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Freitag, 31. Juli 2015

Geträumter Suizid

Im Bilde vor mir fand ich sie in der Badewanne liegend.
Nach einem kurzen Schockmoment hievte ich sie heraus; noch zitternd und sich wehrend.
Die Wunden auf ihrer Armunterseite flossen, doch abdrücken konnte ich sie nicht.
Alles, was ich sagen konnte, war:
"In Rot siehst du wunderschön aus."

Als hätte ein Kompliment auf eine destruktive Art und Weise die Stimmung retten können.

Hier erwache ich meist wieder.

Montag, 27. Juli 2015

Lithium-Wiegenlied

Lithium flüstert süß in meinem Kopf während Risperidon die Verschwörungen von mir nimmt; die Stimmen und die Alibis, manchmal auch die Alter-Egos. Chemie hält die Form meines Schädels, stützt die weiche Substanz der Lungen. 
In geschmeidigen Plastikdosen psychotroper Substanzen verlieren sich die Tage. Wer kümmert sich schon um den Unterschied von März und September, von 14. und 31.? Eine liebliche medizinische Zunge - versunken im trüben Licht von Krannkenpflegern mit gefüllten Händen. Helles Gold und Lithiumr.
Wenn Wellen aus Verrücktheit und Schmerz mich packen, bringen sie Farben zurück in eine höhere Realität. Trink die Schneeflocke umringt von einem Ozean aus Lavafluten. Beruhigend für die blauen Flecken auf meinen Gedanken, fast - aber nie völlig geheilt. (Obwohl ich auch nicht weiß, wer ich bin.)

Es ist das Gefühl zu schreien, doch niemals herunter fällt.
Es ist das Gefühl zwar keine lähmenden Tiefs mehr zu haben, doch auch keine erkannten Hochs. 
Es ist das Gefühl wie in einem Alptraum zu leben, doch keine Stimme zu haben.
Es ist das Gefühl zu sterben, doch täglich auf zu wachen.
Es ist das Gefühl zu kämpfen ohne zu wissen, wofür. 

Natürlich lasse ichmich nicht von ihnen töten. Doch ergeht es mir in ihrer Präsens unwohl genug, sie aus meinem Blickfeld zu verbannen.

Sonntag, 26. Juli 2015

In Forschheit sozialisieren

Greife nach dem Morgendunst - wie ein lang vergessener Traum. Denn ich frage noch immer, sehne noch immer, nach eurer Form von Menschlichkeit. Es könnte diese Wunden heilen, Zerbrochenheit zusammenfügen gleich der Mutter ihrem Kindes.
Meine Welt ist gefüllt mit Clowns und Schaufensterpuppen. Hier gibt es keine nennenswerten Emotionen, auf die man sich beziehen kann. Greifend und ringend renne ich durch die Massen, kränker als zuvor, doch noch immer mit Hoffnung gefüllt.
Letztendlich stehe ich vor einem von Kindern mit Kreide gemalten Strichmännchen und flüstere zaghaft: "Willst du mit mir lebendig sein?"

Freitag, 24. Juli 2015

Einkauf

Wir waren einkaufen. Nicht an dem Ort, an dem wir dachten, wir würden es tun, doch wir waren einkaufen. Mein Bruder war zu müde für die Stadt. Ich fühlte mich krank, sowieso, nur dieses Mal mit - verzeiht die Details - Durchfall. Für solche Reizdarm-Momente habe ich aber bekannterweise ein paar Helfer vom Arzt bekommen.
In der Nähe befindet sich ein Outlet, bei dem wir nach Schnäppchen schauen wollten. Da mir die gesamte Zeit etwas übel war, mussten wir ständig Pausen einlegen. Aufgeben wollte ich so schnell nun aber auch wieder nicht. Bevor ich aber die ganzen Einzelheiten ausbreite: Obwohl es eine Nummer zu groß ist, habe ich ein blaues, sehr einfach gehaltenes Kleid gekauft, welches 80% herunter gesetzt war. Habe noch knapp 20 Euro gezahlt.
Hier sind ein paar Fotos vor einem dreckigen Spiegel. Die Schuhe gehören nicht dazu. Den Gürtel habe ich herum gebunden. (Ignoriert mein blasses Gesicht, wie gesagt, mir war nicht wohl.) 




