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Mittwoch, 25. November 2015

Befremdlich

Die Kontaktliste in ihrem Telefon ist voller Leute, die sie niemals anruft.
So bemüht sie sich nicht im Bus zu weinen, damit kein Fremder merkt, in welcher Gefahr sie sich befindet.
Um selbst (be)fremd(lich) zu sein und zu bleiben, bemalte sie ihre Haut grau. Denn nur so würde keiner bemerken, wenn sie langsam verblasst. In der Abwesenheit von Farbe wurde sie nichts als eine lebende Erinnerung.

Sonntag, 22. November 2015

Eine sich ständig wiederholende Geschichte aus meinem Leben?

Bekannte: "Hast du denn schon ein Geschenk für K. ihren Geburtstag?"
Emaschi: "Ja, habe ich letztens beim Kaufhof gekauft und noch was Kleines dazu gebastelt."
Bekannte: "Was ziehst du denn dann zur Feier an? Wegen der ganzen Kinder sollte es ja nicht zu formelles sein, oder?"
Emaschi: "Mmmmhh... erm... welche Feier?"
Bekannte: "Na die Feier zu K.s 30.; die Einladungen hat die letzte Woche verteilt."
Emaschi: "Oh."
Bekannte: "Oh."


Das ist nicht das erste Mal, dass ich so eine Art Gespräch führe.

Dienstag, 17. November 2015

Weihnachtskarten?

Vielleicht scheint es stimmungsmäßig unpassend, doch wollte ich erfragen, ob ihr dieses Weihnachten wieder Lust auf eine Grußkarten-Aktion habt? (Wie im letzten Jahr bastel ich wieder Karten selbst und versende sie so anonym es möglich ist; ihr müsstet mir nur eine Adresse per Mail schreiben, aber nicht einmal euren Usernamen, wenn ihr das nicht wünscht).
Wenn auch verfrüht, muss ich jetzt fragen, weil ich noch Materialien einkaufen müsste. Allerdings ist mit der Aktivitäts-Rüclgang auf Blogger natürlich aufgefallen, daher möchte ich sicher gehen.

Freitag, 13. November 2015

Wie einmal Peinlichkeit beim Orthopäden

(Mögliche Triggergefahr)

Die Frustration in mir löst sich langsam. Wandelt es um in altbekannte, nie wirklich verdrungene Traurigkeit und Verzweiflung. Vielleicht hätte ich es wissen müssen, wenigstens erahnen; immerhin übertönt die Angst all das, was sich Hoffnung in Detailarbeit aufgebaut hatte - aus Streichhölzern in einem Windsturm.

Gerade komme ich vom Orthopäden. Da bei meinem ersten Termin nichts gefunden wurde, ging ich wegen meiner andauernden Schmerzen doch noch einmal hin. Den letzten Arzt mochte ich recht gern, konnte ja nicht so schlimm werden.
Der Weg dorthin war schon nervenaufreibend. Zu viele Autos, immer sehe ich Julian. Zu viele Menschen, immer sehe ich Vergangenheit. Es machte mir Angst zu laufen, schon zu atmen und zu sehen.
Irgendwann, doch durchaus pünktlich, betrat ich die Praxis, die überfüllt war. Wahrscheinlich bringt es mir nicht viel, zu erwähnen, dass es keinen Sinn gemacht hatte, einen Termin zu vereinbaren, weil ohnehin jeder nach der Reihe aufgerufen wurde - zwei Stunden lang flogen Namen umher, Menschen tuschelten und redeten neben mir, vor mir, hinter mir. Schweißperlen tropften mir vom Gesicht, doch meine Hände und Füße waren kalt. Die Pflanze in der Ecke des Zimmers starrte mich an. Als Einzige sieht sie irgendwie glücklich aus, ungeplagt von Sorgen und Wirbelsäulensyndromen.

