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Sonntag, 30. November 2014

Weniger Wert

In meinem Falle begann es mit kribbelnder Verzweiflung: Die kreisenden Gedanken und Umrechnungen, dass am Ende des Monats eine Mindestgrenze auf dem Konto nicht unterschritten wird.
Ehe ich mich versah, wuchsen die Sorgen zu Bergen aus Scham und grämender Abwertung des Wertes meiner Menschlichkeit. Laufe ich aus einer Bank heraus, fühlt es sich so an würde jede Person, der ich begegne, sehen können wie es um die Balance meiner Finanzen steht. Auf meine Stirn gekritzelt muss es stehen: 12,64* Euro. Irgendwie wird es schon gehen - in weniger als zwei Wochen überweist das Amt ja wieder die Grundsicherung.
Doch lasst mich mal lieber die Heizung herunter drehen.
Vielleicht sollten einige Extras beim nächsten Einkauf nicht im Korb landen.
Ah, und Gott sei Dank verfällt das Rezept für meine Medikamente zum Anfang des kommenden Monats nicht.

Das Schwein schaut mich passiv uninteressiert an. Das Glitzern in seinen zusammengekniffenen Augen fordert mich heraus, nach zu fragen, was es denkt. Diesen Fehler mache ich jedoch nur noch selten. Es kann mir ja auch nur sagen, was ich weiß - logischerweise.
'Höre auf mit deinem Drama. Willst bei den Medikamenten sparen, fragst dich aber nicht, wieviel Geld du in der letzten Woche wortwörtlich ausgekotzt hast. Das ich nicht lache, Versager', das würde es sagen - nur irgendwie zutreffend schmerzhafter.
Jetzt aber nicht weinen. Die Leute gucken doch noch alle. Die Zahl 12,64 klebt an meinen Fersen. Zwischen jedem einzelnen Schritt kann ich sie flüstern hören. Sie greifen von unten hinauf, umschlingen meinen Hals. Drücken mir die Schande entgegen wie eine unausgesprochene Wahrheit, die einen ersticken lässt.




* = hier handelt es sich nicht um meinen realen Kontostand

Samstag, 29. November 2014

Sommerfoto

Gerade habe ich mich grundlos dazu entschieden, dass ich das einzige (hochauflösende) Foto von mir ohne Make Up posten möchte.
Wenn dieser Beitrag verschwindet, ist mein Selbstbewusstsein wieder schlafen gegangen. Dies ist also exklusiv.  ^_~
Entstanden beim Spazierengehen im August diesen Jahres. Diese rötlichen Verfärbungen und bläulichen Lippen sind - selbst im Sommer - bei mir normal und kein Grund zur Sorge.






edit: Foto gelöscht

Freitag, 28. November 2014

Das Übel

wird unerträglich laut.
Sie sehen mich.
Der Magen schmerzt. Kein Interesse.
Die Hölle in meinem Kopf ist unbesiegbar.
Wieder vorne?


Dienstag, 25. November 2014

Kränkelnd

Bitte verzeiht, dass ich derzeit auf keine Beiträge von euch antworten und bisher auch die Kommentare nicht beantwortet habe. Seit Samstag Nacht fühle ich mich krank, habe mal wieder Unterleibsschmerzen. Heute war ich bei meinem Hausarzt (zeitgleich Psychiater) und der meinte, er nimmt erst einmal Blut ab und lässt ein großes Blutbild anfertigen - mitsamt Entwündungswerte und Schilddrüsenwerte.
Die Ergebnisse werden morgen bereit stehen. Mal sehen, was da heraus kommen wird. Wahrscheinlich wäre das "Beste" für mich, dass es mit dem Hashimoto zusammenhängt. Dies und Darmprobleme wären keine unbekannte Kombination. 

Dieses Jahr hat mein Körper doch ziemlich oft gestreikt. Im Frühjahr waren es die Knie, dann kamen die Rückenschmerzen aufgrund der Skoliose, dann die Untersuchungen der Schilddrüse, die Zanfleischprobleme und Ziehen der ersten beiden Weisheitszähne und jetzt (möglicherweise) mein Darm,... Besonders aufbauend klingt das nicht für die kommenden Jahre. Ich habe es schon oft erwähnt, aber ich habe immer noch Angst, dass Ärzte mich nicht ernst nehmen beziehungsweise nicht wahr nehmen. Wie eben die Ärzte in meiner Kindheit/Jugend. Alles wäre psychosomatisch, ich würde es mir einbilden, ich möchte nur nicht in die Schule/auf die Arbeit gehen,...
Nun ja...


Samstag, 22. November 2014

Passiv-aggressiv

Du wirbelst Drohungen an ihren Ohren vorbei.
Siehst wie Bedauern ihre Schultern hinab fließt.
Denn du wünscht dir, sie stürzen zu können;
zeitgleich entreißen zu können
aus den Strudel, den sie längst schon nicht mehr kontrolliert.
Wie ein Zirkusclown reichst du ihr Ballontiere,
doch sie schluckt Rasierklingen zum Dessert.

Du arbeitest pausenlos und zwanghaft daran,
sie unter deinen Sohlen nieder zu machen,
kleiner zu machen als eine leere Dose;
zerdrückend, zermahlmend.
Sie arbeitet besessen und atemlos daran,
zu verzögern,
um sich bereitwillig unter seine Füße zu legen.

~ + ~

Dies schrieb ich direkt nachdem ich beim Einkaufen eine Weile hinter einem Paar mit Säugling hinterher gerollt bin. Nun - es ist eigentlich nichts vorgefallen, für das man hätte Hilfe holen müssen oder Ähnliches.
Die zwei unterhielten sich recht lautstark und eindeutig gereizt darüber, wer  fähiger wäre, dem Kind die Windeln zu wechseln. Wahrscheinlich ist dies keine unübliche Unterhaltung bei jungen Eltern, könnte zu Mindest sein; doch dann eher mit einem humoristischem Unterton, nicht in dieser passiv-aggressiven Haltung. So kritisierten sie sich auf eine besonders passiv-aggressive Art und Weise.
Im Gedächtnis hängen geblieben ist mir die Szene, in der er sie - in dem Moment überraschend freundlich - darum bat, doch schnell noch Butter zu holen. Ich bin mir sicher, dass ich die gewünschte Marke in der Hand hielt, diese zurück legte und eine andere mitnahm. Er äußerte sich erwartet abwertend, reagierte darauf mit ebenfalls kindischen Trotzreaktion. Zum Beispiel wollte er nun nicht mehr ihren Lieblings-Joghurt aus dem oberen Regal holen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Mit einem leicht flauhem Gefühl in der Magengrube bedachte ich dem Baby, welches ich aus meiner Position nicht einsehen konnte. Hoffe noch immer inständig, dass es sich nur um einen besonders schlechten Tag handelte und nicht im Alltagssituationen...

Freitag, 21. November 2014

Youtube Kommentare

Wenn man sich selbst den Hinweis "Lies niemals Kommentare unter Youtube-Videos" gibt, sollte man auch darauf hören...

Wasser

Niemals endend seine Hilferufe,
verloren in der mitreißenden Strömung
aus Herzschmerz:
In Verzweiflung hofft er,
jemand würde ihm
einen Rettungring
entgegen werfen.
Doch alles,
was er je fing,
waren Anker.


~ + ~


Meine Cousine hat mir wieder geschrieben...
Und wieder weiß ich nicht wie ich damit umgehen soll....

