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Dienstag, 30. September 2014

Kurz

Gibt es auch keine hübsch-verpackten Umschreibungen, die beschreiben können auf welche Art und Weise Herzschmerz schwer auf die Brust lastet. Momentan scheint jedes Wort, welches ich verfasse, nicht dazu gehörig. Mit Geschriebenen kann ich das Atmen nicht erleichtern, oder die Augen wieder klarer sehen lassen - oder mir überzeugend einreden, dass ich nicht an früher denken sollte.
Denn diese Dunkelheit besucht mit täglich. Gefesselt von Tränen der Bitterkeit flüstere ich mit letzter Kraft: "Bitte, Erinnerung, bitte lass' mich einfach gehen."

Montag, 29. September 2014

Im Wasser auflösen....

Ein Ozeane aus Zähnen schwimmt unter der Waage; wie eine konstante Erinnerung an den verbotenen, salzigen Geschmack auf meiner Zunge. Mit letzter Kraft führe ich das Anker-schwere Maßband um den Körper. Wiederholen, jeden Tag - gleich beim Erwachen beginnt der Alptraum. In Zahlen steht es geschrieben: Die Worte, die den ausgeweideten Körper eines Fisches verfluchen. Die Entscheidung fällt, ob heute Sauerstoff eine Option darstellt oder ob ich sinke, sinke, sinke.
Ferner noch als ein Seebett aus Bedauern schreit eine krächzende Stimme in meinem Kopf: "Erinnerst du dich daran wie sie dich genannt haben? Fetter Wal, das war's. Und von nun an wirst du deinen unansehnlichen Hals nicht mit Perlen aus der Tiefe einkleiden, sondern mit den Armen einer Qualle - geschnürt wie ein Mahnmal, fest genug wie eine Schlinge."
Durch die Lippen sind Haken gezogen. Mit jedem Tag treibst du eine Meile näher an den Tod. Um sein Leben hungern ist ein Oxymoron. Genau wie scharfsinnige Verstandeslosigkeit; derzeit verweile ich in Beidem.

Denn frei im Wasser zu vergehen erscheint noch immer besser als das Land. Sie ziehen dich an deiner schmerzhaftesten Stelle durch den Schlamm, schlitzen dich auf und begutachten dein Innerstes. Sie sagen, du wärest nicht richtig, zu klein, zu groß, zu unpassend, zu nicht-dazugehörig... Als wäre deine körperliche Präsens ein Objekt, welches ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen könnte oder würde.
Manche von ihnen reden mit ihren Fäusten - und ja, nun ist dir durchaus bewusst, dass auch kleine, grau-schimmernde Fische rotes Blut haben. Tropfen um Tropfen - wärest du noch in der See, müsstest du Angst vor Haien haben. Doch hier hast du nur Angst vor Bestrafungen, die weitaus quälender Sinn als der mächtig scheinende Hieb eines Armes. Dunkle Kinderzimmer, gefangen in Isolation für Tage, die keinerlei Bedeutung für Niemanden haben; diese Finsternis verlässt deine Kiemen nicht mehr. Doch noch verborgener verhallt das Echo der unaussprechlisten Sorte der Spezies Mensch. Sie begaffen dich als den Wal, den sie missbrauchen und gebrauchen können, den sie mit niedriger Form menschlicher Befriedigung degradieren und verletzen können. Nicht aus Sinn für Schönheit, sondern Macht und Lust. Verschwunden sind nun die betrübte Eleganz und die engstrirnige gesellschaftliche Definition von Schuld und Buße.

Erniedrigender wird es nur, wenn sie mit in Widerwertigkeit getränkter Stimme deinen Rückzug bejahen. Zurück im Seegras, mit dem du mehr Gemeinsamkeiten teilst als mit ihnen.
Sie setzten Segel auf der Suche nach größeren Fängen. Töten auch diesen Herzschlag und schütten die Überreste, gefährend oder nicht, zurück ins Meer. Doch wie die Fische ist meine Stimme verstummt. Ich musste mir lediglich selbst versprechen, an nichts mehr Halt zu finden. Um den Nichts in nichts nach zu stehen, werde ich auch weniger. So werden wir eins, wenn ich ganz und gar Nichts bin, schließt sich ein wässiger Kreislauf.
Auf dieser Art und Weise halte ich die Menschen auf Abstand, die Böses wollen und Böses denken, Schmerzen bringen und Seelen einsperren, wortwörtlich.
Ein Wal sing ein Lied in der Weite. Bald wird auch der letzte Sand von den Füßen fallen und vielleicht, so hofft das Herz, welches zerbrochen und einfälltig weiter klopft, finde ich eines Tages mein zu Hause.


(Mit dem Text möchte ich eigentlich nichts im Speziellen andeuten. Es ist vier Uhr morgens und wenn man vier Uhr morgens die Wahl zwischen dem Aufschreiben solcher Gedanken oder Alpträumen hat, die grausamer sind als das hier, fällt die Entscheidung nicht schwer. Vielen Dank für eure Zeit.)

Sonntag, 28. September 2014

Hoffnungslos

Es ist nur... ich habe inzwischen einfach immer mehr und mehr das Gefühl, nicht mehr zu wissen, was ich eigentlich treibe. Da ist kein Halt mehr - ein jahrelanger Fall nur, der ab und an von einem trockenen Ast aufgehalten wird.
Mir kann man nicht helfen. Das ist die traurige Wahrheit. Prinzipiell weiß ich auch nicht, was Hilfe bedeutet. Dieses Leben war immer so unbeschreiblich schmerzhaft und isoliert. In Büchern werden traumatisierte Menschen meist gerettet. Mich rettete keiner und ich möchte inzwischen nicht mehr, dass es jemand versucht. Ob es zu spät ist oder zu früh, ich habe keine Vorstellung von einer anderen Welt. Ein Leben, in dem es keine Strafen, Stimmen, Schmerzen, Angst und so unzähliges Leid mehr gibt, ist für mich eine Seifenblase - ein ungreifbarer Traum.

Die Uhr tickt und ich harre lediglich aus.

Manie

Menschen, die manisch sind, können stundenlang reden, reden, reden ohne Hemmung und ohne Distanzierungen; können Dächer hinab springen ohne es wirklich zu wollen; können ihr Eigentum an Käufer verscherbeln, die es gar nicht gibt,...
Für sie bedeutete es, dass sie innerhalb von vier Tagen mit sechs Männern schlief, knapp 1000 Euro ausgab, die sie nie besaß und ihrer Schwester den Unterkiefer brach.
Den Ärzteteam, mit Neuroleptika wartend, war dies anscheinend nicht genug: Anstelle von Hilfe bekam sie nach den wiederkehrenden Pillencocktails einen Smiley-Sticker und eine Krankenhausrechnung.

(Ihr Name war Anna, nicht Alice. Weit weg vom Wunderland - und seit drei Monaten genau nicht einmal mehr in dieser Welt.)

Samstag, 27. September 2014

Ombrage

Komplexität erreicht nie ihr bestimmtes zu Hause:
Nur Stürme und Windhosen.
Erinnerungen streifen durch den Kopf
mit krankmachender Geschwindigkeit.
Konzeptlos ungreifbar.
Zum Sterben zurück gelassen;
mit Gewinsel in den Augen,
Betteln in der Kehle.
"Bitte, bitte - lieber Gott,
wenn es dich gibt,
bitte, bitte -
schenk' mir eine Seele,
der ich Geborgenheit schenken kann,
die mich mit Hoffnung tränkt",
flüstert der naive Kindermund.

Ein stummer Schrei in der Finsternis.
Eine harmonische Uneinigkeit
inmitter der mondlosen Nacht.

Freitag, 26. September 2014

Atmen ist nicht genug

Unter meinen Fingernägel
malt sich das Wort Suizid
wie Lust über Hautzellen.
So ein Monster zu lieben
ist kommod und primitiv,
denn kehrt es ohne zu fragen
immer wieder.
(Das Klopfen in der Brust
könnte jemand sein,
der versucht
schreiend und keuchend
aus zu brechen.)

Donnerstag, 25. September 2014

Nehmt es mir nicht all zu übel

Vielleicht sollte ich mich doch für die unüberlegten Worten von gestern entschuldigen. Mir fehlt derzeit lediglich der komplette Bezug zur Außenwelt. Mein Bruder versteht noch immer nicht, was er unserer zwischenmenschlichen Beziehung angetan hat indem er mich vor circa drei Wochen einweisen ließ. Darüber "komme ich auch nicht einfach hinweg", denn... er ist nun einmal die einzige Begründung, weshalb ich am Leben "teilnehme". (Sehr vorsichtig ausgedrückt.)
Ich selbst habe keine Bekannten oder Freunde, was an sich verständlich ist. Wenn ich bei einem Essen dabei bin, hat er es so organisiert; prinzipiell handelt es sich nämlich um seine Arbeitskollegen, Ex-Arbeitskollegen oder Freunde.
Immerhin rede ich nicht mal mit meinem Psychiater. Das will schon genug bedeuten. Die Einweisung hatte einfach keinen Stand. Alles, was sie gebracht hat, ist ein Knick in dem einzigen Vertrauen, welchem ich mir sicher war. Jetzt bin ich angespannt, weil ich mich selbst ihm nicht mehr öffne. Ich versuche mich in die verlassensten, dunkelsten Ecken zu ziehen, um nicht irgendeine Aktion zu vollziehen, die ihn wieder zum Telefon greifen lässt. Der Gedanke macht mir Angst. Mein Bruder, mein bester Freund neben dem Schwein, macht mir Angst...

