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Samstag, 30. April 2016

Tagebuchgelüster - 15.+17.01.2008

Sie kann sich nicht öffnen.
Jeden Tag aufs Neue.
Die Heuchler haben sie getötet.
Jeden Tag aufs Neue.
Ein Leben. Ein Ableben.
Ihr Herz hat sie verlassen. Ihr eigenes Herz.
~14.01.2008


Lasst mich sterben während ich an diese Lüge glaube. Ich kann keinen Tag mehr mit der Wahrheit leben.
Hört mein Flehen!
~17.01.2008




Sonntag, 17. April 2016

"Weil andere haben es schwerer"

Ja, ist schon recht; ich weiß, ich weiß: Andere haben es schwerer als ich. Andere hatten es schwerer als ich. Andere werden es immer schwerer haben als ich.
"Höre einfach auf, traurig zu sein. Lass es sein, ängstlich zu sein."
Depression ist was für Opfer, genau wie falsches Bedauern.
Panikstörung? Was für ein Witz! Ich muss bloß aufhören, versagen zu müssen.
Stimmen im Kopf? Halluzinationen? Was für eine verrückte, erfundene Geschichte.
"Schätzchen, du bist lächerlich. Jetzt erhebe die Klinge fort von deiner Haut. So kannst du kein Mitleid erregen, du Möchtegern!"
Wie könnte ich auch die Sorge gewinnen lassen? Nicht für Aufmerksamkeit oder falschen Zuspruch, jedenfalls. Auf jeden Fall.
Denn suizid ist dämlich - und eine Sünde. Dies darf nicht übersehen werden.
"Antworte, Schatz, antworte! Warum ignorierst du meine Hilfsversuche?"
Ich verzeihe dir deine Unwissenheit, bitte verzeihe meinen Schmerz. Es tut mir leid, dass andere es schwerer haben, dass sie mehr ausharren und aushalten müssen. Hätte ich doch nur früher gewusst, dass dies nicht Verrückheit, sondern Schuldzuweisung ist.
Was macht es schon?
Was bedeutet es schon?
Wo liegt hier der Unrerschied?
Es lösen sich Tabletten in meinem Magen auf und schwarze Krähen kreisen über meinem Schädel. Diese Verzweiflung und dieser Selbsthass zerfließen einfach nicht unter ihnen.
Doch ich sollte lächeln, immer lächeln, denn andere haben es so viel schwerer.

Donnerstag, 14. April 2016

Vermissen in Jahrzehnten

Inzwischen vermisse ich Julian so lange, dass Zeit sich in Leichensäcke verformt.
'20 Jahre', flüstere ich dem Schwein zu. Kein Tag macht einen Unterschied.
Selbst dem Psychiater sagte ich heute wagemutig: "Es ist nur so, dass ich all zu gerne tot wäre ohne vorher sterben zu müssen. Julians Tod erinnert mich daran; denn dieser war nicht kampflos."
Eine Pause zum Atmen folgt. Die Standard Suizid-Fragen à la  'Wie genau sind Ihre Planungen?' lässt er bewusst aus. Immerhin bin ich solche gewohnt, immerhin weiß ich, was ich sagen müsste/sollte.
"Womöglich waren wir Magneten. Seitdem er fort ist, fehlt mein gegenteiliger Körper. Stetig fühle ich quasi diesen Zug in seine Richtung. Diese Kraft, die immer fordert und reißt. In mir schlummert etwas, das an diese Welt fest hält, doch es ähnelt lediglich einem schwachen Seufzer.", zynisch schnaufe ich auf.
Für keine Sekunde schaue ich dem Arzt in die Augen. Könnte seinem Blick ohnehin nicht standhalten. Könnte nicht ertragen all das auf zu saugen, was er nicht sagen kann.
"Ich vermisse ihn. Prinzipiell ist dies alles, was ich sagen wollte."

Dienstag, 12. April 2016

Vergehen

Einer Person, die auf den Tod wartet, fällt es schwer, geduldig zu sein.

Samstag, 2. April 2016

Ins Grab

Gott enterbte mich am Tag meines 18. Geburtstages.
Mit seiner Spucke auf meinem Nacken und den Worten "keines meiner Kinder".
Er warf mich vor die Stufen des Hasses; ungewollt, ungeliebt, austauschbar.
So wurde ich zum Sohn seiner Wut, zur Tochter seiner Liebe.

(Dabei erwarte ich nicht, dass dies hier jemand versteht.
Es ist nur... ich hasse mich gerade, in diesem Moment, so unbeschreiblich selbst, dass ich nicht weiß, ob ich jemals wieder Sonne erblicken kann.)

Freitag, 1. April 2016

Warten wie die Dämmerung

Wir haben noch nicht damit begonnen, alt zu werden.
Doch haben wir schon gerunzelte Stirnpartien, Armbanduhren-Blicke und wartend-wissende Nasenspitzen, die auf Versprechungen und Verheißungen warten.

Wir haben noch nicht damit begonnen, uns nieder zu knien.
Doch der Kopf ist in Verzweiflung in Richtung Hände gesunken. Sollten die nassen Augen auch nie im Angesichts dieses Götzenbildnises trocknen, beten die Stimmen; betteln nach dieser drei-Worte-Melodie. Hauptsache in Ehrlichkeit, ohne versteckte Klauseln oder dem gefürchtetem "So habe ich das nicht gemeint".

Formen sind alles, wonach wir bitten. Sind sie auch blind so wie wir ans Kreuze des Sündigers genagelt werden, aus Träumen gemacht.