Donnerstag, 20. November 2014

Ring mit Glasstein

Mein Bruder hat mir einen Ring gekauft. Aber bitte nicht aufregen: Bei diesem Ring handelt es sich nicht um eine absurde Idee einer zu tief verinnerlichten Beziehungen unter Geschwistern.
Normalerweise würde es mir im Traum nicht einfallen, solche Warnungen zu verfassen, aber seit gestern weiß ich, dass sie wohl nicht unangebracht ist.
Hier ist die Geschichte: Sozial unbeholfen wie eh und je, fotografierte ich mich so, dass man den Ring auf dem Foto erkennen kann - wie ein zwölfjähriges Mächen, ich weiß. Nun muss ich gestehen, dass meine als Danksagung erdachten Worte ziemlich fehl formuliert waren und einen kleinen Aufstand in meiner Nachrichtenbox verursacht haben. (Den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr. Mit meinem Bruder habe ich im Lotto gewonnen, denn er hat mir diesen Ring gekauft - so ähnlich, aber zugegebenermaßen ziemlich vergriffen. Nicht, dass die meisten Kommentare in den privaten Nachrichten freundlicher gewesen wären...)
Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich wirklich freudig erregt war. (Und wer meinen Blog liest, weiß genau, wie oft das passiert......) Es stimmte mich fröhlich, dass man mir grundlos ein Geschenk macht ohne eine Gegenleistung dafür zu verlagen. Des Weiteren möchte ich anmerken, dass der Ring ja keine 5000 Euro kostete. Eigentlich waren wir unterwegs um für seine Freundin ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Bei diesem Ring sind wir Beide stehen geblieben, weil er nicht zu übertrieben war wie man es ja sonst teilweise von Modeschmuck kennt.
Selbstverständlich fragten wir nach ihrer Größe, aber da es sich um ein Auslaufmodell handelte, gab es nur noch riesige Größen oder kleine.
Aufgrund einer Rabattaktion war das Produkt von 125 Euro auf 50 Euro heruntergesetzt.

Ob es nun moralisch fraglich sei, dass er mir den Ring aus welchen Gründen auch immer kaufte, sei mal dahin gestellt. Ich räume lediglich ein, dass ich mich sehr in der Formulierung in der Bildbeschreibung vergriffen habe. Dies gibt jedoch keinen Unbekannten das Recht, mich zu beleidigen und mir unaussprechliche Dinge vor zu werfen.
Damit ich das Kind beim Namen nenne:
Ich habe keinerlei sexuelle Beziehung mit meinem Bruder.
Ich zwinge ihn nicht auf welche Weise auch immer, mir Geschenke zu machen (oder sonst unter körperlichen oder emotionalen Zwang irgendwas zu zahlen oder aus zu führen).
Ich bin keine Prostituierte, die sich jeden finanziellen Wunsch von armen, wehrlosen Männern erfüllen lässt.
(Wer diesen Blog liest, kann sich vorstellen wie schmerzhaft genau diese Aussagen für mich sind. Oh, es gab auch einige verallgemeinernde Sätze über Sozialhilfeempfänger. Das lasse ich aber jetzt einfach aus.)
Ich bin mir bewusst, dass die Veröffentlichung des Fotos auf Facebook unter Umstände als Angeberei und Prahlerei fehlinterpretiert werden kann. Dafür habe ich mich entschuldigt. Was soll ich noch sagen? "Es tut mir sehr leid, dass ich mich über ein Geschenk gefreut habe und meine - sogenannten - Freunde daran teilhaben lassen wollte?"

Der vergessene Ring der Macht
Immerhin kann ich euch versichern, dass mein Bruder nicht schwer traumatisiert in eine Notfallklinik eingewiesen werden musste. Er - ich zitiere - 'versteht eigentlich gar nicht so recht, wo eigentlich das Problem liegt'.
Sicherheitshalber begleitet er mich ja ohnehin zu meinem nächsten Termin beim Psychiater.

Trauriger als der Verlauf dieses Mini-Internet-Dramas war jedoch das Ausklingen der gestrigen Nacht: Da ich wohl meine fehlerhaften Bewältigungsstrategien unter Beweis stellen musste, bin ich noch schön frustriert zu McDonald's marschiert. Habe für knapp 16 Euro gegessen und mir letztendlich die Seele aus dem Leib gespuckt. Es fühlt sich so an als wäre ich im Blickwinkel der meisten Leute weniger Wert als ein Ring mit Glasstein. Als hätte ich es nicht verdient, ein Geschenk zu bekommen - von meinem Bruder oder anderen. Als hätte ich es nicht verdient, einmal aufgrund pauschaler, finanzieller Anschaffungen glücklich zu sein.
Nur gut das Weihnachten, das Fest der Liebe, bevor steht - jeder weiß ja wie unmaterialistisch diese Feierlichkeiten gehandhabt werden. ^_~

Mittwoch, 19. November 2014

Die vergrabenen Schätze des Literaturunterrichts

Im letzten Schuljahr sollten wir im Literaturunterricht anonym unsere größten Geheimnisse auf ein Blatt Papier schreiben und in eine kleine Schatztruhe legen. Diese wurde wiederum in einem Loch neben dem Schulgarten vergraben.
Wie eine Seifenoper im Fernseher war die Kiste, die in die Finsternis gelegt wurde, gefüllt mit Bekenntnissen über Drogen, Sex, Betrug und weiteren vermeintlichen Schändlichkeiten. Meinen Zettel hätte ich wohl genauso füllen können - habe ich aber nicht. Das Geheimnis, welches ich aufschrieb, war, dass ich Angst davor habe, zu wissen, dass ich irgendwann so gefangen in meinem Ich sein werde, dass sich das Wort Freiheit wie eine Bedrohung anhören würde.
Bis heute bin ich mir nicht sicher, was ich eigentlich damit meinte - was wohl mehr über meinen jetztigen Gemütszustand aussagt als über meinen damaligen. Das Leben ist verwirrend genug. Allein schon ohne, dass man versucht immer die richtigen Worte finden zu müssen, warum Menschen die Natur zerstören, warum Mandy eine 1- auf die Hausaufgaben, die sie bei mir abgeschrieben hat, bekommen hat und ich nur eine 3, warum Komponisten immer ein erschwerliches Schicksal ereilte oder warum Robert Frost den Waldesweg nahm, der weniger begangen wurde. (Oder ob es für mich einen Unterschied gemacht hätte, hätte ich es ihm gleich getan.)

Montag, 17. November 2014

Haut

Mit grimmigen Augen drehte sie sich zu mir und sagte: "Du bist viel zu dünn. Was du brauchst, ist eine dickere Haut um durch den Winter zu kommen."
Die Doppeldeutigkeit ihrer Grundaussage nicht herabsetzend wollend, antwortete ich: "Vielleicht trage ich mein Skelett wie eine zweite Haut."
(Jedoch spüre ich Seelenwinter bis in die letzte Pore.)

Sonntag, 16. November 2014

300. Überraschung

 

Was war ich gerade überrascht als ich eine 300 über meiner Leseliste las. Als ich das letzte Mal danach sah, befand sich die Zahl bei 297, und dies ist nun erst wenige Tage her. Vielleicht waren es die Blogawards, die freundlicherweise verteilt worden. Natürlich kann es auch an meinem unausweichlichem, unwiderstehlichen Charme liegen. (^_~) Wie auch immer, ich heiße Nummer 300, besser gesagt Kian, vom ganzen Herzen willkommen und bedanke mich tausendfach bei jedem Leser, der mitliest und mitfühlt, der kommentiert und nachvollziehen kann (oder dieses versucht). Danke. Dies ist das einzig pasende Wort, welches ich momentan in meinem Wortschatz finden kann.

Leider habe ich jetzt nicht einmal etwas Besonderes vorbereitet. Zuerst dachte ich ja an ein neues Gewinnspiel. Dieses wird mit Sicherheit kommen, dieses Mal jedoch - vielleicht - in abgeänderter Form und erst in circa drei Wochen und somit auch als kleines "Weihnachtsspezial". =)
Somit kann ich euch nichts von sonderlicher Wichtigkeit bieten. Wie wäre es mit einem Bild von zwei flauschigen Hühnern?


Und - sie dürfen nirgendwo fehlen - Ferkel, haufenweise Ferkel; übereinander und nebeneinander:


Samstag, 15. November 2014

ToteMenschlichkeitGesellschaft

In dieser TotenMenschlichkeitGesellschaft laufen wir lediglich aneinander vorbei. Ein weiterer Mensch, eine weitere Nummer - eine weitere Narbe, ein weiteres Lächeln, welches in Bedeutungslosigkeit vergeht. Am Straßenrand sah ich tränenreiche Individuen, die sich ihre Seele selbst wieder in die Brust drückten; sich selbst umarmten wie ein Mahnmal an das eigene Herz: In diese Welt lasse ich dich nicht unangeleint frei.
Kaputt, wir sind verborgen und auseinander gefallen - immer müde, ach so müde, von den Spielen, die wir selbst erschaffen haben, mit gezinkten Karten und einer Sicherheit im Auge, die meist nur Unglück bringt.

