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Samstag, 29. August 2015

Geheimnise, die ich in Büchern hinterlegen hätte sollen

Eins:
Meine Persönlichkeit habe ich schon oft ausgetauscht, noch mehr lediglich saniert.  Das Gleiche gilt wohl auch für mein Herz, meine Seele und mein Leben.
Das Einzige, in dem ich es nicht schaffe, auch nur einen Funken Willen und Zeit zu investieren, ist meine Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken.

Zwei:
Mein Herz trugt ein "Nicht betreten - Lebensgefahr!"-Schild um sich, doch gab es immer mal wieder jemanden, der nicht lesen konnte. Immerhin schlug mein Herz niemals für jemanden anderes, nicht für mich, nur für es selbst.

Drei:
Meine Mutter sagte einmal in einem recht angetrunkenen, vielleicht auch durch Tabletten benebelten, Zustand, dass sie meinen Schatten mehr lieben könne als mich. Bis heute weiß ich nicht, was sie damit meinte. Doch auf der anderen Seite glaube ich, genau so zu denken.

Vier.
Früher versprach man mir oft unvergessliche Freude und Glück.
Wenn dies eines der Beiden ist, möchte ich lieber vergessen.

Fünf:
Als mir mal ein Junge zuflüsterte: "Wir werden zusammen die Sterne erreichen", dachte ich nicht, dass er da die fallenden unter ihnen meinte.

Sechs:
Manchmal versuche ich, mich wach zu halten, um keine Alpträume zu haben.
Manchmal versuche ich zu schlafen, um den Alpträumen in meinem Kopf zu entkommen.
Nichts von dem funktioniert.

Sieben:
Eines gebe ich zu: Liebe habe ich nie verdient. Dafür braucht man ein gewisses Maß Selbstlosigkeit und fürsorglicher Hoffnung, mehr noch als dies; geben konnte ich dieses jedoch zu keiner Person, die ich in meinem Leben traff.

Acht:
Es gab mal eine Zeit in meinem Leben, in der ich meinen Namen auf meine Hand schreiben musste, um bei der Frage danach nicht mit "Ich bin Niemand" zuantworten.

Neun:
Ein Vorkommnis, welches meine Angst vor der Berufswahl ins Unermesslich gestärkt hatte, war bei einer Berufsberatung des Jobcenters. Da muss ich ungefähr 15-16 Jahre alt gewesen sein. Die Dame vor mir fragte, welche Talente ich hätte. Ich sagte, ich habe keine. Sie fragte darauf, in welchem Beruf ich mich sehen könnte. Ich sagte, solche visuellen Fähigkeiten hätte ich nicht. Sie wirkte genervt, fast schon abwertend, und fragte mich erneut, was ich denn mit meinem Leben machten möchte. Der Ehrlichkeit Willen flüsterte ich, ich würde gerne Texte schreiben, die Menschhen das Herz brechen und zum Fühlen anregen.
Unbeeindruckt von meiner Aussagte motzte sie: "Sie können so viel mehr."
Seitdem fühlte ich mich noch weniger.

Zehn:
Schon mehrere von einander unabhängige Personen machten darauf aufmerksam, dass ich mich zu häufig entschuldigen würde. Dies ist inzwischen schon zur Normalität geworden. So sehr, dass ich manchmal nicht einmal weiß, für was ich mich entschuldige.

Elf:
Nicht oft erzählte ich meinem Vater von meinen Träumen. Doch an ein Mal kann ich mich erinnern: Er lachte leise auf und deklarierte es als Unsinn. Daraufhin wollte ich von ihm wissen, was er aus seinen Träumen mache. Seine Antwort kam rasch: "Ich schmeiße sie in den Müll, wo sie hin gehören."
Danach fragte ich mich selbst unaufhörlich, ob ich da nicht eigentlich auch hin gehören würde.

Zwölf:
Das ist die Geschichte, wie ich für ein Jahr Hausverbot beim Aldi bekam: Gott war ein einfacher Verbraucher. Er stand bei den Milchprodukten, hielt einen Joghurt in der Hand. Da stand ich nun, völlig perplex in meinem kaputten Jogginganzug und meinen alten Schuhen.
"Wo bist du gewesen?", fragte ich ihn,
"Ich war doch schon die ganze Zeit hier. Du hast bloß nicht genau hingeschaut.", sagte er. Wir unterhielten uns bis mich zwei Polizisten aus dem Geschäft führten. Man hat tatsächlich die Polizei gerufen und Gott abführen lassen.
In der Klinik machte man mir allerdings recht zügig klar, dass dies nicht Gott war, sondern der neue Azubi. Prinzipiell macht es keinen Unterschied, nur, dass ich es nicht mehr schaffe, alleine einkaufen zu gehen.