Ja, also... entschuldigt bitte. Die zwei Posts von gestern (einer wieder gelöscht, weil er aus mentalen Durchfall bestand) waren daneben. Versprechen kann ich nichts, doch versuche ich mich zurück zu halten. 

Mittwoch, 24. September 2014

"Die Welt dreht sich um die Sonne,...

... nicht um dich."
Diese Worte habe ich schon so oft gehört, dass mir ihre Bedeutung nicht mehr bewusst war.
Heute ist mir klar geworden, dass es für viele schlichtweg heißt:
"Du bist für jedermann so unwichtig, dass du eigentlich auf der Stelle tot umfallen könntest - ohne, dass es jemanden auch nur im Geringsten interessiert."

Dienstag, 23. September 2014

Verschmähen

Überladene Münder öffnen sich,
ausreichend und theatralisch genug,
um freiliegende Seelen zu schärfen.
Verziert lediglich durch eigene Unerträglichkeit,
schwarze Mascara-Tränen
und farbig-spitze Fingernägel,
die in der Kehle kratzen,
nach Honig schmecken.
Kein bulimisches Verschmähen
der Kalorien oder der Nahrung,
es ist der Körper, der abgelehnt wird.
Der Unterschied liegt auch nicht am Blut,
all zu schnell zerreißt der Ösophagus,
sowie das Herz.
Säure brennt sich durch,
verschlingt meine Eingeweide mit Feuer.
Sicherlich hasse ich mich selbst ausreichend,
um mich nicht an Schmerz,
gar Konsequenz,
adäquat zu stören.
Soll die eigene Hand vernichten,
an Barbie-pinkem, weichem Fleisch rütteln.
Wie ein ekelerregender Wurm,
der dich durch die engen Venen drängt,
mit Rachegelüsten die Arterien platzen lässt.

Bisher stand ich ewig wieder auf,
zerbrochen, widerwärtiger als zuvor.
Zwischen meinen kaputten Zähnen
der Gestank selbst-erkorener Verwesung.
Dort, wo eins ein Lächeln war,
klebt schwarz-eitriger Grind.



~ + ~

Gestern hat mein Psychiater nach meinem Essverhalten gefragt während mein Bruder daneben gesessen hat. Ich log ihn an, es wäre alles soweit in Ordnung und als ich nach Hause kam, wuchs das schlechte Gewissen. Mit Blindheit warf ich ein paar Tabletten ein, kann nicht einmal sagen, was es war, und bekam ohnehin kein Bissen mehr herunter. Abends dan dissoziiert; weiß nicht einmal mehr, was ich getrieben habe.
Wie sehr ich mich auch gegen Aussagen wie "Aber man kann gar nicht sehen, dass du krank bist" wehre, insgeheim wünsche ich mir, dass die Leute etwas sehen könnten, um mich in Ruhe zu lassen mit solcher Unwissenheit. Jedoch Hand auf's Herz: Ist es stets nur der Selbsthass, der mich an diese Stelle zurück kehren lässt.

Es tut mir leid, Herr Doktor, dass ich gelogen habe...

Montag, 22. September 2014

Hälfte

Und was bin ich eigentlich,
wenn ich für dich ein Nichts bin?

Es fühlt sich an als würdest du die Unschuld martern, aus keinem guten Grund. Überhaupt keinen Grund. Da sagt das Mädchen, welches nicht zu anderen Menschen sprechen kann ohne den Drang zu verspüren, zu vergehen. Während Blut die Innenseite der Jeans aufsaugt, kann sich nicht aufhören daran zu denken, dass sie keinen Freund halten kann, oder Liebhaber, oder Vater. In giftiger Blüte entfaltet, tropfen die Augen vor Verletzungen, die sie keinem anderen Lebewesen wünscht - wie naiv es auch klingt. Denn alles existiertz immer in diverser Intensität. Sie weiß es, doch die strukturlose Verlagerung in ihrer Magengrube lässt nur gut-gemeinte Hoffnung zu.

Und welche Bedeutung hat der siamesische Zwilling Gottes,
wenn du an weder noch zu glauben scheinst?

Waren zusammengewachsen am Brustbein: Der Schmerz der Trennung bleibt bestehen, wie die chirurgischen Narben an jener Stelle, an der einst du warst. Du steigst auf zum Himmel. Ich werde wiedergeboren, erneut und erneut. Alles, weil ich hörend riechen konnte, niemals fühlend riechen. Eingesperrt im Käfig, im Dasein für Stunden und Tage am Stück, in Empfindung jedes Mal für eine Ewigkeit. In meinem Kopf flüstert eine Stimme hervor, leise und von den anderen überdeckt. Stetig fragt sie nach dem Warum.
Die Augen leer, die Lügen, das Versteckspiel vergrößert die Schmerzen im Herz. Simulationen eines Lebens, umrandet als wäre es real - omnipotent und irreführend. Gräten und Fettschichten.

Und was bedeuten all diese Worte, 
wenn du nicht der Inhalt in diesen bist?

Deine dunklen Augen reflektieren vage die halb-gebauten Reste lebloser Sterne - zuerst Vertrauen erweckend wie ein warmer Schimmer endloser Güte, doch dann tropfend mit Licht, welches nach Schweiß stinkt. Die Architektur eines toten Mannes.
Vielleicht ist es zu spät auf einen Menschen zu warten, der die Gedankengänge aufhalten kann. Zu Mindest ins Schwanken bringen kann. Erwähnenswert ist jedoch für die Meisten nur das, was gesehen werden dann - was wohl kein Verbrechen ist. Denn wären diese Verstümmelungen für jeden zu erspähen, würden freundliche Hinweise und Therapieverweise die Leere nicht füllen können. Für dich bin ich nichts mehr als die Fehlkreation alter Tage. Die Schandtat und Sünde, die selbst Gott nicht zu verhindern wusste. Das Kind, welches in seiner schieren Sehnsucht nach Nestwärme schon so früh sterben wollte. Genau dieses, welches du nicht kennst - nicht aus vergangen Tagen, nicht von diesen.
Der Punkt ist, dass es keinen Punkt gibt. Die ganze Zeit war eine fortwährende, ungerade blutrote Linie, die an den Enden Dolche sitzen hatte. Du hast deinen Alkohol und kannst dich darüber hinweg setzen, was einmal war. Du hast zur Abwechlung Arbeit, ein paar Saufkumpanen, die mit dir die Zeit totschlagen.
Ich habe die Erinnerung und dieses Nichts. Nun... ein kleiner Teil in mir wünscht sich, er könnte dich hassen.

Doch genau so wie keiner diese Gedanken sehen kann, kann ich dich wohl auch nicht verurteilen.
Wenn ich aber an manche Geschehnisse denke - mehr noch an dessen Konsequenzen -, klingelt der Tod an die Tür meiner Einsamkeit. Vielleicht ist es auch meine andere Hälfte.)

Sonntag, 21. September 2014

Bibliothek

Inzwischen gehe ich nur noch selten zur Bücherei. Nicht, weil der Weg durch die Agoraphobie zur Last wird, sondern weil die Bibliothekarin mich immer mit diesem herabwürdigenden Blick anschaut. "Nehmt einige Meter Abstand", sagte sie zu anderen Besuchern und ihrer Kollegin vor circa drei Jahren als ich vor Angst-Schwindel, durch einen Flashback verursacht, fast in Ohnmacht fiel. Direkt dort in dem kleinen Vorzimmer mit den gemütlichen Sesseln und dem Getränkeautomaten.

"Solche Menschen sind mir bekannt", sagte sie, in der Stimme eine abtrünnige Art pejorativer Missbilligung. "Koffein kann solche Attacken auslösen. Ist ja immer das Gleiche mit den Manisch-Depressiven."
'Attacken auslösen' - als würden Stress, gar laute Geräusche, eine kurzweilige, versehentliche Berührung nicht als Zündstoff ausreichen. Ich trinke keinen Kaffee, brauche ihn nicht als Kanonenfutter, obwohl mir ohnehin niemand so viel Rationalität zutraut. Denn 'Menschen wie ich' sind sowieso viel zu verrückt, um zu realisieren, dass wir die eigentliche Waffe sind.
An dem Tag trank ich furchtbar-wässrigen Früchtetee aus besagtem Automaten, viel zu überteuert und fast schon eine Zumutung.

Die wenigen Tage, an denen ich mich seitdem zu diesen Örtlichkeiten begab, trank ich auch immer Tee oder heiße Schokolade. Darauf bedacht genau dort so zu stehen, dass sie mich im Blickfeld hat. Ihren stillen Terror zu sehen würde wahrlich ein Komik grenzen, wenn es nicht eigentlich so weh tun würde.