Danke auch für die Tipps in den Kommentaren vom gestrigen Blogeintrag: Maxi-Kleider sind bei mir recht kompliziert. Immerhin bin ich ja nicht einmal 1,60m - oft schlürfen lange Kleider bei mir am Boden herum oder stauchen meinen kurzen Oberkörper noch mehr... =(
Dieses Kleid geht knapp über die Knie, mit einer Strumpfhose wird es sicherlich gehen. (Das sage ich jetzt in naiver Hoffnung.)
Für weitere Tipps bezüglich einer leichten Jacke wäre ich sehr dankbar. Denkt ihr ein kurzes, schwarzes Jäckchen wäre ausreichend? Oder vielleicht ein helleres blau als Farbtupfer?


Danach ging die Reise in einen Trachtenladen. Mein Bruder wollte eine neue Lederhose kaufen, doch fand keine, die ihm gefiel und passte.
Mein persönliches Highlight des Tages war selbstverständlich der Künstlerbedarfladen. Ein anderer als geplant, aber dieses hat sogar ein schöneres Angebot. Die Ausbeute war groß. Und das, obwohl ich mich nachweislich zusammengerissen habe. (Mein Bruder war genervt von meinem "Nee, das bringe ich doch lieber zurück" und "oder das Billigere?")

Die Ausbeute kann man hier sehen:


Ein Block für Acrylmalerei, ein paar 3D-Stifte (nein, ich weigere mich 'Pens' zu schreiben), zwei Kisten zum Bemalen, eine Schere, zwei Malmesser, Farben zum Ausprobieren und Nachfüllen des alten Bestandes, Firniss, ein Pinsel, eine Palette und - ganz neu eingetroffene - Acryl-farbstifte (auch hier weigere ich mich 'paint marker' zu schreiben ^_~), auf die ich mich besonders freue. Zwar habe ich mich einmal vergriffen, denn ich wollte einmal blau und einmal lila (habe nun einmal lilac und violett), doch das passt schon. Kann es kaum abwarten alles aus zu probieren.


Danke für's Lesen und eure Ausdauer.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Kleid

Morgen werden mein Bruder und ich einkaufen fahren. Da zwei Bekannte von uns Ende August heiraten werden, das Geschenk schon bereit steht, muss noch das passende Outfit her. Am Liebsten wären ihr zwar traditionell bayrische Trachten, doch Anzüge und Kleider gehen selbstverständlich auch. Das Problem ist: In meinem Kleiderschrank befindet sich weder noch. Na gut, ein Dirndl habe ich schon, nur passt mir dieses nicht mehr.
Mein Bruder bräuchte nur ein Trachtenhemd, der Rest verweilt bei uns im Schrank. Doch ich möchte mir nicht zwingend ein neues Dirndl kaufen, weil ich es ja ohnehin nie anziehe. Auf Volksfeste oder in dazugehörigen Zelten traue ich mich nicht einmal mit Angstlösern. Billig sind sie ja auch nicht.
Auf der anderen Seite: Kleider ziehe ich auch so selten an, dass ich nicht einmal wusste, ob ich welche habe. Jetzt habe ich 70 Euro zusammen aus meiner Spardose zusammengekratzt, die eigentlich für meine Zahnbehandlungen gedacht sind.

