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Dienstag, 31. März 2015

"Borderliner sind alles Monster."

Wann immer ich bösartige, hasserfüllte Aussagen über "die Borderliner" höre bzw. lese, brauche ich oft einen Moment, um mir zu sagen: "Moment mal. Ihre Negativität absolut gar nichts mit meinem Krankheitsverlauf zu tun."
Immerhin bilden selbst-ernannte Kenner ihre Meinung meist auf Fehlinformationen oder eben zu wenig von diesen. Manche legen ihre Werte auch ausschließlich auf die Erfahrung eines schlechten Beispieles. An sich ist das auch in Ordnung - zumal bestimmte Diagnosen sich sowieso auswechseln lassen.
 
"Meine Borderline-Mutter hat mich als Kind so terrorisiert, dass ich für solche Monster nur noch Hass empfinden kann." (Ausgedachtes Zitat)
Das traurige Schicksal momentan außer Acht laßend, kann ich nur behaupten: Hätte ihre Mutter die Diagnose einer Bi-Polaren-Störung erhalten, würde ihr Hass nun diesen Individuen gelten. Wenn sie getrunken hätte, wären alle Alkoholiker schuldig an ihrer ruinierten Kindheit.

Für mich persönlich ist es schwer, die Linie zwischen dem mitfühlendem "Wer so frustriert und hasserfüllt ist, hat sicher auch sein Päcken zu tragen", pseudo-ignorant "Wenn du nicht den ganzen Tag so dumm daher labern würdest, könnte man sich vielleicht mal die Zeit nehmen, um dich tatsächlich auf zu klären" und ängstlich-aggressivem "Närrischer Tuk! Wirf dich as nächste Mal gleich selbst hinein, dann sind wir dich und deine Dummheit los!".
Doch alles in allem kann ich nur dabei bleiben:
Was auch immer diesen Personen passiert ist,
was auch immer sie glauben, mit einer psychiatrischen Krankheit damit in Verbindung zu bringen,
was auch immer sie glauben mit Diagnosen auf Mitmenschen schließen zu können,
dies hat nichts
absolut gar nichts
mit dem zu tun, in welchem Maße ich gegen die Symptome dieser Krankheit vorgehe, wie ich mich in meiner Situation fühle und wie ich mich gegenüber anderen aufgrund ihrer Vorurteile verhalte.
Ich bin kein ICD-Code, kein Seelen-fressendes Borderline-Monster, das Therapeuten zum Frühstück verschlingt.

Dies gilt auch für dich. Egal, was man aufgrund deiner Erkrankung, welche auch immer, in gespaltener Zunge zu dir sagt:
Unwissenheit und/oder traumatisierende Erinnerungen deines gegenüber sind NICHT deine Schuld. Natürlich kannst du versuchen, diese Negativität aus den Menschen heraus zu schneiden wie das faulige Innere eines Apfels. Sollte dies aber nicht funktionieren, heißt dies nicht, dass du versagt hast, sondern dass diese Person zu sehr in ihrem Hass versunken ist und sich womöglich ohne professionelle Hilfe gar nicht änden kann.
Du bist keine Fußmatte, an dem irgendein daher gelaufener seine Schuhe abstreifen kann.
Bitte kämpft weiter und gebt euch nicht auf. Hier gibt es Menschen, die euch verstehen und nachvollziehen können. <3