Samstag, 20. September 2014

Unzusammenhängende Klinikgedanken

Ein paar Gedanken, die ich von meinem "Kurzurlaub" des letzten Klinikaufenthaltes:



Es war nie ein Geheimnis, warum es auf Klinik nur vergitterte Fenster gibt. Nicht nur im Akutpsychiatrischen Bereich, sondern auch in den Räumlichkeiten der Tagesklinik oder der Musiktherapie, zum Beispiel.
Schon viele Patienten sah ich die einschließenden Metallstäbe mit ihren Händen umfassen; in den Augen ein sehnsuchtsvoller Blick nach Freiheit oder dem Tod. Unter Umständen haben beide Wörte im Zusammenhang die gleiche Bedeutung.
Vor einigen Monaten empfand ich es noch als überaus tragisch, dass man mehr Vertrauen in das Misstrauen der Patienten gegenüber hatte als an die Fähigkeiten beziehungsweise Möglichkeiten der Heilung dieser. Heute ist mir bewusst, dass es Menschen gibt, die den Flug ins Ungewisse einem diesen Leben bevorzugen würden. Ob ich mich selbst zu diesen Menschen zähle, möchte ich nicht preisgeben. Was ihr aber unbedingt wissen solltet: Wir sind nicht verrückt. Nicht jeder Menschenverstand, nicht jedes Gewissen, kann mit dem leben, was einige Leute hier erlebt haben. Die Zeit heilt keine Wunden und verschafft keine Wunder. Sie verfolgt nur. Denn heute ist 11:00 Uhr Konfessions-Zeit: Ich versuche zu lächeln und vermeide den Augenkontakt. Sage jedoch kein Wort und streiche ein T in die Tür.

T steht für tägliche Tränen, treue Todessehnsucht und tiefgreifende Trauer. Mit Sicherheit gibt es weitere Türen, doch für die habe ich eben keine Zeit. Vielleicht ist das der Grund, warum ich daran festhalte, dass das Ende der Welt kein Zeitpunkt sein kann. Wie gehabt, ein örtliches Ende, ein Platz, ein Zimmer, eine Grube - bis hierhin und nicht weiter. An diesen Ort klammere ich mich eine Ewigkeit - niemals einen Ausgang in Sicht.
Eine Hand voll der Mitpatienten kennen diesen Ort. In ihren Augen funkeln tausend toter Sterne, man sieht ihnen die qualvolle Pein der Leere förmlich an.

+ ~ +

Leer-gefühlt. Die Emotionen sind verschwunden. Irgendwie sehe ich mich selbst wie der Oberarzt der Überwachungsstation mich sieht: Ich bin ein Geist mit einer Karteikarte; einem digitalen Code, der mein Gesicht überdeckt.
"Sehen Sie wieder ein Tier?", fragt er. Nicht, dass er angsteinflößend wäre oder eine solche Aura hätte, doch das Antworten fällt mir schwer. Die Jahre vergehen, genau so zerfließen auch die gesprochenen Worte aus meinem Mund. Manchmal rede ich so viele Tage hintereinander mit niemanden, dass ich bei einer Frage, die mir gestellt wird, eine Computertastatur suche.
Schweigend und zum Boden sehend nicke ich.
"400 ist der böse Hund und 300 war der gute, oder? Andersherum?", möchte er nun wissen.
"Mir ist das Prinzip von alleiniger Darstellung von Gut und Böse fremd."
Auch fremd ist mir der Grund, warum er lachen muss. Tatsächlich glaube ich nicht daran, dass es einen Menschen, gar ein Wesen, gibt, welches nur gut beziehungsweise nur böse ist. 
"Trotzdem müssen Sie mir auf die Sprünge helfen: Welcher von den Beiden ist der, der ihnen Angst macht?"
"300."
Eigentlich möchte ich nicht darüber sprechen. Die Psychiater und Therapeuten verstehen nicht, dass sie meine Freunde sind, denen man nicht jeweils eine Eigenschaft zuführen kann. Ich möchte nicht, dass man sie von mir nimmt, denn sie sind die Einzigen, die mich verstehen und begleiten.
"Was stimmt mit ihrem Hals nicht?", setzt er nun an, schreibt Notizen auf ein weißes Blatt Papier.
"Das Schwein hängt mit einem Anker an meinem Ohr."
"Verstehe", und er schreibt weiter seine Kürzel und Stichworte. Langsam frage ich mich, ob nicht eigentlich er derjenige ist, der gar nicht hier ist. Was ist, wenn das, was meine Ärzte als Pseudohalluzinationen bezeichnen, real ist und das, was sie als Realität bezeichnen, meine Imagination?
Sie sind hier und hier gehöre ich hin. Das Schwein, Frettchen, 400, der auserwählte "gute" Hund, der codierte Schein-Geist-Mensch und der Mann im Kittel, der lacht, wenn es nicht angebracht ist. Wessen Wahrnehmung ist hier gestört?

~ + ~

Schmerz, der zu physisch ist, um ihn zu zeigen. Ich zeichnn Bilder an die Bürowände mit meiner schieren Enttäuschung. Schmecke nun, was ich nicht vergessen kann.

~ + ~

Wenn der Körper immer schwach und das Herz immer kalt ist, jagt man wohl sogar Ärger hinterher, wenn dieser auf dem Weg zum nächsten ist. Gerade jedoch willkommender als ein geschundener Körper, der den Seelenschmerz nicht mehr zu bewahren vermag.
Ich kann ihnen einfach nicht sagen, was fehlt oder nicht stimmt, weil ich nicht weiß, was noch da ist, was jemals richtig war. Mir fehlen die Worte zu beschreiben, dass sie nicht ich sind und ich nicht immer die selbe Person, obwohl ich den Geist nicht verlasse. Es krabbelt unter meiner Haut ein Fluch, den ich nicht zu brechen vermag.
Bitte gebt mir eine wärmende Decke und nährende Freiheit, kein Abendbrot mit Plastikbesteck und Tabletten, die mir den letzten Willen des Suchens nehmen.

Eine Frau mittleren Alters setzt sich ungefragt zu mir. Ab und an habe ich sie schon endlos ihre Runden im Innenhof laufen sehen.
"Wusstest du, dass man quasi Starstatus hat, wenn man in der psychiatrischen Klinik einen Schwerbehindertenausweis hat?", ihre Zunge überschlägt sich fast. Es fällt mir schwer ihrer eiligen, fast manischen Aussprache zu folgen.
"Das war mir bisher nicht bekannt. Danke, dass Sie mich darauf hinweisen."
"Kannst ruhig du sagen. Ist aber wahr, ich schwöre. Ich habe ja zusammen mit einer Sozialberatung einen Schwerbehindertengrad feststellen lassen. Ist bei 40. Einen Ausweis bekommt man aber erst ab 50. Der bringt viele Vorteile in der Arbeitswelt und so. Auch bei den Steuern und so. Wir haben mit dem Sozialen Dienst hier beantragt, dass die Feststellung des Grades erneut angeschaut werden soll. In Deutschland muss man ja immer alles zwei Mal probieren bevor es klappt", ihre Lippen bewegen sich so schnell, dass mir leicht schwindelig wird. Unfreundlich möchte ich nicht sein, versuche im Gespräch zu bleiben und bloß nicht zu dissozieren.
"Sind Sie berufstätig? Können Sie den Kündigungsschutz und die Steuerausgleiche ausschöpfen?"
"Kannst du sagen, hab ich schonmal gesagt. Aber nein, ich gehe doch nicht arbeiten. Bin ständig in Kliniken als Dauerstargast, so zu sagen.", kurz unterbricht sie um zu lachen. "Aber ich kann ja mal für weniger Geld Eintritt zahlen. Beim Museum, zum Beispiel."
"Dann drücke ich die Daumen, dass Sie die 10 Nummern noch schaffen werden, um den Ausweis zu bekommen."
Irgendwie kann ich nicht aufhören meinen Ausweis vor meinen inneren Auge zu visualisieren. Dessen Existenz ist für mich derzeit prinzipiell unbedeutend. Viel zu selten denke ich darüber nach, was er eigentlich bringen könnte. Immerhin - wenn man Einkommen erhalten würde, könnte man auch eine Steuererklärung für Pauschbeträge machen. Wenn man arbeiten gehen würde, hätte man Anspruch auf Zusatzurlaub oder sogar Kündigungsschutz. Wenn man das Haus mal verlassen würde, könnte man Rabatte auf Eintrittspreise bekommen. Ah! Moment! Ich weiß wieder, warum ich darüber nicht nachdenken wollte...
Mein Kopf tut weh. Wer bringt mir die nächste Portion Lithium? Meine zwölf Stunden sind fast vorbei.

Freitag, 19. September 2014

Etiketten - Nummer 6 und 7

Danke, Lovely, für die Etikette. =) Wahrscheinlich kennt jeder das Prinzip inzwischen, doch: Eine freundliche Person schickt 11 Fragen als sogenannten "Tag" (früher waren es mal sieben Fragen. Seit wann sind das 11? XD), man beantwortet die Fragen und sendet weiteren Personen seine neu-ausgedachten Fragen. =)  Werde direkt ins kalte Wasser springen und die schwierigen Fragen beantworten:



1. Worauf bist du wirklich stolz?

Ich bin stolz darauf, dass dieser Blog seit nun drei Jahren existiert und - mehr oder minder - stets aktiv war. Des Weiteren bin ich stolz darauf, dass ich selten impulsiv reagiere. Mein Bruder hasst es, aber ich plane vieles peinlich genau und selbst wenn es nicht "nach meiner Nase tanzt", würde ich nie in Wut verfallen.
 
2. Was findest du hübsch an dir?

Da die Antwort "nichts" wohl nicht von Gültigkeit ist, muss ich sagen, dass ich nichts an meinem Äußeren finde, was ich als "hübsch" betiteln würde. Wenn ich eine Antwort geben muss: Meine Hände, wenn meine Fingernägel die richtige Länge haben.  
3. Wenn du etwas Ungeschehen machen könntest, würdest du es tun? Wenn ja, was?