Dreizehn:
Es gibt ganze Tage, die ich - gegebenfalls willig oder eben nicht - verträumen kann. Niemand kennt mich so wie das Schwein. Die reale Welt hat sich von mir abgekapselt, andersum genau so.

Donnerstag, 27. August 2015

Hochzeit und andere Sorgen

Nicht oft passiert es mir, dass ich einen Blogeintrag mit dem Satz "Eigentlich weiß ich gar nicht, was ich sagen soll" beginne. Immerhin hinterlässt dies meist erstauntes Raunen, denn warum scheibe ich überhaupt? Gerechtfertigterweise, muss ich dazu sagen. Zum persönlichen Horror-Thema Hochzeit gibt es viel zu sagen, doch eigentlich nichts. Nichts Veränderndes, nichts Erleuchtendes, nichts Neues - im Prinzip.
Kurz gesagt, war es ein langer, angsterfüllter Tag. Sehr anstrengend im Sinne von "bloß nicht gesehen werden". Die Braut war wunderschön; herrliches Kleid und sehr extravaganter Schmuck im Haar. Allerdings waren 160 (plus Kinder) Gäste da, was mich schon ziemlich fertig gemacht hatte. Die Band war auch sehr erpicht darauf, alle in Spielen und Traditionen zu intergrieren. Wahrscheinlich brauche ich nicht zu erwähnen, dass mein Bruder und ich immer plötzlich verschwunden waren, wenn zu den Spielen aufgerufen wurden.
Bei einer unseren "Ausflüge" habe ich Selfies gemacht, hauptsächlich von uns Zweien zusammen. Hier sind aber zwei Bilder von mir, einfach weil ich sonst nichts habe, was ich ungefragt verbreiten darf: (Außerdem mache ich mir selten die Haare, ist also ein besonderer Anlass.)



Weitere Highlights:
  • Man sagte mir, mein Gesicht wäre nicht bayrisch und meine Augen "zu blau". Daraufhin erwiderte ich nur leise: "Vielleicht sind meine Augen zu blau, weil ich nicht aus Bayern bin."
    Bisher wusste ich nicht, dass man Bayern mit dunklen Augen assoziert. Man lernt nie aus.
  • Keine neue Erkenntnis: Auch bei der Hochzeit musste ich feststellen, dass ich die Freundin meines Bruders nicht sonderlich mag. Eigentlich sollten sie, mein Bruder und ich am 'Arbeitskollegen'-Tisch sitzen. Doch da auch der Abteilungsleiter saß, wollte sie auf Teufel komm' raus nicht dort sitzen. Wochen (!!) vorher beschwerte sie sich bei der Braut, dass sie dort nicht sitzen können. Gut, wir wurden zum 'Freunde`-Tisch verfrachtet, wo wir letztendlich keinen kannten. Naja, das war nicht alles: Ein paar Stunden in die Feier hinein - mein Bruder ist gerade draußen - springt sie wie gestochen auf, sagt kein Wort und setzt sich an den Kollegen-Tisch, direkt (!!!!) neben den Abteilungsleiter, den sie vorher so mies machte. Mein Bruder kam wieder und jemand vom anderen Tisch kam zu uns und meinte, er wäre geschickt worden von der Freundin meines Bruders, wir sollten doch auch rüber kommen. Hätte sie das nicht auch zu mir sagen können? Wir haben gleich nebeneinander gesessen...
    Letztendlich hatte sie sich den gesamten Abend noch mit dem Abteilungsleiter und seiner Frau unterhalten. 
  • Laktosefreies und glutenfreies Essen sind in der deutschen Küche schwer kombinierbar. Gut, dass ich es vorher schon nicht mochte.
  • Ich komme nicht damit klar, wenn große Menschen sich zu kleineren, erwachsenen Menschen herunter beugen. 
  • Inmitten bayrischer Landschaft gibt es keine HotSpots. 
  • Wir sind früher gefahren als die meisten Kinderlosen. 
  • Seitdem wir zu Hause fahren, habe ich die Wohnung nicht mehr verlassen.
  • Derzeit schlage ich mich mit einem gemischten Gefühl von Wertlosigkeit und schlichter Beziehungsunfähigkeit herum.
So viele Worte und nichts gesagt.
Gemischte Gefühle überall.
Ich gehe jetzt abswaschen.

