinem Leben, der befreiendste - und eingewickelt im Leichentun, welches die Babydecke symbolisiert, kann ich mit diesen kindlichen strahlenden Augen und einem Lächeln auf den Lippen nach Hause zurück kehren.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Widersprüche

Stattgefundenes Gespräch mit einer alten Arbeitskollegin:
"Ich bin einsam."
"Wir wollen am Freitag Abend essen gehen. Magst du mitkommen?"
"Ich kann das nicht zahlen."
"Dann laden wir dich ein!"
"Durch Almosen fühle ich mich noch unbrauchbarer."
"Mmmhh.... Am Samstag wollten wir Shoppen gehen. Du musst ja nicht selbst was kaufen, sondern kannst uns beraten und uns davon abhalten, Fehlentscheidungen zu treffen. Was sagst du?"
"Bei Menschenmassen bekomme ich Panikattacken."
"Oh... dann... mmh... komm' doch am Sonntag vorbei."
"...."
"Was? Achso. Du hast ja keinen Führerschein. Am Sonntag fährt nicht einmal ein Bus in unsere Gott-verlassene Gegend. Bestimmt sind öffentliche Verkehrsmittel sowieso keine Option für dich?"
"Nicht wirklich."
"Wenn ich dich Samstag nach dem Einkaufen abhole und mitnehme? Montag früh muss ich ja ohnehin bei euch vorbei, wenn ich zur Arbeit fahre."
"Übernachtung in einem Haus mit Fremden?"
"Dir kann man es wohl nicht recht machen."
"Womöglich tue ich dir eher einen Gefallen, wenn ich nicht bei dir übernachte."


Stattgefundenes Gespräch mit meinem Therapeuten:
"Was gibt es denn Neues?"
"Nichts."
"Möchten Sie über etwas Bestimmtes sprechen?"
"Nein."
"Belastet Sie derzeit etwas akut?"
"..."
"Ich habe eine ganze Stunde Zeit für Sie. Mir selbst wäre es auch angenehmer, wenn wir diese mit einem sinnvollem Gespräch füllen könnten."
"..."
"..."
"Womöglich bin ich der schlechteste Gesprächspartner der Geschichte."
"Schreiben Sie doch ein Buch darüber."
"Ein zeitgenössischer Roman von Emaschi: 'Es tut mir leid, es gibt nichts zu sagen, doch bitte ignoriert mich nicht.' "
"Machen Sie daraus einen Zweiteiler und nennen Sie den folgenden Part: 'Man kommt sich weniger ignoriert vor, wenn man einen Ton von sich gibt.' "
"..."

Mittwoch, 2. Juli 2014

Lithiumtherapie?

Im Verlauf der letzten Wochen erwischte ich mich des Öfteren dabei, Aussagen zu treffen, die bei genauerer Betrachung leicht als Heuchelei ausgelegt werden können. Ein brilliantes Beispiel lieferte ich am Montag bei meinem Psychiater:
"Da Sie auf Anti-Depressiva nicht wunschgemäß reagieren, sollten wir es mit einer Lithiumtherapie probieren; auch als Phasenprophylaxe wegen der rezidivierenden depressiven Verstimmungen."
Meine Antwort darauf war ein stummes Nicken ohne mir irgendeiner Entscheidungsbedeutung bewusst gewesen sein. Zwingen kann mich der Arzt sicher auch nicht, aber wisst ihr, wie ich auf eigene Heuchelei komme? Schon als er anfing von den Gefahren und Nebenwirkungen der Behandlung zu reden, rutschte mir das Herz in die Hose. Ich bin immer die, auf auf ihrem Blog großkotzig verkündet, wie schlecht es mir doch geht, dass ich manchmal einfach nicht weiter weiß, und bietet mir dann Möglichkeiten an ... bekomme ich es mit der Angst zu tun.