Einen Schritt vor sich treten, jedoch keinen Drang zu verspüren, ist vielleicht überhaupt keine Bewegung. Wenn wir uns nur auf die Risse in den Straßen konzentrieren, wissen wir überhaupt noch, wo wir hin wollten?
Wir driften auseinander. Dies kann doch kein gutes Zeichen sein. Gleich dem Schnee auf gebrochenen Knochen, der nur äußerlich den Anschein pflegt, sie zu reinigen und neu zusammen zu setzen: Sprechen wir die Wahrheit an, müssen wir durch den Himmel fliegen. Werden auf dem Weg zur Erde noch geächtet und verspottet. Doch wisst ihr? Auch ich träume vom fliegen, auch mich ängstigt der Gedanke vom Fallen. Die Wolken weinen, wenn man seine federlosen Arme nicht kräftig genug schlägt. Geschenkt bekommt man sowieso nichts - nicht einmal in seinen Träumen.

Womöglich kennt ihr es ja: Die zahllosen Stunden, die man sinnlos und lächerlicherweise vor dem Spiegel steht und hasserfüllt an seinem Gesicht, seiner Haut, seinem Körper drückt und zieht, als würde man versuchen, die Gefangenschaft unter dem Gewicht heraus zu pressen. Damit es nicht mehr so heraussticht oder eben mehr. Doch die Last der eigenen Welt schmerzt unaufhörlich auf den Schultern, wird nur erdrückenden mit jedem Vorurteil, jeder Intoleranz, jedem Ressentiment und jeder Unüberlegtheit.
Ich wurde beschimpft und mir wurde das Herz mehrmals gebrochen - und irgendwie ist das auch ok. Wurde geschlagen und wurde zum Opfer gemacht - und irgendwie ist das auch ok. Ich wurde abgestempelt von allen möglichen Instanzen und isoliert - und irgendwie ist das auch ok. Gerne möchte ich euch sagen, warum dies ok ist: Es ist irgendwie in Ordnung, weil die Person, die solches Erschrecken in mir verbreitete, es nicht bei einem von euch machen konnte. Der Gedanke alleine ändert natürlich rein gar nichts. Doch bricht es mir das Herz zu wissen, welches Ausmaß an Leid ein Mensch oder ein Tier erleiden und erdulden muss, weil ein anderes Mitglieder der TotenMenschlichkeitGesellschaft ihn als Eingentum, als Spielzeug, als Opfer,... sieht. Er ist nicht der Computer, der falsch verkabelt wurde. Er ist ein empfinsames System mit fehlerhaftem Programm.
So war es nicht gemeint mit Nehmen und Geben anstelle von Leben und Leben lassen.

Dies ist kein Eingeständnis, dass alles allein meine Schuld ist beziehungsweise war. Dies ist kein Akzeptieren einer Entschuldigung, die ich selbst in fremde Münder legte. Nur weil Gewaltaten, physisch und psychisch, und Grenzüberschreitungen jeden Tag geschehen, macht es das nicht zu Alltäglichkeiten, die akzeptiert und abgestriffen werden müssen.
Im Vergleich zum Universum sind wir verschwinden klein. Oft stellt sich einer von uns die Frage: "Wo liegt eigentlich der Sinn?", eigentlich auf der Suche nach dem einen oder anderen Halt, welcher den entscheidenden Unterschied gibt. Dieser sogeannte springende Punkt, der etwas anders macht - entfernt von Erniedrigung - zwischen dem Jetzt, der Zukunft und vor Allem der Vergangenheit.

Bitte lasst mich euch sagen, dass ich euch vom Herzen danke. Eure Präsens bedeutet für mich Anerkennung, die auf Gegenseitigkeit beruht. Danke, dass ihr nicht auch die Letzten und in die Ecke gedrängten mit Missachtung bestraft, die sie ganz simpel nicht verdienen. Nicht nur mich, selbstverständlich - all die einsamen Lichter, die kaum noch ihren Weg leuchten können. Gemeinsam verdrängen wir die Dämonen der Vergangenheit, bekriegen waffenlos Erinnerungen und Umstände, die uns Alpträume bescheren und uns manchmal im wahrsten Sinne des Wortes verrückt machen.
Ihr seid mir wichtig, überaus. Könnte ich euch befreien oder entlasten, glaubt mir, ich würde es versuchen. So überdurchschnittlich unausgeglichen und extrem hinfällig, bitte verzeiht meine plumpe Art mit ab zu stützen - dies ist die einzige Art, die ich kenne, euch meine Hand zu reichen. Vielleicht lest ihr nur meine Worte, aber bitte realisiert auch, dass dies der größte und vielleicht wahrhaftigte und aufrichtigste Teil von mir ist. Habt Dank, dass ihr diesen einen Teil auch mit mit teilt.

Donnerstag, 13. November 2014

Eine glänzende, neue Etikette + Umfrage

Es ist eine wundervolle Etikette in mein Postfach geflogen. Die liebe kathiewhatelse stellt mir folgende Fragen, die ich nur all zu gerne beantworte:


1.) Wenn du für einen Tag ein Tier sein könntest, welches würdest du wählen und warum?
Oh! Da brauche ich nicht all zu lange nachdenken: Ich wäre auf jeden Fall gerne ein Riesenmanta. Dann würde ich den ganzen Tag in einem intakten Riff umher schwimmen und haufenweise Plankton fressen. Natürlich hätte ich auch meinen eigenen Schiffshalter-Fisch, der mich von Parasiten befreit. Inmitten des Tages würden friedliche Taucher auftauchen und ich würde über ihre Köpfe hinweg fliegen als würde ich sagen wollen: "Schaut euch meine atemberaubende Ungeheuerlichkeit an!" 
Dann fresse ich mehr Plankton und schwimme und abends würde ich mit meinen Freunden eine Party schmeißen und Meerjungfrauen/-Männer kommen auch vorbei, hübsch beschmückt mit Korallen-Schmuck, Perlen und Muschelschalen,.... und.. ja... also ich weiche vom Thema ab...
2.)  Bist du eher ein WG-Mensch, lebst lieber alleine, mit deiner Familie oder mit deinem Partner?
Lieber wäre mir eine eigene Wohnung oder wenigstens eine mit meinem Bruder. Doch in der jetztigen Zeit bleibt einem ohnehin keine wirkliche Wahl. =(  
3.) Was ist dein Lieblings-Kleidungsstück für die kalte Jahreszeit?
Hauptsache es hält warm, was wirklich ein Kunststück ist, wenn es so wirklich kalt ist. Dicker Pullover, Jacke, Handschuhe, Mütze... Wenn ich mir nur eines aussuchen darf, wäre es wohl die Jacke mit Kaputze.  
4.) Beherrschst du einen Sport ausgesprochen gut und wenn ja, welchen?
Nein.  
5.) Welche Buden besuchst du am liebsten auf einem Weihnachtsmarkt?
... nun... eigentlich gehe ich durch keine so großen Menschenmengen wie sie auf einem Weihnachtsmarkt anzutreffen sind. Wenn ich jedoch aufgrund außergewöhnlicher Umstände hingehe, schaue ich mir eigentlich alles an - die kleinen geschnitzten Holzfiguren, den Christbaumschmuck, die gestrickten Mützen und Socken,... (Allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal auf einem Weihnachtsmarkt etwas gekauft zu haben, da ich mit den Verkäufern ja nicht rede...) 
6.) Magst du Dekoration in der Wohnung/ in deinem Zimmer oder lieber so schlicht wie möglich?
Dekoration, die bestenfalls einen emotionalen Wert in sich trägt oder wenigstens an etwas erinnert, ist aus meiner Sicht ein wundervoller Beitrag zum Ambiente einer Wohnung. =) 
7.) Was hängt so alles an deiner Wand? Fotos, Poster, gemalte Bilder etc...?
Für die Hälfte dieses Zimmers zahle ich Miete, also sehe ich die Wand vor und neben mir als "meine" an.