Montag, 24. August 2015

Ab und an

An manchen Tagen scheine ich Jedermanns Missbilligung zu sein.
Da ist nichts als ein Seufzen zwischen meinen Augen.

(Demnächst werde ich noch ein Résumé über die Hochzeit am Wochenende schreiben. Gerade fühle ich mich noch zu... entfernt, wenn das Sinn macht.)

Freitag, 21. August 2015

Fressen

Ich hasse diese Tage, an denen ich nur Müll in mich hinein stopfe; nur um einen einzigen Grund gerecht zu werden: Endlich ist es genauso abartig in mir drin wie ich mich ohnehin schon fühle.
Die Finger stecken in der Kehle sobald das schlechte Gewissen einsetzt. Es ist widerlich. Ich bin widerlich.
All das hier - die Scherben einer jämmerlichen Existenz - ist widerlich.
Habe gestern von meinem Psychiater eine Depot-Spritze Dapotum bekommen. Leider kann ich mich nicht erinnern, was gestern war - mein Bruder hat mich wohl hingebracht. Die letzten Tage schon war ich "wie verrückt", über-nervös und ängstlich, konnte kaum noch mit jemanden kommunizieren als mit dem Schwein und Nummer 2. Dissoziationen, ein Frosch am Himmel, Flashbacks, der Wolf wird von der Maus erlegt.

Doch zugegeben ... es geht mir wieder besser. Bis auf die Fresserei, versteht sich.
Der Gedanke an die Hochzeit morgen arbeitet mich hinab. Ok, das bin ich selbst, aber es geht tief.
Tief in Richtung Kloschüssel - 11x allein heute - allerdings ist der Tag noch nicht vorbei. Selbst für mich nicht Gewohnheit.
Was mit mir nicht stimmt?
Das Schwein stimmt mit mir nicht.
Diese Gedanken stimmen mit mir nicht.
Dieses Leben stimmt mit mir nicht.

Donnerstag, 20. August 2015

Nicht real

Fasziniert von der Erforschung des Nichts erinnert er sich unweigerlich an die Zeit, die er mit Gott zusammen verbracht hat. Einer trug Schrammen an den Ellbogen, der andere auf den Knien - und es macht keinen Unterschied, wer gemeint ist. Gegenüberliegende Bahnhofsgassen gefüllt mit überfluttenden Worten, die niemals ans Ziel führen können.
Immerhin regnete es ausschließlich auf ihn, niemals auf Gott - der steht ja darüber. Als würde er daran ersticken, am Leben zu sein: Das Atmen lieben, doch Lungen hassen. Gib ihnen einen Abschiedskuss, ihm und Gott, doch nicht sich gegenseitig. Körperlicher Totalausfall; mathematisch groß genug, um den Himmel zu beinhalten. Maßgenau 3,2 Mal so viel.
Denn sein Körper ist nicht real, und doch existiert er in ihm. Berührt sein in eine Welt, in der man nichts berühren kann. Nur in Hoffnung und Glaube. Oh, oder spricht er hier von Gott?

Seine Finge fangen an zu zittern, weil Worte, die in ihm schlummerten, erwachten und hinaus in eine Gesellschaft wollten, die sich tauber stellen als sie Unmut ertragen wollten. In Kalifornien hat es auch nicht geregnet.
Er versucht ruhig und gleichmäßig zu atmen, doch dann fällt ihm auf, dass dies nicht real sein kann. Genau wie grenzwertige Gedichte und polemische Prosa - ohne Fundament und Bekenntnis. Bitte, Regen, spül' ihn fort, umgreife ihn vollkommen. Wasche ihn ab bis unter all dem Schmerz und der Wut wieder ein Mensch erscheint.
Objektive Kritik an die Kreation schließt ein "Was zur Hölle mache ich hier eigentlich?" nun einmal mit ein. Er knüpft Freundschaftsarmbänder aus leblosen Körpern und Geschlechtern, die sich gegenseitig lieben dürfen sollten.

Sein Moralpredigt ist nicht real, doch wünscht er sich, er könnte etwas reparieren.