Montag, 30. März 2015

Schafe scheren

[Ich habe keine Ahnung mehr, was ich schreibe. Die Welt ist ein bedrohlicher Ort. Viel Angst derzeit, viel Versuch der Ablenkung scheitern.
Kleiner Nachtrag von gestern: Beide Diagnosen sind keine Neuigkeit gewesen. Der letzte Eintrag darüber ist wohl schon eine ganze Zeit zurück, entschuldigt das. Ja, ich koche auch - bis zu dem Tag, an dem sich meine Fische in die Küche stellen. Direkt glutenfreie Produkte brauche ich eigentlich nicht kaufen. Ist zu teuer, selbst jetzt als "Trendprodukt".  Bisher habe ich nicht mal die Krankenhausgebüren gezahlt.
Auch mache ich Sport, nach Anweisung der Physiotherapeutin für die Skoliose und die kaputten Knie, dazu kommen auch klägliche (mental, nicht zwingend körperlich) Versuche von Yoga, autogenem Training... So oft "nach draußen" wie irgend möglich... Irgendwie weiß ich nicht, was ich mache. Ärzte, Therapeuten, ihr hier bei Blogger ist versucht zu helfen und ich versuche mich daran zu halten, aber irgendwas stimmt nicht. Ich weiß nicht, was. Es ist verwirrend. Dabei weiß ich nicht was und ich rede nur drum herum ohne irgendwas zu sagen. Es ... also... ich weiß nicht, was ich tue. Ich hab keine Ahnung, was ich tue... Entschuldigt.]


Schafe scheren
Zusammengekauert in der Badewanne sitzend:
Knie an Kinn - ein Summen ertönt zwischen seinen Ohren.
Über ihn, so scheint es immer,
tanzen seine Eltern den Militärwalzer,
ständig tritt er auf ihre Zehen
und sie schimpft über misslungene Manöver.
Zusammen lassen sie Pronomen-Bomben
fallen,
herab auf ihn.

Sogar Harry Potter würde denken,
dieses Badezimmer wäre zu klein.

(Inmitten dialogorientierten Verzögerungen
streckt er die Weiße Flagge nach oben.)

Zehn Minuten später:
Auf jeden Fall ist keiner ums Leben gekommen.
So wirklich, wenn man das so sagen kann.
Nackt und fluchend
räumt er die Brocken und Brösel fort.
Seine Gedanken kehren zurück
an seinen letzten Geburtstag,
an dem sein Vater ihn zu einem Schafsstall nahm.
Stets wollten sie davon rennen
als der Schäfer sie schären wollte,
doch diese Arme griffen zu fest.
Die Wolle fiel.
Auch die Tür fällt,
ein Knall und wer weiß,
ob sein Vater sie jemals wieder öffnen wird.

Mutter weint.
Die Schafe überwinden schneller.  

Samstag, 28. März 2015

Zöliakie

Seitdem ich zu dem Hashimoto-Syndrom noch mit einer Zöliakie diagnostiziert wurde, falle ich mehr und mehr in die Spirale der Essstörung zurück. Angst vor Inhalten, alles zählen, Panik vor Konsequenzen bei der Nahrungsaufnahme.
Hilfe. Ich kann nicht reden. Mir tut das Genick weh. Vor Allem mein Herz.
Der Arzt meinte, ich solle keinen Sport machen. Doch der Körper muss erfahren, was der Kopf nicht einsehen kann. Will nicht essen, mag keine Schmerzen. Bin verzweifelt, wie eh und je.
Mein Knie tut weh beim Laufen. Ha! Hab ich ja auch nicht besser verdient...

Das kann doch nicht wieder anfangen....

Donnerstag, 19. März 2015

Therapiestunde

"Eigentlich sollte ich es für mich behalten", gesteht der Therapeut. "Doch denke ich, dass Sie dies hören müssen."
Bereits entschieden und in Stein gemeißelt, jedoch erklingt an jedem Ende seiner Worte ein Fragezeichen. Als würde er selbst daran zweifeln während er spricht. Vielleicht war meine Auffassungsgabe gestört oder geblendet, doch ich vertraue ihm zu sehr, um in das Beben seiner Stimme zu viel Gewicht zu legen. So fragte ich ihm humorvoll, ob wir nun die Stühle tauschen sollten.
Kurz lächelte er zwinkernd auf, drückte sich tiefer in seinen Sitz und faltete seine Hände übereinander. Als würde er für einen Sprung ins kalte Wasser ansetzen, atmet er tief ein.
"Ich habe mit meinem Vater seit über 20 Jahren nicht gesprochen.", bedrohlich pausierte er nach diesem Satz bevor er kontinuierlich fortsetzte.
"Sie kennen die Geschichte: Im und aus Prinzip war mein Vater ein guter Mann, der nur eines Tages bedauerlicherweise feststellen musste, dass er meine Mutter nicht mehr liebte. Er zog fort, versuchte  den Kontakt zu halten. Doch für manche von uns war und ist es schwer, Distanzen zu besiegen.
Zu schnell vergingen die Jahre, vollkommen warnungslos. Über einen Hörer stritten wir uns, aus verzweifeltem Anhalten an Anerkennung und geladener Frustration. Wir stritten aus Stolz und Irritation, einer Art beidseitigem Unverständnis, welches keiner beim Namen nennen wollte. Bis wir aufgehört haben zu streiten, denn wir haben aufgehört zu reden. Er konnte den Man nicht erkennen, der aus diesem Kind heran wuchs. Ich kannte ihn ohnehin nicht."