Über meinen Laptop hängt also mein importierter One Piece Kalender und darüber ein Portrait eines Boston Terriers. An dem Regal hängt ein Dekoball aus unechten Perlhuhnfedern, den mir eine Freundin geschenkt hat, vor ein paar Jahren. Auf dem Regal selbst befinden sich ein paar Zeichenutensilien und Tagebücher. Könnt ihr die Kaninchenfigur im zweiten Fach von oben erkennen? Die habe ich von einer Arbeitskollegin geschenkt bekommen als wir auf meiner aller ersten Messe waren, einer Kleintiermesse. Darunter baumeln meine Ketten. Als Letztes sieht man wieder ein Bild eines Boston Terriers, dieses Mal aber der ganze Körper. 
Daneben befindet sich das Fenster, an dessen Fensterbank ich unerlaubter Weise im Winter Vögel füttere. Auf der Innenseite hängt allerdings noch ein selbstgemaltes Bild eines Mandarinfisches, welches ich aber aufgrund des Winkels nicht passend fotografieren kann. 
8.) Glaubst du an beste Freundschaft zwischen Frauen und Männern?
Ja, ich glaube daran, dass Freundschaft nicht abhängig von Geschlecht, Herkunft, Glaube, Status,... sein kann.  
9.) Wenn du 1 Millionen € hättest und einen Tag Zeit, sie auszugeben, was würdest du damit alles tun wollen?
Das hört sich wohl eher nach einem Wahlspruch der Grünen an, aber ich würde wohl versuchen eine vertrauendswürdige Tierschutzorganisation suchen, die das Geld für das einsetzen, was sie versprechen, das sie tun. In meinem persönlichen Falle, es ist wohl kein Geheimnis, wäre es wohl eine Meeresschutzorganisation. Ausschließen würde ich aber unter bestimmten Begebenheiten absolut gar nichts. =) 

Wenn gemeint war, was ich speziell für mich kaufen würde, wär es wohl ein Grundstück für ein kleines Haus, in dem mein Bruder und seine Freundin und ich selbstverständlich genug Platz haben - von da aus kann der Aufmarsch zur Weltherrschaft langsam beginnen. 
10.) Hast du schon mal negative Erfahrungen (im Sinne von heftigem körperlichen und/oder psychischem Unwohlsein) mit Alkohol oder Drogen gemacht? Und mit was genau/ mit welchen Drogen?
Drogen, die ich nicht verschrieben bekommen habe, habe ich noch nicht konsumiert. Allerdings sagt das nicht aus, dass diese Erfahrungen nicht durchaus negativ befleckt waren. Eigentlich kann man sagen, dass ich so gut wie alle "gewöhnlichen" Nebenwirkungen, die auf einer Packungsbeilage für Antidepressiva und Neuroleptika stehen, am eigenen Leib erleben durfte - und manche empfand ich als heftig. Im Speziellen rede ich von Schwindelgefühlen bishin zu Ohnmachtsanfällen, Bewegungsunruhen, Zittern, Krämpfe, Gewichtszunahmen,... 
(Wer Interesse an genaueren Informationen zu meinen Erfahrungen mit Medikamenten hat, kann diesen Beitrag lesen.) 
11.) Wenn du dich für eine gesellschaftliche, soziale oder politische Sache engagieren solltest, was wäre es?
Die Frage ist mir gerade zu komplex. Wie merkwürdig sich das auch anhört. Ich weiß es wirklich nicht. Hilfe für die Benachteiligten? Mehr Engagement für Kranke, Alte und Arme?
Von mir hören sich diese Worte geheuchelt an.



Puh. Das war jetzt länger als geplant. 
Meine 11 Fragen sind:

1.) Kannst du gut mit Veränderungen umgehen?
2.) Gibt es Farben, die du eigentlich gerne magst, sie aber auf einem Kleidungsstück, Dekoartikel, ... nicht kaufen würdest? 
3.) Fühlst du dich manchmal von dir selber unter Druck gesetzt, stets eine Erklärung, vielleicht schon Rechtfertigung, zu finden?
4.) Tendierst du dazu, Worte, die zu dir gesagt werden, manchmal zu über-interpretieren?
5.) Welchem Tier möchtest du lieber nicht begegnen, obwohl es im Allgemeinen nicht als gefährlich für Menschen gilt?
6.) Gibt es etwas, wovor du einmal Angst hattest, inzwischen jedoch nicht mehr, obwohl du dafür nicht wirklich etwas getan hast? 
7.) Magst du Duftkerzen?
8.) Schaust du dir Vlogs bei Youtube an? Hörst du eher Musik? Oder schaust du eher vorbei, wenn dich jemand auf ein Video hinweist?
9.) Herrscht bei dir schon eine gewisse Vorfreude auf Weihnachten? 
10.) Wenn du nicht du, sondern jemand anderes wärest, würdest du dich kennen lernen wollen?
11.) Mir fallen keine Fragen mehr ein. Wie wäre es, wenn du jetzt einfach jemanden außerhalb von Blogger grüßt (auch wenn er es nicht lesen kann)


Habe versucht, Blogger, die bereits getagged wurden, nicht erneut zu nominieren - wenn es nicht geklaptt hat, bitte verzeiht! Hier sind die Namen, denen ich gerne oben genannte Fragen stellen möchte:
1.) Otze Worman
2.) miss nothing
3.) norajiane
4.) Maria
5.) Hannah
6.) Saksy 13
7.) Alice
8.) Effy
9.) Luna
10.) Jessi.average
11.) Caddy shot

Keiner muss sich gezwungen fühlen, teil zu nehmen. Ist alles freiwillig und nur wenn euch danach ist.
Danke trotzdem an alle, die sich die Zeit nehmen, die Antworten von mir durch zu lesen und Lust hätte, teil zu nehmen. =)

+ ~ +

Das Ergebnis der letzten Umfrage möchte ich euch auch nicht vor enthalten:


An einem neuen Theme arbeitet mein Gehirn gerade. Da ich aber gerade noch am Büffet mit den Meeresbewohnern hocke, dauert es vielleicht noch etwas. XD

(Entschuldigt bitte dieses Unglück mit der Schrift; irgendetwas muss schief gelaufen sein, was ich nicht mitbekommen habe. Aus unerfindlichen Gründen kann ich es auch nicht mehr ändern? Solange man aber alles lesen kann...)

Mittwoch, 12. November 2014

Häuser

In aller Ehrlichkeit -
wären Herzen wie Häuser erbaut,
würde könnte man sich bei
vielen Menschen
noch vor der Eingangstür
die Lunge wortwörtlich
wund schreien.

Offen gestanden -
es schmerzt sehr
schon im Vorgarten
in Erinnerung zu rufen,
dass man selbst
immer nur als
verborgener, unsichtbarer Geist
unerlaubterweise
einbrechen kann.

Montag, 10. November 2014

A cappella

Sie erinnert sich punktgenau an den ersten Nachmittag, den sie gemeinsam verbracht haben. Natürlich tut sie das; im Nachhinein waren es ohnehin überschaulich wenige. Wie die erste Nacht, an der sie der unerschütterlichen Königin aus Eis in die grauen Augen schaute. Die Haut weiß wie Schnee, der Körper ein Imperium aus Knochen und kleineren Zahlen.
Sie selbst, in ihrer niederen Gestalt, gehörte nicht an den Platz neben ihr. Unsichtbare Würmer im Kopf drehten sich in Untergebenheit, selbst noch als sie der Königin einen Namen vorlog, den sie niemals trug: "Mein Name ist Hungrig. Mein Name ist Hunger."
So lebt das Geheimnis wie mutierte Dunkelheit seither unter ihrerer Haut weiter; ein stetiges Krabbeln, Kriechen und Ziehen - diese Hülle schließt alles und jeden ein, somit muss die Hülle verschwinden.

Zusammen sammelten sie tote Blätter und aßen nichts. Angestachelt von falschen Werten und Sehnsucht, die durch keinen Bissen Nahrung gestillt werden konnte, noch immer nicht kann. Es fühlte sich wie ein konstantes Schreien an, ohne jemals auch nur einen Ton aus der Kehle pressen zu können. Brach auch der Himmel über ihr zusammen, hörte niemals die Verzweiflung - was übrig blieb, war zerstückeltes Vertrauen und noch verstümmelteren Selbstwert.
Sie gehörte nicht an den Platz neben ihr.
Auch nicht wenn schon der Prozess des Erwachens so viel Energie aus ihren Knochen zog, dass der Raum sich in schwarze Wirbel auflöste. Geschwächt schleppte sie den widerwilligen Körper zur Messlatte ihrer Existenz. Einen Zeh auf die Waage stellen, leichten Druck ausüben, auf die 0 warten, herauf stellen - ein Blick nach unten, mit Tränen in den Augen, die Arme um den Leib gewickelt.
Nicht die Zahl bestimmte den Ablauf des weiteren Tages, sondern der Blick der einzig wahren Königin.