Dienstag, 18. August 2015

Gebet

Verwickelt in des Himmels vergoldete Lügen;
du versuchst du schlafen,
doch schluckst Zerfall
und tausend parfümuerte Versprechen.

Du bist Lauffeuer,
ungezähmt und wild,
manchmal sterbend
mit unheilbringendem Gift.
Denn du löst dich so schnell auf
wie du dich formst,
hinterlässt Treibsand und Zellen -
übersähst diesen Salzwasserzustand
planlos, ziellos.

Die Supernova, die den Horizont erhellt,
die Konstellationen in Flammen setzt
mit diesem giergen, unbändigen
Herz;
wenn auch nur ein letzter Schlag. 

Und bin ich auch nicht mehr als
ein simpler Tropfen,
der schlammige Kreise durch
deine trüben Gewässer der Zerstörung zieht.
Nichts mehr als ein dummes Mädchen,
welches versucht deine Dämonen
in den Schlaf zu singen.

Siehst du?
Schaue nur her!
Ich glaube an meine Kraft,
Kontinente zusammenhalten
zu können,
selbst wenn ich auseinander falle.
Auch den Glauben halte ich fest,
den Glauben darin,
deine Seele vom Erodieren zu bewahren
bis ich ausgefranst und verwelkt bin.

Die Augen geschlossen,
das Herz geöffnet.
Betend, ich kann dich von dir befreien.
Betend, ich kann dich befreien.
Betend.

Montag, 17. August 2015

"Frühshoppen"

Er trinkt so
als würde er lediglich versuchen,
etwas zu vergessen.
Jedes Glas fefüllt mit Bedauern,
schüttet sie die Kehle hinab
mit dem Gift von beunruhigender Traurigkeit;
wenigstens diese bleibt für immer. 

Verzweiflung erfasst die Gefäße,
ach, könnte doch nur jeder Schluck
die Krankheit in ihm zu Grunde richten.
Von Glied zu Glied,
jeder manifestierten Stelle,
die nachahmt Liebe zu kennen.
Eine neue unerwünschte Qual
angelegt in glasigen, blutunterlaufenden Augen;
vor Jahren
einmal
mit geballten Fäusten voller Hoffnung.

Er trinkt nur weiter,
immer einen Schluck mehr.
Verwirrt ein durstiges Herz,
verdribt einen wundersamen Kopf.

Prost.

Samstag, 15. August 2015

Bevor sie einstauben

Langsam wird es an der Zeit andere (Haupt)Farben als blau und türkis zu verwenden. Bis dahin präsentiere ich lediglich, was ich habe. So vertreibe ich mir die Zeit bis zur Hochzeit nächsten Samstag, die mir mehr Kummer und Sorgen bereitet als sie sollte. Ja gut, aber nicht nachdenken, einfach nicht dran denken. 





Freitag, 14. August 2015

Seelenkrebs

Gerade fragte ich mich, ob es für manche Menschen einfach unmöglich ist, dauerhaft glücklich zu sein. Wie eine pathologische Festsetzung im Gehirn - oder wo auch immer -, welche die richtige Hormonverschüttung verhindert.
Mir ist bewusst, dass meine Art die Welt zu erleben, nicht formgemäß ist. Es ist schlichtweg nicht der Standard, dass man über Jahre hinweg immer von dem gleichen Scheiß faselt. Selbst nach zahllosen Therapien, Klinikbesuchen, Eingliederungsversuchen widerholt sich jeder Vorgang erneut und erneut. In meinen Tagebüchern halte ich es fest, kann jedes Jahr nachvollziehen. Selbst hier im Blog kehren nach Monaten Leser zurück und hinterließen Kommentare wie zum Beispiel: "Oh, es ist schade, dass es dir immer noch nicht besser geht" oder "Traurig, dass sich  bei dir nichts zum Besseren gewendet hat."
Vom ganzen Herzen freue ich mich, dass es ihnen besser geht - doch mich habe ich inzwischen mehr und mehr aufgegeben. Es gibt keinen Grund, so unglücklich und verharrend zu sein außer knallharte Konditionierung aus früheren Jahren. Einerseits ist es bitterlich, andererseits schlichtweg ermüdend. Ich möchte selbst behaupten, dass ich emotionall stetig dem Tod entgegen gewandt bin, obwohl ich kein Prinzip von Leben und Tod habe. Ob das überhaupt einen Sinn ergibt? Vielleicht liegt es in der Unfähigkeit, Freude aus zu kosten und dem gleichzeitigem Talent, 10 Tabletten auf einmal schlucken zu können. Gerne würde ich weinen, auch wenn es meinen Blickwinkel nicht erhellen könnte. Da sind jedoch keine Tränen. Hier drinnen - inmitten meines Kopfes und meiner Brust - befinden sich nur Angst.