Wenn er bis zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch mein Therapeut war, verwandelte er sich nun zu einem Mann, einem Kind und letztendlich einem Spiegel. Aus Erfahrung weiß ich, dass er es bedauert so viele Chancen und Momente ziehen gesehen zu haben. Wahrscheinlich macht ihm das zu einem besseren Menschen - zu Mindest ab den Zeitpunkt, an dem er erwachsen wurde, sein Blickfeld expandierte und Frieden fand.
"Ich habe meinem Vater verziehen", sprach der Spiegel in meine Richtung. Kinder vergeben den Eltern ungerechtfertigt schnell, verstehen ja auch nicht jeden Zusammenhang. Es ist nur der Schmerz, der konstant-vergraben darunter liegt, der er aufgegraben und verarbeitet werden muss.
"Gerne würde ich ihn wieder sehen", führt er fort. "Den Mann, den ich Vater nannte, würde ich gerne dazu auffordern, den Mann kennen zu lernen, der ich heute bin. Und wenn wir es nicht schaffen, uns erneut an zu nähren, könnten wir versuchen-", hier stoppte er.

Vorsichtig blicke ich auf, leicht nervös schon. Immerhin möchte ich hören und hoffen, hören und lernen, hören und wissen, dass verlorene Eltern und vergessene Kinder ineinander Vergebung finden. Mit einem Lächeln versuche ich ihn unaufdringlich zu bitten, mehr zu teilen. Nur er lächelte nicht, verriet sonst jedoch nichts mit seiner Mimik. Ein Kloß formte sich in meiner Magengrube als er sagte: "An diesem Morgen habe ich einen Anruf bekommen, den an diesem Morgen starb mein Vater. Nicht nur, dass er 800km von hier und allein starb, nein, er starb auch in dem Nichtwissen, dass ich ihn liebe, schätze und kennen lernen wollte."
Wieder zum Therapeuten gewandelt, reichte er mir ein Taschentuch. Noch bevor ich realisieren konnte, dass Tränen über meine Wangen rollten.
"Dies sage ich Ihnen, weil ich weiß, dass sie stark genug sind. Stark genug um zu verstehen, dass Themen sich oft genug überschneiden und man Hilfe annehmen kann. Die letzten sechs Monate analysierten wir fast passgenau dasselbe, was ich vor zehn Jahren noch mit mir selbst ausmachte. Der Unterschied liegt nun darin, dass ich nicht mehr warten kann und nie-", dieses Mal reichte ich ihm ein Taschentuch aus der bunten Box. Ihr Inhalt hielt nicht lang.
Zwei Menschen in einem Raum: Nicht im Verhältnis Therapeut und Patient, Mann und Frau, sondern Kind und Kind. Die Art Kinder, bei denen sich keine Differenzen aufweist, dass sie sich gefunden haben, verloren waren sie zusammen.