Meine Geburt würde ich all zu gerne ungeschehen machen.
Ein genaues Beispiel fällt mir gerade nicht ein, doch würde ich gerne ungeschehen machen, wie ich manche Menschen behandelt habe. Leider log ich besonders als Jugendliche meine Familie, Freunde und Lehrer an und verletzte damit einige Gefühle.


4. Welches Ziel möchtest du unbedingt erreichen? Warum?

Derzeit weiß ich leider nicht einmal, ob ich noch Ziele habe. In den letzten Jahren ist meine Sicht auf das Leben sogar meine gesamte Waltanschauung in eine komplette Dunkelheit getaucht, dass ich den nächsten Tag schon fürchte. 
5. Wenn du dein Leben aufmalen könntest, welche Farbe hätte es dann?

Allgemein ist dies schwer zu beantworten: Jeder Tag hat in seiner Einzigartigkeit allein schon mehrere Farben, Formen und Muster verdient. Doch ich versuche die Frage mit einem "grau, welches sich mal lichtet und andere farben durchscheinen lässt, doch auch zu dunkel für jegliche Sicht" beantworten. 
6. Welche Eigenschaft beschreibt dich am besten, ist dir selbst am wichtigsten und welche würdest du gerne loswerden?

Dies sind ja gleich drei Fragen. Du erwartest wirklich viel von meiner abendlichen Gehirnleistung. ^_~
Natürlich nehme ich mir lediglich die Freiheit der Behauptung. Doch ich würde sagen meine treffenste Eigenschaft ist die ausdauernde Genügsamkeit. Vielleicht scheint dies etwas verwirrend, denn ich meine nicht ausschließlich die Genügsamkeit im positiven Sinne wie das anspruchlose Warte auf bessere Zeiten. Auch, vielleicht besonders, das Negative meine ich: Prinzipiell ergreife ich auch nie oder nur sehr selten die Initiative, Voraussetzungen zu ändern. Im Übrigen beschrieb mich mein alter Arbeitgeber als "intelligent, doch zeitweise radikal logisch; sehr verschwiegen, strebsam und ordentlich, doch aus diesem Grunde schwer in Gruppen zu integrieren".

Wichtig ist mir genau dieser Rationalismus, denn auf allein emotionaler Basis hätte ich mein Leben bis hierher nicht überleben können. 
Die Charaktereigenschaft, die ich gerne ändern würde, ist eindeutig meine krankhafte Ängstlichkeit. Zusätzlich meine Unentschlossenheit, die wohl durch die benannte Angst gefüttert wird.   

7. Geld oder Liebe? Was würdest du wählen?

Da ich mir nicht sicher bin, ob ich Liebe überhaupt empfinden kann, würde ich Geld wählen.
8. Glaubst du an ein Schicksal? Oder glaubst du, dass jeder Mensch immer die Möglichkeit hat, über sein Leben zu bestimmen?

Woran ich nicht glaube, ist, dass Leben im voraus bestimmt sind. Man kann Konsequenzen nicht immer richtig abwägen und kontrollieren, doch man kann aufpassen, welche Schritte man geht und vor Allem in welche Richtung. 
Auf der anderen Seite denke ich schon, dass man gegen manche Gegebenheiten nichts ausrichten kann und dies ist dann mehr oder minder Schicksal. 

9. Worauf könntest du verzichten, tust es aber nicht?

Kostenlose Online-Spiele bei Facebook. XD Obwohl sich dies in letzter Zeit auch lichtet. 
10. Stellst du dich selbst und das, was du tust manchmal in Frage?

Der Blog hier beantwortet die Frage von selbst. ^_~
Ja, das tue ich.

11. Diese Frage habe ich von der fabelhaften Anais (gez-niemand.blogspot.de). Unmöglich, sie euch vorzuenthalten:
Möchtest du ein Schaf?

Ich liebe Tiere sehr. Wenn ich mir jedoch ein Haustier aussuchen könnte, wäre es wohl kein Schaf. Allein schon aus dem Grund, dass ich zu meiner Ausbildung so viele Parasiten-, Würmer- oder Kokzidien-Befälle gesehen habe, dass ich mir wohl den ganzen Tag nur Sorgen machen würde, obwohl es gar kein Problem gibt. XD






Die zweite liebenswerte Person, die mir eine Etikette geschickt hat, ist  kathiewhatelse. Vielen Dank. =) Auch über deine Fragen freue ich mich sehr.

1. Gibt es bestimmte Menschen, die du auf jeden Fall und immer meiden würdest?

Ja.


2. Was ist in einer Beziehung für dich ein absolutes No-Go?

Betrug im jeglichem Sinne.
Jemand, der immer über andere nörgelt, an sich aber keinerlei Kritik herankommen lässt.

Eine Person, die von sich denkt, sie findet ohnehin jemand besseren und man dient nur als "Platzhalter". 
Außerdem würde ich es nicht in Ordnung finden, wenn festgemachte Termine und Planungen nicht eingehalten werden bzw. nicht rechtzeitig abgesagt werden. (Außer natürlich es gibt einen Grund der höheren Mächte.)

3. Was würdest du als deine beste Eigenschaft bezeichnen (sorry Lovely falls die Frage deiner zu ähnlich ist)?

Da möchte ich tatsächlich auf die Antwort zu Lovelys Frage Nummer 6 deuten. =)

4. Bier oder Wein oder nichts davon?

Nichts.

5. Was würdest du tun, wenn du erfahren würdest, dass dein ganzes bisheriges Leben nicht der Wahrheit entspricht- zB wenn man dir eröffnet, dass du adoptiert wurdest und deine Eltern und Geschwister gar nicht deine leibliche Familie sind?

Das ist ziemlich schwierig zu beantworten, weil die Frage - wenn man das genaue Beispiel außer Acht lässt - sehr breit gefächert sein kann.
Wenn ich das Beispiel aufgreifen darf: Sicherlich wäre die Eröffnung erstmal ein Schock. Doch nach der Verdauung der gewonnenen Informationen würde es wohl nichts an der Beziehung zu meinen vorherigen Bezugspersonen ändern. Was erlebt ist, ist erlebt. Ab hier kommt es darauf an, ob es noch eine Möglichkeit gäbe, die leiblichen Eltern kennen zu lernen und die Umstände genauer in Erfahrung zu bringen.
Wahrscheinlich würde ich mich bei meinen Adoptiv-Eltern bedanken: "Danke, dass ihr versuchtet mir ein besseres Leben zu gewährleisten als es meine Eltern konnten."


6. Welche Eigenschaft kannst du bei Freunden oder Familienmitgliedern so gar nicht vertragen bzw bringt dich auf die Palme?

Eigentlich auch das, was Nummer 2 einschließt. Ich dachte, du meintest dort schon jegliche zwischenmenschliche Beziehungen und nicht nur Liesbeziehungen.
Was mir aber jetzt einfällt ist übermäßiges Unordentlichsein (mein Mitbewohner *grummel), doch auch an Perfektionismus grenzender Sauberkeitszwang.


7. Lieber ans Meer oder in die Berge?

Egal, wenn es die richtigen Umstände sind. <3 

8. Lieber 30 Grad im Schatten oder ordentlich kühl?

Kühl. 

9. Welche Personen sind in deinem Leben die wichtigsten und wen würdest du niemals verlieren wollen?

Ich beziehe mich lediglich auf Menschen, die ich außerhalb des Internets kenne: Meine Brüder.

10. Seit wann bloggst du schon und wie bist du zum Bloggen gekommen?

Seit August 2011 blogge ich. Es begann als Essstörungs-Blog, doch aufgrund diverser Umstände musste ich diesen Teil privat weiterführen.

11. Trägst du gern Schmuck und wenn ja,was für welchen so?

Zum richtigen Anlass darf es der richtige Schmuck sein. Besonders Ketten mag ich gern. Ringe würde ich all zu gerne tragen, doch ich kann sie nur auf der rechten Hand tragen und da der Ringfinger einmal gebrochen war, formte sich dort eine Art Knubbel, der es schwer macht, Ringe zu tragen. =( 




Jetzt zu meinen Fragen. Was mir auch gerne außerordentlich schwer fällt....
  1. Hast du eine Macke, die dich selbst mehr stört als die Menschen deiner Umgebung?
  2. Wenn du die Entscheidung treffen müsstest: Eingeschränkte Freiheit ohne Hilfsmittel (wie Drogen, Medikamente, Feiern, Süchte,...) oder uneingeschränktes Glücklichsein auf Kosten anderer?
  3. Wirst du schnell durch Worte anderer demotiviert oder sind es eher deine eigenen Gedanken, die dich stocken lassen?
  4. Hast du ein Hobby (oder ein spezielles Interesse), welches keiner deiner Freunde und Familie teilt und du nur online ausleben kannst? (Mit/durch/mit Hilfe von Leute im Internet)
  5. Zwei Stunden lang müsstest du eines von Beiden ertragen müssen: Laute Geräuschkulisse oder unangenehmer Geruch. Was wäre das kleinere Übel?
  6. Wie groß machst du deinen persönlichen mentalen Unterschied zwischen Internet-Freunden und Freunden, die du bereits getroffen und kennengelernt hast?
  7. Hast du dich selbst einmal so intensiv in einer fiktionalen Figur wieder erkannt, dass du diese leidenschaftlich studiert hast und die die kleinsten Abweichungen des Charakters zu deinem Verhalten aus der Fassung bringen konnten? 
  8. Wovor hast du Angst?
  9. Gibt es einen Ort, an dem du wiederkehren kannst, um dich geborgen zu fühlen?
  10. Wieviel Stunden Schlaf bekommst du pro Nacht? (Sollte es gefühlt mehr/weniger sein?)
  11. Was war das größte Kompliment, was dir ein Mensch jemals gesagt hat? 
Die Leute, denen ich den Tag weiter reichen möchte, hatten vorher hoffentlich noch nicht so viele bzw. keine.