Prinzipiell befürchte ich einfach, dass ich aus Gründen des Geizes ("Mit dem Geld könnte ich etwas Brauchbares kaufen"), aus Scham ("Das Kleid ist zu kurz. Meine Beine sehen furchtbar aus.") oder aus Konsequenz von erlerntem Verhalten ("Für mich sind Kleider provokativ. Es macht mir Angst, mich so zu entblößen.") Sicherlich sind alle Optionen Unsinn, doch Angst bleibt wohl bestehen.
Jedenfalls werde ich berichten.
(Außerdem haben wir uns vorgenommen, noch zum Künstlerbedarfsmarkt und Asialaden zu fahren. Das wird aber eher davon abhängig gemacht, ob wir die erste Mission bewältigen. Vielleicht macht mein Bruder diese Läden auch eher zum Anreiz dazu, dass ich überhaupt in die S-Bahn steige. ^_~)

Danach gehen wir noch die Arbeitskollegin meines Bruders besuchen. Ihr Geburstag war zwar bereits am Wochenende, doch sie hatte sich eine bemalte Kiste gewünscht. Mein Bruder hat es mir leider recht spät mitgeteilt, trotzdem bin ich zufrieden mit dem Resultat:

 
Gefüllt haben wir sie noch mit ein paar Pralinen. Falls wir noch essen gehen sollten, wird mein Bruder sie sicherlich auch einladen, wenn sie das möchte.
Oh je, der Tag morgen könnte anstrengend werden. Aber welcher Tag ist es derzeit nicht?

Dienstag, 21. Juli 2015

So viel zu (Perspektive)

[Triggerwarnung]

Wie soll ich es denn erklären?
Es fühlt sich einfach so an als hätten sie schon so viele Jahre meines Lebens genommen und dieser sich wiederholende Zirkel würde nie abbrechen. Tag um Tag ist es das Selbe, seit Jahren. Schweißperlen auf der Stirn von Alpträumen, schmerzhafte Atemlosigkeit aus Angst - ich weiß nicht, ich weiß nicht, was ich noch sagen soll.

Über die Armlehne der Couch gebeugt, weine ich der Wand direkt entgegen. Dies ist nicht das, wovon Mami gesprochen hat; keine naive Jugendliebe, kein schüchternder Austausch von Blicken und ersten Küssen. Es tut schrecklich weh, Mami. Was rettest du mich nicht, Papi? 
"Hör auf. Bitte hör doch auf. Ich sage auch keinem was, auch nicht von den letzten Malen. Hör bitte auf.", erstickt von Tränen, eher geflüstert wie ein Gebet.
"Ach, dir gefällt das doch. Und was soll deine Familie auch von dir denken? Kleine Schlampe, dies ist alles, für was du gut bist." 
Die Muster der Tapete ändern sich. Tote Katzen und Blut auf den Dächern, für manche geht es zügiger vorüber als für andere. Wie bin ich hier her gekommen, Mami? Bin ich wirklich nur zur Benutzung gut, Papi? Wo ist Liebe, Vertrauen und Intimität? Weiß ich eigentlich, was diese Worte bedeuten? 
Plötzlich reißt er meinen Kopf an den Haaren nach hinten. Schmutzige, doch bekannte Phrasen betreten meine Ohren ("Fühlst du wie tief ich in dir stecke?"), schon damals das Gleiche ("Du bist so eng."), abartig gewöhnlich für eine 12-Jährige ("Bist du bereit? Ich komme gleich.")
Ich noch immer stumm, noch immer wehrlos - er wird schneller und unbedachter bis er seinen Höhepunkt erreichte. Mit Kondom, das muss man ihm lassen, er hatte immer ein Kondom benutzt. Noch einmal schlägt er kurz auf meinen Hintern, macht eine unbedeutende Aussage, die von meinem Schniefen und Schluchzen übertönt wird.
So fühlt sich Kälte an, Einsamkeit, endlose Leere und Traurigkeit. Dies ist das Gefühl benutzt zu sein und weggeworfen zu werden. Müll. Das ist, wie ich mich fühle.


Immerhin wird man zu den Geheimnissen, die man nicht ausspricht. Vor ein paar Monaten hat dies eine Therapeutin zu mir gesagt. Wen dies aber der Wahrheit entspricht, sind wir nicht alle kaputt und unvollständig? Worte gewichtigen mein Ego nicht, nur meinen Umgang mit diesem. Denn auch allein, im Buchstabenmeer ertrinkend, bin ich nicht mehr als das, wie man micht sieht. Eine Selbstperseptive habe ich ja nicht (mehr?).
Bitte lasse diese Erinnerungen vergehen. Mir fehlt die Kraft zu ertragen, gar zu verarbeiten.