Wie übliche Gegenwärtigkeiten endeten auch diese Sekunden. Obwohl wir über die 45 Minuten-Marke bereits überschritten haben, mussten wir nicht auf die Uhr schauen. Zu spät war es ohnehin.
Aus Handwerk gelernt schlüpften wir in unsere Masken; alltagstauglich, ausschlaggebend für den Alltag. Nicht zögerlich setzte er sich seine Brille auf die Nase, immerhin war er ein Profi. Für heute ist der Rest seiner Kleidung wohl ein Kostüm, welches die zu zerbrechenden Teile zusammen zu halten versucht. Abschließend und eigentlich auch das einzige von Wichtigkeit, was ich an diesem Nachmittag sagte, war: "Es tut mir leid."
Schnellen Schrittes und immer noch von Traurigkeit behangen verließ ich die Praxis.
Und ging nie wieder dorthin. Auch das tut mir leid.
Es tut mir leid, dass ich doch nicht so stark bin wie er glaubte.
Es tut mir leid, dass ich weg rannte, weil ich mir beim Anblick seines gebrochenen Herzens nicht mehr sicher war, ob er einen Spiegel darstellte oder eine Kristallkugel. 
Letztendlich hatte mein Therapeut wohl Recht: Er hätte es mir nicht sagen sollen.


[Mir ist das nie passiert. Eigentlich fing ich diesen Text an mit der Motivation, mal etwas zu verfassen, dass beweist, dass Therapeuten Menschen mit Herz und Seele sind und recht oft auch als eine Art Arbeitsroboter (in schlimmen Fällen auch als alleinigen emotionalen Mülleimer) gesehen werden, aber so gut ist mir das nicht gelungen. Vor Allem bei dem Ende nicht... Naja, wenigstens etwas geschrieben.]

Samstag, 14. März 2015

Beim Versuch nicht ans Kotzen zu denken

Ich versuche nicht daran zu denken. Versuche mir selbst zu vertuschen, dass ich zu viel gegessen habe; zu viel das Falsche, was die Aussage allerdings nichts schwerwiegend verändert. Meine gewöhnliche Ausflucht, das Erbrechen, sollte nicht in Frage kommen. Allein ich habe dieses widerliche Zeug zwischen meine Lippen geschoben, allein ich muss folglich die Konsequenzen tragen.
Ich versuche nicht daran zu denken. So bewege ich mich auch nicht seit gut einer Stunde. Starre ununterbrochen in Richtung Fußboden, dem Schwein direkt in die Augen. Seine Wortlosigkeit erinnert mich an den toten Rotfuchs am Straßenrand, an dem ich heute Morgen vorüber ging. Blutverschmiert um Nase und Maul, ein kleiner Tropfen lief aus dem rechten Augen heraus - mit starrer Mienen, die eher einer Maske als einem Gesicht glich. 

Ich versuche nicht daran zu denken. Oder den missbilligen Blicken meiner Essstörung zu ignorieren. Sie steht vor mir; nicht besonders schlank, nicht besonders hübsch - ummantelt mit einem Gewand vernäht aus Wildunfällen, eine splitternde Gitterstange meines früheren Kinderbettchens in der geballten Faust, an ihren Füßen Ketten befestigt, die jeden einzelnen mentalen Zusammebruch symbolisieren. Sie trägt schwer. Oh, sie trägt eine Last. 
Ich versuche nicht daran zu denken. Auch wenn sich der Knoten in der Magengegend fester zieht. "Nur nicht übergeben. Denk' an die Zähne. Dein Knie sollst du auch noch nicht schwer belasten.". flüstere ich mir zu. Es übertönt jedoch das Nuscheln der Wände nicht. Als gäbe es kein Morgen mehr. Offensichtlich dargestellt, gleich roter Lippenstiftspuren auf einer weißen Tasse. Alles mit einer Seele kennt Schmerz, so wie die Essstörung, der ich absichtlich nie einen Namen schenkte, oder dem halb-toten Fuchsschwein an der Straße in meinem Zimmer. Ob meine Hände mit den blauen Nagelbetten zittern, weil ich friere oder ist es Angst? Aufregung vielleicht? Einen Unterschied der Entscheidung gibt es nicht.
Ich versuche nicht daran zu denken. Aus diesem Grund weiß ich nicht genau, was der eigentlich wahrhaftige Grund für diese Art Frustration ist. Viele Menschen erscheinen derzeit überdrüssig, verärgert, hasserfüllt. Noch vor einigen Monaten habe ich selbst ein paar Hungertage aus finanzeller Notlage als Armut verwechselt. Mein Übeltäter lag stets im Wort "Vergangenheit", doch mit einer anderen politischen Sichtweise hätte ich dieses mit jedem x-beliebigen anderen Wort austauschen können. Mit "Gott" zum Beispiel: "Gott" ist Schuld an meinen psychiatrischen Problemen und daraus folgender Folgen. Oder "Ausländer". Oder "Prostituierte". Oder "die Hunde mit gesunder Darmtätigkeit in der Nachbarschaft". Oder "Spargelstecher". Die miesen Spargelstecher. Die waren mir schon immer ein Dorn im Auge.
Furchtbar, es tut mir leid. Inzwischen weiß ich nicht mehr, was ich schreibe. Ich versuche nur mein Bestes bloß nicht daran zu denken, dass ich morgen mehr wiegen werde als heute. Zahlen kann man auch austauschen. Dies entwickelt sich erst dann zu einem Problem, wenn man seinen Selbstwert an Zahlen aus der Waage ausmacht.
Es kann sich nur noch etwas ändern. Das Herz macht diese Schinderei nicht mehr lange mit. Im relativ unromantischem Sinne.