Donnerstag, 18. September 2014

Auflösend

Während die Krähen über meinem Kopf ihre Kreise drehen,
denke ich an dich, heimlich leise auf den Beton blutend.
Das Fleisch verliert sich vom Skelett, dies ist nicht Vergehen,
sondern das Sterben einer unumstößlichen Wahrheit.
Es ist dunkel um mich herum, es ist finster in mir.
Ich kann nicht aufhören daran fest zu halten,
dass ich nur die Schändlichkeit in deinem Leben bin,
die dir den kostbaren Sauerstoff wegatmet.
Ein Atemzug, ein nächster - widriger als zuvor.

Dienstag, 16. September 2014

Die Gewinnerin

Erneut ein herzliches Dankeschön an die Teilnehmer vom Gewinnspiel. =)
Im Überblick sind dies Lily, Liv, Davina, Lovely, Kathiewhatelse, Traumkirschen, Kyara und Maru.


Eigentlich wollte ich das Verlosen wie üblich filmen, doch ist mir zu spät aufgefallen, dass der Akku meines Camcorders nicht aufgeladen ist. Also habe ich auf sehr geschickte und grazile Art und Weise versucht, in einer Hand meine schwere Fotokamera zu halten und mit der anderen aus meiner Kameratasche ein Los zu ziehen. Ihr könnt froh sein, dass ihr da nicht zusehen musstet.

Erstmal die Lose in die Tasche und alles durchschütteln: 


Es wird spannend. (Und für Menschen ohne Körperkontrolle auch schwierig: Zeitgleich eine Kamera halte und einen Zettel aus einem Behälter ziehen... XD Was man mir so abverlangt. ^_~)


T-Shirt-Igel war vor Aufregung auch schon am Zittern =)
Jetzt der große Trommelwirbel:


Herzlichen Glückwunsch, Davina! =) Du bist die glückliche Gewinnerin des Gewinnspiels. Wir werden uns in den folgenden Stunden hoffentlich noch miteinander in Verbindung setzen können, doch morgen werde ich auf die Suche gehen, was ich für dich finden kann.
Hoffentlich ist auch keiner der anderen Teilnehmer traurig. Es wird mit Sicherheit irgendwann wieder ein Gewinnspiel geben, bei dem ihr auch teilnehmen könnt. =)

Danke für's Lesen.

Montag, 15. September 2014

Gelten

Dies gilt der Einseitigkeit.
Menschen zu reparieren, Menschen zu heilen
ist weit entfernt von jeglichem Sinne der Romantik.
Keiner sollte existieren, um als jemandes Antwort zu dienen.
Wenn fremde Herzen pochen während das eigene schweigt,
kann man auch von seelischer Todesnähe sprechen.

Ich versuchte meiner Freundin zu erklären, dass sie ihn nicht küssen solle, weil er zerschlagen war. Sie solle ihm die Hand reichen, weil er am Boden lag. Ihn nicht küssen, weil er ihr Leben war, sondern ihn halten, weil er in ihrem Leben war. Einseitige Liebes-Illusionen retten ihn nicht. Natürliche hatte sie nicht hören wollen, verständlicherweise. Nun sind sie beide herzkrank und sinkend, erstickend an der Umarmung der Realität.
(Dies sind die Momente, an denen ich es hasse, recht haben.)

~ + ~

Dies gilt der Poesie.
Sie findet die Worte, die Thematiken finden sie.
Fantasie ist wünschenswert,
doch eine hoch-potente Dosis zwischenmenschlicher
Giftigkeiten ist nie verkehrt.

Dabei könnte es so erquickend leicht sein, alles auf zu schreiben, was das Leben eröffnet. Das Herabfallen des Herbstlaubes. Insomnia oder Alpträume. Wie schnell die Menschen in Wahnsinn verfallen können. Schnürsenkel. Darüber wie der Nachbar am Vorabend sein Genick beim Aufhängen der Gardinen brach. Blähungen.
Es scheint recht sadistisch sich selbst gegenüber, wenn man all das, woran man sich nicht entsinnen möchte, aufschreibt, um es immer wieder und wieder zu lesen.

~ + ~

Dies gilt der Ganzheit.
Im Religionsunterricht las sie über eine Theorie,
die besagt, dass Menschen eines Tages Gott gegenüber
zu arrogant werden.
Zur Strafe würden unsere Seelen entzweit werden,
verdammt dazu, den Rest des Leben, die andere Hälfte zu suchen.
Die Schriften waren hunderte von Jahren alt
und Menschen sind arrogant.

Prinzipiell möchte ich Gott nicht mit in diese Zeilen ziehen, nur denke ich über diese Theorie gerne nach. Auch Ungläubige sind perfekt wie ein Kreis geboren. Mit dem vergehenden der Zeit, dem Dazulernen, um zu überleben, werden Stück für Stück Puzzleteile entrissen. Für jeden bleibt ein speziell von ihm und seiner Umgebung geformten Rest. Bei Einigen handelt es sich im Wesentlichen um Begleitschaden, bei Einigen um die umworbene Hälfte, bei Anderen ist es bestürzend mehr.
(Ich wünschte, jeder hätte die gleiche Chance, seine verlorenen Teil zu finden.)

~ + ~

Dies gilt dem Trinken.
Manchmal weint sie bitterlich,
wenn sie sich daran erinnert,
wie liebenswert anders ihr Ehemann vor dem Trinken war.
Schuldbewusst stellt sie sich der Wahrheit:
Immerhin war es sie selbst, die sich damals Mut
angetrunken hat, um ihn zu küssen.

Glorreich ist es nicht in seinem - oder fremdem - Erbrochenen aufzuwachen, auf kalten Fließen oder dem Gehweg, frierend.
Es ist egal, was du von mir oder über mich weißt, bitte glaube mir mein aufrichtiges Geständnis: Gleichgültig wie sehr du versuchst durch Alkohol zu vergessen, es funktioniert nicht. Versucht habe ich es, oh, wie habe ich es versucht: Der Kopf zählt an und du hebst die Flasche, das Glas, was auch immer, noch eins, noch ein weiteres. Erinnerte ich auch nicht gleich seine Lippen oder den Druck einseitiger, sündiger Lust - irgendwann kommt es wieder. Die Bilder, die Szenen im Kopf - vermischt mit Scham und Bedauern. Das, was man versucht hat, zu vergessen, bleibt bestehen - dazu kommt lediglich die Schande.

~ + ~

Dies gilt der Ironie.
Ironie gilt dem gestressten Studenten,
der zu viel von der falschen Schlafmedikamentation
schluckte, weil er schlafen wollte,
und nun nicht mehr aufwachen wird.
(Verdient hatte er es nicht.)

~ + ~

Dies gilt dem Weinen.
Menschen sind sensible Wesen, im Allgemeinen.
Die Haut ist fragil. Wir haben keinen Pelz.
Blut und Schmerz sagt uns, wann genug ist,
oder wäre - wie immer ein Aufhören möglich ist.
Wir sind schwach und verletzlich.
Wir sind aussätzig und bloßgestellt.

Wir wurden weinend und schreiend geboren. Inzwischen sollte es auch in Ordnung sein für noch so gestandene Männer weinen zu dürfen. Leider ist es das nicht überall, darum vergieße ich eine Träne für all diejenigen, die nicht weinen können.
Denn ich glaube nicht an Unterschied zwischen einem aufgeschrammten Knie und einem Wehwechen im Herzen. Nicht alles kann man beiseite schieben und loslassen. Bitte gibt nicht auf, wenn ich gerade von dir spreche. Es gibt Menschen, die verstehen und nachvollziehen. Es gibt Menschen, die genauso versuchen wie du mit allen Mitteln durch den Tag, durch die Nacht zu kommen! Du bist nicht allein. Ob mit einer Träne auf den Wangen oder nicht.

Sonntag, 14. September 2014

Erinnerung an das Gewinnspiel + Aufklärung + Geschenke

Hier ist die Erinnerung an das Gewinnspiel! Bisherigen Teilnehmer sind:
Lily
Liv
Davina
Lovely
Kathiewhatelse
Maru
Kyara
und Traumkirschen
Wer noch mitmachen möchte, braucht es mir einfach in einem Kommentare mit zu teilen. =) Morgen den ganzen Tag habt ihr dafür noch Zeit.

~ + ~

Wegen der gestrigen Verwirrungen möchte ich mich erneut entschuldigen. Wer den Eintrag gelesen hatte: Der Text war nicht als Vorwurf gegenüber irgendjemand gemeint. Weder gegenüber einen Leser, noch einer Person meines Bekanntenkreises.
Mir fiel erst nach der Ansprache auf, dass man es wirklich hat andersweitig interpretieren können. Da habe ich nicht ausreichend über meine Worte und derren Konsequenzen nachgedacht.

Freitag, der 12., war mein Geburtstag und der gesamte Tag war eben leider sehr enttäuschend und entmutigend. In meinem Überdruss und Missmut schrieb ich wohl den Eintrag, den ich gestern veröffentlichte. Bitte verzeiht das kleine Chaos. Ein wenig wundert es mich schon, dass ihr so überrascht wart - immerhin jammere ich doch 94,7% meiner Einträge auf diesem Blog. (Und ich gelobe keine Besserung.)