Währenddessen krabbelten die Käfer unentwegt durch ihre Venen - verbrannten auf ihren Weg ihre Reserven mit leiernden Schmerz. Über ein Feld gereinigter Knochen steht am grauen Horizont ihr Name: Es ist Hungrig. Es ist Hunger.
Die Lungen waren Mittel zum Zweck, der Körper die leere Hülle, die gefüllt waren mit Saatgut aus unerfüllten Wünschen. Wenn sie hustete, sprangen sie umher und landeten mit dem Geräusch, welches erklingt, wenn kleine Steine auf Blech abprallen.

Wie Musik in ihren Ohren.

~ + ~

Heute sieht sie die Königin nicht mehr. Ihre Wege haben sich getrennt?
Getrennte Wege? Natürlich getrennte Wege! Getrennt!
Inzwischen weiß sie es besser - die Königin hat sie kaltblütig aus dem Amt entlassen. Wer war sie schon, um nicht ergeben und reuemütig dem Befehl zu folgen? Andere Menschen sagen es ja auch. "Hör' auf. Hör' auf. Du machst dich krank. Das ist nicht so, wie du sein sollst."
Auch hier gehört sie eigentlich nicht an einen bestimmten Platz.

Der Drang mit silbernen Dornen ihre Haut vom Körper zu schneiden, ist nicht vergangen. Wurde nur ersetzt vom Zwang, die Stille zu wahren, die an ihren Zähnen hackt. 'Brech' die Knochen auf und genieße dich selbst zum Frühstück', flüstert sie in einer so rauchigen Stimme, dass man denken könne, sie spricht zum Hauch der Nacht, der so dunkel ist wie der Tag, an dem sie geboren wurde. Seitdem war sie nicht dafür bestimmt, einen Platz zu haben.
Ohne ihre Königin ist sie nicht mehr wert als die Würmer, die Käfer, die Parasiten in ihr - eingeengt wie ihr täglicher Speiseplan. Mit zu viel Gewicht auf Kalorie und BMI, zu wenig Gewicht für medizinischen Zweck.
Der Magen ist leer und der Geist singt mit dem Schmerz. Er ist Hungrig. Er ist Hunger.
Mit welcher unerschütterlichen Macht sie diesen Klang liebt.

Sonntag, 9. November 2014

Schokoladengebäck

Beim Kochen kam mir gerade eine Erinnerung, die ich gerne mit euch teilen wollte. (Keine Sorge, nichts triggerndes!)

Ich muss in der vierten oder fünften Klasse gewesen sein. Der Religionsunterricht war gerade zu Ende gegangen und die von den Kindern betitelte "Wache" (realistisch gesehen handelte es sich wohl um einen Theologiestudenten oder Ähnlichem), begleitete mich wie immer zum Essenssaal. Etwas zu ehrfürchtig gegenüber einer 10-Jährigen bettelte er, dass ich dieses Mal nicht zu weinen brauche und mich ruhig verhalten solle, wenn das Schokoladengebäck erneut bereits vergriffen wäre. Das allein erboste mich nicht, muss ich dazu sagen, es war die Tatsache, dass er dachte, es wäre die letzten Male um Schokoladengebäck gegangen. Ich esse nicht einmal Schokolade, habe ich auch damals nicht, zumal das Essen dort zu teuer gewesen ist, dass ich mir jedes Mal zu meiner Hauptspeise ein Gebäck hätte kaufen können.
Es machte mich traurig, dass sich niemand zwangslos mit mir abgegeben wollte und darunter litt, jedoch mehr darunter litt, wieder nach Hause zurück kehren zu müssen.
So flehte er also; es gäbe keinen Grund zur Aufregung - er würde das Schokoladengebäck notfalls auch für mich kaufen.
Im Nachhinein ist mir das sehr peinlich gewesen, doch nach einiger Zeit habe ich ihn heiße Suppe über den Oberkörper geschüttet. Mir auferlegt zu helfen braucht doch kein Aterisk und keine Fußnotenzeile. Mit mir zu reden ist doch kein Fetisch, für dessen Interpretation man eine Legende braucht. Die Fehler in meinem Dasein machen mich nicht einzigartig, sie machen mich zum Fehler. Auch als Kind war meine Psyche kein Synonym für 'gewaltbereiter Psychopath'. Meine Tränen und mein Wimmern waren ein Hilferuf, keine verdammte Anweisung, mich für verrückt zu erklären.

Sofern ich mich recht erinnern kann, musste ich mich nicht einmal entschuldigen.
Bedeutet das, dass selbst der Rektor mich für nicht zurechnungsfähig hielt?
Offen gestanden - es zwickt schon an meinem schlechten Gewissen, aber Schokoladengebäck? Ich weiß nicht. Dort in der Kantine hatte ich richtige Nervenzusammenbrüche - mit heulend auf den Boden schmeißen und allem drum und dran - und man dachte, es handele sich um Schokoladengebäck?
Bin ich verrückt oder die?

Auf jeden Fall habe ich jetzt Appetit auf etwas Herzhaftes.
Einen schönen Abend euch allen noch. 

Das Loch im Herzen

Und wenn ich nur "so geboren wurde",
warum ist die Depresseion dann fehlplatziert?
Hier in mir drin,
schwimmend durch die Venen;
oder hat der Arzt vergessen zu schauen,
ob man sie entfernen könne - wie einen extra Zeh,
bevor er mich meiner Mutter reichte?
Oder dachte er sich,
Niemand würde mich mit nach Hause nehmen
mit so einem klaffendem Loch im Herzen?

So wäre es der bewegenste Akt der Güte.
'Nehmt sie', müsste er sich gesagt haben.
'Nehmt sie mit nach Hause, um heilen zu können.'
'Nehmt sie mit nach Hause. Sie hat nur diese Chance.'
Vielleicht schlief er in dieser Nacht
wie ich, ein Baby;
Im Gedanken, eine Seele gerettet zu haben.


Nur was nicht heilt,
stirbt letztendlich.
Wenn man kann,
entfernt man das tote Gewebe;
und ich brauche immer zu lang,
bin immer zu spät oder
schneide in die lebenden, durchbluteten Teile
meines Körpers.

Ist der seidende Faden gerissen,
atmet auch keine Maschine mehr
für mich.
Menschen verließen das Gebäude längst,
vor langer Zeit,
während ich warte.
Sehnsüchtig darauf warte,
dass mir jemand sagt,
ob ich in einem Krankenhausbett
oder einem Grab
liege.

So oder so,
bringt Blumen.

Samstag, 8. November 2014

Ouroboros

(Ihr Lieben, ich möchte nur nochmal kurz darauf hinweisen, dass Texte im Bereich "Wortgefecht" fiktional sind. Natürlich bin ich von Erfahrungen inspiriert, aber es ist und bleibt eine Kurzgeschichte bzw. ein Gedicht. Sollte allerdings "Wortgefecht" und "Gedankenfetzen" vermischen, bedeutet dies, dass ich ähnliche Situationen durchlebt habe, diese aber so umgeschrieben sind, dass es sich nicht mehr gleicht.)

Ouroboros

Der Anfang
Die Mähne wurde kurz noch aufgefrischt; sanft fielen ihre Haare über die Ohren. Während sie mit zitternden Fingern, schiefen Zähnen und halb-gebackenen Lächeln durch ihr Leben läuft, entsetzte sie des Öfteren die Frage, ob sie hier überhaupt hingehöre. Sie passte einfach nicht rein, nicht in Gruppen, nicht in Schubladen, nicht in Standards. Nicht einmal die enganliegende Skinny-Jeans schmiegt sich an ihrer Passform an. Immer trägt sie eine Jacke; denn egal ob Winter, Frühling, Sommer, Herbst - war es nicht Minimum 20°C, fing sie an zu frieren. „Warum hast du nur so verdammt kalte Finger?“, fragt sie eine Freundin mit einem nicht deutbaren Schimmern in den Augen. Eingeübt und mit überzeugender Selbstverständlichkeit lächelt sie ihr vorheuchelnd ins Gesicht und sagt: „Die Wärme verträgt wohl meine Herrlichkeit nicht.“
Sie lachen – keiner von ihnen meint auch nur einen Ton davon mit Ernsthaftigkeit und Überzeugung. Es ist ein Winken mit beiden Armen, in der Hoffnung, nicht übersehen zu werden. Dies ist die Art Herrlichkeit, die nur Schmerz und Traurigkeit mit sich brachte – verzweifelt versucht sie ihre Zähne zu verstecken, damit man ihr Elend nicht erkennt.

