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Freitag, 31. Oktober 2014

Alkohol um 3.00 Uhr morgens [Triggergefahr!]

"Jetzt stell dich doch nicht immer so an. Wir wissen ja, dass du die Drama-Königin bist. Aber das mit Facebook kannst du echt bleiben lassen." - alte Arbeitskollegin zu einem Jammerpost auf besagter Seite

Wenn man nicht spricht, kann man bestenfalls noch schreiben. Das ist das, was ich die letzten drei Jahre konsequent durchziehe, nur macht mein letzter Versuch der Kommunikation nicht den Unterschied zu eurem Desinteresse.
Ist ja auch eure Sache, dies ist eben meine. Es ist ja in aller Ernsthaftigkeit nicht glaubhaft, dass wir etwas dergleichen wie Freunde wären. Keinen von euch kenne ich wirklich. Das ist die Gemeinsamkeit, die wir teilen.
Ihr wollte wissen, was Jammern ist? Mein fettiger, dreckiger Kopf ist die Definition von Jammern. Seit unzähligen Tagen schon kann ich an Nichts als an den Tod denken. Es ist nur Leid in diesem Hirn, nur Schande und Krankheit, mit der sich niemand, der dafür nicht bezahlt wird, auseinandersetzen will.

Du bist Scheiße.
Ich bin Scheiße.
Scheiße stinkt.
Der größte Scheiß ist gnadenlos.
Hey, ich werde dafür auch nicht bezahlt, verstehst du? Ich produziere nur Gedanken und schreibe sie auf. Bitte vergib mir, wenn meine Facebook-Posts nicht deinen Wünschen entsprechend.
Scheiße.
Warum schreibe ich noch, wenn ich das Reden so kinderLEICHT aufgeben konnte?
Möchte kein Schreiber sein, sondern der Knochenhaufen im Sarg.
Eine Kugel durch den Kopf. Zerbersteter Schädel. Das Hirn endlich leer.

Das was mich zurück bringt, hält mich wach. Nicht Hoffnung, sondern Schmerz.
Keine Neuigkeiten, was die Ärzte raten:
Immer die Pillen nehmen.
Kein Alkohol dazu. Kein Hungern. Kein Kotzen. Kein Schneiden. Tut mir leid - versagt in allen Punkten.
Viel zu viel getrunken. DIe Hände zittern vom (vermutlich) erhöhten Lithiumspiegel. HAHAHAHA. Was ist diese Welt eigentlich?

Ich hasse Sex. Nähe auch. (Weiß gar nicht so recht, was Freundschaft oder Liebe bedeuten)
Es tut weh, daran zu denken. An meinen Cousin, seinen Geruch, seinen HÄNDEN, seinen Körper, seine Blicke, seine Erniedrigungen. An meinen Vater mit seiner niederträchtigenden, hintergehenden Art, seinen HÄNDEN - ein Schlag hier, ein Tritt hier, Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen (Intrustion: Einmal hat er meinen Bruder so lange Papier ins Feuer halten lassen, dass sich große Brandblasen in ihr bildeten.) Eingesperrt ins Kinderzimmer. Aber Papa, ich möchte mir die Zähne putzen - FICK AUF DICH, DU SCHEIß HURENKINDDDDD!!!!  Du musst da drin bleiben bis ich dich wieder heraus lasse. Aber Papa, darf ich noch was essen? PLOBB. Bierflasche am Hinterkopf. Blutet ja nicht, dann muss es in Ordnung sein. (Woraufhin mir eine zweite Intrusion kommt: Einmal hat er mit meiner Federtasche nach mir geworfen, ja, er warf gerne mit Dingen - Taschen, Bratpfannen, gefüllten Tellern, Tischen -, nur vergaß er, dass sich darin ein Zirkel befand. Beim Aufprall bohrte sich die Spitze in meine vordere Schulter. An sich war das halb so wild, doch am nächsten Tag entwickelte sich eine Blutvergiftung. Am nächsten Tag, als er den Rausch ausgeschlafen hatte, fragte er, was ich wieder gemacht hätte und ich sagte, er wären Mitschüler gewesen....)
Und was ist mit der Mutter? Wo ist die liebe Frau Mutter denn?
Wahrscheinlich auch rumhuren und jammern. Das liegt in der Familie.

Lasst mich noch einen Schluck von diesem billigen Gesöff nehmen.
Als ich das letzte Mal betrunken war, wunderte ich mich darüber, wann ich mir die Zehennägel rot lackiert hätte. Später wurde mir klar, dass zu viel Blut herunter tropfte.
Haha. Ich bin ein Clown.
Ich will sterben. Niemand weiß irgendwas über all das. Aus Schutzgründen. Was ist der Dank? Ich kann nicht mal von einer verfickten Panikattacke auf MEINER Facebookkacke berichten. So weit ich es gekommen. Lasst mich hier davon erzählen: Emaschi spaziert durch den herbstlichen Mittagsnebel durch eine direkt am Waldrand gelegene "Straße". Dort liegt auch gleich der Waldkindergarten. Ist es nicht großartig, dass eine Person auf so gerissene Art und Weiße subtil andeuten kann, dass dieser Kindergarten genau am/im Wald liegt? Naja, was auch immer. Anscheinend wurde dort eine Art Halloween-Kostümfeierlichkeit veranstaltet. Denn mir kamen plötzlich zwei Zwerg-Zombies entgegen. Ihr findet dies vielleicht witzig, aber ich aber eine so übermannende Panik verspürt, dass ich weggerrannt bin als hätte man mich gejagt.
Hat man theoretisch auch. Die Erinnerung jagt mich immer, und die Angst. Schwein, sag doch was!! Wenn du stirbst, sterbe ich auch.
Endlich wäre ich die Krankheiten, die Stimmen, die Vergangenheit - ALLES los.
Seht ihr?
Dann würde ich auch nicht mehr jammern und niemanden auf die Senkel gehen.
Eine Bürde weniger.
Noch ein Schluck.

