Seiten

Dienstag, 27. Dezember 2016

Skeletterschütterung

Ich hätte mir die Zunge entfernen lassen sollen, denn dann könnte ich wohl immer noch Worte bluten wie in Leere ertrinken. Die Augen kommen danach. Wer möchte schon die Umstände sehen, die einen dazu zwingen, den eigenen Magen zu schmecken?
Der Körper ist noch vollständig, also das Skelett - wenn er sich auch nicht immer so anfühlt. Eigentlich hätte ich wissen sollen, dass etwas nicht stimmt, als die Säure meine Kehle nicht zum brennen brachte.
All die Leute, die keine Knochen haben, kriechen nun immer in meinen Körper, weil sie keinen Ort haben, an dem sie Leben können. Wie ich wünschte, ich könnte ihnen ein gemütlicheres Heim bieten. (Doch Häuser brauchen eine ordentliche Grundierung und stützende Wände; einen Sinn von Schutz. Wer kann sie ohne das vor sich selbst schützen? Wer kann sie ohne das vor mir schützen?)

Direkt vor uns sterben Menschen. Niemanden interessiert das. Was in mir die Frage aufwirft, ob diese angerzogene Empathie-Verarmung genau das ist, was der Tod von uns erwartet. Was soll uns diese Welt, dieses Leben, auch schon geben, wenn wir sie lediglich mit Ignoranz und Fluchtverhalten belustigen? (Übrigens sind weder Handflächen noch Fäuste die Versuchung wert. Es gibt angenehmeres und - Weiß Gott! - schlimmeres.)
Nicht einmal der essgestörte Teil in mir weist noch Kampfessinn auf. Ich bin der klischeehaften Halbherzigkeit von Bekannten sowie Unbekannten leid. Beginnend von "Du wirst schon wieder" bis hin zu "Es ist deine eigene Schuld", repetitiv in meinen Schädel gehämmert: Bis da kein Glaube, kein Verstand, keine Hoffnung mehr auftaucht. Sie sollen ihren gut-gemeinten Rat bei sich behalten, wenn sie gar nicht verstehen, wovon sie reden. (Und ihre Hände! Sie müssen dringend ihre Hände bei sich lassen!)

Es ist unaussprechlich bescheuert, dass ich mich immer frage, woher diese blauen Flecken stammen. Du kannst überfahren werden, du kannst in der Nacht von einem Triebtäter erdrosselt werden, das Dach kann über dir einstürzen - letztendlich machen sie dich immer schuld.
"Sie haben lediglich ein schwaches Bindegewebe", sagt der Arzt über meine blauen Flecken. Es ist seltsam, dass er nicht gesehen hat, dass ich mit das Wort "Hilfe" in die Haut geschnitten habe. Mmmhhh...

Ich fühle Menschen in mir kriechen. (Der Gedanke an Nahrung macht mir Angst.)

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Wollen (Vorsicht, Jammerpost!)

Ich fühle mich... unfestlich. Natürlich ist dies keine große Überraschung.
Gerne würde ich reden, doch weiß nicht mit wem oder über was genau. Mein Herz tut weh. Aber nicht auf die selbe Art und Weise wie früher. Diese Leere, die Gefühlslosgkeit, die so eindringlich und intensiv nichts sind, dass sie einen von Innen her auf zu fressen versuchen.
Ich bin traurig, irgendwie auch nicht - ich bin sicher, dass ich traurig wäre, wenn ich in diesem Moment in der Lage wäre, Traurigkeit zu fühlen. Macht das überhaupt einen Sinn? Möglicherweise ist es eine erneute versteckte Depression, vielleicht ist es das Lithium. (Womöglich weiß ich, dass ich derzeit depressiv wäre, wenn ich nicht Lithium nehmen würde?)

Auf einmal möchte man so viel und zeitgleich nichts. Allerdings ein anderes Nichts als dieses hier. (Man bekommt ja immer nur das, was man nicht möchte.) Ich will mich schneiden, mich kratzen. Möchte hungern oder bis zum Erbrechen kotzen. Ich möchte umarmt werden, obwohl ich weiß, dass ich nichts gemacht hätte, um dies zu verdienen. Einen Schritt alleine nach draußen wagen ohne Panik? Ein Ding der Unmöglichkeit und doch gibt es in mir diese Vorstellung.
Wenn die Menschen doch nur wüssten, dass ich sie nicht vergessen habe, wenn ich sie nicht besuche. Es ist der Gedanke von Menschen umgeben zu sein und immer auf der Hut sein zu müssen, weil irgendwas Schreckliches passiert - immer, ausnahmslos. Diese lähmende Angst hat Besitz von mir ergriffen, vor Jahren schon. Manchmal war sie weniger sichtbar, jedoch selten weniger spürbar.

Ich weiß einfach nicht, was ich hier soll. Wusste es nicht vor vier Jahren, weiß es heute noch weniger. Es ist ein furchtbar egoistischer Gedanke, so unglaublich viel zu wollen und doch Niemanden und Nichts auf dieser Welt etwas zurück schenken zu können. Da ist nichts in mir, was mich abhebt, nichts was ein Verlust wäre, würde man es verlieren.
Bitte verzeiht, doch das Einzige, von dem ich weiß, dass ich es will, ist das Gleiche, was ich die letzten Jahre wollte. Da ist halt nur die Angst.

Freitag, 2. Dezember 2016

Kein Vertrauen

Doch es bricht mir immer wieder das Herz, wenn ich zurück denke und erkenne, dass es einfach keinen interessiert hat, wie es mir geht, was ich fühle und warum; warum ich kein Selbstvertrauen hatte, nicht immer die Wahrheit gesagt habe oder warum in mir nie der Wunsch verging, - noch als Kind - sterben zu wollen.
Auch wenn es so offensichtlich war, dass sie "die Zeichen" gesehen haben mussten: Sie haben weggesehen. Die Ärzte, die Lehrer, die Erwachsenen... Wahrscheinlich war ich der Zeit einfach nicht wert. Den Mühen schon gleich gar nicht.

Zwischenzeitlich hat sicherlich 1-2 Mal Interesse bestanden - ob es vorgetäuscht war, vermag ich nicht zu sagen-, doch dieses verlief schnell im Nichts, wenn die Reaktion nicht nach ihren Wünschen erfolgte.
Sie wollten nicht hinschauen, sie wollten nicht helfen. Ich war ein einsames, gebrochenes Kind und keiner wollte es sehen.
Bis heute kann ich kein Vertrauen fassen.

Ist das nicht ein trauriger Gedanke?