Das Bewertungen im Internet meine Angst nur intensivieren, war mir auch vorher klar; gelesen habe ich sie trotzdem. Immerhin übertreibt ja nie jemand, wenn er hinter der Maske der Anonymität versteckt ist. Niemals. Auch nicht, wenn sie Horrorgeschichten wie Nahtoderfahrungen durch Lithiumeinnahme und Gewichtszunahmen von 50kg innerhalb von 2 Wochen berichten.
Auf der anderen Seite - selbst der Beipackzettel liest sich wie ein Stephen King-Roman. Meine persönlichen Favouriten: Gewichtszunahme, Gedächtnisverlust, Bewusstseinstrübung bishin zum Koma, Zittern, Muskelzucken, Sprachstörungen, Gesichtsfeldausfälle, Koordinationsstörungen bishin zur Gangunfähigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, vermehrter Durst, vermehrte Urinausscheidung, Krampfanfälle, Schilddrüsenunterfunktion, Struma, Nierenfunktionsstörungen bishin zu Nierenversagen....

Nun gut.
Ok.
Fein.
Meinem Arzt ist es bekannt, das hoffe ich zu Mindest, dass ich schon auf "einfache" Anti-Depressiva wie SSRI körperlich reagiert hatte und immer irgendwelche Nebenwirkungen hatte.
"Aber Sie möchten doch auch, dass es Ihnen besser geht?"
Wieviel Nutzen mir aber eine regulierte Stimmung hat, wenn ich nicht mehr laufen kann, meine Nieren und meine Schilddrüse versagen und unwillkürlich zucke, kann ich aber auch nicht sagen. Vielleicht nehme ich aber tatsächlich so viel zu, dass ich keine Koordination mehr brauche: Nur noch zusammen-rollen und los geht's. Unter Umständen sucht jemand einen Nebenjob als professioneller Emaschi-Roller, nur gerade Strecken und bergauf - nach unten geht es von alleine.

Abgesehen davon: Es scheint schwierig zu sein, die richtige Dosierung zu finden, weil der Wert nicht zu sehr schwanken darf. Dann nämlich kann es zu einer lebensgefährlichen Vergiftung kommen. Allerdings traue ich meinem Arzt viel zu und gehe davon aus, dass er weiß, was er tut. (Eigentlich wäre es nicht sonderlich schade, wenn man mich im Sondermüll entsorgen würde.) Erstmal hat er eine Blutprobe genommen, um sicher zu gehen, ob ich körperlich für diese Therapie überhaupt geeignet bin. Bis nächste Woche soll ich mir Gedanken über den Beginn der Einnahme von Lithium machen. Ja? Nein? Keine Ahnung?
Ja, weil ich möchte, dass sich was ändert, weil ich möchte, dass ich wenigstens sagen kann: Ich hab es probiert.
Nein, weil ich schon vor der Einnahme Angst habe, weil fremde Erfahrungen mich wahnsinnig machen, weil ich nicht noch mehr schaden möchte als es eigentlich Zweck und Sinn ergibt...
Keine Ahnung, weil... ich mir selbst der Mühen nicht mehr lohne: Alle drei Monate Blut abnehmen, immer dran denken, Medikamente zu nehmen? Gewichtskontrollen? Halsumfang messen? Lieber würde ich einfach - jetzt auf der Stelle - verschwinden. Dann würde ich dem Arzt die Mühe sparen, der Krankenasse die Kosten, meinem Bruder die Sorgen und mir den Stress, mögliche Schmerzen, die ich ohnehin habe, und Selbstbewusstseinseinbußen sparen....

Merkt man, dass ich gefrustet bin? Wenn ich grundlos Angst habe und diese Angst von meiner eigenen Dummheit verstärkt wird, wirke ich leicht gereizt. Planlos geistere ich durch die Gegend. So wie ich mich kenne, gebe ich den Umständen keine Chancen - sollte ich? Ist es das wert?

Dienstag, 1. Juli 2014

Wortemeer

Wortemeer, auch an dich möchte ich ein herzliches Dankeschön richten. Wenn dein Wunsch auch etwas trickreich war ("Ein Bild zur kompletten, allumfassenden Leere"), gab ich mir jegliche Mühe, ihn zu erfüllen. Das Resultat ist hier zu sehen:

Gesichtlos, Sinneslos, Geisteslos
Durch den genannten Wunsch ist dieses Bild ziemlich selbst-beschreibend. Lediglich die Farben sind durch den Scanvorgang etwas verwaschen: Das, was nun aussieht, wie braune Soße, die aus seinem Bein fließt, ist in Realität hautfarbend - sollte eine Darstellung des Verlierens von Lebensenergie, dem Kampfgeist voran zu schreiten, versinnbildlichen.