~ + ~

Wie versprochen noch ein paar Bilder von den Geschenken, die meinen Tag doch etwas versüßt haben - man möchte ja bescheiden sein, aber Freude bleibt ein Glücksmoment.
Zu allererst möchte ich noch ein Paket erwähnen, welches ich von Maru, einem guten Freund vom Blog, zugesendet bekommen habe. Leider weiß ich nicht, ob er möchte, dass ich ein Foto von mache und es veröffentliche. Aus diesem Grund erneut ein herzliches Dankeschön. =)

Mein Bruder R. hat mir das Spiel "Sims 4" geschenkt und eine Jacke von dem Manga One Piece, weil ich mir diese gewünscht habe. Außerdem mag ich bekanntlich ja Flausch - natürlich nur an Tieren, wenn sie leben und in Kleidung produziertes.



Mein Bruder M. wollte eigentlich mit mir zusammen einkaufen in Dresden. Da der Ausflug aber ja so kurzfristig ins Wasser gefallen ist, schickte ich ihm zum Geburtstag eine Karte mit Geld - entschuldige, ist das einfallsreichste, woran ich denken konnte - und er denkt sich noch was aus. Da bin ich gespannt.
Die zwei Arbeitskolleginnen, von denen ich ab und an mal schreibe, haben mich eingeladen, zusammen in den Zoo in München zu fahren. Ob ihnen bewusst ist, dass die Chancen dafür verschwindend gering stehen, weiß ich nicht. Da Beide ja zusammen in einer Abteilung im selben Betrieb arbeiten, wird es schwer, am gleichen Tag frei zu bekommen, deshalb würde der "Termin" wohl auf einen Samstag fallen. Ich fahre ohnehin schon nicht mit der S-Bahn, oder den meisten anderen Verkehrmitteln, und Samstag in München? Naja, aber wir bleiben mal optimistisch.

Aufgrund dessen, dass ich sowieso meistens mache, was anderswo als sonderlich angesehen wird, habe ich mir auch selbst zwei Geschenke gemacht. XD


Das ist die Schildkröte, die bisher keinen Namen hat. Sie ist ein Mikrowellenwärmekissen. Sonst hatte ich Wärmflaschen, die mit heißsem Wasser zu befüllen waren. Soweit bin ich also im Fortschritt. ^_~


Wirklich wichtig und weiterführend empfinde ich diesen Medikamenten-Organizer. Die billigeren Modelle wären wohl angenehmer für mein Portemonnaie gewesen, aber dort stand es nicht so übersichtlich nach Wochentag und Tageszeit auf den Plastikbehältern. Und es ist blau. Die erste Woche ist befüllt - ohne Notfallmedikmente jeden Tag vier Tabletten. =)

Morgen gehe ich gleich in der Früh zu meinem Psychiater - wegen der Sache mit dem unausgefülltem Formular. Es bangt mir davor, die Wohnung ohne Begleitung zu verlassen. Was muss, das muss.  Das wird schon.... Immer positiv bleiben..

Freitag, 12. September 2014

Frustration

Es ist demütigend. Dies schreibe ich in der Hoffnung ein ausreichend entsprechendes Wort gewählt zu haben. Bis vor circa zwei Stunden hatte ich einen wirklich schönen Tag. Habe heute ein Überraschungspaket geöffnet, in welchem einige bemerkenswerte Kleinigen enthalten waren, habe ein schönes Abendessen vorbereitet und einen Kuchen für meinen Bruder und mich vorbereitet. Nachher wollten wir ein Spiel über die Playstation spielen und eine DVD gucken. Die Planung klingt simpel genug. Was soll schon schief gehen?
Das Landratsamt kann schief gehen. Da flog heute ein Schreiben ein, dass die Zahlungen am 15.9 eingestellt werden, weil ein Formular von meinem Arzt noch nicht angekommen ist. Das Formular habe ich vor fünf Wochen in etwa zu ihm gebracht. Anstatt bei ihm einfach mal an zu rufen, wird mir jetzt die Sozialhilfe gekürzt.
Und am 15.? Das ist Montag. Was soll ich über das Wochenende denn tun? In seine Praxis einbrechen und den Zettel ausfüllen? Oder soll ich mich Montag mit einer Kettensäge neben ihn stellen und ihm bedrohen, dass er es sofort ausfüllt und faxt?

Es sollte ein guter Tag werden. Es sollte ab Montag eine gute Woche werden. =( Wir hatten sogar geplant, etwas einkaufen zu gehen und an einem anderen Tag den Wildparkt zu besuchen. Natürlich fällt das jetzt aus, weil ich ja nicht weiß, ob ich am Ende des Monats Geld überwiesen bekommen werde...
Es ist demütigend, vor Allem weil ich eigentlich keine Steine in den Weg gelegt habe, denn ich habe das Formular gleich zum Psychologen gebracht, noch kann ich irgendetwas ändern außer, dass ich am Montag mal vorbei fahre und ihn bitte, es so bald wie möglich zu erledigen.
Da möchte ich am Liebsten gleich wieder losheulen. Doch als ich das letzte Mal geweint habe, hat mich mein Bruder einweisen lassen, deshalb habe ich wohl jetzt keine Wahl als duschen zu gehen. 

Donnerstag, 11. September 2014

100.000 Besucher zum 3-jährigem Jubiläum! Gewinnspielzeit!

Liebe Leser,

als ich am 7. August 2011 diesen Blog eröffnete, hätte ich niemals erträumen können, dass ich drei Jahre später noch immer meine Gedankenfetzen, Geschichten und Gedichte mit "der Außenwelt" teile. Natürlich ist dies allein euer Verdienst - eure Kommentare, euer stilles Mitlesen, eure Anwesenheit, eure Hilfe. Ihr wisst gar nicht, was mir eure Unterstützung und konstruktive Kritik bedeutet. Ihr seid hoch geschätzt, oft sende ich euch Liebe und Kraft, damit ihr auch eure eigenen Umstände überstehen könnt.
Dieser Dank gilt jedem einzelnen von euch, die sich in den letzten Jahren Zeit genommen haben.


Aus diesem Grund möchte ich ein neues Gewinnspiel veranstalten. Jeder kann teilnehmen, auch wenn er diesen Beitrag nur per Zufall gefunden hat und den Blog nicht liest. Dies ist kein Bewerben des Blogs, sondern eine offenkundige Danksagung an alle. Leider kann nur einer gewinnen, meine Zuneigung gilt jedoch allen.

Da ich in den letzten Tagen andersweitig ... beschäftigt war, konnte ich traurigerweise kein Bild vorbereiten. Dieses Mal wird es also eine gekaufte Überraschung geben. Sofern es mir meine Inspiration jedoch erlaubt, werde ich versuchen, noch ein kleines Bild zu zeichnen. Da ich den Gewinn selbst noch nicht erdacht habe, kann ich auch keine genaueren Hinweise geben. Wenn ihr einen offenen Blog hab (was aber keine Voraussetzung ist), würde ich mich an dessen Inhalt orientieren. Sprich: Jemandem mit einer Essstörung werde ich mit Sicherheit keine Süßigkeiten zusenden, um ein Beispiel zu nennen. Auch Wünsche bzw. ungefähre Vorstellungen kann ich entgegen nehmen, natürlich mit der Vorraussetzung der Einsicht auf mein begrenztes Budget.
Bis einschließlich Montag, den 15.09., könnt ihr hier zur Teilnahme einen Kommentar hinterlassen. Mehr ist nicht notwendig. Der Gewinner wird per Losverfahren von meinem Bruder und mir ermittelt. Das Päckchen kann nur über DHL versendet werden.

Also kurz:
Ihr braucht nur einen Kommentar hinterlassen, um automatisch am Gewinnspiel teil zu nehmen. =) Andere Bedigungen gibt es prinzipiell keine außer das es kein Problem für euch darstellt, eure Adresse zu teilen. (Keine Sorge - ich hab Agoraphobie. Wenn ich nur mit Medikamenten meine Wohnung verlassen kann, werde ich sicher auch nicht zu eurer kommen. ^_~)

Bei weiteren Fragen einfach auch über die Kommentare fragen.
Ach ja, wenn jemand anonym teilnehmen möchte, schreibt mir eine E-Mail.
Eine Erinnerung zum Gewinnspiel gibt es noch zum Wochenende.

Danke für Alles. =)

Mittwoch, 10. September 2014

Was denn nur?

Was könnte denn realer sein?
Was denn nur?
Das fragen sie ständig.


Zurück aus der Wachstation der Akutpsychiatrie meiner unmittelbaren Umgebung. Woanders hatte man mich Samstag nicht mehr unterbringen können. Bei Akutpsychiatrien steht ansonsten die medikamentöse Behandlung im Vordergrund, die bei mir aber durch das Lithium, welches noch nicht eingestellt ist, nicht geändert werden durften.
So saß ich da also die Tage - so weit entfernt von menschlichen Kontakt wie möglich. Keine Beschäftigung außer nach draußen zu schauen und etwas auf Papier zu kritzeln, die Minuten zählend. Man konnte mich so plötzlich nicht in eine Therapiegruppe stecken, man konnte mir keine Tabletten geben - nach Hause wollte man mich aber auch nicht schicken. Vielen Dank. Schlaf konnte ich keinen finden. In einem Zimmer mit drei fremden Frauen kann ich nicht schlafen. Sofern sich meine Augen schlossen, setzte der Panikmodus ein - oder ein Alptraum.
Es gab keinen Grund, dort zu sein. Mein Bruder hat mich hingebracht, obwohl es mir nicht ausgiebig schlechter als gewöhnlich. Aus diesem Grund bin ich auch verärgert mit ihm. (Darüber muss man sich keine Sorgen machen. Dass ich verärgert mit meinem Bruder bin, ist zwar ungewöhnlich, vergeht aber auch wieder. Es waren nur sehr langwidrige Tage, die letztendlich mein Nervenkostüm mehr bespannt haben als wäre ich einfach dort geblieben.)