Beim Durchwühlen von Nachrichten bei Facebook ist mir erneut aufgefallen, dass mein (zweiter) Bruder sich seit dem 25.12.2014 nicht mehr bei mir gemeldet hat. An sich wäre dies auch vertretbar, wenn er mir wenigstens einen Grunf nennen würde. Fünf Nachrichten und einen Brief habe ich ihm in der Zwischenzeit geschrieben. Ja, ich bin ziemlich lächerlich und destruktiv verzweifelt.
Sogar eine Freundin von ihm hat mich angeschrieben und gefragt, wie es ihm geht oder ob was passiert wäre. Es schmerzte mich sehr, dass ich antworten musste, ich wisse nicht, was mein Bruder die letzten acht Monate gemacht hat.
Vielleicht ist er genauso deprimiert wie ich und zieht sich sozial vollkommen zurück. Vielleicht plant er seinen Suizid wie ich ihn - mehrmals und wiederholt - geplant habe. Vielleicht hat er so viel Stress mit seinem Studium, dass er während der Vorlesungsfreien-Zeit zu erschöpft ist. Vielleicht will er auch einfach nicht mehr mit irgendwas konfrontiert werden, was "früher" einmal war.
Ich weiß nicht. Prinzipiell weiß ich nichts. Ich bin nur unendlich traurig und erfüllt von Sehnsucht. So versuche ich mich in den Schütz meines Zimmers zu hüllen wie in einem Kokon, verstecke die hässlichen Geheimnisse zwischen Erbrochenen und Blut an den Beinen.

Der Bahnhof ist ein gefährlicher Ort. Damit meine ich unterstrichen nicht die Flüchtlinge, die hier täglich zu Hunderten einfahren. Die Gefahr liegt im Übermaß der Selbstbeherrschung und den warnenden Blick der Sicherheitsangestellten, die ich benötige, um mich den Gleisen fern zu halten. Zugegeben: Vor Fremdem, derren Augen auch den Willen zu Überleben verloren haben, möchte ich auch nich sprngen. Nur rufen die Stimmen in meinem Kopf so laut, dass ich fremde Schreie nicht mehr hören kann.
Manche würden es vielleicht mit "Emotionale Instabilität" betiteln, doch ich nenne es Seelenkrebs. Der konstante Selbsthass und den niemals-endenen Wunsch nach einem Ende, so oder so, ich traumatisiere mich selbst. Doch hier sitze ich und schreibe, lese, schlafe, esse und suhle mich in Fehlern. Finde Entschuldigungen und Ausreden, um Niemanden ins Gesicht blicken zu müssen, anstelle, dass ich einfach tiefer schneide, die Stuhl unter mir wegtrete, all diese Pillen auf einmal nehme oder wieder springe, dieses Mal von etwas höher - hoch, hoch, von ganz Weit oben, dass die Engel mich noch schuppsen können. 
Denn ich hasse mich selbst, habe Panik vor allem Anderen und möchte sterben, doch kann nichts dagegen (oder eben dafür) tun.

(Interpretiert diesen Text nicht über. Nur... ich bin sehr, sehr traurig, immer sehr traurig.)

Donnerstag, 13. August 2015

Interpretation

"Was soll man Gutes wahrnehmen können, wenn man das Gegenteil nicht kennt?", sprach der mir fremde Passagier in der S-Bahn zu seiner jungen Tochter. Neugierig wachsam schaute sie zu ihm auf, sagte jedoch nichts Weiteres.

Das in einer Stadt, in der die Menschen sich so wenig umeinander kümmern, sich nicht kennen und nicht zueinander stehen wollen... Vielleicht bin ich einfach zu boshaft scheinfromm in meiner nimmer-endenen Frustration, doch die vermeintlich zum Nachdenken anregenden Worte des Vaters erinnern mich auf schmerzhafte Art und Weise daran, dass mir - gerade zu dieser Zeit und jederzeit - eindringlich gezeigt wird, wie sehr ich hassen kann, und nicht wie sehr ich lieben könnte.