Austauschbar wie Ansichten behandelt sie beispielsweise ihre Brille. Prinzipiell trägt sie ihr Modell nur, wenn sie bereits Kopfschmerzen hat.
Der Optiker war allerdings der festen Meinung, sie würde ihr Gesicht umranden. Ihre Mutter hingegen warf ihr lediglich unzusammenhängende Gedanken von „Gläser zu weit für die Augen“, „Andere Definition von Schönheit“ und „den Müll heraus tragen“ entgegen. Ist wohl nicht zu umgehen – die Interpretation von dem, was Magazine vorgeben, wie ein Mensch aus zu sehen hat, um etwas zu entsprechen. Sie entspricht nie, auch wenn sie literweise Tee an schlaflosen Nächten die Kehle herunter spült. In der Ferne, am funkelnden Nachthimmel, hängen Sterne wie Geheimnisse. Dort oben kann man unter Umständen nachvollziehen. Von oben herab sieht man ihre schiefen Zähne nicht, oder den engen Abstand ihrer Augen, oder das gebrochene Herz eines Philosophen mit der brachialen Logik eines Theoretikers.
Die Tränen kommen wie von selbst – proportional zu jedem Gramm Gewicht, welches sie sich in der letzten Woche weggehungert hat, oder eben nicht. Mit schweren Trittes schleppt sie sich ins Bett. Die Füße eiskalt, die Gedanken dunkler als die Umgebung. Plötzlich denkt sie an Kartoffelgratin, die Leibspeise ihres Vaters, oder die leckeren Plätzchen, die sie bei Oma und Opa immer bekommen hat; und daran, wie schrecklich es eigentlich ist, Menschen mit Nahrungsmitteln zu assoziieren. Sie hat Hunger, doch nicht so einen unstillbaren Hunger wie der Zwerg Pluto haben muss, wieder ein Planet zu sein.

Die Mitte
Das grundlegende Problem ist jedoch, dass sie nicht realistisch sein kann. Immerhin weiß sie auch nicht, wer sie ist oder wohin sie geht, oder eben es auch nur einen Menschen gibt, der diesen unbekannten Weg mit ihr geht.
Ihr letzter Freund war… liebevoll. Ja, so kann man es benennen. Er hasste die Tatsache, wie sie sich quält und sie verstand nicht, dass er nicht einsehen konnte, sie sie verdient habe, sich zu quälen. Zumal sie nie überzeugt war, dass ihre Lebensumstände überhaupt als Qual bezeichnet werden konnten: Ein Dach über den Kopf, so viel übermäßige Freizeit, dass sie zur Last wird, Geld genug, dass man nicht verhungern müsste. (Wahrscheinlich so viel, dass man Nahrung kaufen kann, die man verderben lässt und wegschmeißt.)

Als sie sich eines Abends zurecht machte; in schwarzen Stöckelschuhen und schwarzem Minikleid schlüpfte, fragte er sie, wo sie denn hin ginge. „Zu meiner Beerdigung“, flüsterte sie. Ohne Ziel, verloren – doch sie ging mit ein paar Zehnern in das rechte Körbchen ihres BHs gesteckt, mit Taschentüchern im linken. Ihr Weg führte sie im Kreise. Ihre Wimpern trugen wohl schon kein Mascara mehr. Wieder zu Hause vor der gleichen, alten Türe stehend, brach sie davor zusammen wie das kleine Mädchen von vor zehn Jahren.
„So möchte ich nicht leben, so möchte ich nicht leben“, sang sie, ein jaulender Coyote in der Prärie. Als er sie fand, brach ihm das Herz entzwei. Sorgsam schlang er seine Arme um sie, versuchte sie mit bedeutungslosen Floskeln zu beruhigen und brachte sie ins Bett. In diesem Augenblick – genau der Moment, in dem seine Augen über ihre zerknittertes Kleid und schmerzverzerrtes Gesicht flossen, fragte er sich, ob es tatsächlich das Beste wäre, sie und sich jetzt und hier zu erschießen. Wenn es doch das Einzige zu sein scheint, was sie glücklich macht. Immerhin war er am Leben, um sie glücklich zu machen – das wusste sie auch. Sie war seine Welt – das wusste sie auch. Nur war er für sie lediglich der Sicherheitsdienst – das wusste er auch.

Später in besagter Nacht überdosierte sie an Schmerzmitteln, die sie ganz hinten im Kabinett fand. Sie ist nicht gestorben. Der Schmerz ist auch noch da, wenn nicht schlimmer. Denn als sie zwei Tage darauf zum Sonnenaufgang aufwachte, saß er zusammen gekauert am Fußende ihres Bettes.

Das Ende
Sie schnitt sich die Haare kurz. Ein Bekannter behauptete, man würde so ihre hervor stechenden Wangenknochen besser erkennen können. Vielleicht war etwas Wahres daran. Imposanter war jedoch die Reaktion ihrer Mutter als sie eines ihrer Kleider in Größe 32 im Wäschekorb fand.
Für Genugtuung war es nicht ausreichend, Befriedigung brachte es für einen Tag. Beschäftigt mit der Frage, ob sie die Lüge sei, die sie kreierte, oder die Wahrheit, die gut erschuf, kämpfte sie sich weiter durch einen übermannenden Winter aus Krähenschreien und chemisch-auf gesäuerter Magenschleimhaut.  

Er brauchte sechs Monate, um sich bewusst zu machen, dass dies alles ein verzehrenden Kreislauf ist, der niemals zu enden scheint. Egal, wie viel Herzblut er in die Beziehung und die zahllosen Rettungsversuchen steckte. Daraufhin brauchte es wieder sechs Monate für ihn, sich ein Bahnticket in seine Heimatstadt zu kaufen, auch den Geburtsort seiner Mutter, und deren Mutter. Wo wir doch wieder bei Wiederholungen wären; unter Umständen könne er sich doch, am Ursprung seiner Existenz, finden.
Ein Jahr verging und er stand mit fast leeren Händen da. Denn zwischen seinen Fingern rollte er ein Körnchen Hoffnung hin und her, eine objektivierte Stimme, die ihm sagte: „Liebe ohne eine zweite Person, kann keine Liebe sein.“
So kämpfte er sich durch Bahnstreik und Preiserhöhungen, um wieder zu ihr zu kommen. Als er ankam, war es schon zu spät. Letztendlich ist sie tatsächlich zu einer Beerdigung gegangen, die sich selbst gegeben; mit den Haaren wie die Jeans: viel zu kurz.

Freitag, 7. November 2014

Schon wieder "wieder da"

Danke euch allen für die aufbauenden Kommentare gestern. Da es mir leider zu schlecht ging, las ich diese erst heute.
Die Nacht war noch sehr auszehrend: Hatte Schmerzen, große Übelkeit und habe des Öfteren Blut gespukt (von der Wunde am Zahn, selbstverständlich). Mein Bruder war nicht da und ich habe kein Telefon. (Naja, der Hass auf den Körper war wie immer prominenter als der Drang nach Hilfe zu fragen.) Immerhin war das Schwein bei mir. Es unterstützt mich immer, egal, was ist.
Etwas in mir bestätigte permanent, dass ich diese Bestrafung verdient habe. Ansonsten erinnere ich mich an Verworrenheit und einem verdächtig intensiven Wunsch nach Tod. Nicht, weil die Schmerzen so unerträglich waren, sondern weil sich diese ungewollten Handlungen nur und nur wiederholen. Nach all den Jahren sollte es nicht mehr so ermüdend sein.
Ist auch in Ordnung, wenn ihr mir jetzt sagte, ich brauche nur zu kämpfen und stark sein, brauche nur aus den repetitiven Zirkel brechen, ich weiß nicht, ob ich diese Worte verstehe. Es war immer so. Ich weiß nicht, für was ich kämpfen soll, wenn diese Schwärze das ist, was ich kenne und das ist, was mich willkommen heißt?