Intrusion drei: Wenn ich während einer Vergewaltigung durch Cousin kurz davor war ohnmächtig zu werden - aus Angst, aus Schmerzen, vom Würgen -, wünschte ich mir jedes Mal, ich würde nicht mehr aufwachen. Herzexplosion. Hirnimplosion. Seelenverpestung.
Jedes Mal erneut bin ich aufgewacht.
Später dissozierte ich größtenteils nur noch.
Der Wunsch allerdings blieb bestehen.
Ich stell mich nicht einfach an... Tatsächlich möchte ich nur diese Flasche leer machen, mich schön auskotzen gehen und sterben schlafen, in der Hoffnung für ein paar Stunden zu vergessen.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Irgendwann kehrt er heim...

(Macht euch bitte keine Sorgen, dieser Beitrag ist keine Suizidankündigung!)

Ungleichmäßige Atemzüge aus Angst und hoher Erwartung, doch die Augen sehen nur den chemisch beruhigten Traum.
"Hallo, mein alter Freund", flüstert eine willkommende Stimme. Wie ein Tiger, der auf Samtpfoten um sein Bett schleicht, ein sich wiederholende Geschichte. Nur Wunschvorstellungen, die Sehnsucht nach einem zu Hause.


(Müde. Müde vom Schlafentzug. Müde von den Problemen mit dem Essen. Müde von den auszehrenden Gedanken, den schmerzhaften Erinnerungen in Endlosschleife. Müde vom Leben.)

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Klinikgedanken - Runde Zwei

Über die Türschwelle wird ein gedämpfter Schrei getragen, durch den lieblos-beschmückten Flur direkt in diverse Seelen, die dem Zerfall selbst so furchterregend nah stehen.
Auf und ab durchwandere ich diese einengenden Wände. Bilder von Blumen an der Wand, denn hier drinnen erblühen sie nicht. Nicht in den Herzen meiner Mitpatienten, nicht in Vasen - diese stellen nämlich eine potentielle Gefahrenquelle dar. Driftend wie verlorene Geister mit ausgestreckten Armen: "Ich gehöre hier nicht hin", der einzige Hinweis auf die Bedeutung. Geschunden ist der Körper, missbraucht und lebensleer die Seele - ein Licht am Ende des Tunnels leuchtet nicht. Nur Traurigkeit und Sorge. Ja, ich kann es durch meine Knochen kriechen fühlen. Natürlich möchte ich so nicht leben, doch ohne meine aufgebaute Verrücktheit wäre ich allein.

Hier gibt es nichts. Die Stimmen in meinem Kopf flüstern in der Dunkelheit meinen Namen. Dagegen bin ich machtlos. Genau wie gegen die Löcher, die sich wie fleischfressende Bakterien durch jeden Winkel meines Körpers nagen.
Bin ich klein oder ist meine Vision verschwommen? Verfaulen die Hautfetzen an mir oder sind es die Wurzeln, die das Gleichgewicht meiner persönlichen Hölle festhalten?
Hier gibt es nichts. Die Stille trägt mich genauso gut wie ich sie ertrage. Kalter Tee in ernüchternden Tassen, Plastikbesteck eingeschnürt in die statischen Worte der Gefangenen. Selbst die Krankenschwester meinte, dass sie diese Station für ein Vorzeichen der Leichenhalle hält. Gerne würde ich mir den abgebrochenen weißen Löffel in den Kopf stecken: Um zu beweisen wie sonderbar und befremdlich Menschen wie ich doch sind. Doch der der Pfleger, dessen Namen ich nicht in der Lage war aus zu sprechen, riss ihn mir behände aus der Hand - mein Müll, sein Müll.
Hier gibt es nichts. Jeder versucht vergeblich seine inneren Dämonen beim Freigang aus zu räuchern. Der süße Tod in der Lunge, Medikamente im Darm, von Finsternis umworben - ohne jemals eine Antwort zu erwarten springen wir in den offenen Mund von Gott. Endlose Nächte bewegen sich zwischen den Rippen - vielleicht dienen die Zigaretten nur der Veranschaulichung. Atemlose Gebete überschwemmen die Schändlichkeiten, die in Wellen kommen. Trauma und Horror bluten durch zugepresste Lippen; ein stummer Aufschrei wie Blutegel.
Mit jeder Bewegung, mit dem einzelnen Schritt erlebt man die Farblosigkeit der Erinnerung als schiere Euphorie.