Nach einiger Zeit gelangte ich also in das Behandlungszimmer. Aber moment einmal.... das ist doch kein Behandlungszimmer? Das Herz fing an wie wielt zu klopfen. Die Sprechstundenhilfe drückte mich mit sanfter Gewalt in das "Verbandszimmer", denn "alle anderen Zimmer seien belegt". Der Arzt würde gleich kommen.
Eine Liege befand sich in der Mitte, fast schon glorreich beängstigend mit einer unterschwelligen Macht. Drumherum medizinische Materialien Scheren, Spritzen, Kanlülen, Skalpelle, Wellen aus Kälte und Wellen aus Wärme durchzogen meinen Körper. Der Geruch war steril, genau wie in dem Behandlungszimmer damals als ich beim Frauenarzt genä.... Nein, nicht dort hin. Nein, das war lange her, vielleicht bilde ich es mir ein. So erwas passiert nun einmal. Nicht daran denken, es ist schwer genug im Jetzt zu bleiben.
Einfach weiter atmen - du die Nase ein, durch die Nase aus. Nur nicht denken, das ist wichtig.
Als der Arzt das Zimmer betrat, steckte mir die Luft in der Kehle fest. Es war nicht der selbe Arzt, der mich das letzte Mal untersucht hat. Das machte mich nervös, sehr sogar. Unerwartete Veränderungen verarbeite ich allgemein schlecht, so plötzlich war es mir schier unmöglich auch nur Hallo zu sagen. Zugegebenermaßen sah er "nett" aus, welches nicht als Beleidigung gedeutet werden soll.
Wahrscheinlich war er auch nett, sehr verständlich und behutsam, doch die Angst war wie eh und je das Einzige, was ich kannte. Er fragte falsche Fragen, nicht nur knieirrelevant, sondern auch triggernd. Unaufhörlich fragte er Fragen, obwohl er nicht einmal eine Antwort auf alles bekam.


"Was arbeiten Sie, Frau Emaschi?"
"Ich... also... ich bin... berentnert."
Geschockt und überrascht schaute er zu mir.
"Wieso das denn?"
"Ermm.... wegen... naja.. psychischer Probleme."
"Was sind das für Probleme?"
"Mmmhhh... verschiedene.."
"Wie?"
"Depressionen, Ängste, posttraumatische Belastungsstörung."
Habe ich das gerade wirklich gesagt gehabt? Was stimmt mit mir eigentlich nicht? Wieder ist mir kalt und heiß, etwas schwindelig. Bin verängstigt wie ein Tier.
"Was für ein Trauma war denn das, dass man in ihrem Alte berentnert wird?"
"...."
"War das dann etwas im engeren Familienrkeis, oder?"
"....."
Bilder in meinem Kopf. Die Angst, so groß und übermächtig. Hier sollte ich weg. Möchte fliehen, rennen und mich verstecken. Mich auf ewige Zeiten verkriechen. Es tat weh. Seine Fragen taten weh, die einzelnen Fetzen taten weh. Doch ich müsste durch die Masse an wartenden Patienten rennen, an vier-fünf Helferinnen vorbei und das ohne Hose.
Dieses Gefühl ausgeliefert zu sein, ist das Zerbrechenste. Leicht bekleidet auf einer Liege, von oben herab schien falsches Neonlicht, welches sich Zentimeter um Zentimeter durch die Seele frisst. Hände - Hände!! Seine Hände zwischen den Schenkeln - bitte aufhören! Berührungen nahmen mir die Luft zum Atmen, ein Stück meiner wieder-erworbenen Zurechnungsfähigkeit.

"Ist alles in Ordnung?"
"Nicht ... so richtig", sagte ich. Meine Stimme muss gezittert haben. Er ließ mich los. Legte seine Hände an meinen Oberarm. Mit einem Lächeln sagte er:
"Bitte schön weiter atmen. Ich muss mir das andere Knie noch anschauen."

"Wollen Sie nicht irgendwas machen? Ist Ihnen nicht den ganzen Tag langweilig?"
"..."
"Haben Sie denn Hobbies?"
"...."
"Aber Sie müssen doch Freunde haben?"
"...."
"Einen Freund?"
"..."
"Familie?"
"Mein Bruder ist schon da."

Meine Erinnerung wird ab diesem Zeitpunkt gedrungen. Jedenfalls solte ich mich für den Guinnes-Buch-Rekord-Eintrag im phenomenal schnellen Anziehen von Hosen bewerben. Viel mehr ist in der Praxis nicht passiert. Er schrieb mir eine Überweisung für ein MRT und freut sich darauf, dieses für mich aus zu werten. Der fremde Arzt. Nicht einmal vorgestellt hat er sich. Oder vielleicht doch, es könnte unter Umständen doch passiert sein.