Nicht wichtig. Prnzipiell ist dies auch das Gleiche.
Derzeit wird es nicht nur draußen lichtloser, ich habe auch das Gefühl, viele Blogeinträge, die ich lese, werden dunkler und dunkler. Es tut mir leid, dass es euch schlecht geht. Irgendwie wünschte ich mir, ich könnte den Rest meines Überlebenswillen aus mir heraus saugen und an euch verteilen. Wie wenig es auch sei, ihr habt es mehr verdient.
Stattdessen musste mich mein Bruder ins Krankenhaus fahren. Auch er tut mir aufrichtig leid. Anstatt dauernd Nanny zu spielen und Geld an jemanden wie mich zu verschleudern, sollte er auch endlich seine Zeit genießen können.
Sprachblockaden im Krankenhaus; mein Bruder musste das schildern, wovon er wusste. Der Zahnarzt hat aber schnell gesehen, dass die Naht gerissen war und hat es wieder zugenäht. Schnell war er wieder fort, verständlicherweise - was soll er auch weiter zu jemanden sagen, der nicht antwortet?

Aufgrund des Blutverlustes, naja, eher aufgrund der Tatsache, dass ich Blut verloren habe und Lithium einnehme, gab man mir noch eine Portion NaCl. "Ich solle einfach ein paar Stunden schlafen", meinte eine liebevolle, umsorgende Schwester. Mein Bruder fing an lauthals zu lachen - genau das, was ich auch getan hätte.


Mein Bruder ging in die Kantine zum Essen und danach einkaufen.
Nach vier Stunden an die Decke starren, grundlos in Angst und Sorgen wälzen, drehte sich das Schwein zu mir und grunzte: "Weißt du eigentlich, dass du eine Last für alle bist?"
Leise und ungehört für jedes menschliche Ohr flüsterte ich ein "ja".
Nächste Woche Blutwertkontrolle - könnte man sich sparen, aber ich bedanke mich für und schätze die Einstellung, dass der Körper nicht ganz so verloren ist wie der Inhalt des Schädels und - vor Allem - des Herzens.
(Es tut mir leid, dass ich in letzter Zeit weider überaus depressiv wirke. Das hat mit euch absolut nichts zu tun. Danke für eure Geduld und eure Zeit.)

Donnerstag, 6. November 2014

Ich glaube, ich verliere zu viel Blut und vergifte mich gerade mit Lithium... Überofrderrt, das wohl das problem, warum übeklkeit bauchwe zittern schmerzen. keiner zu hause. leg mich einfach mal ns bett.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass was bei meinen Zähnen nicht so richtig läuft.
Mir ist heute das Nähmaterial ausgerissen und es blutet nun immer wieder so stark, dass ich einen halben Mund voll Blut ausspucken kann. Immer wenn ich die Blutung stillen konnte, fängt es nach einiger Zeit wieder an.
Weiß jemand, der schon eine Weisheitszahn-OP hatte, ob das noch in den Normbereich gehört?
Vom Schmerz her ist er erträglich, habe jedoch Schmerzmittel genommen. Nun pulsiert es eher im Ohr als im Mund, mir ist schwindelig und wenn ich versuche auf zu stehen, wird es schwarz vor den Augen. Die Blutungen sind allerdings besorgniserregender. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

Mittwoch, 5. November 2014

Zahnextraktionen gleich einem asiatischen Horrorfilm

Die linke Seite meines Gesichts pulsiert, pumpt und drückt. Kann kaum einen Ton durch dieses Ohr hören. Von wegen "Das wird ein Kinderspiel", von wegen "ein professioneller Arzt belügt dich doch nicht".
Die Hinfahrt war durch die Anwesenheit und des Tavors angenehm. Selbstverständlich klopfte das Herz vor Aufregung, doch handelte es sich keineswegs um das Niveau Angst, welches ich sonst schon kenne, wenn ich zur Wohnungstür gehe.
9:45 Uhr, pünktlich wie die Eieruhr treten wir in die Praxis. Mein Bruder muss vorgehen, ich laufe hinterher. Er fragte noch, ob er schnell einkaufen könne, denn eine Stunde wird es sicher nicht brauchen und er wird pünktlich wieder hier sein. Wie auch immer. Das Zittern meiner Hände steigert sich. Ein Bild von kannibalischen Zähnen, die um einen Feuetopf tanzen kommen mir nicht aus dem Sinn.

Nicht lange ließ man uns warten. Das Setzen der Betäubungsspritze tat schon recht weh, drei Mal oben, drei Mal unten. Direkt in den Gaumen, es brennt ähnlich wie Vaters heißen Suppen, die ich nicht abkühlen lassen durfte.
20 Minuten später war die gesamte linke Mundhöhle taub inklusive der Lippen. Aus Gewohnheit stellte ich mir vor, was jetzt wäre, wenn der Zahnarzt das Hobeln beginnen würde und das Anästhetikum nicht wirken würde. Geschrei, Panik - Blutspucke am frisch-gewaschenen weißen Kittel.
Nichts davon ist passiert. Der obere Weisheitszahn war schnell heraus operiert. "Ein kleinen wenig zu schnell", warf der Arzt mit ein. "Der saß ja nirgends fest." Er schüttelte kurz den Kopf, kommentierte jedoch nicht weiter. Vielleicht hat er es auch verschrien, denn der untere saß fest. Auch Drücken, Drehen und bestialisches, furchtbar schmerzhaftes Ziehen halfen nichts. Also erstmal eine weitere Lokalanästhetikumsspritze - alles andere gleiche Folter.
Prompt darauf versuchte der Doktor es ein zweites Mal, meinen unteren Weisheitszahn von der Hölle meines Mundes zu extrahieren. Ich bin absolut erschöpft. Dieses Werkeln an meinem Körper ist genug, um horrorgeschichts-nahe Intrusionen in meinen Kopf zu projizieren. Plötzlich dachte ich wieder an Hände und wozu diese fähig sind; dachte an Schläge und ungewollte Küsse. Der Zahnarzt legt ein Instrument in meinen Mund, bin körperlich und geistig nicht einmal mehr in der Lage zu sagen, was es ist. Dies erinnerte mich nicht mehr an seine Hände, doch an andere Teile von ihm. Sein Geruch steigt in meine Nase, seine Nähe schüchtert mich an. Angst erfüllt mich und auch ein "Du musst jetzt tapfer sein", vom Schwein hilft nichts.
Direkt auf dem Behandlungsstuhl bekomme ich einen Heulkrampf. Niemand wusste so recht, was los war außer ich. Es war peinlich und schmerzhaft, weil ich die Szenen in meinem Kopf nicht einfach beiseite schieben konnte. Alles, was mich von der ausgewachsenen Panikattacke mit Schreien und Fluchtversuchen abhält, ist wohl doch das Tavor.

Nach ein paar Minuten "Gemütsabkühlung" musste der Arzt es weiter versuchen. Andere Patienten warten schon und ohnehin würde das Lokalanästhetikum sonst die Wirkung verlieren.
Gleiche Position: Arzt mit einem hebel-ähnlichem Instrument halb über mir, in meinem Mund schmeckt es noch immer nach Schwanz, aber was soll's jetzt?
Man sah die Mühen des Arztes auf seiner Stirn. Schweiß tropfte von dieser, die Falte zwischen seinen Augen ist angespannt. Er sieht und man hört einen ohrenbetäubenden Knacks. Der Zahnarzt verzieht seine Miene kaum, weist mich jedoch direkt darauf hin, dass ein Stück Kieferknochen mit abgebrochen sei.
Dies sei nicht sonderlich besorgniserregend, meint er, nur der Heilungsprozess würde länger andauern. Außerdem solle ich mich mal einem Osteoporose-Check machen lassen.