Das Telefon klingelte. Mein Vater trank am Küchentisch, Bier und Goldkrone - aus der Region soll es kommen, unser familärer Untergang und der Zünder zur Aggression. 
Zaghaft tapse ich zum Hörer. Eine Schulkameradin ist am anderen Ende der Leitung. Allerdings möchte sie nicht über Hausaufgaben reden, sondern nur quatschen. Mein Vater mag es nicht. An seinen Augen kann ich es erkennen. Mit Notlügen versuche ich das Mädchen ab zu wimmeln, doch legte er auf als sie meinen Vater im Hintergrund rief "Jetzt leg das verdammte Telefon weg." 
Ihr Name war Heike. Danach rief sie mich nie wieder an. Wofür ich dankbar sein sollte, den mein Vater war wütend. Ich würde sein Geld zum Fenster rausschmeißen, alles nur machen, um ihn zu Grunde zu richten und genau so sein wie meine Mutter. Nicht oft schlug er mir ins Gesicht, doch dieses Mal tat er es. Vertrauter Schmerz, dumpfes Brummen - Angst in den Knochen wie ein Tier bei der Hatz. Hier laufen mir keine Tränen mehr über die Wangen. Das hebe ich mir für später ein, wenn die Schreie vergehen. Die Erniedrigungen und Verleumdnungen. Geh auf meinem Kopf raus, Papa. Es tut weh, es tut so furchtbar weh, was du, was ihr, mit mir macht. So soll es nicht sein, Papa, so darf es nicht sein. Mama ist nicht mehr hier, wie kann ich sein wie sie?

Karma ist Gesetz. Irgendwann wird sie euch vor der Haustür begrüßen. Bitte seid darauf vorbereitet.
Mehr als ich es bin. Mehr als ich für meine Schande gerade stehen kann.
Was soll ich noch sagen?  

Dienstag, 14. Juli 2015

14.7.2015

Abgesehen davon, dass ich zu einer der Menschen geworden bin, die ich niemals sein wollte - nämlich ein ständig auf Geld konzentrierendes, penibel darauf versteiftes Kleinkind - habe ich heute mit meinem Psychologen über meine derzeitige Problematik gesprochen und mich nach seiner Meinung erkundigt, wieder arbeiten zu gehen. Seine eher ernüchternden Erwiderungen reichten von "Bisher steigen Sie doch nicht einmal in die S-Bahn" bis "Bei Ihrem letzten Arbeitgeber haben sie T61 gestohlen und waren danach einige Wochen im Spital.". Kurzum: Er hält es derzeit für keine gute Idee. Jedoch macht es keinen Unterschied, denn in meinem Kopf funktionieren vorsorgliche Sicherheitsmaßnahmen nicht. Friss oder stirb, es ist nicht so als hätte ich tatsächlich die Wahl. Wer das Geld zum Fressen nicht hat, wird wohl auf fern oder lang sterben. Nicht, dass dies das Traurige dabei wäre.
Natürlich habe ich darauf verzichtet von den Eskapaden der letzten Tage zu berichten. Möchte ja kein Öl ins Feuer gießen, ihn in irgendeiner Form bestätigen erst recht nicht. Mein Körper schmerzt, "alles psychosomatisch", meinte er nur kurz - verschrieb mir trotzdem die gewohnte Dosis Schleierhaftigkeit. Alleine in der Apotheke abholen kann ich es nicht. Lächerlich wie ich mich wie eh und je verhalte. Wahrscheinlich hat er Recht: Wie soll man mit jemandem zusammen arbeiten, wenn man nicht spricht, sich nicht in einem Raum mit ihm aufhalten kann,... Aber nein! So weit möchte ich nicht gehen! Wenn man so anfängt zu denken, glaubt man es letztendlich auch. Es geht nicht anders. Irgendetwas muss ich tun. Muss. Muss. Muss. Muss. Es geht nicht anders.
Mein Kopf schmerzt, mein Darm und mein Magen genauso. Aber es muss. Alles muss irgendwie. 
Am 27. habe ich erneut einen Termin bei ihm. Zusammen mit meinem Bruder; wenn ich ihm die Sitaution schildere, glaubt er mir anscheinend nicht ausreichend.