Nach Dresden fahren wir leider nichts. Mit seinem Auto stimmt zusätzlich etwas nicht. Jetzt kann ich nur beten, dass es nicht noch ein Jahr dauern wird bis ich meinen anderen Bruder wieder treffen werde.
Trotzdem hat er seinen Urlaub eingereicht. Daraus machen wir das Beste, auch wenn es hier keine Koalas zu sehen gibt.

Danke für eure Geduld. Bald folgt das Gewinnspiel.

Samstag, 6. September 2014

Flashbacks und mittelschweres Blutvergießen. Klar, ich hätte eine besser Problemlösung finden sollen. Hab ich aber nicht. Die Panik überwiegt. Mein Bruder ist entnervt, da ich "so ein Drama um etwas mache, was ich mir doch selbst gewünscht habe".
Wahrscheinlich ist es recht getroffen. Das Wort Drama - Mücke und Elefant, Wind und Segel. Wird es keinen Grund geben, warum mein Essen - erneut - immer wieder meinen Magen verlässt. Oder warum mein Bruder - erneut - zum Baumarkt fahren muss, um Teppichreiniger zu kaufen bevor das Blut zu trocken wird. Überall sind Hände, nur das Schwein ist ein Anker.

"Ich verstehe ja, dass du Angst hast und es du auch anders denkst als andere. Manchmal habe ich aber einfach keinen Bock mehr auf dieses Leben."
"Meinst du, du könntest und dann beide töten? Bei einem Autounfall?"
"WAS? So war es NICHT gemeint. Ich will doch nicht sterben."
"Vielleicht verstehst du mich dann doch nicht."

Heulkrämpfe beim Computer spielen. Sollte ablenkend wirken, doch innerlich sterbe ich.
Flashbacks bringen mich um den Verstand. Warum gehen sie nicht weiter, frage ich mich.
Ach, dieses Drama. Bin es selbst genau so leid. Mir ist schlecht von meinem Kopf... Kann nicht mehr atmen.

Mein Bruder möchte sich selbst noch bis Montag Zeit lassen, um zu entscheiden, ob wir doch nicht nach Dresden bzw. in unseren alten Heimatort fahren... Unwissen ist leider kein kleineres Übel als die Sicherheit für einen seelischen Selbstmord.

Die Opfer, die man bringt

Dem Meer bot ich eine Hand voll Salz.
Der Sonne wollte ich Wärme schenken.
Dem Mond offerierte ich plutonische Gesteine;
doch wies mich jeder von ihnen ab,
schickten mich in
Undankbarkeit und Unsagbarkeit
davon.

So offenbarte ich meine Seele
einem abtrünigen Teufel in Menschengestalt.
Er sprach:
"Dies wird genug sein."

Sinnlosigkeit

Diese Angst umfasst keinen Zweck.
Panik. Panik.
Die Lage bleibt aussichtslos.

Freitag, 5. September 2014

"Es ist wohl doch keine Liebe."

Wie ein Knie in den Magen; nein, eher als wäre sie von einem Zug angefahren worden: Als ihr zum ersten Mal bewusst wurde, dass sie niemals die Worte "Ich liebe dich" in absoluter Wahrheit gehört hat, konnte sie nicht mehr verstehen, für was sie eigentlich durchhält. Denn zu sich selbst würde sie dies nur im blanken Hohn und ironischem Selbsthass verlauten lassen.

Donnerstag, 4. September 2014

Wenn ich könnte,...

1. 
Eine Bekannte sagte einmal zu mir, dass mein Problem darin läge, dass ich zu viel Zeit damit verbringe, eine Realität zu erschaffen, als die zu leben, die tatsächlich gerade passiert. Verdenken kann man es ihr nicht, wenn dies im Nachhinein auch bitterer klingen mag als vielleicht beabsichtigt. Aus Trotz beschönigte ich ihre Worte mit der Autorität eines Schreibers. Die Wahrheit ist allerdings, dass mir bewusst ist, dass Leben nicht dauerhaft und unbeständig ist, die Details in dessern jedoch schon. Zeit hat lediglich eine Richtung, in die sie fließt - was in der Vergangenheit liegt, wird immer dort bleiben. Immer wieder kann sie auferstehen, doch ihre Abfolge ändert sich nur in den leicht zu beeinflussenden Strömen unserer Köpfe.
Was man spürt, passiert.  Ich fühlte mich - zu jener Zeit wie in dieser - sicherer in diesem Zustand.
Wie abgedroschen dies auch scheint. Imagination ist manchmal eben der primäre Rückszugsort. Geantwortet habe ich nur: "Wenn ich könnte", hier entfloh ein Seufzer meinen Lippen. "Auch wenn ich könnte, würde ich es doch nicht ändern."

Wenn ich könnte, würde ich nur wiederholen. Nicht, dass ich diese Phrase nicht genau so verabscheuen würde wie sie. Träume zu haben ist eine erleichternde Sache. Nicht mehr träumen zu können, ist ein großer Seelenschmerz, der den Prozess des Erwachens nur verlängert und verlängert; irgendwann die Nächte nicht mehr zum Tag werden lässt.

2.
Mit 10 Jahren etwa wurde ich von einem immer-wiederkehrendem Alptraum heimgesucht: In einem Aufzug war ich eingesperrt. In fast kompletter Dunkelheit umfasste eine Hand meine Kehle während ich mit letzter Kraft nach meinen Eltern flehte.
'Hilfe!', so schrie ich in meiner Angst. 'Mama! Papa! Bitte helft mir doch!'
Wahrscheinlich sitzt mein Traum-Ich noch immer fest und brüllt. Jahre später, und eigentlich widerspricht sich dies mit meiner Aussage im ersten Absatz: Mir fällt es schwe zu akzeptieren, dass es eine Zeit gab, in der ich noch um ihre Hilfe hoffte.
Obwohl ich niemals eine Antwort erhielt, bilde ich mir manchmal ein, die Hand würde eigentlich gar nicht zudrücken, um mir die Luft zuschnüren zu wollen.
Schade eigentlich. Dies hätte vieles über die Tage erleichtert.

3.
Mal angenommen es wäre für jedes Individuum auf diesem Planeten so kinderleicht, sein Fehlverhalten und seine selbstzerstörrerischen Denkweisen mit einem Fingerschnippen zu korrigieren: Ich würde dem Mädchen von damals ins Ohr flüstern und ihr raten, dem bösen Jungen einfach mit aller Kraft ins Gesicht zu schlagen, zu kratzen, zu beißen, zu treten - wieder und wieder. Egal, wie sehr er sich zur Wehr setzt. Knochenbrüche wären sichtbar gewesen. Blaue Flecken im Gesicht wären sichtbar gewesen. Ach, sogar eine Kinderleiche wäre sichtbar gewesen. Alles erscheint erträglicher im Gegensatz zu einer Hölle, die einen Jahr für Jahr in die Seele starrt.
Nicht jeder hat Verständnis dafür. Nicht jeder kann es nachvollziehen. Mir fehlt die Kraft zu umschreiben, dass Türen in den Köpfen von manchen einfach schließen und nicht mehr geöffnet werden können. Mit einem großkotzigem Klick wird Vertrauen und zusammenhängende Zuversicht versperrt. Denn Menschen, von denen man hoffte, sie würden einen beschützen, tun es nicht.
Womit das Prinzip Vergangenheit wieder in einem neuen Licht erstrahlt.

4.
Wenn ich könnte, würde ich mir mit Sicherheit eine andere Krankheit aussuchen. Offen gestanden tat es sehr weh als mein Bruder fantasievolle Kreativität in Wort und Farbe mit Halluzinationen verglich, die mich von innen heraus auffressen. Er kann sie ja nicht hören, so sagt er mir. Er kann sie ja nicht sehen, so sagt er mir.
Den Tränen nahe stand ich am visuell-beschränkten Abgrund als seine Freundin verkündete: "Zu Mindest hat dir die Persönlichkeitsstörung etwas gegeben."
Es sei ein Geschenk. Bitte, verschonet mich - diese Gabe, oh, ich überreiche sie gern. 'Wir sind hier, um zu bleiben', spricht das Schwein und nickt aufmunternd zu den anderen. Heute die hilfreichste Unterstützung, morgen springen wir gemeinsam im kollektiven Selbstmord von der Brücke. Blutend, doch nicht mehr weinend. Verängstigt, doch der alleinige Gedanke nach Erlösung unterdrückt den Schmerz.
Vor den Aufprall die Entscheidung nicht mehr ändern könnend, ja, das ist Zeit.

Kurz gesagt: Ich bin verzweifelt und isoliert. Habe keinen anderen Blickwinkel außer von in Panik geträngte Pein. Keine Ahnung, was ich hier eigentlich noch mache, doch wenigstens könnte ich ein Gedicht darüber schreiben.
Es wird nicht als Option frei gegeben, dieses Geschenk zurück zu geben. Dort, wo es her kommt.