Dienstag, 11. August 2015

"Ein Herz steht dir sicher gut"

Meine Mutter sagte, dass ich mein Herz gut tragen würde.
Ich antwortete ihr, ich würde es überhaupt nicht tragen.
Bis heute bin ich mir nicht sicher, ob sie weiß, was ich meinte,
oder ob ich heute das Gleiche meine als damals.

Samstag, 8. August 2015

Gewinn"spiel"-Ankündigung

Auch wenn meine Einträge in letzter Zeit etwas zähflüssiger als gewöhnlich veröffentlicht werden, wollte ich ankündigen, dass ich bald meinen 100. Post schreibe. Dafür wird es wieder ein kleines Gewinnspiel geben, bei dem man ein selbstgemaltes Bild gewinnen kann.Für Einzelheiten war mein Gehirn noch nicht funktionsfähig genug, aber da dies erst der 988. Post ist, habe ich noch ein wenig Zeit. =)

Freitag, 7. August 2015

Wecker

Es befand sich ein Wecker auf meinem Herzen:
Entweder klingelte er nie zur rechten Zeit
oder Liebe war immer zu stumm für mich.

Mittwoch, 5. August 2015

Lieber Jugendschwarm

Lieber Jugendschwarm,

du hast oft im Schatten des riesigen Baumes in der Nachbarschaft gesessen. Geschützt vor der Sonne, die dir sonst wohl die Haut verbrannt hätte. Als ich noch ein wenig jünger war, kletterten meine Cousine und ich immer auf diesem Baum herum - so blieben auch viele Erinnerungen an ihm hängen.
Einmal nur hast du in meine Richtung geschaut - zwischen den sicheren Schutz der Blätter hindurch - als ich auffällig unauffällig immer genau diesen Weg entlang ging, obwohl es auf andere Weise wohl kürzer gewesen wäre.
Kurzerhand drehte ich mich verlegen weg, steckte die Hände in die Hosentaschen und ging weiter. Dies war die einzige Chance, die ich je hatte, mit dir auch nur zu reden. Als du auf standest, um freudig einen Freund zu umarmen, war dies mein Zeichen, von dannen zu ziehen. Nun - vertan war wohl vertan.

Gestern erschienst du mir blass und weitläufig, ein spindeldünner Zweig, mit dieser Art Eleganz, die einfach nicht aufpasst. Pharmazeutisch, müsste ich ein Wort finden, um dich zu beschreiben, wäre es wohl dieses.
Deine Hüften fielen auffällig hin und her als wäre deine gesamte Grundlegung instabil. Peinlich berührt zwang ich meine Augen von dir zu lassen, wusste inzwischen ohnehin nicht mehr, was ich eigentlich wollte. Warst du gelangweilt oder einsam? Womöglich Beides. Ein Teil von mir wollte glauben, dass wir uns hier wieder sahen, um uns ein Lächeln zu schenken. Die Wahrheit aber ist, dass ich nur eine Wassermelone kaufen wollte. Dementsprechend schmucklos gekleidet: Plötzlich kam ich mir zu unauffällig vor, zu durchsichtig wie Folie. Doch hätte ich mich wohl auch in einem brandneuem Kleid und Designer-Schuhen hässlich gefühlt, was prinzipiell ja auch keinen Unterschied gemacht hätte. Nur damals trafen sich unsere Blicke, danach nie wieder. So gingst du also wieder deine Wege, ich wieder meine. Mit der naiven Hoffnung, eines Tages jemanden zu treffen, der meine Aufmerksamkeit auf die gleiche Art und Weise auf sich lenkt wie du. Nur schwöre ich, werde ich dann versuchen zu atmen, zu blinzeln; werde versuchen mutig zu sein, wenn Unbekannt und ich uns treffen. Vielleicht kenne ich auch den Namen dieser Person, oder muss mich nicht auf Zehenspitzen stellen, um seinen Kinnansatz zu sehen. Ich werde lächeln, denn ich bin mir sicher, dass du mich nur nie gesehen hast, weil ich dir nie gezeigt habe, wie ich sein kann - freundlich, ansprechbar, irgendwie menschlich. Nach den dunklen Augenringen auf deiner Haut zu urteilen, ist dies ein Geschenk, welches dir zu selten gemacht wurde.