Nebensächlich, aber themenrelevant: Die Freundin meines Bruders ist eine hinterhältige Schlange. Ganz im Allgemeinen. Lästert unentwegt über mich bei meinem Bruder. Egal, wie oft er sagt, dass sie es lassen soll. (Das ist, was er sagt, dass er tut. Ob es der Wahrheit entspricht, ist eine andere Sache.) Er soll mich rausschmeißen, er wäre zu sozial. Sie hätte alles ganz anders gemacht, sie hätte ihre Geschwister gar nicht erst aufgenommen, ihnen niemals Geld gegeben, welches sie nicht wieder sehen wird. Ein Leben ohne mich wäre ein besseres. (Ehrlich gesagt, gebe ich ihr nicht unbedingt Unrecht. Eher geht es darum, dass sie zu immer so wahnsinnig freundlich und heiter erscheint.)
Es macht mich wütend, nicht nur sie und die Situation. Derzeit macht mich alles wütend Das sind die Folgen der Frustration, oder?
Traurig bin ich auch, das mehr noch als wütend. Wenigstens manche Dinge ändern sich nicht.

Montag, 13. Juli 2015

Fehlende Substanz

[Könnte triggern.]

Kalte Lippen begrüßen den Nacken. Geflüsterte Worte von Lust und Gier füllen die Ohren. Wie gefroren fühle ich mich, erstarrt vor Angst vor dem, was ich weiß, was folgen würde
Du warst immer zu groß, zu stark, zu uneinsichtig, zu empathilos. Wer bin ich schon? Wer bin ich schon?
Deine rechte Hand, die eben noch meine Hüfte hielt, umschlingt nun meine Kehle. Der eiserne Griff, der jeden Schrei und jedes Erbitten um Gnade im Keim erstickt: "Du bist nichts.", sagst du ruhig, doch entschlossen resolut. "Mache keinen Mucks, damit ich dich benutzen kann."
Schmutzig, schmutzig - wie die Wände aus Gestein. Meine Hände gebunden zum Gebet, nur keinen Augenkontakt mit dem Monster. Selbst das Nichts, zu dem ich wurde, kann dies nicht ertragen. Nichts sehen, nicht hören, nicht fühlen, nicht sprechen - niemals nur einen Ton von mir. Du grunzt schon laut genug, Monster. Sogar dein Freund am anderen Ende des Zimmers, unbeleuchtet und nah entfernt, ein Kiechern wird zum Lachen. Er darf später auch, nicht wahr? Wenn du soweit bist, Monster, mit deinem hundeähnlichen Knurren. Die Zähne weiß strahlend. Setzt an zum ersten Stoß; dieser Schmerz ist grausam unvergleichlich. (Bitte lass mich gehen. Bitte lass mich frei. / Niemand kann dich hören, Nichts.) Wie weit weg kann ich verschwinden, wenn es sich anfühlt, als würdest du mit einem Messer in meine Gemärmutter stoßen? Fick dich, Monster. Eines Tages töte ich dich. Du wirst für alles büßen.

Jahre später kommen Fragen. Nutzlos für jemanden, der den Laut der Worte nicht kennt. Kein Vertrauen zu Niemanden, als wäre es etwas Neues. Auch die Alpträume sind nicht neu. Schlaf halt nicht, du nutzloses Nichts. So findest du Zeit für ein Gedicht, welches dich angeblich reinigen soll. Irgendwann, irgendwann bestimmt - irgendwo erscheint Leben.
Fickt euch alle, ihr Ignoranten, Schläger und dreckige Vergewaltiger. Nehmt die Kindheit und werft sie weg! Versteht ihr? Macht damit, was ihr wollt. Nur weil ich nicht hier her gehöre, heißt es nicht, ich könne mich nicht anpassen. Ich bin auch nur ein Ignorant, Schläger und Vergewaltiger, denn ich ficke die Hilfe, die niemals ganz bei mir ankommt. Diese Welt soll brennen. Eines Tages, eines Tages - die Monster werden in Asche vergehen und auch ich werde endlich sterben.