Nun warte ich auf die Blutabnahme. Neben mir sitzt eine ältere Dame, die wohl aus dem selben Grund ausharrt. Ein Stationsarzt kommt direkt auf uns zu und mit entsetzter, doch ruhiger Stimme fragt sie ihn: "Herr Doktor! Warum haben Sie eigentlich zwei tote Kohlmeisen auf dem Kopf?"
Zum ersten Mal seit Tagen entfacht sich eine winzige Flamme von Wonne in mir. Nicht, dass ich eine Vorliebe für tote Vögel hätte, doch ihre Überzeugung in solch lieblicher Verwirrtheit verpackt, empfand ich erstaunlich.
"Dieses Jahr habe ich einen besonderen Weihnachtsschmuck geplant. Gefällt es Ihnen?", fragte er mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Zur gleichen Zeit antworteten wir Beide mit einem Ja.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Wiederkehr

Es hat nicht einmal mehr einen Sinn darauf hin zu weisen, dass ich die letzten Tage in der Psychiatrie verbracht habe. Die alte, sich wiederholende Geschichte. Über den Gleisen stand ich ungeschützt, kalter Wind auf Tränen-benetzten Wangen - was als Ende, als Schlussstrich, geplant, wurde letztendlich nur wieder ein feiger Rückzug.
Von dort aus ging es zur Notaufnahme - zu Fuß, im Regen, wie immer allein. An der Rezeption sagte man mir nur, ich sei kein Notfall - ich müsse zu meinem behandelten Arzt, eine Einweisung ausstellen lassen. Als wäre es von Wichtigkeit gewesen. Ich bin nicht nur kein Notfall, sondern bin ich absolut unbrauchbar, austauschbar, unbedeutsam. Eine Last für jeden, der mir länger in die Seele starrt als zumutbar wäre.

Wenigstens kannte ich die Klinik, gewohnte Gesicht im Personal, eine Ärztin, an derren Kompetenz ich schon einmal zweifelte. Einzelheiten wären zu viel. Es macht gerade keinen Unterschied.
Kaum ein gesprochenes Wort: "So können wir Ihnen aber nicht helfen, Frau Emaschi." Noch immer weiß ich nicht, was das bedeutet.
Jetzt bin ich wieder hier - Willkommen in einem zu Hause voller Müll und Urin auf dem Badezimmerboden. Mir geht es nicht besser, schlechter wahrscheinlich schon. Die Angst ist omnipotent. Mir kann man tatsächlich nicht helfen. Jedoch habe ich mal wieder ein paar Diagnoseschlüssel, die ich mit euch teilen kann. Schade, dass man meine Rückenproblematik und die Schmerzen im Unterleib außer Acht ließ - "alles psychosomatisch", das habe ich auch oft gehört.


Danke, dass ihr an mich gedacht habt. Auch ich habe viel an euch gedacht und euch immer wieder viel Stärke und Hoffnung geschickt.
Jetzt muss ich putzen gehen. 

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Sehnsucht nach dem Ende

Überall seine Hände.
Stopf' mir das Tuch in den Mund und flüster verdorbene Drohungen.
Diese Angst. Ich hasse ihn - noch jetzt, Jahre später.
Flashbacks. Panikattacken.
Noch immer wünsche ich mir sehnlichst ein Ende.
Nichts kann mir helfen, bin verloren - mit oder ohne Ärzte oder negative Bewältigungsstrategien.
Alpträume oder keinen Schlaf. Kein Schlaf bedeutet Angst, Angst, Angst. Erinnerungen. Schmerzen.
Dieser Körper ist nicht dafür geschaffen, auf ewig dieser Verzweiflung stand zu halten.
Überall seine Hände, sein Geruch, sein Körper, sein Geschmack - und diese Schmerzen, die Tränen.
Bitte reiß' diese Erinnerungen aus meinem Kopf, den (Selbst)hass aus meinem Bauch, die Schande aus meinem Herzen.

Montag, 20. Oktober 2014

Herbstlicher Seelenwinter

Während in den letzten goldenen Strahlen der Herbstsonne Blätter in vielversprechenden Formationen zu Boden fallen, verspürt sie die eiskalte Umarmung des Winters in ihrer Seele. Wäre der Tod nicht so vernarrt in sie, könnte sie wohl den Kummer und das Leid verbrennen und sich in der Armseligkeit ihrer Asche umher wälzen.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Verlust der kreativen Energie

Im enormen Maße ängstigt mich der Gedanke, dass ich meine Passion für das Schreiben und Malen verloren haben könnte. Zu Mindest den Teil der Aufregung, der für Inspiration und Motivationsschub verantwortlich ist. Sei es auf eine neue Welle der Depression zu schieben oder nicht: Es fehlt jeglicher Stolz, jegliche Freude, wenn ich beendete Texte oder Bilder in den Händen halte. Im Gegenteil - derzeit kostet es mich schiere Überwindung, eine Idee zu fassen und auch nur in etwas ähnliches wie Kunst zu wandeln. Nicht, dass ich mich vorher mit wahren Größen verglichen hätte.
'Vorher'? Was bedeutet 'vorher' überhaupt? An welchem Zeitpunkt ich wohl aufgehört habe, das Herzklopfen zu spüren als würde ich endlich einen Eindruck vom Leben erhaschen? 

Nur nicht das hier. Die Farben wurden grau und schwindend. Die Worte sind da, doch irgendwie schonungslos bedeutungslos. Abgesehen von Ärzten und meinem Bruder habe ich seit meinem Geburtstag mit keinem Menschen mehr gesprochen - das sind 36 Tage, wenn es jemand genau wissen möchte. Wie gesagt, es macht keinen Unterschied, denn eigentlich habe ich der Welt nichts zu sagen. Nichts, was sie zu einem herzlicheren, besseren Ort machen könnte. Mir ist natürlich bewusst, dass ich dies auch Niemandem schulde - außer mir vielleicht -, jedoch mit welcher Wurzel soll sich Selbstvertrauen (möglicherweise Selbstrespekt) denn nähren, wenn nicht vom Selbst-geschaffenen, vom Selbst-erklommenen und Selbst-erkannten?
Kein Umstand dieser Welt erfüllt mich mit Stolz, Frohsinn, nicht einmal Befriedigung. Fast mein gesamtes Leben wurde ich in meiner Existenz aus verschiedenen Motiven niedergedrückt. Aus einem naiven Kinderglauben heraus bildete ich mir ein, dass alles erträglicher werden würde, wenn ich nur den Ort wechseln würde. Dies geschah an meinem 18. Geburtstag - mein Vater schmiss mich raus, doch bin ich bei meinem Bruder unterkommen. Gegenwärtig vermag ich nicht von den letzten acht Jahren zu sprechen. Die Grundaussage ist,... dass ... sich prinzipiell nichts geändert hat. Der Schmerz hat sich in seiner Art verschoben, in seiner Perspektive versetzt - doch er ist genau so durchbohrend und zerreißend wie eh und je. Macht die Lokalisierung, die Körperlichkeit, der Schmerzauslöser den Unterschied, wenn der Schmerz immerwährend chronisch durch die Glieder, schlimmer noch - durch die Seele zieht?