Donnerstag, 12. März 2015

12.03.2005 - Gedanken änderten sich kaum

Oder überhaupt?
Da es mir derzeit noch sehr schwer fällt zu laufen, steuerte ich auf der Suche nach einem guten Buch zufällig meine Tagebücher an. Inzwischen blogge ich ausschließlich, aber hier meine stockenden Gedanken von vor 10 Jahren.


Hilfnis zur Entzifferung:
"Kann es bald vorbei sein? Sollte es bald vorbei sein? Kann ich mich richtig entscheiden? Habe ich überhaupt eine Wahl?
Wenn ich nicht mehr fühlen kann, möchte ich auch nicht mehr leben. Aber was kann ich schon dagegen tun? Bis es vorbei ist, muss noch seine Zeit vergehen. Also sollte ich aufhören darüber nach zu denken.
Bisher hatte ich auch nie Probleme mein Denken zu Verbergen, meine Gefühle aus zu schalten und einfach alles über mich ergehen zu lassen. Nur noch diese Träume quälen mich...
~12.03.'05 (Ich kann in fast jedem Gesicht das "kleine Mädchen" (Anm: aus einem Alptraum) sehen, desgegen kann ich auch Niemdenn hassen.)

Donnerstag, 5. März 2015

Stillschweigen

Während ich diesen Schmerzen mit lauter Stimme entgegen renne,
frage ich mich,
ob ich überhaupt ein Wort für mich selbst übrig habe?

Dienstag, 3. März 2015

"Sie können sich glücklich schätzen."

