Freitag, 1. Juni 2018

Zweifel

I.
Im Bett liegend,
schwer und untauglich:
Der Körper fühlt sich an
wie das Knirschen alter Dielen.
In Dunkelheit werden
federleichte Fußtritte zu
Druckpunkten.

II.
Meinen Stiften und Pinseln
musste ich versprechen, dass
ich keine Versprechen mehr mache.
Denn wer nicht liebt,
hält auch nichts ein.
Wer nicht lebt,
hat nichts zu verlieren.

III.
Dies sind die einzigen Schultern,
auf die dieser Kopf
zu perfekt
passt.
Nach all dieser Zeit,
gemeinsam einsam, 
die Dringlichkeit nach etwas zu suchen,
was direkt an dem Ort sitzt,
an dem es immer gewesen ist.
Das nennt man nicht Verlust.
Überfürsorglichkeit, vielleicht.

IV.
Nach dem Tod meines besten Freundes
hatte ich nichts,
was ich noch hätte berühren können.
Physisch, meine ich.
Möglicherweise wäre es
weniger problematisch gewesen,
wenn ich meine Finger über Fotos
hätte streichen können;
wenn ich meine Tränen in einem Shirt von ihm
abtrocknen hätte können.

Jahre sind vergangen.
Ich bin unsichtbar und
kann nichts umgreifen.

V.
Gerne wüsste ich um Sinnlichkeit,
doch suche ich nach Sinn und
nie nach den Sinnen.
Als ich seine Hände auf meinen Brüsten spürte,
sanft und so ungleich den seinen,
fraßen sich zögerlich Unsicherheiten
durch meine Knochen.
Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.
Also machte ich das,
was ich bei ihm auch gezwungen war zu tun,
und wollte verdrängen,
dass sich seine Zärtlichkeit
fast gleich anfühlt
wie Verrohung.

Ich hasse mich dafür,
dass ich mir wünschte, es würde schnell vorüber sein,
darum stöhnte ich einfach lauter,
ritt ihn etwas schneller
und litt vehement verstellter.

VI.
Es tut mir leid.
Aber ich kenne den Unterschied
zwischen Liebe machen und
Benutzt-werden nicht.

1 Kommentar:

  1. Der letzte Abschnitt kam wie ein Schlag.

    Ich würde gern etwas äußern, was hilft. Nur aus Erfahrung weiß ich - es sitzt so tief...

    Es tut mir Leid...

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