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Mittwoch, 29. Juni 2016

Augenscheinlich höchstwahrscheinlich

In Sack und Asche schmorend
bist du das Martyrium des Wohnzimmers,
angekettet an das Sofa -
jaulend.

Hinter verschlossenen Augen
wächst der Unmut
wie angepriesenes Gemüse,
welches auf einem Feld mit
Antibiotika-verpestete Scheiße
gedüngt wurde.
Immer etwas zu blass,
immer etwas zu daneben.
Quietschende Schweine
ohne Finger, die auf etwas deuten können.

Mein Beißring, sag' mir,
dass du mich vermissen wirst.
Doch nuckel bitte nicht an
zarten Händen
und verwerfe es als "Liebe".

Erinnerst du dich denn nicht?
Wenn zwei Menschen husten,
haben sie sich angesteckt
an der gleichen Krankheit.
Zwei Geier, die sich
im Anblick dessen
krümmen und zehren,
bedeutet nicht "für immer".

Redigierte Ernnerungen schnell überorüfen:
Verdammt, ich war schon damals ein
auf der Straße stolzierender Versager.
Genau wie du.
Nur habe ich bereits vor
Monaten das Abschiedswort gesprochen.
Wo warst du da bloß?

Dienstag, 28. Juni 2016

Eine halbe Stunde nach einer einzigartigen Traurigkeit


 An falscher Hoffnung festhaltend,
doch greifend nach
mehr als einem aushöhlenden Auf Wiedersehen,
welches weder von Gott
noch von uns
jemals verdaut werden kann.
Sollten wir uns nie wieder begegnen,
wirst du den Rest meiner Knochen
auf dem Friedhof finden,
gefressen von einem Traum.

Ich höre Messer im Wind
und Erde in mir drin.

In Abwesenheit poetischer Zeilen,
wandert Leere in einer
Selektion übersinnlicher Impulse.
Ein zynischer Widerhall des Lachens
der Sonntags-Skelette
in der dunkelsten Ecke
meines Kleiderschranks;
das Sonnenschein-Herz wird in einem
Universum aus Sehnsucht verbrennen.
"Bitte gib mir etwas,
an dem ich mich halten kann",
flüstern wir dem Tod entgegen.

Zittrige Finger ummauern
bunten Landkartenmarkierungen,
die nicht zum Folgen
geschaffen sind.

Wie seltsam es doch ist,
dass die Erinnerung
abgelegte Andenken sowie Anathema
zeitgleich
ausblenden kann.
Sieben Stunden von dem,
was Menschlichkeit umstandslos
sein könnte; hätte sein können.
Um die Feuerstelle
der Zurückgebliebenheit tanzend,
halten wir noch immer die
Arme offen.
Denn diese Balladen aus
Hypochondrie und Insomnia
machten uns grau und müde.

"Bitte teile deine Farben mit mir;
bevor ihre Namen in
Vergessenheit geraten."

Freitag, 17. Juni 2016

Heraufbeschwörung

Der ethische Solipist im Kinderzimmer;
verbaut die Türen mit Schokolade
und Handgranaten.
Er ist die gekrönte König der Asphyxie.
Seine Zuneigung nichts als
lagebedingter Atemstillstand. 
Nichts ist so kompliziert wie es komplex ist.
Doch verliebe dich nicht in tote Küsse,
aus Suiziddronen können keine Martyrer werden.


(Ich habe einen Mann kennen gerlernt und gerade in dem Moment, an dem ich begann ihn zu mögen, schrieb ich ihn mir wieder schlecht(er).)

Donnerstag, 16. Juni 2016

Totenblick

Auf der Bühne des Lebens tanzend;
ein Theater, welches auf ewig spielt.
Die Zerbrechlichkeit der Existenz ist
die Instanz, die uns am Atmen hielt.

Der Puls ist nur des Todes reich.
Der Schatten inmitten von gleißendem Licht.
Nun bitte sage mir, Mensch,
was sind wir in dessen Angesicht?

Mittwoch, 15. Juni 2016

Gleich einer Spritze

  1. Das Allererste, was du über Menschen wissen solltest:
    Sie lernen nie aus, doch wissen nichts.
  2. Schneidet man unsere Köpfe ab, wachsen dort gleich zwei an selber Stelle.
    So machen wir halt ewig weiter; teilen und erobern - gleich welcher Reihenfolge.
    Wir werden so lange unterdrücken bis nichts mehr übrig bleibt außer weit aufgesperrte und gaffende Münder.
    Krächzend und von Speichel umflossen, am Nabel der Krümel eines Imperiums verhungernd.
  3. Mir wurde gesagt, dass Schmerz sich stets wie ein Papierschnitt anfühlt: Schnell vergessen, schnell und vergessen.
    Dies stimmt nicht. Denn eigentlich bleibt nur Vergessen. Schmerz ist das frei-schwingende Bein auf einer Autobahnbrücke. Die zitternden Hände, die eine Flasche Vodka und eine Dose voller Pillen halten. Das Anhalten der Atemluft während der Zug über die Schienen donnert.
  4. Erst wenn man auf dem Boden aufprallt, kann man den Heiligenschein auf seinen Kopf erkennen. Eingebeult und nicht so wie es Hollywood immer umschrieben hat.
  5. Immer noch drehen wir uns unentwegt im Kreis.
    Er sagte, sie sagte.
    Einer hat gewonnen, einer hat verloren.
    Aber... aber... aber..
    (Er hat sie geschlagen, aber sie hatte es ja auch verdient.
    Er hat sie misshandelt, aber sie hatte ihn ja auch provoziert.
    Er hat sie verlassen, aber sie hatte es ja auch ruiniert.)

    Nichts Neues. Nichts Altes.
    Vermisst wird die Kluft dazwischen.
  6. Deine Tragödie ist immer auch die von jemand anderem.
    Wie fühlt es sich an, wenn jede Narbe auf deiner Seele einen identischen Zwilling hat?
    Wie fühlt es sich an, wenn du genau so sterben wirst wie so unsagbar viele vor dir auch; verängstigt und allein?
  7. Wir sind austauschbar. Die Hydra wächst.
    Menschlichkeit zittert wie Espenlaub (sie hat sich wie Judas an ihr aufgehangen).
  8. Trotzdem kann ich's nicht verstehen und ich versuche nur mich zu erinnern, wann und wie es angefangen hat, dass die Verspannungen in meinem Nacken zu einem grässlichen Monster heran wuchsen.