Das könnte ich auch, zumindest summt dies eine Stimme inmitten meines verkorksten Gehirns.
Es ist einschüchternd deprimierend; immerhin ist es keine Neuigkeit, dass ich unendlich traurig bin. Eröffnend erscheint nun jedoch der Sprung, der nach dem letzten Eintrag folgte. Ins Dunkel, doch nicht tief genug - oder es war der Aufprall in falscher Position. Macht prinzipiell keinen Unterschied. Denn hier sollte nun eigentlich das erleichterte Aufatmen in Kraft treten: Meinen Knien wurde der schmerzhafteste Schrecken ihres Lebens eingehaucht. Sonst atmet es sich schlichtweg weiter. Einfach so dahin gestellt, ob ich dies positiv bewerte oder auch nicht. Ich schätze mich nicht glücklich in dem Sinne, dass ich ein anderes Ziel im Blickfeld hatte. Für keine größeren Folgen meiner unbedachten Verhaltensmuster bin ich jedoch durchaus dankbar.
An den Abend selbst erinnere ich mich kaum. Viele Stimmen, Flashbacks und - wie eh und je - die Angst mit diesem Ziehen in der Brust. Unter Umständen ist etwas gestorben. Nein, mit Sicherheit ist etwas gestorben. Menschlichkeit, vielleicht, der Atemzug, den man macht bevor eine Änderung eintritt. Oder handelt es sich hierbei lediglich um Luft anhalten? Das Warten, dass eine Änderung eintritt, die man nicht erhofft, weil man sich nicht zu kontrollieren weiß? Mir fällt es schwer, einen Gedanken zu fassen. Weiß nicht, was richtig oder falsch, vorne und hinten, Erinnerung oder Einbildung ist; weiß nicht, warum die Zeit vergeht und nichts ändert und gleichzeitig alles nimmt und plötzlich stehen bleibt – vor Allem weiß ich nicht, was die ganze Fragerei zu bedeuten hat. Sollte es doch besser wissen. Sollte es besser einschätzen können. Sollte nun das Licht am Ende des Tunnels sehen können. Sollte, sollte, sollte – nicht wahr?  
In aller Namen möchte ich mich bei euch entschuldigen. Keine Abschiedsworte zu hinterlassen war eine Vorgehensweise, die ich nicht beabsichtigte - zumal ich darauf bestehe, dass dieser Blog für mich mitunter den Zweck erfüllt, den Druck auslassen zu können. Ansatzweise, im geringstem Maße. Doch die Mischung aus Panikzuständen und Dissoziationen machte es mir nicht möglich, vernünftige, voraussehbare Entscheidungen zu treffen. Oder doch? Ich weiß es nicht. Ich weiß es einfach nicht. Eigentlich weiß ich gar nichts mehr so wirklich. Bitte verzeiht, noch haben die Gedanken in meinem Kopf keine Ordnung.
Nachdem ich nach 3,5 Tagen aus der orthopädischen Abteilung des hiesigen Krankenhauses entlassen wurde, kam ich auf schnellstmöglichem, direktem Wege auf die psychiatrische Überwachungsstation einer Klinik, die ich nicht sonderlich begrüße. Aufgrund von Erfahrungen und Selbsterleben, nicht von Vorurteilen.
Langwierige Tage folgten. Schlafen, Arztgespräch, Medikamente, Essen, die Wand anstarren, Medikamente, die Wand anstarren, Essen, Nickerchen, die Wand anstarren, Medikamente, Essen und hoffen, dass man bald vom erneuten Schlaf eingeholt wird. Dieses auf Wiederholung - für 8 Tage. Von dort aus ging es weiter in das "Depressions-Haus". Viel fesselnder war es dort offen gestanden auch nicht, jedoch konnte man die geringere Anforderung gegenüber dem Personal deutlich spüren. Kurz könnte man es als „lockerer“ beschreiben. Außerdem kam nun ein erfreulicherweise hinzu, dass ich semi-freien Ausgang erhielt, da ich aufgrund meiner Krücken ohnehin nicht weglaufen konnte. Oder von irgendwas herunter springen, was wohl das Wichtigere war.
Zwar wurde Internet zur Verfügung gestellt, aber zu Preisen, die ich mir nicht zumuten konnte. Immerhin kommen die Krankenhauskosten (zur vollstationären Unterbringung, 10 Euro pro Tag, nicht mehr als 28 Tage – bei mir also 280 Euro) hinzu, die ich noch nicht zu bezahlen in der Lage bin. Letztes Jahr füllten mein Psychiater und ich zwar einen Antrag auf Erlass der Zuzahlung für die gesetzlichen Zusatzbreiträge aus, eine Bestätigung auf Seiten der Krankenkasse erfolgte jedoch nie.
Den Durchblick habe ich verloren, wenn ich ihn je hatte. Kann nicht sagen, warum ich mich für den Sprung entschied, nichts war besser oder schlechter an genau jenem Tag. Die Ärzte fragen mich, worüber ich denn dann reden wollte und ich habe keine Worte mehr. Kann nicht sprechen. Kaum noch schreiben. Was ist geschehen? Immerhin war Stift, Papier und Tastatur meine Welt.

Was ist geschehen?
Ich sollte mich glücklich schätzen.
Was ist geschehen?
Es gibt keine Aussichten, keine Besserung von etwas, das ich nicht benennen kann.
Was ist geschehen?
Da draußen wartet eine Welt, vor der ich stets wegrenne.
Die Angst ist da, neben dem Schwein.
Was ist geschehen?
Es tut mir leid. Für eure Sorge.
Es tut mir leid, dass ich nichts zu geben weiß, was einen anerkannten Unterschied erzwingen könnte.