Ja, ich weiß - dies alles habe ich bereits gesagt. Jedoch bin ich nur ehrlich, wenn ich sage, dass ich Angst vor den Dingen habe, die ich tue, um zu überleben. Der Weg, den ich entlang schreite und gehe ist prekär, in manch einem Sinne gefährlich, und ich muss mir jeden einzelnen Schritt auferlegen, obwohl ich gar nicht möchte.
Wisst ihr, was ich meine? Damals und heute macht Unterschied. Und das, was mich am Leben hält, ist erzwungen. Das Traurige daran ist, dass es mich keinen Deut interessiert, was mit mir passiert...




[Bitte, bitte den Text nicht falsch verstehen. Das ist keine Selbstmordankündigung und ich werde auch den Blog nicht schließen oder aufhören zu posten. Bitte seid mir nicht böse, wenn ich derzeit nicht viele Kommentare verfasse. Wie ihr merkt bin ich sehr emotional. Ich wünschte nur, ich könnte schreiben oder zeichnen oder reden oder schmerzfrei sein.... Wenigstens habe ich noch Wünsche, richtig?]

Samstag, 18. Oktober 2014

Schlafmangel

Am unteren Ende dunkler Gassen dieser Gedankengänge finden sich keine Sterne.
Denn im Kopf liegen tote Körper, symbolisch für jedes Stück Lebenswillen, welchen man verliert. Manche von ihnen atmen noch - wie das arme aus allen Öffnungen blutende Wild, welches vom Auto angefahren und qualvoll leidend zurückgelassen wurde.
Hier sind selbst Götter hohlgegossen. Weniger als ein statisches Flüstern; oh, ich sehe, höre, rieche, spüre nur Gespenster.

Was bedeutet auch Schlaf in einer rastlosen Welt? Ein flotter Aufstieg und ein ohrenbetäubender Schrei, dann der Sturz in die tiefe Leere eines verödeten, seelenlosen Ozeans. Auch ich fühle mich verstoßen, mehr vom eigenen Seelenheil als von fremden Mächten.
So müde bin ich, der Körper seit Ewigkeiten erschöpft. Denn als stetiger Begleiter verfolgen mich Blitzbilder vergangener Zeit; Höllengeburt, die ich bin - verdient oder nicht. In niederschmetternden Schmerzen, körperlich und geistig, ersehne ich mir nichts als Erlösung. Ein Ende von Krankheiten und Erinnerungen.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Abgestumpft - Nachtrag

Hoffentlich wurde der letzte Beitrag nicht all zu sehr fehlinterpretiert. Obwohl zwei Leser (per Mail!! Nicht in den Kommentaren!) über eben jenen protestierten: Mit meinen Worten wollte ich keineswegs behaupten, dass mein Leid in irgendeinem Sinne größer ist als das der anderen. Das wollte ich nicht sagen und ich interpretiere dies auch nicht hinein. Wenn es euch trotzdem zu sehr gegen eure Prinzipien spricht, werde ich ihn nachträglich löschen.
Persönlich war das Augenmerk nicht darauf gelegt, dass ich es auf irgendeiner Weise schwerer hätte als andere und ich aufgrund dessen ihre Probleme abwerte. Nein, ich wäre gerne einfühlsamer - doch derzeit schwebe ich immer wieder in einem Gefühl der Gefühllosigkeit. Im großen Vergleich sind wahrscheinlich jedermanns Sorgen nichtig. Immer gibt es jemanden, der kränker ist, der ärmer ist, der schmerzerfüllter ist, der geschundener ist...  Das heißt aber nicht, dass ein Leid an persönlichen Wert verliert.
Bitte verzeiht, wenn ich eure Gefühle verletzt haben sollte. Das war sicherlich nicht meine Absicht. Manchmal versinke ich eben in dieser abgestumpften Bitterkeit. Am Telefon klagte die Kollegin meines Bruders gestern darüber, dass ihr Freund ihr - ich zitiere - "eine Handkante verpasst hat". Außerdem habe ihre Mutter ihren Geburtstag vergessen, sie hat es ohnehin immer schwer mit der Arbeit und ihr Smartphone ist kaputt gegangen. Am Ende des Gespräches erwähnte sie die Frage: "Ist das nicht alles unglaublich traurig?"
Sie weinte. Ihr Schmerz war real, absprechen möchte ich es keinesfalls. Doch wirklich fühlen kann ich es derzeit auch nicht. Wahrscheinlich macht mit das zu einem Monster, wenn ich auf ihre Tränen mit Gedankenfetzen wie "Zu Mindest wirst du nicht geliebten Menschen verprügelt, missbraucht und der Freiheit beraubt" reagiere. Zu meiner Verteitigung möchte ich aber sagen, dass ich das Gespräch lediglich belauschte und meine Gedanken wie gewöhnlich nicht äußerte. Leider ändert das nichts, dass ihr vollkommen Recht habt: Herzlos ist es trotzdem.