Ich bin wütend, weil ich infiziert bin. Voller Gift, voller Schadstoffe. Und es tut mir leid, dass ich es nicht geschafft habe, der Versuchung zu widerstehen. Die Klinge liegt noch immer neben mir, glänzt verherrlichend auf das Gewissen, welches ich erst wieder in Gebrauch nehme, wenn die Wirkung des Alkohols nachlässt. Entwässerung und chirurgische Entfernung - alles muss raus aus mir. Dieser Schmerz, die Hilflosigkeit, die Verzweiflung. WIR SIND MONSTER. Ich bin nicht besser als ER. Als Niemand. Ich bin NICHTS. Zu viel davon, zu wenig von dem anderen. Wo sind die Krücken?
Oh fuck, ich bin wirklich betrunkener als ich es sein sollte. 
Scheiß drauf, ich brauch ne Knarre und blase einfach alles weg.

[Versagt. Nach gut 6 Monaten ohne Schneiden, ohne Alkohol und ohne Fressanfall zeigt die Straße wieder in Richtung Dunkelheit. Meine Frustration hat mich eingeholt. Nun bin ich genauso köpervoll wie seelenleer.]

Sonntag, 12. Juli 2015

Hätten wir uns gekannt?

Viel zu oft wache ich mitten in der Nacht aus einem dunklen Traum gerissen auf und sehe die zwei Geschwisterchen, die meine Mutter vor Jahrzehnten abtreiben ließ. Es verfolgt mich, obwohl sie schon vor meinem Leben aus ihren schieden. Sie waren schon fort bevor ich zu einem Ich wurde.
Es erschwert die Lage, denn wir haben so viel Zeit nicht miteinander gebracht, in der wir hätten mehr als Fremde sein können.
Die Tage sind schon früh auf seltsame Weise an mir vorüber gezogen. Schon damals rümpfte man die Nase und verbeitete, was für ein eigenartiges Kind ich sei - spielte ja mit zwei imaginären Geschwistern, von denen ich nichts wusste. Doch sie fragten ja auch nie, halfen ja auch nie .

Hätten wir uns gekannt? Hätten wir uns geliebt?
Selbst diese Fragen symbolisieren Einsamkeit. So ist das Leben eben, versuche ich mir ein zu reden.
Nur wenn sie mich ansehen, mich anstarren - durch mich durch in Leere und Vergessenheit, suche ich nach Akzeptanz vom Tod.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Oberfläche

Träume wie Eierschalen zertreten,
süße, himmlische Hölle.
Giftigkeit und Doppelzüngigkeit,
deutlich klare Rebelion
in großzügiker Verschwendung.
Eisig abgekühlte Mentalität,
zerlaufenden Eiskrem-Zunge,
unbewegliche Permafrost-Lungen
und endlos leere Augen, die
direkt durch Van Gogh hindurch sehen.
Niemals zurückweichen,
niemals zucken oder wanken.
Wie Bluthunde riechen sie Angst
und Unsicherheit.
Auf den Gesichtern sind Sonnen
in Nichtigkeit untergangen,
nun müssen sie funktionieren.
Stund um Stund,
Tag um Tag.
Die Straßen haben Löcher
in den Ozean gerissen,
so zerstört sich Schönheit,
die keiner mehr erkennt.
Roboter-Bewegung,
abgemessen und programmiert. 

[Ich sah euch an,
mehr an euch vorbei,
zu euch hin,
doch fühlte mich
unmenschlicher 
als zuvor.]