5.
Wenn ich könnte, würde ich den Klumpen in meiner Kehle entfernen. Herausplaudern, was hinab zieht, vielleicht sogar schreien wie in dem Traum-Aufzug. Eines Tages würde ich zu meinem bevorzugten Therapeuten gehen und ihm unter Tränen, schniefend und rotzend, zu verstehen geben, warum ich so unfähig bin, ein Leben zu leben. Warum er mir dauerhaft Medikamente verschreiben muss, mich seit Jahren "kennt" und eigentlich gar nichts über mich weiß.
Wie eigentlich alle Menschen meiner unmittelbaren Umgebung. Denn wenn man nicht redet, wird man vergessen. Nach und nach, bis weder von einer zwischenmenschlichen Beziehung noch von erinnerten Erlebnissen etwas übrig ist. Wie gesagt, die Zeit ist die Krankheit, wenn meine Krankheit ein Geschenk ist.

Vor einigen Monate fragte ich meinen Vater, was er anders machen würde, wenn er die Zeit zurück drehen könnte. Mit lächerlicher Überzeugung, er könne nichts von sich geben, was mich überraschen wird.
"Ich wünschte, ich hätte deine Mutter nicht zwei Mal geheiratet", dies war eine unterschwellige Aussage, die am nähesten an einem Eingeständnis kam. Vielleicht so nah wie nie mehr in unseren Leben. Obwohl mir durchaus bewusst ist, dass der Wegfall der zweiten Eheschließung mit einschließt, dass ich nie geboren worden wäre, hätte ich mir eine andere Aussage von ihm erhofft. Etwas weniger Schuld von sich selbst abweisendes wie "Ich wünschte, ich wäre nie der Alkoholsucht verfallen" oder gar so schwammig wie "Ich wünschte, jemand hätte mich damals hilfreich unterstützt.". Irgendwie, auch wenn es erlogen gewesen wäre. Bemerkenswerterweise empfinde ich auch Mitleid und kann ihm soweit Verständnis entgegen bringen, dass folgender Gedanke mir Wasser in die Augen schießen lässt: Die Vorstellung, dass die Konsequenz meines für mich als größten Fehler meines Lebens empfundenen Tatsachen mir - wortwörtlich - noch Jahre später ins Gesicht schauen kann, verschafft mir ein Gefühl unangefochtener Sehnsucht.


6.
Warum wähle ich von Zeit zu Zeit so unverständliche Formulierungen, wenn ich auch einfach schreiben könnte: "Man, es geht mir beschissen."
Beim Versuch einer Begründung ende ich in Sackgassen. Es scheint obskur, dass ich auf Anhieb hunderte Umschreibungen und Redensarten dafür finden kann, um mich mit zu teilen, wie schlecht mein Allgemeinbefinden ist. Andererseits kann ich die Anzahl der Wörter, die das Gegenteilige berichten, an zwei Händen abzählen. Als würde es eine systematische, unumstößliche Bilanz mit sich bringen, wenn es mir für ein einige aufeinanderfolgende Tage "gut" gehen würde.
In einer meiner ersten Gruppentherapiesitzungen in einer kleineren Klinik sprach eine Patienten in die mit Stühlen aufgebaute Runde in etwa folgendes: "Bei der Beerdigung haben alle geweint. Sie waren regelrecht außer sich vor Trauer, weinend und krächzend, bettelnd schmissen sich zu Boden und ich konnte nur zusehen. Ich war vollkommen fehl am Platze, denn ich kann diese Gefühle nicht mehr empfinden. Ich weiß, ich müsste traurig sein, enttäuscht, wütend, all das - doch ich fühle gar nichts. Ich kann mich nicht daran erinnern, wenn ich das letztes Mal weinte, weil mich etwas berührte."
Nicht entsetzlich, sondern reinigend: Sie entfesselte etwas in mir, was sie von selbst - zu diesem Zeitpunkt - nicht empfinden konnte. Manchmal dreht man sich um und spielt selbst Gefühle vor, die es im Innenleben nicht gibt, doch von denen erwartet wird, dass man sie spürt. Leider weiß ich nicht, was aus ihr geworden ist.

Hier bin ich an die Stelle gekommen, an denen ich eine Floskel mit einbringen möchte: "So ist das Leben eben."
Keiner kann sich vorstellen in welchen Stilen, welchen Überzeugungen und welchen Mitteln ich diese nutzlose Phrase schon hören musste. Ernsthaft, nein, dies ist "nicht das Ende der Welt", doch komme ich nicht drum herum mich zu fragen, ob dies nicht prinzipiell der springende Punkt ist?
"Das Leben geht weiter", mit Sicherheit auch ohne mich. Dafür gibt es kein Skript und keine Poesie, nur paradox zusammengereihte Worte auf dünnem Papier und Tinte, die sich viel zu leicht verwischen lässt.
Niemals wird man begangende Schandtaten, wer auch immer diese als solche interpretiert, löschen können.

(Nur eines noch: Es kostet mich an manchen Tagen die letzte Willensstärke nicht "Wenn ich doch nur könnte.." zu denken, denn Hoffnung kann ein grausamer Weggefährte sein.)

Mittwoch, 3. September 2014

Lagerfeuer

Wer die Knochen eines geschätzten Menschen ins Feuer wirft, um seine eigenen zu wärmen, hat nicht das Recht sich über Einsamkeit zu wundern.

Dienstag, 2. September 2014

Rückgrat

Meine Mutter sagte mir immer, dass es aussähe als wäre ich mit vier Wirbelsäulen geboren. Sie würden dort einfach stehen, Seite an Seite, in meinem stocksteifen geraden Rücken. Sie witzelte darüber, dass dies der Grund sei, warum meine Haltung so fehlerfrei korrekt war.
Als also mein Rücken anfing, zu schmerzen, merkten es die Leute schnell. Zuerst natürlich meine Eltern. "Irgendwas ist anders" oder "Mit dir stimmt doch etwas nicht", seufzten sie schon am morgendlich rituellen Frühstück. Doch fragten sie nicht die richtigen Fragen, sondern nur das, was gefragt werden musste. So konnte ich Antworten so vage und umverfroren forumulieren, dass sie eigentlich keine Aussagen mehr hatten.
Die Wahrheit wäre verheerend gewesen. Wie konnte ich ihnen auch sagen, dass meine Knochen, mein Grundgerüst, den Teil an mir, den sie am Meisten bewunderten, sich vor Selbstablehnung langsam nieder drückte?

Unfairerweisen wählte ich diesen Weg nicht, weil ich nicht verkraftet hätte, sie zu verletzen, sondern ganz simpel weil ich ihnen nicht vertrauen. Wir alle lügen ab und an einmal, redete ich mir ins Gewissen; welche, die sagen, es sei nicht so, kennen vielleicht einfach keinen Lügen, die groß genug wären, um sie überhaupt aus zu sprechen.
Desto mehr ich mich jedoch in einem Schloss aus Unwahrheiten und Verstrickungen verlor, desto weiter zerfielen meine Knochen. Nicht mehr nur meine Wirbelsäulen, alle Knochen. Immerhin wachsen diese - im besten Fall - wie es ihnen genetisch bestimmt ist. Keiner kann ihnen sagen, sie sollten doch bitte eine andere Route wählen.
Der springende Punkt: Ich hatte auch kein Mitbestimmungsrecht auf welche Art und Weise meine Liebe zu dir zwischen meinen Knochen wächst. Anfangs dachte ich es wäre eine fünfte, recht verdrehte Wirbelsäule - ungewohnt und nicht dazu gehörig. Du warst ein schmerhaftes, kantiges Objekt, welches aus einem Material hergestellt war, welches ich nicht benennen kann. Nicht einmal meine vier Wirbelsäulen in Kombination waren ausreichend, um dich zu halten. Aus Unwissenheit hielt ich sie für selbstverständlich - bis sie letztendlich fort waren. Als ich nichts mehr hatte, was gebrochen werden konnte, lautete dein Entschluss, dass du etwas brauchtest, was nicht so kaputt war. Ob die Beweggründe waren, dass du von vorn anfangen konntest oder dir von mir einfach langweilig wurde, kann ich nicht sagen.

"Menschliche Knochen sind so belastbar wie Granit", liest mein Vater aus einem Prospekt, den er in einer Arztpraxis fand, vor. "Mehrere Knochen nebeneinander aufgreiht können bis zu neun Tonnen Gewicht stemmen. Das ist vier Mal so viel wie Beton."
Über sein Gesicht ist ein großes, herziges Lächeln verteilt. Zufällige Informationen sind sein Spezialgebiet.
Nur diese Auskunft bricht mir das Herz, mürbt unentwegt weiter an den Knochen. Ich kann mir nur vorstellen, welche Mühen und Anstrengungen du auf dich genommen hast, um mein Skelett so vernichtend zu zerschmettern wie du es getan hast. (Und letztendlich - im Nachhinein - so unversehrt, so gewissenlos, nicht einmal mit einem Tropfen Schweiß auf der Stirn, mir den Rücken zugewandt, zu gehen.)

Montag, 1. September 2014

Lücken

Bitte fragt nicht nach den Geschehnissen des vergangenen Samstags.
Ich kann mich kaum erinnern.
Auch fällt es mir schwer, Worte zu finden wie aus einer angeblich gemütlichen sozialen Zusammenkunft eine Nacht in der Psychiatrie wurde.
Was auch immer mir verabreicht worden ist, ich glaube, es war zu viel: Auch an den gestrigen Tag kann ich mich nicht entsinnen.