Irgendwie bin ich fremd. Anderen gegenüber, gegenüber mir selbst. 

Abgestumpft

Es ist eine seltsam peinigende Art Schmerz, wenn Menschen mit verzerrter Miene und Tränen in den Augen von Tragödien berichten, sich zu dir drehen und fragen: "Ist das nicht so unglaublich traurig?"
Und du nur denken kannst: 'Eigentlich bin ich mir da gar nicht so sicher.'

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Wörterherz

Breche niemals das Herz eines Schreibers,
denn der Inbegriff deines Namens
wird uns auf ewig gehörig sein.
Bevor du dich versiehst,
öffnest du in dunkler Stunde ein Buch
und findest dich selbst
neben der Aufschrift:
"Lasst mich von dem Moment berichten,
an dem meine Seele entzweit wurde."

~ + ~

Breche niemals das Herz eines Poeten,
zwischen dem Klopfen der Stropfen
wirst du den Herzschlag
lauter hämmern hören,
welches deine These der
Herzlosigkeit widerlegt.
Zeile um Zeile.

Letztendlich geht es darum,
wieviel eine Liebe zu
überleben, durchleben
hat.
An Monitoren und Schläuchen befestigt
winselt der beschädigte Puls,
im leiser-werdenden Echo
schallt die Stimme des Arztes:
"Sie ist in einem kritischen Zustand."
Denn du warst das Beste,
was unser Herz jemals erlebt hat.
Nun jetzt - jetzt wurdest du
von einem Stift ersetzt.

~ + ~

Breche niemals das Herz von irgendwem,
du schneidest dich nur selbst
an den scharfen Kanten
seiner Verlorenheit.

Herzen können heilen.
Das geschriebene Wort
bleibt ewigwährend.

Dienstag, 14. Oktober 2014

Amts- und Gemütszustand

Briefe und Unterlagen vom Amt stapeln sich. Nur ich bin so müde. Vom Ausfüllen, Wiederholen, Offenbaren. Vom Leben, wenn man so möchte. Untauglich für das Jobcenter. Das Landratsamt zahlt Sozialgeld - widerwillig, lediglich weil es gesetzlich so verankert ist. Drei psychiatische Gutachten haben nicht ausgereicht, ein viertes muss wohl her. Ich weiß nicht, ob ich das schaffe. Prinzipiell fühlt es sich so an als müsse ich mich für jeden Atemzug, den ich noch ausübe, rechtfertigen.
Letztes Jahr war die Rentenversicherung noch sehr davon überzeugt, dass ich erst fünf Jahre in die Kasse eingezahlt haben müsse, um berechtigt zu sein, Erwerbsminderungsrente zu erhalten. Dieses Jahr, womöglich nach einem Anruf vom Landratsamt, sind sie sich nicht mehr so sicher. Es folgen wieder Zwangsauskünfte, wieder - wieder - wieder, ärztliche Einblicke, finanzielle Trauerspiele, seelische Eisenketten: "Lass' dich bis aus die Knochen ausziehen und wir sagen dir, ob du krank genug/falsch genug/unbrauchbar genau bist von 391 Euro im Monat zu leben."

Ich bin so müde. Das Schwein und co. flüstern mir verlockende Botschaften ins Ohr. Endzeitsgetöse - klanghaft wie der Geistertanz zu Mitternacht in meinem Herzen. Die Dissoziationen sind derzeit häufig, doch über den Tag verteilt - unter Umständen habe ich ein Brot geklaut. Zu Mindest war es plötzlich da und ich kann mich nicht erinnern wie es in meine Tasche gekommen ist. (Erschwerend hinzu kommt, dass ich im 'klaren Zustand' wegen der Angstzustände gar nicht alleine einkaufen kann, also gar kein Geld in der Tasche habe...)
Diese Art Erschöpfung vermag ich nicht mehr beschreiben. Zumal ich es schon unzählige Male zu Tage getragen habe. Es macht keinen Sinn, das hat es auch noch nie. Den Flashbacks, den Erinnerungen im Allgemeinen, halte ich kaum Stand. Woher Hoffnung nehmen, wenn es nie welche gab? Und diese Worte schreibe ich in wohlbedacht, dass ich derzeit nicht einmal eine schwere depressive Phase habe. Nur müde bin ich und weiß nicht, wozu ein Mensch wie ich eigentlich atmen soll. Jeden Tag die alten Qualen, die sich mit neuen Teufeleien vermengen. Hilfeversuche gab es, natürlich nur, weil der Staat die finanziert hat, doch im Ernst aller Dinge muss man sich bekanntlich selber helfen und ich? Ich finde keinen Grund, keinen Sinn, keine Hoffnung. 

Sonntag, 12. Oktober 2014

"Is' mir egal"

Ein übermäßigen Gebrauch des Satzes "Ist mir egal" empfinde ich als schmerzhafteren Schlag ins Gesicht als ein "Lass' mich in Ruhe". Ist die Grundaussage prinzipiell vielleicht auch als "Ich habe keine Meinung. Entscheide du!" gemeint, kann ich nicht anders als einen unverhältnismäßiger Einsatz nur als ein "Ich habe weder Interesse noch Motivation mich (jemals) mit deinen Sorgen, Fragen und Ansichten auseinander zu setzen, und möchte mich daher nicht moralisch darin investieren" zu interpretieren.