Dissoziationen auf dem Weg nach Hause. Entweder war es geträumt oder ein Auto hat mich fast mitgenommen. Julian... 

Ich weiß nicht, was ich mit meinem Leben je machen soll, wenn ich nich einmal simple Alltäglichkeiten wie einen Arztbesuch hinbekomme...

Montag, 9. November 2015

Neue bemalte Kleinigkeiten

Die jetztigen Kisten bemale ich schon für Weihnachtsgeschenke. Da muss ich mir wohl merken, nichts größeres zu kaufen, damit es auch hinein passt. ^_~



Die Seetiere sind aus Fimo
Die Muscheln sind echt, der Seestern aus Fimo

Panda auch aus Fimo

Eine alte Ikea-Schüssel



Samstag, 7. November 2015

Nur ein Lächeln

Ich habe Schiffe aus Rauch
zum Horizont fliegen sehen,
das Mondlicht auf der
Spitze meiner Zunge
schmecken können
und
habe Lieder von den
dunkelsten Tiefen meiner Ohren
erschallen hören.

Das Einzige, was ich mir
noch sehnlichst wünsche,
ist das Geistes-Lächeln
von der einen Person,
die sich wahrer Freund nennt.

(Ich würde alles geben,
um nur einen Blick
von seinem sterbendem Licht
zu erhaschen
bevor auch er
verschwindet.)

Freitag, 6. November 2015

Mutter

Inzwischen habe ich es aufgegeben mit Menschen über meine Mutter zu sprechen. Ohne tatsächliches Verständnis oder nötiges Hintergrundwissen hagelt es plötzlich Vorwürfe und Ausreden von allen Seiten. Sie verrsuchen zu rechtfertigen, was sie nicht getan hat und erträglich zu reden, was sie getan hat. Aus dem Nichts überrennen mich "aber"s und "wie kannst du nur?"s - als wäre ich nie dabei gewesen.
Doch versteht mich nicht falsch. Nachvollziehen kann ich diese Leute schon: Wer möchte schon über eine Mutter hören, die ihre Kinder nicht liebt?

Mittwoch, 4. November 2015

Ritual

"Hast du etwa auch Angst davor, etwas zu essen?", fragt mich die Freundin meines Bruders entsetzt. Ihr Blick spiegelt Unverständnis vermischt mit herablassendem Ekel wider.
"Nein, vor dem Essen habe ich keine Angst", antworte ich wahrheitsgetreu. Was weiß sie schon davon? - würde ich gerne sagen, doch schweige, wahrscheinlich aus schierer Gewohnheit.
"Wovor hast du dann Angst?"
Und dies frage ich mich so oft, unverhofft und verletzlich. Leichter zu beantworten wäre wohl die Frage, wovor ich keine Angst habe, oder nicht mehr. Es ist dieses erdrückende Gefühl bei jedem Bissen die Kontrolle zu verlieren. Mit immer diesem Hätte, Würde, Könnte im Nacken, wie ein Egel, der sich festsaugt und nie mehr los zu lassen scheint. Eigentlich möchte ich alles, was vor meiner Nase ist, weil ich weiß, dass mir nichts davon zu steht. Ich habe Angst nicht mehr aufhören zu können, denn zu gerne würde ich alles in mich hineinstopfen - dort in die leeren, unendlich schwarzen Stellen, in denen Geborgenheit herrschen sollte; Liebe, sogar, obwohl ich nicht soweit gehen möchte.
Das macht micht so hungrig. Prinzipiell bin ich immer hungrig, hungrig nach Leben, nach Vergessen, hungrig nach Freiheit. Jeden einzelnen Tag, schon seit Jahren, bin ich hungrig und unerfüllt, unersättlich.
Wenn ich einmal die Beherrschung verlieren sollte, könnte es kein Halten mehr geben. Wenn ich jetzt einknicke, könnte ich die haltende, wenn auch betrügerische, Substanz in meinem Leben verlieren - und essen, essen, essen - bis ich platze. Gleich meiner Würde, gleich meinem Dasein.
"Ich weiß es nicht", antworte ich nicht wahrheitsgetreu. Starre auf dem halben Apfel in meiner Hand, zerschneide ihn sorgfältig und lege die einzelnen Teile auf meinen Teller.

Mein Ritual.
Mein Elixier der Genugtuung, weil es sonst nichts gibt. Nichts von Außen, nichts von Innen.