Lieber Jugendschwarm, bitte verzeih' meine Feigheit und mein Enthalten. Du hast so viel mehr verdient. Auch von der Ferne aus gesehen, bist du wunderschön für mich. Hoffentlich weißt du das.

In Liebe,
Emaschi

Dienstag, 4. August 2015

Molche

Mein Bruder und ich gehen spazieren und laufen an einem der vier ortansässigen Kindergärten vorbei. An einem großen Schild bleiben wir stehen. Es liest: "Die Molche müssen weichen", groß als auffällige Überschrift. Zusammengefasst geht es darum, dass der Spielplatz ausgebaut wird und dafür ein kleiner, angelegter Teich, in dem bis zu 100 Molche leben, weichen muss.
Irgendein schnell verletzter Teil in mir weicht wohl auch. Oft kam ich hier her, um die Molche zu sehen, ansonsten gibt es hier kaum noch Grünflächen - jeder Zentimeter wurde in den letzten 5 Jahren abgerissen und neu aufgebaut.
Genervt dreht mein Bruder die Augen und sagt: "Es ist ja nun nicht so als wären Bergmolche vom Aussterben bedroht." Woraufhin ich nur mit "Menschen aber auch nicht" erwidern konnte.

Bisher wollte ich den Gedanken nicht wahr haben, oder er ist mir einfach noch nicht in den Sinn gekommen. Dieser Dauerhaftigkeit meines deprimierten Lebens verdanke ich vielleicht nicht ausschließlich meine krankhaft negativen Grundeinstellung, sondern womöglich auch an dieser Örtlichkeit liegt. Massenhaft maßloser Menschen, die in ihrer Gier nach Besitz und Reichtum, alles Erachtenswerte in Beton eingießen. Unfreundlichkeit und Anonymität wie man es früher nur aus Filmen kannte, ist der Alltag. Alles, was mich damals hier her zog, nachdem mein Vater mir herausschmiss, ist verloren gegangen oder im Keim erstickt worden.
Sicherlich war ich immer ein sehr verstörtes Kind und traumatisierter Jugendlicher, aber in den letzten Jahren gab es keine Woche, keine einzige, in der es mir einfach nur gut ging, andauernd durch die sieben Tage hindurch. Meint ihr, es liegt daran, dass ich die Geschehnisse von früher damals noch nicht verarbeitet hat, dass sie noch zu akut waren?

Redet hier meine Sozialphobie?
Ach, es macht mich krank. Wortwörtlich. Meine ganzen Wehwehs und "neuen" physischen Beschwerden entwickelte ich erst seit zwei Jahren. Bereits jetzt verzweifle ich daran. Kann ich nicht so denken wie jeder andere auch? "Molche? Was interessieren mich Molche?", das sind die Reaktionen im Netz. Warum denke ich nicht so? Was stimmt mit mir nicht, dass das erste, was mir durch den Kopf schießt "Warum ist der Mensch so verkommen, dass jedes 'niedere Leben' als wertlos erachtet wird"? Warum werde ich die einzige sein, die in einem halben Jahr dort spielende Kinder sieht und einen Stich Traurigkeit in der Brust fühlt? (Nebenbei möchte ich dazu sagen, dass der Kindergarten auch einfach umziehen und den Tümpel in Ruhe lassen könnte - dann wäre aber "die Lage nicht mehr ideal")

Die kleinen Bergmolche, ich werde sie vermissen.
Bald ist hier alles zugebaut für Büroflächen und Eigentumswohnungen, die sich nur Menschen leisten können, die das Leben eines Molches womöglich ohnehin nicht zu schätzen wissen.

(Ich will hier raus.)

Sonntag, 2. August 2015

Langsam, dann überwältigend

Von den Armen der Panik fest umschlungen,
streicht sie ihre Finger sanft durch mein Haar.
Sie lehnt sich zu mir herunter, flüstert:
"Du bist alles, was ich jemals wollte."


Mikro-unterbewusste Gedanken
zittern und vibrieren im Rhythmus
des nervösen Herzens,
immer wachsend und größer-werdend
mit jedem Zucken:
"Aber ich habe solche Angst."

Ein Grinsen fährt über ihr Gesicht.
"Ganz genau."