Freitag, 10. Oktober 2014

Auseinandergel(i)ebt

Anfangs wolltest du sie niemals wieder gehen lassen. Dies funktioniert auch für eine in Relation gesehene lange Zeit; Wochen, vielleicht Monate. Tatsächlich stören dich unpassende Sockenpaare und angerissene Teller, aufgestapelt wie Landminen, nicht. Auch nicht von langen dunklen Haarballen, die den Abfluss nach und nach verstopfen. So, dass sich stille Gewässer in der Badewanne bilden, welche dich lediglich an schlechten Tagen erinnert, dass eure Beziehungen auch etwas abgestanden und stagnant wirkt.
Aus diesem Grund flüsterst du ihr täglich gutmütige Nichtigkeiten ins Ohr, nennst ihr täglich eine Tatsache, die du an ihr liebst. Bis du ihr eines Tages ins Gesicht schaust und realisierst, dass du nicht mehr weißt, was du sagen sollst.


"Ich bin nicht glücklich", nuschelst du zu dir selbst. Versuchst es darauhin laut aus zu sprechen, doch die Worte kooperieren einfach nicht. Vielleicht ist ein Gedanke nur so grundlegend wie er laut ist und existiert erst, wenn er gemessen werden kann. Oder der Inhalt dieser Worte ist nicht dafür geschaffen, in bebender Stimme ausgestoßen zu werden. Gedanken sprechen allerdings nicht; so schaukelst du diese Abtsößigkeit in deinem Kopf hin und her, wenn sie nicht in deiner Nähe ist.
Eigentlich, wenn du einmal auch ehrlich zu dir selbst sein darfst, hättest du ihr sagen sollen "Hör' mal, es verändert sich was" während ihr Hände im Dunkeln nach dir tasteten.


'Das passiert nicht', lautet erneut die kleinlaute Argumentation. Deiner eigenen Lügen siehst du jedoch beschämt ins Auge. Ob du ihr wohl etwas schuldest - wie dein Herz oder dein rotes Sweatshirt, den Dreck unter deinen Fingernägeln, eine Entschuldigung?
Sicher bist du dir nicht, doch kannst dich mit dem Gedanken anfreunden, deine Obligation mit Jahren erfüllt zu haben. Freudige Jahre, ja, doch auch Jahre, in denen du dir selbst nicht erlaubt hast, zu schreien oder Stopp zu sagen. Immerhin wolltest du ja ihre Gefühle nicht verletzten oder Erinnerungen an vergangene Zeiten freisetzen.
Dir ist bewusst, dass sie nichts falsch gemacht hat. Weißt aber nicht, was du hättest richtig machen können. Von Anfang an standest du in Verpflichtungen, die du nicht mehr zurückzahlen konntest. Abends saßt ihr gemeinsam beim Abendbrot und während sie dir lächeln frisch-gemachte Pasta servierte, fragtest du dich, ob du dich vielleicht in einen Fremden verliebt hattest.


Vor dem Abschiedsgruß bangt es dir nicht.
Es gibt nur eines, was dir solche Angst einflößt, dass du schon seit Wochen nicht mehr einschlafen kannst: Jemanden verständlich und vernehmlich zu sagen, dass du sie nicht mehr liebt.
(Dir selbst, nimmst du an.)

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Zum Spülen

Es braucht mehr als sechs Tabletten täglich,
um den Schmerz in den Grenzen zu halten.
Eine zarte Stimme in meinem Herzen sagt,
ich bräuchte kein Ende um mich tot zu fühlen,
ich bräuchte das Angesicht des Todes,
um mich endlich lebendig zu fühlen.

Langsam stechen Wangenknochen
und Hüftknochen wieder hervor.
Der Magen schreit,
selbst die Zunge brennt,
die Rippen sind ertastbar
die Finger sind bläulich gefärbt,
die Haut wie verglühte Asche.
Jetzt noch ein Antidepressiva.
Schluckreflex,
der Schatten seufzt:
"Das ist alles, was du bekommst."
Jetzt noch ein Neuroleptikum.
Schluckreflex,
die Knochen schreien:
"Du bist nicht real."
Nur die Zahlen sind es.


Ich brauch' nur noch eine Pille.
Diese unendliche Kälte,
dieser quälende Schmerz,
soll die Kehle hinab gespült werden...

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Zahnige Dissoziation?!

Ich weiß nicht so recht, was geschehen ist.
In dieser Nach fand ich kaum Schlaf, doch stand ich püntklich genug für meinen Zahnarzttermin auf.
Beim Waschen krabbelte sich die ersten Anzeichen der Angst meinen Armen entlang. "Ist wirklich schon eine Weile her, dass wir das letzte Mal mit der S-Bahn gefahren sind", nuschelt das Schwein. Sein verstohlener Blick und niederdrückendes Lächeln vereinfacht das Befinden keineswegs.
Auf dem Weg zum Bahnhof pochert das Herz lauter, die Atmung verschnellert sich. Unerträglich wird der Schmerz in den Ohren und im Kiefer - doch genau aus diesem Grund befinde ich mich ja hier. Das Schwein zeigt mir die Richtung, ohne ihn würde ich umdrehen. Hier auf der Stelle.