Dienstag, 7. Juli 2015

Kein Geld

Die Mieten werden nächsten Monat steigen.
Pflichtbewusst habe ich dies dem Amt gemeldet. Immerhin muss man ja über alles Bescheid geben, sie bezahlen ja auch meine Eu-Rente.
Die Verzweiflung ist groß.
Das Antwortschreiben, früher eingetroffen als vermutet, ließ nur verlauten, dass sie nur den gleichen Betrag wie vor der Mieterhöhung übernehmen werden und mir auch kein Wohngeld zusteht, weil ich nur in einem halben Zimmer wohne. (Es würde ohnehin keine 1-Raum-Wohnungen in dieser Gegend geben.)
Mein Herz stolpert unregelmäßig. Das Schwein rät mir, einfach nur weiter tief ein und aus zu atmen. Das Blickfeld verschwimmt. Es ist die Angst, die Erinnerungen und Weltschmerz in mir weckt.
Ein Ende naht, nur kann ich nicht bestimmen, welches - oder wessen.
Kein Geld - inzwischen verhallen diese zwei Worte wie eine Drohung. Nieder-Mensch, nicht so signifikant für die Gesellschaft, Abfall - man wird hier ja auch vorgeführt.
Wie es weiter gehen soll, weiß ich nicht. Erstmal den nächsten Arzttermin abwarten. Mit ihm wollte ich ja über das Wiederaufnehmen eines Berufes reden.
Angst. Panik. Sorge. Flashbacks. (Bin nicht in der Lage, ein Leben zu führen.)
Der Rest vergeht in Dissoziationen.

Montag, 6. Juli 2015

Deklassierung

"Irgendwann werden wir so paranoid, dass wir hinter jedem Fremden einen Feind sehen."
"Werden?"
Meine Bekannte schaut mir für einen kurzen Moment entsetzt engegen, doch dann lächelt sie und sagt:
"Naja, manche von uns müssen es noch werden."

Mittwoch, 1. Juli 2015

Du

Es 3:25 Uhr nachts, oder morgens - je nachdem wie man es sieht. Zu Mindest sind es 25 Minuten nach der Hoffnung auf Schlaf.

Statt dessen singe ich ein Lied für die Wände und ziehe die Sterne vom Himmel, um auch die finstersten Ecken dieses Zimmerst zu erhellen.
Statt dessen schreibe ich deinen Namen in großen, kursiven Buchstaben wie das Flüstern eines Geheimnisses. Denn nachdem ich mein Herz an die Decke befestigt habe, fiel mir erneut ein, dass dieses Leben wunderschön sein kann.
Statt dessen schreibe ich Listen von den Dingen, die ich dir noch sagen möchte; Listen von einhundertundzwei Arten dich zu erinnern, wie sehr ich dich schätze und ich doch noch mmer sprach- und atemlos bin.

Statt dessen denke ich daran, wie du redest, die Luft zwischen deinen Händen formst und erweichst; wie ein Maler, der ohne Farben und Pinsel auskommt. Daran, wie du beim Zuhören so angestengt da sitzt, dass du erfroren erscheinst, wie die Intention in deinen Augen mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück führt. Wie du es schaffst, dass schwarz-weiße Diskussionen zu lächerlichen Cowboy-Witzen werden. Wie deine vernarben Finger selbst das Zerblichste aller Dinge halten können.

Statt dessen schwimme ich durch Gedanken, die ich nicht beschreiben kann. Zum Beispiel das du der Einzige bist, der mich auf die Idee bringt, dass ein Herz aus zu husten schmerzloch sein muss. Genau wie die Spinne ihr Netz webt, verharre ich in den Schnurren des Vertrauens, ohne einen einzelnen Zweifel: Stolperst du auf offener Straße, werde ich alles tun, um deine Beine und Jeans zu retten. Glaube, blinder Glaube an diesen Bund, war nie ein bewussteres Wort für mich. Manchmal fühlen sich Umarmungen wie das Ende der Welt an.

Anstatt zu schlafen, denke ich an dich.
Das heißt wohl, dass ich wache, doch irgendwie nur träume.