Sonntag, 22. Juli 2018

An Händen nicht ersticken

Ich bin nutzlos. So küsst mir meine Mutter auf die Stirn, um mir auf Wiedersehen zu sagen - so wie jeden Juli. Ihre Liebe trage ich in mir herum wie eine überfüllten Koffer. An manchen Tagen packe ich noch meine eigenen Sorgen hinein und ich muss alles hinter mir her schleifen. So ist das Leben nun einmal, sage ich mir dann gerne. Diese Art Schwere macht mir nichts aus. Jede Liebe ist massig; lastend wie die 100 Kg Erniedrigungen meiner Kindheit, die auch auf ewig auf den Schultern lasten.
Manches wird mit der Zeit fetter und wuchtiger, überraschend sind es oft Worte - und diese sind nie bescheidend oder peinlich berührt, wenn es um ihre Körper geht.

Während meiner letzten Therapiesitzung sagte der Art, dass Genesung immer möglich sei. Als Erstes sollten wir uns auf das Loslassen von Schuldgefühlen und Wut konzentrieren. Plötzlich scheint Heilung so leicht wie das Umdrehen von Kopfkissen. Unbedacht wiederhole ich kleinlaut, was er sagte: "Eine Genesung ist immer möglich", doch meine eigene Stimme erreichte meine Ohren nicht.
Der Satz fühlte sich an als würde man seinem Liebhaber einen fremden Namen geben. Kopf durchlässig mit Buchstaben aus angesammelten Moos auf einem Grabstein. Böse Blicke und blamable Ausreden; "Eine Genesung ist möglich" klingt für mich wie das Pressen einer Klinge auf vernarbte Haut.
Ich glaube an den Glauben. Damit meine ich nicht Gott. Ich glaube an die Macht im Glauben. Eines Tages könnte Gesundheit der Prophet sein, den man selbst auf die Reise schickt.

Wenn ich schlafe, klappen sich meine Lungen zu wie Manuskript Seiten. Donnerstags verbrenne ich jede Seite. Meine Hände sind immer hungrig - und bekanntlich wird man zur Diva, wenn man hungrig ist. Ich bin nutzlos.
Sein ist hässlich. Es impliziert ein stetiges Vorhandensein von Zeit, die man immer für etwas tiefgreifenderes Nutzen sollte.

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