Mir war bewusst, dass ich es nicht schaffen würde in die erste S-Bahn zu steigen. So viele Menschen, meine Gedanken drehen sich. Nicht zu nah! Starrt die mich etwa an? Sie sehen meine Lebensunfähigkeit, riechen meine Angst.
Die Worte des Schweins verblassen in einem Nebel, der durch meine Augen in meinen gesamten Körper tritt. Etwas ist mit meinen Händen! Sie verformen sich! Meine Füße sind nicht meine Füße! Es sind die Füße eines Elefanten. Die Welt verschwimmt in einem gleißendem Licht, welches unheile Verheißungen mit sich dreht.
Ich habe keine Angst mehr. Jedoch auch keinen fassbaren Grund.
So weiß ich leider nicht, wie ich zum Zahnarzt gekommen bin. Kann nur bestätigen, dass ich dort war. Denn zwischen meinen Fingern halte ich eine antiseptische Mundspülung und einen nächsten Termin.
Wofür brauche ich diesen? Was haben meine Zähne eigentlich?
Ich weiß es nicht. Meine Mundhöhle schmeckt nach Blut, doch der Schmerz ist erträglicher. (Nicht, dass die Bauarbeiten am Nachbargebäude da behilflich sind...) Gerade bin ich nicht einmal entsetzt, weil es nicht das erste Mal passierte, dass ich einen gefürchteten Termin durch Dissoziationen nicht mehr in Erinnerung rufen konnte. Mich besorgt es, dass ich trotz Allem nicht weiß, was eigentlich die Aussgangssituation ist.

....

(Ein paar Stunden später: Mein Bruder hat gerade in der Praxis angerufen. Die Damen am Telefon meinte, ich wäre kaum ansprechbar gewesen und man hätte mich am Liebsten mit einem Taxi nach Hause fahren lassen. Der Weisheitszahn im Unterkiefer bricht gerade durch das Zahnfleisch, steht aber nicht gerade und ist tief verwurzelt. Außerdem steht dieser schräg, so dass er den Zahnschmelz des letzten Backenzahns verletzt. Das ganze Zahnfleisch drum herum ist entzündet und es hat sich eine Art "Eitertasche" gebildet, die er ausgespült und mit einem Medikament versorgt habe.
Der kommende Termin ist für das Ziehen beider Weisheitszähne auf der Seite.)

Montag, 6. Oktober 2014

Kleines Geschwisterchen

Beim Waschen einer aufgetauten Erdbeere fiel mir diese herunter und zerteilte sich in minimierten, blutroten Pfützchen. Als ich sie vom Boden aufhob, sie in meinen Fingern wälzte, konnte ich nicht anders als mir das winzige Herzlein meines ungeborenen Geschwisterchen vor zu stellen.
Er oder sie wäre jetzt circa 20 Jahre alt. Ich verurteile meine Mutter für die Entscheidung zur Abtreibung damals nicht - vor Allem nicht unter den familiären, finanziellen und emotionalen Umständen. Nur manchmal empfinde ich es äußerst befremdlich wie schmerzhaft nah mir eine Tatsache gehen kann, mit dessen Entscheidung oder Konsequenzen ich gar keinen Einfluss auf die Zukunft hätte nehmen können.



(Themenwechsel: Am Mittwoch Zahnarzttermin. Inzwischen habe ich eher Ohrenschmerzen als Zahnschmerzen. Ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist, berichte ich frühstens am Mittwoch.)

Sonntag, 5. Oktober 2014

Unverständnis

Es macht mich wahnsinnig traurig, jedoch auch dezent wütend, wenn Menschen denken, ich verhalte mich so wie ich es tue, nur um Vorteile daraus ziehen zu können. Bisher fehlte mir wohl die Erleuchtung: Doch in keiner psychischen Krankheit konnte ich bisher Vorteile sehen. Das Leben ist und bleibt eine Hölle - mit oder ohne Schwerbehindertengrad, mit oder ohne Sozialhilfe, mit oder ohne Medikamentencocktails und endlosen Therapiesitzungen...

Samstag, 4. Oktober 2014

Mission Notfallzahnarzt gescheitert

Der Notfall-Zahnarzt hat von 18.00-19.00 Uhr geöffnet. Wäre mir heute mehr als recht gewesen. Jedoch... seine Praxis ist weder zu Fuß noch mit S-Bahn bzw. Bus zu erreichen.
"Ich könne mir ja ein Taxi nehmen", hieß es. Aha. Ich soll mir zu Wies'n-Zeit nach München ein Taxi nehmen? Vielen Dank für den Hinweis. Dazu gibt es nichts weiter zu sagen.

Fünf Stunden Vorbereitung brauchte ich, um genug "Mut" an zu sammeln, um überhaupt dort an zu rufen. Nach dem Auflegen war ich enttäuscht. Eher wegen mir, weil meine Unfähigkeit, in ein Auto zu steigen, bisher selten Positives mit sich brachte. Wahrscheinlich wäre ich auch nicht in die S-Bahn gestiegen, oder in den Bus, also was rede ich da?
Auch wenn ich mir bewusst bin, dass ich kein Schmerzmittel hätte nehmen dürfen, habe ich Metamizol zu mir genommen. Gerade ist der Schmerz erträglich. Habe die Tablette mit einem Messer halbiert, werde schon nicht gleich ins Krankenhaus wegen einer Lithiumvergiftung.
Bitte drückt mir die Daumen, dass mein Hauszahnarzt (heißt das so überhaupt?) gleich Montag oder Dienstag noch Zeit hat!

Etwas Heiteres ist mir allerdings heute auch passiert - damit es nicht immer nur Negatives von mir gibt. Zirka eine Halbe Stunde nachdem ich das Metamizol zu mir nahm, klingelte mein Handy. Aus unerklärlichen Gründen dachte ich, dass es die Praxis sein könnte und ging ohne auf das Display zu schauen heran.
Es war eine Frauenstimme, die eine Umfrage für eine Fernseh-Radio-Gesellschaft (?) unternahm. Sie fragte mich danach, zu welchen Zeiten ich Radio hörte und in welcher Kreisstadt ich lebe. Als sie mich fragte, ob ich gerne mehr erfahren würde, antwortete ich "Nein, danke". Daraufhin wollte sie wissen, ob sie noch mit meinem Freund, dem Mann im Hause, sprechen könnte - ich fing an so laut und so kontinuierlich zu lassen, dass sie von alleine auflegte.

