Dienstag, 16. Mai 2017

Prosopagnosie

Schematisch
so habe ich es mir beigebracht,
Gesichter zu erinnern -
als wäre jedes einzelne
eine zerbrechliche Drahtskulptur.

Die Neigung eines Kinns,
die Krümmung der Lippen,
die Ecken zwischen Wangenknochen
und Haarlinien.


Meine eigene Reflektion:
Eine in Dysmorphophobie gewickeltes
Flächenformel,
nicht geschaffen für bunte Farben
auf Leinwand und Holz.
Zwischen biblischen Lehrern
und rachsüchtigen Göttern.
Der Spiegel.

(Erschreckend schmerzhaft erklingt
das Flüsterm
in fremden Sprachen,
welche nur in meinem Kopf existieren
in den ausdruckslosen Fassaden
von Außenstehenden,
die immer
und immer
eine Armlänge vor mir wandern.)

Sonntag, 14. Mai 2017

Augenflimmern

Ein sanftes Plätschern von Regen, der auf die Erde trufft - und du, gebrochen und wunderschön, kannst gelesen werden wie ein offenes Buch, obwohl keiner ein Wort spricht. Wer braucht den schon Wahrheit, die mit Erinnerungen getränkt, wie Pfeile geschossen wird? Fragen sind niemals still.
Deine Dunkelheit ist explosiv. Die rot-weiße Detornation, die Fenster erschüttert und sinnlose Zerstörung hinterlässt, wo einst einmal Türen waren.
Dies ist der Unterschied. Denn meine Dunkelheit ist halb-gefroren in Stille und Einsamkeit, heimtückisch und bösartig. Geboren für Determination: Ein flüsterndes Gift, welches in trockenen, unverzeihlichen Echos resoniert.

Du, flackerne Wimpern und verwundete Brust, liegst in meinen Armen: Erzählst wortlos von Geheimnissen, Verlusten und deckiger Wäsche. Das ist unsere Form die Absolution zu suchen. Altbekannter Herzschmerz um 4 Uhr morgens, und ich? Ich ertrinke in meinen Glückwünschen für dich, Gott und die Welt.

Dies sind keine leeren Räume. Dies sind Folterkammern, in denen sich Schwarz und Schwarz treffen.

Dienstag, 9. Mai 2017

Altschmerz

Verzweifelt wische ich an der Reflektion meines Spiegels; werde aggressiver bei jeder Bewegung meiner Hand. Dort erblicke ich einfach keine Person, die ich kenne.
Da muss doch noch mehr sein...
Es muss doch noch mehr geben...

Diese stets krakelnden, tapsenden Finger haben ihren Zweck überwachsen. Auch ich muss zugeben, dass sich diese Zeilen nur noch zu einen fortwährend eintönigen Rhythmus aneinander reihen lassen. Unterhalb der Oberfläche ist es schonunglos. Wenn es nicht mehr ans Licht getragen wird - wie das goldene Kalb, um das, dass einfach Volk tanzt -, was soll übrig bleiben als Wüstenlandschaft?
Man fängt doch immer erst das Beten an, wenn der Aufzug stehen bleibt und Dunkelheit einen umhüllt. Notfallknopf deaktiviert.
Auch ich bin so, erhoffe inständig, dass es irgendwann mal irgendetwas gibt, dass mich aus meinem Körper, eher noch aus meinem mentalen Gefängnis, heraus transportieren kann. (Ja, auch hier, ich sehe es ein, widerhole ich mich.)  Es geht nicht um den atmosphärischen Druck, sondern um die Schmerrz vor und während des Sturrm, der nicht enden mag. Es ist alles verworren und trächenreich. Wenn man Verzweiflung auch nicht mit Anmut überwinden kann, möchte ich es doch mit einem letzten Rest Würde versuchen.
Manchmal verwechsel ich Stille mit Gnade und dies ist ein sehr gefährlicher Standpunkt. Das denke ich jedenfalls. Denn hier - genau inmitter der Schreie eines verängstigten Kindes im stehengebliebenen Aufzug - befindet sich mein Herz.