Wie in Trance bedankte ich mich. Sagte nichts gut. Ich habe Angst. Große Angst, ich möchte weinen - doch muss mich zusammen reißen. Nicht bei jedem Problem ein Drama spielen.
Mein Bruder war vom Einkaufen nicht zurück. Das enttäuscht mich, damit er sich um mich kümmern kann, WAR er doch erst mitgekommen. Jetzt heule ich doch. Mitten zwischen Behandlungszimmern und den Warteräumen.
Ich bin geistig erschöpft, und mein Mund tut weh - ich habe Bilder im Kopf, die mich jagen und verfolgen.
Ist es ein Armutszeugnis zu behaupten, man wäre nach jedem Zahnarztbesuch ein wenig suizidaler als vorher?
Richtung Tür - Tür ist meistens gut. Einfach weg. Die Schwester ruft mich zurück und bietet mir an, mich hin zu setzen. Wenn ich so viel Angst hätte, warum wurde denn keine Vollnarkose gemacht? Ich wage nicht mehr ihr zu antworten. Jetzt ist es ohnehin zu spät. Und was soll ich auch dagegen tun, wenn die Krankenkasse nicht alles zahlt? Die Hälfte ist geschafft. Ich bin müde von dem Gedanken. Möchte mich gleich hier auf den Boden legen...
Sie gibt mir ein Zettel und ein paar Tupfer, doch mein Gehirn sagt Tür. Will hier weg. Mehr noch aus meinem Kopf. Meine Beine sind verschwunden. Das Schwein hat sich fort getragen. Wo ist mein Bruder?

Letztendlich habe ich mich auf der Suche nach meinem Bruder verlaufen. Anrufen kann ich ihn nicht, weil mein Handy nicht funktionsfähig. Setze mich auf eine Bank und Erinnerungen an meinen Cousin fluten mich. Herr Doktor, Herr Doktor, können Sie ihn nicht auf wie ein schlechten Zahn ziehen? Nehmen Sie ruhig noch ein wenig Kiefernknochen.
Nach einiger Zeit - ich weiß nicht wie lange, Zeit hat in dieser Welt keine Bedeutung, wir haben keine Bedeutung - hat mich mein Bruder gefunden, er war beim Arzt und man sagte, ich wäre schon vor über einer Stunde gegangen. .... Ja, Ja.... ich bin müde und kann nur auf dem rechten Ohr hören.

Man vergisst weniger, wenn man leidet.

Aufstehen noch, hoch jetzt - egal, wie schwindelig dir ist oder wie betrunken du auch bist. Wann ist dein Schuh aufgegangen? Ist nicht wichtig, einfach weiter gehen. Nicht das Glas fallen lassen; deine Finger umwickeln dieses fester als ein Katholik sein Gebetskreuz. Eine weitere schlaflose Nacht gefüllt mit verdrehten Knöcheln und fremden Schweiß in der Nase. Vor dir rutscht eine junge Frau aus. Der Anstand in dir befiehlt, ihr zu helfen - wenigstens nach zu fragen, ob soweit alles ok sei, jedoch ist dir entfallen wie genau es funktioniert, Worte zu formen.
Bevor die gestürzte junge Frau aufsteht, entflieht ihr ein peinlich berührtes Lachen und ruft ihren herbeilaufenden Begleitern ein "Alles gut" zu. Wenn sie es sagt, musst es auch so sein. Immerhin streift sie ihr Kleid wieder in Richtung Knie bevor jemand einen Blick erhaschen konnte. Sehr beeindruckend. Eleganter und kultivierter als du auf jeden Fall. Es erinnert dich auch daran, was deine Mutter zu einer Cousine sagte: "Eine Lady zeigt niemals das, was sich unter dem BH oder dem Unterhöschen befindet umsonst. Eine Lady trägt immer teures Parfum. Und eine Lady trinkt nur den stärksten Whiskey."
Allerdings war das bevor sie ihren neuen Freund kennengelernt hat, ihren neuen Freund kennen gelernt hat, ihren neuen Freund kennen gelernt hat.

Die Stille drückt schwer und auch das Brennen in der Kehle erleichtert dich nicht. Auf den Weg durch den viel zu langen Flur stolperst du über einen Körper, der in Alkohol mariniert, bewegungslos da liegt. Weiß Gott wie lang. Man sagt ja nicht umsonst, dass er alles weiß. Oder man sagt alles, weil man weiß, es ist umsonst? Oder ist umsonst nur alles, was man weiß?
Nicht die Treppe hinab segeln. Ein Schritt nach dem anderen, bloß nicht übertreiben - nicht zu schnell, gut festhalten! Nicht das frischgefüllte Glas fallen lassen. Nur nicht das. Da hinten erscheinen die verschwommenen Umrisse einer Tür, die sich von dir öffnen lässt. In atemberaubender Schönheit begrüßt dich der orange-lila-rote Sonnenaufgang; viel zu prächtig und überwältigend, wenn man deine Wenigkeit zum Vergleich herhällt. Barfuß und kaum noch atmend. Mit jeder Lungenkontraktion atmest du dein nicht-ganz-so-königliches Leben ein. Bekommst zum Dank Feuerkäfer in den Darm gesteckt. Oh! Du kennst den Weg nach Hause nicht. Um genau zu sein, weiß du nicht wo dein zu Hause ist - Wege wären immerhin variabel. Wenn zu Hause dort ist, wo das Herz ist, ist dein zu Hause zwischen deinen schwarzen Raucherlungen und schwächligen Rippenbögen gefangen.
Taxifahrer sind für gewöhnlich begeistert, wenn man nicht auf die Sitze kotzt. Zusammenreißen jetzt, nur kurz, du musst jetzt professionell wirken. Aber nicht so professionell wie eine Professionelle - du ZAHLST die Fahrt. Mit Geld. Die Beine verdrehen sich beim Einsteigen - ist nicht wichtig, du weißt ohnehin nie, wie man etwas wieder richten kann, was verworren, kaputt oder am Ende des Satzes immer ein "aber" mit sich zieht,...

Das Herz schlägt betäubend laut. Ba-bum. Ba-bum. Ba-bum in deinem Brustkorb. Es tut nicht weh. Oder vielleicht tut es schon weh. So wirklich sicher kannst du dir nicht sein, denn da hängen Wolken in deinem Hinterkopf, die nicht regnen, doch die Feuchte lässt dich schwitzen. Ba-bum. Ba-bum. Der Fahrer beäugt dich distanziert doch interessiert durch den Rückspiegel; du bist sicher, seine Stimme dringt durch seinen unbewegenden Mund. Du würdest es vernehmen, wäre nicht Ba-bum, Ba-bum, Ba-bum. Ohrenbetäubend laut, unangenehm vibrierend im gesamten Oberköpfer. Was hast du wieder gemacht? Warum triffst du immer nur reihenweise falsche Entscheidungen?
"Aus dir hätte so viel werden können", summen die zwei Stimmen deiner Eltern, die du seit vier Wochen nicht mehr gesprochen hast. Ba-bum. Ba-bum. Du klopfst dir hart auf das Brustbein. Es klopft weiter, nur versetzter. Vielleicht ist es dein Kopf. Ba-bum. Ba-bum.
Reifen quietschen kurz auf.  Das Geld aus deiner Unterwäsche gibst du den Fahrer auf die süffisanteste Art und Weise, zu der du noch fähig bist.
Raus gehen - einen Schritt nach den anderen. Das Licht blendet. Wann ist es so hell geworden? Jemand sollte die Sonne abdrehen. Hoch zur Wohnung, wenn das deine Wohnung überhaupt ist. Treppen hoch - hoch - hoch - hoch. Gelbe Farbe klebt unter deinen Fingernägeln - wo kommt das denn her?
Wo ist eigentlich dein Schlüssel? Und welches dieser Zimmer ist 12B? Linker Flur. Nein, das andere Links. Da hängt der Schlüssel an dieser Wohnung. Warum hängt der da noch? Klauen hat sich ohnehin nicht gelohnt. Klinke herunter drücken, eintreten - auf dem Boden zusammenbrechen, eiskalt, zitternd. Kotze steigt in deine Kehle, doch sammelt sich in deinem Mund. Ironischerweise erinnert dich der ranzige Geschmack von Whiskey an deine Mutter. (Genau wie der Mann vorhin, der das gleiche Parfum deines Vaters trug - manchmal kriechen sich dunkle Gedanken in deinen Kopf, vor Allem, wenn du getrunken hast.) Lebe sie nicht aus, die dunklen Gedanken, das sagt das Ba-Bum. Ba-Bum.
Was du allerdings noch mehr heraus schmeckst, ist die Bitterkeit des eigenen rottenden Körpers. Du schluckst es hinab - durch den Ösophagus, zurück in den Magen.

Morgen dann zu Runde Zwei.
Manchmal ist jeder Tag Wochenende.
Prost, ihr Seelenficker.