(Vielleicht finde nur ich das heiter, aber so viel habe ich die letzten Wochen schon nicht mehr gelacht. Danke, Metamizol, dass ich meinen Kiefer so weit aufmachen konnte. ^.^)

Freitag, 3. Oktober 2014

Auf dem Zahnfleisch laufen....

Heute morgen. Mein Bruder und ich. 

"Warum willst du nichts essen, Emaschi?"
"Zahnweh. Na gut, eigentlich Zahnfleischentzündung."
"Da hättest du dir mal früher schon besser die Zähne putzen sollen."
"Ja, ich weiß nicht, was der entscheidende Faktor für den Untergang meiner Zähne war: Waren es die Tage, an denen ich mich zu sehr hasste oder die Depressionen mich zu sehr niederdrückte, um mich um meine Hygiene zu kümmern? Waren es die Tage, an denen ich zu sehr auf die Fresse bekommen habe, dass die Zahnärztin die abgebrochenen Zähne richten musste? Oder lag es vielleicht an den Tagen, an denen ich in mein Zimmer eingesperrt war und mich gar nicht waschen konnte? Man weiß es nicht, man weiß es nicht. Womöglich war es die Mischung!"
"Entschuldigung. So war es jetzt nicht gemeint. Ich habe ohnehin nicht das Recht mich auf zu regen. Bis zur 1. Klasse wusste ich nicht einmal, warum man sich die Zähne putzt."
"Habe ja schon immer gewusst, dass du ein Heuchler bist."
"Kann ich da reinschauen? Ich mag eklige Dinge." (<-- mag er wirklich.)
Er schaut mir in den Mund und zieht den Luft durch seine Zähne ein.
"Ihh. Du hast einen ganz widerlichen gelblichen Belag auf den Zähnen und das Zahnfleisch ist rot und teilweise dick. Hilfe."
"Hast du gedacht, ich würde lügen als ich sagte, ich hätte Schmerzen?"
"Nein. Aber es ist auffällig, dass dir sowas an einem auf Freitag fallenden Feiertag passiert. Jetzt kannst du ja erst Montag beim Zahnarzt anrufen."
"..."
"Das Anrufen kann ich dir nicht abnehmen."
"..."
"Du musst zum Arzt."
"Wusstest du, dass ich durch das Lithium nicht einmal ein Ibuprofen oder Aspirin nehmen kann? Meine Güte, die Scheiße hier zieht sich auf der linken Seite durch den ganzen Unterkiefer zum Ohr. Selbst mir ist bewusst, dass ich um den Arzt nicht herum komme."
"Du bist so ruhig dafür, dass dir gerade die Zähne wegfaulen und du eindeutig Probleme mit der Mangenschleimhaut hat, wenn der zusätzlich entzündete Rachen und dieser gelbe Belag da ein Indikator sind."
"Was soll ich machen? Wenn es schlimmer wird, muss ich zum Notfallzahnarzt. Wenn der Schmerz so bleibt, hoffe ich direkt Montag auf einen Termin bei meinem."
"Ganz ohne Schmerzmittel?"
"Prinzipiell bin ich vor der Wahl von Gesichtsschmerzen und einer Vergiftung. Kommst du morgen mit zur Apotheke, um eine Mundspülung zu kaufen?"
"Wir können uns ja die Daumen drücken."




(Außerdem entschuldige ich mich, dass die Kommentare der letzten Tage nur sporadisch beantwortet habe. Es ist wirklich unangenehm, wenn auch nicht überraschend - habe ja oft Probleme und Schmerzen mit dem Körper. Doch durch diese Unaufhörlichkeit - der obere Rücken und die Schultern, der Bauch, der Unterleib, die Zähne,.. - fühle ich mich sehr labil, wenn das ein Gefühl ist. Werde natürlich versuchen, euch auf dem Laufenden zu halten, sollten aber die nächsten Tage nichts von Wichtigkeit hier beschrieben werden, wundert euch bitte nicht. Das Schwein ist hier - irgendwie packen wir das schon, auch wenn der Wille offen gestanden nicht besteht.)

Donnerstag, 2. Oktober 2014

"Aber er liebt mich doch"

Die alte Dame neben ihr schüttelte nur den Kopf und sagte: "Spätzchen, mein Liebes, pass' mal auf! Auch wenn er die blauen Flecken auf deiner Haut küsst, gibt es ihm noch lange nicht das Recht sie dort hin zu setzen."

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Gratisessen

Hier bei Blogger sind die (nicht anonymen) Leute meist so unbeschreiblich freundlich, hilsbereit und liebenswert. Im Gegensatz zur "realen Welt": Dort wurde ich heute für Gratis-Essenproben auf einem Zahnstocher umgerannt, hatte eine der heftigsten Panikattacken seit Langem und bin heulend nach Hause gelaufen...
Nicht einer entschuldigte sich (oder ich habe es nicht mehr mitbekommen, das wäre auch eine Option.). Und erstmal habe ich nicht wieder vor, allein das Haus zu verlassen. Allerdings regt es mich mehr auf, dass ein Stück Käse oder Wurst in Würfelform es wert war, einen Menschen zu Boden zu werfen - beabsichtigt oder nicht, als die Panik selbst.
(Hoffentlich bekommen dieser unvorsichtigen Personen furchtbaren Durchfall von dem Dreckszeug...)