Samstag, 1. August 2015

Knochen einer Meerjungfrau

Nur versteckt sie einen Ozean aus Zähnen unter ihrer Schuppen,
zwischen dem verbotenem Geschmack von Salz
und dem Gewicht eines Maßbandes.
Denn diese Nummern drücken Sauerstoffblasen durch ihr Blut,
durch ihr verrottenes Zahnfleisch.
Im Worte fluchend auf dieses Geisterschiff,
welches ihrer Form nach ausgeplündert und ausgeraubt wird,
nicht so ganz gegen ihren Willen.
Gesprochen von Fischen, die von Erbärmlichkeit sprechen,
von der Unwürde Luft durch die Kiemen zu pressen.
Tief unten im Meer aus Bedauern
und Ignoranz.
"Du bist ein Wal", sagten die Fische,
so versuchte  die Fischknochen, zerbrechlich wie Zahnstocher,
aus der Hülle heraus zu brechen,
damit jeder sehen konnte, jeder erahnen konnte,
jeder seinen Wunsch erfüllen konnte, sie stranden zu sehen.
Anstelle von einanander gereihten Buchstaben, die
"Nein" lauten lassen,
vergräbt sie sich hinter Sanburgen, manchmal auch darunter.
(Selbst beim erstem Rendez-Vous sucht sie die Quallenarm-Nudeln von ihrem Teller.
Es ähnelte der Pupertät.)
"Du sollst nun dotiert werden, mit einer Austern-Sammlung mit Perlenkette,
die sich lastig um deine Kehle drückt
wie eine Schlinge.",
fuhren die Fische dort.
Wehren konnte sie sich nicht, denn sie war stumm
von den Haken durch ihren Lippen.
Wenigstens konnte sie so auch nicht mehr essen,
jeden Tag ein Stück näher dem Tod rücken.
(Ein Oxymoron: Im Sauerstoff ertrinken.
Auf eine nicht so offensichtliche Weise auch:
Hungern für Freiheit.
Schreien, um gesehen zu werden.)

Sollten Menschen sich in deinen Gewässern verirren,
sie von den Gezeiten zupfen, um sie auf zu schlitzen
und hinein zu sehen,
werden sie nur sagen, sie wäre nicht ausreichend,
zu wenig, um sie zu ernähren.
Als wäre - nun, so ist es womöglich auch -
ihr Körper ein Ding, an dem sie sich übersättigen könnten,
ihre unermässliche Gier befriedigen könnten.
Sie atmeten Ekel als sie in den Algen verschwand,
in der Tiefe versteckt,
damit sie die kleinsten Wellen dieser Erde schlagen könnte.
Menschen zogen weiter,
für größere Fänge, die selbst das weite Meer irgendwann nicht mehr geben kann.
(Inzwischen verwechselt sie sich selbst mit einem Buckelwal;
nicht wegen seiner Schönheit und Kraft,
nicht wegen seinem Gesang oder seiner langsamen, bekümmerten Anmut,
sondern wegen dem Buckel der Blastung auf ihrem Rücken.
Während Fisch und Mensch nichts als Anforderungen und Lust auf sie werfen,
ihr befehlen, sie müsse ihren engen Definitionen und Reuevorstellungen
gerecht werden.
Dies ist der steinige Weg, der beschreibt,
wie ein Körper zur Munition wird:
Sie versucht ihren Herzschlag zu töten
ohne schamlos evident zu sein.
Worte schmerzen, doch nichts ist so furchtbar leer und befreiend
wie das Auslassen der einen und der nächsten Mahlzeit,
grausam schön, ein Strand erichtet aus all den Sorgen,
die sie als Einziges stets zu sich nahm.
Hier wächst das Geheimnis und das eigene Versprechen,
kleiner zu werden,
um sie von sich zu pressen,
alles, was einmal gewesen war, unter einem übergroßen Kleidungsstück
verschwinden zu lassen.
(Selten hört sie noch die wahren Lieder,
Echos im Blauen,
die durch ihre Knoche in ihre Seele sinken;
nur realisiert sie nicht, dass es nicht die Wale,
sondern die kleinen Krebstiere im Sand sind, die
ihr die Fährten zurück nach Hause legen.)

Wenn der Hunger unerträglich wird,
hält sie große Muscheln an ihr Ohr
und versucht zu hören.
Versucht zu hören,
ob in ihr noch ein anderer Ozean schwimmt.
(Eines Tages wird sie es hören,
die verrückten Wellen, die von Leben schreien,
und sie wird in einem Körper
wieder geboren werden,
der niemals falsch war.)